Monat: August 2026

  • Brasilien – Rio de Janeiro (3 von 3) Favela

    04.08.2026 – Zwischen Favela, Sturmgewehren und Caipirinha

    Heute stand eine Tour auf dem Programm, die zumindest auf dem Papier nicht unbedingt nach einem entspannten Urlaubsausflug klang: eine Besichtigung der Rocinha, der berühmtesten und größten Favela von Rio de Janeiro. „Gefährlich“ war dabei das Stichwort, das uns vermutlich allen irgendwann einmal durch den Kopf ging.

    Favelas kann man vereinfacht mit Slums oder Ghettos vergleichen. Die Entstehung der Favelas von Rio geht bis ins Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Nach dem Ende der Sklaverei in Brasilien entstanden an den Hängen Rios günstige Wohnmöglichkeiten für ehemalige Sklaven. Armut gehört deshalb seit jeher zur Geschichte dieser Viertel. Nach aktuellen Schätzungen gibt es im Großraum Rio zwischen 800 und 1.000 Favelas. Etwas mehr als 20 Prozent der Einwohner Rios – also ungefähr 1,2 Millionen Menschen – leben dort.

    Wir hatten uns für unsere Tour die Rocinha ausgesucht. Eine Favela sollte man allerdings nicht unbedingt auf eigene Faust erkunden. Ortskundige Guides sind hier nicht nur für interessante Informationen hilfreich, sondern möglicherweise auch für das eigene Überleben. Wir hatten deshalb eine offizielle geführte Tour gebucht. Denn auch am helllichten Tag kann es durchaus gefährlich werden. Nachts sollte man solche Gegenden erst recht meiden. Selbst die Polizei hält sich meistens aus den Favelas heraus und überlässt den dort ansässigen Gangs offenbar weitgehend das Feld. Unser Guide erklärte uns außerdem, dass es eine Art ungeschriebenes Geschäftsmodell gibt: Touristen werden nach den Regeln der Gangs nicht überfallen oder ausgeraubt, denn sonst müsste die Polizei eingreifen. Ein ziemlich ungewöhnliches „Nehmen und Geben“.

    Ob die Polizei dabei möglicherweise ebenfalls mitverdient, blieb allerdings eine Vermutung. Unser Guide deutete zumindest entsprechende Zusammenhänge an. Die Taschendiebe haben jedenfalls ein ganz eigenes Arbeitszeitmodell: Tagsüber geht es in der Stadt oder an der Copacabana auf Beutezug, und abends kehrt man wieder in die Favela zurück. So hat offenbar auch ein Taschendieb irgendwann Feierabend.

    Unsere Tour begann an der U-Bahn-Station. Von dort ging es zunächst als Sozius auf einem Motorrad den Berg hinauf – mitten hinein in die Favela. Die Motorräder quetschten sich durch den Verkehr, und Gegenverkehr wurde dabei eher als freundlicher Vorschlag denn als echtes Hindernis betrachtet. Ein bisschen Abenteuer gehört schließlich dazu. Für jedermann ist diese Fahrt sicher nicht geeignet, aber nach ungefähr fünf Minuten waren wir tatsächlich heil oben angekommen. Schon mal ein Erfolg.

    Von dort ging es zu Fuß weiter durch die engen Gassen. Vorne marschierte unser Guide, hinten lief ein Mann, der extra zur zusätzlichen Absicherung dabei war. Er sorgte für unsere Sicherheit und gehörte wahrscheinlich zu einer örtlichen Gang. Man könnte sagen: Wir hatten einen persönlichen Sicherheitsdienst – nur eben nicht in Anzug und mit Knopf im Ohr.

    Wir kamen an kleinen Läden vorbei, in denen Lebensmittel und Handys verkauft wurden. Dazwischen saßen immer wieder Männer am Straßenrand – einige davon mit Sturmgewehren und Pistolen bewaffnet. Menschen also, bei denen man vermutlich besser darauf verzichtet, sie durch unbedachte Bemerkungen zu verärgern.

    Unser Guide erinnerte uns deshalb immer wieder an eine wichtige Regel: „Handy und Sonnenbrillen weg!“

    Auch hier geht man offenbar mit der Zeit. Moderne Sonnenbrillen können mittlerweile Kameras eingebaut haben – und Gangster und Drogendealer sind verständlicherweise wenig begeistert davon, bei ihrer Arbeit fotografiert zu werden. Schließlich möchte man nicht unbedingt am nächsten Tag als unfreiwilliges Fotomodell in irgendeiner Galerie auftauchen. Laut Aussage unseres Guides kostet ein unerlaubtes Foto angeblich einen Finger. Rein rechnerisch könnten wir also im Normalfall ganze zehn Fotos machen. 😉 Wir haben uns allerdings entschieden, diese Rechnung nicht unbedingt in die Praxis umzusetzen. Unserer Meinung nach gehört diese Geschichte eher in die Kategorie „Horrorgeschichten, die ein Guide Touristen erzählt, damit sie schön brav bleiben“.

    Und tatsächlich: Wir sahen auch mehrere Drogendealer, die kleine weiße Tütchen ganz offen auf einem Tisch am Straßenrand zum Verkauf anboten. Verstecken? Fehlanzeige. Das Ganze wirkte fast wie ein ganz gewöhnlicher Straßenverkauf. Xin war schließlich so verrückt, tatsächlich einen der Dealer nach dem Preis zu fragen. Ein Gramm Kokain sollte – vermutlich abhängig vom jeweiligen Reinheitsgrad – zwischen 10 und 40 Dollar kosten. Eine erstaunlich große Preisspanne für ein Produkt, bei dem man vermutlich lieber nicht nach der Qualitätsgarantie fragen möchte.

    Nach einer kurzen Unterhaltung mit unserem Guide zeigte uns der Dealer dann sogar noch seinen Oberkörper. Dort waren mehrere Schussverletzungen zu sehen. Spätestens da wurde uns klar: Auch wenn die Dealer ihre Ware hier scheinbar ganz offen anbieten, ist ihr eigenes Leben alles andere als ungefährlich.

    Dealer haben offensichtlich auch kein leichtes Leben – nur eine ziemlich ungewöhnliche Art, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

    Doch die Rocinha zeigte uns auch eine ganz andere Seite. Wir kamen an einer kleinen Kunstgalerie vorbei, die sogar über die Grenzen Brasiliens hinaus bekannt ist. Der Streetart-Künstler Wark Rocinha ist vor allem für seine Engelsbilder berühmt, über die bereits internationale Zeitungen – auch deutsche – berichtet haben. Einige dieser Zeitungsartikel hängen in der Galerie an der Wand.

    Ein schöner und beeindruckender Kontrast zu dem, was wir zuvor gesehen hatten. Denn auch hier gibt es Lichtblicke. Kunst kann – neben guter Bildung und Fußball – eine Möglichkeit sein, dem Leben zwischen Armut, Favelas und Gangs zu entkommen. Gerade solche Beispiele zeigen, dass eine Favela eben nicht nur aus Kriminalität und Armut besteht, sondern auch aus Menschen mit Talent, Kreativität und dem Wunsch nach einem anderen Leben.

    Nach knapp zwei Stunden hatten wir die Gefahrenzone schließlich wieder verlassen und unser Guide verabschiedete sich von uns. Wir waren um einige Eindrücke reicher und vermutlich auch ein wenig erleichtert, wieder in einer Umgebung unterwegs zu sein, in der man seine Sonnenbrille tatsächlich wieder aufsetzen durfte.

    Von dort ging es weiter zum nächsten berühmten Strand von Rio: Ipanema.

    Auch dieser Strand ist wunderschön – und vor allem sehr lang. Im Vergleich zur Copacabana war hier deutlich weniger los. Genau das kam uns nach den Erlebnissen der vergangenen Stunden ganz gelegen. Also schlenderten wir gemütlich am Wasser entlang und ließen uns die Füße von den Wellen umspülen.

    Nach all den Eindrücken war jetzt Entspannung angesagt. Zum Abschluss kehrten wir noch in eine Bar ein und gönnten uns ein Sandwich und eine Caipirinha. Ein würdiger Abschluss für unseren letzten Tag in Rio de Janeiro.

    Morgen heißt es dann Abschied nehmen von Rio. Mit dem Bus geht es an der Küste entlang weiter nach Paraty. Wir sind gespannt, was uns dort erwartet – hoffentlich etwas weniger bewaffnete Herren und dafür umso mehr Strand, Sonne und Caipirinha.

    Unser Fazit: Rio – schön, chaotisch und ein bisschen verrückt

    Rio de Janeiro ist definitiv keine Stadt für einfache Zusammenfassungen. Dafür gibt es hier zu viele Gegensätze – und genau das macht Rio so besonders.

    Landschaftlich ist die Stadt einfach wow: Berge direkt am Meer, endlose Strände, tropisches Grün, Buchten und Aussichtspunkte ohne Ende. Dazu hatten wir meistens schönes Wetter und angenehme Temperaturen. Kurz gesagt: Die Natur hat hier wirklich alles gegeben.

    Aber Rio zeigt auch seine Schattenseiten. Armut, Obdachlosigkeit und eine teilweise sehr starke Sicherheitspräsenz gehören genauso zum Stadtbild. Die sozialen Unterschiede sind deutlich sichtbar.

    Kulinarisch waren wir dagegen weniger begeistert. Restaurants in der Innenstadt zu finden, war manchmal fast schwieriger als einen guten Aussichtspunkt ohne Nebel zu erwischen. Viele Lokale schließen schon gegen 18 Uhr – offenbar hat man in Rio danach keinen Hunger mehr. 😄 Die wenigen geöffneten Restaurants waren teilweise überraschend teuer, fast auf deutschem Preisniveau. Und auch das brasilianische Essen konnte uns im Vergleich zu Asien und anderen Ländern Südamerikas nicht wirklich umhauen.

    Vielleicht ist genau das Rio: Traumstrände und soziale Probleme, Luxus und Armut, Nebel und plötzlich spektakuläre Aussichten, Ruhe und Chaos – und natürlich Caipirinha mit anschließendem Kater. 🍹

  • Brasilien- Rio de Janeiro (2 von 3) Zwischen Wolken, Christus, Caipirinha und Zuckerhut

    30.07.2026 – Der Christus im Nebel – und plötzlich doch ein Wunder

    Heute klingelte der Wecker schon um 6:30 Uhr. 24 Grad, bedeckter Himmel, aber trotzdem Sonnenschein – also eigentlich perfektes Wetter für unser heutiges Ziel: Cristo Redentor, die weltberühmte Christusstatue auf dem Corcovado.

    Nach unserer Internet-Recherche sollte die Zahnradbahn Trem do Corcovado ziemlich voll sein. Deshalb beschlossen wir, es etwas cleverer zu versuchen und mit dem Shuttlebus hinaufzufahren. Wir bestellten ein Uber und ließen uns bis Paineiras Corcovado bringen.

    Schon auf dem Weg dorthin merkten wir, dass die Natur offenbar noch mit den Nachwirkungen des Sturms vom Vorabend beschäftigt war. Überall lagen abgebrochene Äste herum, und Straßenarbeiter waren fleißig dabei, die Wege wieder freizuräumen. Interessant – im Hotel hatten wir von dem Sturm überhaupt nichts mitbekommen.

    Um 8:15 Uhr kamen wir schließlich bei Paineiras an. Und dann die Überraschung: Wegen des Sturms vom Vorabend würde der Shuttlebus erst um 10 Uhr fahren. Na toll! Früh aufstehen, früh losfahren und dann erst einmal zwei Stunden warten. Das war nicht ganz der Plan.

    Zum Glück gab es eine Alternative: Von hier konnten wir mit der Zahnradbahn weiterfahren. Sie fuhr etwa alle 15 Minuten und kostete 125 Reais, also sogar etwas weniger als die 131 Reais ab der Talstation des Trem do Corcovado. Und plötzlich hatte unsere ungeplante Variante sogar einen großen Vorteil: Wir waren fast die einzigen Passagiere. Also Tickets gekauft – und kaum waren wir fertig, kam auch schon die nächste Bahn. Die war zwar ziemlich voll, aber wir bekamen trotzdem noch freie Plätze. Die Fahrt führte durch den dichten Atlantischen Regenwald den Corcovado hinauf.

    Und dann waren wir endlich oben.

    Vor uns stand die riesige Christusstatue – allerdings nicht ganz so, wie man sie von den berühmten Postkarten kennt.

    Sie stand mitten im Nebel.

    Wir konnten noch kurz die Stadt und das Meer erkennen, dann zog sich eine weiße Wolkendecke über alles. Weg. Nichts mehr zu sehen. Nada! Das darf doch nicht wahr sein! Hatten wir heute etwa wieder dasselbe Pech wie damals in Ba Na Hills in Vietnam, als wir ebenfalls extra irgendwo hochgefahren waren und am Ende hauptsächlich Wolken anschauen durften?

    Wir machten ein paar Fotos von der Statue. Viele andere Touristen schienen ebenfalls ziemlich enttäuscht zu sein und machten sich schon wieder auf den Weg Richtung Zahnradbahn. Aber wir hatten Zeit. Und immerhin regnete es nicht. Also beschlossen wir: Wir bleiben einfach hier und warten.

    Manchmal muss man beim Reisen eben akzeptieren, dass der Wettergott einen eigenen Reiseplan hat. Wir machten ein paar experimentelle Fotos, liefen etwas herum und entdeckten schließlich hinter der Statue eine kleine Kapelle. Sie war geöffnet. Also ging ich hinein, setzte mich ein paar Minuten auf einen Stuhl und genoss die Ruhe. Auch im unteren Bereich fanden wir noch weitere Gebetsräume – und sogar eine Toilette. Sehr praktisch, denn wer hätte gedacht, dass der liebe Gott nebenbei auch noch eine öffentliche Infrastruktur betreibt?

    Nach ungefähr einer Stunde gingen wir wieder zurück zur Statue. Und plötzlich passierte das kleine Wunder: Die Wolken zogen weiter!

    Erst ein kleines Stück, dann immer mehr. Und auf einmal war die gesamte Aussicht frei.

    Wow! Was vorher noch aussah wie ein Ausflug in eine Nebelmaschine, verwandelte sich innerhalb weniger Minuten in eines der spektakulärsten Panoramen unserer Reise.

    Jetzt konnten wir tatsächlich ganz Rio sehen.Links entdeckten wir das berühmte Maracanã-Stadion, dazu unzählige Gebäude, mehrere große und kleine Flughäfen und die unglaublich lange Ponte Rio-Niterói, die sich über die riesige Guanabara-Bucht zieht. Auch das Riesenrad und die Skyline der Innenstadt waren zu erkennen.

    Direkt vor uns lag – ungefähr auf 12 Uhr – der Zuckerhut. Etwas rechts davon: Copacabana mit ihrem goldfarbenen Strand. Noch weiter rechts: Ipanema und davor die Lagoa Rodrigo de Freitas. Ein gigantisches Panorama! So viele Details, so viele Farben – wir konnten einfach nicht aufhören zu fotografieren.

    Ein Bild nach dem anderen. Und noch eins. Und vielleicht noch eins zur Sicherheit. Man weiß ja nie, welches davon später das „wirklich gute“ ist.

    Natürlich waren inzwischen auch deutlich mehr Menschen angekommen. Aber daran waren wir mittlerweile in Rio gewöhnt.

    Zwischen den ganzen Touristen entdeckten wir sogar zwei kleine Eidechsen, die offenbar ebenfalls beschlossen hatten, die plötzlich wiedergekehrte Sonne zu genießen.

    Irgendwann waren wir schließlich zufrieden und wollten gehen.Und da merkten wir, wie viel Glück wir eigentlich gehabt hatten: Der Zugang zur Kapelle war inzwischen gesperrt – ebenso die Toilette auf der oberen Ebene. Die Leute mussten unten lange anstehen, Männer und Frauen gleichermaßen. Puh! Da hatten wir wirklich den perfekten Moment erwischt.

    Die Wolken verschwanden genau dann, als wir noch oben waren – und wir konnten vorher sogar noch ganz entspannt die Kapelle und die Toilette benutzen. Manchmal muss man beim Reisen eben einfach warten, bis das Glück wieder vorbeikommt.

    Mit der Zahnradbahn fuhren wir wieder hinunter. Und obwohl wir schon einiges erlebt hatten, war der Tag noch jung. Also beschlossen wir: Ab zum Strand!

    Diesmal ging es zum Flamengo Beach.

    Der Strand ist ebenfalls sehr schön, aber deutlich ruhiger als Copacabana. Kaum Leute, viel Platz und eine schöne Aussicht auf den Zuckerhut.

    Auf dem Wasser lagen zahlreiche Boote vor Anker. Vielleicht lag es auch daran, dass das Wasser hier durch die vielen Boote nicht gerade zum Baden einlud. Zumindest schien niemand große Lust darauf zu haben, hineinzuspringen.

    Wir machten stattdessen einen schönen Spaziergang entlang des Strandes, genossen die Aussicht und ließen den Tag langsam ausklingen.

    Leider ging es Michael am nächsten Tag nicht besonders gut. Wahrscheinlich hatte er sich beim Baden erkältet. Also beschlossen wir, einen Tag Pause einzulegen. Kein Sightseeing-Marathon, keine Busse, keine Bahnen, keine Sehenswürdigkeiten. Einfach Hotelzimmer, ausruhen und Kräfte sammeln. Auch das gehört zu einer langen Reise dazu. Schließlich kann man nicht jeden Tag auf einen Berg fahren, durch Rio spazieren und gleichzeitig erwarten, dass der Körper irgendwann nicht einfach sagt: „Jetzt reicht’s aber!“

    01.08.2026 – Mit der Fähre zum UFO und nachts durch Copacabana

    Heute ging es Michael wieder besser. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zur Fähre. Unser Ziel: Niterói, die Stadt auf der anderen Seite der Guanabara-Bucht.

    Die einfache Fahrt nach Praça Arariboia kostete gerade einmal 5 Reais, also ungefähr 80 Cent. Die Fähre war erstaunlich groß und sauber. Nach etwa 30 Minuten erreichten wir die andere Seite.

    Und dort erwartete uns eine ganz andere Stadt. Von Praça Arariboia aus liefen wir Richtung Museu de Arte Contemporânea de Niterói, kurz MAC. Das Museum sieht aus, als hätte jemand ein UFO auf einen Felsen am Meer gestellt und anschließend vergessen, es wieder abzuholen.

    Das futuristische, weiße Gebäude wurde vom berühmten brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer entworfen und 1996 eröffnet. Die Form erinnert an eine fliegende Untertasse oder eine riesige Blume. Das Gebäude ragt über die Küste und bietet normalerweise einen fantastischen Blick über die Guanabara-Bucht sowie auf Rio und Niterói.

    Direkt in der Umgebung gibt es außerdem einen schönen Strand. Wenig Menschen, ruhig und entspannt – fast schon verdächtig ruhig für Rio.

    Da wir am Abend noch einen wichtigen Termin hatten, wollten wir uns heute allerdings nicht zu viel Zeit für das Museum nehmen. Wir spazierten weiter, aßen etwas und machten uns gegen 16 Uhr wieder auf den Rückweg.

    Denn am Abend stand etwas ganz Besonderes auf dem Programm:Party-Tour mit einem lokalen Guide durch Copacabana!

    Unsere junge und hübsche Tourleiterin Deyse war offensichtlich genau für so etwas geboren worden. Wir waren eine kleine, angenehme Gruppe von nur fünf Personen und machten mehrere Stopps. Los ging es direkt an einer Strandbar an der Copacabana. 20 Uhr, 25 Grad, ein großer gelber Vollmond hing tief über dem Horizont.

    Die Luft war angenehm warm, vom Meer kam eine leichte Brise – und in unserer Hand stand eine kalte Caipirinha. Also genau die Art von Abend, bei der man sich schon nach zehn Minuten fragt, warum man eigentlich jemals wieder nach Hause fliegen sollte.

    In der Bar tanzten vier Tänzerinnen und Tänzer zu guter DJ-Musik. Irgendwann wurden auch wir auf die Tanzfläche eingeladen.

    Und Deyse hatte natürlich noch eine weitere Idee:Tanzwettbewerb! Sechs Männer mussten zu einem Lied tanzen – Michael selbstverständlich eingeschlossen.

    Wir Frauen hatten die wichtigste Aufgabe: Für jeden Kandidaten möglichst laut zu jubeln. Wer den lautesten Jubel bekam, gewann. Und der Preis? Eine Caipirinha. Das war offenbar Motivation genug. Am Ende konnten sich Ralf aus Paris und Michael gegen die Konkurrenz durchsetzen und wurden gemeinsam zu den Gewinnern erklärt.

    Danach gab es noch Cachaça und weitere Bars. Und mit jeder Bar wurde die Stimmung lustiger.Wir tanzten viel, lachten viel und irgendwann hatte ich offenbar etwas zu viel Caipirinha und Cachaça erwischt. Ab einem gewissen Zeitpunkt wird meine Erinnerung etwas… kreativ.

    Ich kann mich jedenfalls nicht mehr genau daran erinnern, wie Michael uns zurück ins Hotel gebracht hat. Am nächsten Tag wusste ich dafür sehr genau, dass ich einen Kater hatte. Kopfschmerzen deluxe. Ich habe fast den ganzen Tag geschlafen. Erst nach dem Abendessen ging es mir wieder deutlich besser.

    Also machten wir noch einen schönen Spaziergang am Wasser und bewunderten anschließend das Museu do Amanhã von außen.

    Schon von außen ist das Gebäude beeindruckend: futuristisch, langgezogen und mit seiner markanten Architektur fast wie ein Raumschiff am Wasser. Der Entwurf stammt vom spanischen Architekten Santiago Calatrava. Das Museum beschäftigt sich mit Wissenschaft, Nachhaltigkeit und der Frage, wie unsere Zukunft aussehen könnte. Nachts, mit der Beleuchtung, wirkte das Gebäude noch futuristischer. Und wir dachten nur:Nach so einem Abend passt ein Museum der Zukunft eigentlich ganz gut. Wir waren selbst noch nicht ganz sicher, ob wir schon wieder in der Gegenwart angekommen waren.

    03.08.2026 – Heute stand der nächste große Klassiker auf unserem Programm: Pão de Açúcar – der Zuckerhut.

    Und schon während der Fahrt nach oben wurde klar: Die Aussicht hier ist völlig anders als vom Cristo Redentor.

    Beim Zuckerhut geht es nicht darum, über die Stadt von ganz oben hinunterzuschauen. Stattdessen liegt Rio vor einem wie eine riesige Landschaftskarte – mit Bergen, Meer, Stränden, Hochhäusern und der Guanabara-Bucht.

    Mit den berühmten Bondinhos, den Seilbahnen, ging es zunächst zur Mittelstation Morro da Urca und anschließend weiter auf den Zuckerhut.

    Besonders interessant fanden wir dort die historischen Gondeln. Wir konnten die ersten beiden Generationen der Seilbahn sehen.

    Die Geschichte des Bondinho reicht übrigens erstaunlich weit zurück: Der erste Abschnitt zwischen Praia Vermelha und Morro da Urca wurde bereits 1912 eröffnet, der zweite Abschnitt bis zum Zuckerhut folgte 1913. Die ersten Kabinen wurden damals sogar aus Deutschland importiert. 1972 wurde dann eine neue Generation der Seilbahn eingeführt. Schon allein die Tatsache, dass hier seit mehr als 110 Jahren Menschen mit einer Seilbahn auf den Zuckerhut fahren, ist beeindruckend.

    Und wieder erleben wir Rio aus einer völlig anderen Perspektive. Nach dem Cristo Redentor haben wir nun praktisch beide großen Aussichtspunkte der Stadt „abgehakt“ – und beide zeigen uns ein anderes Gesicht von Rio.