Da wir mehrere Tage auf beiden Seiten der Grenze verbracht und die Iguazú-Wasserfälle sowohl von Argentinien als auch von Brasilien aus erkundet haben, konnten wir einen ziemlich guten Vergleich ziehen.
Die Frage „Welche Seite ist schöner?“ hören wir seitdem öfter – und wie so oft lautet die Antwort: Es kommt darauf an. Beide Seiten sind von den größeren Städten des jeweiligen Landes bequem mit dem Flugzeug erreichbar. Wer also ohnehin durch Argentinien oder Brasilien reist, hat keine Schwierigkeiten, zu den Wasserfällen zu gelangen.
Der Ort Puerto Iguazú auf der argentinischen Seite ist deutlich kleiner und gemütlicher als Foz do Iguaçu in Brasilien. Das bringt Vor- und Nachteile mit sich. Die Infrastruktur ist in Argentinien etwas einfacher, dafür sind viele Dinge auch etwas günstiger. Uns hat es dort an nichts gefehlt. Riesige Supermärkte sucht man zwar vergeblich, aber fast alles, was man im Urlaub wirklich braucht, ist problemlos erhältlich. Der Busverkehr funktioniert gut, ist allerdings etwas teurer als auf der brasilianischen Seite. Uber und Taxis gibt es auf beiden Seiten zu ähnlichen Preisen, wobei Uber meist die günstigere Wahl ist. Hotels und Restaurants findet man sowohl in Argentinien als auch in Brasilien für jeden Geldbeutel.
Kommen wir nun zum eigentlichen Star der Reise: den Wasserfällen. Rund 80 Prozent der Wasserfälle liegen auf argentinischem Gebiet. Entsprechend gibt es dort deutlich mehr und längere Wanderwege direkt entlang der Wasserfälle.

Die meisten Ausblicke genießt man von oben, teilweise aber auch von unten. Auf die Bootstouren kommen wir gleich noch. Durch die weitläufige Anlage verteilen sich die Besucher auf der argentinischen Seite deutlich besser. Trotz vieler Gäste wirkt alles entspannter und weniger überlaufen. Lediglich an den Kassen muss man mit ähnlichen Wartezeiten rechnen wie in Brasilien.
Die brasilianische Seite punktet dagegen mit etwas ganz Besonderem: dem Panorama. Da die Wege am Hang durch den Wald verlaufen, hat man immer wieder einen spektakulären Blick auf nahezu die gesamte Wasserfalllandschaft. Genau diese Aussicht hat uns besonders begeistert. Allerdings gibt es entlang des Wassers im Wesentlichen nur einen Hauptweg – und der war bei unserem Besuch ziemlich voll. Vermutlich lag das auch daran, dass sowohl in Brasilien als auch in Argentinien gerade Ferien waren.

Die übrigen Wege führen eher durch den Nationalpark und den Dschungel. Hier braucht man neben dem Eintrittsticket auch eine Portion Geduld. Wer von menschenleeren Instagram-Fotos träumt, sollte entweder sehr früh aufstehen oder ein kleines Wunder erwarten. Ohne nachträgliche Bildbearbeitung bekommt man schnell 20 bis 30 fremde Personen mit aufs Foto. In Argentinien war das etwas einfacher. Dafür kommt man auf der brasilianischen Seite den gewaltigen Wassermassen am berühmten Teufelsschlund deutlich näher. Wer denkt, ein paar Tropfen abzubekommen, wird schnell eines Besseren belehrt. Je nach Windrichtung bleibt garantiert kein T-Shirt trocken – eine kostenlose Dusche inklusive.
Ein deutlicher Unterschied zeigt sich auch beim Eintrittspreis. Während in Argentinien 60.000 argentinische Peso – umgerechnet etwa 35 Euro – fällig werden, kostet der Eintritt auf der brasilianischen Seite lediglich 131 brasilianische Real, also rund 23 Euro. Brasilien gewinnt diese Disziplin also klar nach Punkten – zumindest aus Sicht des Geldbeutels.
Immerhin gibt es auf beiden Seiten den Transport innerhalb des Nationalparks bereits inklusive. In Brasilien bringen Busse die Besucher bequem zu den verschiedenen Stationen, während man in Argentinien stilecht mit dem kleinen Parkzug unterwegs ist. So beginnt die Entdeckungstour schon vor dem ersten Wasserfall – ganz ohne zusätzliche Ticketkäufe oder lange Fußmärsche.
Bootstouren werden auf beiden Seiten angeboten und unterscheiden sich hinsichtlich Route und Erlebnis kaum. In Argentinien haben wir 90.000 argentinische Peso pro Person bezahlt, was etwa 53 Euro entsprach. Auf der brasilianischen Seite kostet die Tour ungefähr 380 brasilianische Real, also rund 65 Euro. Das Abenteuer selbst ist auf beiden Seiten praktisch identisch: viel Adrenalin, beeindruckende Natur und am Ende mindestens genauso nass wie glücklich.
Unser Fazit:
Obwohl uns persönlich die brasilianische Seite wegen des grandiosen Panoramablicks und der unmittelbaren Nähe zum Teufelsschlund noch ein kleines bisschen besser gefallen hat, würden wir jedem empfehlen, beide Seiten zu besuchen.
Jede bietet ihre ganz eigenen Eindrücke und Perspektiven. Am besten plant man mehrere Übernachtungen auf einer Seite ein und besucht die andere im Rahmen eines Tagesausflugs – auf eigene Faust oder mit einer gebuchten Tour. So erlebt man die Iguazú-Wasserfälle in ihrer ganzen Größe und versteht erst richtig, warum sie zu den beeindruckendsten Naturwundern der Welt gehören. Und ganz nebenbei kann man anschließend bei jeder Diskussion überzeugend mitreden, welche Seite denn nun wirklich die schönere ist.
Der Grenzübertritt von Brasilien nach Argentinien dauert zwar meist etwas länger als in die andere Richtung. Wer jedoch die andere Seiten der Wasserfälle im Rahmen einer Tagestour besuchen möchte, muss den Grenzübergang ohnehin zweimal passieren. Ob man also ein paar Minuten länger vor dem Schlagbaum verbringt, fällt am Ende kaum ins Gewicht – die Wasserfälle laufen schließlich auch nicht weg.
