Camper, Kängurus und Tiefkühlpizza – unser Start ins australische Abenteuer 🦘🚐
Vorgestern haben wir unseren Camper in Sydney abgeholt. Eigentlich. Also ursprünglich. In einem idealen Paralleluniversum. Geplant war ein kleiner, handlicher Sprinter mit Dusche und Toilette. Bekommen haben wir stattdessen Luxus pur auf 7,7 Meter – inklusive allem, außer Wendigkeit. Der „Kleine“ war Anfang Dezember 2025 leider nicht mehr verfügbar. Warum wir so spät gebucht haben? Weil wir auf dieser Reise „flexibel bleiben“ wollten. Was wir dabei nicht bedacht hatten: Sommerferien in Australien. Bis Ende Januar. Ergebnis: halb Australien auf Achse – und die andere Hälfte offenbar schon ausgebucht.
Bei der Übergabe dann das volle Programm: Original-Führerschein, internationaler Führerschein, Englische Übersetzung des deutschen Führerscheins (falls jemand die Übersetzung der Übersetzung braucht) und natürlich die Kreditkarte für die Kaution. Danach eine kurze Einweisung, ein paar Fotos für die Versicherung – und los ging es.


Drei Wochen Camperleben entlang der Ostküste: erst nach Melbourne, dann weiter nach Adelaide. Abenteuer Linksverkehr, Steuer rechts inklusive.
Die ersten Meter fühlten sich an, als hätte jemand die Welt gespiegelt. Der erste Kreisverkehr war… sagen wir: intensiv. Aber erstaunlich schnell wurde das Ganze fast selbstverständlich. Also erst mal zum Supermarkt, Vorräte auffüllen. Ziel für den ersten Tag: 190 km. Problem Nummer eins meldete sich prompt: Ferienzeit. Nicht nur Camper waren rar, sondern auch Stellplätze. Trotz drei Apps – von „Luxus mit Pool“ bis „kostenlos auf einer Farm neben Kühen“ – war die Auswahl überschaubar. Alle Plätze mit Strom: ausgebucht.
Also Plan B:Rest Area oder kostenlose Stellplatz ohne Strom. „Bordstrom und Wasser reichen 2–3 Tage“, hieß es. Vertrauen ist gut.
Bevor es ernst wurde, noch ein Highlight: Stanwell Tops Lookout. Eine Klippe mit atemberaubendem Blick auf die Küste, unsere ersten Papageien in freier Wildbahn und gefühlt ganz Australien beim Paragliden. Die starteten im Minutentakt – offenbar war das hier der Flughafen der Lüfte. Weiter an der Küste entlang über die Sea Cliff Bridge, die aussieht, als wäre sie direkt aus einem Hollywood-Blockbuster gefallen – Klippen, Meer, Drama. Mit Einbruch der Dunkelheit setzte Regen ein, wir fuhren die letzten Kilometer und erreichten unseren ersten Rastplatz nahe der Schnellstraße. Erste Nacht im Camper: geschafft.




Am nächsten Morgen: kühl, aber glücklich. Erstes Camper-Frühstück. Dann Planung für den nächsten Abschnitt: Booderee National Park bei Jervis Bay. Eintritt: 20 Dollar. Spoiler: Es hat sich gelohnt. Erster Stop: Murrays Beach. Türkises Wasser, weißer Sand, kaum Wellen – Postkartenalarm. Leider auch viele Einheimische, denn: Ferienzeit mit Kindern. Trotzdem fanden wir einen schattigen Platz und gingen schwimmen. Nach 1,5 Stunden Strand ging es weiter.


Nächster Spot: Cave Beach. Neben dem Parkplatz unsere ersten lebendigen australischen Wahrzeichen: Kängurus. Warum „lebendig“? Weil wir in den ersten zwei Tagen entlang der Straße gefühlt täglich 15 tote Kängurus und vereinzelt Schlangen gesehen haben. Diese hier aber waren quicklebendig, zutraulich – man konnte sie sogar streicheln. Ein echtes Highlight.



Danach wollten wir zu unserem nächsten Übernachtungsplatz – einem Rastplatz mitten im Wald. Google Maps hatte allerdings andere Pläne und schickte uns mit unserem Riesen-Camper erst mal direkt in den Dschungel. Anfangs war der Weg noch drei Meter breit, dann schlammig, dann… Ende. Also 50 Meter rückwärts, wenden auf einer Lichtung und zurück zur Hauptstraße. Wir waren nicht allein: Uns kamen einige andere Camper entgegen – mit dem gleichen „Google hat uns verraten“-Blick. Ohne Navigation, nur nach Straßenschildern, fanden wir schließlich den versprochenen Stellplatz. Schon einige Camper standen dort, alle kreativ zwischen den Bäumen verteilt. Wir suchten uns eine halbwegs gerade Fläche und parkten unser rollendes Zuhause. Zweite Nacht im Camper.

Heute ging es weiter über Narooma nach Marimbula.
In Narooma besuchten wir den Bar Rock Lookout mit Blick auf Klippen und einen dieser Strände, von denen Australien offenbar zu viele hat 😉. Unten die berühmte Felsformation Australia Rock – ein perfekter Fotospot. Direkt daneben: Robben, die sich sonnten oder im Wasser spielten. Jeden Tag neue Überraschungen!



Weiter zu Wallaga Lake mit Camel Rock, Horse Head Rock und Dragon Tail Rock. Und ja – mit etwas Fantasie machten sie ihren Namen alle Ehre. Das Kamel sah wirklich wie ein Kamel aus, das Pferd zeigte sich erst von der Seite, und beim Drachen konnte man den Schwanz aus dem Meer ragen sehen. Fantasie ausdrücklich erwünscht.



Nächster Stop: Bermagui Blue Pool.
Ein natürlicher Felsenpool direkt am Meer, der sich bei Sturm oder Flut selbständig mit frischem Salzwasser füllt. Der Mensch hat hier – ganz dezent natürlich – etwas nachgeholfen: eine kleine Mauer, damit das Wasser tiefer bleibt, plus ein separater Kinderpool. Quasi Natur pur, aber mit Upgrade. Das Wasser war herrlich warm, die Kulisse schlicht atemberaubend. Während draußen der Ozean toste, lagen wir im Pool und fühlten uns wie in einem Infinity-Pool mit Meerblick – nur ohne Hotelrechnung. Es war einer dieser Orte, an denen man sich fragt, warum man eigentlich jemals in ein Schwimmbad mit Fliesen gegangen ist. Eigentlich wollten wir gar nicht mehr raus aus dem Wasser. Wirklich nicht. Aber wir hatten ja noch ein anderes Ziel für den Tag. Also schweren Herzens raus aus dem Pool, einmal schütteln wie ein nasser Hund, und weiter ging das Abenteuer entlang der Küste.

Am späten Nachmittag erreichten wir Marimbula. Nach dem Tanken und einem Besuch im Campingladen (Chemietoiletten-Zubehör – Romantik pur) suchten wir ein Restaurant.
Ergebnis: Fehlanzeige. Viele Restaurants geschlossen. Um 17 Uhr. Eine Pizzeria hatte geöffnet – aber keine Pizza mehr. Nur Kebap. Katastrophe. Also Tiefkühlpizza aus dem Supermarkt. Auf dem Stellplatz auf einer Schaffarm angekommen, Strom anschließen – leichter gesagt als getan. Nach einigem Hin und Her funktionierte es. Dann der Backofen. Oder besser: das, was er zu sein vorgab. Die Flamme wollte nicht, die Hitze war ungleichmäßig, die Pizza halb verbrannt, halb roh. Also Notlösung: Mikrowelle. Das Ergebnis war… essbar. Irgendwie. Mit italienischer Pizza hatte es etwa so viel zu tun wie Wasser mit Schnaps. Aber wir waren satt – und beschlossen einstimmig: Backofen- und Tiefkühlpizzadramen werden in Zukunft vermieden. Das Abenteuer hat gerade erst begonnen.
