Schlagwort: Vietnam

  • Vietnam – Ha Long Bucht

    Wir haben uns eine 2-tägige Mini-Kreuzfahrt in der berühmt-berüchtigten Ha Long Bucht gebucht. Klingt gut, oder? Als wir dann das Programm lasen, wurde uns schnell klar: „2 Tage“ bedeutet eigentlich „24 Stunden auf einem Schiff mit einer Nacht, aber hey, wir nennen es halt Mini-Kreuzfahrt“. Wir waren trotzdem in Urlaubsstimmung und gespannt auf das Abenteuer.

    Leider wurde der Spaß durch die lokalen Vorschriften ziemlich ausgebremst – Kanufahren in einer Höhle und durch die Bucht? Fehlanzeige! Und so fuhren wir gestern, am ersten Tag, mit einem kleinen Boot raus zum Schiff. Schon die Überfahrt war spannend, vor allem wenn man bedenkt, dass die Ha Long Bucht malerisch aussieht… auf Instagram. In Wirklichkeit ist sie eher der „Parkplatz der Schiffe“, mit bis zu 300 Booten, die sich in der riesigen Bucht verteilen. Man fühlt sich fast wie im größten Tetris-Spiel der Welt.

    Da der Rest des Programms ja nun auch gestrichen war, blieb uns nur der grandiose Plan, zwischen den Kalksteininseln zu schwimmen. Das Wasser war schön warm – circa 25°C – aber klar… sagen wir mal: nicht gerade „Karibik-Klarheit“. Unterwasser war die Sicht so gut wie in einem dichten Nebel – maximal 1,5 Meter. Aber immerhin konnte man so die Kalksteininseln in allen möglichen mysteriösen Formen bestaunen, ohne sich zu fragen, ob das alles nur ein riesiges Fotomotiv für die Influencer ist.

    Abends gab’s dann einen Sonnenuntergang, begleitet von Cocktails – das nennt man wohl „Hochprozentige Kultur“ – und einem Fünf-Gänge-Menü. Anschließend noch eine Fashion-Show mit nicht sonderlich imposante lokalen Trachten. Aber hey, wenigstens gab’s danach noch eine Tanzvorführung, die wir tapfer „versuchten“ nachzutanzen – und ich betone hier „versuchten“. Sagen wir es so: Wir haben den Takt um 3 Sekunden verpasst, aber die Stimmung war top!

    Zum Abschluss noch das Tintenfischangeln – der Name klingt ja vielversprechend, aber mit der Ausrüstung hätte man genauso gut nach Gold schürfen können. 30 Minuten angeln mit bis zu 5 Leuten und – Überraschung – kein Tintenfisch in Sicht! Da die Geduld schon aufgebraucht war, gingen wir lieber ab in die Kabine. Der Sonnenaufgang morgen würde uns schon wieder motivieren – naja, hoffentlich.

    Heute am 2. Tag, morgens um 6 Uhr aufstehen. (Ich will nicht sagen, dass es uns schwerfiel, aber wer möchte schon aufstehen, wenn das Bett plötzlich wie das liebste Möbelstück der Welt aussieht?) Dann der atemberaubende Sonnenaufgang über den Kalksteininseln – ein beeindruckender Anblick, der uns immerhin kurz den Schlafrausch nahm.

    Danach ging es zur Tai-Chi-Stunde – ich sage mal so: Ich habe das Gefühl, man kann die Bewegungen nicht wirklich falsch machen, solange man entspannt dabei aussieht. Nach einem schnellen Frühstück ging es dann per Boot und Bus zur Dong Trung Trang Höhle auf der Insel Cat Ba – eine gute Alternative zum Kajakfahren. Aber, und das ist wichtig: Es war auch eine Alternative. Also, kein Ersatz für die verschollenen Paddelabenteuer, aber trotzdem nett.

    Und dann kam der Höhepunkt: Der Aufstieg zum Höhleneingang über eine Treppe mit Pfeilern – die schwankten so sehr, dass man dachte, sie würden bald ihre Kündigung einreichen. Bei 200 Touristen auf einer Treppe, die für maximal 60 Leute ausgelegt war, war „Engpass“ eher ein euphemistisches Wort für „Achterbahn ohne Sicherheitsgurt“. Und ich will nicht sagen, die Ingenieure waren schuld. Die waren bei Bau einfach nur abwesend. Die Statik hätte in Deutschland garantiert ein paar besorgte Blicke erzeugt und das Bauamt auf den Plan gerufen.

    Die Höhle selbst war dann eine Mischung aus „Harry Potter trifft Alien“. Man musste sich teilweise auf den Knien durch engen Gänge quetschen und dabei von Wasser geformte Gebilde bestaunen, die irgendwie an Gebilde aus den „Alien“ Filmen erinnerten. Ich hatte fast das Gefühl, dass gleich ein „Alien“ aus der Wand springt.


    Trotz allem war es ein schöner 2-Tages-Ausflug (okay, vielleicht 1 Tag – aber wer zählt schon so genau?). Das Schiff war super, die Crew ebenfalls und die Mahlzeiten – naja, wenn man nichts gegessen hätte, wäre der Urlaub vielleicht nicht so fantastisch gewesen. Am Nachmittag ging es dann zurück nach Hanoi, um noch mehr Abenteuer zu erleben.

  • Vietnam – Ha Noi – Zitadelle und Wasserpuppen Theater

    Heute haben wir beschlossen, die Zitadelle von Thăng Long zu besichtigen. Eintritt: 100.000 Dong pro Person – klingt erstmal nach „Autsch“, ist aber nur etwa 3 Euro. Also der Gegenwert eines Kaffees in Europa… oder eines halben in Zürich.

    Die Zitadelle selbst wurde im Jahr 1010 von der Lý-Dynastie gegründet – ja, richtig gelesen: 1010. Damals gab es noch nicht mal WLAN. Viele der alten Gebäude stammen aus dieser Zeit oder wurden später von nachfolgenden Dynastien erweitert. Ein sehr langlebiges Bauprojekt! In den Museumssälen sahen wir viele historische Schriften, die oft auf Chinesisch verfasst sind. Kein Wunder: China hat Vietnam insgesamt über 1000 Jahre beeinflusst, von etwa 111 v. Chr. bis 938 n. Chr. – also länger als manche Menschen brauchen, um ihre Doktorarbeit zu schreiben. Und Hanoi wurde tatsächlich mehrmals von chinesischen Dynastien erobert. Man könnte sagen: ein sehr langfristiger „Kultur-Download“.

    Später kamen die Franzosen vorbei und machten Vietnam ab 1858 zur Kolonie, offiziell dann ab 1887, bis 1954 Schluss war. Geschichte Vietnams ist wirklich wie eine WG, in der ständig neue Mitbewohner einziehen – nur fragt wieder mal keiner um Erlaubnis.

    Sehr beeindruckend sind die unterirdischen Bunker, die während des Vietnamkriegs genutzt wurden, besonders in den 1960er und 1970er Jahren. Dort stehen Ausrüstungen aus der ehemaligen Sowjetunion herum – ein bisschen wie ein Vintage-Militärflohmarkt. Ein Ort voller Tragik und großer Geschichten – aber heute liegt friedlich die Sonne darüber, als wäre nie etwas passiert.

    Danach haben wir einen langen Spaziergang zum Hồ-Tây-See gemacht, westlich vom Stadtzentrum. Dort steht die Trấn-Quốc-Pagode, ein kleiner, aber geschichtsträchtiger buddhistischer Tempel, der älteste buddhistische Tempel Hanois. Obwohl er nicht groß ist, herrscht dort Hochbetrieb. Touristen überall, Selfiesticks im Anschlag, das volle Programm. Im Vergleich zu den vielen wunderschönen Tempeln, die wir in Thailand und Kambodscha gesehen haben, wirkt dieser hier eher… nun ja… bescheiden. Sagen wir es freundlich: Er gibt sich Mühe, aber gegen Wat Pho und Angkor Wat anzutreten, ist ungefähr so, als würde ein Gartenzwerg versuchen, beim Architekturpreis mitzuspielen.Also: ein paar Fotos gemacht – Klick, Klick, Lächeln – und dann schnell weiter, bevor wir selbst Teil des Touristenschwarms wurden.

    Am frühen Abend haben wir uns das berühmte Wasserpuppentheater angeschaut. Tickets sollte man unbedingt vorher kaufen – die Vorstellungen sind fast immer ausverkauft. Und nachdem wir es gesehen haben, wissen wir auch warum: Die Show ist wirklich einzigartig.

    Die Bühne ist ein großes, grünes Wasserbecken, und an beiden Seiten sitzen Musiker und Sängerinnen, die alles live performen. In einer Stunde werden unzählige Szenen dargestellt: Fischer, die Frösche fangen, Bauern, die Reisfelder bestellen, Kinder, die im Wasser spielen und plantschen. Dann tauchen Drachen und Phönixe auf, tanzen wild herum, sogar Drachenbootrennen gibt es – bunt, lebendig, laut und überraschend.

    Immer wieder bewegen sich die Puppen so lustig und unerwartet, dass ich die ganze Zeit rätselte: Wie machen die das eigentlich? Erst fast am Ende habe ich knapp unter der Wasseroberfläche eine Stange erkannt. Aha! Die Künstler stehen also im Wasser und steuern die Puppen mit langen Stangen – keine Fäden von oben, keine Hightech-Tricks.

    Am Ende der Show kam die große Bestätigung: Alle Künstlerinnen und Künstler treten hervor – bis zur Hüfte im Wasser! Oh Mann… die stehen von 13:00 bis 22:00 Uhr stundenlang im Wasser und arbeiten. Unvorstellbar!

  • Good Morning Vietnam (Hà Nội)

    Heute war unser erster Tag in Hanoi – und wir sind direkt voll eingestiegen. Nach einem kleinen Frühstück (man muss ja Kräfte sammeln!) ging es ins Old Quarter, das quasi direkt auf dem Bürgersteig vor unserem Hotel beginnt.

    Sobald man aus dem Hotel tritt, startet direkt vor der Tür das Verkehrschaos, vor dem alle immer warnen. Wenn man denkt, in Thailand oder Kambodscha sei es schlimm – nein, nein, nein… Hanoi setzt da noch mal einen drauf. Verkehrs-Hölle-Level: Endgegner. Ein Grund, warum man am Flughafen auch keinen Mietwagen bekommt. Hier gibt es fast nur Autos mit einheimischem Chauffeur zu mieten – quasi „Survival-Guide inklusive“. Bei der Verkehrslage möchte man auch wirklich niemandem zumuten, selbst zu fahren.

    „Chaotisch“ ist eigentlich nur eine höfliche Untertreibung. Xin sagt immer: Scheuklappen auf und einfach loslaufen – die weichen schon aus. Oder auch nicht. ;)))
    Aber bisher hat’s erstaunlicherweise immer gut funktioniert. Vertrauen ins Schicksal hilft. Ampeln sind hier für Rollerfahrer eher Deko oder freundlich gemeinte Vorschläge – und Roller gibt es hier ungefähr hundert Mal mehr als in Bangkok. Gehwege existieren nur manchmal, und wenn, dann dienen sie meistens als Parkplatz, Outdoor-Küche oder erweitertes Wohnzimmer.

    In den Straßen der Altstadt reihen sich die berühmten „Röhrenhäuser“ so eng aneinander, dass man denkt, man sei versehentlich in einem architektonischen Tetris-Spiel gelandet. Der Legende nach wurden zu Zeiten der französischen Kolonialherrschaft Steuern nach der Breite des Hauses an der Straße berechnet. Tja, und so kommt es, dass hier viele Gebäude zwar nur 5–8 Meter breit sind, aber dafür bis zu 50 Meter in die Tiefe reichen. Quasi Häuser im „Hotdog-Format“. Das Ergebnis: Auf 100 Metern Straße finden sich bis zu 20 Shops oder Cafés – oder auf 20 Metern gleich mal drei Hotels. Effizienz können sie!

    Wir haben uns am ersten Tag einfach planlos ins Getümmel gestürzt und treiben lassen. Teile der Innenstadt sind am Wochenende autofrei, wodurch riesige Fußgängerzonen entstehen. Es waren Massen an Einheimischen und Touristen unterwegs – wir hatten das Gefühl, halb Hanoi sei auf den Beinen… und die andere Hälfte auch.

    Schließlich führte uns unser Weg zur berühmten „Hanoi Train Street“ … gut, zugegeben, das war nicht ganz zufällig. Stand schon länger auf der Bucket List. Alle paar Stunden fährt hier ein Zug durch eine enge Gasse voller Cafés und Restaurants. Ähnliches kennt man aus Nordthailand, wo der Zug durch einen Markt brettert – aber auch in Hanoi hat das Spektakel es in sich.

    Bereits eine halbe Stunde vor der Durchfahrt ist die Straße bis zum Anschlag mit Touristen gefüllt, die auf Stühlen entlang der Gleise sitzen und gespannt starren als würden sie gleich einem seltenen Tier beim Vorbeihuschen zusehen. Kurz vorher werden alle freundlich, aber bestimmt von den Kellern zurückgescheucht – keiner soll unter die Räder kommen, weder wörtlich noch metaphorisch. Und dann… kommt er. Mit lautem Hupen schleicht der Zug in gefühlter Schrittgeschwindigkeit vorbei. Eine Minute Handyfotos, Videos, Selfies – und zack, vorbei. Danach strömen sofort wieder die Menschen auf die Gleise, als wäre nie etwas gewesen.

    Später waren wir noch am Hoan-Kiem-See und im Ngoc-Son-Tempel, der auf einer kleinen Insel liegt. Dorthin führt eine hübsche rote Holzbrücke, die nachts so schön beleuchtet ist, dass sie aussieht wie aus einem asiatischen Märchenfilm. Im Tempel finden sich sowohl chinesische als auch vietnamesische Elemente – und zwei präparierte Riesen-Schildkröten, die mal über zwei Meter lang waren und 250 Kilo wogen. Keine Tiere, denen man im Dunkeln begegnen möchte.

    Abends ging es noch einmal zum See, dessen Nordende direkt ans Old Quarter grenzt. Mit der nächtlichen Beleuchtung wirkt die Kulisse noch beeindruckender – Instagram hätte seine Freude daran. Danach ließen wir uns zwei Stunden lang über den Nachtmarkt treiben, der am Wochenende die gesperrten Straßen füllt. Überall Souvenirs, Essen und – natürlich – „absolut echte“ Rolex-Uhren und Louis-Vuitton-Taschen zu traumhaften Preisen. Der Markt zieht sich über mehrere Kilometer, und an manchen Stellen ist das Gedränge so dicht, dass man überlegen muss, ob man sich überhaupt noch bewegt oder einfach kollektiv weitergeschoben wird. Und natürlich: immer schön auf die Wertsachen achten. Wo Gedränge ist, sind flinke Finger nicht weit.

    In Vietnam habe ich endlich meinen Traum erfüllt: Millionär werden. Wir haben für 50 Euro sagenhaft 1,5 Millionen bekommen! Leider nur in Đồng. Vietnam ist das einzige Land, in dem du dein Konto checkst und denkst:‚Wow, ich bin reich!‘
    …und dann kostet der Smoothie plötzlich 75.000