Monat: Juli 2026

  • Peru – Amazonas Dschungel

    05.07.2026 – Endlich echter Amazonas: Vier Tage Dschungel statt WLAN

    Heute war nicht der große Tag unserer Reise – sondern einer von vielen großen Tagen. Endlich ging es dorthin, worauf wir uns seit Wochen gefreut hatten: in den echten peruanischen Amazonas-Regenwald. Vier Tage, drei Nächte und hoffentlich jede Menge Abenteuer.

    Zunächst fuhren wir mit dem Auto auf der einzigen Straße im Umkreis von rund 1.000 Kilometern von Iquitos nach Nauta, einem kleinen Ort noch tiefer im Dschungel. Auch Nauta ist letztlich nur über den Amazonas oder über diese eine Straße mit der Außenwelt verbunden.

    Die knapp eine Stunde und 45 Minuten lange Fahrt fühlte sich weniger wie eine Straßenreise an als wie ein Slalomparcours auf einer Teststrecke für Stoßdämpfer. Schlaglöcher gab es in sämtlichen Größenordnungen, und unser Fahrer schien seine Aufmerksamkeit ungefähr zu 80 Prozent seinem Handy und zu 20 Prozent der Straße zu widmen. Irgendwie schafften wir es trotzdem unversehrt bis ans Ziel.

    Dort mussten wir zunächst über einen kleinen Müllberg am Flussufer klettern, bevor wir in ein einfaches Holzboot – ein sogenanntes Voadeira – stiegen. Mit nichts weiter als einem kleinen Dach über dem Kopf ging es zwei Stunden flussaufwärts zur Jairo Amazon Lodge.

    Wobei… „Lodge“ vielleicht etwas hoch gegriffen ist.

    Treffender wäre wohl „Basecamp mitten im Dschungel“.

    Die Unterkunft lag direkt am Rio Yarapa, einem Nebenfluss, der wenige Kilometer später in den Rio Ucayali übergeht. Ab Nauta trägt der Fluss dann den berühmten Namen Amazonas.

    Luxus durfte man hier nicht erwarten. Das braune Flusswasser wurde hochgepumpt und diente zum Duschen, Händewaschen und sogar für die Toilettenspülung. Strom gab es nur wenige Stunden am Abend über einen Generator. Handyempfang? Fehlanzeige. Internet? Ebenfalls nicht vorhanden. Wir waren komplett von der modernen Welt abgeschnitten – und genau deshalb hier.

    Immerhin verfügte jeder Gast über ein Bett mit Moskitonetz. Wir hatten sogar ein eigenes Zimmer mit eigenem Bad.

    Allerdings stellte sich schnell heraus, dass wir nicht die einzigen Bewohner waren. An der Badezimmerdecke thronte eine etwa zehn Zentimeter große schwarze Tarantel. Von diesem Moment an begann jeder Toilettengang mit einem prüfenden Blick nach oben. Man wollte schließlich wissen, ob unser achtbeiniger Mitbewohner noch an seinem Stammplatz saß oder inzwischen beschlossen hatte, unser Schlafzimmer zu erkunden.

    Michael entdeckte außerdem einen äußerst kuriosen Wurm auf einem Holzstück. Das Tier sah tatsächlich aus wie eine lebende Nähnadel. Der Amazonas schafft es wirklich, einen ständig zu überraschen.

    Nach unserer Ankunft stellte sich zunächst das Team der Lodge vor. Kurz darauf kehrte die Vormittagsgruppe von ihrem Ausflug zurück und alle bekamen ein einfaches, aber sehr leckeres Mittagessen. Zwei Gäste fuhren anschließend wieder zurück nach Iquitos, während drei junge Männer ebenfalls in der Lodge blieben.

    Um 16 Uhr begann schließlich unser erstes richtiges Dschungelabenteuer. Mit dem Boot fuhren wir den Fluss entlang und hielten Ausschau nach Tieren. Nach etwa einer Stunden entdeckten wir hoch oben in den Baumwipfeln ein Faultier. Unser Guide pfiff laut – und tatsächlich bewegte sich das Tier. Zwar ungefähr in Zeitlupe, aber immerhin. Offenbar gilt für Faultiere das Lebensmotto: Nur keine unnötige Hektik.

    Kurz darauf begegneten wir mehreren Affen. Der Anführer der Gruppe kam sogar ein Stück näher, um die seltsamen Zweibeiner im Boot genauer zu inspizieren. Vermutlich musste er erst einmal feststellen, ob wir eine Gefahr für seine Familie darstellten.

    Mit der einsetzenden Dämmerung wurde es noch spannender. In der Ferne entdeckten wir mehrere Kaimane, die sich durch ihre orange leuchtenden Augen verrieten. Als krönenden Abschluss hing dann auch noch eine Amazonas-Baumboa völlig entspannt über dem Wasser von einem Ast. Offenbar war sie deutlich gelassener als wir.

    06.07.2026 – Viagra-Bäume, Tarzan und sehr mutige Termiten

    Heute ging es zu Fuß in den Regenwald hinter unserem Basecamp.

    Unser Guide erklärte uns zahlreiche Baumarten und deren Verwendung.

    Manche liefern hervorragendes Bauholz, andere eignen sich perfekt für Boote oder Paddel. Besonders interessant war allerdings eine bestimmte Holzart, die man in Alkohol einlegen kann. Trinkt man diesen anschließend…

    …nun ja…

    Viagra soll danach überflüssig sein.

    Ich verzichtete dankend auf den Selbstversuch. Mit einem dauerhaften „Zelt“ durch den Dschungel zu laufen, klang nicht besonders praktisch.

    Außerdem zeigte uns unser Guide, wie man aus den Wurzeln bestimmter Bäume tatsächlich Trinkwasser gewinnen kann. Faszinierend, was die Natur alles bereithält.

    Natürlich begegneten wir auch zahlreichen Ameisen- und Termitenarten. Im Amazonas scheint wirklich alles ständig in Bewegung zu sein.

    Termiten besitzen dabei gleich mehrere Talente. Zerreibt man sie in der Hand und reibt sich anschließend damit ein, sollen sie als natürlicher Mückenschutz wirken. Und wenn gerade nichts Essbares aufzutreiben ist, kann man sie ebenfalls verspeisen – reich an Proteinen und im Gegensatz zu vielen Ameisen völlig friedlich.

    Da sie nicht beißen, wagten wir den Selbstversuch und probierten ein paar. Sagen wir es so: Sterneküche sieht anders aus.

    Natürlich durfte auch ein kleiner Tarzan-Moment nicht fehlen. An einigen dicken Lianen schwangen wir uns durch den Dschungel. Laut unserem Guide halten diese problemlos über 300 Kilogramm aus – zum Glück, denn unfreiwillige Bodenkontakte mit dem Dschungelboden wollten wir lieber vermeiden.

    Nach dem Mittagessen machte uns allerdings das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Es regnete stundenlang in Strömen, sodass unsere Nachmittagstour buchstäblich ins Wasser fiel.

    Einige Gäste nutzten die Gelegenheit und gingen stattdessen im Fluss schwimmen. Piranhas gelten zwar längst nicht als so gefährlich wie Hollywood sie darstellt…

    …allerdings schaut gelegentlich auch einmal ein ausgewachsener Kaiman vorbei. Und sechs Meter Körperlänge sind durchaus eine Größe, bei der man freiwillig auf eine Schwimmrunde verzichten kann.

    Gegen Abend ließ der Regen endlich etwas nach – gerade genug, um uns zu einer kleinen Nachtwanderung durch den Dschungel zu motivieren. Kaum waren wir ein paar Meter unterwegs, begegneten wir einer beeindruckend großen Tarantel. Seelenruhig saß sie an einem Baum und spann ihr Netz für die nächste Mahlzeit. Offenbar war sie deutlich fleißiger als wir nach einem langen Tag im Regen.

    Auf dem Rückweg entdeckten wir einen Baum voller Pacay-Früchte, die wir bereits vom Markt in Iquitos kannten. Diesmal mussten wir sie allerdings nicht kaufen – wir pflückten sie direkt vom Baum und genossen das süße Fruchtfleisch frisch aus der Natur. Frischer geht es wirklich nicht.

    Doch der Dschungel hatte sein Abendprogramm noch nicht beendet. Auf der Terrasse vor unserer Hütte wartete bereits der letzte Darsteller des Tages: ein großer, leuchtend grüner Frosch. Er saß dort, als wäre er der Nachtportier unserer Unterkunft und wollte nur kurz kontrollieren, ob wir auch wirklich hier wohnen.

    Wieder einmal zeigte der Dschungel, dass nach Sonnenuntergang keineswegs Feierabend ist – im Gegenteil: Nachts beginnt hier erst die eigentliche Vorstellung.

    07.07.2026 – Rosa Delfine, Piranhas und ein Kaiman auf dem Arm

    Noch vor Sonnenaufgang klingelte der Wecker.

    Mit Stirnlampen bewaffnet fuhren wir zur Mündung des Rio Ucayali. Dort lassen sich am frühen Morgen zwei ganz besondere Delfinarten beobachten.

    Zum einen die kleineren grauen Tucuxi-Delfine, die etwa 1,5 Meter lang werden. Zum anderen die berühmten rosa Amazonas-Flussdelfine, die bis zu drei Meter erreichen können.

    Zunächst tauchten überall die grauen Delfine auf. Mal blitzte hier eine Rückenflosse auf, mal dort. Sie schienen entweder deutlich neugieriger oder einfach zahlreicher zu sein. Wenig später erschienen schließlich auch die rosa Delfine und schwammen direkt um unser Boot herum. Einige waren derart verspielt, dass sie bis zu zwei Meter hoch aus dem Wasser sprangen.

    Zusammen mit dem Sonnenaufgang und den Nebelschwaden über dem Rio Ucayali war das einer dieser Momente, die man so schnell nicht vergisst.

    Nach dem Frühstück ging es direkt weiter – diesmal zum Piranha-Angeln.

    Zu viert, ausgerüstet mit Angelruten und Hähnchenresten vom Vortag als Köder, fuhren wir ein Stück den Fluss hinunter.

    Kaum waren die Leinen im Wasser, begannen die ersten Bisse.

    Angel einholen…

    Köder weg.

    Offenbar waren wir entweder zu langsam oder die Piranhas deutlich intelligenter als gedacht.

    Nach einigen weiteren Versuchen hatte ich schließlich den ersten Fang des Tages am Haken: eine etwa zehn Zentimeter große Süßwassersardine.

    Kurz darauf folgte tatsächlich ein etwa 15 Zentimeter großer roter Piranha.

    Dann war Xin an der Reihe und fing ebenfalls eine rund 15 Zentimeter lange Süßwassersardine.

    In der folgenden halben Stunde hatten die Fische allerdings offenbar beschlossen, nur noch kostenlos zu essen. Ständig verschwanden unsere Köder, aber kein einziger Fisch blieb am Haken.

    Also wechselten wir die Stelle.

    Dort hatte ich noch einmal Glück und fing einen etwa 15 Zentimeter langen Wels.

    Damit beendeten wir die Angeltour.

    Tagesbilanz: vier Fische.

    Nur Xin und ich hatten Fangglück – alle anderen gingen leer aus.

    Nach einer längeren Pause starteten wir am späten Nachmittag erneut mit dem Boot.

    Diesmal hielten wir Ausschau nach Vögeln, Faultieren und Affen.

    Wir entdeckten mehrere Chimango-Karakaras (eine Falkenart) sowie sogar eine Harpyie – den stärksten Greifvogel der Welt. Wenig später sprang auch wieder eine Affenfamilie munter durch die Baumwipfel. Diesmal eine kleine süße Art.

    Mit Einbruch der Dunkelheit begann schließlich die Kaiman-Safari.

    Wir fuhren in eine ruhige Lagune und warteten geduldig, bis es richtig dunkel wurde.

    Tagsüber liegen Kaimane meist am Ufer oder auf dem Gewässergrund. Nachts kommen sie an die Oberfläche, um auf Nahrungssuche zu gehen. Unser Guide leuchtete mit seiner Taschenlampe das Wasser ab. Sobald ein Kaiman auftauchte, reflektierten seine Augen das Licht orange.

    Nach etwa zwanzig Minuten entdeckten wir den ersten. Langsam paddelten wir näher heran, denn der Motor hätte ihn sofort verscheucht. Leider tauchte er genau im falschen Moment ab.

    Also weiter.

    Beim nächsten Versuch hatte unser Guide mehr Erfolg. Blitzschnell griff er den etwa 60 Zentimeter langen Kaiman im Nacken und hob ihn vorsichtig ins Boot. Natürlich wurden erst einmal Fotos gemacht.

    Anschließend durfte ich den kleinen Räuber sogar selbst halten. Mit einem festen Griff blieb er erstaunlich ruhig in meinen Händen.

    Xin verzichtete dankend auf dieses Vergnügen und überließ mir die Rolle des Kaimanflüsterers.

    Nach wenigen Minuten setzten wir das Tier selbstverständlich wieder zurück ins Wasser. Die Erinnerungsfotos hatten wir schließlich bereits.

    Beim Abendessen wartete dann noch eine ganz besondere Überraschung auf uns: undefinierbares Fleisch … mit verdächtig kleinen Rippen. Für einen Vogel eindeutig zu groß, für Schwein oder Rind viel zu klein. Das große Rätselraten begann.

    Nach einer vorsichtigen Nachfrage kam die Auflösung: Es handelte sich um Pekari – eine Art Wildschwein des Amazonas. Mit unserem europäischen Wildschwein hat es allerdings wenig gemeinsam. Pekaris sind deutlich kleiner und werden nur etwa 50 Zentimeter hoch. Irgendwie beruhigend … oder vielleicht auch nicht.

    Geschmacklich war das Fleisch durchaus interessant – wobei „interessant“ bekanntlich oft bedeutet, dass man es kein zweites Mal bestellen würde. Ein kulinarisches Highlight wurde es für uns jedenfalls nicht, und wir könnten gut darauf verzichten.

    Für die indigene Bevölkerung hingegen gehören Pekaris seit jeher ganz selbstverständlich auf den Speiseplan. Im Dschungel isst man eben das, was der Wald hergibt – und heute waren offenbar wir an der Reihe, diese Erfahrung zu machen.

    08.07.2026 – Schlamm, Macheten und ein unfreiwilliges Schlammbad

    An unserem letzten Tag stand noch einmal eine ausgedehnte Wanderung durch den Dschungel auf dem Programm. Diesmal führte uns der Weg noch tiefer in den Regenwald.

    Nach einer kurzen Bootsfahrt von etwa 15 Minuten begann der eigentliche Marsch.

    Vorneweg lief unser Guide mit der Machete und schlug den Weg frei.

    Es ging durch Schlamm, dichtes Unterholz und mehrere tiefe Wasserlöcher, die wir möglichst elegant am Rand umgingen.

    Dank unserer Gummistiefel blieben die Füße zumindest halbwegs trocken.

    Unterwegs begegneten wir erneut einer Affengruppe, die fröhlich zwischen den Bäumen hin und her sprang. Langsam hatten wir das Gefühl, von denselben Tieren regelmäßig begrüßt zu werden.

    Auch unsere alten Bekannten, die Termiten, durften nicht fehlen.

    Außerdem probierten wir den Saft eines Baumes, der von den indigenen Bewohnern traditionell gegen Magen-Darm-Beschwerden verwendet wird. Angeblich soll man danach ein bis zwei Tage lang keinerlei Probleme mehr haben. Wir waren gespannt.

    Natürlich hielten wir unterwegs auch Ausschau nach Anakondas. Doch die riesigen Schlangen sind scheu und überwiegend nachtaktiv. Deshalb bekamen wir keine zu Gesicht.

    Die Geschichten der Einheimischen klangen ohnehin deutlich beruhigender als Hollywood. Anakondas greifen Menschen normalerweise nicht an, sondern ziehen sich zurück, sobald sie jemanden bemerken – solange man sie nicht bedrängt.

    Für den unvergesslichsten Moment des Tages sorgte schließlich allerdings nicht die Tierwelt. Sondern Xin.

    Beim Umgehen eines Wasserlochs rutschte sie plötzlich aus.

    Ich hörte hinter mir nur noch ein lautes „Platsch!“

    Als ich mich umdrehte, lag sie der Länge nach im braunen Schlammwasser. Zum Glück war weit und breit keine Anakonda zu sehen – die hätte sich vermutlich vor Lachen selbst eingerollt.

    Das Ergebnis: Wasser in den Stiefeln, komplett durchnässte Kleidung und eine Gruppe, die sich das Grinsen kaum verkneifen konnte. Selbst die Affen schienen ihren Spaß daran zu haben. Zum Mittag ging es dann zurück zur letzten Mahlzeit im Basecamp.

    Nach dem Mittagessen traten wir schließlich den Rückweg an. Mit Boot und Auto ging es auf derselben Strecke zurück nach Iquitos.

    Vier Tage ohne Internet, ohne Handyempfang und mit deutlich mehr Tieren als Menschen lagen hinter uns.

    Morgen wartete bereits das nächste Kapitel unserer Reise – der Flug zurück nach Lima.

  • Peru – Iquitos

    03.07.2026 – Willkommen in Iquitos: Verkehrschaos, Tuk-Tuks und Dschungelträume

    Heute ging es mit dem Flugzeug nach Iquitos, der größten Metropole im peruanischen Amazonasgebiet – und gleichzeitig der größten Stadt der Welt, die auf dem Straßenweg überhaupt nicht erreichbar ist. Mitten im peruanischen Regenwald gelegen, führen nur zwei Wege dorthin: per Flugzeug oder mit dem Boot. Die meisten Waren kommen deshalb auf dem Amazonas per Fähre oder Containerschiff in die Stadt. Kein Wunder also, dass Iquitos als perfekter Ausgangspunkt für Dschungel-Expeditionen gilt.

    Schon am Flughafen wurde klar: Hier gelten andere Verkehrsregeln. Es gibt zwar ein paar Autos, aber klassische Taxis oder gar UBER? Fehlanzeige. Das Straßenbild wird von Motorrädern und Motocarros – besser bekannt als Tuk-Tuks – beherrscht. Natürlich stiegen auch wir in eines dieser Gefährte, um zu unserem Hotel zu gelangen.

    Die Fahrt war… sagen wir mal… charakterbildend. Hunderte Motocarros drängelten sich gleichzeitig über die Straßen, mehrspurig, kreuz und quer. Sicherheitsabstand scheint hier eher eine philosophische Idee als eine Verkehrsregel zu sein. Unser Guide gab uns später noch einen lebenswichtigen Tipp: Nur Motocarros mit Sicherheitsnetz benutzen! Dieses kunstvolle Gebilde aus Wäscheleinen zwischen Fahrer und Passagieren ersetzt zwar keinen Sicherheitsgurt, verhindert im Ernstfall aber immerhin, dass man als Fahrgast ungewollt auf dem Asphalt endet.

    Dank unserer vorherigen Recherchen waren wir bereits vorgewarnt – und tatsächlich trat das erwartete Szenario prompt ein. Unser Fahrer brachte uns auf dem Weg zum Hotel „völlig uneigennützig“ zunächst direkt in ein Tourbüro. Dort erklärte man uns die verschiedenen Dschungel-Touren.

    Grundsätzlich gibt es zwei Varianten:

    Der Sekundär-Dschungel – ideal für verwöhnte Touristen. Nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt warten ein paar Bäume, etwas Urwald-Atmosphäre und komfortable Lodges mit Internet, Strom, Pool und teilweise sogar Klimaanlage.

    Oder der Primär-Dschungel – rund 100 Kilometer von Iquitos entfernt, mit echtem Regenwald, wilden Tieren, unberührter Natur und deutlich mehr Abenteuer.

    Die Entscheidung fiel uns nicht schwer. Wenn schon Amazonas, dann richtig. Pools und WLAN konnten wir schließlich auch zu Hause haben.

    Wir baten trotzdem um etwas Bedenkzeit und fuhren erst einmal ins Hotel.

    Am späten Nachmittag machten wir uns auf die Suche nach einigen anderen Anbietern, die wir zuvor im Internet gefunden hatten. Das Problem: Unter den angegebenen Adressen war… nichts. Vermutlich handelte es sich um reine Online-Anbieter mit kreativen Fantasie-Adressen. 😉

    Stattdessen wurden wir von anderen Veranstaltern angesprochen. Warum also nicht einfach mal zuhören?

    Der Mitarbeiter schlug uns sofort genau das vor, was wir ohnehin wollten: eine mehrtägige Expedition in den Primär-Dschungel. Fast so, als hätte er unsere Gedanken gelesen.

    Noch überraschender war allerdings der Preis. Rund 200 Euro für mehrere Tage Dschungel? Das klang fast zu gut, um wahr zu sein. Vergleichbare Touren kosteten meist zwischen 350 und 450 Euro. Entsprechend skeptisch waren wir zunächst. Kann das wirklich gut sein?

    Die Bewertungen auf verschiedenen Portalen waren jedoch durchweg gut bis sehr gut. Zusätzlich bot er uns eine City-Tour durch Iquitos mit einem lokalen Guide an. Wir beschlossen deshalb, zunächst die Stadtführung zu machen. Wenn uns diese überzeugte, würden wir anschließend die große Dschungel-Tour buchen.

    04.07.2026 – Märkte, Schockmomente und ein schwimmendes Restaurant

    Heute stand zunächst die vereinbarte City-Tour auf dem Programm.

    Kurz nach 9 Uhr wurden wir stilecht mit einem Motocarro abgeholt. Während einer kleinen Rundfahrt erklärte uns unser Guide einiges über die Geschichte von Iquitos und zeigte uns verschiedene Sehenswürdigkeiten.

    Der nächste Halt war der berühmte und berüchtigte Belén-Markt. Wer empfindlich auf tote Tiere reagiert, sollte diesen Abschnitt besser überspringen.

    Anfangs wirkte alles noch wie ein ganz normaler Straßenmarkt: Grillstände, tropische Früchte, Hühner und jede Menge Fisch. Natürlich lagen Fleisch und Fisch – wie auf fast allen Märkten, die wir bisher in Südamerika besucht hatten – ungekühlt in der tropischen Hitze.

    Dann passierte der erste Schock des Tages.

    Ein Stück Fleisch schaute mich plötzlich an.

    Nach kurzer Verwirrung stellte sich heraus, dass es sich um den gehäuteten Kopf- und Halsbereich eines Rindes handelte – inklusive Augen. Nicht unbedingt der Anblick, den man morgens zum Frühstück erwartet.

    Je näher wir dem Hafen kamen, desto rustikaler wurden die Marktstände. Irgendwann bestanden sie nur noch aus Decken auf dem Boden, auf denen sämtliche Tiere des Amazonas zu liegen schienen: Wildschweine, Schildkröten, Kaimane sowie unzählige Fischarten, darunter verschiedene Piranhas.

    An einem der Marktstände fiel uns ein kleines Mädchen auf, vielleicht zwei oder drei Jahre alt. Sie saß mit einem Eimer voller Fische auf dem Boden und half ihrer Mutter eifrig beim Reinigen des Fangs. Ein Anblick, der uns nachdenklich machte. Während Kinder in unserem Alltag in diesem Alter meist spielen, wachsen sie hier ganz selbstverständlich in den Familienalltag hinein und übernehmen schon früh kleine Aufgaben. Jeder trägt seinen Teil dazu bei, den Lebensunterhalt der Familie zu sichern.

    Dann folgte Schock Nummer zwei.

    Zwischen all den Tieren lagen geschlachtete Capybaras, auch Wasserschweine genannt. Diese riesigen Verwandten unserer Meerschweinchen hatten wir zum ersten Mal lebend in einem Wildtierpark in Neuseeland gesehen und sofort ins Herz geschlossen. Auch erst vor wenigen Tagen hatten wir am Flughafen ein riesiges Bild von niedlichen Capybaras an einer Kinder-Spielecke gesehen – mit freundlichem Blick und absolutem Kuschelfaktor. Hier auf dem Markt zeigte sich die Tierwelt dagegen von ihrer deutlich weniger romantischen Seite. Der Kontrast hätte kaum größer sein können: Dort Maskottchen für Familien, hier ganz selbstverständlich Teil des Speiseplans. Der Amazonas ist eben nicht nur Postkartenidylle, sondern vor allem Lebensraum – und für viele Menschen auch Speisekammer.

    Offensichtlich gilt im Amazonasgebiet das Motto: Wenn es sich bewegt, könnte auch essbar sein.

    Wir probierten auch noch 2 Früchte: Zum einen eine Abiu- oder Caimito-Frucht mit geleeartigem süßen Fruchtfleisch, das geschmacklich ein wenig an Karamel erinnert. Und zum anderen Pacay, welche aussehen wie riesige grüne Bohnen (bis zu einem Meter lang). Wenn man die Frucht verdreht öffnet sich die Schale und hervor kommt weißes essbares Fruchtfleisch welches an Zuckerwatte erinnert sowie dunkle Kerne, die man nicht essen sollte.

    Nach den zahlreichen Begegnungen mit mehr oder weniger appetitlich präsentierten Tieren, überlegt Xin echt ob sie Vegetarierin wird. Nach der Runde über den Markt wechselten wir das Verkehrsmittel und stiegen in ein Voadeira, ein kleines Motorboot, das an die Longtail-Boote Südostasiens erinnert.

    Wir fuhren auf einem Seitenarm des Amazonas direkt entlang des Stadtufers.

    Schon vom Land aus war der viele Müll kaum zu übersehen. Vom Wasser aus wirkte das Ausmaß allerdings noch erschreckender. Überall schwammen Plastikflaschen, alte Kleidung und anderer Abfall. Ganze Müllberge säumten das Ufer. Unser Guide erklärte, dass ein Großteil des Mülls vom Amazonas bis in den Atlantik transportiert wird. Beim Anblick konnte man sich gut vorstellen, welchen langen Weg der Plastikmüll bis ins Meer zurücklegt. Auch die Wasserqualität war alles andere als einladend.

    Unser Guide warnte uns ausdrücklich davor, auf dem Markt Fisch zu essen. Der werde meist direkt in der Nähe der Stadt gefangen – genau dort, wo viele Abwässer ungeklärt in den Fluss geleitet werden. Magen-Darm-Probleme oder sogar Lebensmittelvergiftungen seien daher keine Seltenheit.

    Viele Bewohner der Uferregion besitzen kleine Toilettenhäuschen, die direkt über dem Wasser gebaut sind. Noch erstaunlicher fanden wir allerdings, dass einige Menschen unmittelbar daneben ihre Wäsche und Teller wuschen oder sogar selbst ein Bad im Fluss nahmen. Für viele ist dieses Wasser offenbar trotzdem die sauberste verfügbare Option.

    Nach gut 15 Minuten auf dem Wasser kehrten wir zum Tourbüro zurück.

    Die City-Tour hatte uns überzeugt – und so buchten wir schließlich unsere mehrtägige Amazonas-Dschungel-Tour für die kommenden Tage.

    Am Abend stand zum Glück wieder etwas deutlich Appetitlicheres auf dem Programm. Ein empfohlenes Restaurant mit hervorragenden Google-Bewertungen hatte unsere Neugier geweckt. Also machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Flussufer.

    Nach kurzer Wartezeit wurden wir mit einem Boot zu einem schwimmenden Restaurant gebracht, das mitten in einer Lagune am Amazonas liegt.

    Die Atmosphäre war fantastisch. Das Restaurant war stimmungsvoll beleuchtet, vollständig von Wasser umgeben und verfügte sogar über einen großen Pool – allerdings mit sauberem, klarem Wasser und nicht mit Amazonaswasser. Dazu gab es Sonnenliegen und Sonnenschirme für die Tagesgäste.

    An diesem Abend waren wir neben zwei weiteren Pärchen die einzigen Gäste und genossen die herrliche Ruhe. Kulinarisch blieb man dem Amazonas treu: Es gab köstliches Fischfilet aus dem Fluss weit weg von der Stadt sowie Garnelen – die allerdings vorsichtshalber importiert worden waren.

    Nach einem ausgezeichneten Essen ließen wir den Abend bei ein paar Drinks entspannt ausklingen, bevor uns das Boot wieder zurück ans Ufer brachte. Ein deutlich entspannteres Abenteuer als unsere erste Tuk-Tuk-Fahrt.

  • Peru – Arequipa

    30.06.2026 – Endlich wieder Luft zum Atmen

    Seit gestern sind wir in Arequipa – endlich wieder auf einem „vernünftigen“ Höhenniveau. Gerade einmal 2.300 Meter über dem Meeresspiegel. Nach den letzten Wochen auf rund 4.000 Metern fühlt sich das fast wie Urlaub auf Meereshöhe an. Auch die Temperaturen spielten mit: über 20 °C statt Dauerkühlung inklusive Höhenluft.

    Arequipa ist nach Lima die zweitgrößte Stadt Perus und wird wegen ihrer zahlreichen prachtvollen Kolonialbauten aus weißem Vulkangestein (Sillar) auch die „Weiße Stadt“ genannt. Über der Stadt thronen gleich drei Vulkane: der Misti, dessen perfekte Form oft mit dem Fuji in Japan verglichen wird, der Chachani und der Pichu Pichu, der als einziger der drei als erloschen gilt.

    Dank der hervorragenden Lage unseres Hotels begann die Stadterkundung praktisch direkt vor der Haustür. Der berühmte Plaza de Armas mit seinen weißen Arkaden und der imposanten Kathedralbasilika Santa María lag keine Minute entfernt. Leider hatte die Kathedrale nach unserem Frühstück bereits geschlossen. Also lautete der Plan für den nächsten Morgen: früher aufstehen. Im Urlaub. Wer hätte gedacht, dass es einmal so weit kommt?

    Anschließend suchten wir einen Tourveranstalter auf, um unsere nächsten Tage zu planen. Nach einigen Vorschlägen auf Englisch – darunter sogar eine zweitägige Vulkanbesteigung – entschieden wir uns lieber für eine Tour zum Colca Canyon. Riesige Andenkondore beobachten klang dann doch etwas entspannter als selbst auf einen Vulkan zu klettern.

    Danach machten wir uns zu Fuß auf den etwa einstündigen Weg zu einem Aussichtspunkt auf einem Hügel mitten in der Stadt. Von dort bot sich ein fantastischer Blick über Arequipa und auf den majestätischen Misti. Ein paar Fotos später ging es weiter zu einer ehemaligen Alpaka-Garnfabrik.

    Dort wurden wir zunächst von einigen Alpakas und Lamas begrüßt, die sich bereitwillig füttern und streicheln ließen – eindeutig die beliebtesten Mitarbeiter des Betriebs. Anschließend erfuhren wir viel über die Verarbeitung der Alpaka-Wolle. Große Wollballen in allen natürlichen Farbtönen – von strahlendem Weiß über verschiedene Brauntöne bis fast Schwarz – lagen neben beeindruckenden Maschinen, viele davon über 150 Jahre alt und größtenteils aus Europa, sogar aus Deutschland. Früher färbte man die Wolle mit Pflanzenextrakten, heute kommen überwiegend künstliche Farben zum Einsatz.

    Natürlich führte der Rundgang am Ende durch den Shop. Die Produkte waren wunderschön, allerdings hatten wir zwei Probleme: Erstens war unser Gepäck bereits auf Koffer-Diät, zweitens waren die Preise deutlich höher als an anderen Orten, an denen wir bereits Alpaka-Produkte gesehen hatten. Unser Geldbeutel atmete also ebenfalls erleichtert auf.

    Am späten Nachmittag stand dann das berühmte Kloster Santa Catalina auf dem Programm – eines der bedeutendsten kolonialen Bauwerke Südamerikas. Mit rund 20.000 Quadratmetern Fläche gleicht es einer kleinen Stadt innerhalb der Stadt.

    Das Dominikanerinnenkloster wurde ab 1579 von der wohlhabenden spanischen Witwe María de Guzmán gestiftet und nach der Heiligen Catalina benannt. Hier lebten seit dem späten 16. Jahrhundert vor allem Töchter wohlhabender spanischer Familien – abgeschieden von der Außenwelt, allerdings keineswegs bescheiden. Viele verfügten über eigene kleine Häuser mit mehreren Zimmern innerhalb des Klosters und beschäftigten Dienstmädchen, meist indigene Frauen, die sich um Kochen, Putzen und Wäsche kümmerten. Erst nach dem schweren Erdbeben und umfangreichen Renovierungen wurde das Kloster 1970 für Besucher geöffnet. Heute leben dort noch etwa 20 bis 25 Nonnen in einem separaten Bereich – inzwischen allerdings ohne Dienstmädchen und mit deutlich mehr Eigenarbeit.

    Beim Rundgang konnte man sich das damalige Leben sehr gut vorstellen. Viele Gebäude wurden original erhalten oder liebevoll restauriert. Kunstwerke, Möbel und Alltagsgegenstände erzählen Geschichten aus mehreren Jahrhunderten. Die Gassen tragen Namen spanischer Städte wie Calle Toledo oder Calle Sevilla und verleihen der Anlage zusätzlichen Charme.

    Wir hatten das Glück, dass an diesem Tag verlängerte Öffnungszeiten galten. So konnten wir den Sonnenuntergang von einer Aussichtsplattform über den Dächern Arequipas genießen. Das warme Abendlicht tauchte das gesamte Kloster in eine fast magische Atmosphäre. In den ehemaligen Wohnhäusern der Nonnen flackerten Kerzen, in den Küchen und Kaminen brannten kleine Feuer. Für einen Moment fühlte man sich tatsächlich mehrere Jahrhunderte zurückversetzt.

    Unser Tourguide – im Kloster übernehmen übrigens ausschließlich Frauen diese Aufgabe – verriet uns dann noch, dass die heutigen Nonnen selbstverständlich Strom, Internet und Smartphones besitzen. Auch im Kloster gilt eben: Man muss mit der Zeit gehen. 😉

    Den Abend ließen wir schließlich in einem typisch peruanischen Restaurant direkt am Plaza de Armas mit Blick auf die weiße Kathedrale gemütlich ausklingen.

    01.07.2026 – Auf den Spuren von Eiffel… oder eben doch nicht

    Heute stand ein weiterer Stadtrundgang auf dem Programm. Ziel war die Puente Bolívar, besser bekannt als Puente de Fierro – die berühmte Eisenbrücke von Arequipa. Die fast 500 Meter lange und rund 30 Meter hohe Brücke entstand Ende des 19. Jahrhunderts und diente ursprünglich ausschließlich dem Eisenbahnverkehr zwischen Arequipa und Puno. Heute gehört sie Fußgängern, Radfahrern und Rollerfahrern.

    Hartnäckig hält sich in Arequipa das Gerücht, die Brücke stamme von Gustave Eiffel, dem Erbauer des berühmten Eiffelturms. Klingt gut – stimmt aber nicht. Eiffel selbst war nie in Peru oder überhaupt in Südamerika. Zwar errichtete seine Firma „Eiffel et Cie.“ mehrere Bauwerke auf dem Kontinent, doch die Brücke von Arequipa wurde tatsächlich von der amerikanischen Baltimore Bridge Company entworfen und gebaut. Die Ähnlichkeit entsteht durch die Bauweise aus vorgefertigten Metallteilen, die vor Ort praktisch wie ein riesiges Lego-Set zusammengesetzt wurden.

    Von der Brücke aus bot sich ein herrlicher Blick über den Río Chili, die Stadt und natürlich auf die drei Vulkane am Horizont.

    Etwas anderes fiel uns während unseres Spaziergangs ebenfalls auf: unglaublich viele VW Käfer. Zwar hatten wir in Peru bereits zahlreiche Exemplare gesehen, aber in Arequipa schien sich die Käferdichte fast zu verdoppeln. Kein Wunder – sie gelten hier als günstig, robust und zuverlässig und erfreuen sich sowohl bei älteren als auch bei jüngeren Fahrern großer Beliebtheit. Offenbar ist der Käfer hier genauso unkaputtbar wie sein Ruf.

    02.07.2026 – Kondore, Thermalquellen und Alpakas mit Stil

    Heute war es endlich so weit: Unsere Tour zum Colca Canyon stand an. Der Wecker hatte allerdings eine sehr fragwürdige Vorstellung von Urlaub. Bereits um 3:30 Uhr wurden wir am Hotel abgeholt.

    Gegen sieben Uhr erreichten wir ein kleines Restaurant am Straßenrand, wo es Frühstück gab. Frisch gestärkt ging es weiter über mehrere Aussichtspunkte in den Bergen bis zu einem kleinen Dorf mit einer alten Kirche, die inzwischen vorsichtshalber von einem Gerüst gestützt wurde. Rundherum reihten sich zahlreiche Souvenirgeschäfte aneinander. Natürlich mussten wir dort auch den Colca Sour probieren – einen Cocktail aus Pisco und dem Saft eines Kaktus. Überraschend lecker.

    Zwischen den Souvenirständen wartete dann allerdings das eigentliche Highlight: mehrere unglaublich süße Alpakas – gestriegelt und geschniegelt. Nein, vielmehr geschniegelt und gestriegelt mit buntem Schmuck und ziemlich coolen Sonnenbrillen. Da war klar: Noch einmal Kamera raus! Die Tiere sahen fast aus wie Stofftiere, bewegten sich aber glücklicherweise. Mit einem durfte ich sogar kuscheln. Alpakas mögen mich einfach. Daran gibt es inzwischen kaum noch Zweifel. 😉

    Anschließend erreichten wir den Colca Canyon – mit über 3.000 Metern Tiefe eine der tiefsten Schluchten der Welt. Gewaltige Felswände, jahrhundertealte Terrassenfelder und darüber die berühmten Andenkondore.

    Schon aus der Ferne konnten wir die riesigen Vögel kreisen sehen. Mit bis zu drei Metern Flügelspannweite gleiten sie scheinbar mühelos durch die Aufwinde. Vom Aussichtspunkt Cruz del Cóndor beobachteten wir sie beim Fliegen und auch, wie einige ganz entspannt auf den Felsen saßen. Zugegeben: Schönheitspreise gewinnen Kondore vermutlich keine. Beeindruckend sind sie trotzdem ohne jede Frage.

    Danach wurde es deutlich entspannter. Nächster Halt: die heißen Thermalquellen von Chacapi am Río Colca. Mehrere Natursteinbecken direkt am Fluss werden dort mit bis zu 45 °C heißem Mineralwasser gespeist. Rund eine Stunde konnten wir das warme Wasser genießen. Wer wollte, konnte alternativ mit dem Quad fahren oder eine Kanutour unternehmen. Wir entschieden uns für die eindeutig anstrengendere Variante: eine Stunde entspannt im warmen Wasser liegen.

    Danach fühlten wir uns herrlich erholt und unsere Haut war dank der Mineralien angenehm weich.

    Auf der Rückfahrt warteten noch weitere Aussichtspunkte auf verschiedene Vulkane sowie – völlig überraschend auf über 4.000 Metern Höhe – ein kleiner Schneesturm. In Peru erlebt man eben manchmal innerhalb weniger Stunden Sommer, Winter und Wellnessurlaub gleichzeitig.

    Am Abend erreichten wir schließlich völlig müde, aber voller neuer Eindrücke unser Hotel.

    Nächster Halt: Iquitos – das Tor zum peruanischen Amazonas. Wir sind gespannt, welche Abenteuer dort schon auf uns warten.