03.07.2026 – Willkommen in Iquitos: Verkehrschaos, Tuk-Tuks und Dschungelträume
Heute ging es mit dem Flugzeug nach Iquitos, der größten Metropole im peruanischen Amazonasgebiet – und gleichzeitig der größten Stadt der Welt, die auf dem Straßenweg überhaupt nicht erreichbar ist. Mitten im peruanischen Regenwald gelegen, führen nur zwei Wege dorthin: per Flugzeug oder mit dem Boot. Die meisten Waren kommen deshalb auf dem Amazonas per Fähre oder Containerschiff in die Stadt. Kein Wunder also, dass Iquitos als perfekter Ausgangspunkt für Dschungel-Expeditionen gilt.

Schon am Flughafen wurde klar: Hier gelten andere Verkehrsregeln. Es gibt zwar ein paar Autos, aber klassische Taxis oder gar UBER? Fehlanzeige. Das Straßenbild wird von Motorrädern und Motocarros – besser bekannt als Tuk-Tuks – beherrscht. Natürlich stiegen auch wir in eines dieser Gefährte, um zu unserem Hotel zu gelangen.

Die Fahrt war… sagen wir mal… charakterbildend. Hunderte Motocarros drängelten sich gleichzeitig über die Straßen, mehrspurig, kreuz und quer. Sicherheitsabstand scheint hier eher eine philosophische Idee als eine Verkehrsregel zu sein. Unser Guide gab uns später noch einen lebenswichtigen Tipp: Nur Motocarros mit Sicherheitsnetz benutzen! Dieses kunstvolle Gebilde aus Wäscheleinen zwischen Fahrer und Passagieren ersetzt zwar keinen Sicherheitsgurt, verhindert im Ernstfall aber immerhin, dass man als Fahrgast ungewollt auf dem Asphalt endet.

Dank unserer vorherigen Recherchen waren wir bereits vorgewarnt – und tatsächlich trat das erwartete Szenario prompt ein. Unser Fahrer brachte uns auf dem Weg zum Hotel „völlig uneigennützig“ zunächst direkt in ein Tourbüro. Dort erklärte man uns die verschiedenen Dschungel-Touren.

Grundsätzlich gibt es zwei Varianten:
Der Sekundär-Dschungel – ideal für verwöhnte Touristen. Nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt warten ein paar Bäume, etwas Urwald-Atmosphäre und komfortable Lodges mit Internet, Strom, Pool und teilweise sogar Klimaanlage.
Oder der Primär-Dschungel – rund 100 Kilometer von Iquitos entfernt, mit echtem Regenwald, wilden Tieren, unberührter Natur und deutlich mehr Abenteuer.
Die Entscheidung fiel uns nicht schwer. Wenn schon Amazonas, dann richtig. Pools und WLAN konnten wir schließlich auch zu Hause haben.
Wir baten trotzdem um etwas Bedenkzeit und fuhren erst einmal ins Hotel.
Am späten Nachmittag machten wir uns auf die Suche nach einigen anderen Anbietern, die wir zuvor im Internet gefunden hatten. Das Problem: Unter den angegebenen Adressen war… nichts. Vermutlich handelte es sich um reine Online-Anbieter mit kreativen Fantasie-Adressen. 😉

Stattdessen wurden wir von anderen Veranstaltern angesprochen. Warum also nicht einfach mal zuhören?
Der Mitarbeiter schlug uns sofort genau das vor, was wir ohnehin wollten: eine mehrtägige Expedition in den Primär-Dschungel. Fast so, als hätte er unsere Gedanken gelesen.
Noch überraschender war allerdings der Preis. Rund 200 Euro für mehrere Tage Dschungel? Das klang fast zu gut, um wahr zu sein. Vergleichbare Touren kosteten meist zwischen 350 und 450 Euro. Entsprechend skeptisch waren wir zunächst. Kann das wirklich gut sein?
Die Bewertungen auf verschiedenen Portalen waren jedoch durchweg gut bis sehr gut. Zusätzlich bot er uns eine City-Tour durch Iquitos mit einem lokalen Guide an. Wir beschlossen deshalb, zunächst die Stadtführung zu machen. Wenn uns diese überzeugte, würden wir anschließend die große Dschungel-Tour buchen.


04.07.2026 – Märkte, Schockmomente und ein schwimmendes Restaurant
Heute stand zunächst die vereinbarte City-Tour auf dem Programm.
Kurz nach 9 Uhr wurden wir stilecht mit einem Motocarro abgeholt. Während einer kleinen Rundfahrt erklärte uns unser Guide einiges über die Geschichte von Iquitos und zeigte uns verschiedene Sehenswürdigkeiten.
Der nächste Halt war der berühmte und berüchtigte Belén-Markt. Wer empfindlich auf tote Tiere reagiert, sollte diesen Abschnitt besser überspringen.
Anfangs wirkte alles noch wie ein ganz normaler Straßenmarkt: Grillstände, tropische Früchte, Hühner und jede Menge Fisch. Natürlich lagen Fleisch und Fisch – wie auf fast allen Märkten, die wir bisher in Südamerika besucht hatten – ungekühlt in der tropischen Hitze.



Dann passierte der erste Schock des Tages.
Ein Stück Fleisch schaute mich plötzlich an.

Nach kurzer Verwirrung stellte sich heraus, dass es sich um den gehäuteten Kopf- und Halsbereich eines Rindes handelte – inklusive Augen. Nicht unbedingt der Anblick, den man morgens zum Frühstück erwartet.
Je näher wir dem Hafen kamen, desto rustikaler wurden die Marktstände. Irgendwann bestanden sie nur noch aus Decken auf dem Boden, auf denen sämtliche Tiere des Amazonas zu liegen schienen: Wildschweine, Schildkröten, Kaimane sowie unzählige Fischarten, darunter verschiedene Piranhas.




An einem der Marktstände fiel uns ein kleines Mädchen auf, vielleicht zwei oder drei Jahre alt. Sie saß mit einem Eimer voller Fische auf dem Boden und half ihrer Mutter eifrig beim Reinigen des Fangs. Ein Anblick, der uns nachdenklich machte. Während Kinder in unserem Alltag in diesem Alter meist spielen, wachsen sie hier ganz selbstverständlich in den Familienalltag hinein und übernehmen schon früh kleine Aufgaben. Jeder trägt seinen Teil dazu bei, den Lebensunterhalt der Familie zu sichern.

Dann folgte Schock Nummer zwei.
Zwischen all den Tieren lagen geschlachtete Capybaras, auch Wasserschweine genannt. Diese riesigen Verwandten unserer Meerschweinchen hatten wir zum ersten Mal lebend in einem Wildtierpark in Neuseeland gesehen und sofort ins Herz geschlossen. Auch erst vor wenigen Tagen hatten wir am Flughafen ein riesiges Bild von niedlichen Capybaras an einer Kinder-Spielecke gesehen – mit freundlichem Blick und absolutem Kuschelfaktor. Hier auf dem Markt zeigte sich die Tierwelt dagegen von ihrer deutlich weniger romantischen Seite. Der Kontrast hätte kaum größer sein können: Dort Maskottchen für Familien, hier ganz selbstverständlich Teil des Speiseplans. Der Amazonas ist eben nicht nur Postkartenidylle, sondern vor allem Lebensraum – und für viele Menschen auch Speisekammer.

Offensichtlich gilt im Amazonasgebiet das Motto: Wenn es sich bewegt, könnte auch essbar sein.
Wir probierten auch noch 2 Früchte: Zum einen eine Abiu- oder Caimito-Frucht mit geleeartigem süßen Fruchtfleisch, das geschmacklich ein wenig an Karamel erinnert. Und zum anderen Pacay, welche aussehen wie riesige grüne Bohnen (bis zu einem Meter lang). Wenn man die Frucht verdreht öffnet sich die Schale und hervor kommt weißes essbares Fruchtfleisch welches an Zuckerwatte erinnert sowie dunkle Kerne, die man nicht essen sollte.
Nach den zahlreichen Begegnungen mit mehr oder weniger appetitlich präsentierten Tieren, überlegt Xin echt ob sie Vegetarierin wird. Nach der Runde über den Markt wechselten wir das Verkehrsmittel und stiegen in ein Voadeira, ein kleines Motorboot, das an die Longtail-Boote Südostasiens erinnert.

Wir fuhren auf einem Seitenarm des Amazonas direkt entlang des Stadtufers.

Schon vom Land aus war der viele Müll kaum zu übersehen. Vom Wasser aus wirkte das Ausmaß allerdings noch erschreckender. Überall schwammen Plastikflaschen, alte Kleidung und anderer Abfall. Ganze Müllberge säumten das Ufer. Unser Guide erklärte, dass ein Großteil des Mülls vom Amazonas bis in den Atlantik transportiert wird. Beim Anblick konnte man sich gut vorstellen, welchen langen Weg der Plastikmüll bis ins Meer zurücklegt. Auch die Wasserqualität war alles andere als einladend.
Unser Guide warnte uns ausdrücklich davor, auf dem Markt Fisch zu essen. Der werde meist direkt in der Nähe der Stadt gefangen – genau dort, wo viele Abwässer ungeklärt in den Fluss geleitet werden. Magen-Darm-Probleme oder sogar Lebensmittelvergiftungen seien daher keine Seltenheit.
Viele Bewohner der Uferregion besitzen kleine Toilettenhäuschen, die direkt über dem Wasser gebaut sind. Noch erstaunlicher fanden wir allerdings, dass einige Menschen unmittelbar daneben ihre Wäsche und Teller wuschen oder sogar selbst ein Bad im Fluss nahmen. Für viele ist dieses Wasser offenbar trotzdem die sauberste verfügbare Option.

Nach gut 15 Minuten auf dem Wasser kehrten wir zum Tourbüro zurück.
Die City-Tour hatte uns überzeugt – und so buchten wir schließlich unsere mehrtägige Amazonas-Dschungel-Tour für die kommenden Tage.
Am Abend stand zum Glück wieder etwas deutlich Appetitlicheres auf dem Programm. Ein empfohlenes Restaurant mit hervorragenden Google-Bewertungen hatte unsere Neugier geweckt. Also machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Flussufer.

Nach kurzer Wartezeit wurden wir mit einem Boot zu einem schwimmenden Restaurant gebracht, das mitten in einer Lagune am Amazonas liegt.
Die Atmosphäre war fantastisch. Das Restaurant war stimmungsvoll beleuchtet, vollständig von Wasser umgeben und verfügte sogar über einen großen Pool – allerdings mit sauberem, klarem Wasser und nicht mit Amazonaswasser. Dazu gab es Sonnenliegen und Sonnenschirme für die Tagesgäste.

An diesem Abend waren wir neben zwei weiteren Pärchen die einzigen Gäste und genossen die herrliche Ruhe. Kulinarisch blieb man dem Amazonas treu: Es gab köstliches Fischfilet aus dem Fluss weit weg von der Stadt sowie Garnelen – die allerdings vorsichtshalber importiert worden waren.


Nach einem ausgezeichneten Essen ließen wir den Abend bei ein paar Drinks entspannt ausklingen, bevor uns das Boot wieder zurück ans Ufer brachte. Ein deutlich entspannteres Abenteuer als unsere erste Tuk-Tuk-Fahrt.

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