Peru – Arequipa

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30.06.2026 – Endlich wieder Luft zum Atmen

Seit gestern sind wir in Arequipa – endlich wieder auf einem „vernünftigen“ Höhenniveau. Gerade einmal 2.300 Meter über dem Meeresspiegel. Nach den letzten Wochen auf rund 4.000 Metern fühlt sich das fast wie Urlaub auf Meereshöhe an. Auch die Temperaturen spielten mit: über 20 °C statt Dauerkühlung inklusive Höhenluft.

Arequipa ist nach Lima die zweitgrößte Stadt Perus und wird wegen ihrer zahlreichen prachtvollen Kolonialbauten aus weißem Vulkangestein (Sillar) auch die „Weiße Stadt“ genannt. Über der Stadt thronen gleich drei Vulkane: der Misti, dessen perfekte Form oft mit dem Fuji in Japan verglichen wird, der Chachani und der Pichu Pichu, der als einziger der drei als erloschen gilt.

Dank der hervorragenden Lage unseres Hotels begann die Stadterkundung praktisch direkt vor der Haustür. Der berühmte Plaza de Armas mit seinen weißen Arkaden und der imposanten Kathedralbasilika Santa María lag keine Minute entfernt. Leider hatte die Kathedrale nach unserem Frühstück bereits geschlossen. Also lautete der Plan für den nächsten Morgen: früher aufstehen. Im Urlaub. Wer hätte gedacht, dass es einmal so weit kommt?

Anschließend suchten wir einen Tourveranstalter auf, um unsere nächsten Tage zu planen. Nach einigen Vorschlägen auf Englisch – darunter sogar eine zweitägige Vulkanbesteigung – entschieden wir uns lieber für eine Tour zum Colca Canyon. Riesige Andenkondore beobachten klang dann doch etwas entspannter als selbst auf einen Vulkan zu klettern.

Danach machten wir uns zu Fuß auf den etwa einstündigen Weg zu einem Aussichtspunkt auf einem Hügel mitten in der Stadt. Von dort bot sich ein fantastischer Blick über Arequipa und auf den majestätischen Misti. Ein paar Fotos später ging es weiter zu einer ehemaligen Alpaka-Garnfabrik.

Dort wurden wir zunächst von einigen Alpakas und Lamas begrüßt, die sich bereitwillig füttern und streicheln ließen – eindeutig die beliebtesten Mitarbeiter des Betriebs. Anschließend erfuhren wir viel über die Verarbeitung der Alpaka-Wolle. Große Wollballen in allen natürlichen Farbtönen – von strahlendem Weiß über verschiedene Brauntöne bis fast Schwarz – lagen neben beeindruckenden Maschinen, viele davon über 150 Jahre alt und größtenteils aus Europa, sogar aus Deutschland. Früher färbte man die Wolle mit Pflanzenextrakten, heute kommen überwiegend künstliche Farben zum Einsatz.

Natürlich führte der Rundgang am Ende durch den Shop. Die Produkte waren wunderschön, allerdings hatten wir zwei Probleme: Erstens war unser Gepäck bereits auf Koffer-Diät, zweitens waren die Preise deutlich höher als an anderen Orten, an denen wir bereits Alpaka-Produkte gesehen hatten. Unser Geldbeutel atmete also ebenfalls erleichtert auf.

Am späten Nachmittag stand dann das berühmte Kloster Santa Catalina auf dem Programm – eines der bedeutendsten kolonialen Bauwerke Südamerikas. Mit rund 20.000 Quadratmetern Fläche gleicht es einer kleinen Stadt innerhalb der Stadt.

Das Dominikanerinnenkloster wurde ab 1579 von der wohlhabenden spanischen Witwe María de Guzmán gestiftet und nach der Heiligen Catalina benannt. Hier lebten seit dem späten 16. Jahrhundert vor allem Töchter wohlhabender spanischer Familien – abgeschieden von der Außenwelt, allerdings keineswegs bescheiden. Viele verfügten über eigene kleine Häuser mit mehreren Zimmern innerhalb des Klosters und beschäftigten Dienstmädchen, meist indigene Frauen, die sich um Kochen, Putzen und Wäsche kümmerten. Erst nach dem schweren Erdbeben und umfangreichen Renovierungen wurde das Kloster 1970 für Besucher geöffnet. Heute leben dort noch etwa 20 bis 25 Nonnen in einem separaten Bereich – inzwischen allerdings ohne Dienstmädchen und mit deutlich mehr Eigenarbeit.

Beim Rundgang konnte man sich das damalige Leben sehr gut vorstellen. Viele Gebäude wurden original erhalten oder liebevoll restauriert. Kunstwerke, Möbel und Alltagsgegenstände erzählen Geschichten aus mehreren Jahrhunderten. Die Gassen tragen Namen spanischer Städte wie Calle Toledo oder Calle Sevilla und verleihen der Anlage zusätzlichen Charme.

Wir hatten das Glück, dass an diesem Tag verlängerte Öffnungszeiten galten. So konnten wir den Sonnenuntergang von einer Aussichtsplattform über den Dächern Arequipas genießen. Das warme Abendlicht tauchte das gesamte Kloster in eine fast magische Atmosphäre. In den ehemaligen Wohnhäusern der Nonnen flackerten Kerzen, in den Küchen und Kaminen brannten kleine Feuer. Für einen Moment fühlte man sich tatsächlich mehrere Jahrhunderte zurückversetzt.

Unser Tourguide – im Kloster übernehmen übrigens ausschließlich Frauen diese Aufgabe – verriet uns dann noch, dass die heutigen Nonnen selbstverständlich Strom, Internet und Smartphones besitzen. Auch im Kloster gilt eben: Man muss mit der Zeit gehen. 😉

Den Abend ließen wir schließlich in einem typisch peruanischen Restaurant direkt am Plaza de Armas mit Blick auf die weiße Kathedrale gemütlich ausklingen.

01.07.2026 – Auf den Spuren von Eiffel… oder eben doch nicht

Heute stand ein weiterer Stadtrundgang auf dem Programm. Ziel war die Puente Bolívar, besser bekannt als Puente de Fierro – die berühmte Eisenbrücke von Arequipa. Die fast 500 Meter lange und rund 30 Meter hohe Brücke entstand Ende des 19. Jahrhunderts und diente ursprünglich ausschließlich dem Eisenbahnverkehr zwischen Arequipa und Puno. Heute gehört sie Fußgängern, Radfahrern und Rollerfahrern.

Hartnäckig hält sich in Arequipa das Gerücht, die Brücke stamme von Gustave Eiffel, dem Erbauer des berühmten Eiffelturms. Klingt gut – stimmt aber nicht. Eiffel selbst war nie in Peru oder überhaupt in Südamerika. Zwar errichtete seine Firma „Eiffel et Cie.“ mehrere Bauwerke auf dem Kontinent, doch die Brücke von Arequipa wurde tatsächlich von der amerikanischen Baltimore Bridge Company entworfen und gebaut. Die Ähnlichkeit entsteht durch die Bauweise aus vorgefertigten Metallteilen, die vor Ort praktisch wie ein riesiges Lego-Set zusammengesetzt wurden.

Von der Brücke aus bot sich ein herrlicher Blick über den Río Chili, die Stadt und natürlich auf die drei Vulkane am Horizont.

Etwas anderes fiel uns während unseres Spaziergangs ebenfalls auf: unglaublich viele VW Käfer. Zwar hatten wir in Peru bereits zahlreiche Exemplare gesehen, aber in Arequipa schien sich die Käferdichte fast zu verdoppeln. Kein Wunder – sie gelten hier als günstig, robust und zuverlässig und erfreuen sich sowohl bei älteren als auch bei jüngeren Fahrern großer Beliebtheit. Offenbar ist der Käfer hier genauso unkaputtbar wie sein Ruf.

02.07.2026 – Kondore, Thermalquellen und Alpakas mit Stil

Heute war es endlich so weit: Unsere Tour zum Colca Canyon stand an. Der Wecker hatte allerdings eine sehr fragwürdige Vorstellung von Urlaub. Bereits um 3:30 Uhr wurden wir am Hotel abgeholt.

Gegen sieben Uhr erreichten wir ein kleines Restaurant am Straßenrand, wo es Frühstück gab. Frisch gestärkt ging es weiter über mehrere Aussichtspunkte in den Bergen bis zu einem kleinen Dorf mit einer alten Kirche, die inzwischen vorsichtshalber von einem Gerüst gestützt wurde. Rundherum reihten sich zahlreiche Souvenirgeschäfte aneinander. Natürlich mussten wir dort auch den Colca Sour probieren – einen Cocktail aus Pisco und dem Saft eines Kaktus. Überraschend lecker.

Zwischen den Souvenirständen wartete dann allerdings das eigentliche Highlight: mehrere unglaublich süße Alpakas – gestriegelt und geschniegelt. Nein, vielmehr geschniegelt und gestriegelt mit buntem Schmuck und ziemlich coolen Sonnenbrillen. Da war klar: Noch einmal Kamera raus! Die Tiere sahen fast aus wie Stofftiere, bewegten sich aber glücklicherweise. Mit einem durfte ich sogar kuscheln. Alpakas mögen mich einfach. Daran gibt es inzwischen kaum noch Zweifel. 😉

Anschließend erreichten wir den Colca Canyon – mit über 3.000 Metern Tiefe eine der tiefsten Schluchten der Welt. Gewaltige Felswände, jahrhundertealte Terrassenfelder und darüber die berühmten Andenkondore.

Schon aus der Ferne konnten wir die riesigen Vögel kreisen sehen. Mit bis zu drei Metern Flügelspannweite gleiten sie scheinbar mühelos durch die Aufwinde. Vom Aussichtspunkt Cruz del Cóndor beobachteten wir sie beim Fliegen und auch, wie einige ganz entspannt auf den Felsen saßen. Zugegeben: Schönheitspreise gewinnen Kondore vermutlich keine. Beeindruckend sind sie trotzdem ohne jede Frage.

Danach wurde es deutlich entspannter. Nächster Halt: die heißen Thermalquellen von Chacapi am Río Colca. Mehrere Natursteinbecken direkt am Fluss werden dort mit bis zu 45 °C heißem Mineralwasser gespeist. Rund eine Stunde konnten wir das warme Wasser genießen. Wer wollte, konnte alternativ mit dem Quad fahren oder eine Kanutour unternehmen. Wir entschieden uns für die eindeutig anstrengendere Variante: eine Stunde entspannt im warmen Wasser liegen.

Danach fühlten wir uns herrlich erholt und unsere Haut war dank der Mineralien angenehm weich.

Auf der Rückfahrt warteten noch weitere Aussichtspunkte auf verschiedene Vulkane sowie – völlig überraschend auf über 4.000 Metern Höhe – ein kleiner Schneesturm. In Peru erlebt man eben manchmal innerhalb weniger Stunden Sommer, Winter und Wellnessurlaub gleichzeitig.

Am Abend erreichten wir schließlich völlig müde, aber voller neuer Eindrücke unser Hotel.

Nächster Halt: Iquitos – das Tor zum peruanischen Amazonas. Wir sind gespannt, welche Abenteuer dort schon auf uns warten.

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