Schlagwort: Argentinien

  • Argentinien oder Brasilien? Unser Vergleich der Iguazú-Wasserfälle

    Da wir mehrere Tage auf beiden Seiten der Grenze verbracht und die Iguazú-Wasserfälle sowohl von Argentinien als auch von Brasilien aus erkundet haben, konnten wir einen ziemlich guten Vergleich ziehen.

    Die Frage „Welche Seite ist schöner?“ hören wir seitdem öfter – und wie so oft lautet die Antwort: Es kommt darauf an. Beide Seiten sind von den größeren Städten des jeweiligen Landes bequem mit dem Flugzeug erreichbar. Wer also ohnehin durch Argentinien oder Brasilien reist, hat keine Schwierigkeiten, zu den Wasserfällen zu gelangen.

    Der Ort Puerto Iguazú auf der argentinischen Seite ist deutlich kleiner und gemütlicher als Foz do Iguaçu in Brasilien. Das bringt Vor- und Nachteile mit sich. Die Infrastruktur ist in Argentinien etwas einfacher, dafür sind viele Dinge auch etwas günstiger. Uns hat es dort an nichts gefehlt. Riesige Supermärkte sucht man zwar vergeblich, aber fast alles, was man im Urlaub wirklich braucht, ist problemlos erhältlich. Der Busverkehr funktioniert gut, ist allerdings etwas teurer als auf der brasilianischen Seite. Uber und Taxis gibt es auf beiden Seiten zu ähnlichen Preisen, wobei Uber meist die günstigere Wahl ist. Hotels und Restaurants findet man sowohl in Argentinien als auch in Brasilien für jeden Geldbeutel.

    Kommen wir nun zum eigentlichen Star der Reise: den Wasserfällen. Rund 80 Prozent der Wasserfälle liegen auf argentinischem Gebiet. Entsprechend gibt es dort deutlich mehr und längere Wanderwege direkt entlang der Wasserfälle.

    Die meisten Ausblicke genießt man von oben, teilweise aber auch von unten. Auf die Bootstouren kommen wir gleich noch. Durch die weitläufige Anlage verteilen sich die Besucher auf der argentinischen Seite deutlich besser. Trotz vieler Gäste wirkt alles entspannter und weniger überlaufen. Lediglich an den Kassen muss man mit ähnlichen Wartezeiten rechnen wie in Brasilien.

    Die brasilianische Seite punktet dagegen mit etwas ganz Besonderem: dem Panorama. Da die Wege am Hang durch den Wald verlaufen, hat man immer wieder einen spektakulären Blick auf nahezu die gesamte Wasserfalllandschaft. Genau diese Aussicht hat uns besonders begeistert. Allerdings gibt es entlang des Wassers im Wesentlichen nur einen Hauptweg – und der war bei unserem Besuch ziemlich voll. Vermutlich lag das auch daran, dass sowohl in Brasilien als auch in Argentinien gerade Ferien waren.

    Die übrigen Wege führen eher durch den Nationalpark und den Dschungel. Hier braucht man neben dem Eintrittsticket auch eine Portion Geduld. Wer von menschenleeren Instagram-Fotos träumt, sollte entweder sehr früh aufstehen oder ein kleines Wunder erwarten. Ohne nachträgliche Bildbearbeitung bekommt man schnell 20 bis 30 fremde Personen mit aufs Foto. In Argentinien war das etwas einfacher. Dafür kommt man auf der brasilianischen Seite den gewaltigen Wassermassen am berühmten Teufelsschlund deutlich näher. Wer denkt, ein paar Tropfen abzubekommen, wird schnell eines Besseren belehrt. Je nach Windrichtung bleibt garantiert kein T-Shirt trocken – eine kostenlose Dusche inklusive.

    Ein deutlicher Unterschied zeigt sich auch beim Eintrittspreis. Während in Argentinien 60.000 argentinische Peso – umgerechnet etwa 35 Euro – fällig werden, kostet der Eintritt auf der brasilianischen Seite lediglich 131 brasilianische Real, also rund 23 Euro. Brasilien gewinnt diese Disziplin also klar nach Punkten – zumindest aus Sicht des Geldbeutels.

    Immerhin gibt es auf beiden Seiten den Transport innerhalb des Nationalparks bereits inklusive. In Brasilien bringen Busse die Besucher bequem zu den verschiedenen Stationen, während man in Argentinien stilecht mit dem kleinen Parkzug unterwegs ist. So beginnt die Entdeckungstour schon vor dem ersten Wasserfall – ganz ohne zusätzliche Ticketkäufe oder lange Fußmärsche.

    Bootstouren werden auf beiden Seiten angeboten und unterscheiden sich hinsichtlich Route und Erlebnis kaum. In Argentinien haben wir 90.000 argentinische Peso pro Person bezahlt, was etwa 53 Euro entsprach. Auf der brasilianischen Seite kostet die Tour ungefähr 380 brasilianische Real, also rund 65 Euro. Das Abenteuer selbst ist auf beiden Seiten praktisch identisch: viel Adrenalin, beeindruckende Natur und am Ende mindestens genauso nass wie glücklich.

    Unser Fazit:

    Obwohl uns persönlich die brasilianische Seite wegen des grandiosen Panoramablicks und der unmittelbaren Nähe zum Teufelsschlund noch ein kleines bisschen besser gefallen hat, würden wir jedem empfehlen, beide Seiten zu besuchen.

    Jede bietet ihre ganz eigenen Eindrücke und Perspektiven. Am besten plant man mehrere Übernachtungen auf einer Seite ein und besucht die andere im Rahmen eines Tagesausflugs – auf eigene Faust oder mit einer gebuchten Tour. So erlebt man die Iguazú-Wasserfälle in ihrer ganzen Größe und versteht erst richtig, warum sie zu den beeindruckendsten Naturwundern der Welt gehören. Und ganz nebenbei kann man anschließend bei jeder Diskussion überzeugend mitreden, welche Seite denn nun wirklich die schönere ist.

    Der Grenzübertritt von Brasilien nach Argentinien dauert zwar meist etwas länger als in die andere Richtung. Wer jedoch die andere Seiten der Wasserfälle im Rahmen einer Tagestour besuchen möchte, muss den Grenzübergang ohnehin zweimal passieren. Ob man also ein paar Minuten länger vor dem Schlagbaum verbringt, fällt am Ende kaum ins Gewicht – die Wasserfälle laufen schließlich auch nicht weg.

  • Argentinien – Puerto Iguazú

    18.07.2026 – Anreise nach Puerto Iguazú oder: Wie wir eine Flugzeugwäsche von innen erlebten

    Heute ging es nach Puerto Iguazú, der argentinischen Stadt an den berühmten Iguazú-Wasserfällen. Nachdem wir den Menschenauflauf am Flughafen in Buenos Aires erfolgreich überlebt hatten und endlich im Flugzeug saßen, konnte die Reise beginnen.

    Der Flug selbst war bereits recht holprig. Turbulenzen gehörten diesmal praktisch zum Bordprogramm. Doch was uns bei der Landung erwartete, war noch einmal eine ganz andere Liga. Bereits im Landeanflug wurde das Flugzeug ordentlich durchgeschüttelt – hoch, runter, links, rechts. Man hatte den Eindruck, die Piloten arbeiteten heute definitiv für ihr Gehalt.

    Kurz vor dem Aufsetzen, in etwa 15 bis 20 Metern Höhe, entschieden sich die Piloten wegen starker Seitenwinde und der deutlichen Schräglage der Maschine für ein Durchstartmanöver. Xin hatte vorsorglich die Augen geschlossen und offenbar ein Stoßgebet gesprochen. Sie bekam davon gar nichts mit und wunderte sich vermutlich nur, warum die Landung plötzlich so lange dauerte.

    Also drehten wir eine Ehrenrunde und starteten den zweiten Versuch. Auch diesmal wurde das Flugzeug wieder kräftig durchgeschüttelt. Da offenbar nicht genügend Spucktüten vorhanden waren, entschieden sich einige Passagiere für kreative Alternativen und erleichterten sich unter den Sitzen oder direkt auf dem Gang. Entsprechend sah das Flugzeug anschließend auch aus. Dank der gut funktionierenden Klimaanlage hielt sich der Geruch allerdings erstaunlich in Grenzen – ein Punkt für die Technik.

    Beim zweiten Landeversuch wollten die Piloten dann offenbar keine Diskussionen mehr führen und setzten die Maschine mit einem ordentlichen Knall auf die Landebahn. Für einen kurzen Moment hatte man das Gefühl, gleich würden sich Tragflächen und Rumpf verabschieden. Aber nein – alles blieb dran und wir lebten noch. Ich vermute allerdings, das Flugzeug durfte anschließend direkt zur Generalinspektion. 😉

    Das Aussteigen erinnerte anschließend eher an einen Hindernisparcours, bei dem man möglichst elegant den Hinterlassenschaften einiger Mitreisender ausweichen musste. Nach inzwischen rund 180 bis 200 Flügen kann ich jedenfalls sagen: So eine Landung habe ich noch nie erlebt.

    Immerhin haben wir unseren Mageninhalt erfolgreich bei uns behalten und sind später wohlbehalten im Hotel angekommen.

    19.07.2026 – Drei Länder, ein Fluss und ein trauriges Trikot

    Heute standen noch nicht die Wasserfälle auf dem Programm, sondern zunächst Puerto Iguazú selbst und das berühmte Drei-Länder-Eck.

    Hier mündet der Río Iguazú in den Río Paraná. Genau an dieser Stelle treffen die Grenzen von Argentinien, Brasilien und Paraguay aufeinander. Jedes Land besitzt seinen eigenen Aussichtspunkt. Auf der argentinischen Seite erwartet einen ein schöner Platz mit großem Schriftzug, einigen Souvenirgeschäften und einem tollen Blick auf die beiden Brücken, welche Brasilien mit Paraguay sowie Argentinien mit Brasilien verbinden.

    Am Nachmittag folgte dann das eigentliche Großereignis des Tages: das WM-Finale Spanien gegen Argentinien. In Puerto Iguazú herrschte Ausnahmezustand. Unser Plan war, das Spiel in einer Straße voller Restaurants und Bars beim Public Viewing zu verfolgen. Dummerweise waren bereits 30 Minuten vor Anpfiff sämtliche Plätze vergeben. Wirklich alle. Wer keinen Tisch mehr ergatterte, setzte oder stellte sich einfach mitten auf die Straße und schaute auf die riesigen Bildschirme.

    Als die argentinische Nationalmannschaft vorgestellt wurde, ging ein gewaltiger Jubel durch die Menge. Da wir aber keine Chance mehr auf einen Platz hatten, zogen wir uns ins Hotel zurück und schauten das Spiel dort. Extra für diesen Anlass hatte ich mir noch ein günstiges Fake-Argentinien-Trikot gekauft. Im Nachhinein stellte sich diese Investition als eher… suboptimal heraus. Die argentinische Mannschaft spielte nämlich leider alles andere als überzeugend. Am Ende wurde Spanien Weltmeister.

    Der Stimmung in Puerto Iguazú schadete das allerdings erstaunlich wenig. Noch lange nach dem Spiel zogen die Menschen durch die Straßen und feierten mit etwas Feuerwerk zumindest den Vizeweltmeistertitel. Man muss schließlich die Feste feiern, wie sie fallen.

    20.07.2026 – Wasserfälle, Regenponchos und zwei Aquarien in Schuhgröße 38

    Heute ging es endlich zum eigentlichen Ziel unserer Reise – den berühmten Iguazú-Wasserfällen. Der Eingang zum argentinischen Nationalpark liegt etwa 18 Kilometer außerhalb der Stadt. Man kann bequem mit dem Bus oder per Uber dorthin fahren. Da der Preis praktisch identisch war und wir den deutlich höheren Komfort schätzten, entschieden wir uns für Uber.

    Die Iguazú-Wasserfälle sind zwar weder die höchsten noch die wasserreichsten Wasserfälle der Welt, dafür bilden sie das größte zusammenhängende Wasserfallsystem der Erde. Auf rund 2.700 Metern Breite verteilen sich etwa 20 große und rund 255 kleinere Wasserfälle. Wobei „klein“ hier relativ ist – auch diese sind immerhin noch 20 bis 30 Meter hoch. Rund 80 Prozent der Wasserfälle liegen auf argentinischem Gebiet, die übrigen 20 Prozent in Brasilien.

    Am Eingang stellte sich zunächst die wichtigste Frage: Wo fängt man überhaupt an?

    Zur Auswahl stehen der Inferior Circuit unterhalb der Wasserfälle, der Superior Circuit oberhalb der Fälle und der Devil’s-Throat-Trip zum größten Wasserfall. Unsere Entscheidung fiel zunächst auf den Devil’s Throat.

    Mit einer kleinen Parkbahn fährt man bis fast ans Ende des Parks und läuft anschließend noch etwa einen Kilometer über Stege direkt über dem Fluss.

    Nachdem wir unsere kostenlosen Zugtickets abgeholt hatten, wollten wir die Wartezeit sinnvoll nutzen und erkundigten uns nach den Bootstouren. Die nächste Tour startete bereits in 15 Minuten und hatte noch freie Plätze. Also musste der Zug eben warten.

    Nach kurzer Zeit brachte uns ein Lkw mit Sitzbänken etwa zehn Minuten lang durch den Dschungel zum Bootsanleger. Dort zogen wir Regenponchos an, verstauten unseren Rucksack in einer wasserdichten Tasche und nahmen im Boot in der zweiten Reihe Platz. Warum der ganze Aufwand? Ganz einfach: Das Boot fährt nicht nur an den Wasserfällen vorbei – es fährt mitten hinein.

    Einige Mitfahrer waren deutlich erfahrener als wir und erschienen direkt in Badeschlappen und Schwimmshorts. Rückblickend betrachtet waren sie eindeutig die Klügeren.

    Zunächst ging es gemütlich über den Fluss und durch einige Stromschnellen zum Teufelsschlund (Garganta del Diablo), dem mit 82 Metern höchsten Wasserfall der Anlage. Dort durfte zunächst fotografiert werden.

    Anschließend begann jedoch der feuchte Teil des Programms.

    Der erste Wasserfall sorgte für eine angenehme Erfrischung. Der Regenponcho hielt tapfer dagegen. Nach zwei weiteren „Duschen“ waren Hose und T-Shirt allerdings bereits ordentlich nass. Immerhin hielten die Gore-Tex-Wanderschuhe bis dahin noch tapfer durch. Dann steuerten wir direkt den Teufelsschlund an.

    Ab diesem Moment kam das Wasser gefühlt aus allen Himmelsrichtungen gleichzeitig. Irgendwann war es uns schlicht egal. Trotzdem versuchten wir noch, mit der Kamera einige Bilder mitten unter dem Wasserfall aufzunehmen – erstaunlicherweise funktionierte das sogar ganz gut.

    Zusätzlich war noch ein Fotograf an Bord, der Fotos und Videos von der Tour machte. Falls unsere Kamera endgültig abgesoffen wäre, hätten wir wenigstens einen Plan B gehabt.

    Auf dem Rückweg wartete das große Finale. Bei einer Stromschnelle tauchte das Boot regelrecht ein. Im nächsten Augenblick schwappte eine gewaltige Wasserwand über den Bug direkt ins Boot. Selbst der Bootsführer schaute für einen kurzen Moment überrascht. Für die Passagiere in den ersten Reihen – inklusive uns – bedeutete das die vollständige Kapitulation sämtlicher Kleidung. Xin trug anschließend zwei kleine Aquarien in ihren Schuhen spazieren und unsere Kleidung war von oben bis unten komplett durchnässt.

    Unser Rat lautet daher eindeutig: Wechselsachen und Badeschlappen mitnehmen!

    Zum Glück schienen Sonne und Temperaturen auf unserer Seite zu sein. Nach etwa einer halben Stunde war die Kleidung wieder halbwegs trocken. Die Schuhe hingegen beschlossen, noch ein paar Stunden länger Urlaub im Wasser zu machen.

    Nachdem wir uns etwas aufgewärmt und neue Zugtickets organisiert hatten, ging es endlich zum eigentlichen Aussichtspunkt am Teufelsschlund – diesmal trocken und von oben.

    Der etwa einen Kilometer lange Steg war allerdings gut gefüllt. Teilweise ging gar nichts mehr vorwärts, weil manche Besucher für das perfekte Foto den gesamten Weg blockierten. Da der Steg stellenweise nur einspurig ist und zusätzlich Gegenverkehr herrscht, dauerte es entsprechend lange.

    Irgendwann standen wir schließlich ganz vorne und hatten einen fantastischen Blick auf die gewaltigen Wassermassen.

    Nach einigen Fotos machten wir uns wieder auf den Rückweg. Unterwegs entdeckten wir mehrere Schildkröten auf Felsen mitten im Wasser. Ob sie dort gemütlich Sonne tankten oder sich verzweifelt festklammerten, um nicht den Wasserfall hinuntergespült zu werden, ließ sich leider nicht eindeutig klären.

    Da wir noch genügend Zeit und Energie hatten, liefen wir anschließend auch noch den Superior Circuit oberhalb der Wasserfälle.

    Hier steht man teilweise direkt auf Brücken über den Wasserfällen und blickt senkrecht in die Tiefe. Gleichzeitig war deutlich weniger los als am Teufelsschlund. Dadurch konnten wir die Natur wesentlich entspannter genießen.

    Als besonderes Highlight zeigte sich sogar ein Riesentukan, der sich in aller Ruhe beobachten ließ.

    Und natürlich sorgte der feine Sprühnebel überall für wunderschöne Regenbögen – als hätte der Nationalpark zum Abschluss noch ein paar Spezialeffekte eingeschaltet.

    21.07.2026 – Alte Bäume und neue Reisepläne

    Heute besuchten wir den kleinen Park La Aripuca. Der Name stammt von einer traditionellen Aripuca-Falle, mit der die indigenen Völker des Paraná-Regenwaldes früher kleine Tiere fingen. Das beeindruckende Hauptgebäude des Parks wurde aus riesigen, wiederverwendeten Baumstämmen genau in Form dieser Falle errichtet.

    Bereits am Eingang stehen teilweise über tausend Jahre alte Bäume. Im gesamten Park wurden Hölzer alter Bäume verwendet, die wegen ihrer durch Termiten verursachten Instabilität gefällt werden mussten. So erhielten sie hier ein zweites Leben.

    Neben den riesigen Holzbauwerken gibt es außerdem Gastronomie, Kunsthandwerk und zahlreiche regionale Produkte.

    Den nächsten Tag ließen wir es etwas ruhiger angehen. Zwischen weiterer Reiseplanung und dem Schreiben unserer Reiseberichte konnten Mensch, Kamera und vor allem unsere inzwischen wieder trockenen Schuhe endlich einmal durchschnaufen. Denn schon am 23.07. stand das nächste Kapitel unserer Südamerika-Reise an: Es ging weiter nach Brasilien – natürlich mit Vorfreude auf die brasilianische Perspektive der beeindruckenden Iguazú-Wasserfälle.

  • Argentinien – Buenos Aires: Tango, Fußballfieber und die wohl schönste Buchhandlung der Welt 🇦🇷

    14.07.2026 – Zwischen Tango-Brücke, Nationalhelden und den teuersten Geldautomaten der Welt

    Kaum in Buenos Aires angekommen, zog es uns natürlich direkt hinaus, um die Stadt zu erkunden. Unser erster Stopp war das moderne und trendige Hafenviertel Puerto Madero – eines der sichersten Viertel der Stadt.

    Wo früher Waren gelagert wurden, befinden sich heute in aufwendig restaurierten Lagerhäusern aus rotem Backstein einige der besten Steakhäuser und exklusivsten Restaurants von Buenos Aires. Ein ziemlich gelungener Karrierewechsel für alte Lagerhallen.

    Natürlich spazierten wir auch über die elegante Puente de la Mujer („Brücke der Frau“). Die 170 Meter lange Fußgängerbrücke fällt sofort durch ihr außergewöhnliches Design auf. Der weiße, schräg geneigte Mast stellt den Mann dar, die geschwungene Brücke die Frau – zusammen symbolisieren sie ein Tango tanzendes Paar. Besonders faszinierend fanden wir jedoch, dass sich die gesamte Brücke um 90 Grad drehen kann, damit Schiffe passieren können. Praktisch – und definitiv eleganter als jede Schranke.

    Entlang der alten Hafensilos, einem Überbleibsel aus der Zeit, als Argentinien als „Kornkammer der Welt“ bekannt war, wird deutlich, wie gelungen historische Industriearchitektur mit modernen Gebäuden kombiniert wurde.

    Weiter ging es zur berühmten Plaza de Mayo, dem historischen Herzen der Stadt. Hier steht auch die beeindruckende Catedral Metropolitana de Buenos Aires, die katholische Hauptkirche der Stadt. Der Eintritt ist kostenlos. Ungewöhnlich ist vor allem ihre Fassade, die eher an einen griechischen Tempel als an eine Kirche erinnert. Zwölf gewaltige Säulen symbolisieren die Apostel. Im Inneren befindet sich außerdem das Mausoleum von General José de San Martín, dem größten Nationalhelden Argentiniens und einem der wichtigsten Befreier Südamerikas. Er führte den Unabhängigkeitskampf gegen die spanische Kolonialherrschaft an und sicherte die Unabhängigkeit Argentiniens, Chiles und Perus.

    Rund um die Plaza de Mayo schlägt das historische Herz von Buenos Aires. Nur wenige Schritte weiter spürt man überall den besonderen Charme dieser riesigen Metropole.

    Natürlich durfte auch das prachtvolle Teatro Colón nicht fehlen. Schon von außen ist eines der bedeutendsten Opernhäuser der Welt unglaublich imposant. Besichtigen kann man es allerdings nur im Rahmen einer kostenpflichtigen Führung oder bei einer Vorstellung. Das 1908 eröffnete Gebäude ist berühmt für seine neoklassizistische Architektur und seine außergewöhnliche Akustik. Mit mehr als 2.500 Sitzplätzen finden hier regelmäßig Opern, Ballette und klassische Konzerte auf absolutem Weltklasseniveau statt.

    Anschließend liefen wir weiter zum berühmten Obelisken, dem wohl bekanntesten Wahrzeichen von Buenos Aires. Egal aus welcher Richtung man unterwegs ist – irgendwann steht man automatisch davor. Der 67 Meter hohe Obelisk erhebt sich auf der Plaza de la República, mitten auf der Avenida 9 de Julio, der breitesten Straße der Welt. An genau dieser Stelle stand früher die Kirche San Nicolás de Bari. Dort wurde 1812 erstmals offiziell die argentinische Flagge in Buenos Aires gehisst.

    Weniger beeindruckend als die Sehenswürdigkeiten waren allerdings die Geldautomaten. Die verlangten Gebühren waren so hoch(etwa 20%), dass man fast erwartet hätte, der Automat bringt das Geld anschließend persönlich ins Hotel und serviert noch einen Kaffee dazu. Also entschieden wir uns fürs Geldwechseln. Dafür brauchten wir tatsächlich nicht nur unseren Reisepass, sondern sogar die Boardingkarte unseres Fluges. So kompliziert haben wir noch nie Bargeld getauscht. Aber am Ende hielten wir tatsächlich argentinische Pesos in den Händen.

    15.07.2026 – Fußballwahnsinn und Tango zum Mitmachen

    Heute stand Buenos Aires komplett Kopf. Um 16 Uhr spielte Argentinien im Halbfinale der Fußballmeisterschaft gegen England – und gewann!

    Innerhalb weniger Minuten verwandelte sich die gesamte Stadt in eine einzige riesige Party. Überall hupende Autos, jubelnde Menschen, wehende Fahnen, lautstarke Gesänge und Feuerwerk, das vermutlich eher spontan als offiziell genehmigt war. Die Straßen gehörten plötzlich ausschließlich den Fans. So etwas erlebt man wohl nur in einem Land, in dem Fußball nicht einfach ein Sport, sondern fast schon eine Religion ist.

    Der Abend hatte aber noch ein weiteres Highlight für uns parat: eine Tangoshow inklusive Abendessen.

    Eigentlich sollte uns ein Shuttle abholen. Daraus wurde allerdings nichts, denn sämtliche Straßen waren voller feiernder Fans und Autos kamen schlicht nicht mehr durch. Also liefen wir die 1,6 Kilometer zu Fuß. Bei dieser Stimmung war das allerdings eher ein Vergnügen als ein Problem.

    Die Veranstaltung fand in einem wunderschönen 110 Jahre altem Theater mit Balkonen statt.

    Nach dem ersten Gang stand zunächst ein Tango-Crashkurs für Anfänger auf dem Programm. Sagen wir es einmal diplomatisch: Unsere Tanzkarriere begann vielversprechend… und endete ungefähr nach dem zweiten Schritt. Trotzdem gab es anschließend noch ein Erinnerungsfoto mit unseren beiden Tanzlehrern – als Beweis dafür, dass wir zumindest kurzzeitig Tangotänzer waren.

    Nach den nächsten beiden Gängen und den ersten Gläsern Rotwein begann schließlich die einstündige Show. Musiker, Sänger und Tänzer lieferten eine beeindruckende Vorstellung ab. Mit welcher Eleganz und gleichzeitig unglaublichen Geschwindigkeit sich die Tänzer über die Bühne bewegten, war faszinierend. Beim Zuschauen sah alles spielend leicht aus. Beim eigenen Versuch würde vermutlich spätestens nach drei Sekunden jemand den Boden küssen.

    16.07.2026 – Busfahrer mit Formel-1-Ambitionen und die schönste Buchhandlung der Welt

    Heute wollten wir verschiedene Stadtteile mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erkunden und entschieden uns für den Bus. Unser erster Kontakt mit dem Busfahrer verlief allerdings… sagen wir ausbaufähig. Während wir kurz vor dem Einsteigen waren und das Handy zum Bezahlen schon in der Hand hatten, schloss er kurzerhand die Türen vor unserer Nase und fuhr einfach los. Wenn man noch zehn Meter entfernt steht – geschenkt. Aber direkt vor der Tür? Herzlichen Glückwunsch, dieser Mann hätte vermutlich sogar einen Boxenstopp in der Formel 1 gewonnen. Also hieß es: freundlich bleiben und auf den nächsten Bus warten.

    Erster Halt war die Plaza Alemania im eleganten Stadtteil Palermo Chico. Der „Deutschlandplatz“ ist eine wunderschöne Parkanlage und besitzt große historische Bedeutung für die deutsch-argentinische Gemeinschaft. Mittelpunkt des Platzes ist der monumentale Brunnen Fuente Riqueza Agropecuaria Argentina. Das rund 25 Meter breite Denkmal aus Carrara-Marmor und Bronze zeigt Skulpturen, die Landwirtschaft, Viehzucht sowie den kulturellen Einfluss Deutschlands in Argentinien symbolisieren. Entworfen wurde es 1910 vom deutschen Bildhauer Gustav Adolf Bredow und von der deutschen Gemeinschaft Buenos Aires zur Hundertjahrfeier der Mai-Revolution in Argentinien geschenkt.

    Anschließend besuchten wir die Floralis Genérica im Stadtteil Recoleta. Die riesige Edelstahlblume ist 23 Meter hoch, wiegt 18 Tonnen und ist schon von weitem kaum zu übersehen. Ihre sechs gewaltigen Blütenblätter öffnen sich morgens automatisch mithilfe eines hydraulischen Systems und schließen sich abends wieder. Der gesamte Vorgang dauert jeweils etwa 20 Minuten. Bei starkem Wind schließt sich die Blume sogar vorsorglich selbst – quasi Selbstschutz auf botanisch.

    Das eigentliche Highlight des Tages war jedoch El Ateneo Grand Splendid. Eine Buchhandlung in einem ehemaligen Theater klingt bereits außergewöhnlich – in Wirklichkeit ist sie aber noch beeindruckender. Zwischen prachtvollen Balkonen und einer kunstvoll bemalten Decke stehen heute Bücherregale, während sich auf der ehemaligen Bühne ein Café befindet. Nicht ohne Grund gilt El Ateneo als schönste Buchhandlung der Welt und gleichzeitig als größtes Buchgeschäft Südamerikas. Selbst Menschen, die normalerweise keinen einzigen Buchladen betreten würden, bleiben hier erst einmal mit offenem Mund stehen.

    Zum Abschluss schauten wir noch an der Plaza del Congreso vorbei und wollten den Tag anschließend eigentlich ganz entspannt ausklingen lassen. Aber dort wurde es plötzlich laut. Trommeln, Tröten und Sprechchöre hallten über den Platz. Ein Demonstrationszug bewegte sich, begleitet und abgesichert von zahlreichen Polizisten, durch die Straßen. Zunächst wussten wir gar nicht, worum es bei dem Protest ging. Eine kurze Nachfrage brachte jedoch schnell Klarheit. Seit einiger Zeit finden am Plaza del Congreso regelmäßig Demonstrationen gegen die Spar- und Rentenpolitik der Regierung von Präsident Javier Milei statt. Im Mittelpunkt stehen dabei die schwierige wirtschaftliche Lage vieler Senioren und ihre Forderung nach besseren Renten sowie mehr finanzieller Unterstützung.

    Für uns war das ein eindrucksvoller Moment, der zeigte, dass Buenos Aires nicht nur aus prachtvollen Gebäuden, Tango und gutem Essen besteht. Hinter der lebendigen Fassade der Millionenmetropole spielen sich auch politische und gesellschaftliche Konflikte ab. Und so wurden wir ganz unerwartet zu Zeugen eines Stücks aktueller argentinischer Geschichte – inklusive lautstarker Trommler, die garantiert keinen Verstärker brauchten.

    Zum Abschluss des Tages kehrten wir in einem spanischen Restaurant ein – schließlich musste nach so vielen Eindrücken auch der Magen noch ein kulturelles Highlight erleben. Auf den Tisch kam Paella, eines der berühmtesten Gerichte Spaniens. Die traditionelle Spezialität stammt aus der Region Valencia und wird dort klassisch über offenem Holzfeuer mit Reis, Gemüse – unter anderem grünen Bohnen und weißen Riesenbohnen – sowie Hühnchen und Kaninchen zubereitet. Wir entschieden uns allerdings für die wohl bekannteste Variante mit Meeresfrüchten: Garnelen, Muscheln und Calamari landeten gemeinsam mit dem aromatischen Reis in der großen Pfanne. Für Xin war Paella eine echte Premiere und sie wollte das Gericht unbedingt einmal probieren. Ich dagegen hatte das Vergnügen bereits in Barcelona und wusste deshalb schon, worauf ich mich freuen konnte. Das Wiedersehen hat sich definitiv gelohnt – genauso lecker wie in meiner Erinnerung. Die Pfanne war am Ende jedenfalls komplett leer – das spricht bekanntlich für sich. Das Abschlecken der Pfanne haben wir uns aber gespart.

    17.07.2026 – Churros, heiße Schokolade und Tango zwischen den Kaffeetischen

    Heute ging es ins berühmte Café Tortoni, das älteste und wohl bekannteste Kaffeehaus von Buenos Aires.

    Gegründet wurde es bereits 1858 von einem französischen Einwanderer und gilt bis heute als Herzstück der Kaffeekultur der Stadt.

    Schon beim Betreten fühlt man sich wie auf einer kleinen Zeitreise. Dunkles Holz, elegante Einrichtung und eine Atmosphäre, als würden jeden Moment berühmte Künstler, Schriftsteller oder Politiker der vergangenen hundert Jahre zur Tür hereinkommen.

    Natürlich gönnten wir uns hier den Klassiker schlechthin: Churros con Chocolate – knusprig frittiertes Gebäck, das in heiße Schokolade getaucht wird. Kalorienzählen wäre hier reine Zeitverschwendung.

    Im hinteren Bereich des Cafés befindet sich außerdem ein kleines Theater, in dem abends klassische Tango-Vorführungen stattfinden. Da wir bereits am Vorabend eine große Tangoshow erlebt hatten, verzichteten wir diesmal darauf. Ganz ohne Tango ging es aber trotzdem nicht: Zwei Tänzer legten kurzerhand zwischen den Kaffeetischen eine mitreißende Vorstellung aufs Parkett. So bekommt selbst die Kaffeepause in Buenos Aires noch Bühnenqualität.

    18.07.2026 – Abschied von Buenos Aires

    Heute hieß es Abschied nehmen vom magischen Buenos Aires. Unser nächstes Ziel: Iguazú.

    Am Flughafen erwartete uns allerdings zunächst Geduld statt Abenteuer. Wegen des Ferienbeginns in der Region Buenos Aires herrschte Ausnahmezustand. Endlose Schlangen am Check-in, überfüllte Wartebereiche und Koffer, soweit das Auge reichte. Das wichtigste Reisegepäck des Tages war eindeutig Geduld.

    Nach längerer Wartezeit am Check-in und an der Sicherheitskontrolle hob unser Flug schließlich doch noch ab. Vor uns lag bereits das nächste Naturwunder Südamerikas – die gewaltigen Iguazú-Wasserfälle.