18.07.2026 – Anreise nach Puerto Iguazú oder: Wie wir eine Flugzeugwäsche von innen erlebten
Heute ging es nach Puerto Iguazú, der argentinischen Stadt an den berühmten Iguazú-Wasserfällen. Nachdem wir den Menschenauflauf am Flughafen in Buenos Aires erfolgreich überlebt hatten und endlich im Flugzeug saßen, konnte die Reise beginnen.
Der Flug selbst war bereits recht holprig. Turbulenzen gehörten diesmal praktisch zum Bordprogramm. Doch was uns bei der Landung erwartete, war noch einmal eine ganz andere Liga. Bereits im Landeanflug wurde das Flugzeug ordentlich durchgeschüttelt – hoch, runter, links, rechts. Man hatte den Eindruck, die Piloten arbeiteten heute definitiv für ihr Gehalt.
Kurz vor dem Aufsetzen, in etwa 15 bis 20 Metern Höhe, entschieden sich die Piloten wegen starker Seitenwinde und der deutlichen Schräglage der Maschine für ein Durchstartmanöver. Xin hatte vorsorglich die Augen geschlossen und offenbar ein Stoßgebet gesprochen. Sie bekam davon gar nichts mit und wunderte sich vermutlich nur, warum die Landung plötzlich so lange dauerte.
Also drehten wir eine Ehrenrunde und starteten den zweiten Versuch. Auch diesmal wurde das Flugzeug wieder kräftig durchgeschüttelt. Da offenbar nicht genügend Spucktüten vorhanden waren, entschieden sich einige Passagiere für kreative Alternativen und erleichterten sich unter den Sitzen oder direkt auf dem Gang. Entsprechend sah das Flugzeug anschließend auch aus. Dank der gut funktionierenden Klimaanlage hielt sich der Geruch allerdings erstaunlich in Grenzen – ein Punkt für die Technik.
Beim zweiten Landeversuch wollten die Piloten dann offenbar keine Diskussionen mehr führen und setzten die Maschine mit einem ordentlichen Knall auf die Landebahn. Für einen kurzen Moment hatte man das Gefühl, gleich würden sich Tragflächen und Rumpf verabschieden. Aber nein – alles blieb dran und wir lebten noch. Ich vermute allerdings, das Flugzeug durfte anschließend direkt zur Generalinspektion. 😉
Das Aussteigen erinnerte anschließend eher an einen Hindernisparcours, bei dem man möglichst elegant den Hinterlassenschaften einiger Mitreisender ausweichen musste. Nach inzwischen rund 180 bis 200 Flügen kann ich jedenfalls sagen: So eine Landung habe ich noch nie erlebt.
Immerhin haben wir unseren Mageninhalt erfolgreich bei uns behalten und sind später wohlbehalten im Hotel angekommen.
19.07.2026 – Drei Länder, ein Fluss und ein trauriges Trikot
Heute standen noch nicht die Wasserfälle auf dem Programm, sondern zunächst Puerto Iguazú selbst und das berühmte Drei-Länder-Eck.

Hier mündet der Río Iguazú in den Río Paraná. Genau an dieser Stelle treffen die Grenzen von Argentinien, Brasilien und Paraguay aufeinander. Jedes Land besitzt seinen eigenen Aussichtspunkt. Auf der argentinischen Seite erwartet einen ein schöner Platz mit großem Schriftzug, einigen Souvenirgeschäften und einem tollen Blick auf die beiden Brücken, welche Brasilien mit Paraguay sowie Argentinien mit Brasilien verbinden.

Am Nachmittag folgte dann das eigentliche Großereignis des Tages: das WM-Finale Spanien gegen Argentinien. In Puerto Iguazú herrschte Ausnahmezustand. Unser Plan war, das Spiel in einer Straße voller Restaurants und Bars beim Public Viewing zu verfolgen. Dummerweise waren bereits 30 Minuten vor Anpfiff sämtliche Plätze vergeben. Wirklich alle. Wer keinen Tisch mehr ergatterte, setzte oder stellte sich einfach mitten auf die Straße und schaute auf die riesigen Bildschirme.

Als die argentinische Nationalmannschaft vorgestellt wurde, ging ein gewaltiger Jubel durch die Menge. Da wir aber keine Chance mehr auf einen Platz hatten, zogen wir uns ins Hotel zurück und schauten das Spiel dort. Extra für diesen Anlass hatte ich mir noch ein günstiges Fake-Argentinien-Trikot gekauft. Im Nachhinein stellte sich diese Investition als eher… suboptimal heraus. Die argentinische Mannschaft spielte nämlich leider alles andere als überzeugend. Am Ende wurde Spanien Weltmeister.
Der Stimmung in Puerto Iguazú schadete das allerdings erstaunlich wenig. Noch lange nach dem Spiel zogen die Menschen durch die Straßen und feierten mit etwas Feuerwerk zumindest den Vizeweltmeistertitel. Man muss schließlich die Feste feiern, wie sie fallen.
20.07.2026 – Wasserfälle, Regenponchos und zwei Aquarien in Schuhgröße 38
Heute ging es endlich zum eigentlichen Ziel unserer Reise – den berühmten Iguazú-Wasserfällen. Der Eingang zum argentinischen Nationalpark liegt etwa 18 Kilometer außerhalb der Stadt. Man kann bequem mit dem Bus oder per Uber dorthin fahren. Da der Preis praktisch identisch war und wir den deutlich höheren Komfort schätzten, entschieden wir uns für Uber.
Die Iguazú-Wasserfälle sind zwar weder die höchsten noch die wasserreichsten Wasserfälle der Welt, dafür bilden sie das größte zusammenhängende Wasserfallsystem der Erde. Auf rund 2.700 Metern Breite verteilen sich etwa 20 große und rund 255 kleinere Wasserfälle. Wobei „klein“ hier relativ ist – auch diese sind immerhin noch 20 bis 30 Meter hoch. Rund 80 Prozent der Wasserfälle liegen auf argentinischem Gebiet, die übrigen 20 Prozent in Brasilien.
Am Eingang stellte sich zunächst die wichtigste Frage: Wo fängt man überhaupt an?

Zur Auswahl stehen der Inferior Circuit unterhalb der Wasserfälle, der Superior Circuit oberhalb der Fälle und der Devil’s-Throat-Trip zum größten Wasserfall. Unsere Entscheidung fiel zunächst auf den Devil’s Throat.
Mit einer kleinen Parkbahn fährt man bis fast ans Ende des Parks und läuft anschließend noch etwa einen Kilometer über Stege direkt über dem Fluss.

Nachdem wir unsere kostenlosen Zugtickets abgeholt hatten, wollten wir die Wartezeit sinnvoll nutzen und erkundigten uns nach den Bootstouren. Die nächste Tour startete bereits in 15 Minuten und hatte noch freie Plätze. Also musste der Zug eben warten.
Nach kurzer Zeit brachte uns ein Lkw mit Sitzbänken etwa zehn Minuten lang durch den Dschungel zum Bootsanleger. Dort zogen wir Regenponchos an, verstauten unseren Rucksack in einer wasserdichten Tasche und nahmen im Boot in der zweiten Reihe Platz. Warum der ganze Aufwand? Ganz einfach: Das Boot fährt nicht nur an den Wasserfällen vorbei – es fährt mitten hinein.

Einige Mitfahrer waren deutlich erfahrener als wir und erschienen direkt in Badeschlappen und Schwimmshorts. Rückblickend betrachtet waren sie eindeutig die Klügeren.
Zunächst ging es gemütlich über den Fluss und durch einige Stromschnellen zum Teufelsschlund (Garganta del Diablo), dem mit 82 Metern höchsten Wasserfall der Anlage. Dort durfte zunächst fotografiert werden.

Anschließend begann jedoch der feuchte Teil des Programms.

Der erste Wasserfall sorgte für eine angenehme Erfrischung. Der Regenponcho hielt tapfer dagegen. Nach zwei weiteren „Duschen“ waren Hose und T-Shirt allerdings bereits ordentlich nass. Immerhin hielten die Gore-Tex-Wanderschuhe bis dahin noch tapfer durch. Dann steuerten wir direkt den Teufelsschlund an.
Ab diesem Moment kam das Wasser gefühlt aus allen Himmelsrichtungen gleichzeitig. Irgendwann war es uns schlicht egal. Trotzdem versuchten wir noch, mit der Kamera einige Bilder mitten unter dem Wasserfall aufzunehmen – erstaunlicherweise funktionierte das sogar ganz gut.

Zusätzlich war noch ein Fotograf an Bord, der Fotos und Videos von der Tour machte. Falls unsere Kamera endgültig abgesoffen wäre, hätten wir wenigstens einen Plan B gehabt.
Auf dem Rückweg wartete das große Finale. Bei einer Stromschnelle tauchte das Boot regelrecht ein. Im nächsten Augenblick schwappte eine gewaltige Wasserwand über den Bug direkt ins Boot. Selbst der Bootsführer schaute für einen kurzen Moment überrascht. Für die Passagiere in den ersten Reihen – inklusive uns – bedeutete das die vollständige Kapitulation sämtlicher Kleidung. Xin trug anschließend zwei kleine Aquarien in ihren Schuhen spazieren und unsere Kleidung war von oben bis unten komplett durchnässt.
Unser Rat lautet daher eindeutig: Wechselsachen und Badeschlappen mitnehmen!
Zum Glück schienen Sonne und Temperaturen auf unserer Seite zu sein. Nach etwa einer halben Stunde war die Kleidung wieder halbwegs trocken. Die Schuhe hingegen beschlossen, noch ein paar Stunden länger Urlaub im Wasser zu machen.
Nachdem wir uns etwas aufgewärmt und neue Zugtickets organisiert hatten, ging es endlich zum eigentlichen Aussichtspunkt am Teufelsschlund – diesmal trocken und von oben.

Der etwa einen Kilometer lange Steg war allerdings gut gefüllt. Teilweise ging gar nichts mehr vorwärts, weil manche Besucher für das perfekte Foto den gesamten Weg blockierten. Da der Steg stellenweise nur einspurig ist und zusätzlich Gegenverkehr herrscht, dauerte es entsprechend lange.

Irgendwann standen wir schließlich ganz vorne und hatten einen fantastischen Blick auf die gewaltigen Wassermassen.

Nach einigen Fotos machten wir uns wieder auf den Rückweg. Unterwegs entdeckten wir mehrere Schildkröten auf Felsen mitten im Wasser. Ob sie dort gemütlich Sonne tankten oder sich verzweifelt festklammerten, um nicht den Wasserfall hinuntergespült zu werden, ließ sich leider nicht eindeutig klären.

Da wir noch genügend Zeit und Energie hatten, liefen wir anschließend auch noch den Superior Circuit oberhalb der Wasserfälle.

Hier steht man teilweise direkt auf Brücken über den Wasserfällen und blickt senkrecht in die Tiefe. Gleichzeitig war deutlich weniger los als am Teufelsschlund. Dadurch konnten wir die Natur wesentlich entspannter genießen.

Als besonderes Highlight zeigte sich sogar ein Riesentukan, der sich in aller Ruhe beobachten ließ.

Und natürlich sorgte der feine Sprühnebel überall für wunderschöne Regenbögen – als hätte der Nationalpark zum Abschluss noch ein paar Spezialeffekte eingeschaltet.
21.07.2026 – Alte Bäume und neue Reisepläne
Heute besuchten wir den kleinen Park La Aripuca. Der Name stammt von einer traditionellen Aripuca-Falle, mit der die indigenen Völker des Paraná-Regenwaldes früher kleine Tiere fingen. Das beeindruckende Hauptgebäude des Parks wurde aus riesigen, wiederverwendeten Baumstämmen genau in Form dieser Falle errichtet.


Bereits am Eingang stehen teilweise über tausend Jahre alte Bäume. Im gesamten Park wurden Hölzer alter Bäume verwendet, die wegen ihrer durch Termiten verursachten Instabilität gefällt werden mussten. So erhielten sie hier ein zweites Leben.


Neben den riesigen Holzbauwerken gibt es außerdem Gastronomie, Kunsthandwerk und zahlreiche regionale Produkte.
Den nächsten Tag ließen wir es etwas ruhiger angehen. Zwischen weiterer Reiseplanung und dem Schreiben unserer Reiseberichte konnten Mensch, Kamera und vor allem unsere inzwischen wieder trockenen Schuhe endlich einmal durchschnaufen. Denn schon am 23.07. stand das nächste Kapitel unserer Südamerika-Reise an: Es ging weiter nach Brasilien – natürlich mit Vorfreude auf die brasilianische Perspektive der beeindruckenden Iguazú-Wasserfälle.





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