14.07.2026 – Zwischen Tango-Brücke, Nationalhelden und den teuersten Geldautomaten der Welt
Kaum in Buenos Aires angekommen, zog es uns natürlich direkt hinaus, um die Stadt zu erkunden. Unser erster Stopp war das moderne und trendige Hafenviertel Puerto Madero – eines der sichersten Viertel der Stadt.

Wo früher Waren gelagert wurden, befinden sich heute in aufwendig restaurierten Lagerhäusern aus rotem Backstein einige der besten Steakhäuser und exklusivsten Restaurants von Buenos Aires. Ein ziemlich gelungener Karrierewechsel für alte Lagerhallen.


Natürlich spazierten wir auch über die elegante Puente de la Mujer („Brücke der Frau“). Die 170 Meter lange Fußgängerbrücke fällt sofort durch ihr außergewöhnliches Design auf. Der weiße, schräg geneigte Mast stellt den Mann dar, die geschwungene Brücke die Frau – zusammen symbolisieren sie ein Tango tanzendes Paar. Besonders faszinierend fanden wir jedoch, dass sich die gesamte Brücke um 90 Grad drehen kann, damit Schiffe passieren können. Praktisch – und definitiv eleganter als jede Schranke.

Entlang der alten Hafensilos, einem Überbleibsel aus der Zeit, als Argentinien als „Kornkammer der Welt“ bekannt war, wird deutlich, wie gelungen historische Industriearchitektur mit modernen Gebäuden kombiniert wurde.

Weiter ging es zur berühmten Plaza de Mayo, dem historischen Herzen der Stadt. Hier steht auch die beeindruckende Catedral Metropolitana de Buenos Aires, die katholische Hauptkirche der Stadt. Der Eintritt ist kostenlos. Ungewöhnlich ist vor allem ihre Fassade, die eher an einen griechischen Tempel als an eine Kirche erinnert. Zwölf gewaltige Säulen symbolisieren die Apostel. Im Inneren befindet sich außerdem das Mausoleum von General José de San Martín, dem größten Nationalhelden Argentiniens und einem der wichtigsten Befreier Südamerikas. Er führte den Unabhängigkeitskampf gegen die spanische Kolonialherrschaft an und sicherte die Unabhängigkeit Argentiniens, Chiles und Perus.

Rund um die Plaza de Mayo schlägt das historische Herz von Buenos Aires. Nur wenige Schritte weiter spürt man überall den besonderen Charme dieser riesigen Metropole.

Natürlich durfte auch das prachtvolle Teatro Colón nicht fehlen. Schon von außen ist eines der bedeutendsten Opernhäuser der Welt unglaublich imposant. Besichtigen kann man es allerdings nur im Rahmen einer kostenpflichtigen Führung oder bei einer Vorstellung. Das 1908 eröffnete Gebäude ist berühmt für seine neoklassizistische Architektur und seine außergewöhnliche Akustik. Mit mehr als 2.500 Sitzplätzen finden hier regelmäßig Opern, Ballette und klassische Konzerte auf absolutem Weltklasseniveau statt.

Anschließend liefen wir weiter zum berühmten Obelisken, dem wohl bekanntesten Wahrzeichen von Buenos Aires. Egal aus welcher Richtung man unterwegs ist – irgendwann steht man automatisch davor. Der 67 Meter hohe Obelisk erhebt sich auf der Plaza de la República, mitten auf der Avenida 9 de Julio, der breitesten Straße der Welt. An genau dieser Stelle stand früher die Kirche San Nicolás de Bari. Dort wurde 1812 erstmals offiziell die argentinische Flagge in Buenos Aires gehisst.

Weniger beeindruckend als die Sehenswürdigkeiten waren allerdings die Geldautomaten. Die verlangten Gebühren waren so hoch(etwa 20%), dass man fast erwartet hätte, der Automat bringt das Geld anschließend persönlich ins Hotel und serviert noch einen Kaffee dazu. Also entschieden wir uns fürs Geldwechseln. Dafür brauchten wir tatsächlich nicht nur unseren Reisepass, sondern sogar die Boardingkarte unseres Fluges. So kompliziert haben wir noch nie Bargeld getauscht. Aber am Ende hielten wir tatsächlich argentinische Pesos in den Händen.
15.07.2026 – Fußballwahnsinn und Tango zum Mitmachen
Heute stand Buenos Aires komplett Kopf. Um 16 Uhr spielte Argentinien im Halbfinale der Fußballmeisterschaft gegen England – und gewann!
Innerhalb weniger Minuten verwandelte sich die gesamte Stadt in eine einzige riesige Party. Überall hupende Autos, jubelnde Menschen, wehende Fahnen, lautstarke Gesänge und Feuerwerk, das vermutlich eher spontan als offiziell genehmigt war. Die Straßen gehörten plötzlich ausschließlich den Fans. So etwas erlebt man wohl nur in einem Land, in dem Fußball nicht einfach ein Sport, sondern fast schon eine Religion ist.
Der Abend hatte aber noch ein weiteres Highlight für uns parat: eine Tangoshow inklusive Abendessen.
Eigentlich sollte uns ein Shuttle abholen. Daraus wurde allerdings nichts, denn sämtliche Straßen waren voller feiernder Fans und Autos kamen schlicht nicht mehr durch. Also liefen wir die 1,6 Kilometer zu Fuß. Bei dieser Stimmung war das allerdings eher ein Vergnügen als ein Problem.
Die Veranstaltung fand in einem wunderschönen 110 Jahre altem Theater mit Balkonen statt.

Nach dem ersten Gang stand zunächst ein Tango-Crashkurs für Anfänger auf dem Programm. Sagen wir es einmal diplomatisch: Unsere Tanzkarriere begann vielversprechend… und endete ungefähr nach dem zweiten Schritt. Trotzdem gab es anschließend noch ein Erinnerungsfoto mit unseren beiden Tanzlehrern – als Beweis dafür, dass wir zumindest kurzzeitig Tangotänzer waren.


Nach den nächsten beiden Gängen und den ersten Gläsern Rotwein begann schließlich die einstündige Show. Musiker, Sänger und Tänzer lieferten eine beeindruckende Vorstellung ab. Mit welcher Eleganz und gleichzeitig unglaublichen Geschwindigkeit sich die Tänzer über die Bühne bewegten, war faszinierend. Beim Zuschauen sah alles spielend leicht aus. Beim eigenen Versuch würde vermutlich spätestens nach drei Sekunden jemand den Boden küssen.

16.07.2026 – Busfahrer mit Formel-1-Ambitionen und die schönste Buchhandlung der Welt
Heute wollten wir verschiedene Stadtteile mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erkunden und entschieden uns für den Bus. Unser erster Kontakt mit dem Busfahrer verlief allerdings… sagen wir ausbaufähig. Während wir kurz vor dem Einsteigen waren und das Handy zum Bezahlen schon in der Hand hatten, schloss er kurzerhand die Türen vor unserer Nase und fuhr einfach los. Wenn man noch zehn Meter entfernt steht – geschenkt. Aber direkt vor der Tür? Herzlichen Glückwunsch, dieser Mann hätte vermutlich sogar einen Boxenstopp in der Formel 1 gewonnen. Also hieß es: freundlich bleiben und auf den nächsten Bus warten.
Erster Halt war die Plaza Alemania im eleganten Stadtteil Palermo Chico. Der „Deutschlandplatz“ ist eine wunderschöne Parkanlage und besitzt große historische Bedeutung für die deutsch-argentinische Gemeinschaft. Mittelpunkt des Platzes ist der monumentale Brunnen Fuente Riqueza Agropecuaria Argentina. Das rund 25 Meter breite Denkmal aus Carrara-Marmor und Bronze zeigt Skulpturen, die Landwirtschaft, Viehzucht sowie den kulturellen Einfluss Deutschlands in Argentinien symbolisieren. Entworfen wurde es 1910 vom deutschen Bildhauer Gustav Adolf Bredow und von der deutschen Gemeinschaft Buenos Aires zur Hundertjahrfeier der Mai-Revolution in Argentinien geschenkt.

Anschließend besuchten wir die Floralis Genérica im Stadtteil Recoleta. Die riesige Edelstahlblume ist 23 Meter hoch, wiegt 18 Tonnen und ist schon von weitem kaum zu übersehen. Ihre sechs gewaltigen Blütenblätter öffnen sich morgens automatisch mithilfe eines hydraulischen Systems und schließen sich abends wieder. Der gesamte Vorgang dauert jeweils etwa 20 Minuten. Bei starkem Wind schließt sich die Blume sogar vorsorglich selbst – quasi Selbstschutz auf botanisch.

Das eigentliche Highlight des Tages war jedoch El Ateneo Grand Splendid. Eine Buchhandlung in einem ehemaligen Theater klingt bereits außergewöhnlich – in Wirklichkeit ist sie aber noch beeindruckender. Zwischen prachtvollen Balkonen und einer kunstvoll bemalten Decke stehen heute Bücherregale, während sich auf der ehemaligen Bühne ein Café befindet. Nicht ohne Grund gilt El Ateneo als schönste Buchhandlung der Welt und gleichzeitig als größtes Buchgeschäft Südamerikas. Selbst Menschen, die normalerweise keinen einzigen Buchladen betreten würden, bleiben hier erst einmal mit offenem Mund stehen.



Zum Abschluss schauten wir noch an der Plaza del Congreso vorbei und wollten den Tag anschließend eigentlich ganz entspannt ausklingen lassen. Aber dort wurde es plötzlich laut. Trommeln, Tröten und Sprechchöre hallten über den Platz. Ein Demonstrationszug bewegte sich, begleitet und abgesichert von zahlreichen Polizisten, durch die Straßen. Zunächst wussten wir gar nicht, worum es bei dem Protest ging. Eine kurze Nachfrage brachte jedoch schnell Klarheit. Seit einiger Zeit finden am Plaza del Congreso regelmäßig Demonstrationen gegen die Spar- und Rentenpolitik der Regierung von Präsident Javier Milei statt. Im Mittelpunkt stehen dabei die schwierige wirtschaftliche Lage vieler Senioren und ihre Forderung nach besseren Renten sowie mehr finanzieller Unterstützung.

Für uns war das ein eindrucksvoller Moment, der zeigte, dass Buenos Aires nicht nur aus prachtvollen Gebäuden, Tango und gutem Essen besteht. Hinter der lebendigen Fassade der Millionenmetropole spielen sich auch politische und gesellschaftliche Konflikte ab. Und so wurden wir ganz unerwartet zu Zeugen eines Stücks aktueller argentinischer Geschichte – inklusive lautstarker Trommler, die garantiert keinen Verstärker brauchten.

Zum Abschluss des Tages kehrten wir in einem spanischen Restaurant ein – schließlich musste nach so vielen Eindrücken auch der Magen noch ein kulturelles Highlight erleben. Auf den Tisch kam Paella, eines der berühmtesten Gerichte Spaniens. Die traditionelle Spezialität stammt aus der Region Valencia und wird dort klassisch über offenem Holzfeuer mit Reis, Gemüse – unter anderem grünen Bohnen und weißen Riesenbohnen – sowie Hühnchen und Kaninchen zubereitet. Wir entschieden uns allerdings für die wohl bekannteste Variante mit Meeresfrüchten: Garnelen, Muscheln und Calamari landeten gemeinsam mit dem aromatischen Reis in der großen Pfanne. Für Xin war Paella eine echte Premiere und sie wollte das Gericht unbedingt einmal probieren. Ich dagegen hatte das Vergnügen bereits in Barcelona und wusste deshalb schon, worauf ich mich freuen konnte. Das Wiedersehen hat sich definitiv gelohnt – genauso lecker wie in meiner Erinnerung. Die Pfanne war am Ende jedenfalls komplett leer – das spricht bekanntlich für sich. Das Abschlecken der Pfanne haben wir uns aber gespart.
17.07.2026 – Churros, heiße Schokolade und Tango zwischen den Kaffeetischen
Heute ging es ins berühmte Café Tortoni, das älteste und wohl bekannteste Kaffeehaus von Buenos Aires.

Gegründet wurde es bereits 1858 von einem französischen Einwanderer und gilt bis heute als Herzstück der Kaffeekultur der Stadt.
Schon beim Betreten fühlt man sich wie auf einer kleinen Zeitreise. Dunkles Holz, elegante Einrichtung und eine Atmosphäre, als würden jeden Moment berühmte Künstler, Schriftsteller oder Politiker der vergangenen hundert Jahre zur Tür hereinkommen.

Natürlich gönnten wir uns hier den Klassiker schlechthin: Churros con Chocolate – knusprig frittiertes Gebäck, das in heiße Schokolade getaucht wird. Kalorienzählen wäre hier reine Zeitverschwendung.

Im hinteren Bereich des Cafés befindet sich außerdem ein kleines Theater, in dem abends klassische Tango-Vorführungen stattfinden. Da wir bereits am Vorabend eine große Tangoshow erlebt hatten, verzichteten wir diesmal darauf. Ganz ohne Tango ging es aber trotzdem nicht: Zwei Tänzer legten kurzerhand zwischen den Kaffeetischen eine mitreißende Vorstellung aufs Parkett. So bekommt selbst die Kaffeepause in Buenos Aires noch Bühnenqualität.


18.07.2026 – Abschied von Buenos Aires
Heute hieß es Abschied nehmen vom magischen Buenos Aires. Unser nächstes Ziel: Iguazú.
Am Flughafen erwartete uns allerdings zunächst Geduld statt Abenteuer. Wegen des Ferienbeginns in der Region Buenos Aires herrschte Ausnahmezustand. Endlose Schlangen am Check-in, überfüllte Wartebereiche und Koffer, soweit das Auge reichte. Das wichtigste Reisegepäck des Tages war eindeutig Geduld.
Nach längerer Wartezeit am Check-in und an der Sicherheitskontrolle hob unser Flug schließlich doch noch ab. Vor uns lag bereits das nächste Naturwunder Südamerikas – die gewaltigen Iguazú-Wasserfälle.


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