Schlagwort: Brasilien

  • Brasilien- Rio de Janeiro (2 von 3) Zwischen Wolken, Christus, Caipirinha und Zuckerhut

    30.07.2026 – Der Christus im Nebel – und plötzlich doch ein Wunder

    Heute klingelte der Wecker schon um 6:30 Uhr. 24 Grad, bedeckter Himmel, aber trotzdem Sonnenschein – also eigentlich perfektes Wetter für unser heutiges Ziel: Cristo Redentor, die weltberühmte Christusstatue auf dem Corcovado.

    Nach unserer Internet-Recherche sollte die Zahnradbahn Trem do Corcovado ziemlich voll sein. Deshalb beschlossen wir, es etwas cleverer zu versuchen und mit dem Shuttlebus hinaufzufahren. Wir bestellten ein Uber und ließen uns bis Paineiras Corcovado bringen.

    Schon auf dem Weg dorthin merkten wir, dass die Natur offenbar noch mit den Nachwirkungen des Sturms vom Vorabend beschäftigt war. Überall lagen abgebrochene Äste herum, und Straßenarbeiter waren fleißig dabei, die Wege wieder freizuräumen. Interessant – im Hotel hatten wir von dem Sturm überhaupt nichts mitbekommen.

    Um 8:15 Uhr kamen wir schließlich bei Paineiras an. Und dann die Überraschung: Wegen des Sturms vom Vorabend würde der Shuttlebus erst um 10 Uhr fahren. Na toll! Früh aufstehen, früh losfahren und dann erst einmal zwei Stunden warten. Das war nicht ganz der Plan.

    Zum Glück gab es eine Alternative: Von hier konnten wir mit der Zahnradbahn weiterfahren. Sie fuhr etwa alle 15 Minuten und kostete 125 Reais, also sogar etwas weniger als die 131 Reais ab der Talstation des Trem do Corcovado. Und plötzlich hatte unsere ungeplante Variante sogar einen großen Vorteil: Wir waren fast die einzigen Passagiere. Also Tickets gekauft – und kaum waren wir fertig, kam auch schon die nächste Bahn. Die war zwar ziemlich voll, aber wir bekamen trotzdem noch freie Plätze. Die Fahrt führte durch den dichten Atlantischen Regenwald den Corcovado hinauf.

    Und dann waren wir endlich oben.

    Vor uns stand die riesige Christusstatue – allerdings nicht ganz so, wie man sie von den berühmten Postkarten kennt.

    Sie stand mitten im Nebel.

    Wir konnten noch kurz die Stadt und das Meer erkennen, dann zog sich eine weiße Wolkendecke über alles. Weg. Nichts mehr zu sehen. Nada! Das darf doch nicht wahr sein! Hatten wir heute etwa wieder dasselbe Pech wie damals in Ba Na Hills in Vietnam, als wir ebenfalls extra irgendwo hochgefahren waren und am Ende hauptsächlich Wolken anschauen durften?

    Wir machten ein paar Fotos von der Statue. Viele andere Touristen schienen ebenfalls ziemlich enttäuscht zu sein und machten sich schon wieder auf den Weg Richtung Zahnradbahn. Aber wir hatten Zeit. Und immerhin regnete es nicht. Also beschlossen wir: Wir bleiben einfach hier und warten.

    Manchmal muss man beim Reisen eben akzeptieren, dass der Wettergott einen eigenen Reiseplan hat. Wir machten ein paar experimentelle Fotos, liefen etwas herum und entdeckten schließlich hinter der Statue eine kleine Kapelle. Sie war geöffnet. Also ging ich hinein, setzte mich ein paar Minuten auf einen Stuhl und genoss die Ruhe. Auch im unteren Bereich fanden wir noch weitere Gebetsräume – und sogar eine Toilette. Sehr praktisch, denn wer hätte gedacht, dass der liebe Gott nebenbei auch noch eine öffentliche Infrastruktur betreibt?

    Nach ungefähr einer Stunde gingen wir wieder zurück zur Statue. Und plötzlich passierte das kleine Wunder: Die Wolken zogen weiter!

    Erst ein kleines Stück, dann immer mehr. Und auf einmal war die gesamte Aussicht frei.

    Wow! Was vorher noch aussah wie ein Ausflug in eine Nebelmaschine, verwandelte sich innerhalb weniger Minuten in eines der spektakulärsten Panoramen unserer Reise.

    Jetzt konnten wir tatsächlich ganz Rio sehen.Links entdeckten wir das berühmte Maracanã-Stadion, dazu unzählige Gebäude, mehrere große und kleine Flughäfen und die unglaublich lange Ponte Rio-Niterói, die sich über die riesige Guanabara-Bucht zieht. Auch das Riesenrad und die Skyline der Innenstadt waren zu erkennen.

    Direkt vor uns lag – ungefähr auf 12 Uhr – der Zuckerhut. Etwas rechts davon: Copacabana mit ihrem goldfarbenen Strand. Noch weiter rechts: Ipanema und davor die Lagoa Rodrigo de Freitas. Ein gigantisches Panorama! So viele Details, so viele Farben – wir konnten einfach nicht aufhören zu fotografieren.

    Ein Bild nach dem anderen. Und noch eins. Und vielleicht noch eins zur Sicherheit. Man weiß ja nie, welches davon später das „wirklich gute“ ist.

    Natürlich waren inzwischen auch deutlich mehr Menschen angekommen. Aber daran waren wir mittlerweile in Rio gewöhnt.

    Zwischen den ganzen Touristen entdeckten wir sogar zwei kleine Eidechsen, die offenbar ebenfalls beschlossen hatten, die plötzlich wiedergekehrte Sonne zu genießen.

    Irgendwann waren wir schließlich zufrieden und wollten gehen.Und da merkten wir, wie viel Glück wir eigentlich gehabt hatten: Der Zugang zur Kapelle war inzwischen gesperrt – ebenso die Toilette auf der oberen Ebene. Die Leute mussten unten lange anstehen, Männer und Frauen gleichermaßen. Puh! Da hatten wir wirklich den perfekten Moment erwischt.

    Die Wolken verschwanden genau dann, als wir noch oben waren – und wir konnten vorher sogar noch ganz entspannt die Kapelle und die Toilette benutzen. Manchmal muss man beim Reisen eben einfach warten, bis das Glück wieder vorbeikommt.

    Mit der Zahnradbahn fuhren wir wieder hinunter. Und obwohl wir schon einiges erlebt hatten, war der Tag noch jung. Also beschlossen wir: Ab zum Strand!

    Diesmal ging es zum Flamengo Beach.

    Der Strand ist ebenfalls sehr schön, aber deutlich ruhiger als Copacabana. Kaum Leute, viel Platz und eine schöne Aussicht auf den Zuckerhut.

    Auf dem Wasser lagen zahlreiche Boote vor Anker. Vielleicht lag es auch daran, dass das Wasser hier durch die vielen Boote nicht gerade zum Baden einlud. Zumindest schien niemand große Lust darauf zu haben, hineinzuspringen.

    Wir machten stattdessen einen schönen Spaziergang entlang des Strandes, genossen die Aussicht und ließen den Tag langsam ausklingen.

    Leider ging es Michael am nächsten Tag nicht besonders gut. Wahrscheinlich hatte er sich beim Baden erkältet. Also beschlossen wir, einen Tag Pause einzulegen. Kein Sightseeing-Marathon, keine Busse, keine Bahnen, keine Sehenswürdigkeiten. Einfach Hotelzimmer, ausruhen und Kräfte sammeln. Auch das gehört zu einer langen Reise dazu. Schließlich kann man nicht jeden Tag auf einen Berg fahren, durch Rio spazieren und gleichzeitig erwarten, dass der Körper irgendwann nicht einfach sagt: „Jetzt reicht’s aber!“

    01.08.2026 – Mit der Fähre zum UFO und nachts durch Copacabana

    Heute ging es Michael wieder besser. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zur Fähre. Unser Ziel: Niterói, die Stadt auf der anderen Seite der Guanabara-Bucht.

    Die einfache Fahrt nach Praça Arariboia kostete gerade einmal 5 Reais, also ungefähr 80 Cent. Die Fähre war erstaunlich groß und sauber. Nach etwa 30 Minuten erreichten wir die andere Seite.

    Und dort erwartete uns eine ganz andere Stadt. Von Praça Arariboia aus liefen wir Richtung Museu de Arte Contemporânea de Niterói, kurz MAC. Das Museum sieht aus, als hätte jemand ein UFO auf einen Felsen am Meer gestellt und anschließend vergessen, es wieder abzuholen.

    Das futuristische, weiße Gebäude wurde vom berühmten brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer entworfen und 1996 eröffnet. Die Form erinnert an eine fliegende Untertasse oder eine riesige Blume. Das Gebäude ragt über die Küste und bietet normalerweise einen fantastischen Blick über die Guanabara-Bucht sowie auf Rio und Niterói.

    Direkt in der Umgebung gibt es außerdem einen schönen Strand. Wenig Menschen, ruhig und entspannt – fast schon verdächtig ruhig für Rio.

    Da wir am Abend noch einen wichtigen Termin hatten, wollten wir uns heute allerdings nicht zu viel Zeit für das Museum nehmen. Wir spazierten weiter, aßen etwas und machten uns gegen 16 Uhr wieder auf den Rückweg.

    Denn am Abend stand etwas ganz Besonderes auf dem Programm:Party-Tour mit einem lokalen Guide durch Copacabana!

    Unsere junge und hübsche Tourleiterin Deyse war offensichtlich genau für so etwas geboren worden. Wir waren eine kleine, angenehme Gruppe von nur fünf Personen und machten mehrere Stopps. Los ging es direkt an einer Strandbar an der Copacabana. 20 Uhr, 25 Grad, ein großer gelber Vollmond hing tief über dem Horizont.

    Die Luft war angenehm warm, vom Meer kam eine leichte Brise – und in unserer Hand stand eine kalte Caipirinha. Also genau die Art von Abend, bei der man sich schon nach zehn Minuten fragt, warum man eigentlich jemals wieder nach Hause fliegen sollte.

    In der Bar tanzten vier Tänzerinnen und Tänzer zu guter DJ-Musik. Irgendwann wurden auch wir auf die Tanzfläche eingeladen.

    Und Deyse hatte natürlich noch eine weitere Idee:Tanzwettbewerb! Sechs Männer mussten zu einem Lied tanzen – Michael selbstverständlich eingeschlossen.

    Wir Frauen hatten die wichtigste Aufgabe: Für jeden Kandidaten möglichst laut zu jubeln. Wer den lautesten Jubel bekam, gewann. Und der Preis? Eine Caipirinha. Das war offenbar Motivation genug. Am Ende konnten sich Ralf aus Paris und Michael gegen die Konkurrenz durchsetzen und wurden gemeinsam zu den Gewinnern erklärt.

    Danach gab es noch Cachaça und weitere Bars. Und mit jeder Bar wurde die Stimmung lustiger.Wir tanzten viel, lachten viel und irgendwann hatte ich offenbar etwas zu viel Caipirinha und Cachaça erwischt. Ab einem gewissen Zeitpunkt wird meine Erinnerung etwas… kreativ.

    Ich kann mich jedenfalls nicht mehr genau daran erinnern, wie Michael uns zurück ins Hotel gebracht hat. Am nächsten Tag wusste ich dafür sehr genau, dass ich einen Kater hatte. Kopfschmerzen deluxe. Ich habe fast den ganzen Tag geschlafen. Erst nach dem Abendessen ging es mir wieder deutlich besser.

    Also machten wir noch einen schönen Spaziergang am Wasser und bewunderten anschließend das Museu do Amanhã von außen.

    Schon von außen ist das Gebäude beeindruckend: futuristisch, langgezogen und mit seiner markanten Architektur fast wie ein Raumschiff am Wasser. Der Entwurf stammt vom spanischen Architekten Santiago Calatrava. Das Museum beschäftigt sich mit Wissenschaft, Nachhaltigkeit und der Frage, wie unsere Zukunft aussehen könnte. Nachts, mit der Beleuchtung, wirkte das Gebäude noch futuristischer. Und wir dachten nur:Nach so einem Abend passt ein Museum der Zukunft eigentlich ganz gut. Wir waren selbst noch nicht ganz sicher, ob wir schon wieder in der Gegenwart angekommen waren.

    03.08.2026 – Heute stand der nächste große Klassiker auf unserem Programm: Pão de Açúcar – der Zuckerhut.

    Und schon während der Fahrt nach oben wurde klar: Die Aussicht hier ist völlig anders als vom Cristo Redentor.

    Beim Zuckerhut geht es nicht darum, über die Stadt von ganz oben hinunterzuschauen. Stattdessen liegt Rio vor einem wie eine riesige Landschaftskarte – mit Bergen, Meer, Stränden, Hochhäusern und der Guanabara-Bucht.

    Mit den berühmten Bondinhos, den Seilbahnen, ging es zunächst zur Mittelstation Morro da Urca und anschließend weiter auf den Zuckerhut.

    Besonders interessant fanden wir dort die historischen Gondeln. Wir konnten die ersten beiden Generationen der Seilbahn sehen.

    Die Geschichte des Bondinho reicht übrigens erstaunlich weit zurück: Der erste Abschnitt zwischen Praia Vermelha und Morro da Urca wurde bereits 1912 eröffnet, der zweite Abschnitt bis zum Zuckerhut folgte 1913. Die ersten Kabinen wurden damals sogar aus Deutschland importiert. 1972 wurde dann eine neue Generation der Seilbahn eingeführt. Schon allein die Tatsache, dass hier seit mehr als 110 Jahren Menschen mit einer Seilbahn auf den Zuckerhut fahren, ist beeindruckend.

    Und wieder erleben wir Rio aus einer völlig anderen Perspektive. Nach dem Cristo Redentor haben wir nun praktisch beide großen Aussichtspunkte der Stadt „abgehakt“ – und beide zeigen uns ein anderes Gesicht von Rio.

  • Brasilien – Rio de Janeiro (1 von 3) – Ankunft zwischen Copacabana, Uringeruch und Sicherheitskräften

    27.07.2026 – Nach unserer Zeit in Foz do Iguaçu geht es heute weiter nach Rio de Janeiro. Der Flug dauert knapp zwei Stunden – also gerade lang genug, um ein bisschen aus dem Fenster zu schauen und sich mental schon einmal auf die nächste Großstadt einzustellen.

    Nach der Landung bestellen wir direkt ein Uber und fahren zu unserem Hotel. Einchecken, Gepäck abstellen – und dann geht es erst einmal auf die Dachterrasse. Dort wartet bereits der erste Vorgeschmack auf Rio: eine schöne Aussicht über die Stadt.

    Da wir seit dem Frühstück nichts mehr gegessen haben, ist allerdings nicht lange Zeit für Romantik. Der Magen meldet sich ziemlich eindeutig. Also suchen wir uns in der Umgebung ein Restaurant.

    Und schon beim ersten Spaziergang bekommen wir einen sehr intensiven Eindruck von Rio – allerdings nicht unbedingt den aus den Reisefotos. Auf den Straßen sehen wir überall Obdachlose und kleine Verkaufsstände. Viele Obdachlose haben lediglich eine Pappe auf dem Boden und eine sehr dünne Bau- oder Plastikdecke als Schlafunterlage. Dazu kommt ein sehr starker Geruch nach menschlichem Urin, der uns leider während unseres gesamten Aufenthalts in Rio immer wieder begleitet.

    Ich hätte nicht gedacht, dass ich das einmal sagen würde: Selbst der Belém-Markt in Iquitos im peruanischen Amazonasgebiet, wo jede Menge ungekühlte Tierkadaver herumlagen, hat für meine Nase weniger schlimm gerochen. 😳 Die Messlatte für „unangenehme Gerüche“ lag in Iquitos wirklich schon ziemlich hoch – Rio schafft es trotzdem, noch eine Schippe draufzulegen.

    Gleichzeitig fällt uns auf, wie unglaublich präsent Polizei und Sicherheitskräfte sind. Überall sehen wir Menschen in dunklen oder gelben Uniformen, meist mit kompletter Ausrüstung. Im Vergleich zu allen anderen Städten, die wir auf dieser Reise besucht haben, wirkt das hier noch einmal deutlich extremer.

    Irgendwann finden wir schließlich ein Restaurant und können uns auf das Wesentliche konzentrieren: Essen!

    Wir probieren etwas Typisches aus der brasilianischen Küche: Churrasco. Die Portion ist riesig – offensichtlich hat man hier verstanden, dass hungrige Touristen keine Vorspeise, sondern eine ausgewachsene Mahlzeit brauchen. 😄

    Geschmacklich erinnert das Gericht ein wenig an Sonntagsbraten, allerdings mit exotischeren Zutaten und brasilianischem Einschlag. Genau das Richtige nach einem langen Reisetag.

    Damit endet unser erster Abend in Rio. Der erste Eindruck? Beeindruckende Stadt, wunderschöne Aussicht – aber auch eine Stadt mit sehr deutlichen sozialen Gegensätzen.

    28.07.2026 – Copacabana: Sonne, Sand, Samba-Gefühl und jede Menge Strandverkäufer

    Heute zeigt sich Rio von seiner berühmten Postkarten-Seite: 32 Grad, strahlender Sonnenschein und blauer Himmel. Unser Ziel: Copacabana.

    Wir fahren mit der U-Bahn vom Zentrum Richtung Strand. Und hier erleben wir gleich eine kleine technische Wohltat: Einfach die Kreditkarte am Eingang scannen und durch! Kein Fahrkartenautomat, kein Rätselraten, welches Ticket man braucht, kein „Warum funktioniert die verdammte Karte jetzt nicht?“.

    Eine Einzelfahrt kostet 7,90 brasilianische Reais, also ungefähr 1,40 Euro.

    Da frage ich mich schon wieder: Warum kann der öffentliche Nahverkehr in München (oder ganz Deutschland) eigentlich nicht genauso unkompliziert sein? 😄

    Dann sind wir da. Copacabana!

    Der Strand ist tatsächlich so schön, wie man ihn von Bildern kennt: breit, weißer Sand, blaues Wasser und weiße Wellen, die sich am Strand brechen.

    Natürlich sind wir nicht die Einzigen, die diese Idee hatten. Der Strand ist voll. Menschen, Sonnenschirme, Handtücher, Verkäufer – überall Bewegung. Wir ziehen sofort unsere Schuhe aus und laufen barfuß am Strand entlang. Das Wasser kommt immer wieder bis zu unseren Füßen und fühlt sich an, als würde es uns persönlich begrüßen. 🌊

    Nach einer Weile suchen wir uns einen Platz im Sand, breiten unsere Handtücher aus und machen es uns gemütlich. Fünf Minuten später ist Michael schon komplett ausgezogen und zack – ab ins Wasser! 😂

    Für mich ist das Wasser allerdings ein bisschen zu kalt. Außerdem muss ja jemand auf unsere Sachen aufpassen. Also bleibe ich am Strand und beobachte stattdessen das bunte Treiben. Und was es hier alles zu kaufen gibt!

    Die mobilen Strandverkäufer sind wahre Multitalente. Angeboten wird praktisch alles, was ein Strandbesucher jemals brauchen könnte: heißen, gekochten Mais 🌽, Tücher, Bikinis, Mate-Tee, Sonnenbrillen, Getränke, Cocktails, Schmuck und natürlich noch ungefähr 100 Dinge, von denen ich vorher nicht wusste, dass man sie am Strand braucht. Hier herrscht ein unglaublicher Betrieb. Der Strand ist nicht nur Badeplatz, sondern gleichzeitig Einkaufsstraße, Treffpunkt, Restaurant und Wohnzimmer der Cariocas.

    Nach ungefähr einer halben Stunde kommt Michael wieder aus dem Wasser zurück – offenbar noch lebendig und nicht von einer Welle nach Afrika gespült. 😄

    Wir laufen weiter am Strand entlang bis zum Forte de Copacabana, das am südlichen Ende der Copacabana liegt.

    Die historische Festung wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und sollte Rio beziehungsweise den Eingang zur Bucht militärisch schützen. Der Eintritt ist eigentlich kostenlos – allerdings nur, wenn man Instagram folgt. Eine interessante moderne Form der Eintrittskarte: früher brauchte man vielleicht einen Militärausweis, heute reicht ein Social-Media-Follow. 😂

    Im Inneren gibt es interessante Ausstellungsräume zur Geschichte der Festung und des brasilianischen Militärs. Besonders spannend finden wir, dass wir sogar in den Kanonenbereich hineinschauen dürfen.

    Auch die früheren Schlafräume und Bäder der Soldaten können besichtigt werden.

    Nach so viel Geschichte brauchen wir natürlich dringend eine Belohnung. Also gehen wir ins Café do Forte und genießen bei einem kühlen Getränk (unserem ersten Caipirinha in Brasilien) und einem Stück Kuchen die Aussicht auf den Strand und das Meer.

    Und dann beginnt langsam der Sonnenuntergang. Mit einem Glas etwas Kühlem in der Hand, Kuchen vor uns und dem Meer im Blick lässt sich der Tag ziemlich perfekt ausklingen.

    Wieder ein wunderschöner Tag in Rio. ❤️

    29.07.2026 – Zu Fuß durch Rio: Straßenbahn, bunte Treppen und Kuchen mit Spiegel-Trick

    Heute wieder 30 Grad und Sonnenschein. Perfektes Wetter, um die Innenstadt zu Fuß zu erkunden.

    Unser erster Stopp ist die Estação de Bondes de Santa Teresa, die Station der berühmten historischen Santa-Teresa-Straßenbahn. Die Straßenbahn ist das Überbleibsel des historischen Straßenbahnnetzes aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Als wir an der Station ankommen, sehen wir allerdings zuerst eine lange Schlange von Besuchern. Und dann hängt da am Eingang ein Schild:

    Heute ausverkauft.

    Na gut. Dann eben nicht. Rio hat schließlich noch genug andere Möglichkeiten – und unsere Füße bekommen dafür heute ordentlich Arbeit.

    Wir gehen weiter und kommen an der Catedral Metropolitana de São Sebastião do Rio de Janeiro vorbei. Die Kathedrale ist architektonisch wirklich außergewöhnlich: Sie wurde in den 1960er- und 1970er-Jahren erbaut und erinnert mit ihrer riesigen, kegelförmigen Betonform eher an ein futuristisches Bauwerk als an eine klassische Kirche.

    Unser persönliches Urteil fällt allerdings etwas weniger diplomatisch aus: Ich finde das Gebäude ziemlich hässlich. 😄 Aber Architektur ist bekanntlich Geschmackssache. Und immerhin ist die Kathedrale mit ihrer ungewöhnlichen Form definitiv nicht zu übersehen.

    Nur wenige Minuten später erreichen wir die Arcos da Lapa, eines der bekanntesten Wahrzeichen der Innenstadt. Das beeindruckende Aquädukt mit seinen weißen Bögen stammt ursprünglich aus der Kolonialzeit. Heute ist es vor allem bekannt, weil die historische Straßenbahn von Santa Teresa darüber fährt.

    Allerdings ist die Umgebung auch hier von den sozialen Problemen der Stadt geprägt. Viele Obdachlose schlafen rund um die Bögen und an verschiedenen Stellen stehen Polizeikräfte.

    Wir haben Glück und sehen sogar eine der berühmten Santa-Teresa-Straßenbahnen vorbeifahren. Wenigstens bekommen wir sie noch zu sehen, auch wenn wir heute nicht mitfahren dürfen.

    Unser nächstes Ziel ist die Escadaria Selarón – die berühmte bunte Treppe von Rio. Die Treppe wurde vom chilenischen Künstler Jorge Selarón mit Tausenden von bunten Fliesen gestaltet und ist heute eines der beliebtesten Fotomotive der Stadt. Und natürlich sind wir auch hier nicht allein. Menschen stehen überall herum, fotografieren, posieren und versuchen, irgendwo ein Bild ohne 37 andere Touristen darauf zu bekommen. 😄

    Wir schauen uns die Fliesen genauer an und entdecken dabei überraschend viele Fliesen aus deutschen Städten – daneben natürlich auch zahlreiche aus anderen Ländern der Welt. Eine Art internationale Weltkarte aus Keramik.

    Nach ein paar Stunden und inzwischen ziemlich vielen Marschschritten machen sich unsere Füße und unsere Mägen gemeinsam bemerkbar. Zeit für eine Pause!

    Auf dem Rückweg machen wir noch einen kurzen Abstecher zur Estação da Portinha – Arcos da Lapa, wo wir gleich zwei der historischen Straßenbahnen vorbeifahren sehen können.

    Dann geht es weiter zu unserem kulinarischen Abschluss des Tages: Confeitaria Colombo.

    Das traditionsreiche Café gehört zu den bekanntesten historischen Cafés Rio’s und wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts von einem französischen Einwanderer erbaut. Besonders beeindruckend ist das Innere mit seinen großen Spiegeln, die den Raum optisch beinahe endlos erscheinen lassen.

    Wir setzen uns hin, bestellen Kuchen und genießen einfach die Atmosphäre.

    Nach mehreren Stunden Fußmarsch ist Kuchen ohnehin keine Sünde mehr, sondern medizinisch notwendige Regeneration. 😄 Natürlich dürfte der Caipi nicht fehlen.

    Ein schöner Abschluss für einen weiteren Tag in Rio – zwischen futuristischer Kathedrale, historischen Aquädukten, bunten Fliesen, Straßenbahnen und sehr viel Kuchen

  • Argentinien oder Brasilien? Unser Vergleich der Iguazú-Wasserfälle

    Da wir mehrere Tage auf beiden Seiten der Grenze verbracht und die Iguazú-Wasserfälle sowohl von Argentinien als auch von Brasilien aus erkundet haben, konnten wir einen ziemlich guten Vergleich ziehen.

    Die Frage „Welche Seite ist schöner?“ hören wir seitdem öfter – und wie so oft lautet die Antwort: Es kommt darauf an. Beide Seiten sind von den größeren Städten des jeweiligen Landes bequem mit dem Flugzeug erreichbar. Wer also ohnehin durch Argentinien oder Brasilien reist, hat keine Schwierigkeiten, zu den Wasserfällen zu gelangen.

    Der Ort Puerto Iguazú auf der argentinischen Seite ist deutlich kleiner und gemütlicher als Foz do Iguaçu in Brasilien. Das bringt Vor- und Nachteile mit sich. Die Infrastruktur ist in Argentinien etwas einfacher, dafür sind viele Dinge auch etwas günstiger. Uns hat es dort an nichts gefehlt. Riesige Supermärkte sucht man zwar vergeblich, aber fast alles, was man im Urlaub wirklich braucht, ist problemlos erhältlich. Der Busverkehr funktioniert gut, ist allerdings etwas teurer als auf der brasilianischen Seite. Uber und Taxis gibt es auf beiden Seiten zu ähnlichen Preisen, wobei Uber meist die günstigere Wahl ist. Hotels und Restaurants findet man sowohl in Argentinien als auch in Brasilien für jeden Geldbeutel.

    Kommen wir nun zum eigentlichen Star der Reise: den Wasserfällen. Rund 80 Prozent der Wasserfälle liegen auf argentinischem Gebiet. Entsprechend gibt es dort deutlich mehr und längere Wanderwege direkt entlang der Wasserfälle.

    Die meisten Ausblicke genießt man von oben, teilweise aber auch von unten. Auf die Bootstouren kommen wir gleich noch. Durch die weitläufige Anlage verteilen sich die Besucher auf der argentinischen Seite deutlich besser. Trotz vieler Gäste wirkt alles entspannter und weniger überlaufen. Lediglich an den Kassen muss man mit ähnlichen Wartezeiten rechnen wie in Brasilien.

    Die brasilianische Seite punktet dagegen mit etwas ganz Besonderem: dem Panorama. Da die Wege am Hang durch den Wald verlaufen, hat man immer wieder einen spektakulären Blick auf nahezu die gesamte Wasserfalllandschaft. Genau diese Aussicht hat uns besonders begeistert. Allerdings gibt es entlang des Wassers im Wesentlichen nur einen Hauptweg – und der war bei unserem Besuch ziemlich voll. Vermutlich lag das auch daran, dass sowohl in Brasilien als auch in Argentinien gerade Ferien waren.

    Die übrigen Wege führen eher durch den Nationalpark und den Dschungel. Hier braucht man neben dem Eintrittsticket auch eine Portion Geduld. Wer von menschenleeren Instagram-Fotos träumt, sollte entweder sehr früh aufstehen oder ein kleines Wunder erwarten. Ohne nachträgliche Bildbearbeitung bekommt man schnell 20 bis 30 fremde Personen mit aufs Foto. In Argentinien war das etwas einfacher. Dafür kommt man auf der brasilianischen Seite den gewaltigen Wassermassen am berühmten Teufelsschlund deutlich näher. Wer denkt, ein paar Tropfen abzubekommen, wird schnell eines Besseren belehrt. Je nach Windrichtung bleibt garantiert kein T-Shirt trocken – eine kostenlose Dusche inklusive.

    Ein deutlicher Unterschied zeigt sich auch beim Eintrittspreis. Während in Argentinien 60.000 argentinische Peso – umgerechnet etwa 35 Euro – fällig werden, kostet der Eintritt auf der brasilianischen Seite lediglich 131 brasilianische Real, also rund 23 Euro. Brasilien gewinnt diese Disziplin also klar nach Punkten – zumindest aus Sicht des Geldbeutels.

    Immerhin gibt es auf beiden Seiten den Transport innerhalb des Nationalparks bereits inklusive. In Brasilien bringen Busse die Besucher bequem zu den verschiedenen Stationen, während man in Argentinien stilecht mit dem kleinen Parkzug unterwegs ist. So beginnt die Entdeckungstour schon vor dem ersten Wasserfall – ganz ohne zusätzliche Ticketkäufe oder lange Fußmärsche.

    Bootstouren werden auf beiden Seiten angeboten und unterscheiden sich hinsichtlich Route und Erlebnis kaum. In Argentinien haben wir 90.000 argentinische Peso pro Person bezahlt, was etwa 53 Euro entsprach. Auf der brasilianischen Seite kostet die Tour ungefähr 380 brasilianische Real, also rund 65 Euro. Das Abenteuer selbst ist auf beiden Seiten praktisch identisch: viel Adrenalin, beeindruckende Natur und am Ende mindestens genauso nass wie glücklich.

    Unser Fazit:

    Obwohl uns persönlich die brasilianische Seite wegen des grandiosen Panoramablicks und der unmittelbaren Nähe zum Teufelsschlund noch ein kleines bisschen besser gefallen hat, würden wir jedem empfehlen, beide Seiten zu besuchen.

    Jede bietet ihre ganz eigenen Eindrücke und Perspektiven. Am besten plant man mehrere Übernachtungen auf einer Seite ein und besucht die andere im Rahmen eines Tagesausflugs – auf eigene Faust oder mit einer gebuchten Tour. So erlebt man die Iguazú-Wasserfälle in ihrer ganzen Größe und versteht erst richtig, warum sie zu den beeindruckendsten Naturwundern der Welt gehören. Und ganz nebenbei kann man anschließend bei jeder Diskussion überzeugend mitreden, welche Seite denn nun wirklich die schönere ist.

    Der Grenzübertritt von Brasilien nach Argentinien dauert zwar meist etwas länger als in die andere Richtung. Wer jedoch die andere Seiten der Wasserfälle im Rahmen einer Tagestour besuchen möchte, muss den Grenzübergang ohnehin zweimal passieren. Ob man also ein paar Minuten länger vor dem Schlagbaum verbringt, fällt am Ende kaum ins Gewicht – die Wasserfälle laufen schließlich auch nicht weg.

  • Brasilien – Foz do Iguazú 🇧🇷

    23.07.2026 – Einmal über die Grenze, bitte!

    Heute ging es weiter nach Brasilien. Da der Iguazú-Fluss gleichzeitig die Grenze zwischen Argentinien und Brasilien bildet, war der Weg erfreulich unkompliziert. Man kann entweder mit dem Linienbus fahren und gegebenenfalls an der Grenze für die Passkontrolle kurz aussteigen oder – wie wir – einfach ein Taxi nehmen. Preislich machte das kaum einen Unterschied. Für etwa 8 bis 10 US-Dollar pro Person wäre auch der Bus möglich gewesen, aber die Tür-zu-Tür-Variante klang einfach deutlich entspannter.

    Entgegen sämtlichen Horrorgeschichten aus dem Internet mussten wir an der Grenze gerade einmal rund 15 Minuten warten. Dort war häufig von stundenlangen Wartezeiten die Rede. Später verstanden wir auch, warum.

    Für uns lief alles erstaunlich reibungslos. Unser Taxifahrer reichte dem Grenzbeamten einfach unsere Pässe durchs Fenster und eine Minute später durften weiterfahren.

    Auf brasilianischer Seite wartete dann… nichts. Keine Kontrolle, kein Stopp – praktisch eine unkontrollierte Einreise. 😉

    Ganz anders sah es allerdings in der Gegenrichtung aus. Vor der Einreise nach Argentinien staute sich der Verkehr über mehrere Kilometer. Offenbar nehmen es die Argentinier mit den Kontrollen deutlich genauer, was dann wohl auch die oft beschriebenen langen Wartezeiten erklärt.

    Unser Reisetipp lautet deshalb eindeutig: Erst Argentinien, dann Brasilien.

    Nach der Ankunft in Foz do Iguaçu bezogen wir zunächst unser Hotel und machten anschließend einen kleinen Spaziergang durch die Stadt. Im Vergleich zu Puerto Iguazú wirkt Foz deutlich größer, moderner und städtischer. Überall findet man Supermärkte, Waschsalons, Einkaufszentren und alles, was das Reiseleben etwas komfortabler macht.

    24.07.2026 – Gigantische Technik statt gigantischer Wasserfälle

    Da für heute eher durchwachsenes Wetter angekündigt war, verschoben wir den Wasserfallbesuch und machten uns stattdessen auf den Weg zum Itaipú Binacional, dem größten Staudammprojekt Südamerikas.

    Das Wasserkraftwerk entstand als Gemeinschaftsprojekt zwischen Paraguay und Brasilien. Seit 1984 gingen nach und nach jährlich zwei bis drei der insgesamt 20 Turbinen ans Netz. Mit einer Gesamtleistung von rund 14 Gigawatt war Itaipú bis zur Inbetriebnahme des chinesischen Drei-Schluchten-Staudamms im Jahr 2006 das größte Wasserkraftwerk der Welt. Heute versorgt das Kraftwerk am Río Paraná große Teile Paraguays und Brasiliens mit Strom.

    Die Dimensionen sind beeindruckend: Der Staudamm ist 196 Meter hoch und ganze 7.760 Meter lang. Das Gelände ist so weitläufig, dass Besucher ausschließlich im Rahmen einer Bustour zu den verschiedenen Aussichtspunkten gelangen können. Da sich alles auf Privatgelände befindet, ist dies auch die einzige Möglichkeit, den Staudamm zu besichtigen.

    Schon die Busfahrt hatte ihren ganz eigenen Safari-Charakter. Entlang der Straße grasten und schlenderten schätzungsweise 30 bis 50 Capybaras völlig entspannt vor sich hin. Den größten Nagetieren der Welt scheint es hier ausgesprochen gut zu gehen. In der Nähe des Wassers und auf einem weitläufigen Privatgelände werden sie größtenteils in Ruhe gelassen. Dementsprechend gelassen wirkten sie auch – als gehörte ihnen die Straße und wir wären nur zu Besuch.

    Unser erster Halt bot einen fantastischen Blick auf das gesamte Bauwerk. Von dort aus konnte man sowohl das riesige Überlaufbecken, das überschüssiges Wasser ableitet, als auch die gewaltigen Röhren erkennen, durch die das Wasser zu den 20 Turbinen strömt.

    Ein weiteres kleines Highlight wartete am unteren Teil des Staudamms. Plötzlich hieß es: „Hurra, wir sind in Paraguay!“ Ganz ohne Passkontrolle, Grenzbeamte oder Stempel im Reisepass fuhren wir für einen kurzen Moment über paraguayisches Gebiet. Kaum hatten wir den spontanen „Länderwechsel“ realisiert, ging es auch schon wieder zurück nach Brasilien. So schnell kann man also international unterwegs sein – ein Auslandsaufenthalt von ungefähr einer Minute!

    Nach einem weiteren Aussichtspunkt führte die Tour schließlich direkt über den Staudamm. Von dort bot sich ein beeindruckender Blick auf den scheinbar endlosen Stausee auf der einen Seite und die enorme Höhe des Bauwerks auf der anderen. Erst dort wurde einem wirklich bewusst, welche gewaltigen Ausmaße dieses Bauwerk besitzt.

    25.07.2026 – Wasserfälle, Menschenmassen und ziemlich freche Nasenbären

    Heute stand endlich die brasilianische Seite der Iguazú-Wasserfälle auf dem Programm. Dorthin gelangt man mit dem öffentlichen Bus, per Taxi oder Uber oder im Rahmen einer organisierten Tour. Wir entschieden uns erneut für den Linienbus und starteten möglichst früh. Schließlich führt die Strecke(120) am Flughafen vorbei und zusätzlich waren in Brasilien Ferien – keine besonders gute Kombination, wenn halb Brasilien ebenfalls zu den Wasserfällen möchte.

    Busfahren funktioniert hier erfreulich unkompliziert. Einsteigen, Handy an das Lesegerät halten, bezahlen, durch das Drehkreuz laufen – fertig.

    Zumindest theoretisch.

    Praktisch endete unsere entspannte Busfahrt bereits nach wenigen Kilometern im Stau. Neben dem ohnehin dichten Ferienverkehr sorgte eine Baustelle, bei der vier Fahrspuren auf eine einzige reduziert wurden, für nahezu vollständigen Stillstand. Ein Szenario, das jedem Autofahrer irgendwie bekannt vorkommt. Wir bewegten uns in einem Tempo vorwärts, bei dem selbst gemütliches Spazierengehen als Hochgeschwindigkeitsverkehr durchgegangen wäre.

    Irgendwann erklärte der Busfahrer schließlich, dass es vermutlich schneller sei, die restlichen Kilometer zu Fuß zurückzulegen. Sekunden später war der Bus zu etwa 90 Prozent leer. Also stiegen wir mitten auf der Fahrbahn aus und marschierten die letzten 2,5 Kilometer entlang der Baustelle bis zum Eingang des Nationalparks.

    Die Eintrittskarten kauften wir anschließend an einem Selbstbedienungsterminal. Danach mussten wir rund 20 Minuten auf den Shuttlebus warten, der Besucher bis zum eigentlichen Beginn des Rundwegs bringt.

    Kaum dort angekommen, wartete schon der nächste Stau. Auf dem nur etwa 1,5 Meter breiten Weg drängten sich Menschenmassen – darunter zahlreiche Familien mit Kinderwagen – Richtung Wasserfälle. Immer wieder sorgten kleine Aussichtsplattformen dafür, dass der Verkehr kurzzeitig komplett zum Erliegen kam.

    Von oben konnte man dabei hervorragend beobachten, wie die Boote mit den Touristen direkt in die Wasserfälle fuhren. Sofort kamen Erinnerungen an unsere eigene unfreiwillige Dusche auf der argentinischen Seite auf.

    Am Ende des Weges gelangt man direkt neben den Teufelsschlund. Über einen Steg kann man sogar unmittelbar unter den Wasserfall laufen. Da dort allerdings reichlich Wasser von oben und als feiner Sprühnebel von unten kommt, packten wir vorsorglich wieder Regenjacken, Regencover und wasserdichte Verpackungen aus.

    Diesmal waren wir deutlich besser vorbereitet. Zumindest anfangs.

    Während Xin vernünftigerweise möglichst trocken bleiben wollte, zog es mich irgendwann doch wieder näher an den Wasserfall.

    Kinder spielten fröhlich mitten im Wasserstrahl, Erwachsene standen laut jubelnd komplett durchnässt unter den Wassermassen. Da konnte ich natürlich nicht widerstehen. Also hinein ins Vergnügen!

    Das Ergebnis war vorhersehbar: jede Menge Spaß, eine nasse Hose und erneut zwei kleine Aquarien in den Wanderschuhen.

    Vor der Rückfahrt gönnten wir uns noch einen kleinen Snack. Allerdings waren wir dort keineswegs allein. Rund 30 bis 40 südamerikanische Nasenbären (Coatis, wie sie auf portugiesisch heißen) streiften durch den Gastronomiebereich. Sie erinnern ein wenig an Waschbären, sind allerdings deutlich dreister. Obwohl das Füttern ausdrücklich verboten ist, hielten sich manche Besucher nicht daran. Entsprechend wenig Scheu hatten die Tiere entwickelt.

    Einige kletterten kurzerhand auf die Tische und versuchten, sich direkt vom Teller zu bedienen. Auch wir mussten unsere Mahlzeit mehrmals energisch verteidigen, bevor die Nasenbären einsahen, dass unser Essen heute nicht auf ihrem Speiseplan stand.

    26.07.2026 – Ein Mini-Bulli zum Abschied

    Heute ließen wir es etwas ruhiger angehen und erkundeten noch einmal die Stadt.

    Dabei besuchten wir ein großes Einkaufszentrum und entdeckten ein echtes Kuriosum: einen alten VW-Bus, der auf gerade einmal drei Meter Gesamtlänge verkürzt worden war. Mit einem Radstand von nur etwa 1,5 Metern wirkte er wie ein geschrumpfter Bulli und bot statt der üblichen sieben oder acht Sitzplätze gerade einmal fünf. Irgendwie niedlich – und vermutlich deutlich einfacher einzuparken.

    Den Rest des Tages verbrachten wir damit, unsere mittlerweile mehrfach gefluteten Schuhe endlich trocken zu bekommen. Nach den zahlreichen Wasserfallduschen hatten sie sich diese Erholung mehr als verdient.

    Morgen heißt es dann Abschied nehmen von den Iguazú-Wasserfällen. Das nächste Ziel wartet bereits: Rio de Janeiro.