In Singapur angekommen, ging es erst einmal ganz klassisch ins Hotel: Rucksäcke abladen, kurz durchatmen und dann direkt rein ins Abenteuer. Unser erstes Ziel: Chinatown und das legendäre Maxwell Food Centre. Eine riesige Halle, vollgestopft mit malaysischen, chinesischen und sogar ein paar europäischen Essensständen – kurz gesagt: kulinarische Reizüberflutung. Wir brauchten erst einmal ein paar Runden, um uns mental auf diese Auswahl vorzubereiten.
Als wir schließlich mitten im Trubel einen freien Tisch ergattert hatten (gefühlter Lottogewinn), ging es ans Bestellen. Man bekommt dort einen kleinen Pieper, der vibriert und fiept, sobald das Essen fertig ist – fast wie beim Wartezimmer, nur deutlich leckerer. Gemütlich aßen wir uns durch unsere Auswahl, während um uns herum bereits die ersten Stände ihre Rollläden schlossen und in den wohlverdienten Feierabend gingen. Offenbar hatten wir den perfekten Zeitpunkt erwischt.
Am nächsten Tag stand Kultur auf dem Programm: das Nationalmuseum von Singapur. Dort tauchten wir tief in die Geschichte der Insel ein. Die erste Erwähnung stammt aus dem 3. Jahrhundert, damals noch unter dem Namen Pu Luo Chung – „Insel am Ende“. Sehr passend, wenn man mal auf die Karte schaut. Schon früh war die Insel von chinesischer Kultur geprägt und später, vermutlich als Teil des Java-Reiches, ein wichtiger Handelspunkt zwischen China und Indien.
Ab dem 16. Jahrhundert entdeckten dann auch europäische Seefahrer die strategisch günstige Seestraße (heute Straße von Singapur) für sich – die Abkürzung zwischen Indien und China schlechthin. Allerdings spielten sich diese Aktivitäten zunächst eher südlich im heutigen Indonesien und nördlich im heutigen Malaysia ab. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts erkannten die Briten das Potenzial der Insel selbst und errichteten einen Stützpunkt der Britischen Ostindien-Kompanie. Da gerade niemand anderes Anspruch erhob, konnten sie sich ungestört ausbreiten.
Mit dem Bau eines Hafens, der bald sogar die niederländischen Stützpunkte in der Region überholte, war das moderne Singapur geboren. Der wirtschaftliche Aufschwung zog zahlreiche Arbeitsmigranten an – vor allem aus China. Bis heute machen Chinesen rund 76 % der Bevölkerung aus, gefolgt von Malayen (ca. 14 %) und Indern (ca. 8 %). Für Xin natürlich perfekt: Sie kann hier an fast jeder Ecke einfach auf Chinesisch losplaudern.
Neben all der Geschichte gab es im Museum auch spannende Einblicke in die Neuzeit. Besonders beeindruckend: Singapur musste wachsen – und zwar buchstäblich. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Landfläche um etwa 25 % größer geworden, dank massiver Landgewinnung. Berge wurden abgetragen, Meer aufgeschüttet, und voilà: neuer Platz für Flughafen und Hafenanlagen. Teile davon lagen vor 80 Jahren noch unter Wasser.


Nach diesem sehr lehrreichen Tag ging es zurück zum Hotel – natürlich im Regen. Denn hier regnet es aktuell zuverlässig jeden Tag etwa drei bis vier Stunden. Unser Weg führte entlang eines Kanals und über eine bunt, künstlerisch verzierte Brücke. Regen hin oder her, irgendwie passte es zur Atmosphäre. Und wir sahen auch hier wieder Warane im Kanal platschen. Irgendwie scheinen die uns zu verfolgen.


Der folgende Tag stand ganz im Zeichen des Flughafens – denn der Changi Airport gilt hier tatsächlich als Hotspot. Bei unserer Ankunft hatten wir das leider aus Unwissenheit komplett verpasst. Also rein ins hervorragend ausgebaute Nahverkehrsnetz und ab zum Flughafen. Google Maps hatte allerdings andere Pläne und schickte uns auf einen unerwartet langen Fußmarsch. Aber gut – ein kleines Extra-Fitnessprogramm schadet ja nie 😉
Direkt am Flughafen liegt die gigantische Mall „Jewel Changi“, die sich über zehn Etagen erstreckt. Highlight Nummer eins: der angeblich höchste Indoor-Wasserfall der Welt mit stolzen 40 Metern. Dazu kommen üppig bepflanzte Terrassen, Shops, Restaurants und jede Menge Attraktionen. Wer möchte, kann über Brücken direkt am Wasserfall spazieren oder in einem Funpark auf Netzen über den Abgrund laufen – nichts für schwache Nerven. Man kann hier locker einen ganzen Tag verbringen. Für Einheimische und Vielflieger gibt es sogar ein Jahresticket. Ja, für den Flughafen. Willkommen in Singapur 😄




Am späten Nachmittag zog es uns ins Hafengebiet zum Merlion – jenem sagenumwobenen Fabelwesen aus Löwe und Meerjungfrau, das unermüdlich einen gigantischen Wasserstrahl ins Meer spuckt. Man bekommt fast den Eindruck, er wolle die Bucht wieder auffüllen, falls mal etwas fehlt. Wahrzeichenpflichtbewusst wie er ist, ließ er sich natürlich brav von allen Seiten fotografieren.



Auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht bot sich ein echtes Postkartenpanorama: das Riesenrad Sky Flyer direkt am Hafen, Teile der Formel-1-Strecke, die sich hier völlig unbeeindruckt mitten durch Stadt und Hafen schlängelt, und natürlich das berühmte Marina Bay Sands Hotel, das aussieht, als hätte jemand drei Hochhäuser genommen und oben ein Schiff darauf geparkt.

Am Abend zeigte sich Singapur dann von einer ganz anderen, fast schon märchenhaften Seite. Wir machten uns auf den Weg zu den berühmten Gardens by the Bay, einem Park auf einer Halbinsel vor der Stadt – zufällig auch dort, wo das Marina Bay Sands steht. Hier findet man den Cloud Forest, ein riesiges Gewächshaus mit Pflanzen aus allen Teilen der Welt und einem Indoor-Wasserfall von stolzen 35 Metern Höhe. Daneben gibt es den Flower Dome, der seinem Namen alle Ehre macht und mit unzähligen wunderschönen Blumen punktet.
Am bekanntesten sind aber wohl die Supertrees: baumähnliche Türme, die schon bei Tageslicht ziemlich beeindruckend aussehen. Doch sobald es dunkel wird und die Beleuchtung angeht, legen sie erst richtig los. Aktuell findet unterhalb der Supertrees eine Art Weihnachtsmarkt mit Karussells und Fressbuden statt – den haben wir großzügig links liegen lassen.
Stattdessen suchten wir uns einen nahegelegenen Hügel und wurden belohnt: perfekter Blick auf das Marina Bay Sands Hotel und die Lichtshow der Supertrees. Diese findet gerade dreimal pro Abend statt und wird momentan sogar von Weihnachtsliedern begleitet. Ein echtes Highlight – und definitiv etwas, das man sich auch zu anderen Jahreszeiten nicht entgehen lassen sollte. ✨






























































































































































