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  • Singapur – Teil 1

    In Singapur angekommen, ging es erst einmal ganz klassisch ins Hotel: Rucksäcke abladen, kurz durchatmen und dann direkt rein ins Abenteuer. Unser erstes Ziel: Chinatown und das legendäre Maxwell Food Centre. Eine riesige Halle, vollgestopft mit malaysischen, chinesischen und sogar ein paar europäischen Essensständen – kurz gesagt: kulinarische Reizüberflutung. Wir brauchten erst einmal ein paar Runden, um uns mental auf diese Auswahl vorzubereiten.

    Als wir schließlich mitten im Trubel einen freien Tisch ergattert hatten (gefühlter Lottogewinn), ging es ans Bestellen. Man bekommt dort einen kleinen Pieper, der vibriert und fiept, sobald das Essen fertig ist – fast wie beim Wartezimmer, nur deutlich leckerer. Gemütlich aßen wir uns durch unsere Auswahl, während um uns herum bereits die ersten Stände ihre Rollläden schlossen und in den wohlverdienten Feierabend gingen. Offenbar hatten wir den perfekten Zeitpunkt erwischt.

    Am nächsten Tag stand Kultur auf dem Programm: das Nationalmuseum von Singapur. Dort tauchten wir tief in die Geschichte der Insel ein. Die erste Erwähnung stammt aus dem 3. Jahrhundert, damals noch unter dem Namen Pu Luo Chung – „Insel am Ende“. Sehr passend, wenn man mal auf die Karte schaut. Schon früh war die Insel von chinesischer Kultur geprägt und später, vermutlich als Teil des Java-Reiches, ein wichtiger Handelspunkt zwischen China und Indien.

    Ab dem 16. Jahrhundert entdeckten dann auch europäische Seefahrer die strategisch günstige Seestraße (heute Straße von Singapur) für sich – die Abkürzung zwischen Indien und China schlechthin. Allerdings spielten sich diese Aktivitäten zunächst eher südlich im heutigen Indonesien und nördlich im heutigen Malaysia ab. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts erkannten die Briten das Potenzial der Insel selbst und errichteten einen Stützpunkt der Britischen Ostindien-Kompanie. Da gerade niemand anderes Anspruch erhob, konnten sie sich ungestört ausbreiten.

    Mit dem Bau eines Hafens, der bald sogar die niederländischen Stützpunkte in der Region überholte, war das moderne Singapur geboren. Der wirtschaftliche Aufschwung zog zahlreiche Arbeitsmigranten an – vor allem aus China. Bis heute machen Chinesen rund 76 % der Bevölkerung aus, gefolgt von Malayen (ca. 14 %) und Indern (ca. 8 %). Für Xin natürlich perfekt: Sie kann hier an fast jeder Ecke einfach auf Chinesisch losplaudern.

    Neben all der Geschichte gab es im Museum auch spannende Einblicke in die Neuzeit. Besonders beeindruckend: Singapur musste wachsen – und zwar buchstäblich. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Landfläche um etwa 25 % größer geworden, dank massiver Landgewinnung. Berge wurden abgetragen, Meer aufgeschüttet, und voilà: neuer Platz für Flughafen und Hafenanlagen. Teile davon lagen vor 80 Jahren noch unter Wasser.

    Nach diesem sehr lehrreichen Tag ging es zurück zum Hotel – natürlich im Regen. Denn hier regnet es aktuell zuverlässig jeden Tag etwa drei bis vier Stunden. Unser Weg führte entlang eines Kanals und über eine bunt, künstlerisch verzierte Brücke. Regen hin oder her, irgendwie passte es zur Atmosphäre. Und wir sahen auch hier wieder Warane im Kanal platschen. Irgendwie scheinen die uns zu verfolgen.

    Der folgende Tag stand ganz im Zeichen des Flughafens – denn der Changi Airport gilt hier tatsächlich als Hotspot. Bei unserer Ankunft hatten wir das leider aus Unwissenheit komplett verpasst. Also rein ins hervorragend ausgebaute Nahverkehrsnetz und ab zum Flughafen. Google Maps hatte allerdings andere Pläne und schickte uns auf einen unerwartet langen Fußmarsch. Aber gut – ein kleines Extra-Fitnessprogramm schadet ja nie 😉

    Direkt am Flughafen liegt die gigantische Mall „Jewel Changi“, die sich über zehn Etagen erstreckt. Highlight Nummer eins: der angeblich höchste Indoor-Wasserfall der Welt mit stolzen 40 Metern. Dazu kommen üppig bepflanzte Terrassen, Shops, Restaurants und jede Menge Attraktionen. Wer möchte, kann über Brücken direkt am Wasserfall spazieren oder in einem Funpark auf Netzen über den Abgrund laufen – nichts für schwache Nerven. Man kann hier locker einen ganzen Tag verbringen. Für Einheimische und Vielflieger gibt es sogar ein Jahresticket. Ja, für den Flughafen. Willkommen in Singapur 😄

    Am späten Nachmittag zog es uns ins Hafengebiet zum Merlion – jenem sagenumwobenen Fabelwesen aus Löwe und Meerjungfrau, das unermüdlich einen gigantischen Wasserstrahl ins Meer spuckt. Man bekommt fast den Eindruck, er wolle die Bucht wieder auffüllen, falls mal etwas fehlt. Wahrzeichenpflichtbewusst wie er ist, ließ er sich natürlich brav von allen Seiten fotografieren.

    Auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht bot sich ein echtes Postkartenpanorama: das Riesenrad Sky Flyer direkt am Hafen, Teile der Formel-1-Strecke, die sich hier völlig unbeeindruckt mitten durch Stadt und Hafen schlängelt, und natürlich das berühmte Marina Bay Sands Hotel, das aussieht, als hätte jemand drei Hochhäuser genommen und oben ein Schiff darauf geparkt.

    Am Abend zeigte sich Singapur dann von einer ganz anderen, fast schon märchenhaften Seite. Wir machten uns auf den Weg zu den berühmten Gardens by the Bay, einem Park auf einer Halbinsel vor der Stadt – zufällig auch dort, wo das Marina Bay Sands steht. Hier findet man den Cloud Forest, ein riesiges Gewächshaus mit Pflanzen aus allen Teilen der Welt und einem Indoor-Wasserfall von stolzen 35 Metern Höhe. Daneben gibt es den Flower Dome, der seinem Namen alle Ehre macht und mit unzähligen wunderschönen Blumen punktet.

    Am bekanntesten sind aber wohl die Supertrees: baumähnliche Türme, die schon bei Tageslicht ziemlich beeindruckend aussehen. Doch sobald es dunkel wird und die Beleuchtung angeht, legen sie erst richtig los. Aktuell findet unterhalb der Supertrees eine Art Weihnachtsmarkt mit Karussells und Fressbuden statt – den haben wir großzügig links liegen lassen.

    Stattdessen suchten wir uns einen nahegelegenen Hügel und wurden belohnt: perfekter Blick auf das Marina Bay Sands Hotel und die Lichtshow der Supertrees. Diese findet gerade dreimal pro Abend statt und wird momentan sogar von Weihnachtsliedern begleitet. Ein echtes Highlight – und definitiv etwas, das man sich auch zu anderen Jahreszeiten nicht entgehen lassen sollte. ✨

  • Malaysia – Kuala Lumpur

    Unser nächster Stopp führte uns nach Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias. Wir kamen abends an – und erlebten direkt eine sehr positive Überraschung: Unser Apartment im 29. Stock eines Hochhauses war so groß, dass wir kurz überlegten, ob wir versehentlich einen Konferenzsaal gebucht haben. Dazu ein Balkon in rund 100 Metern Höhe mit Blick über die Stadt und direkt auf die Petronas Twin Towers. Die werden nachts bis 24 Uhr so schön angeleuchtet, dass man sich fragt, ob die Türme heimlich als Schönheitswettbewerbs-Kandidaten arbeiten. Sie spiegeln sich sogar kunstvoll in den Glasfassaden der umliegenden Häuser. Am ersten Abend ging’s gleich noch schnell in die 51. Etage – die Dachterrasse unseres Towers. Dort wartete ein Infinity-Pool, der so hoch gelegen war, dass man sich beim Schwimmen fast wie ein schwebender Goldfisch über der Stadt fühlte.

    Am nächsten Tag erkundeten wir die Gegend rund um unser Hotel, inklusive einer gigantischen Mall, in der man sich problemlos verlaufen könnte… und das vermutlich auch tut. Bei Dunkelheit spazierten wir dann zu den Petronas Towers, die man in nur zehn Minuten erreicht – wenn man sich nicht alle zwei Meter ablenken lässt. Der Platz davor war voller Menschen und Fotografen, die mit semi-professioneller Ausrüstung für 15 Malaysische Ringgit Portraitfotos schossen. Wir fanden allerdings, der Unterschied zu unseren eigenen Bildern war eher semi-semi-professionell – also sparten wir uns das Geld.
    Der Blick direkt am Fuß der Türme war noch beeindruckender als von unserem Balkon. Man starrt nach oben und denkt: „Okay, diese Türme haben definitiv die ‚bis zum Himmel‘-Einstellung aktiviert.“ Danach ließen wir den Abend im Park hinter den Towers ausklingen – mit Musik, Wasserfontänen und romantischer Beleuchtung. Fast schon verdächtig kitschig.

    Der nächste Tag stand voll im Zeichen des Sightseeings. Mit dem wirklich praktischen öffentlichen Verkehrsnetz ging es in die Altstadt mit mehreren Moscheen, zum Merdeka Square (dem Unabhängigkeitsplatz) und weiter zu den Batu Caves – rund 15 km außerhalb des Zentrums. Die Batu Caves sind ein natürliches Höhlensystem mit beeindruckenden Felsformationen, vielen Affen und inzwischen auch einer überraschenden Anzahl Tauben, die von Touristen gefüttert werden und sich am Fuße der Höhle breitmachen. Drumherum: kleine hinduistische Schreine und ein kleiner Zoo, der extra Eintritt kostet (natürlich!).
    Dann ging es zu den angeblich 272 Stufen der berühmten Regenbogentreppe – wir haben sie nicht nachgezählt, aber unsere Waden sagen: Es könnten auch 1.000 gewesen sein. Oben angekommen landet man in der sogenannten Kathedralen- bzw. Tempelshöhle, in der mehrere hinduistische Schreine und ein Tempel stehen. Viele fanden: „Die Höhle ist schön… aber die bunten Betonfiguren haben eine gewisse… künstlerische Dominanz“. Glauben kann eben Berge versetzen – oder jahrtausendealte Höhlen dekorativ überfordern ;)))

    Zurück in Kuala Lumpur fuhren wir anschließend nach Chinatown. Dort mischten sich hinduistische Tempel, indische und chinesische Restaurants zu einem bunten kulturellen Buffet. Besonders schön bei Dunkelheit: die berühmte Jalan Petaling Street – ein riesiger Straßenmarkt mit Souvenirs, Schmuck, Taschen, Kleidung und vermutlich genau den Uhren, die noch fünf Minuten vor Schichtbeginn in einer Fabrik in Shenzhen von der Produktionslinie gehüpft sind.
    Auf dem Weg zurück zum Apartment schlenderten wir noch durch den Central Market mit kleinen Geschäften und Restaurants. Dazu schnell ein paar Fotos vom Merdeka 118 Tower, mit 679 Metern aktuell das zweithöchste Gebäude der Welt. Leider sind noch nicht alle Bereiche freigegeben, also keine Aussicht von der Plattform in 600 Metern Höhe (Eröffnung erst 2026). Aber keine Sorge – ein fast genauso hohes Vergnügen wartete noch.

    Für den nächsten Abend hatten wir Tickets für die Sky Bridge und die Aussichtsplattform der Petronas Twin Towers. Die Tickets sind übrigens immer einen Tag im Voraus ausgebucht – für den Sonnenuntergang sogar drei Tage. Also: Foyer, Sicherheitskontrolle (Flughafenstimmung inklusive), ab in den Aufzug und hoch auf die Sky Bridge in der 41. Etage – das schwebende Verbindungsstück zwischen den Türmen in 170 Metern Höhe. Ein paar Minuten Fotos machen, Aussicht genießen, und schon ging’s weiter. Mit zweimal Umsteigen – nein, es gibt tatsächlich keinen Fahrstuhl direkt „von ganz unten nach ganz oben“ – erreichten wir die Plattform in 370 Metern Höhe. Nicht ganz so hoch wie die Sky Bar im Landmark 81 in Ho-Chi-Minh-Stadt, aber absolut beeindruckend. Man hat fast 360° Rundumblick und entdeckt sogar das eigene Apartmenthaus wieder, das plötzlich wie ein akzeptabler Kleinwagen unter SUVs wirkte. Sogar von der Toilette in 370 Metern Höhe konnte man durch die Glasfassade beim ‘kleinen oder großen Geschäft’ direkt auf die Stadt blicken – ein Thron mit Aussicht, wie man ihn nicht mal in einem Königspalast findet.

    Am letzten Tag vor unserer Weiterreise nach Singapur stand noch mal Sightseeing an – und ein erneuter Stresstest für den öffentlichen Nahverkehr. Ab ging’s mit Zug und Bus zum Tangga Putrajaya, einem großen Park etwa eine Stunde südlich der Stadt. Dort gab es viele Bäume, Sträucher, Blumen und die 30 Tangga Putrajaya Steps, die auf einen Hügel mit Aussicht führten.
    Direkt daneben: das Büro des Premierministers von Malaysia und die berühmte Rosa Moschee. Das Regierungsgebäude konnten wir nur von außen ansehen, aber die Moschee durfte betreten werden – allerdings erst nach dem „Dresscode-Upgrade“. Unsere touristische Kleidung war etwas… luftig, also gab es für uns einen dunkelroten Kaftan mit Kapuze. Wir sahen aus wie „Teletubbies – die Next Generation“. Schuhe ausziehen nicht vergessen! Bei 32 Grad, praller Sonne und einem Ganzkörper-Outfit, das eher an Saunazubehör erinnert, fühlte sich jeder Schritt innen an wie ein Kurzurlaub in der Wüste Gobi. Respekt an alle, die das täglich machen.
    Die Rückfahrt mit Bus und Bahn lief dann nicht ganz so geschmeidig wie die Hinfahrt, weshalb wir die ersten Kilometer zur nächsten Station mit dem Taxi fahren mussten. Immerhin: klimatisiert.

    Abends waren wir noch gegenüber von unserem Apartmenthaus in einem arabischen Restaurant. Natürlich durfte dort Knafeh (auch als Konufe oder Engelshaar bekannt) nicht fehlen – jenes himmlische Dessert, das es sogar bis in die weniger geschmackvolle Dubai-Schokolade geschafft hat. (Nur weil man es in Schokolade presst, wird es nicht automatisch besser… aber nett, dass sie’s versucht haben.) Unser Knafeh dagegen: sehr lecker! Dazu gab es noch türkisches Baklava – süßen, pistaziengefüllten Blätterteig mit einer Decke aus Blattgold. Wenn schon Zuckerrausch, dann bitte in der Luxusversion. Man gönnt sich ja sonst nichts ;))

  • Vietnam – 3 Tage in Ho Chi Minh Stadt (Saigon)

    Vorgestern, an unserem ersten Tag in Ho Chi Minh City (auch bekannt als Saigon – und ja, beide Namen werden immer noch benutzt), haben wir uns direkt in einen ausgedehnten Stadtbummel gestürzt. Schließlich muss man die Stadt ja erst mal beschnuppern, bevor man sie ins Herz schließt. Erste Station: die katholische Kirche „Nhà thờ Huyện Sỹ“, nur ein Steinwurf von unserem Hotel entfernt. Ein Bau aus dem 19. Jahrhundert, also aus jener Zeit, als die Franzosen dachten: “Lasst uns ein Stück Europa ans andere Ende der Welt pflanzen.“ Das Deckengewölbe, der Altar und die bunten Fenster hätten auch problemlos in irgendeiner europäischen Altstadt stehen können – nur eben mit ein paar Grad mehr Luftfeuchtigkeit.

    Weiter ging’s zum „Independence Palace“, dem Wiedervereinigungs- und/oder Unabhängigkeitspalast Vietnams (scheinbar war man sich beim Namen nicht ganz einig). Gebaut wurde er nach dem Ende der französischen Besatzung auf dem Gelände des alten Gouverneurspalastes. Innen sieht alles aus wie eine Mischung aus Retro-Luxus und Zeitkapsel: Teppiche, schwere Holzmöbel, Vasen, die garantiert mehr erlebt haben als wir. Außen hingegen eine Art architektonischer Kompromiss zwischen Klassizismus, 50er-Jahre-Beton und „wir versuchen mal was Neues“.

    Auf dem Plan stand danach die Kathedrale Notre Dame von Saigon. Leider war sie komplett eingepackt wegen Renovierungsarbeiten – sah also eher aus wie ein Christo-Kunstprojekt als eine Kirche. Nachts ist die Beleuchtung allerdings so hübsch, dass man fast vergisst, dass drunter gerade Baustelle ist. Direkt daneben das alte Postamt, immer noch in Betrieb, aber inzwischen halb Post, halb Souvenir-Tempel. Ein paar Fotos und 27 potenzielle Magneten später schlenderten wir weiter zum Saigon Opera House. Auch dieses schicke Gebäude stammt aus der französischen Kolonialzeit – man erzählt sich sogar, dass die Franzosen sämtliches Baumaterial extra heranschleppen ließen. Luxus muss man wollen.

    Auf dem Rückweg kamen wir am berühmten Ben-Thanh-Markt vorbei: ein riesiger, vollgestopfter Shopping-Hotspot, der gefühlt 1000 Stände für Kunsthandwerk, Essen und „ganz sicher echte Markentaschen“ beherbergt. Hätten wir keine Backpacker-Rucksäcke, sondern Koffer in XXL, wäre das sehr gefährlich geworden.

    Gestern wollten wir dann ganz spontan zum Hafen, um mit der Fähre – dem sogenannten Water Bus – die Stadt vom Wasser aus zu bestaunen. Gute Idee, dachten wir.
    Nach 30 Minuten Fußmarsch am Hafen angekommen: „Fahrten am Vormittag? Nein, heute nicht, trotz offiziellem Fahrplan.“ Großartig. Die Touristenschiffe um die Ecke? Starten natürlich erst am späten Nachmittag. Warum? Keine Ahnung – vielleicht Mittagsschlaf der Boote.

    Auf dem Rückweg dann wieder der tägliche Endgegner: vietnamesischer Straßenverkehr. Eine Straße zu überqueren fühlt sich hier an wie ein Level im Videospiel „Überlebe den Scooter-Schwarm“. Zwischendurch entdeckten wir das Gartenstadt-Restaurant, das stolz Krombacher, Schweinshaxe und Schnitzel anbietet. Sehr deutsch. Sehr absurd, wenn man bedenkt, dass es diese Dinge zuhause garantiert besser gibt – und wir eigentlich vietnamesisch essen wollen.

    Zurück im Hotel hieß es dann: Umziehen für das große Abend-Highlight – die Sky Bar im Landmark 81. Also ab in die Metro und rauf auf Vietnams höchsten Turm (und immerhin zweithöchsten in ganz Südostasien). Die Bar in den Etagen 79–81 (ca. 400 Meter über der Stadt) versprach Cocktails mit Aussicht – vorausgesetzt man wartet 35 Minuten, weil alle dieselbe Idee hatten. Der Aufstieg lohnte sich aber: grandiose Cocktails, fast klarer Himmel und eine Aussicht, bei der selbst 30-stöckige Hochhäuser aussehen wie Hundehütten mit Beleuchtung. Atemberaubend!

    Heute, an unserem letzten Tag in der Stadt, stand eine Bootstour durchs Mekong-Delta auf dem Programm. Der Mekong entspringt ja bekanntlich in Tibet, schlängelt sich durch sechs Länder und landet schließlich im Südchinesischen Meer – ein echter Weltenbummler also. Nach einer 90-minütigen Busfahrt stiegen wir in ein Boot, glücklicherweise mit nur 15 Leuten. Erste Station: eine Bienenfarm. Dort durften wir Honig und Gelee Royale probieren und ein bisschen mit den Bienen „auf Tuchfühlung“ gehen (freiwillig natürlich). Danach gab’s eine vietnamesische Gesangseinlage, die man diplomatisch als „authentisch“ bezeichnen könnte.

    Weiter ging es mit dem TukTuk zur Kokosnussmanufaktur – Öl, Flocken, Bonbons, alles dabei. Die Bonbons waren so lecker, dass wir uns gleich eine ganze Packung gegönnt haben. Dann eine kleine Ruderbootfahrt durch enge Kanäle, zusammen mit zahlreichen anderen Touristengruppen – sehr idyllisch, wenn man die Selfie-Sticks ignoriert.

    Nach dem Mittagessen stand noch die Fütterung von Krokodilen und Catfish (Katzenwelsen) auf dem Programm. Alle waren erstaunlich begeistert davon, Tieren Essen ins Maul zu werfen. Dann ging es zurück nach Ho Chi Minh City, mit kurzem Stopp an einer Pagode mit lachendem Buddha, liegendem Buddha und Bonsais, die aussehen, als hätten sie eine besonders kreative Pubertät hinter sich.

  • Vietnam – Ba Na Hills

    Für heute hatten wir einen Ausflug in die Ba Na Hills geplant – von Da Nang aus quasi einmal Richtung Himmel und dann links. Der Bus brachte uns zur Talstation der Seilbahnen. Und tatsächlich: Schon beim Aussteigen fühlte man sich wie in einem Skigebiet in Österreich. Es fehlten nur noch die Après-Ski-Hits und der Typ, der mit Skistiefeln herumklappert. Dafür gab es aber – völlig unerwartet – Weihnachtsschmuck und Weihnachtslieder. In Vietnam. Bei über 20 Grad. Klar, warum auch nicht?

    Die Anlage nennt sich Sun World Ba Na Hills, was im Grunde so viel heißt wie: „Freizeitpark in den Wolken – Eintritt nicht billig, aber spektakulär.“ Dort gibt’s die berühmte Golden Bridge, die man aus Instagram kennt, wo sie immer sonnig, golden und völlig frei von Menschenmassen ist (haha, ja klar). Außerdem gibt’s einen Fantasy Park mit allem, was Vergnügen macht: 4D-Kinos, einen Freifallturm und Autoscooter. Und dann noch das French Village – ein Dorf, das so französisch tut, dass selbst die Baguettes fast Akzent haben. Dazu eine Brauerei auf 1487 Metern Höhe, die bayrisches Bier nachbrauen will. Aber dazu später… viel später.

    Um nach oben zu kommen, fährt man erst mal 30 Minuten Seilbahn. Natürlich von Doppelmayr, dem Ferrari unter den Seilbahnbauern. Die Dinger stehen überall – Alpen, Amerika, Asien – irgendwann vermutlich auch auf dem Mond.

    Schon während der Fahrt wurde uns aber klar: Heute wird’s… na ja… feucht und weiß. Der ganze Berg war in Wolken versteckt. Wir waren trotzdem optimistisch – schließlich sind wir Touristen, wir glauben an Wunder. Doch oben angekommen: Regen. Nebel. Nichts Instagram-tauglich. Reality vs. Instagram 1:0. Die Golden Bridge und ihre berühmten Hände sahen aus, als würden sie sich gerade zum Mittagsschlaf unter einer grauen Wolkendecke einkuscheln.

    Zum Glück hatten wir Regenjacken. Im Gegensatz zu den armen Touristen, die wie nasse Hühner herumliefen oder sich spontan Plastikponchos kauften, die aussahen wie bunte Müllsäcke mit Kapuze. Wir knipsten ein paar Fotos – eher Kategorie „Beweisfoto“ als „goldener Influencer-Moment“ – und flüchteten ins Trockene.

    Im ersten 4D-Kino bekamen wir eine Geisterbahngeschichte präsentiert. Die Sitze wackelten, Luft wurde ins Gesicht gepustet, Wasser sprühte… Wir fühlten uns wie in einer Achterbahn, nur ohne Achterbahn. Dank der 3D-Brillen flogen uns Spinnen entgegen. Sehr realistisch. Sehr unnötig.

    Im zweiten Kino flogen wir über die Metropolen der Welt. Auch wieder wackelnde Sitze. Man hatte das Gefühl, man sitze in einem Flugzeug – allerdings in einem, das ständig Turbulenzen hat.

    Nach so viel Action und Nässe kam der Hunger. Da wir Gutscheine für Essen und Bier bekommen hatten, ging es ins Ba Na Brew House. Unten eine Mini-Brauerei, oben drei Etagen Gastronomie. Und siehe da: Brezn! Xin hatte schon tagelang davon gesprochen – also wurde eine bestellt. Sie war zwar nicht knusprig, aber geschmacklich überraschend nah an einer echten bayrischen Brezn dran. Die Deko: wie ein bayerisches Wirtshaus. Bedienungen in Dirndl und „Lederhosen“, die man eindeutig nicht im Alpenraum gekauft hat.

    Das Bier… ja. Sagen wir es so: Es gab 5–6 Sorten, aber keine davon hätte einen Münchner länger als zwei Schlucke überzeugt. Ach ja, und es wurden nur 0,1-Liter-Gläser ausgeschenkt. 0,1 Liter! Kein Tippfehler. Das ist weniger als ein kräftiger Schluck. Eine bayrische Maß hätte das hier wahrscheinlich als Naturkatastrophe gewertet.

    Nach dem Bier-Schock spazierten wir noch durchs French Village, schauten uns die Hotels und Cafés an und bestaunten eine gotische Kirche, die verdächtig an „Disneyland Paris light“ erinnerte. Und trotz des Wetters gönnten wir uns ein Mango-Eis. Wenn schon, denn schon!

    Der Rückweg dauerte etwas. Hunderte Menschen wollten gleichzeitig ins Tal – die Seilbahn war quasi das neue Black-Friday-Schnäppchen. Nach einer Viertelstunde Schlange standen wir endlich in der Gondel und fuhren zurück zum Bus. Und dann ins Hotel. Endlich trocken. Endlich warm. Und ohne weitere 0,1-Liter-Biergläser.


  • Vietnam – Da Nang / Hoi An

    Auf unserer Weiterreise nach Da Nang hatten wir mal wieder ein Highlight – allerdings eher so die Art Highlight, die man keinem wünscht. VietJet Airlines ist ja ohnehin dafür bekannt, sich regelmäßig eine kreative Pause zu gönnen, aber diesmal haben sie wirklich alles gegeben. Erst wurden wir auf einen späteren Flug umgebucht (klar, warum auch nicht), und der hatte dann natürlich auch noch mal locker zwei Stunden Verspätung. Gegen Mitternacht – also zu einer Uhrzeit, zu der normale Menschen schon seit Stunden schlafen oder zumindest so tun – kamen wir dann mit insgesamt 9 Stunden Delay endlich im Hotel in Da Nang an. Immerhin: Das Hotel war das beste der Reise bisher und lag direkt am Strand, nur eine Straße entfernt. (Man gönnt sich ja sonst nichts.)

    Am nächsten Morgen sind wir nach dem Frühstück erst mal an den Strand gestiefelt. Die Temperatur war absolut badefreundlich, aber wegen der vielen Wellen herrschte Badeverbot. Offenbar wollte das Meer an dem Tag seine Ruhe. Also blieb uns nichts anderes übrig, als einen langen Spaziergang am Strand zu machen – sehr schön, aber eben nicht das erhoffte Planschvergnügen. Anschließend haben wir noch ein bisschen die Gegend rund ums Hotel erkundet.

    Gegen Abend ging es dann zur berühmten Drachenbrücke – ein Wahrzeichen der Stadt und offenbar auch ein Magnet für die gesamte Bevölkerung Da Nangs plus aller Touristen Vietnams. Eigentlich wollten wir nur die Beleuchtung sehen, aber die Menschenmenge war so dicht, dass man sich fast hätte durchs Publikum buddeln müssen. Dann fiel uns auf, dass in 10 Minuten die Drachenshow startet, die jeden Samstag und Sonntag stattfindet – und plötzlich ergab das Gedränge Sinn. Auch auf dem Han River unterhalb der Brücke wimmelte es von Ausflugsbooten, die alle auf einen Logenplatz für das Spektakel hofften. Wir fanden dann einen Platz in der Nähe des Drachenkopfes (quasi erste Reihe, nur ohne Eintritt) und konnten pünktlich die Show beobachten. Erst spuckte der Drache mehrere Feuerstöße – sehr beeindruckend – und am Ende versprühte er Wasser. Die Leute auf der Brücke bekamen dabei eine kleine Dusche ab, ob sie wollten oder nicht. Wellness inklusive, völlig kostenlos.

    Am nächsten Tag machten wir einen Ausflug zur nahegelegenen Chua Linh-Ung Pagode und zum Thap Xa Loi Tempel. Dort gab es viele goldene Buddha-Statuen, einen schönen Park und imposante Bonsai-Bäume, die vermutlich älter sind als alle unsere Hauspflanzen zusammen. Besonders beeindruckend war die 67 Meter hohe „Lady Buddha“, die nachts so hell beleuchtet wird, dass man vermutlich noch vom Mond aus sieht, wo Da Nang liegt.

    Für den Abend hatten wir dann einen Abstecher nach Hoi An geplant. Die Stadt, die schon im Mittelalter von chinesischen und japanischen Dynastien geprägt wurde, liegt etwa 25 km südlich von Da Nang. Dort gibt es alte Häuser im chinesischen und japanischen Stil, aber auch europäische Gebäude aus der Zeit der Ostindien-Kompanien – quasi eine Architektur-Weltreise auf kleinstem Raum. Ein Beispiel ist die „Japanische Brücke“ aus dem 17. Jahrhundert, die angeblich den japanischen mit dem chinesischen Teil verbinden sollte. So zumindest die Legende – vielleicht hatten die Architekten aber auch einfach Spaß am Brückenbauen.

    Nach Einbruch der Dunkelheit entfaltet Hoi An dann seinen Zauber: Straßen voller Laternen, Boote mit Laternen, Laternenverkäufer … kurz gesagt: Laternen, wohin man schaut. Man kann sogar kleine schwimmende Laternen kaufen und im Fluss aussetzen. Die ganze Szenerie wirkt so stimmungsvoll, dass es fast kitschig wäre – wenn es nicht so unglaublich schön wäre. Hoi An zeigt sich eben nachts von seiner absolut besten Seite.

  • Vietnam – Ha Long Bucht

    Wir haben uns eine 2-tägige Mini-Kreuzfahrt in der berühmt-berüchtigten Ha Long Bucht gebucht. Klingt gut, oder? Als wir dann das Programm lasen, wurde uns schnell klar: „2 Tage“ bedeutet eigentlich „24 Stunden auf einem Schiff mit einer Nacht, aber hey, wir nennen es halt Mini-Kreuzfahrt“. Wir waren trotzdem in Urlaubsstimmung und gespannt auf das Abenteuer.

    Leider wurde der Spaß durch die lokalen Vorschriften ziemlich ausgebremst – Kanufahren in einer Höhle und durch die Bucht? Fehlanzeige! Und so fuhren wir gestern, am ersten Tag, mit einem kleinen Boot raus zum Schiff. Schon die Überfahrt war spannend, vor allem wenn man bedenkt, dass die Ha Long Bucht malerisch aussieht… auf Instagram. In Wirklichkeit ist sie eher der „Parkplatz der Schiffe“, mit bis zu 300 Booten, die sich in der riesigen Bucht verteilen. Man fühlt sich fast wie im größten Tetris-Spiel der Welt.

    Da der Rest des Programms ja nun auch gestrichen war, blieb uns nur der grandiose Plan, zwischen den Kalksteininseln zu schwimmen. Das Wasser war schön warm – circa 25°C – aber klar… sagen wir mal: nicht gerade „Karibik-Klarheit“. Unterwasser war die Sicht so gut wie in einem dichten Nebel – maximal 1,5 Meter. Aber immerhin konnte man so die Kalksteininseln in allen möglichen mysteriösen Formen bestaunen, ohne sich zu fragen, ob das alles nur ein riesiges Fotomotiv für die Influencer ist.

    Abends gab’s dann einen Sonnenuntergang, begleitet von Cocktails – das nennt man wohl „Hochprozentige Kultur“ – und einem Fünf-Gänge-Menü. Anschließend noch eine Fashion-Show mit nicht sonderlich imposante lokalen Trachten. Aber hey, wenigstens gab’s danach noch eine Tanzvorführung, die wir tapfer „versuchten“ nachzutanzen – und ich betone hier „versuchten“. Sagen wir es so: Wir haben den Takt um 3 Sekunden verpasst, aber die Stimmung war top!

    Zum Abschluss noch das Tintenfischangeln – der Name klingt ja vielversprechend, aber mit der Ausrüstung hätte man genauso gut nach Gold schürfen können. 30 Minuten angeln mit bis zu 5 Leuten und – Überraschung – kein Tintenfisch in Sicht! Da die Geduld schon aufgebraucht war, gingen wir lieber ab in die Kabine. Der Sonnenaufgang morgen würde uns schon wieder motivieren – naja, hoffentlich.

    Heute am 2. Tag, morgens um 6 Uhr aufstehen. (Ich will nicht sagen, dass es uns schwerfiel, aber wer möchte schon aufstehen, wenn das Bett plötzlich wie das liebste Möbelstück der Welt aussieht?) Dann der atemberaubende Sonnenaufgang über den Kalksteininseln – ein beeindruckender Anblick, der uns immerhin kurz den Schlafrausch nahm.

    Danach ging es zur Tai-Chi-Stunde – ich sage mal so: Ich habe das Gefühl, man kann die Bewegungen nicht wirklich falsch machen, solange man entspannt dabei aussieht. Nach einem schnellen Frühstück ging es dann per Boot und Bus zur Dong Trung Trang Höhle auf der Insel Cat Ba – eine gute Alternative zum Kajakfahren. Aber, und das ist wichtig: Es war auch eine Alternative. Also, kein Ersatz für die verschollenen Paddelabenteuer, aber trotzdem nett.

    Und dann kam der Höhepunkt: Der Aufstieg zum Höhleneingang über eine Treppe mit Pfeilern – die schwankten so sehr, dass man dachte, sie würden bald ihre Kündigung einreichen. Bei 200 Touristen auf einer Treppe, die für maximal 60 Leute ausgelegt war, war „Engpass“ eher ein euphemistisches Wort für „Achterbahn ohne Sicherheitsgurt“. Und ich will nicht sagen, die Ingenieure waren schuld. Die waren bei Bau einfach nur abwesend. Die Statik hätte in Deutschland garantiert ein paar besorgte Blicke erzeugt und das Bauamt auf den Plan gerufen.

    Die Höhle selbst war dann eine Mischung aus „Harry Potter trifft Alien“. Man musste sich teilweise auf den Knien durch engen Gänge quetschen und dabei von Wasser geformte Gebilde bestaunen, die irgendwie an Gebilde aus den „Alien“ Filmen erinnerten. Ich hatte fast das Gefühl, dass gleich ein „Alien“ aus der Wand springt.


    Trotz allem war es ein schöner 2-Tages-Ausflug (okay, vielleicht 1 Tag – aber wer zählt schon so genau?). Das Schiff war super, die Crew ebenfalls und die Mahlzeiten – naja, wenn man nichts gegessen hätte, wäre der Urlaub vielleicht nicht so fantastisch gewesen. Am Nachmittag ging es dann zurück nach Hanoi, um noch mehr Abenteuer zu erleben.

  • Vietnam – Ha Noi – Zitadelle und Wasserpuppen Theater

    Heute haben wir beschlossen, die Zitadelle von Thăng Long zu besichtigen. Eintritt: 100.000 Dong pro Person – klingt erstmal nach „Autsch“, ist aber nur etwa 3 Euro. Also der Gegenwert eines Kaffees in Europa… oder eines halben in Zürich.

    Die Zitadelle selbst wurde im Jahr 1010 von der Lý-Dynastie gegründet – ja, richtig gelesen: 1010. Damals gab es noch nicht mal WLAN. Viele der alten Gebäude stammen aus dieser Zeit oder wurden später von nachfolgenden Dynastien erweitert. Ein sehr langlebiges Bauprojekt! In den Museumssälen sahen wir viele historische Schriften, die oft auf Chinesisch verfasst sind. Kein Wunder: China hat Vietnam insgesamt über 1000 Jahre beeinflusst, von etwa 111 v. Chr. bis 938 n. Chr. – also länger als manche Menschen brauchen, um ihre Doktorarbeit zu schreiben. Und Hanoi wurde tatsächlich mehrmals von chinesischen Dynastien erobert. Man könnte sagen: ein sehr langfristiger „Kultur-Download“.

    Später kamen die Franzosen vorbei und machten Vietnam ab 1858 zur Kolonie, offiziell dann ab 1887, bis 1954 Schluss war. Geschichte Vietnams ist wirklich wie eine WG, in der ständig neue Mitbewohner einziehen – nur fragt wieder mal keiner um Erlaubnis.

    Sehr beeindruckend sind die unterirdischen Bunker, die während des Vietnamkriegs genutzt wurden, besonders in den 1960er und 1970er Jahren. Dort stehen Ausrüstungen aus der ehemaligen Sowjetunion herum – ein bisschen wie ein Vintage-Militärflohmarkt. Ein Ort voller Tragik und großer Geschichten – aber heute liegt friedlich die Sonne darüber, als wäre nie etwas passiert.

    Danach haben wir einen langen Spaziergang zum Hồ-Tây-See gemacht, westlich vom Stadtzentrum. Dort steht die Trấn-Quốc-Pagode, ein kleiner, aber geschichtsträchtiger buddhistischer Tempel, der älteste buddhistische Tempel Hanois. Obwohl er nicht groß ist, herrscht dort Hochbetrieb. Touristen überall, Selfiesticks im Anschlag, das volle Programm. Im Vergleich zu den vielen wunderschönen Tempeln, die wir in Thailand und Kambodscha gesehen haben, wirkt dieser hier eher… nun ja… bescheiden. Sagen wir es freundlich: Er gibt sich Mühe, aber gegen Wat Pho und Angkor Wat anzutreten, ist ungefähr so, als würde ein Gartenzwerg versuchen, beim Architekturpreis mitzuspielen.Also: ein paar Fotos gemacht – Klick, Klick, Lächeln – und dann schnell weiter, bevor wir selbst Teil des Touristenschwarms wurden.

    Am frühen Abend haben wir uns das berühmte Wasserpuppentheater angeschaut. Tickets sollte man unbedingt vorher kaufen – die Vorstellungen sind fast immer ausverkauft. Und nachdem wir es gesehen haben, wissen wir auch warum: Die Show ist wirklich einzigartig.

    Die Bühne ist ein großes, grünes Wasserbecken, und an beiden Seiten sitzen Musiker und Sängerinnen, die alles live performen. In einer Stunde werden unzählige Szenen dargestellt: Fischer, die Frösche fangen, Bauern, die Reisfelder bestellen, Kinder, die im Wasser spielen und plantschen. Dann tauchen Drachen und Phönixe auf, tanzen wild herum, sogar Drachenbootrennen gibt es – bunt, lebendig, laut und überraschend.

    Immer wieder bewegen sich die Puppen so lustig und unerwartet, dass ich die ganze Zeit rätselte: Wie machen die das eigentlich? Erst fast am Ende habe ich knapp unter der Wasseroberfläche eine Stange erkannt. Aha! Die Künstler stehen also im Wasser und steuern die Puppen mit langen Stangen – keine Fäden von oben, keine Hightech-Tricks.

    Am Ende der Show kam die große Bestätigung: Alle Künstlerinnen und Künstler treten hervor – bis zur Hüfte im Wasser! Oh Mann… die stehen von 13:00 bis 22:00 Uhr stundenlang im Wasser und arbeiten. Unvorstellbar!

  • Good Morning Vietnam (Hà Nội)

    Heute war unser erster Tag in Hanoi – und wir sind direkt voll eingestiegen. Nach einem kleinen Frühstück (man muss ja Kräfte sammeln!) ging es ins Old Quarter, das quasi direkt auf dem Bürgersteig vor unserem Hotel beginnt.

    Sobald man aus dem Hotel tritt, startet direkt vor der Tür das Verkehrschaos, vor dem alle immer warnen. Wenn man denkt, in Thailand oder Kambodscha sei es schlimm – nein, nein, nein… Hanoi setzt da noch mal einen drauf. Verkehrs-Hölle-Level: Endgegner. Ein Grund, warum man am Flughafen auch keinen Mietwagen bekommt. Hier gibt es fast nur Autos mit einheimischem Chauffeur zu mieten – quasi „Survival-Guide inklusive“. Bei der Verkehrslage möchte man auch wirklich niemandem zumuten, selbst zu fahren.

    „Chaotisch“ ist eigentlich nur eine höfliche Untertreibung. Xin sagt immer: Scheuklappen auf und einfach loslaufen – die weichen schon aus. Oder auch nicht. ;)))
    Aber bisher hat’s erstaunlicherweise immer gut funktioniert. Vertrauen ins Schicksal hilft. Ampeln sind hier für Rollerfahrer eher Deko oder freundlich gemeinte Vorschläge – und Roller gibt es hier ungefähr hundert Mal mehr als in Bangkok. Gehwege existieren nur manchmal, und wenn, dann dienen sie meistens als Parkplatz, Outdoor-Küche oder erweitertes Wohnzimmer.

    In den Straßen der Altstadt reihen sich die berühmten „Röhrenhäuser“ so eng aneinander, dass man denkt, man sei versehentlich in einem architektonischen Tetris-Spiel gelandet. Der Legende nach wurden zu Zeiten der französischen Kolonialherrschaft Steuern nach der Breite des Hauses an der Straße berechnet. Tja, und so kommt es, dass hier viele Gebäude zwar nur 5–8 Meter breit sind, aber dafür bis zu 50 Meter in die Tiefe reichen. Quasi Häuser im „Hotdog-Format“. Das Ergebnis: Auf 100 Metern Straße finden sich bis zu 20 Shops oder Cafés – oder auf 20 Metern gleich mal drei Hotels. Effizienz können sie!

    Wir haben uns am ersten Tag einfach planlos ins Getümmel gestürzt und treiben lassen. Teile der Innenstadt sind am Wochenende autofrei, wodurch riesige Fußgängerzonen entstehen. Es waren Massen an Einheimischen und Touristen unterwegs – wir hatten das Gefühl, halb Hanoi sei auf den Beinen… und die andere Hälfte auch.

    Schließlich führte uns unser Weg zur berühmten „Hanoi Train Street“ … gut, zugegeben, das war nicht ganz zufällig. Stand schon länger auf der Bucket List. Alle paar Stunden fährt hier ein Zug durch eine enge Gasse voller Cafés und Restaurants. Ähnliches kennt man aus Nordthailand, wo der Zug durch einen Markt brettert – aber auch in Hanoi hat das Spektakel es in sich.

    Bereits eine halbe Stunde vor der Durchfahrt ist die Straße bis zum Anschlag mit Touristen gefüllt, die auf Stühlen entlang der Gleise sitzen und gespannt starren als würden sie gleich einem seltenen Tier beim Vorbeihuschen zusehen. Kurz vorher werden alle freundlich, aber bestimmt von den Kellern zurückgescheucht – keiner soll unter die Räder kommen, weder wörtlich noch metaphorisch. Und dann… kommt er. Mit lautem Hupen schleicht der Zug in gefühlter Schrittgeschwindigkeit vorbei. Eine Minute Handyfotos, Videos, Selfies – und zack, vorbei. Danach strömen sofort wieder die Menschen auf die Gleise, als wäre nie etwas gewesen.

    Später waren wir noch am Hoan-Kiem-See und im Ngoc-Son-Tempel, der auf einer kleinen Insel liegt. Dorthin führt eine hübsche rote Holzbrücke, die nachts so schön beleuchtet ist, dass sie aussieht wie aus einem asiatischen Märchenfilm. Im Tempel finden sich sowohl chinesische als auch vietnamesische Elemente – und zwei präparierte Riesen-Schildkröten, die mal über zwei Meter lang waren und 250 Kilo wogen. Keine Tiere, denen man im Dunkeln begegnen möchte.

    Abends ging es noch einmal zum See, dessen Nordende direkt ans Old Quarter grenzt. Mit der nächtlichen Beleuchtung wirkt die Kulisse noch beeindruckender – Instagram hätte seine Freude daran. Danach ließen wir uns zwei Stunden lang über den Nachtmarkt treiben, der am Wochenende die gesperrten Straßen füllt. Überall Souvenirs, Essen und – natürlich – „absolut echte“ Rolex-Uhren und Louis-Vuitton-Taschen zu traumhaften Preisen. Der Markt zieht sich über mehrere Kilometer, und an manchen Stellen ist das Gedränge so dicht, dass man überlegen muss, ob man sich überhaupt noch bewegt oder einfach kollektiv weitergeschoben wird. Und natürlich: immer schön auf die Wertsachen achten. Wo Gedränge ist, sind flinke Finger nicht weit.

    In Vietnam habe ich endlich meinen Traum erfüllt: Millionär werden. Wir haben für 50 Euro sagenhaft 1,5 Millionen bekommen! Leider nur in Đồng. Vietnam ist das einzige Land, in dem du dein Konto checkst und denkst:‚Wow, ich bin reich!‘
    …und dann kostet der Smoothie plötzlich 75.000

  • Kambodscha- bye bye Siem Reap

    Heute ist unser letzter Tag in Kambodscha. Heute Abend fliegen wir weiter nach Hanoi in Vietnam – der frühe Vogel fängt den Flug, oder so ähnlich.

    Bevor wir losfahren, haben wir uns noch in den wunderschönen, riesigen Botanischen Garten geschleppt. Eintritt: kostenlos. Stimmung: ausgezeichnet. Dort gibt es unzählige exotische Pflanzen, Kräuter und sogar ein Pflanzen-Krankenhaus – keine Ahnung, was die behandeln, aber vermutlich haben die Pflanzen dort eine bessere Krankenversicherung als wir.

    In mehreren Teichen und Bächen schwimmen gigantische Schwärme von schwarzen und goldenen Fischen herum. Gefühlte tausend Stück – mindestens! Sobald man nur in die Nähe des Wassers kommt, schwimmen sie heran wie kleine Unterwasser-Paparazzi. Für einen Dollar haben wir zwei Packungen Fischfutter gekauft – und dann ging das Spektakel los: ein wahres Actiondrama unter Wasser. Wenn man es selbst gesehen hätte, würde man denken, jemand hätte ein gigantisches Fischernetz aus dem Teich gezogen. Ein Gewusel, ein Gespritze, pure Fisch-Oper!

    Nebenbei haben wir auch Schildkröten, Enten und gleich mehrere Strauße gesehen. Ein richtiges Straußen-Kommando – die schauen einen an, als wollten sie sagen: „Na, ihr kleinen Touristen, habt ihr auch Futter für uns?“

    Unsere kurze Zusammenfassung zu Kambodscha / Siem Reap:

    Kambodscha hat uns wirklich überrascht – im allerbesten Sinne. Die Menschen hier sind unglaublich sanft, freundlich und geduldig. Egal ob im Tuk-Tuk, im Restaurant oder einfach auf der Straße: Man wird immer mit einem echten Lächeln begrüßt. Trotz der sichtbaren wirtschaftlichen Schwächen wirkt das Leben hier warm und herzlich.

    In Siem Reap ist natürlich Angkor Wat das große Highlight, aber auch abseits der Tempel ist die Atmosphäre entspannt. Tuk-Tuk-Fahrer sind hilfsbereit, das Essen ist mild und lecker, und die Stadt fühlt sich angenehm ruhig an.

    Was uns besonders aufgefallen ist: Die Toiletten sind fast überall kostenlos – und erstaunlich sauber! Das hätten wir wirklich nicht erwartet.

    Bezahlen ist einfach, denn hier benutzt man meistens US-Dollar, manchmal Riel als Wechselgeld. Kleine Dollarscheine sind super praktisch.

    👟 Alltag & Praktische Tipps

    Wasser: immer abgefüllt kaufen – Leitungswasser bitte nicht trinken.

    Kleidung: Tempel verlangen bedeckte Schultern und Knie.

    Mückenmittel lohnt sich besonders in der Regenzeit.

    Trinkgeld wird sehr geschätzt, ist aber keine Pflicht.

    Alles in allem war Siem Reap für uns eine schöne Mischung aus Kultur, Freundlichkeit und ganz viel Gelassenheit. Ein Ort, den man leicht ins Herz schließt.

  • Kambodscha – Kampong Phlouk und Siem Reap National Museum

    Gestern haben wir eine Sunset-Bootstour auf dem Tonle-Sap-See gebucht – einem der größten und fischreichsten Süßwasserseen in ganz Südostasien. Pünktlich um 14:15 wurden wir vom Hotel abgeholt. Nur etwa 30 km entfernt liegt das Wasserdorf Kampong Phlouk, südöstlich von Siem Reap. Ein halbes Jahr steht dieses Dorf komplett im Wasser, erreichbar nur per Boot. Die Bewohner leben vom Fischfang. In der Trockenzeit – von November bis April – verwandeln sich die Flächen in Reisfelder, und man kann sogar mit dem Auto hinfahren.

    Momentan steht jedoch noch ordentlich Wasser um die Dörfer herum. Also stiegen wir an der Anlegestelle in ein Boot um, das uns zu einem „Wasserrestaurant“ brachte. Dort warteten schon viele bunte Kanus, meist gesteuert von einheimischen Frauen. Wir kletterten in eines hinein und unser „Steuermann“ – fuhr uns sanft durch die Mangroven direkt hinein ins geheimnisvolle Dorfleben.

    Wir sahen Häuser auf hohen Stelzen, Kinder, die auf alten Holzbooten spielten, die bis oben mit Fischernetzen vollgestopft waren. Ein schwimmender Hühnerstall schaukelte gemütlich vor sich hin. Auf den Wasserveranden lagen Katzen und Hunde herum, als hätten sie Airbnb auf dem See erfunden. Einige Teenager steuerten schon stolz ihre Longtail-Boote mit dröhnendem Motor am Heck, als seien sie die Formel-1-Stars des Wasserdorfs.

    Die meisten Häuser sind einfach gebaut – Strom haben sie, aber kein fließendes Wasser. Alles kommt aus dem See und geht auch wieder zurück in den See. Es ist wirklich schwer sich vorzustellen, wie man sein ganzes Leben auf dem Wasser verbringt.

    Nach einer halben Stunde war unsere Kanufahrt vorbei, und wir kehrten zum Wasserrestaurant zurück. Der Besitzer zeigte uns noch stolz seine drei Krokodile: zwei etwa 3,5 Jahre alt und eines erst drei Monate jung. Sie werden wegen ihrer Haut und ihres Fleisches gezüchtet. Oh Man … die Menschheit kann manchmal echt gemein sein.

    Nachdem wir brav seine Getränkebestände geleert hatten, durften wir endlich wieder ins große Boot einsteigen. Dann ging es hinaus auf den See, wo der Motor abgestellt wurde und alle die Ruhe des Sonnenuntergangs genießen wollten. Die Sonne war allerdings schüchtern und versteckte sich hinter den Wolken. Egal – die bunten Wolken und die Weite des Wassers waren trotzdem traumhaft. Wir saßen ganz vorne am Deck, schauten in die Ferne, bis es langsam dunkel wurde. Einfach schön.

    Heute beschlossen wir, das Angkor Wat National Museum zu besuchen. Der Eintritt kostet 12 $ pro Person. Wir fanden das Museum sehr informativ und modern eingerichtet. Es wird die Geschichte der Tempel und Figuren von der Post-Angkor-Zeit ab dem 8. Jahrhundert bis zur Pre-Angkor-Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts gezeigt. Viele Hallen mit kurzen Videos in verschiedenen Sprachen. Eigentlich sollte man zuerst hierher kommen und dann die Tempel besuchen – wir haben’s halt andersherum gemacht. Auch ok. Besonders gut hat uns die Halle der „Tausend Buddhas“ gefallen: Jeder Buddha hat seine eigene Pose und eine fast mystische Beleuchtung. Ein wirklich schöner Anblick.

    Abends haben wir uns – statt der traditionellen Gerichte wie Amok oder Lok Lak – einen kambodschanischen Grill-Hotpot gegönnt. Eine super Kombi: In der Mitte grillt man sechs verschiedene Sorten Fleisch, und am Rand blubbert eine Hotpot-Brühe, in der man Gemüse und Nudeln kochen kann. Kurz gesagt: Grillen und Suppenschlürfen gleichzeitig – multitasking auf kulinarischem Level! Und ja: Es hat richtig lecker geschmeckt!

    Tipp:

    In Kambodscha kannst du quasi überall mit US-Dollar bezahlen. Mit dem Tuk-Tuk kommst du bequem durch die ganze Stadt – aber immer vorher den Preis verhandeln. Im Zweifel kannst du auch über GRAB ein Tuk-Tuk bestellen. Meist günstiger und unkomplizierter.