Affen, Schaukeln und spirituelle Warteschlangen – ein ganz normaler Tag auf Bali
Für diesen Tag standen Sehenwürdgkeiten im Gebiet Ubud auf dem Programm. Unser Fahrer Mr. Yan sammelte uns morgens am Hotel ein – voller Tatendrang und offenbar auch mit sehr viel Geduld, denn nach zwei Stunden Fahrt (38 km) erreichten wir endlich unser erstes Ziel: den Affenwald – Jalan Monkey Forest.


Ein Park mit alten Tempeln direkt am Rand des Dschungels, in dem gefühlt alle Affen der Insel beschlossen haben, gemeinsam zu wohnen. Eintritt bezahlt (100.000 IDR/Pers. wie eigentlich überall) und rein ins Abenteuer. Hier leben hunderte Langschwanzmakaken, organisiert in einer streng hierarchischen Gesellschaft – quasi ein Affen-Konzern mit klarer Chefetage.



Unser Fahrer warnte uns eindringlich: „Passt auf eure Wertsachen auf. Vor allem Handys.“ Die Affen seien nämlich bekannt dafür, Dinge zu klauen und sie dann gegen Futter zu erpressen. Kapitalismus im Dschungel – wirklich clever, diese kleinen Biester 😉
Uns passierte allerdings nichts. Offenbar wirkte meine Körpergröße abschreckend, denn die Affen hielten respektvoll etwa einen Meter Sicherheitsabstand – soziale Distanz auf Affenart.


Plötzlich: RIESIGES GESCHREI! Die gesamte Affenbande brüllte los, junge Affen rannten kreischend umher, andere flüchteten auf die Bäume. Offenbar hatte sich der Nachwuchs danebenbenommen und ein älteres Exemplar musste mal ordentlich auf den Busch hauen. Affen-Erziehung live – so heftig, dass sich einige junge Touristinnen ordentlich erschreckten.
Überall gab es Futterstellen, vermutlich um die Affen strategisch dort zu platzieren, wo sie für Fotos am besten taugen. Einige zeigten beeindruckende Fähigkeiten: Während manche Affen Kokosnüsse einfach nur über den Boden rollten, nahmen andere Anlauf, sprangen mit der Kokosnuss hoch und knallten sie mit voller Wucht auf den Boden, bis sie aufplatzte. Erst den Kokossaft auflecken, dann ans Innere – effizienter geht’s nicht.
Nach etwa einer Stunde ging es weiter zum nächsten Instagram-Spot.
Reisterrassen, Insta-Schaukeln und Leid für Likes
Der nächste Stopp führte uns zu einer der berühmten Reisterrassen. Viel Natur, viele Touristen und erstaunlich viele Möglichkeiten, Geld loszuwerden. Die Terrassen werden dreimal im Jahr bepflanzt und geerntet, dank tropischem Klima ist immer irgendwo alles grün – perfekt für Fotos.
Die Terrassen lagen in einem Tal, auf beiden Seiten angelegt und von oben mit frischem Wasser versorgt, das elegant von Terrasse zu Terrasse floss. Je nach Stadium reichte die Farbpalette von „riesige braune Pfütze“ bis zu „Instagram-taugliches saftiges Grün“. Auf den abgeernteten Feldern arbeiteten Angestellte – sehr idyllisch, sehr fotogen.



Oben an den Hängen: riesige Schaukeln, an Palmen befestigt. Gegen Bezahlung konnte man sich über einen Abgrund schwingen – optional im wallenden Kleid mit Schleppe, das im Wind dramatisch flattert. Ab und zu ertönte ein Schrei, als würde jemand abgestochen. Spoiler: Höhenangst + 20-Meter-Abgrund + Schaukel = schlechte Idee. Aber wer schöne Instagram-Bilder will, muss leiden 😉
Zusätzlich gab es noch Ziplines, die das Tal kreuzten – permanenter Flugverkehr. Wir entschieden uns für die entspannte Variante: Kokosnuss, indonesisches Radler und Zuschauen von der Aussichtsterrasse.

Christmas Tree, Wasserfall und Dschungel-Hindernisparcours
Auf dem Weg zum nächsten Spot gab’s eine kleine Mahlzeit in einem Restaurant – natürlich ebenfalls mit Schaukeln. Außerdem stand dort ein merkwürdiges Gebilde aus zusammengeklebten Plastikdingern. Auf meine Frage, was das sei, antwortete die Bedienung stolz: „A Christmas Tree.“
Ich: „You are kidding me!“
Naja – bei 85 % Hindus auf Bali ist Weihnachten offenbar Interpretationssache 🎄😉


Danach ging es zu einem Wasserfall, der sich etwa 20 Meter in die Tiefe stürzt. Eigentlich wollten wir dort baden – ganz romantisch wie in Robin Hood mit Kevin Costner. Leider hatte es zuvor geregnet, das Wasser war eher braun als einladend. Also kein Baden, nur Fotos.


Weiter ging es über Brücken aus Bambusstangen, entlang eines Bachs, durch den Dschungel zu einer Höhle. Diese war mehrere hundert Meter lang, sehr eng und bei Gegenverkehr definitiv staugefährdet. Teilweise stark gebückt folgten wir unserem Fahrer, der gleichzeitig als Guide und Taschenlampen-Ersatz mit seinem Handy fungierte.



Am Ende des Tunnels – Überraschung – wieder eine Plattform mit Schaukel über eine Schlucht. Offenbar ein balinesisches Grundbedürfnis. Die letzten Meter liefen wir allein durch den Dschungel einen Hang hinauf, bis uns unser Fahrer an der Hauptstraße wieder einsammelte. Auf dem Weg sahen wir noch Arbeiter auf einem klassichen, nicht für Touristen angelegenten Reisfeld, die dort das Feld bearbeiteten.

Heiliges Wasser und der balinesische IKEA-Ausgang
Letzter Programmpunkt: der Hindu-Tempel Tirta Empul. Aus Respekt banden wir uns Sarongs um – Pflichtkleidung für den Tempelbesuch. Unser Fahrer erklärte uns die balinesischen Hindu-Gebräuche, besonders das Reinigungsritual mit heiligem Wasser.

Er fragte, ob wir mitmachen möchten. Dafür hätten wir uns umziehen und ein grünes Gewand anziehen müssen. Ein Blick auf die lange Schlange am Reinigungsbecken genügte – wir lehnten dankend ab. Spiritualität schön und gut, aber nicht mit Wartezeit.


Das Becken wird von Quellen gespeist, aus mehreren Öffnungen fließt Wasser hinein. Das Ritual folgt einer festen Reihenfolge:
Erster Wasserstrahl wird ausgelassen, Start beim zweiten. Hände waschen, Gesicht, dann den ganzen Kopf – bis zum neunten Strahl. Der zehnte und elfte sind für die Toten reserviert.



Zum Abschluss zeigte er uns noch die heiligen Quellen. Der Weg nach draußen führte – wie sollte es anders sein – durch ein Labyrinth aus Souvenirständen, das verdächtig an den Ausgang eines IKEA-Marktes erinnerte. Nach dem Souvenir-Labyrinth – wir fanden den Ausgang erstaunlicherweise ohne Panik oder Notruf – entdeckten wir noch einen Obststand. Und dort erfüllten wir uns einen lang gehegten Wunsch: Schlangenfrucht und Durian.
Die Schlangenfrucht sieht aus wie ein kleines Drachenei aus Game of Thrones, nur ohne Feueratem. Ihre schuppige Schale wirkt erst einmal verdächtig, aber innen überraschte sie uns positiv: Konsistenz und Geschmack irgendwo zwischen Apfel und Birne – knackig, süß und absolut harmlos. Eine Frucht, die gefährlicher aussieht, als sie ist.


Dann kam der Endgegner: Durian. Auch bekannt als Stinkefrucht – und dieser Name ist wirklich keine Übertreibung. Diese Frucht gibt es nur in Südostasien und sie riecht so intensiv, dass man sich fragt, ob sie nicht eigentlich eine chemische Waffe ist. Trotzdem war klar: Bevor es weiter nach Australien geht, mussten wir das probieren. Innen war die Durian überraschend cremig, mit einem vielschichtigen Geschmack irgendwo zwischen süß und herzhaft. Kein Wunder, dass sie den ehrwürdigen Titel „König der Früchte“ trägt. Wir waren ehrlich überrascht, denn Geruch und Geschmack haben scheinbar nichts miteinander zu tun.
Der Duft erklärt allerdings auch, warum Durian in vielen Hotels Südostasiens streng verboten ist. Offenbar dauert es sehr lange, bis dieser Geruch wieder aus einem Zimmer verschwindet. Man möchte ja schließlich nicht, dass das Hotelzimmer noch Wochen später riecht, als hätte dort jemand eine vergessene Socke mit einem Käsefondue gekreuzt.
Geschmacklich ein Erlebnis – geruchstechnisch eine Herausforderung. Aber genau dafür reist man ja 😉🍈✈️


Ein langer Tag, viele Eindrücke, keine gestohlenen Handys – und definitiv genug Stoff für Geschichten 😄🌴








































