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  • Indonesien – Bali – Ubud

    Affen, Schaukeln und spirituelle Warteschlangen – ein ganz normaler Tag auf Bali

    Für diesen Tag standen Sehenwürdgkeiten im Gebiet Ubud auf dem Programm. Unser Fahrer Mr. Yan sammelte uns morgens am Hotel ein – voller Tatendrang und offenbar auch mit sehr viel Geduld, denn nach zwei Stunden Fahrt (38 km) erreichten wir endlich unser erstes Ziel: den Affenwald – Jalan Monkey Forest.

    Ein Park mit alten Tempeln direkt am Rand des Dschungels, in dem gefühlt alle Affen der Insel beschlossen haben, gemeinsam zu wohnen. Eintritt bezahlt (100.000 IDR/Pers. wie eigentlich überall) und rein ins Abenteuer. Hier leben hunderte Langschwanzmakaken, organisiert in einer streng hierarchischen Gesellschaft – quasi ein Affen-Konzern mit klarer Chefetage.

    Unser Fahrer warnte uns eindringlich: „Passt auf eure Wertsachen auf. Vor allem Handys.“ Die Affen seien nämlich bekannt dafür, Dinge zu klauen und sie dann gegen Futter zu erpressen. Kapitalismus im Dschungel – wirklich clever, diese kleinen Biester 😉

    Uns passierte allerdings nichts. Offenbar wirkte meine Körpergröße abschreckend, denn die Affen hielten respektvoll etwa einen Meter Sicherheitsabstand – soziale Distanz auf Affenart.

    Plötzlich: RIESIGES GESCHREI! Die gesamte Affenbande brüllte los, junge Affen rannten kreischend umher, andere flüchteten auf die Bäume. Offenbar hatte sich der Nachwuchs danebenbenommen und ein älteres Exemplar musste mal ordentlich auf den Busch hauen. Affen-Erziehung live – so heftig, dass sich einige junge Touristinnen ordentlich erschreckten.

    Überall gab es Futterstellen, vermutlich um die Affen strategisch dort zu platzieren, wo sie für Fotos am besten taugen. Einige zeigten beeindruckende Fähigkeiten: Während manche Affen Kokosnüsse einfach nur über den Boden rollten, nahmen andere Anlauf, sprangen mit der Kokosnuss hoch und knallten sie mit voller Wucht auf den Boden, bis sie aufplatzte. Erst den Kokossaft auflecken, dann ans Innere – effizienter geht’s nicht.

    Nach etwa einer Stunde ging es weiter zum nächsten Instagram-Spot.

    Reisterrassen, Insta-Schaukeln und Leid für Likes

    Der nächste Stopp führte uns zu einer der berühmten Reisterrassen. Viel Natur, viele Touristen und erstaunlich viele Möglichkeiten, Geld loszuwerden. Die Terrassen werden dreimal im Jahr bepflanzt und geerntet, dank tropischem Klima ist immer irgendwo alles grün – perfekt für Fotos.

    Die Terrassen lagen in einem Tal, auf beiden Seiten angelegt und von oben mit frischem Wasser versorgt, das elegant von Terrasse zu Terrasse floss. Je nach Stadium reichte die Farbpalette von „riesige braune Pfütze“ bis zu „Instagram-taugliches saftiges Grün“. Auf den abgeernteten Feldern arbeiteten Angestellte – sehr idyllisch, sehr fotogen.

    Oben an den Hängen: riesige Schaukeln, an Palmen befestigt. Gegen Bezahlung konnte man sich über einen Abgrund schwingen – optional im wallenden Kleid mit Schleppe, das im Wind dramatisch flattert. Ab und zu ertönte ein Schrei, als würde jemand abgestochen. Spoiler: Höhenangst + 20-Meter-Abgrund + Schaukel = schlechte Idee. Aber wer schöne Instagram-Bilder will, muss leiden 😉

    Zusätzlich gab es noch Ziplines, die das Tal kreuzten – permanenter Flugverkehr. Wir entschieden uns für die entspannte Variante: Kokosnuss, indonesisches Radler und Zuschauen von der Aussichtsterrasse.

    Christmas Tree, Wasserfall und Dschungel-Hindernisparcours

    Auf dem Weg zum nächsten Spot gab’s eine kleine Mahlzeit in einem Restaurant – natürlich ebenfalls mit Schaukeln. Außerdem stand dort ein merkwürdiges Gebilde aus zusammengeklebten Plastikdingern. Auf meine Frage, was das sei, antwortete die Bedienung stolz: „A Christmas Tree.“
    Ich: „You are kidding me!“
    Naja – bei 85 % Hindus auf Bali ist Weihnachten offenbar Interpretationssache 🎄😉

    Danach ging es zu einem Wasserfall, der sich etwa 20 Meter in die Tiefe stürzt. Eigentlich wollten wir dort baden – ganz romantisch wie in Robin Hood mit Kevin Costner. Leider hatte es zuvor geregnet, das Wasser war eher braun als einladend. Also kein Baden, nur Fotos.

    Weiter ging es über Brücken aus Bambusstangen, entlang eines Bachs, durch den Dschungel zu einer Höhle. Diese war mehrere hundert Meter lang, sehr eng und bei Gegenverkehr definitiv staugefährdet. Teilweise stark gebückt folgten wir unserem Fahrer, der gleichzeitig als Guide und Taschenlampen-Ersatz mit seinem Handy fungierte.

    Am Ende des Tunnels – Überraschung – wieder eine Plattform mit Schaukel über eine Schlucht. Offenbar ein balinesisches Grundbedürfnis. Die letzten Meter liefen wir allein durch den Dschungel einen Hang hinauf, bis uns unser Fahrer an der Hauptstraße wieder einsammelte. Auf dem Weg sahen wir noch Arbeiter auf einem klassichen, nicht für Touristen angelegenten Reisfeld, die dort das Feld bearbeiteten.

    Heiliges Wasser und der balinesische IKEA-Ausgang

    Letzter Programmpunkt: der Hindu-Tempel Tirta Empul. Aus Respekt banden wir uns Sarongs um – Pflichtkleidung für den Tempelbesuch. Unser Fahrer erklärte uns die balinesischen Hindu-Gebräuche, besonders das Reinigungsritual mit heiligem Wasser.

    Er fragte, ob wir mitmachen möchten. Dafür hätten wir uns umziehen und ein grünes Gewand anziehen müssen. Ein Blick auf die lange Schlange am Reinigungsbecken genügte – wir lehnten dankend ab. Spiritualität schön und gut, aber nicht mit Wartezeit.

    Das Becken wird von Quellen gespeist, aus mehreren Öffnungen fließt Wasser hinein. Das Ritual folgt einer festen Reihenfolge:
    Erster Wasserstrahl wird ausgelassen, Start beim zweiten. Hände waschen, Gesicht, dann den ganzen Kopf – bis zum neunten Strahl. Der zehnte und elfte sind für die Toten reserviert.

    Zum Abschluss zeigte er uns noch die heiligen Quellen. Der Weg nach draußen führte – wie sollte es anders sein – durch ein Labyrinth aus Souvenirständen, das verdächtig an den Ausgang eines IKEA-Marktes erinnerte. Nach dem Souvenir-Labyrinth – wir fanden den Ausgang erstaunlicherweise ohne Panik oder Notruf – entdeckten wir noch einen Obststand. Und dort erfüllten wir uns einen lang gehegten Wunsch: Schlangenfrucht und Durian.

    Die Schlangenfrucht sieht aus wie ein kleines Drachenei aus Game of Thrones, nur ohne Feueratem. Ihre schuppige Schale wirkt erst einmal verdächtig, aber innen überraschte sie uns positiv: Konsistenz und Geschmack irgendwo zwischen Apfel und Birne – knackig, süß und absolut harmlos. Eine Frucht, die gefährlicher aussieht, als sie ist.

    Dann kam der Endgegner: Durian. Auch bekannt als Stinkefrucht – und dieser Name ist wirklich keine Übertreibung. Diese Frucht gibt es nur in Südostasien und sie riecht so intensiv, dass man sich fragt, ob sie nicht eigentlich eine chemische Waffe ist. Trotzdem war klar: Bevor es weiter nach Australien geht, mussten wir das probieren. Innen war die Durian überraschend cremig, mit einem vielschichtigen Geschmack irgendwo zwischen süß und herzhaft. Kein Wunder, dass sie den ehrwürdigen Titel „König der Früchte“ trägt. Wir waren ehrlich überrascht, denn Geruch und Geschmack haben scheinbar nichts miteinander zu tun.

    Der Duft erklärt allerdings auch, warum Durian in vielen Hotels Südostasiens streng verboten ist. Offenbar dauert es sehr lange, bis dieser Geruch wieder aus einem Zimmer verschwindet. Man möchte ja schließlich nicht, dass das Hotelzimmer noch Wochen später riecht, als hätte dort jemand eine vergessene Socke mit einem Käsefondue gekreuzt.

    Geschmacklich ein Erlebnis – geruchstechnisch eine Herausforderung. Aber genau dafür reist man ja 😉🍈✈️

    Ein langer Tag, viele Eindrücke, keine gestohlenen Handys – und definitiv genug Stoff für Geschichten 😄🌴

  • Indonesien – Nusa Penida

    Heute haben wir einen Tagestrip deluxe gemacht – mit allem, was dazugehört: drei Schnorchelspots, drei Sehenswürdigkeiten und ungefähr hundert kleine Abenteuer.

    Um 6:20 Uhr wurden wir vom Hotel abgeholt. Von westlichem Kuta bis zum östlichen Hafen Sanur dauert die Fahrt etwa 40 Minuten – zumindest laut Google. In der Realität hängt das stark davon ab, wie viele Rollerfahrer glauben, sie seien unsterblich.

    In Sanur bekamen wir ein Hin- und Rückfahrt-Schnellbootticket für 7:30 Uhr. Die Überfahrt dauerte ebenfalls rund 40 Minuten. Erstaunlich viele Leute hatten die gleiche brillante Idee wie wir, heimlich früh morgens nach Nusa Penida zu fliehen. Das Ticket kostete übrigens nur 5–7 Euro – fast billiger als ein Kaffee am Flughafen. Beim Einsteigen wurden wir erst feierlich aufs Oberdeck geschickt, wo man uns Softdrinks für 50.000 IDR andrehen wollte. Als wir dankend ablehnten, durften wir plötzlich doch wieder nach unten – 2. Klasse, quasi das Titanic-Gefühl ohne Orchester.

    Kaum angekommen, wurden wir sofort von einer Horde Einheimischer umzingelt, die uns Mofa, Taxi oder sonst irgendeinen Service verkaufen wollten – wahrscheinlich auch einen Friseurbesuch, wenn wir lange genug geblieben wären. Wir flüchteten direkt ins Schnorchel-Büro neben dem Hafen, bekamen unsere Ausrüstung und stiegen mit zwölf weiteren Leidensgenossen in ein kleines Schnellboot.

    Erster Spot: Mantas Bay. Der Guide sprang kurz ins Wasser, schaute sich um und kam mit der frohen Botschaft zurück: Heute keine Mantas. Dafür aber starker Wind, hohe Wellen und eine Strömung, die eher nach „Survival Training“ als nach Urlaub aussah. Also schnell weiter. Zweiter Spot: Crystal Bay. Der Name klingt vielversprechend – das Wasser leider nicht. Kristallklar war hier höchstens unsere Enttäuschung. Gamat Bay & Wall Point waren dann etwas besser: ein paar bunte Fische, ein bisschen Koralle. Aber ehrlich gesagt: weit entfernt von Labuan Bajo. Statt lebendiger Riffe sahen wir viele abgestorbene Korallen. Wahrscheinlich eine Mischung aus Massentourismus und Umweltverschmutzung. Wirklich schade. Nach zwei Stunden Schnorcheln ging es zurück. Kurz abduschen, umziehen und ab ins Auto.

    Unser Fahrer: Mr. Kadek, 28 Jahre alt, sieht aus wie 18, und einer der sympathischsten Menschen des Tages. Erste Station: Kelingking Beach. Eine spektakuläre Klippe, die weit ins Meer ragt, mit traumhaften Stränden und türkisblauem Wasser. Leider war der Spot so voll, dass man denken konnte, es gäbe dort kostenloses WLAN. Der Abstieg zum Strand dauert etwa 30 Minuten, ist extrem steil und fühlt sich an wie eine Mischung aus Fitnessstudio und Mutprobe. Vor ein paar Jahren begann man hier einen Aufzug zum Strand zu bauen – das Projekt wurde aber eingestellt. Vermutlich wegen Geldmangel oder Korruption, was laut Kadek auf der Insel leider nicht unüblich ist.

    Unterwegs begegnet man immer wieder Affen, die geschniegelt posieren, als wären sie die eigentlichen Inselbesitzer. Ehrlich gesagt: Sie benehmen sich auch so.

    Während der Fahrt erzählte Kadek weiter aus seinem Leben. Vor zehn Jahren gab es auf Nusa Penida weder Schulen noch ein Krankenhaus. Dank des Tourismus geht es den Menschen heute deutlich besser: Es gibt jetzt Schulen, ein Krankenhaus und sogar eine Straße – voller Schlaglöcher, aber immerhin befahrbar. Kadek hat sich Englisch selbst über Google beigebracht und ist froh, als Fahrer gutes Geld zu verdienen. Wenn er keinen Job hat, hilft er seinen Eltern auf der Plantage. In seinem Dorf leben etwa 100 Familien – und gefühlt kennt dort jeder jeden, inklusive aller Geheimnisse.

    Next stop: Broken Beach. Einer der beeindruckendsten Orte der Insel. Eine riesige, von den Wellen geformte Felsbrücke, die aussieht, als hätte die Natur hier ein Kunstwerk geplant. Dahinter liegt ein natürlich geschlossener, fast privater Strand – leider nur zum Anschauen. Schwimmen ist hier verboten, aber man kann einen kleinen Rundgang auf der Klippe machen und von oben staunen. Absolut spektakulär.

    Danach: Angel’s Billabong. Ein atemberaubendes Naturbecken direkt an der Klippe. Früher durfte man hier sogar schwimmen – bis es mehrere Unfälle gab. Die Wellen hier sind unberechenbar: Plötzlich kommen riesige Brecher, knallen auf die Schwimmer und ziehen sie gnadenlos ins offene Meer. Heute darf man nur noch schauen – was völlig reicht. Die Natur zeigt hier gleichzeitig ihre Schönheit und ihre Gewalt. Man sollte sie bewundern, respektieren und definitiv nicht herausfordern oder verschmutzen.

    Ein langer, anstrengender, manchmal chaotischer, aber definitiv unvergesslicher Tag.

  • Indonesien – Labuan Bajo – Roller fahren

    Roller, Linksverkehr und andere Abenteuer des gesunden Menschenverstands

    Gestern gegen Mittag beschlossen wir, die Insel zu erkunden – stilecht auf einem Roller. Nicht so ein harmloser Tretroller, nein, ein ausgewachsenes 150-ccm-Monster, das schon im Stand vermittelte: Ich vergebe keine Fehler.

    Entgegen sämtlicher Internetwarnungen wollte niemand meinen Führerschein sehen. Laut Gesetz eigentlich Pflicht, in der Praxis offenbar eher so eine Art unverbindliche Leseempfehlung. Kein Wunder also, dass hier alle fahren, als hätten sie gestern erst gelernt, freihändig zu laufen 😊😊

    Also rauf auf den Roller. Die ersten Meter waren… sagen wir: pädagogisch wertvoll. Immerhin hatte ich seit etwa zehn Jahren nicht mehr auf so einem Ding gesessen. Kaum lief es halbwegs rund, kam die nächste Herausforderung: Linksverkehr. Indonesien eben. Auch das lag ungefähr zehn Jahre zurück, damals in England – und das war mit Auto und nicht mit einem Gefährt, das bei Unsicherheit sofort beleidigt wirkt.

    Auf dem Weg zur Tankstelle (Tank war nur zu einem Viertel voll) wechselte ich an einer Kreuzung erstmal instinktiv nach rechts. Kleine Korrektur, kurzer innerer Monolog, dann links weiter. Ab da lief alles erstaunlich gut 😊


    Golo Miri – Weltpolitik trifft Beachclub

    Unser erstes Ziel: Golo Miri, ein Veranstaltungs- und Konferenzzentrum, das für den 42nd ASEAN Summit 2023 gebaut wurde. ASEAN ist eine regelmäßig stattfindende Konferenz südostasiatischer Staaten zu wirtschaftlichen, politischen und sozial-kulturellen Themen – also sehr ernst. Das Gelände dagegen wirkte wie eine Mischung aus Regierungsviertel, Naturpark und Instagram-Falle. Mehrere Hektar, ein riesiger Konferenzsaal, Amphitheater, Aussichtsdeck mit Blick über die Buchten, Beachclub – und natürlich ein Helipad auf dem Wasser, weil… warum nicht? Wahrscheinlich erklärt das auch, warum die Zufahrtsstraße perfekt ausgebaut war: echte Kreisverkehre, Entwässerung, alles. Luxus pur.

    Der Eintritt kostete 40.000 IDR (ca. 2 €), inklusive Getränk im Beachclub. Nach dem Eingang fuhren wir noch ein paar Minuten über die top ausgebaute Straße, die sich allerdings gelegentlich mit Affen und Ziegen teilte. Diese lagen völlig entspannt mitten auf der Fahrbahn. Hupen? Interessierte sie ungefähr so sehr wie uns die Frage nach ihrer Meinung.

    Vorbei an einem Hügel mit grandiosem Ausblick und einem Leuchtturm – der sich später als reine Attrappe entpuppte – kamen wir zum eigentlichen Konferenzzentrum. Der große Saal war wegen einer Veranstaltung gesperrt, aber Aussichtsdeck, Beachclub und Strand waren zugänglich.

    Eigentlich der perfekte Tagesabschluss: richtiger Ort, richtige Zeit. Leider hatten die Wolken andere Pläne. Aus dem Sonnenuntergang über dem Meer wurde nichts. Also Rückfahrt im Dunkeln – immerhin mit funktionierendem Licht, das wir bei der Anmietung extra überprüft hatten. Im Gegensatz zu diversen anderen Rollerfahrern, die offenbar auf Nachtsicht vertrauten.


    Google Maps und der rote Lehm des Scheiterns

    Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, starteten wir Richtung Norden zu ein paar Stränden und Aussichtspunkten. Anfangs alles gut: Straße, ein paar Regentropfen, entspannte Fahrt. Dann meldete Google Maps: „Sie sind fast da.“
    Wir waren im Nirgendwo.

    Erst neuer Asphalt, dann Schotter, dann Baufahrzeuge. Die Straße wurde zu einem Vorschlag, dann zu einer Idee und schließlich zu rotem Lehm. Da es weder Absperrungen noch Menschen, die uns aufhielten, gab, fuhren wir weiter – bis endgültig Schluss war.
    Der Strand würde eines Tages sicher angebunden werden. Heute nicht.

    Mit lehmverschmierten Schuhen und einem Roller, der aussah, als hätte er einen Feldversuch hinter sich, traten wir den Rückweg an. Unterwegs noch ein paar schöne Aussichtspunkte – leider teilweise ziemlich vermüllt. Aber man fotografiert ja bekanntlich den Horizont und nicht den Müll unter den eigenen Füßen 😊


    Sylvia Hill – Schweiß gegen Aussicht

    Nächstes Ziel: Sylvia Hill. Keine Ahnung, woher der Name kommt. Vielleicht ist hier irgendwann mal eine Sylvia abgestürzt? Harmlos war der Hügel jedenfalls nicht: etwa 100 Höhenmeter über steiniges Gelände, 31°C, pralle Sonne. Oben angekommen: ein sensationeller 360°-Rundblick. Berge im Norden und Süden, Strände, Meer und Inseln auf den anderen Seiten.

    Dann ein Dröhnen: Ein Flugzeug im Landeanflug. Im Südosten begann direkt am Hang die Start- und Landebahn des Flughafens. Vom Sylvia Hill aus konnte man beobachten, wie das Flugzeug zwischen den Hügeln verschwand.
    So anstrengend der Aufstieg war – der Ausblick machte alles wett.


    Ruhiger Abend? Natürlich nicht.

    Zurück in der Stadt wollten wir essen und einen ruhigen Abend verbringen. Dachten wir.
    Stattdessen dröhnte die ganze Nacht laute Musik vom Hafen durch die Stadt. Erst am nächsten Morgen klärte sich alles: Die Bevölkerung feierte den Jahrestag der Eigenständigkeit bzw. Unabhängigkeit. Ganz genau haben wir es nicht verstanden – aber gefeiert wurde gründlich. Zum nächsten Frühstück war es dann wieder ruhig.

  • Indonesien – Labuan Bajo

    Unsere Tagestour startet im Hafen von Labuan Bajo um 6:30 Uhr – natürlich standesgemäß mit dem Schnellboot. Erste Station nach etwa einer Stunde Fahrt: Padar Island. Dort heißt es erst mal schwitzen: Rund 100 Höhenmeter bei 31 Grad hochwandern, nur um den Aussichtspunkt zu erreichen. Klingt nach Folter, ist aber Therapie – denn die Aussicht ist jede Schweißperle wert. Von oben sieht man schwarze, pinke und weiße Strände gleichzeitig. Wobei der schwarze Strand leider eher „dunkelgrau mit Müll-Deko“ ist. Sehr schade. Wir Menschen sind wirklich unfassbar talentiert darin, schöne Orte zu ruinieren. Wenn jeder einfach seinen eigenen Müll im Griff hätte, wäre die Welt sofort ein besserer Ort. Aber gut, zurück zur Postkartenidylle.

    Zweiter Stopp: Pink Beach. ca. 15 Minuten weiter Fahrt. Der Name ist kein Marketing-Trick – der Strand ist tatsächlich rosa! Die Farbe stammt von ganz speziellen Korallen. Zusammen mit kristallklarem Meer, blauem Himmel und Sonne deluxe sieht es aus wie ein Photoshop-Bild. Oder wie das Paradies. Nur ohne WLAN.

    Dritter Stopp – und definitiv das Highlight des Tages: Komodo Island. Hier leben aktuell etwa 1.600 Komodowarane. Das sind riesige, kannibalische Echsen mit giftigen Drüsen im Kiefer. Sie fressen so ziemlich alles: Hirsche, Schweine, Vögel, Aas – und theoretisch auch Menschen. Sie können bis zu 20 km/h laufen und sehr gut schwimmen. Kurz gesagt: süß sind sie nicht. Deshalb dürfen wir den Nationalpark nur mit zwei Rangern betreten. Bewaffnung der Ranger: jeweils ein etwa 1,5 Meter langer Holzstock in Y-Form. Sehr beruhigend. Der erste Ranger erzählt ganz locker, dass früher mal ein Schweizer von einem Komodo gefressen wurde und es insgesamt 45 Angriffe auf Menschen gab. Ach ja, und er musste seinen Stock 3–4 Mal pro Woche einsetzen. Na dann. Regeln: Abstand halten. Keine ruckartigen Bewegungen. Nichts schwingen – weder Gegenstände noch Körperteile. Leise sein. Ruhig bleiben. Nicht sterben.

    Ich bin innerlich komplett gespalten: Auf der einen Seite will ich dieses vom Aussterben bedrohte Tier unbedingt sehen, auf der anderen Seite habe ich leichtes Herzrasen, einem giftigen Urzeitmonster in freier Wildbahn zu begegnen! Also schleichen wir los – ganz leise wie in Jurassic Park, lauschen jedem Geräusch, jedem Rascheln… und dann, sehen wir ihn. Ein Komodo! Ganz entspannt. Liegt einfach auf dem Boden. Als wäre er der Chef. Und wir nur Besucher.

    Der zweite Ranger ist so nett und hilft mir, ein paar Fotos von vorne zu machen. Ich hocke brav hinter dem Komodo in bestmöglichem, aber sicherem Abstand, während der andere Ranger mit erhobenem Y-Stock daneben Wache hält.
    Der Komodo selbst? Völlig entspannt.
    Kaum Interesse an uns. Wahrscheinlich war es einfach zu heiß, oder er hatte schon gut gefrühstückt – oder ich sehe schlicht nicht besonders lecker aus. Auch eine Form von Glück.
    Später entdecken wir noch einen zweiten Komodo unter einem Steg. Dieser ist noch größer und hat sich extra ein kühles Schattenplätzchen ausgesucht. Fotografieren ist schwierig, aber ehrlich gesagt bin ich auch ganz froh, ihn nur halb zu sehen – Sicherheit geht vor Instagram.
    Huh … ich bin überglücklich.
    Lebend.
    Mit Fotos.
    Und ohne Komodo-Biss. 🦎✨

    Nach einem sehr einfachen Mittagessen auf Komodo Island (nennen wir es: funktional) geht es weiter – wieder ab ins Schnellboot. Diesmal mit voller Schnorchel-Ausrüstung und einem ambitionierten Plan: drei Spots, drei Mal Glück.

    Erster Spot: Taka Makassar Island. Kaum Strömung, perfekte Bedingungen. Wir können ganz entspannt fast eine Stunde schnorcheln, bunte Fische zählen und Korallen bestaunen. Das Wasser ist so warm und angenehm wie eine Badewanne – nur schöner und ohne Quietsche-Ente.

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    Zweiter Spot: Manta Point. Und plötzlich ist alles anders. Hier ist das Meer über 70 Meter tief, die Strömung stark, und die Mantas schwimmen natürlich immer gegen die Strömung. Das Prinzip ist einfach – zumindest theoretisch: Sobald wir Mantas sehen, springen wir so schnell wie möglich ins Wasser, schwimmen mit ihnen, so lange es geht, und sobald uns die Strömung wegträgt, verfolgt uns das Boot, um uns irgendwo mitten im Ozean wieder einzusammeln. Kurz gesagt: Glück + Adrenalin + Chaos. Ich bin mehr als bereit! Kaum gibt der Kapitän das Kommando, springe ich ins Wasser – und dann: Direkt unter mir, vielleicht zwei Meter entfernt, tauchen vier riesige, schwarze Mantas auf. Sie gleiten elegant und lautlos durchs Wasser, fast wie fliegende Flugzeuge. Meine Augen werden riesig, innerlich schreie ich nur: WAAAWOOO! Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich solche Tiere hautnah im Meer – und es ist einfach Wahnsinn. Wir schwimmen noch ein paar Minuten gegen die Strömung, dann ziehen die Riesen weiter. Show vorbei. Zeit fürs Boot. Alles zusammen hat vielleicht fünf Minuten gedauert – gefühlt aber eine Ewigkeit. Leider hat Michael wegen seiner Ausrüstung das perfekte Zeitfenster verpasst und die Mantas hier nicht gesehen. Aber: Das Glück kommt zurück. Dritter Spot: Pulau Siaba Besar. Und tatsächlich: Zwei Mantas kreisen gemütlich an einer Stelle. Diesmal haben wir genug Zeit, sie in Ruhe zu beobachten – und mit der GoPro ein paar richtig tolle Aufnahmen zu machen. Total faszinierend.

    Ein perfekter Abschluss für einen Tag, der sich anfühlt wie Naturdoku + Abenteuerfilm in einem. 🐋✨