Indonesien – Nusa Penida

Heute haben wir einen Tagestrip deluxe gemacht – mit allem, was dazugehört: drei Schnorchelspots, drei Sehenswürdigkeiten und ungefähr hundert kleine Abenteuer.

Um 6:20 Uhr wurden wir vom Hotel abgeholt. Von westlichem Kuta bis zum östlichen Hafen Sanur dauert die Fahrt etwa 40 Minuten – zumindest laut Google. In der Realität hängt das stark davon ab, wie viele Rollerfahrer glauben, sie seien unsterblich.

In Sanur bekamen wir ein Hin- und Rückfahrt-Schnellbootticket für 7:30 Uhr. Die Überfahrt dauerte ebenfalls rund 40 Minuten. Erstaunlich viele Leute hatten die gleiche brillante Idee wie wir, heimlich früh morgens nach Nusa Penida zu fliehen. Das Ticket kostete übrigens nur 5–7 Euro – fast billiger als ein Kaffee am Flughafen. Beim Einsteigen wurden wir erst feierlich aufs Oberdeck geschickt, wo man uns Softdrinks für 50.000 IDR andrehen wollte. Als wir dankend ablehnten, durften wir plötzlich doch wieder nach unten – 2. Klasse, quasi das Titanic-Gefühl ohne Orchester.

Kaum angekommen, wurden wir sofort von einer Horde Einheimischer umzingelt, die uns Mofa, Taxi oder sonst irgendeinen Service verkaufen wollten – wahrscheinlich auch einen Friseurbesuch, wenn wir lange genug geblieben wären. Wir flüchteten direkt ins Schnorchel-Büro neben dem Hafen, bekamen unsere Ausrüstung und stiegen mit zwölf weiteren Leidensgenossen in ein kleines Schnellboot.

Erster Spot: Mantas Bay. Der Guide sprang kurz ins Wasser, schaute sich um und kam mit der frohen Botschaft zurück: Heute keine Mantas. Dafür aber starker Wind, hohe Wellen und eine Strömung, die eher nach „Survival Training“ als nach Urlaub aussah. Also schnell weiter. Zweiter Spot: Crystal Bay. Der Name klingt vielversprechend – das Wasser leider nicht. Kristallklar war hier höchstens unsere Enttäuschung. Gamat Bay & Wall Point waren dann etwas besser: ein paar bunte Fische, ein bisschen Koralle. Aber ehrlich gesagt: weit entfernt von Labuan Bajo. Statt lebendiger Riffe sahen wir viele abgestorbene Korallen. Wahrscheinlich eine Mischung aus Massentourismus und Umweltverschmutzung. Wirklich schade. Nach zwei Stunden Schnorcheln ging es zurück. Kurz abduschen, umziehen und ab ins Auto.

Unser Fahrer: Mr. Kadek, 28 Jahre alt, sieht aus wie 18, und einer der sympathischsten Menschen des Tages. Erste Station: Kelingking Beach. Eine spektakuläre Klippe, die weit ins Meer ragt, mit traumhaften Stränden und türkisblauem Wasser. Leider war der Spot so voll, dass man denken konnte, es gäbe dort kostenloses WLAN. Der Abstieg zum Strand dauert etwa 30 Minuten, ist extrem steil und fühlt sich an wie eine Mischung aus Fitnessstudio und Mutprobe. Vor ein paar Jahren begann man hier einen Aufzug zum Strand zu bauen – das Projekt wurde aber eingestellt. Vermutlich wegen Geldmangel oder Korruption, was laut Kadek auf der Insel leider nicht unüblich ist.

Unterwegs begegnet man immer wieder Affen, die geschniegelt posieren, als wären sie die eigentlichen Inselbesitzer. Ehrlich gesagt: Sie benehmen sich auch so.

Während der Fahrt erzählte Kadek weiter aus seinem Leben. Vor zehn Jahren gab es auf Nusa Penida weder Schulen noch ein Krankenhaus. Dank des Tourismus geht es den Menschen heute deutlich besser: Es gibt jetzt Schulen, ein Krankenhaus und sogar eine Straße – voller Schlaglöcher, aber immerhin befahrbar. Kadek hat sich Englisch selbst über Google beigebracht und ist froh, als Fahrer gutes Geld zu verdienen. Wenn er keinen Job hat, hilft er seinen Eltern auf der Plantage. In seinem Dorf leben etwa 100 Familien – und gefühlt kennt dort jeder jeden, inklusive aller Geheimnisse.

Next stop: Broken Beach. Einer der beeindruckendsten Orte der Insel. Eine riesige, von den Wellen geformte Felsbrücke, die aussieht, als hätte die Natur hier ein Kunstwerk geplant. Dahinter liegt ein natürlich geschlossener, fast privater Strand – leider nur zum Anschauen. Schwimmen ist hier verboten, aber man kann einen kleinen Rundgang auf der Klippe machen und von oben staunen. Absolut spektakulär.

Danach: Angel’s Billabong. Ein atemberaubendes Naturbecken direkt an der Klippe. Früher durfte man hier sogar schwimmen – bis es mehrere Unfälle gab. Die Wellen hier sind unberechenbar: Plötzlich kommen riesige Brecher, knallen auf die Schwimmer und ziehen sie gnadenlos ins offene Meer. Heute darf man nur noch schauen – was völlig reicht. Die Natur zeigt hier gleichzeitig ihre Schönheit und ihre Gewalt. Man sollte sie bewundern, respektieren und definitiv nicht herausfordern oder verschmutzen.

Ein langer, anstrengender, manchmal chaotischer, aber definitiv unvergesslicher Tag.

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