Autor: Micha

  • Neuseeland – Tongarriro & Rotorua

    31.03.2026: Heute ging es von Wellington in den Tongariro Nationalparrk. Die Fahrt dauerte über 4 Stunden – genug Zeit, um sich gedanklich schon mal in die Berge zu träumen. Unterwegs machten wir Halt beim „Hapuawhenua Viaduct“ – oder einfach: der Brücke, auf der man Schwindelfreiheit trainieren kann. Die gesamte Wanderung dorthin dauerte inklusive Fotostop rund 100 Minuten. Und wir waren endlich mal völlig allein an einem Sightseeing-Spot.

    Dieses Viadukt stammt aus dem Jahr 1908 und ist eine von wenigen noch erhaltenen Stahlbinder-Konstruktionen Neuseelands. Besonderheit: es ist nicht gerade, sondern leicht gebogen – ästhetisch ein Traum, für die Ingenieure damals eher ein 284 m langer und 45 m hoher Alptraum. Wegen des engen Radius durfte die Eisenbahn hier nur mit 20 mph (ca. 32 km/h) über die Brücke flitzen. 80 Jahre später wurde das Viadukt wegen der gestiegenen Anforderungen nebenan eine nicht so ansehnliche Stahlbeton-Konstruktion für die Züge gebaut.

    Heute steht die alte Schönheit still und ist Teil eines Wanderweges durch den Tongariro Nationalpark … die Schienen sind weg, aber wir durften auf den Schwellen balancieren und 45 Meter in die Tiefe schauen. Praktisch: der Abstand zwischen den Schwellen beträgt nur 15 cm – also höchstens ein Fuß drin, aber kein ganzer Mensch. 😉Übrigens: Nach der Stillegung diente das Viadukt zeitweise sogar als Bungee-Jumping-Spot.

    01.04.2026: Nach der ersten Übernachtung im Tongariro Nationalpark wanderten wir nach dem Frühstück zu den „Tama Lakes“. Upper und Lower Tama Lake sind zwei Kraterseen mit atemberaubend blauem Wasser. Die Wanderung: ca. 17 Kilometer und 540 Höhenmeter, inklusive Verpflegungspause etwa 6 Stunden.

    Der Weg führt teils über Stock und Stein, während ein kalter Wind durch die Berge pfeift. Also: gute Wanderschuhe und wetterfeste Kleidung Pflicht! Überraschung unterwegs: immer wieder Toilettenhäuschen – in den Bergen! Wir waren beeindruckt.

    Unterwegs kamen wir auch an den „Taranaki Falls“ vorbei, einem 20 Meter hohen Wasserfall. Zum Glück führte er genügend Wasser, sodass er nicht aussah wie ein vertrockneter Gartenschlauch.

    02.04.2026: Weiter ging die Reise nach Rotorua. Kurz nach der Abfahrt hielten wir bei den „Tawhai Falls“, einem hübschen, aber eher unspektakulären Wasserfall, erreichbar in etwa 10 Minuten von der Straße. Danach zum „Lake Taupo“, einem Kratersee eines vor rund 26.000 Jahren kollabierten Vulkans und der größte See Neuseelands.

    Traumwetter, also langer Spaziergang am See. Unterwegs stießen wir auf einen „Wasser-Golfplatz“. Abschlag auf einer Terrasse am Ufer, die „Holes“/Löcher auf einer schwimmenden Plattform 104 Meter entfernt. Bei der „Hole in One Challenge“ winkten bis zu 10.000 NZD – da konnten wir natürlich nicht widerstehen. 30 Bälle gekauft, Schläger geschnappt, erster Schlag: 15 Meter ins Wasser – immerhin war er sichtbar! Die nächsten Schläge kamen zwar näher an die Plattform, aber nicht in die richtige Richtung. Einige Bälle purzelten vom Ufer ins Wasser, andere direkt daneben. Ein Held im knallgelben Helm fischte mit einem Kescher alle Bälle aus dem See – Hardcore-Recycling.

    Nach diesem Abenteuer fuhren wir zu den „Huka Falls“, 15 Meter hohe, kristallblaue Wassermassen (220 m³ pro Sekunde), die sich aus einem 15 Meter breiten Canyon vulkanischen Ursprungs stürzen. Laut, beeindruckend und spektakulär – ein richtiges Naturkonzert! Anschließend Weiterfahrt nach Rotorua.

    03.04.2026: Rotorua – Stadt mitten auf der Nordinsel, berühmt für geothermische Aktivitäten und die Maori-Kultur. Überall Dampf, überall heißes Wasser, und der Geruch erinnert an faule Eier – willkommen im Schwefelparadies!

    Am Morgen machten wir einen Spaziergang am „Sulphur Point“, einem Teil des Rotorua-Sees, geprägt von Geothermie. Gase (hauptsächlich Schwefel) und heißes Wasser steigen auf – schwimmen verboten, die 100°C wollen wir nicht testen.

    Wir suchten anschließend einen kostenlosen Aussichtspunkt für den „Pohutu Geysir“. Google führte uns direkt ins „Whakarewarewa – The Living Maori Village“, wo Führungen gegen Geld angeboten werden. Glück gehabt: jemand schenkte uns auf dem Parkplatz ein Ticket im Wert von 55 NZD. Somit mussten wir nur noch ein Ticket kaufen – ein echtes Schnäppchen!

    Die Tour brachte uns die Maori-Kultur inkl. Maori-Sprach (Te Reo Maori) Crashkurs näher. Heute leben die Maori hier modern, mit Strom, Heizung und Autos – aber Traditionen wie Tanz, Gesang und Stammesrituale werden gepflegt. Über einem heißen Erdofen gab es Maiskolben – mit Salz überraschend lecker. Danach ging es an verschiedene heiße Quellen und Badebecken.

    Der „Pohutu Geysir“ (Te Puia) spuckte bis zu 10 Meter hoch, manchmal sollen es sogar 30 sein (heute nicht), und gilt als größter Geysir der südlichen Hemisphäre. Kleinere Geysire (Kereru und Te Tohu, benannt nach den Prince of Wales, heute King Charles III.) spucken nur 1 Meter hoch oder heißen Dampf. Wir beobachteten das Spektakel etwa 20 Minuten, während wir unsere Brotzeit genossen. Anschließend marschierten wir dann doch noch zum kostenlosen Aussichtspunkt – die Geysire waren weit entfernt, aber für den Blick auf Stadt und Landschaft lohnte sich der einstündige Marsch.

    04.04.2026: Gegenüber unserer Unterkunft lag der „Kuirau Park“ mit heißen Pools, blubbernden Schlammlöchern und einem Samstagsmarkt mit Maori-Handwerkskunst und Leckereien. Da wir zuvor gut gefrühstückt hatten, mussten leider auf die Köstlichkeiten verzichten. Aber dafür hatten wir aber ein 40°C-Fußbad in einer heißen Quelle. Plätze am Beckenrand waren heiß umkämpft – wortwörtlich.

    Mittags dann zum „Redwood Forest“: mit kalifornischen Redwoods die hier ab 1901 angepflanzt wurden. Über 120 Jahre alte Bäume, bis zu 75 m hoch, einige mit 2 m Durchmesser. Der ursprüngliche Wald mit riesigen 2000 Jahre alten Bäume (bis 6 m Durchmesser und 120 m Höhe) war durch kommerzielle Forstwirtschaft abgeholzt worden. Auf dem „Whakarewarewa Forest Treewalk“ wanderten wir 40 Minuten über 28 Hängebrücken in bis zu 20 m Höhe – alles mit Nylon-Lastschlaufen an den Bäumen befestigt, kein Bohren oder Schrauben an den Bäumen. Öko-Abenteuer deluxe!

    Am Abend haben wir noch eine kostenlose heiße Quelle besucht. Das Wasser im Bach war zunächst zu heiß, also liefen wir ein paar Meter, bis es angenehm bei ca. 35°C war. Unter einem kleinen Wasserfall sprangen wir ins warme Wasser – ein bisschen Schwefelduft in der Luft, Dampf wie im Winter-Freibad, und unsere Haut fühlte sich danach seidenweich an – Wellness mit Abenteuer-Bonus.

    Nächster Stop: Hobbiton – das Filmset aus den „Herr der Ringe“ und „Hobbit“-Filmen. Hobbitfüße bereitmachen! 🧙‍♂️

  • Neuseeland – Wellington

    28.03.2026: Heute ging es per „Kurz“-Flug nach Wellington, der Hauptstadt von Neuseeland auf der Nordinsel. Fähre: 3,5 Stunden. Flug: 30 Minuten. Preis? Gleich teuer – eine dieser Entscheidungen, bei denen man sich fragt, ob man gerade den Flugzeugfreak oder den Fährenliebhaber in sich weckt.

    Am Flughafen gelandet, schnell mit dem Bus ins Hotel gejumpt und gleich mal das Stadtleben erobert. Und zack, Glück gehabt! Es fand das „CubaDupa“-Festival statt. Ein Straßenfest, bei dem sich Kunst, Theater, Tanz, Musik und kulinarische Genüsse in bunten Farben die Hand geben. Überall Bühnen, Foodtrucks aus der ganzen Welt und Menschen in allen Formen und Farben. Wir haben uns durch die Straßen treiben lassen, bis wir endlich das perfekte Essen gefunden hatten – für den hungrigen Entdecker eine wahre Offenbarung. Nach der Magenberuhigung haben wir uns noch ein bisschen durch die Straßen treiben lassen und das Festival in vollen Zügen genossen.

    29.03.2026: Heute standen die Sehenswürdigkeiten der Stadt auf dem Plan. Zuerst ging’s zur Hafenpromenade und zum „Wellington Sign“ – dieser riesige Schriftzug, bei dem man das „I“ in „Wellington“ ersetzen kann. Wir mussten kurz warten, weil auch andere die perfekte Instagram-Pose suchten – das durchwachsene Wetter hielt die Massen nicht ab. Endlich waren wir dran und schnappte unsere Bilder.

    Direkt daneben stand eine Statue, die aussah, als würde sie jeden Moment ins kalte Wasser springen.

    Ein paar dramatische „Rettungsversuche“ später, ging es weiter zum Mount Victoria – ein Aussichtspunkt über der Stadt. Über steile Treppen und Pfade kraxelten wir auf den Gipfel. Der Blick von oben? Ein 360°-Panorama! Auf der einen Seite der Flughafen – der wirklich aussieht, als könnte man bei einer zu fürhen oder zu verspäteten Landung direkt im Meer landen. Auf der anderen Seite der Hafen mit den Fähren und einem riesigen Container-Terminal. Wahrscheinlich nicht der beste Ort, um eine Brise zu schnappen, aber hey, schöne Aussicht!

    Am späten Nachmittag zurück im Hotel, haben wir uns der Detailplanung für die nächste Station gewidmet. Aber dazu später mehr – ich will euch ja nicht zu früh spoilern.

    30.03.2026: Nach einem entspannten Frühstück holten wir unseren Mietwagen ab (für die nächsten 3 Wochen durch Neuseeland!) und fuhren zur „Weta Workshop Experience“. Hier konnte man richtig „Herr der Ringe“-Luft schnuppern – auch wenn wir die Ausstellung ausließen, standen draußen immerhin drei riesige Trolle, die in der Hobbit-Trilogie mitmischten. Natürlich haben wir uns mit den Kerlchen ablichten lassen. Wer kann schon widerstehen, neben einem Troll zu posieren?

    Weiter ging’s zum „Otari Wilton’s Bush“, einem Park, in dem die Vögel so laut zwitschern, dass man denkt, der ganze Wald ist ein einziger Kaffeeklub. Und dann – der Hammer: Wir entdeckten einen Aal im Bach. Ein Monster von einem Aal! Mindestens einen Meter lang und so dick wie der Oberarm von Arnold Schwarzenegger! 😉 Ich sag’s mal so: Der hätte locker den Weltrekord im „größter Aal“ gewonnen.

    Wir haben weitergeforscht und viele weitere Vögel entdeckt, unter anderem den „Tui“ – der Gesangsmeister des Waldes. Dieser Vogel hätte wahrscheinlich den ersten Platz in einem Neuseeland-Casting-Show gewonnen.

    Es ging weiter, und wir landeten im Botanischen Garten, wo Bäume und Pflanzen standen, die teilweise mehrere hundert Jahre alt waren. Die Vögel gaben hier natürlich auch ihren Senf dazu. Wir entdeckten „Kaka’s“, eine ziemlich schreiende Papageienart, die über uns ein Konzert gaben, das einen Fischmarkt in Hamburg blass aussehen ließ. Und dann, ein echter Höhepunkt: „Kereru’s“ – diese riesigen Tauben flogen durch die Bäume und ließen sich im Park nieder. Ganz zum Schluss schwirrten kleine „Piwakawaka Fantail’s“ um uns herum, die mit ihren schwarz-weiß glänzenden Fächer-Schwänzen beeindrucken wollten. Kurz gesagt: Der Park war ein echtes Vogelparadies – und wir als begeisterte Vogelbeobachter waren voll in unserem Element.

    Morgen geht es weiter in den Tongariro National Park. Es bleibt also spannend.

  • Australien – Fazit aus unserer Sicht

    Land und Leute:

    Australien ist wirklich faszinierend. Sowohl die Landschaften und Pflanzen, als auch die einzigartigen Tiere. Je nach Bundesstaat (oder besser gesagt: Nord, Ost, Süd, West oder Mitte) gibt es hier unterschiedliche Klimazonen. Wir haben fast alles erlebt: Gemäßigtes Klima im Süden (ähnlich Deutschland), trophisch und subtrophisch im Norden und Osten (mit Regenwald und feuchtwarmer Luft), und Wüste in der Mitte (mit sehr trockener, heißer Luft).

    Besonders begeistert waren wir von den vielen Tieren, die man entweder mit etwas Glück in der freien Natur oder in Wildgehegen/Zoo’s entdecken kann. Kängurus, Wallabies (die kleinen Vertreter der Kängurus), Wombats, Dingos und Schlangen, um nur ein paar zu nennen. Im Osten gibt es auch Bananenplantagen und riesige Zuckerrohrfelder, welche wahrscheinlich in der Zeit der Kolonialisierung eingeführt wurden. Es gibt riesige Rinderfarmen in der Mitte (welche sich über mehrere Dutzend Hektar erstecken) und Weingebiete im Süden. Weiße Strände und blaues Meer gibt es massig entlang der Küste. Wobei es je nach Jahreszeit im Süden etwas kalt zum Baden sein kann. Das Great Barrier Reef sollte man kennen und ggf. auch mit einem Tauch- oder Schnorchelausflug besuchen.

    Öffentliche Einrichtungen wie Museen und Ausstellungen sind oft kostenlos. Es gibt fast überall kostenlose öffentliche Toiletten, meistens sehr sauber. Da kann sich Deutschland mal eine Scheibe abschneiden. An den Steuereinnahmen liegt es scheinbar nicht, den Australien verwendet die Steuereinnahme eher für die eigene Bevölkerung, statt es in alle Welt und an jeden zu „verschenken“

    Die Australier sind meistens sehr freundlich, locker („no worries“) und hilfsbereit. Aufgrund der Landessprache ist die Verständigung auf Englisch ein Kinderspiel 😉Die Aboriginals, wenn man mal welche sieht, sind manchmal etwas unhöflich und grantig (wie man in Bayern sagt). Aber auch hier gibt es wie überall Ausnahmen. Sie werden auch 200 Jahre nach der Kolonialisierung noch oft ausgegrenzt, was sich auch in ihrer Haltung gegenüber den „Eingewanderten“ und Touristen zeigt. Auch haben viele Australier (nicht nur die Aboriginals) ein Alkoholproblem. Am Straßenrand immer Schilder, die vor Alkoholkonsum warnen und Alkoholkontrollen am Straßenrand. So viele habe ich trotz mehr Verkehr in Deutschland in so kurzer Zeit und am helllichten Tag noch nie gesehen. Dazu aber später noch etwas mehr. In Australien gibt es ca. 27 Mio. Einwohner welche sich hauptsächlich in großen Städten wie Sydney, Melbourne oder Adelaide entlang der Küstenlinie angesiedelt haben. Ansonsten viele kleinere Ortschaften, teilweise nur mit einem Dutzend Einwohner. Ein besonderer Fakt ist die Hauptstadt: Canberra, weder die größte noch schönste Stadt in Australien, wurde im Landesinneren aus dem Boden gestampft um keine Stadt wie Sydney oder Melbourne zu bevorzugen bzw. einen Wettbewerb/Streit zu verhindern.

    Verkehr:

    Hier herrscht Linksverkehr, was gerade in Städten, an Kreuzungen und Kreisverkehren zu anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten führen kann. Auch ist logischerweise bei Mietwagen oder Campern das Lenkrad auf der „falschen“ Seite 😉 Wegen der anderen Sitzposition neigt man dazu anfangs zu weit links am Straßenrand zu fahren. Aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte ist der Verkehr überschaubar. In den großen Städten etwas mehr, aber kein Vergleich zum München oder Berlin. Brisbane ist hier etwas anders. Hier ist es sehr eng aufgrund der Hügel in und um die Stadt. Große Kreuzungen sind oft unübersichtlich. Man muss sich früh einordnen, wenn man oder auch GoogleMaps weiß wohin man will. Oft gibt es Straßen, die sich über- oder untereinander kreuzen, was die Orientierung etwas schwer macht. Ein paar Mal sind wir falsch abgebogen, was uns in Sydney oder Melbourne nie passiert ist. Auf dem Land ist man fast allein unterwegs … im Outback kann es schon mal sein, dass man 1 Stunde fährt ohne andere Autofahrer zu treffen. An den Straßenrändern immer Schilder mit Ausschriften wie „Don’t drink and drive“, „Drink Drive. Selfish Prick.„, „Take a break – Fatigue kills“ oder „Stock crossing“. Natürlich wird auch immer vor Kängurus, Wombats oder in einigen Regionen vor Kasuaren und Emu‘s auf der Straße gewarnt.

    Zugverbindungen gibt es an der Küste vereinzelt, diese haben wir aber nicht genutzt. Von Süd nach Nord (quer durchs Outback) gibt es den GHAN, eine luxuriöse Zugverbindung, die man mindestens 6 Monate, wenn nicht sogar 1 Jahr, vorher buchen sollte (wenn man genügend Kleingeld hat 😉). In den großen Städten gibt es einen guten ÖPNV. Wir sind in Sydney, Brisbane und Adelaide oft mit örtlichem Bus und Zug gefahren, was auch relativ günstig ist. Man kann hier einfach per „Tap n Go“ kontaktlos (NFC) mit Kreditkarte oder Handy im Bahnhof/Zug, im Bus oder auch die Fähre bezahlen, was sehr bequem ist. Keine Automaten, kein Tarif-Wirrwarr. In Melbourne empfiehlt sich eine „MyKi“-Card, mit der man günstig und auch per Tap den Bus oder Zug bezahlen kann.

    Um da Land richtig zu erkunden, empfiehlt es sich ein Wohnmobil (es gibt Massen von Touristen die mit Campern in Australien unterwegs sind) oder zumindest einen Mietwagen zu buchen. Mietwagen kann man eher kurzfristig (1 Woche im voraus) buchen. Bei Wohnmobilen sieht es etwas anders aus. Diese sollte man wegen der Verfügbarkeit und der Preise mindestens 3 Monate vor Start reservieren. Wir hatten 1,5 Monate im Voraus nicht mehr die volle Auswahl und mussten deshalb upgraden und mehr bezahlen. Generell empfiehlt sich auf die Versicherung zu achten. Es gibt nur eine Basisversicherung mit hoher Selbstbeteiligung. Das All-inklusive-Paket kostet deutlich mehr. Wir haben sowohl Mietwagen als auch unseren Camper über Vergleichsportale (Mietwagen z.B. Ch…24 oder AutoEuro… / Camper z.B. Ch…24 bzw. CampStar) gebucht. Das war etwas günstiger als über die direkte Vermietung und man konnte günstiger eine Zusatzversicherung (mit Rückerstattung der Selbstbeteiligung) für eventuelle Schäden abschließen.

    Geld und Kosten:

    Der Wechselkurs war in Australien war ungefähr 1 Euro : 1,5 Australische Dollar. Hier empfiehlt sich generell die Kartenzahlung. Was zwar manchmal mit 1,5% Gebühren „belohnt“ wird, aber noch günstiger ist als Geld zu Tauschen oder am Bankautomaten zu ziehen. Wir hatten 100 AUD, welcher wir am Ende noch irgendwie ausgeben mussten.

    Hotels in Sydney waren gerade zum Jahreswechsel extrem teuer, so etwas auf Oktoberfest-Niveau. Aber das war irgendwie eingeplant. Wann hat man schon mal die Chance Silvester am anderen Ende der Welt und am Sydney Harbour mit Oper im Hintergrund zu Feiern. Mal abgesehen von Sydney im großen Apartment für 200 €/Nacht und Yulara (mitten im Outback für 160€/Nacht), waren die Preise ohne Frühstück bei ca. 60 € – 80 € im 4* Hotel relativ erschwinglich. Auch hier hilft wieder der Preis-Check mit verschiedenen Vergleichsportalen.

    Einkaufen und Essen war etwas günstiger Deutschland, wobei Alkohol, aber auch Wasser in Flaschen deutlich teurer ist als in Deutschland. Flasche Bier etwas 3 AUD (2 €) für 0,33 Liter … wobei man das nicht im Supermarkt, sondern nur bei lizensierten Händlern bekommt. Liegt wohl daran, das Australien ein Alkoholproblem hat und die Alkoholsteuer sehr hoch ist. In Bars und Restaurants kann das „kleine“ Bier schon mal 15 AUD kosten. Das günstigste Flaschenwasser kostet etwa 0,5 € pro Liter. Etwas günstiger sind hier 5 oder 10 Liter Kanister mit integriertem Zapfhahn. Aber immer noch mindesten 50% teurer als in Deutschland.

    Taxis sind etwas günstiger als in Deutschland, wobei man hier auch Uber nutzen kann. Wir haben einmal 14 € für 4 Kilometer mit dem Taxi bezahlt. Mit Uber kostete der Flughafentransfer etwas 14 AUD für 6 Kilometer. Also etwas günstiger als ein normales Taxi. In den großen Städten waren wir mit Bus und Bahn unterwegs. In Sydney waren es ca. 2 € pro Fahrt (max. 50 AUD/33 € pro Woche). In Melbourne und Adelaide waren die Preise ähnlich. In Brisbane gab spezielle Tarife für 0,5 AUD pro Fahrt, was über die Woche verteilt sehr günstig war. Teilweise sind wir den halben Tag Fähre gefahren 😉

  • Australien – Queensland – Brisbane

    Die letzten Tage unserer Australienreise wollten wir nutzen, um Brisbane noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Stadt wird gern als Stadt der 20 Brücken bezeichnet – und angeblich hat sie sogar mehr Hügel als Rom. Wir haben sie nicht gezählt, aber nach ein paar Tagen zu Fuß fühlte sich diese Behauptung durchaus glaubwürdig an.

    Parkspaziergang mit Echsen-Begegnung

    Am ersten Tag starteten wir direkt vom Hotel Richtung Roma Street Parkland. Einer der vielen Parks der Stadt – und definitiv keiner von der langweiligen Sorte. Besonders beeindruckend ist dort der Spectacle Garden: Wasserkaskaden, kleine Brücken, Fontänen und jede Menge exotische Pflanzen.

    Und dann wären da noch die Wasseragamen. Diese Echsen können bis zu 90 cm lang werden und scheinen den Park als ihr persönliches Wohnzimmer zu betrachten. Alle paar Meter saß eine auf einem Stein, lag mitten auf dem Weg oder planschte im Wasser. Nach kurzer Zeit gewöhnt man sich daran – und passt gleichzeitig etwas besser auf, wohin man tritt.

    Vom Park ging es weiter zum Brisbane River, der sich in großzügigen Schleifen durch die Stadt windet. Am Ufer liegt der CBD (Central Business District), wo die Wolkenkratzer die Skyline bilden.

    Wir schlenderten am Fluss entlang und überquerten die hübsche Fußgängerbrücke zur anderen Seite – Richtung Kangaroo Point Cliffs und CT White Park. Dort gibt es mitten in der Stadt eine 20 Meter hohe Felswand, an der man tatsächlich klettern kann.

    Wir fanden die Idee großartig – und beschlossen, sie aus sicherer Entfernung zu bewundern.

    Nachtleben der Tiere

    Auf dem Rückweg wurde es dunkel und Brisbane zeigte sich von seiner schönsten Seite: beleuchtete Brücken, tausende leuchtende Fenster in der Skyline und jede Menge Fotomotive.

    Nach einem Abstecher in ein chinesisches Restaurant liefen wir wieder durch den Park zurück. Plötzlich kreisten über uns dutzende Flughunde mit über einem Meter Flügelspannweite. Ein bisschen fühlte man sich wie in einem Batman-Film.

    Und dann raschelte es im Gebüsch. Erster Gedanke: Katze. Zweiter Blick: Moment… Katze mit komischem Schwanz?

    Es stellte sich heraus, dass wir einem Brushtail Possum begegnet waren – auf Deutsch Fuchskusu. Ein kleines nachtaktives Beuteltier, das uns kurz musterte und dann elegant auf einen Baum verschwand. Australien eben!

    Die billigste Stadtrundfahrt der Welt

    Am nächsten Tag ging es wieder zum Fluss, diesmal für eine Fahrt mit der CityCat Ferry. Für sagenhafte 0,50 AUD fährt diese Fähre quer durch die Stadt.

    Allein dafür lohnt sich die Fahrt schon – die Perspektive auf Brisbane vom Wasser aus ist großartig.

    Unser Ziel: das South Bank Parklands. Dort schlenderten wir zuerst zur Nepalese Peace Pagoda, einer komplett aus Holz gebauten Pagode aus der Zeit der World Expo 88.

    Danach ging es zum Wheel of Brisbane, der kleinen Schwester des London Eye. Kurz überlegt – und schon saßen wir im Riesenrad und schwebten ein paar Runden über der Stadt.

    Natürlich wollten wir auch ein Foto beim berühmten Brisbane Sign machen. Allerdings schienen 50 Brisbane-Touris dieselbe Idee gehabt zu haben. Manche Besucher machten gefühlt 1000 Fotos in 37 verschiedenen Posen. Mit Geduld und leichtem Ellenbogeneinsatz bekamen auch wir unser Bild.

    Zurück zum Hotel ging es natürlich wieder zu Fuß. Unser Schrittzähler zeigte täglich 15.000 bis 20.000 Schritte an und wir hatten das Gefühl, dass er uns inzwischen respektvoll salutiert.

    Villen, Fähren und Stadtstrand

    Ein paar Tage später nahmen wir wieder die Fähre, diesmal von den Howard Smith Wharves aus – früher ein Schiffsumschlagplatz, heute ein Hotspot für Restaurants und Bars.

    Die Fahrt führte vorbei an Villen mit Yachten davor und alten Lagerhäusern mit der Aufschrift „Wool Storage“. Diese Warenhäuser stammen aus dem frühen 20. Jahrhundert und wurden später zu modernen Apartments umgebaut – mit originaler Fassade.

    Am Ende der Strecke gab es einen kurzen Schichtwechsel der Fährcrew, und schon ging es wieder zurück. Für 0,50 AUD kann man schließlich ruhig noch eine Runde drehen.

    Mit der Fähre wieder am anderen Teil des Southbank-Parks angekommen entdeckten wir dort außerdem etwas ziemlich Verrücktes: eine Poolanlage mit Sandstrand mitten in der Stadt. Familien planschten im Wasser, Kinder bauten Sandburgen und zwischen kleinen Regenwaldbächen liefen – natürlich – wieder Wasseragamen herum.

    Man musste wirklich aufpassen, nicht versehentlich auf eine zu treten.

    Salsa in Australien

    Abends gingen wir noch einmal zu den Howard Smith Wharves, um die Stimmung am Fluss einzufangen. Überall saßen Leute in Bars und Restaurants und ließen den Arbeitstag ausklingen.

    Dann hörten wir plötzlich Salsa-Musik. Es stellte sich heraus, dass gerade das La Mexicana Festival stattfand – mit lateinamerikanischem Essen, Getränken und Livemusik.

    Natürlich konnten wir nicht widerstehen und legten ein paar Salsa-Schritte aufs Parkett. Während wir tanzten, schauten viele Besucher eher überrascht zu. Offenbar war Spontantanzen nicht Teil ihres Abendplans.

    Kulturprogramm zum Abschluss

    Am nächsten Tag – bei eher mäßiger Wettervorhersage – standen Museen auf dem Programm.

    Zuerst besuchten wir die St Stephen’s Cathedral. Der Bau begann 1863 und wurde erst 1922 abgeschlossen – entsprechend unterschiedlich sehen auch Baustil und Fenster aus.

    Von klassischen Bleiglasfenstern bis hin zu fast modernen Kunstwerken ist alles dabei.

    Danach ging es ins Museum of Brisbane in der oberen Etage der Townhall (Rathaus), wo man die rund 200-jährige Geschichte der Stadt kennenlernen kann.

    Zum Schluss besuchten wir noch das Queensland Museum Kurilpa, wo Tiere aus der Zeit des Superkontinents Gondwana (ein Teil davon ist heute Australien) bis heute gezeigt werden: Dinosaurier, riesige Kängurus, Wombats und viele andere australische Spezialitäten.

    Besonders spannend waren die lebenden Insekten – von denen manche aussahen wie Blätter oder Zweige. Man musste im Terrarium wirklich suchen, um sie zu entdecken.

    Abschied von Australien

    Mit den letzten Tagen in Brisbane ging auch unsere 9-wöchige Zeit in Australien mit insgesamt 7.500 gefahrenen Kilometern langsam zu Ende.

    Ein Land mit unglaublicher Natur, verschiedenen Klimazonen und Tieren, die man wirklich nur hier findet.

    Eins steht fest: Wir kommen wieder.
    Schon allein, weil einige Ausflüge wegen schlechtem Wetter ausfallen mussten – und unsere To-Do-Liste noch nicht abgearbeitet ist.

    Doch das nächste Abenteuer wartet schon: Neuseeland. 🇳🇿

  • Australien – Queensland – Moreton Island

    Was macht man eigentlich in Queensland, wenn die wirklich spektakulären Aktivitäten wie Rundflug und Wracktauchen einfach mal abgesagt werden? Richtig – man bucht einen „ganz normalen“ Ausflug. In unserem Fall eine geführte Tour nach Moreton Island, der kleinen Schwester von K’gari. Klein bedeutet hier: nur etwa ein Neuntel so groß. Australische Verhältnisse eben. Die Insel liegt rund 90 Fährminuten von Brisbane entfernt – also quasi gleich um die Ecke.

    Das große Highlight dort sind die Tangalooma Wrecks – 15 Schiffswracks, die zwischen den 60ern und 80ern absichtlich versenkt wurden. Offiziell natürlich, um einen sicheren Ankerplatz zu schaffen und ein künstliches Riff zu bilden. Inoffiziell wahrscheinlich, damit Touristen später sagen können: „Oh schau mal – ein Wrack! Schnell ein Foto!“

    Früher Start und erste organisatorische Meisterleistung

    Der Tag begann entspannt um 6:30 Uhr morgens – also zu einer Uhrzeit, zu der selbst die meisten Hühner noch über Snooze nachdenken. Am Bus angekommen stellten wir fest: Die Gruppe war offenbar nach dem Motto geplant worden „Der Bus reicht bestimmt“. Spoiler: tat er nicht.

    Der Bus war innerhalb von Sekunden voll, während etwa 20 Leute draußen standen und den Bus so ansahen, als würde er vielleicht doch noch ein bisschen wachsen. Also warteten wir gemütliche 30 Minuten, bis spontan gecharterte Kleinbusse auftauchten. Chaos-Level: Reisebeginn erfolgreich erreicht.

    Schnorcheln zwischen Wracks und Fisch-Supermarkt

    Nach der angenehmen Fährfahrt und einigen Delfinsichtungen erreichten wir die Insel, und wurden sofort in kleinere Gruppen aufgeteilt.

    Unsere erste Aktivität: Wrack-Schnorcheln.

    Also schnell:

    • Flossen anprobieren
    • Schnorchel schnappen
    • Neoprenanzug anziehen (immer ein kleines Workout)

    Kaum fertig, wurden wir auch schon von einem Jetski etwa 200 Meter hinaus zu den Wracks gezogen. VIP-Transfer im Wasser sozusagen.

    Kaum war der Jetski weg, passierte etwas ziemlich Cooles:
    Hunderte kleine Fische umringten uns. Wirklich überall. Es fühlte sich ein bisschen an, als hätten wir uns mitten in einen schwimmenden Fischmarkt teleportiert.

    Während wir um die Wracks schnorchelten, sahen wir jede Menge: Snapper, Makrelen, Dorsche, Trompetenfische und diverse Barsche. Dugongs, Delfine oder Meeresschildkröten ließen sich leider nicht blicken. Vermutlich hatten die gerade frei oder waren auf einer exklusiveren Tour auswärts.

    Kajakfahren – oder: Wie man elegant Slalom paddelt

    Nach einer Stunde im Wasser ging es direkt weiter: Kajakfahren – und zwar in durchsichtigen Kajaks.

    Der Start vom Strand sah aus wie ein Mix aus olympischem Wettkampf, Anfängertraining und leichtem Chaos. Die Profis(wir) paddelten elegant davon, während einige Erstfahrer erstmal großzügige Slalomlinien in den Ozean zeichneten. Unter unseren Kajaks schwammen ständig kleine Fischschwärme mit. Entweder fanden sie uns spannend – oder sie hofften auf Snacks. Nach etwa einer Stunde paddeln wurden die Arme immer länger und wir hatten eine ziemlich klare Vorahnung: Morgen wird Muskelkater-Tag.

    Mittagspause mit leichtem Crunch-Effekt

    Dann endlich: Mittagspause.

    Es gab selbstgemachte Wraps – also ein langer Tisch mit Zutaten und etwa 100 Leute, die gleichzeitig darin herumrührten. Einige hatten offenbar noch Sand an den Händen, was man beim Essen später durch ein leichtes Knirschen zwischen den Zähnen bemerkte.

    Aber wie Oma immer sagte:
    „Dreck reinigt den Magen und stärkt das Immunsystem.“ – Australien-Version: Sand auch.

    Sandboarding – Snowboarden… nur ohne Schnee

    Nach dem Essen ging es zum nächsten Abenteuer: Sandboarding. In meiner Vorstellung: Snowboard-Feeling, elegante Kurven, sportliche Action.

    In der Realität: Dünne Hartfaserplatten.

    Nach einer 25-minütigen Fahrt im Geländebus standen wir vor einer riesigen Sanddüne.

    Einweisung:

    1. Auf den Bauch legen
    2. Kopf nach vorne
    3. Füße hoch
    4. Brett vorne leicht anheben
    5. Und bitte vorher wachsen

    Also quasi Snowboarden … nur kopfüber.

    Aber es machte tatsächlich richtig Spaß. Die etwa 40–50 Meter lange Düne runterzusausen war erstaunlich schnell – angeblich bis zu 60 km/h. Also wieder hochlaufen – und noch einmal.

    Nach jeder Abfahrt sah man allerdings aus wie ein menschlicher Sandkeks.
    Der feine Sand war wirklich überall.

    Drei Abfahrten später fühlten sich unsere Beine ungefähr so an wie unsere Arme nach dem Kajakfahren: deutlich benutzt.

    Der Versuch, den Sand loszuwerden

    Nach der Rückfahrt durch den Regenwald durften wir noch kurz ins Meer springen, um den Sand abzuspülen.

    Ergebnis: Etwa 30 % weniger Sand.

    Die Dusche am Abend musste den Rest erledigen.

    Am späten Nachmittag ging es wieder zurück nach Brisbane – erschöpft, leicht verkatert (muskeltechnisch) und immer noch mit Sand in überraschenden Körperregionen. Aber der improvisierte Ausflug nach Moreton Island war am Ende doch ein echtes Highlight. Denn manchmal sind genau die Tage, die nicht nach Plan laufen, die besten.

    Und außerdem: Man hat selten die Gelegenheit, gleichzeitig

    • mit Fischen zu schnorcheln
    • im Glas-Kajak Slalom zu fahren
    • Wraps mit Sand-Topping zu essen
    • und kopfüber eine Düne herunterzurasen.

    Ganz normaler Urlaubstag eben. 😄

  • Australien – K’gari Island

    Zwei Tage auf K’gari – Sand, Dingos und eine Landebahn mit Meerblick

    Die letzten zwei Tage haben wir eine Tour auf K’gari (formerly known as Fraser Island) gemacht – der größten Sandinsel der Welt. 124 km lang, 22 km breit und gefühlt 3 Millionen Sandkörner pro Quadratmeter. Benannt ist die Insel nach den Butchulla People – „K’gari“ bedeutet passenderweise „Paradies“.
    Spoiler: Stimmt. Aber mit sehr viel Sand.

    Planung ist alles (vor allem wenn alle ins Paradies wollen)

    Da der Andrang hoch ist, hatten wir die Tour schon Wochen vorher gebucht. Zur Auswahl standen 1-, 2-, 3- oder 4-Tagestouren.

    Die 1-Tagestour?
    „Sehen Sie fast alles in 8 Stunden!“ – also im Prinzip Insel-Speed-Dating.

    Wir entschieden uns für die 2-Tagestour: alle Highlights, aber ohne olympiareifes Durchhetzen.

    Statt teurer Jeep-Safari (meist nur bis 35 Jahre – wir hätten also vermutlich eh erst unseren Ausweis zeigen müssen) nahmen wir den 4×4-Tourbus.
    Selbst fahren? 250 AUD pro Tag für einen 20 Jahre alten Toyota Land Cruiser – ohne Sprit, Unterkunft und Essen.
    Romantik schön und gut, aber nicht zu dem Preis.

    Von Rainbow Beach ins Sandabenteuer

    Start war in Rainbow Beach – neben Hervey Bay einer der Fährorte zur Insel.

    Mit der Manta Ray Barge ging es rüber – 10–15 Minuten später waren wir da. Und dann begann das, was ich nur als „Strand-Autobahn“ bezeichnen kann:

    Der legendäre 75 Mile Beach.
    Man fährt keine 10 Meter vom Wasser entfernt. Rechts Pazifik. Links Sand. Kein Tempolimit. OK, es waren nur 80 km/h erlaubt … na einigen Stellen auch nur 40. Und unser erster Dingo, der genüsslich eine Koksnuss verspeisste. War wohl Vegetarier. 😀

    Highlight 1: Lake McKenzie – Badewanne Gottes

    Kristallklares Grundwasser, weißer Sand, türkisfarbenes Wasser – Postkartenmotiv deluxe.
    Mit uns ungefähr 100 andere Menschen, die exakt dasselbe dachten. Das Wasser hat einen PH-Wert ähnlich des Menschen und ist sehr weich. Es fühlt sich auf der Haut an wie Seide.

    Zwei Stunden Zeit. Wir badeten, sonnten uns und versuchten, Fotos ohne fremde Touristen im Hintergrund zu machen. Erfolglos.

    Fun Fact: Baden darf man nur in den Seen im Inselinneren.
    Im Meer eher nicht – Haie sehen Menschen offenbar als schwimmende Überraschungssnacks.

    Regenwald mitten im Sand

    Weiter ging es zur Central Station – einst Zentrum der Holzindustrie, heute wieder wunderschön renaturierter Regenwald.

    Von dort Spaziergang zum Wanggoolba Creek – glasklarer Süßwasserbach mit blauen Mineralspuren im Sand.
    Ein Holzsteg führt mehrere hundert Meter entlang.
    Man fühlt sich wie in einer Natur-Doku – nur ohne dramatische Sprecherstimme.

    Lake Wabby – und wir ohne Badesachen

    Nach dem Mittagessen im K’gari Beach Resort ging es zu Lake Wabby.

    2 km durch Wald.
    300 Meter über eine riesige Sanddüne.
    Herzfrequenz: Hochleistungssport.

    Oben angekommen: Traumkulisse.
    Und wir?
    Hatten unsere Badesachen vergessen.

    Also den anderen beim Baden zugeschaut und dann entspannt zurück zum Bus.

    Tag 2 – Wracks, Wellen und beinahe Wasserlandung

    Frühstück um 6:30 Uhr.
    Wir waren die einzigen. Offenbar sind Backpacker keine Frühaufsteher.

    Das berühmte Schiffswrack

    Erster Stop: das SS Maheno Wreck.

    Ein 133 Meter langes ehemaliges Luxuspassagierschiff, das 1935 hier strandete.
    Im Zweiten Weltkrieg nutzte die Australian Air Force es als Zielscheibe – heute ist es eher ein sehr fotogenes Metallskelett.

    Es sieht aus wie etwas aus einem Piratenfilm. Nur ohne Johnny Depp.

    Spontaner Rundflug – Start auf dem Strand!

    Dann das ungeplante Highlight: Rundflug über die Insel.

    Kleiner Flieger, maximal 8 Personen.
    Start direkt auf dem Strand des 75 Mile Beach.

    Gas geben, über Sand rollen, rechts Meer, links Dünen – und plötzlich hebt man ab.
    Eine Kurve Richtung Regenwald, über einen schmetterlingsförmigen See, Sanddünen, Küste – sogar eine Meeresschildkröte gesichtet!

    Die Landung?
    Für einen kurzen Moment sah es so aus, als würden wir im Pazifik parken.
    Dann: Sand unter den Rädern.
    Alle leben noch.

    Farben und Felsen

    Kurzstopp bei den Pinnacles Coloured Sands – leuchtende Sandsteinklippen in Rot-, Gelb- und Orangetönen, die von den verschiedenen Mineralien im Sand stammen.
    Die Natur hat hier eindeutig mit dem Farbregler gespielt.

    Champagne Pools – Whirlpool der Natur

    Die Champagne Pools sind natürliche Felsenbecken. Wenn Wellen darüberbrechen, sprudelt es wie in einem Champagnerglas. 0,1-1,5 Meter tief, subtropische Fische, warmes Wasser. Wir lagen im „Natur-Whirlpool“ und fühlten uns wie Very Important Beach People.

    Auf dem Rückweg Richtung Resort ging es dann noch am Indians Head vorbei. Laut Legende der europäische Name, weil als Capt. James Cook 1770 hier landete die Ureinwohner auf dem Felsen standen und das Schiff argwöhnisch bestaunten. Die haben die Engländer bestimmt für Aliens gehalten 😉 Übrigend fast die eingzige Stelle wo man nicht direkt am Strand langfahren kann. Der Indians Head rangt einige Meter ins Meer, so dass man durch den Wald drumherum fahren muss.

    Eli Creek – Treiben lassen wie Profis

    Letzter Spaßfaktor: Eli Creek.

    Über 1 km Süßwasserbach.
    Die letzten 200 Meter kann man sich auf einem Schwimmring oder Autoreifen treiben lassen.

    Wir ließen uns treiben.
    Und nochmal.
    Und nochmal.

    Wenn Erwachsene sehr glücklich aussehen, treiben sie wahrscheinlich gerade in einem Bach auf einer tropischen Sandinsel.

    Dingos – niedlich, aber bitte mit Respekt

    Auf K’gari leben rund 200 Dingos.

    Sie sehen aus wie freundliche Hunde. Sind aber keine.

    Da Hunde auf der Insel verboten sind, gilt die Population als besonders reinrassig. Leider füttern manche Touristen sie trotz Verbot – was dazu führt, dass Dingos Menschen mit Snacks verbinden. Wenn man einem Dingo begegnet, tief in die augen schauen und langsam entfernen. Nicht rennen, dass fördert den Jagdtrieb … und schon wird es ein Wettrennen 😉

    Wir hatten, als wir zu Fuss auf der Insel unterwegs waren, vorsichtshalber einen „Dingo Stick“ dabei. Gebraucht haben wir ihn zum Glück nicht.

    Die meisten Dingos sahen wir vom Bus aus – Alpha-Männchen, Weibchen, sogar 4–5 Monate alte Jungtiere (Puppies).
    Zuckersüß.
    Und trotzdem bitte mit Sicherheitsabstand.

    Fazit

    Zwei Tage, unzählige Highlights, kein Zeitdruck – und nur minimaler Sand in wirklich allen Taschen.

    K’gari ist wild, wunderschön und ein kleines bisschen verrückt.
    Man startet Flugzeuge auf dem Strand.
    Man badet in Süßwasserseen mitten im Sand.
    Und man schaut Dingos tief in die Augen – hoffentlich ohne Müsliriegel in der Hand.

    Paradies?
    Ja. Aber mit sehr viel Sand.

  • Australien- Alice Springs

    Gestern hieß es wieder: ab ins Auto, 450 Kilometer Outback – quasi der australische Feierabendspaziergang. Ziel: zurück nach Alice Springs. Überraschung des Tages: Es war kalt. Also australisch kalt. Nur 20 °C, zeitweise zeigte das Autothermometer sogar 17 °C an. ❄️🌵

    Kaum aus Yulara raus, sammelten wir noch einen Backpacker ein – offenbar eine seltene, aber sehr gesprächige Outback-Spezies. Wir nahmen ihn mit bis zum nächsten Bus-Stop am Stuart Highway, dieser legendären Straße, die einmal quer durchs Land von Adelaide nach Darwin führt (schlappe 3000 km, nix Besonderes). Die 2,5 Stunden Fahrt vergingen dank Dauer-Storytelling wie im Flug. Der Backpacker hatte nicht nur viele Geschichten, sondern auch noch praktische Reisetipps im Gepäck. Wir lieferten ihn ganze fünf Minuten vor Abfahrt seines Busses ab – der übrigens nur einmal am Tag fährt.

    Danach nochmal zwei Stunden weiter nach Norden, Ankunft in Alice Springs, schnell was essen und den nächsten Outback-Masterplan schmieden.

    Heute ging’s dann mit dem Mietwagen in die Western MacDonnell Ranges (auch bekannt als der Tjoritja Nationalpark auf dem Land der Western Arrente People) etwas westlich von Alice Springs. Erster Halt: Simpson Gap – eine Lücke in der Gebirgskette mit trockenem Flussbett (Sommermodus) und ein paar hartnäckigen Wasserlöchern. Besonders schön: das Licht, das sich dramatisch durch den Felsspalt schob.

    Und dann das Highlight: Ein Schwarzpfoten-Fels-Wallaby (kleine Känguru-Art bis zu 50 cm groß) hüpfte direkt vor uns herum, blieb neugierig stehen und musterte uns aus fünf Metern Entfernung. Plötzlich bewegte sich etwas im Beutel – Baby-Alarm! 🥹 Ein Weibchen mit Nachwuchs! Fotos, leises Quietschen, Gänsehautmoment. Kurz darauf starrte uns noch ein anderes junges Wallaby aus den Felsen an, als wären wir die Außerirdischen.

    Weiter ging’s durch Landschaften wie aus einem Western oder einer afrikanischen Savanne: braunes Gras, grüne Büsche, vereinzelte Bäume. Die Straße diesmal keine „Drunken Road“, sondern eher eine Achterbahn ohne Sicherheitsbügel – ständig rauf und runter. Spaßig, nur ohne Looping.

    Nächster Stopp: Ellery Creek Big Hole – größtes permanentes Wasserloch der Gegend. Ein felsiger Durchbruch, komplett mit Wasser gefüllt. Man hätte locker auf die andere Seite der Berge schwimmen können. Problem: Wir hatten vergessen, Badezeug mitzunehmen. Anfängerfehler. Da wir allein waren, dachte ich mir: egal. Klamotten aus – und zack ruft Xin: „Da kommen Leute!“ Also Schnellanzug-Weltrekord, warten, Fotos machen lassen, Leute wieder weg. Zweiter Versuch: nackt ins Wasser. Und es war einfach nur grandios – ein natürlicher Pool zwischen Felsen. Nach 15 Minuten wieder raus, trocknen in der Sonne, Sachen an. Exakt in dem Moment kam eine Reisegruppe an. Timing: wieder perfekt 😎

    Schnell weiter zu den Ochre Pits. Wie der Name verrät: Ocker in allen Farben. Die Gesteinsschichten sahen aus wie ein Regenbogen aus Weiß, Gelb und Rot. Nebenbei erfuhren wir noch, dass die Felsen eine heilige Stätte der Western Arrernte People sind. Der Ocker wird bis heute für Kosmetik, Rituale und Medizin genutzt. Outback kann also nicht nur spektakulär, sondern auch lehrreich 📚

    Letzter Stopp: Ormiston Gorge – eine Felsenschlucht mit permanentem Wasserloch. Wieder badetauglich, diesmal aber mit Publikum. Badehose? Fehlanzeige. Also musste die Unterhose einspringen. Wenn man schon mal da ist, springt man natürlich auch in den rund 14 Meter tiefen Naturpool. Übung hatte ich ja inzwischen 😉 Xin fotografierte fleißig und genoss die Sonne, während ich meine Bahnen zog. Beim Rausgehen meldete die Smartwatch stolz: 20 Minuten Schwimmtraining. Danke fürs Lob ⌚

    Auf dem Parkplatz entdeckte ich dann noch einen MAN Lkw als Offroadbus für Touristen aufgebaut. Das gibt es hier am andern Ende der Welt öfter. MAN langlebig und offroadfähig, neben den normalen Geländewagen die beste Wahl fürs Outback.

    Noch ein paar Minuten bei 34 °C trocknen, ab ins Auto und zurück – 130 Kilometer Outback mit Bergen links und rechts. Und so war auch dieser Tag plötzlich vorbei. Im australischen Outback vergeht die Zeit ungefähr so schnell wie der Handyempfang: einfach weg 🌵😄

  • Australien – Sydney New Year’s Eve

    Nachdem wir Weihnachten gemütlich auf Bali verbracht hatten, waren wir diesmal besonders vorbildlich und buchten Flug und Unterkunft für Silvester in Sydney schon frühzeitig – man lernt ja dazu. Für die Einreise erledigten wir eine Woche vorher brav die elektronische Anmeldung im Internet.
    Im Flugzeug durften wir dann zur Sicherheit noch einmal einen Zettel ausfüllen – mit unseren Daten und der wichtigen Frage, ob wir heimlich Goldbarren, exotische Früchte oder sonstige Schätze eingeschmuggelt haben.
    Am Flughafen in Sydney ging es direkt weiter: Noch einmal in einem Computer Daten eintippen, Krankheiten ausschließen, die letzten Reiseländer angeben (Stichwort „Risikogebiete“) – gefühlt kannten sie unseren Lebenslauf jetzt besser als wir selbst. Danach durch die Passkontrolle, komplett futuristisch mit automatischem Ausweis- und Gesichtsscan. Ein freundlicher Hinweis der Mitarbeiter zeigte uns schließlich den „schnellsten Weg“ – ganz egal, ob man etwas zu verzollen hatte oder nicht.
    Wir entschieden uns pflichtbewusst für den Ausgang „Declare“ (Waren anmelden) und waren nach exakt einer Minute wieder draußen. Rekordzeit! Kurze Lagebesprechung, ein schneller Google-Maps-Check zur besten Route ins Apartment – und dann schnurstracks zum Busbahnhof und ab ins Bett.
    Besonders cool: Wie schon in Kuala Lumpur und Singapur braucht man hier keine Fahrkarten mehr. Einfach Handy raus, Google Pay an den Scanner halten – egal ob Bus oder Bahn. Wichtig dabei: Beim Aussteigen bzw. Verlassen von Bus oder Bahnhof noch einmal scannen, sonst denkt das System vermutlich, man fährt bis ans andere Ende Australiens. Günstig, unkompliziert und so bequem, dass man sich fragt, warum das nicht überall so läuft.

    Am ersten Tag in Sydney stand dann erst einmal der Großeinkauf für die nächsten Tage auf dem Programm – man will ja nicht an Silvester hungern. Danach folgte die strategische Mission: Mithilfe der offiziellen „Sydney New Year’s Eve“-Web Seite eine Vorabbesichtigung der besten Hotspots für das Feuerwerk in der Sydney Bay. Natürlich standesgemäß mit Blick auf die Oper und die Harbour Bridge.


    Diese Erkundung war auch dringend notwendig, denn der Ansturm hatte bereits einen Tag vorher begonnen. Am Nachmittag schlugen die ersten Unerschrockenen schon ihre Zelte im nahegelegenen Park auf, um beim Einlass an den Toren ganz vorne dabei zu sein und sich den besten Platz direkt am Wasser zu sichern. Einfach hingehen und mal schauen? Vergesst es. Alles ist minutiös durchorganisiert und größtenteils bereits abgesperrt. Am Infostand teilte man uns dann noch trocken mit, dass letztes Jahr um 15 Uhr bereits alles voll – und endgültig dicht – war. Willkommen in Sydney an Silvester 😄

    Also starteten wir am Silvestertag schon gegen 12 Uhr, um überhaupt noch eine Chance auf einen der besseren Plätze zu haben. Während der 30-minütigen Zugfahrt Richtung Hafen checkten wir im Minutentakt den Livestatus auf der Website – mit dem ernüchternden Ergebnis, dass unsere Top 3 bereits „rot“ und damit voll waren. Also Plan B: der nächste Spot, der im Netz noch hoffnungsvoll grün leuchtete. Gegen 13 Uhr, zwei Eingangsschleusen und eine Sicherheitskontrolle später, ergatterten wir tatsächlich einen Platz in Campbells Cove – etwa 15 Meter vom Wasser entfernt, mit direktem Blick auf Oper und Harbour Bridge. Jackpot! Um uns herum Massen von Menschen, die sich entweder gemütlich auf Decken oder ausgesprochen luxuriös auf Klappstühlen auf dem harten Betonboden niederließen.

    In den folgenden Stunden strömten weiterhin Menschenmengen herein, alle auf der verzweifelten Suche nach irgendeinem Platz. Wir fragten uns ernsthaft: Alles ist schon voll – wo sollen die denn bitte noch hin? Die Security patrouillierte unermüdlich und scheuchte regelmäßig Leute weg, die es sich auf markierten Wegen oder vor Notausgängen bequem gemacht hatten.

    Man muss fairerweise sagen: Die Organisation war beeindruckend. Überall gab es Trinkwasserstellen, ausreichend Toiletten und Foodtrucks für das leibliche Wohl. Für den Notfall standen große Sanitätsbereiche bereit – in einem davon entdeckten wir sogar ein paar Defibrillatoren von Xin’s Firma. Schnell ein Beweisfoto gemacht, Stolz gespeichert, weiter im Programm.

    Und dann hieß es nur noch: 11 Stunden auf dem harten Betonboden ausharren, bis das große Spektakel endlich losging. Silvester in Sydney – nichts für schwache Nerven, aber definitiv unvergesslich 😄

    Der Status auf der Website zeigte um 18:30 Uhr, dass bereits 90 % der Aussichtspunkte ausgebucht waren. Das Publikum war bunt gemischt – Inder, Asiaten, Australier, Deutsche und Schweizer –, aber durchweg sehr friedlich. Um 21 Uhr gab es das erste Feuerwerk über der Bay, gedacht für die Familien mit kleineren Kinder, die früh ins Bett müssen

    Das erste Feuerwerk war bereits großartig, doch es sollte noch übertroffen werden. Danach lichteten sich die Reihen zwar etwas, aber gefühlt kamen immer noch ständig neue Leute dazu. Ununterbrochen versuchten Menschen, sich irgendwo dazwischenzuquetschen. Teilweise saßen Leute sogar halb auf unserer Decke. Trotzdem konnten wir unseren Platz bis zum bitteren Ende verteidigen.
    Kurz vor Mitternacht wurde der Countdown auf einen Turm der Harbour Bridge projiziert, und alle begannen wie aus einem Chor mitzuzählen: 3 … 2 … 1. Dann brach die Hölle los – das Hauptfeuerwerk startete. Von Plattformen in der Bay, von der Harbour Bridge und von der Oper schossen Raketen in den Himmel und erleuchteten die Nacht in hundert verschiedenen Farben.
    Nach 15 Minuten voller Staunen und Applaus war das Spektakel vorbei. Alle strömten wieder nach Hause. Die Straßen waren völlig überfüllt, und wir brauchten schließlich anderthalb Stunden bis ins Apartment.
    Fazit: Das lange Warten hat sich auf jeden Fall gelohnt. Einmal Silvester in Sydney – das sollte jeder mindestens einmal erlebt haben.

    Wir wünschen allen ein gutes und gesundes neues Jahr 2026!!

  • Indonesien – Bali – Ubud

    Affen, Schaukeln und spirituelle Warteschlangen – ein ganz normaler Tag auf Bali

    Für diesen Tag standen Sehenwürdgkeiten im Gebiet Ubud auf dem Programm. Unser Fahrer Mr. Yan sammelte uns morgens am Hotel ein – voller Tatendrang und offenbar auch mit sehr viel Geduld, denn nach zwei Stunden Fahrt (38 km) erreichten wir endlich unser erstes Ziel: den Affenwald – Jalan Monkey Forest.

    Ein Park mit alten Tempeln direkt am Rand des Dschungels, in dem gefühlt alle Affen der Insel beschlossen haben, gemeinsam zu wohnen. Eintritt bezahlt (100.000 IDR/Pers. wie eigentlich überall) und rein ins Abenteuer. Hier leben hunderte Langschwanzmakaken, organisiert in einer streng hierarchischen Gesellschaft – quasi ein Affen-Konzern mit klarer Chefetage.

    Unser Fahrer warnte uns eindringlich: „Passt auf eure Wertsachen auf. Vor allem Handys.“ Die Affen seien nämlich bekannt dafür, Dinge zu klauen und sie dann gegen Futter zu erpressen. Kapitalismus im Dschungel – wirklich clever, diese kleinen Biester 😉

    Uns passierte allerdings nichts. Offenbar wirkte meine Körpergröße abschreckend, denn die Affen hielten respektvoll etwa einen Meter Sicherheitsabstand – soziale Distanz auf Affenart.

    Plötzlich: RIESIGES GESCHREI! Die gesamte Affenbande brüllte los, junge Affen rannten kreischend umher, andere flüchteten auf die Bäume. Offenbar hatte sich der Nachwuchs danebenbenommen und ein älteres Exemplar musste mal ordentlich auf den Busch hauen. Affen-Erziehung live – so heftig, dass sich einige junge Touristinnen ordentlich erschreckten.

    Überall gab es Futterstellen, vermutlich um die Affen strategisch dort zu platzieren, wo sie für Fotos am besten taugen. Einige zeigten beeindruckende Fähigkeiten: Während manche Affen Kokosnüsse einfach nur über den Boden rollten, nahmen andere Anlauf, sprangen mit der Kokosnuss hoch und knallten sie mit voller Wucht auf den Boden, bis sie aufplatzte. Erst den Kokossaft auflecken, dann ans Innere – effizienter geht’s nicht.

    Nach etwa einer Stunde ging es weiter zum nächsten Instagram-Spot.

    Reisterrassen, Insta-Schaukeln und Leid für Likes

    Der nächste Stopp führte uns zu einer der berühmten Reisterrassen. Viel Natur, viele Touristen und erstaunlich viele Möglichkeiten, Geld loszuwerden. Die Terrassen werden dreimal im Jahr bepflanzt und geerntet, dank tropischem Klima ist immer irgendwo alles grün – perfekt für Fotos.

    Die Terrassen lagen in einem Tal, auf beiden Seiten angelegt und von oben mit frischem Wasser versorgt, das elegant von Terrasse zu Terrasse floss. Je nach Stadium reichte die Farbpalette von „riesige braune Pfütze“ bis zu „Instagram-taugliches saftiges Grün“. Auf den abgeernteten Feldern arbeiteten Angestellte – sehr idyllisch, sehr fotogen.

    Oben an den Hängen: riesige Schaukeln, an Palmen befestigt. Gegen Bezahlung konnte man sich über einen Abgrund schwingen – optional im wallenden Kleid mit Schleppe, das im Wind dramatisch flattert. Ab und zu ertönte ein Schrei, als würde jemand abgestochen. Spoiler: Höhenangst + 20-Meter-Abgrund + Schaukel = schlechte Idee. Aber wer schöne Instagram-Bilder will, muss leiden 😉

    Zusätzlich gab es noch Ziplines, die das Tal kreuzten – permanenter Flugverkehr. Wir entschieden uns für die entspannte Variante: Kokosnuss, indonesisches Radler und Zuschauen von der Aussichtsterrasse.

    Christmas Tree, Wasserfall und Dschungel-Hindernisparcours

    Auf dem Weg zum nächsten Spot gab’s eine kleine Mahlzeit in einem Restaurant – natürlich ebenfalls mit Schaukeln. Außerdem stand dort ein merkwürdiges Gebilde aus zusammengeklebten Plastikdingern. Auf meine Frage, was das sei, antwortete die Bedienung stolz: „A Christmas Tree.“
    Ich: „You are kidding me!“
    Naja – bei 85 % Hindus auf Bali ist Weihnachten offenbar Interpretationssache 🎄😉

    Danach ging es zu einem Wasserfall, der sich etwa 20 Meter in die Tiefe stürzt. Eigentlich wollten wir dort baden – ganz romantisch wie in Robin Hood mit Kevin Costner. Leider hatte es zuvor geregnet, das Wasser war eher braun als einladend. Also kein Baden, nur Fotos.

    Weiter ging es über Brücken aus Bambusstangen, entlang eines Bachs, durch den Dschungel zu einer Höhle. Diese war mehrere hundert Meter lang, sehr eng und bei Gegenverkehr definitiv staugefährdet. Teilweise stark gebückt folgten wir unserem Fahrer, der gleichzeitig als Guide und Taschenlampen-Ersatz mit seinem Handy fungierte.

    Am Ende des Tunnels – Überraschung – wieder eine Plattform mit Schaukel über eine Schlucht. Offenbar ein balinesisches Grundbedürfnis. Die letzten Meter liefen wir allein durch den Dschungel einen Hang hinauf, bis uns unser Fahrer an der Hauptstraße wieder einsammelte. Auf dem Weg sahen wir noch Arbeiter auf einem klassichen, nicht für Touristen angelegenten Reisfeld, die dort das Feld bearbeiteten.

    Heiliges Wasser und der balinesische IKEA-Ausgang

    Letzter Programmpunkt: der Hindu-Tempel Tirta Empul. Aus Respekt banden wir uns Sarongs um – Pflichtkleidung für den Tempelbesuch. Unser Fahrer erklärte uns die balinesischen Hindu-Gebräuche, besonders das Reinigungsritual mit heiligem Wasser.

    Er fragte, ob wir mitmachen möchten. Dafür hätten wir uns umziehen und ein grünes Gewand anziehen müssen. Ein Blick auf die lange Schlange am Reinigungsbecken genügte – wir lehnten dankend ab. Spiritualität schön und gut, aber nicht mit Wartezeit.

    Das Becken wird von Quellen gespeist, aus mehreren Öffnungen fließt Wasser hinein. Das Ritual folgt einer festen Reihenfolge:
    Erster Wasserstrahl wird ausgelassen, Start beim zweiten. Hände waschen, Gesicht, dann den ganzen Kopf – bis zum neunten Strahl. Der zehnte und elfte sind für die Toten reserviert.

    Zum Abschluss zeigte er uns noch die heiligen Quellen. Der Weg nach draußen führte – wie sollte es anders sein – durch ein Labyrinth aus Souvenirständen, das verdächtig an den Ausgang eines IKEA-Marktes erinnerte. Nach dem Souvenir-Labyrinth – wir fanden den Ausgang erstaunlicherweise ohne Panik oder Notruf – entdeckten wir noch einen Obststand. Und dort erfüllten wir uns einen lang gehegten Wunsch: Schlangenfrucht und Durian.

    Die Schlangenfrucht sieht aus wie ein kleines Drachenei aus Game of Thrones, nur ohne Feueratem. Ihre schuppige Schale wirkt erst einmal verdächtig, aber innen überraschte sie uns positiv: Konsistenz und Geschmack irgendwo zwischen Apfel und Birne – knackig, süß und absolut harmlos. Eine Frucht, die gefährlicher aussieht, als sie ist.

    Dann kam der Endgegner: Durian. Auch bekannt als Stinkefrucht – und dieser Name ist wirklich keine Übertreibung. Diese Frucht gibt es nur in Südostasien und sie riecht so intensiv, dass man sich fragt, ob sie nicht eigentlich eine chemische Waffe ist. Trotzdem war klar: Bevor es weiter nach Australien geht, mussten wir das probieren. Innen war die Durian überraschend cremig, mit einem vielschichtigen Geschmack irgendwo zwischen süß und herzhaft. Kein Wunder, dass sie den ehrwürdigen Titel „König der Früchte“ trägt. Wir waren ehrlich überrascht, denn Geruch und Geschmack haben scheinbar nichts miteinander zu tun.

    Der Duft erklärt allerdings auch, warum Durian in vielen Hotels Südostasiens streng verboten ist. Offenbar dauert es sehr lange, bis dieser Geruch wieder aus einem Zimmer verschwindet. Man möchte ja schließlich nicht, dass das Hotelzimmer noch Wochen später riecht, als hätte dort jemand eine vergessene Socke mit einem Käsefondue gekreuzt.

    Geschmacklich ein Erlebnis – geruchstechnisch eine Herausforderung. Aber genau dafür reist man ja 😉🍈✈️

    Ein langer Tag, viele Eindrücke, keine gestohlenen Handys – und definitiv genug Stoff für Geschichten 😄🌴

  • Indonesien – Labuan Bajo – Roller fahren

    Roller, Linksverkehr und andere Abenteuer des gesunden Menschenverstands

    Gestern gegen Mittag beschlossen wir, die Insel zu erkunden – stilecht auf einem Roller. Nicht so ein harmloser Tretroller, nein, ein ausgewachsenes 150-ccm-Monster, das schon im Stand vermittelte: Ich vergebe keine Fehler.

    Entgegen sämtlicher Internetwarnungen wollte niemand meinen Führerschein sehen. Laut Gesetz eigentlich Pflicht, in der Praxis offenbar eher so eine Art unverbindliche Leseempfehlung. Kein Wunder also, dass hier alle fahren, als hätten sie gestern erst gelernt, freihändig zu laufen 😊😊

    Also rauf auf den Roller. Die ersten Meter waren… sagen wir: pädagogisch wertvoll. Immerhin hatte ich seit etwa zehn Jahren nicht mehr auf so einem Ding gesessen. Kaum lief es halbwegs rund, kam die nächste Herausforderung: Linksverkehr. Indonesien eben. Auch das lag ungefähr zehn Jahre zurück, damals in England – und das war mit Auto und nicht mit einem Gefährt, das bei Unsicherheit sofort beleidigt wirkt.

    Auf dem Weg zur Tankstelle (Tank war nur zu einem Viertel voll) wechselte ich an einer Kreuzung erstmal instinktiv nach rechts. Kleine Korrektur, kurzer innerer Monolog, dann links weiter. Ab da lief alles erstaunlich gut 😊


    Golo Miri – Weltpolitik trifft Beachclub

    Unser erstes Ziel: Golo Miri, ein Veranstaltungs- und Konferenzzentrum, das für den 42nd ASEAN Summit 2023 gebaut wurde. ASEAN ist eine regelmäßig stattfindende Konferenz südostasiatischer Staaten zu wirtschaftlichen, politischen und sozial-kulturellen Themen – also sehr ernst. Das Gelände dagegen wirkte wie eine Mischung aus Regierungsviertel, Naturpark und Instagram-Falle. Mehrere Hektar, ein riesiger Konferenzsaal, Amphitheater, Aussichtsdeck mit Blick über die Buchten, Beachclub – und natürlich ein Helipad auf dem Wasser, weil… warum nicht? Wahrscheinlich erklärt das auch, warum die Zufahrtsstraße perfekt ausgebaut war: echte Kreisverkehre, Entwässerung, alles. Luxus pur.

    Der Eintritt kostete 40.000 IDR (ca. 2 €), inklusive Getränk im Beachclub. Nach dem Eingang fuhren wir noch ein paar Minuten über die top ausgebaute Straße, die sich allerdings gelegentlich mit Affen und Ziegen teilte. Diese lagen völlig entspannt mitten auf der Fahrbahn. Hupen? Interessierte sie ungefähr so sehr wie uns die Frage nach ihrer Meinung.

    Vorbei an einem Hügel mit grandiosem Ausblick und einem Leuchtturm – der sich später als reine Attrappe entpuppte – kamen wir zum eigentlichen Konferenzzentrum. Der große Saal war wegen einer Veranstaltung gesperrt, aber Aussichtsdeck, Beachclub und Strand waren zugänglich.

    Eigentlich der perfekte Tagesabschluss: richtiger Ort, richtige Zeit. Leider hatten die Wolken andere Pläne. Aus dem Sonnenuntergang über dem Meer wurde nichts. Also Rückfahrt im Dunkeln – immerhin mit funktionierendem Licht, das wir bei der Anmietung extra überprüft hatten. Im Gegensatz zu diversen anderen Rollerfahrern, die offenbar auf Nachtsicht vertrauten.


    Google Maps und der rote Lehm des Scheiterns

    Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, starteten wir Richtung Norden zu ein paar Stränden und Aussichtspunkten. Anfangs alles gut: Straße, ein paar Regentropfen, entspannte Fahrt. Dann meldete Google Maps: „Sie sind fast da.“
    Wir waren im Nirgendwo.

    Erst neuer Asphalt, dann Schotter, dann Baufahrzeuge. Die Straße wurde zu einem Vorschlag, dann zu einer Idee und schließlich zu rotem Lehm. Da es weder Absperrungen noch Menschen, die uns aufhielten, gab, fuhren wir weiter – bis endgültig Schluss war.
    Der Strand würde eines Tages sicher angebunden werden. Heute nicht.

    Mit lehmverschmierten Schuhen und einem Roller, der aussah, als hätte er einen Feldversuch hinter sich, traten wir den Rückweg an. Unterwegs noch ein paar schöne Aussichtspunkte – leider teilweise ziemlich vermüllt. Aber man fotografiert ja bekanntlich den Horizont und nicht den Müll unter den eigenen Füßen 😊


    Sylvia Hill – Schweiß gegen Aussicht

    Nächstes Ziel: Sylvia Hill. Keine Ahnung, woher der Name kommt. Vielleicht ist hier irgendwann mal eine Sylvia abgestürzt? Harmlos war der Hügel jedenfalls nicht: etwa 100 Höhenmeter über steiniges Gelände, 31°C, pralle Sonne. Oben angekommen: ein sensationeller 360°-Rundblick. Berge im Norden und Süden, Strände, Meer und Inseln auf den anderen Seiten.

    Dann ein Dröhnen: Ein Flugzeug im Landeanflug. Im Südosten begann direkt am Hang die Start- und Landebahn des Flughafens. Vom Sylvia Hill aus konnte man beobachten, wie das Flugzeug zwischen den Hügeln verschwand.
    So anstrengend der Aufstieg war – der Ausblick machte alles wett.


    Ruhiger Abend? Natürlich nicht.

    Zurück in der Stadt wollten wir essen und einen ruhigen Abend verbringen. Dachten wir.
    Stattdessen dröhnte die ganze Nacht laute Musik vom Hafen durch die Stadt. Erst am nächsten Morgen klärte sich alles: Die Bevölkerung feierte den Jahrestag der Eigenständigkeit bzw. Unabhängigkeit. Ganz genau haben wir es nicht verstanden – aber gefeiert wurde gründlich. Zum nächsten Frühstück war es dann wieder ruhig.