Australien – K’gari Island

Zwei Tage auf K’gari – Sand, Dingos und eine Landebahn mit Meerblick

Die letzten zwei Tage haben wir eine Tour auf K’gari (formerly known as Fraser Island) gemacht – der größten Sandinsel der Welt. 124 km lang, 22 km breit und gefühlt 3 Millionen Sandkörner pro Quadratmeter. Benannt ist die Insel nach den Butchulla People – „K’gari“ bedeutet passenderweise „Paradies“.
Spoiler: Stimmt. Aber mit sehr viel Sand.

Planung ist alles (vor allem wenn alle ins Paradies wollen)

Da der Andrang hoch ist, hatten wir die Tour schon Wochen vorher gebucht. Zur Auswahl standen 1-, 2-, 3- oder 4-Tagestouren.

Die 1-Tagestour?
„Sehen Sie fast alles in 8 Stunden!“ – also im Prinzip Insel-Speed-Dating.

Wir entschieden uns für die 2-Tagestour: alle Highlights, aber ohne olympiareifes Durchhetzen.

Statt teurer Jeep-Safari (meist nur bis 35 Jahre – wir hätten also vermutlich eh erst unseren Ausweis zeigen müssen) nahmen wir den 4×4-Tourbus.
Selbst fahren? 250 AUD pro Tag für einen 20 Jahre alten Toyota Land Cruiser – ohne Sprit, Unterkunft und Essen.
Romantik schön und gut, aber nicht zu dem Preis.

Von Rainbow Beach ins Sandabenteuer

Start war in Rainbow Beach – neben Hervey Bay einer der Fährorte zur Insel.

Mit der Manta Ray Barge ging es rüber – 10–15 Minuten später waren wir da. Und dann begann das, was ich nur als „Strand-Autobahn“ bezeichnen kann:

Der legendäre 75 Mile Beach.
Man fährt keine 10 Meter vom Wasser entfernt. Rechts Pazifik. Links Sand. Kein Tempolimit. OK, es waren nur 80 km/h erlaubt … na einigen Stellen auch nur 40. Und unser erster Dingo, der genüsslich eine Koksnuss verspeisste. War wohl Vegetarier. 😀

Highlight 1: Lake McKenzie – Badewanne Gottes

Kristallklares Grundwasser, weißer Sand, türkisfarbenes Wasser – Postkartenmotiv deluxe.
Mit uns ungefähr 100 andere Menschen, die exakt dasselbe dachten. Das Wasser hat einen PH-Wert ähnlich des Menschen und ist sehr weich. Es fühlt sich auf der Haut an wie Seide.

Zwei Stunden Zeit. Wir badeten, sonnten uns und versuchten, Fotos ohne fremde Touristen im Hintergrund zu machen. Erfolglos.

Fun Fact: Baden darf man nur in den Seen im Inselinneren.
Im Meer eher nicht – Haie sehen Menschen offenbar als schwimmende Überraschungssnacks.

Regenwald mitten im Sand

Weiter ging es zur Central Station – einst Zentrum der Holzindustrie, heute wieder wunderschön renaturierter Regenwald.

Von dort Spaziergang zum Wanggoolba Creek – glasklarer Süßwasserbach mit blauen Mineralspuren im Sand.
Ein Holzsteg führt mehrere hundert Meter entlang.
Man fühlt sich wie in einer Natur-Doku – nur ohne dramatische Sprecherstimme.

Lake Wabby – und wir ohne Badesachen

Nach dem Mittagessen im K’gari Beach Resort ging es zu Lake Wabby.

2 km durch Wald.
300 Meter über eine riesige Sanddüne.
Herzfrequenz: Hochleistungssport.

Oben angekommen: Traumkulisse.
Und wir?
Hatten unsere Badesachen vergessen.

Also den anderen beim Baden zugeschaut und dann entspannt zurück zum Bus.

Tag 2 – Wracks, Wellen und beinahe Wasserlandung

Frühstück um 6:30 Uhr.
Wir waren die einzigen. Offenbar sind Backpacker keine Frühaufsteher.

Das berühmte Schiffswrack

Erster Stop: das SS Maheno Wreck.

Ein 133 Meter langes ehemaliges Luxuspassagierschiff, das 1935 hier strandete.
Im Zweiten Weltkrieg nutzte die Australian Air Force es als Zielscheibe – heute ist es eher ein sehr fotogenes Metallskelett.

Es sieht aus wie etwas aus einem Piratenfilm. Nur ohne Johnny Depp.

Spontaner Rundflug – Start auf dem Strand!

Dann das ungeplante Highlight: Rundflug über die Insel.

Kleiner Flieger, maximal 8 Personen.
Start direkt auf dem Strand des 75 Mile Beach.

Gas geben, über Sand rollen, rechts Meer, links Dünen – und plötzlich hebt man ab.
Eine Kurve Richtung Regenwald, über einen schmetterlingsförmigen See, Sanddünen, Küste – sogar eine Meeresschildkröte gesichtet!

Die Landung?
Für einen kurzen Moment sah es so aus, als würden wir im Pazifik parken.
Dann: Sand unter den Rädern.
Alle leben noch.

Farben und Felsen

Kurzstopp bei den Pinnacles Coloured Sands – leuchtende Sandsteinklippen in Rot-, Gelb- und Orangetönen, die von den verschiedenen Mineralien im Sand stammen.
Die Natur hat hier eindeutig mit dem Farbregler gespielt.

Champagne Pools – Whirlpool der Natur

Die Champagne Pools sind natürliche Felsenbecken. Wenn Wellen darüberbrechen, sprudelt es wie in einem Champagnerglas. 0,1-1,5 Meter tief, subtropische Fische, warmes Wasser. Wir lagen im „Natur-Whirlpool“ und fühlten uns wie Very Important Beach People.

Auf dem Rückweg Richtung Resort ging es dann noch am Indians Head vorbei. Laut Legende der europäische Name, weil als Capt. James Cook 1770 hier landete die Ureinwohner auf dem Felsen standen und das Schiff argwöhnisch bestaunten. Die haben die Engländer bestimmt für Aliens gehalten 😉 Übrigend fast die eingzige Stelle wo man nicht direkt am Strand langfahren kann. Der Indians Head rangt einige Meter ins Meer, so dass man durch den Wald drumherum fahren muss.

Eli Creek – Treiben lassen wie Profis

Letzter Spaßfaktor: Eli Creek.

Über 1 km Süßwasserbach.
Die letzten 200 Meter kann man sich auf einem Schwimmring oder Autoreifen treiben lassen.

Wir ließen uns treiben.
Und nochmal.
Und nochmal.

Wenn Erwachsene sehr glücklich aussehen, treiben sie wahrscheinlich gerade in einem Bach auf einer tropischen Sandinsel.

Dingos – niedlich, aber bitte mit Respekt

Auf K’gari leben rund 200 Dingos.

Sie sehen aus wie freundliche Hunde. Sind aber keine.

Da Hunde auf der Insel verboten sind, gilt die Population als besonders reinrassig. Leider füttern manche Touristen sie trotz Verbot – was dazu führt, dass Dingos Menschen mit Snacks verbinden. Wenn man einem Dingo begegnet, tief in die augen schauen und langsam entfernen. Nicht rennen, dass fördert den Jagdtrieb … und schon wird es ein Wettrennen 😉

Wir hatten, als wir zu Fuss auf der Insel unterwegs waren, vorsichtshalber einen „Dingo Stick“ dabei. Gebraucht haben wir ihn zum Glück nicht.

Die meisten Dingos sahen wir vom Bus aus – Alpha-Männchen, Weibchen, sogar 4–5 Monate alte Jungtiere (Puppies).
Zuckersüß.
Und trotzdem bitte mit Sicherheitsabstand.

Fazit

Zwei Tage, unzählige Highlights, kein Zeitdruck – und nur minimaler Sand in wirklich allen Taschen.

K’gari ist wild, wunderschön und ein kleines bisschen verrückt.
Man startet Flugzeuge auf dem Strand.
Man badet in Süßwasserseen mitten im Sand.
Und man schaut Dingos tief in die Augen – hoffentlich ohne Müsliriegel in der Hand.

Paradies?
Ja. Aber mit sehr viel Sand.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar