Gestern hieß es wieder: ab ins Auto, 450 Kilometer Outback – quasi der australische Feierabendspaziergang. Ziel: zurück nach Alice Springs. Überraschung des Tages: Es war kalt. Also australisch kalt. Nur 20 °C, zeitweise zeigte das Autothermometer sogar 17 °C an. ❄️🌵
Kaum aus Yulara raus, sammelten wir noch einen Backpacker ein – offenbar eine seltene, aber sehr gesprächige Outback-Spezies. Wir nahmen ihn mit bis zum nächsten Bus-Stop am Stuart Highway, dieser legendären Straße, die einmal quer durchs Land von Adelaide nach Darwin führt (schlappe 3000 km, nix Besonderes). Die 2,5 Stunden Fahrt vergingen dank Dauer-Storytelling wie im Flug. Der Backpacker hatte nicht nur viele Geschichten, sondern auch noch praktische Reisetipps im Gepäck. Wir lieferten ihn ganze fünf Minuten vor Abfahrt seines Busses ab – der übrigens nur einmal am Tag fährt.
Danach nochmal zwei Stunden weiter nach Norden, Ankunft in Alice Springs, schnell was essen und den nächsten Outback-Masterplan schmieden.

Heute ging’s dann mit dem Mietwagen in die Western MacDonnell Ranges (auch bekannt als der Tjoritja Nationalpark auf dem Land der Western Arrente People) etwas westlich von Alice Springs. Erster Halt: Simpson Gap – eine Lücke in der Gebirgskette mit trockenem Flussbett (Sommermodus) und ein paar hartnäckigen Wasserlöchern. Besonders schön: das Licht, das sich dramatisch durch den Felsspalt schob.



Und dann das Highlight: Ein Schwarzpfoten-Fels-Wallaby (kleine Känguru-Art bis zu 50 cm groß) hüpfte direkt vor uns herum, blieb neugierig stehen und musterte uns aus fünf Metern Entfernung. Plötzlich bewegte sich etwas im Beutel – Baby-Alarm! 🥹 Ein Weibchen mit Nachwuchs! Fotos, leises Quietschen, Gänsehautmoment. Kurz darauf starrte uns noch ein anderes junges Wallaby aus den Felsen an, als wären wir die Außerirdischen.



Weiter ging’s durch Landschaften wie aus einem Western oder einer afrikanischen Savanne: braunes Gras, grüne Büsche, vereinzelte Bäume. Die Straße diesmal keine „Drunken Road“, sondern eher eine Achterbahn ohne Sicherheitsbügel – ständig rauf und runter. Spaßig, nur ohne Looping.



Nächster Stopp: Ellery Creek Big Hole – größtes permanentes Wasserloch der Gegend. Ein felsiger Durchbruch, komplett mit Wasser gefüllt. Man hätte locker auf die andere Seite der Berge schwimmen können. Problem: Wir hatten vergessen, Badezeug mitzunehmen. Anfängerfehler. Da wir allein waren, dachte ich mir: egal. Klamotten aus – und zack ruft Xin: „Da kommen Leute!“ Also Schnellanzug-Weltrekord, warten, Fotos machen lassen, Leute wieder weg. Zweiter Versuch: nackt ins Wasser. Und es war einfach nur grandios – ein natürlicher Pool zwischen Felsen. Nach 15 Minuten wieder raus, trocknen in der Sonne, Sachen an. Exakt in dem Moment kam eine Reisegruppe an. Timing: wieder perfekt 😎


Schnell weiter zu den Ochre Pits. Wie der Name verrät: Ocker in allen Farben. Die Gesteinsschichten sahen aus wie ein Regenbogen aus Weiß, Gelb und Rot. Nebenbei erfuhren wir noch, dass die Felsen eine heilige Stätte der Western Arrernte People sind. Der Ocker wird bis heute für Kosmetik, Rituale und Medizin genutzt. Outback kann also nicht nur spektakulär, sondern auch lehrreich 📚



Letzter Stopp: Ormiston Gorge – eine Felsenschlucht mit permanentem Wasserloch. Wieder badetauglich, diesmal aber mit Publikum. Badehose? Fehlanzeige. Also musste die Unterhose einspringen. Wenn man schon mal da ist, springt man natürlich auch in den rund 14 Meter tiefen Naturpool. Übung hatte ich ja inzwischen 😉 Xin fotografierte fleißig und genoss die Sonne, während ich meine Bahnen zog. Beim Rausgehen meldete die Smartwatch stolz: 20 Minuten Schwimmtraining. Danke fürs Lob ⌚




Auf dem Parkplatz entdeckte ich dann noch einen MAN Lkw als Offroadbus für Touristen aufgebaut. Das gibt es hier am andern Ende der Welt öfter. MAN langlebig und offroadfähig, neben den normalen Geländewagen die beste Wahl fürs Outback.

Noch ein paar Minuten bei 34 °C trocknen, ab ins Auto und zurück – 130 Kilometer Outback mit Bergen links und rechts. Und so war auch dieser Tag plötzlich vorbei. Im australischen Outback vergeht die Zeit ungefähr so schnell wie der Handyempfang: einfach weg 🌵😄

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