Autor: Micha

  • Singapur – Teil 2

    Aktuell ist Halbzeit in Singapur, und wir konzentrierten uns ganz auf die übrigen Highlights der Stadt. Nach dem Frühstück und einem kurzen Brainstorming („Was machen wir heute?“ – „Alles!“) machten wir uns auf den Weg nach Little India. Wie der Name schon vermuten lässt, ist dieses Viertel sehr indisch geprägt. Überall kleine Geschäfte, Restaurants und Stände, und an jeder Ecke lag eine Mischung aus Essensduft, frischen Gewürzen und Räucherstäbchen in der Luft. Dazu unzählige Blumenläden mit frisch gebundenen Kränzen und Ketten. Besonders begeistert haben uns die vielen bunten Häuser und die engen Gassen – ein echtes Farben- und Sinnesfeuerwerk.

    Von dort ging es zu Fuß in etwa 15 Minuten weiter nach Kampong Glam, einem muslimisch geprägten Viertel. Neben zahlreichen arabischen Restaurants und Läden thront hier die Sultan-Moschee (Masjid Sultan) mit ihren goldenen Kuppeln. Und wenn man schon einmal da ist und der Magen langsam zu knurren beginnt, probiert man natürlich auch die arabische Küche – selbstverständlich halal. Etwas unwissend, aber voller Vertrauen folgten wir der Empfehlung der Bedienung und bestellten Murtabak mit Rind und Briyani mit Lammhaxe. Beides war extrem lecker, aber dank der für uns ungewohnten Schärfe auch leicht an der persönlichen Belastungsgrenze 😄

    Mit gut gefülltem Magen ging es weiter Richtung Hafengebiet – natürlich zu Fuß. Schließlich müssen wir unser tägliches Schrittpensum von 15.000 bis 20.000 Schritten ja irgendwie vollbekommen 😄 Heute mal aus einer anderen Perspektive: vorbei am Riesenrad (dem Sky Flyer), über die futuristische Helix Bridge hin zum Marina Bay Sands Hotel. Dort wollten wir uns etwas mehr Zeit nehmen, um das Sky Observation Deck zu besuchen – die Plattform, die in rund 200 Metern Höhe die drei Hoteltürme verbindet.

    Ein Sprung in den legendären Infinity Pool blieb uns allerdings verwehrt, da dieser ausschließlich Hotelgästen vorbehalten ist. Also begnügten wir uns „nur“ mit der grandiosen Aussicht auf die Stadt, das Riesenrad, Teile der Formel-1-Strecke und die Gardens by the Bay. Nach ein paar Fotos und Selfies – die früher problemlos einen ganzen Schuhkarton mit Dias gefüllt hätten – kamen wir noch mit einer älteren Dame ins Gespräch, die ganz allein auf Backpacking-Tour durch mehrere Länder unterwegs ist. Respekt!

    Wir genossen die Zeit dort oben und warteten gespannt auf die Lichtshow bei den Supertrees, die wir am Vortag noch von unten bestaunt hatten. Aus 200 Metern Höhe wirkte alles noch einmal deutlich imposanter: Lichter, Farben und Musik überall – man wusste gar nicht, wo man zuerst hinschauen sollte. Nach etwa 15 Minuten war die Show vorbei, und wir wechselten auf die andere Seite des Sky Decks, um die anschließende Wasser- und Lichtshow im Hafenbecken zu bewundern. Fontänen, Lichter und Musik im perfekten Zusammenspiel – man muss den Touristen und Hotelgästen schließlich auch etwas bieten 😄

    Auch das Wetter spielte mit: Nach einem kurzen Schauer am Nachmittag war der Abend fast wolkenfrei und bot eine beeindruckende Sicht auf die Skyline von Singapur und die nächtlichen Shows. Ein rundum gelungener Tag – müde Beine inklusive. 😄

  • Singapur – Teil 1

    In Singapur angekommen, ging es erst einmal ganz klassisch ins Hotel: Rucksäcke abladen, kurz durchatmen und dann direkt rein ins Abenteuer. Unser erstes Ziel: Chinatown und das legendäre Maxwell Food Centre. Eine riesige Halle, vollgestopft mit malaysischen, chinesischen und sogar ein paar europäischen Essensständen – kurz gesagt: kulinarische Reizüberflutung. Wir brauchten erst einmal ein paar Runden, um uns mental auf diese Auswahl vorzubereiten.

    Als wir schließlich mitten im Trubel einen freien Tisch ergattert hatten (gefühlter Lottogewinn), ging es ans Bestellen. Man bekommt dort einen kleinen Pieper, der vibriert und fiept, sobald das Essen fertig ist – fast wie beim Wartezimmer, nur deutlich leckerer. Gemütlich aßen wir uns durch unsere Auswahl, während um uns herum bereits die ersten Stände ihre Rollläden schlossen und in den wohlverdienten Feierabend gingen. Offenbar hatten wir den perfekten Zeitpunkt erwischt.

    Am nächsten Tag stand Kultur auf dem Programm: das Nationalmuseum von Singapur. Dort tauchten wir tief in die Geschichte der Insel ein. Die erste Erwähnung stammt aus dem 3. Jahrhundert, damals noch unter dem Namen Pu Luo Chung – „Insel am Ende“. Sehr passend, wenn man mal auf die Karte schaut. Schon früh war die Insel von chinesischer Kultur geprägt und später, vermutlich als Teil des Java-Reiches, ein wichtiger Handelspunkt zwischen China und Indien.

    Ab dem 16. Jahrhundert entdeckten dann auch europäische Seefahrer die strategisch günstige Seestraße (heute Straße von Singapur) für sich – die Abkürzung zwischen Indien und China schlechthin. Allerdings spielten sich diese Aktivitäten zunächst eher südlich im heutigen Indonesien und nördlich im heutigen Malaysia ab. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts erkannten die Briten das Potenzial der Insel selbst und errichteten einen Stützpunkt der Britischen Ostindien-Kompanie. Da gerade niemand anderes Anspruch erhob, konnten sie sich ungestört ausbreiten.

    Mit dem Bau eines Hafens, der bald sogar die niederländischen Stützpunkte in der Region überholte, war das moderne Singapur geboren. Der wirtschaftliche Aufschwung zog zahlreiche Arbeitsmigranten an – vor allem aus China. Bis heute machen Chinesen rund 76 % der Bevölkerung aus, gefolgt von Malayen (ca. 14 %) und Indern (ca. 8 %). Für Xin natürlich perfekt: Sie kann hier an fast jeder Ecke einfach auf Chinesisch losplaudern.

    Neben all der Geschichte gab es im Museum auch spannende Einblicke in die Neuzeit. Besonders beeindruckend: Singapur musste wachsen – und zwar buchstäblich. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Landfläche um etwa 25 % größer geworden, dank massiver Landgewinnung. Berge wurden abgetragen, Meer aufgeschüttet, und voilà: neuer Platz für Flughafen und Hafenanlagen. Teile davon lagen vor 80 Jahren noch unter Wasser.

    Nach diesem sehr lehrreichen Tag ging es zurück zum Hotel – natürlich im Regen. Denn hier regnet es aktuell zuverlässig jeden Tag etwa drei bis vier Stunden. Unser Weg führte entlang eines Kanals und über eine bunt, künstlerisch verzierte Brücke. Regen hin oder her, irgendwie passte es zur Atmosphäre. Und wir sahen auch hier wieder Warane im Kanal platschen. Irgendwie scheinen die uns zu verfolgen.

    Der folgende Tag stand ganz im Zeichen des Flughafens – denn der Changi Airport gilt hier tatsächlich als Hotspot. Bei unserer Ankunft hatten wir das leider aus Unwissenheit komplett verpasst. Also rein ins hervorragend ausgebaute Nahverkehrsnetz und ab zum Flughafen. Google Maps hatte allerdings andere Pläne und schickte uns auf einen unerwartet langen Fußmarsch. Aber gut – ein kleines Extra-Fitnessprogramm schadet ja nie 😉

    Direkt am Flughafen liegt die gigantische Mall „Jewel Changi“, die sich über zehn Etagen erstreckt. Highlight Nummer eins: der angeblich höchste Indoor-Wasserfall der Welt mit stolzen 40 Metern. Dazu kommen üppig bepflanzte Terrassen, Shops, Restaurants und jede Menge Attraktionen. Wer möchte, kann über Brücken direkt am Wasserfall spazieren oder in einem Funpark auf Netzen über den Abgrund laufen – nichts für schwache Nerven. Man kann hier locker einen ganzen Tag verbringen. Für Einheimische und Vielflieger gibt es sogar ein Jahresticket. Ja, für den Flughafen. Willkommen in Singapur 😄

    Am späten Nachmittag zog es uns ins Hafengebiet zum Merlion – jenem sagenumwobenen Fabelwesen aus Löwe und Meerjungfrau, das unermüdlich einen gigantischen Wasserstrahl ins Meer spuckt. Man bekommt fast den Eindruck, er wolle die Bucht wieder auffüllen, falls mal etwas fehlt. Wahrzeichenpflichtbewusst wie er ist, ließ er sich natürlich brav von allen Seiten fotografieren.

    Auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht bot sich ein echtes Postkartenpanorama: das Riesenrad Sky Flyer direkt am Hafen, Teile der Formel-1-Strecke, die sich hier völlig unbeeindruckt mitten durch Stadt und Hafen schlängelt, und natürlich das berühmte Marina Bay Sands Hotel, das aussieht, als hätte jemand drei Hochhäuser genommen und oben ein Schiff darauf geparkt.

    Am Abend zeigte sich Singapur dann von einer ganz anderen, fast schon märchenhaften Seite. Wir machten uns auf den Weg zu den berühmten Gardens by the Bay, einem Park auf einer Halbinsel vor der Stadt – zufällig auch dort, wo das Marina Bay Sands steht. Hier findet man den Cloud Forest, ein riesiges Gewächshaus mit Pflanzen aus allen Teilen der Welt und einem Indoor-Wasserfall von stolzen 35 Metern Höhe. Daneben gibt es den Flower Dome, der seinem Namen alle Ehre macht und mit unzähligen wunderschönen Blumen punktet.

    Am bekanntesten sind aber wohl die Supertrees: baumähnliche Türme, die schon bei Tageslicht ziemlich beeindruckend aussehen. Doch sobald es dunkel wird und die Beleuchtung angeht, legen sie erst richtig los. Aktuell findet unterhalb der Supertrees eine Art Weihnachtsmarkt mit Karussells und Fressbuden statt – den haben wir großzügig links liegen lassen.

    Stattdessen suchten wir uns einen nahegelegenen Hügel und wurden belohnt: perfekter Blick auf das Marina Bay Sands Hotel und die Lichtshow der Supertrees. Diese findet gerade dreimal pro Abend statt und wird momentan sogar von Weihnachtsliedern begleitet. Ein echtes Highlight – und definitiv etwas, das man sich auch zu anderen Jahreszeiten nicht entgehen lassen sollte. ✨

  • Malaysia – Kuala Lumpur

    Unser nächster Stopp führte uns nach Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias. Wir kamen abends an – und erlebten direkt eine sehr positive Überraschung: Unser Apartment im 29. Stock eines Hochhauses war so groß, dass wir kurz überlegten, ob wir versehentlich einen Konferenzsaal gebucht haben. Dazu ein Balkon in rund 100 Metern Höhe mit Blick über die Stadt und direkt auf die Petronas Twin Towers. Die werden nachts bis 24 Uhr so schön angeleuchtet, dass man sich fragt, ob die Türme heimlich als Schönheitswettbewerbs-Kandidaten arbeiten. Sie spiegeln sich sogar kunstvoll in den Glasfassaden der umliegenden Häuser. Am ersten Abend ging’s gleich noch schnell in die 51. Etage – die Dachterrasse unseres Towers. Dort wartete ein Infinity-Pool, der so hoch gelegen war, dass man sich beim Schwimmen fast wie ein schwebender Goldfisch über der Stadt fühlte.

    Am nächsten Tag erkundeten wir die Gegend rund um unser Hotel, inklusive einer gigantischen Mall, in der man sich problemlos verlaufen könnte… und das vermutlich auch tut. Bei Dunkelheit spazierten wir dann zu den Petronas Towers, die man in nur zehn Minuten erreicht – wenn man sich nicht alle zwei Meter ablenken lässt. Der Platz davor war voller Menschen und Fotografen, die mit semi-professioneller Ausrüstung für 15 Malaysische Ringgit Portraitfotos schossen. Wir fanden allerdings, der Unterschied zu unseren eigenen Bildern war eher semi-semi-professionell – also sparten wir uns das Geld.
    Der Blick direkt am Fuß der Türme war noch beeindruckender als von unserem Balkon. Man starrt nach oben und denkt: „Okay, diese Türme haben definitiv die ‚bis zum Himmel‘-Einstellung aktiviert.“ Danach ließen wir den Abend im Park hinter den Towers ausklingen – mit Musik, Wasserfontänen und romantischer Beleuchtung. Fast schon verdächtig kitschig.

    Der nächste Tag stand voll im Zeichen des Sightseeings. Mit dem wirklich praktischen öffentlichen Verkehrsnetz ging es in die Altstadt mit mehreren Moscheen, zum Merdeka Square (dem Unabhängigkeitsplatz) und weiter zu den Batu Caves – rund 15 km außerhalb des Zentrums. Die Batu Caves sind ein natürliches Höhlensystem mit beeindruckenden Felsformationen, vielen Affen und inzwischen auch einer überraschenden Anzahl Tauben, die von Touristen gefüttert werden und sich am Fuße der Höhle breitmachen. Drumherum: kleine hinduistische Schreine und ein kleiner Zoo, der extra Eintritt kostet (natürlich!).
    Dann ging es zu den angeblich 272 Stufen der berühmten Regenbogentreppe – wir haben sie nicht nachgezählt, aber unsere Waden sagen: Es könnten auch 1.000 gewesen sein. Oben angekommen landet man in der sogenannten Kathedralen- bzw. Tempelshöhle, in der mehrere hinduistische Schreine und ein Tempel stehen. Viele fanden: „Die Höhle ist schön… aber die bunten Betonfiguren haben eine gewisse… künstlerische Dominanz“. Glauben kann eben Berge versetzen – oder jahrtausendealte Höhlen dekorativ überfordern ;)))

    Zurück in Kuala Lumpur fuhren wir anschließend nach Chinatown. Dort mischten sich hinduistische Tempel, indische und chinesische Restaurants zu einem bunten kulturellen Buffet. Besonders schön bei Dunkelheit: die berühmte Jalan Petaling Street – ein riesiger Straßenmarkt mit Souvenirs, Schmuck, Taschen, Kleidung und vermutlich genau den Uhren, die noch fünf Minuten vor Schichtbeginn in einer Fabrik in Shenzhen von der Produktionslinie gehüpft sind.
    Auf dem Weg zurück zum Apartment schlenderten wir noch durch den Central Market mit kleinen Geschäften und Restaurants. Dazu schnell ein paar Fotos vom Merdeka 118 Tower, mit 679 Metern aktuell das zweithöchste Gebäude der Welt. Leider sind noch nicht alle Bereiche freigegeben, also keine Aussicht von der Plattform in 600 Metern Höhe (Eröffnung erst 2026). Aber keine Sorge – ein fast genauso hohes Vergnügen wartete noch.

    Für den nächsten Abend hatten wir Tickets für die Sky Bridge und die Aussichtsplattform der Petronas Twin Towers. Die Tickets sind übrigens immer einen Tag im Voraus ausgebucht – für den Sonnenuntergang sogar drei Tage. Also: Foyer, Sicherheitskontrolle (Flughafenstimmung inklusive), ab in den Aufzug und hoch auf die Sky Bridge in der 41. Etage – das schwebende Verbindungsstück zwischen den Türmen in 170 Metern Höhe. Ein paar Minuten Fotos machen, Aussicht genießen, und schon ging’s weiter. Mit zweimal Umsteigen – nein, es gibt tatsächlich keinen Fahrstuhl direkt „von ganz unten nach ganz oben“ – erreichten wir die Plattform in 370 Metern Höhe. Nicht ganz so hoch wie die Sky Bar im Landmark 81 in Ho-Chi-Minh-Stadt, aber absolut beeindruckend. Man hat fast 360° Rundumblick und entdeckt sogar das eigene Apartmenthaus wieder, das plötzlich wie ein akzeptabler Kleinwagen unter SUVs wirkte. Sogar von der Toilette in 370 Metern Höhe konnte man durch die Glasfassade beim ‘kleinen oder großen Geschäft’ direkt auf die Stadt blicken – ein Thron mit Aussicht, wie man ihn nicht mal in einem Königspalast findet.

    Am letzten Tag vor unserer Weiterreise nach Singapur stand noch mal Sightseeing an – und ein erneuter Stresstest für den öffentlichen Nahverkehr. Ab ging’s mit Zug und Bus zum Tangga Putrajaya, einem großen Park etwa eine Stunde südlich der Stadt. Dort gab es viele Bäume, Sträucher, Blumen und die 30 Tangga Putrajaya Steps, die auf einen Hügel mit Aussicht führten.
    Direkt daneben: das Büro des Premierministers von Malaysia und die berühmte Rosa Moschee. Das Regierungsgebäude konnten wir nur von außen ansehen, aber die Moschee durfte betreten werden – allerdings erst nach dem „Dresscode-Upgrade“. Unsere touristische Kleidung war etwas… luftig, also gab es für uns einen dunkelroten Kaftan mit Kapuze. Wir sahen aus wie „Teletubbies – die Next Generation“. Schuhe ausziehen nicht vergessen! Bei 32 Grad, praller Sonne und einem Ganzkörper-Outfit, das eher an Saunazubehör erinnert, fühlte sich jeder Schritt innen an wie ein Kurzurlaub in der Wüste Gobi. Respekt an alle, die das täglich machen.
    Die Rückfahrt mit Bus und Bahn lief dann nicht ganz so geschmeidig wie die Hinfahrt, weshalb wir die ersten Kilometer zur nächsten Station mit dem Taxi fahren mussten. Immerhin: klimatisiert.

    Abends waren wir noch gegenüber von unserem Apartmenthaus in einem arabischen Restaurant. Natürlich durfte dort Knafeh (auch als Konufe oder Engelshaar bekannt) nicht fehlen – jenes himmlische Dessert, das es sogar bis in die weniger geschmackvolle Dubai-Schokolade geschafft hat. (Nur weil man es in Schokolade presst, wird es nicht automatisch besser… aber nett, dass sie’s versucht haben.) Unser Knafeh dagegen: sehr lecker! Dazu gab es noch türkisches Baklava – süßen, pistaziengefüllten Blätterteig mit einer Decke aus Blattgold. Wenn schon Zuckerrausch, dann bitte in der Luxusversion. Man gönnt sich ja sonst nichts ;))

  • Vietnam – 3 Tage in Ho Chi Minh Stadt (Saigon)

    Vorgestern, an unserem ersten Tag in Ho Chi Minh City (auch bekannt als Saigon – und ja, beide Namen werden immer noch benutzt), haben wir uns direkt in einen ausgedehnten Stadtbummel gestürzt. Schließlich muss man die Stadt ja erst mal beschnuppern, bevor man sie ins Herz schließt. Erste Station: die katholische Kirche „Nhà thờ Huyện Sỹ“, nur ein Steinwurf von unserem Hotel entfernt. Ein Bau aus dem 19. Jahrhundert, also aus jener Zeit, als die Franzosen dachten: “Lasst uns ein Stück Europa ans andere Ende der Welt pflanzen.“ Das Deckengewölbe, der Altar und die bunten Fenster hätten auch problemlos in irgendeiner europäischen Altstadt stehen können – nur eben mit ein paar Grad mehr Luftfeuchtigkeit.

    Weiter ging’s zum „Independence Palace“, dem Wiedervereinigungs- und/oder Unabhängigkeitspalast Vietnams (scheinbar war man sich beim Namen nicht ganz einig). Gebaut wurde er nach dem Ende der französischen Besatzung auf dem Gelände des alten Gouverneurspalastes. Innen sieht alles aus wie eine Mischung aus Retro-Luxus und Zeitkapsel: Teppiche, schwere Holzmöbel, Vasen, die garantiert mehr erlebt haben als wir. Außen hingegen eine Art architektonischer Kompromiss zwischen Klassizismus, 50er-Jahre-Beton und „wir versuchen mal was Neues“.

    Auf dem Plan stand danach die Kathedrale Notre Dame von Saigon. Leider war sie komplett eingepackt wegen Renovierungsarbeiten – sah also eher aus wie ein Christo-Kunstprojekt als eine Kirche. Nachts ist die Beleuchtung allerdings so hübsch, dass man fast vergisst, dass drunter gerade Baustelle ist. Direkt daneben das alte Postamt, immer noch in Betrieb, aber inzwischen halb Post, halb Souvenir-Tempel. Ein paar Fotos und 27 potenzielle Magneten später schlenderten wir weiter zum Saigon Opera House. Auch dieses schicke Gebäude stammt aus der französischen Kolonialzeit – man erzählt sich sogar, dass die Franzosen sämtliches Baumaterial extra heranschleppen ließen. Luxus muss man wollen.

    Auf dem Rückweg kamen wir am berühmten Ben-Thanh-Markt vorbei: ein riesiger, vollgestopfter Shopping-Hotspot, der gefühlt 1000 Stände für Kunsthandwerk, Essen und „ganz sicher echte Markentaschen“ beherbergt. Hätten wir keine Backpacker-Rucksäcke, sondern Koffer in XXL, wäre das sehr gefährlich geworden.

    Gestern wollten wir dann ganz spontan zum Hafen, um mit der Fähre – dem sogenannten Water Bus – die Stadt vom Wasser aus zu bestaunen. Gute Idee, dachten wir.
    Nach 30 Minuten Fußmarsch am Hafen angekommen: „Fahrten am Vormittag? Nein, heute nicht, trotz offiziellem Fahrplan.“ Großartig. Die Touristenschiffe um die Ecke? Starten natürlich erst am späten Nachmittag. Warum? Keine Ahnung – vielleicht Mittagsschlaf der Boote.

    Auf dem Rückweg dann wieder der tägliche Endgegner: vietnamesischer Straßenverkehr. Eine Straße zu überqueren fühlt sich hier an wie ein Level im Videospiel „Überlebe den Scooter-Schwarm“. Zwischendurch entdeckten wir das Gartenstadt-Restaurant, das stolz Krombacher, Schweinshaxe und Schnitzel anbietet. Sehr deutsch. Sehr absurd, wenn man bedenkt, dass es diese Dinge zuhause garantiert besser gibt – und wir eigentlich vietnamesisch essen wollen.

    Zurück im Hotel hieß es dann: Umziehen für das große Abend-Highlight – die Sky Bar im Landmark 81. Also ab in die Metro und rauf auf Vietnams höchsten Turm (und immerhin zweithöchsten in ganz Südostasien). Die Bar in den Etagen 79–81 (ca. 400 Meter über der Stadt) versprach Cocktails mit Aussicht – vorausgesetzt man wartet 35 Minuten, weil alle dieselbe Idee hatten. Der Aufstieg lohnte sich aber: grandiose Cocktails, fast klarer Himmel und eine Aussicht, bei der selbst 30-stöckige Hochhäuser aussehen wie Hundehütten mit Beleuchtung. Atemberaubend!

    Heute, an unserem letzten Tag in der Stadt, stand eine Bootstour durchs Mekong-Delta auf dem Programm. Der Mekong entspringt ja bekanntlich in Tibet, schlängelt sich durch sechs Länder und landet schließlich im Südchinesischen Meer – ein echter Weltenbummler also. Nach einer 90-minütigen Busfahrt stiegen wir in ein Boot, glücklicherweise mit nur 15 Leuten. Erste Station: eine Bienenfarm. Dort durften wir Honig und Gelee Royale probieren und ein bisschen mit den Bienen „auf Tuchfühlung“ gehen (freiwillig natürlich). Danach gab’s eine vietnamesische Gesangseinlage, die man diplomatisch als „authentisch“ bezeichnen könnte.

    Weiter ging es mit dem TukTuk zur Kokosnussmanufaktur – Öl, Flocken, Bonbons, alles dabei. Die Bonbons waren so lecker, dass wir uns gleich eine ganze Packung gegönnt haben. Dann eine kleine Ruderbootfahrt durch enge Kanäle, zusammen mit zahlreichen anderen Touristengruppen – sehr idyllisch, wenn man die Selfie-Sticks ignoriert.

    Nach dem Mittagessen stand noch die Fütterung von Krokodilen und Catfish (Katzenwelsen) auf dem Programm. Alle waren erstaunlich begeistert davon, Tieren Essen ins Maul zu werfen. Dann ging es zurück nach Ho Chi Minh City, mit kurzem Stopp an einer Pagode mit lachendem Buddha, liegendem Buddha und Bonsais, die aussehen, als hätten sie eine besonders kreative Pubertät hinter sich.

  • Vietnam – Ba Na Hills

    Für heute hatten wir einen Ausflug in die Ba Na Hills geplant – von Da Nang aus quasi einmal Richtung Himmel und dann links. Der Bus brachte uns zur Talstation der Seilbahnen. Und tatsächlich: Schon beim Aussteigen fühlte man sich wie in einem Skigebiet in Österreich. Es fehlten nur noch die Après-Ski-Hits und der Typ, der mit Skistiefeln herumklappert. Dafür gab es aber – völlig unerwartet – Weihnachtsschmuck und Weihnachtslieder. In Vietnam. Bei über 20 Grad. Klar, warum auch nicht?

    Die Anlage nennt sich Sun World Ba Na Hills, was im Grunde so viel heißt wie: „Freizeitpark in den Wolken – Eintritt nicht billig, aber spektakulär.“ Dort gibt’s die berühmte Golden Bridge, die man aus Instagram kennt, wo sie immer sonnig, golden und völlig frei von Menschenmassen ist (haha, ja klar). Außerdem gibt’s einen Fantasy Park mit allem, was Vergnügen macht: 4D-Kinos, einen Freifallturm und Autoscooter. Und dann noch das French Village – ein Dorf, das so französisch tut, dass selbst die Baguettes fast Akzent haben. Dazu eine Brauerei auf 1487 Metern Höhe, die bayrisches Bier nachbrauen will. Aber dazu später… viel später.

    Um nach oben zu kommen, fährt man erst mal 30 Minuten Seilbahn. Natürlich von Doppelmayr, dem Ferrari unter den Seilbahnbauern. Die Dinger stehen überall – Alpen, Amerika, Asien – irgendwann vermutlich auch auf dem Mond.

    Schon während der Fahrt wurde uns aber klar: Heute wird’s… na ja… feucht und weiß. Der ganze Berg war in Wolken versteckt. Wir waren trotzdem optimistisch – schließlich sind wir Touristen, wir glauben an Wunder. Doch oben angekommen: Regen. Nebel. Nichts Instagram-tauglich. Reality vs. Instagram 1:0. Die Golden Bridge und ihre berühmten Hände sahen aus, als würden sie sich gerade zum Mittagsschlaf unter einer grauen Wolkendecke einkuscheln.

    Zum Glück hatten wir Regenjacken. Im Gegensatz zu den armen Touristen, die wie nasse Hühner herumliefen oder sich spontan Plastikponchos kauften, die aussahen wie bunte Müllsäcke mit Kapuze. Wir knipsten ein paar Fotos – eher Kategorie „Beweisfoto“ als „goldener Influencer-Moment“ – und flüchteten ins Trockene.

    Im ersten 4D-Kino bekamen wir eine Geisterbahngeschichte präsentiert. Die Sitze wackelten, Luft wurde ins Gesicht gepustet, Wasser sprühte… Wir fühlten uns wie in einer Achterbahn, nur ohne Achterbahn. Dank der 3D-Brillen flogen uns Spinnen entgegen. Sehr realistisch. Sehr unnötig.

    Im zweiten Kino flogen wir über die Metropolen der Welt. Auch wieder wackelnde Sitze. Man hatte das Gefühl, man sitze in einem Flugzeug – allerdings in einem, das ständig Turbulenzen hat.

    Nach so viel Action und Nässe kam der Hunger. Da wir Gutscheine für Essen und Bier bekommen hatten, ging es ins Ba Na Brew House. Unten eine Mini-Brauerei, oben drei Etagen Gastronomie. Und siehe da: Brezn! Xin hatte schon tagelang davon gesprochen – also wurde eine bestellt. Sie war zwar nicht knusprig, aber geschmacklich überraschend nah an einer echten bayrischen Brezn dran. Die Deko: wie ein bayerisches Wirtshaus. Bedienungen in Dirndl und „Lederhosen“, die man eindeutig nicht im Alpenraum gekauft hat.

    Das Bier… ja. Sagen wir es so: Es gab 5–6 Sorten, aber keine davon hätte einen Münchner länger als zwei Schlucke überzeugt. Ach ja, und es wurden nur 0,1-Liter-Gläser ausgeschenkt. 0,1 Liter! Kein Tippfehler. Das ist weniger als ein kräftiger Schluck. Eine bayrische Maß hätte das hier wahrscheinlich als Naturkatastrophe gewertet.

    Nach dem Bier-Schock spazierten wir noch durchs French Village, schauten uns die Hotels und Cafés an und bestaunten eine gotische Kirche, die verdächtig an „Disneyland Paris light“ erinnerte. Und trotz des Wetters gönnten wir uns ein Mango-Eis. Wenn schon, denn schon!

    Der Rückweg dauerte etwas. Hunderte Menschen wollten gleichzeitig ins Tal – die Seilbahn war quasi das neue Black-Friday-Schnäppchen. Nach einer Viertelstunde Schlange standen wir endlich in der Gondel und fuhren zurück zum Bus. Und dann ins Hotel. Endlich trocken. Endlich warm. Und ohne weitere 0,1-Liter-Biergläser.


  • Vietnam – Da Nang / Hoi An

    Auf unserer Weiterreise nach Da Nang hatten wir mal wieder ein Highlight – allerdings eher so die Art Highlight, die man keinem wünscht. VietJet Airlines ist ja ohnehin dafür bekannt, sich regelmäßig eine kreative Pause zu gönnen, aber diesmal haben sie wirklich alles gegeben. Erst wurden wir auf einen späteren Flug umgebucht (klar, warum auch nicht), und der hatte dann natürlich auch noch mal locker zwei Stunden Verspätung. Gegen Mitternacht – also zu einer Uhrzeit, zu der normale Menschen schon seit Stunden schlafen oder zumindest so tun – kamen wir dann mit insgesamt 9 Stunden Delay endlich im Hotel in Da Nang an. Immerhin: Das Hotel war das beste der Reise bisher und lag direkt am Strand, nur eine Straße entfernt. (Man gönnt sich ja sonst nichts.)

    Am nächsten Morgen sind wir nach dem Frühstück erst mal an den Strand gestiefelt. Die Temperatur war absolut badefreundlich, aber wegen der vielen Wellen herrschte Badeverbot. Offenbar wollte das Meer an dem Tag seine Ruhe. Also blieb uns nichts anderes übrig, als einen langen Spaziergang am Strand zu machen – sehr schön, aber eben nicht das erhoffte Planschvergnügen. Anschließend haben wir noch ein bisschen die Gegend rund ums Hotel erkundet.

    Gegen Abend ging es dann zur berühmten Drachenbrücke – ein Wahrzeichen der Stadt und offenbar auch ein Magnet für die gesamte Bevölkerung Da Nangs plus aller Touristen Vietnams. Eigentlich wollten wir nur die Beleuchtung sehen, aber die Menschenmenge war so dicht, dass man sich fast hätte durchs Publikum buddeln müssen. Dann fiel uns auf, dass in 10 Minuten die Drachenshow startet, die jeden Samstag und Sonntag stattfindet – und plötzlich ergab das Gedränge Sinn. Auch auf dem Han River unterhalb der Brücke wimmelte es von Ausflugsbooten, die alle auf einen Logenplatz für das Spektakel hofften. Wir fanden dann einen Platz in der Nähe des Drachenkopfes (quasi erste Reihe, nur ohne Eintritt) und konnten pünktlich die Show beobachten. Erst spuckte der Drache mehrere Feuerstöße – sehr beeindruckend – und am Ende versprühte er Wasser. Die Leute auf der Brücke bekamen dabei eine kleine Dusche ab, ob sie wollten oder nicht. Wellness inklusive, völlig kostenlos.

    Am nächsten Tag machten wir einen Ausflug zur nahegelegenen Chua Linh-Ung Pagode und zum Thap Xa Loi Tempel. Dort gab es viele goldene Buddha-Statuen, einen schönen Park und imposante Bonsai-Bäume, die vermutlich älter sind als alle unsere Hauspflanzen zusammen. Besonders beeindruckend war die 67 Meter hohe „Lady Buddha“, die nachts so hell beleuchtet wird, dass man vermutlich noch vom Mond aus sieht, wo Da Nang liegt.

    Für den Abend hatten wir dann einen Abstecher nach Hoi An geplant. Die Stadt, die schon im Mittelalter von chinesischen und japanischen Dynastien geprägt wurde, liegt etwa 25 km südlich von Da Nang. Dort gibt es alte Häuser im chinesischen und japanischen Stil, aber auch europäische Gebäude aus der Zeit der Ostindien-Kompanien – quasi eine Architektur-Weltreise auf kleinstem Raum. Ein Beispiel ist die „Japanische Brücke“ aus dem 17. Jahrhundert, die angeblich den japanischen mit dem chinesischen Teil verbinden sollte. So zumindest die Legende – vielleicht hatten die Architekten aber auch einfach Spaß am Brückenbauen.

    Nach Einbruch der Dunkelheit entfaltet Hoi An dann seinen Zauber: Straßen voller Laternen, Boote mit Laternen, Laternenverkäufer … kurz gesagt: Laternen, wohin man schaut. Man kann sogar kleine schwimmende Laternen kaufen und im Fluss aussetzen. Die ganze Szenerie wirkt so stimmungsvoll, dass es fast kitschig wäre – wenn es nicht so unglaublich schön wäre. Hoi An zeigt sich eben nachts von seiner absolut besten Seite.

  • Vietnam – Ha Long Bucht

    Wir haben uns eine 2-tägige Mini-Kreuzfahrt in der berühmt-berüchtigten Ha Long Bucht gebucht. Klingt gut, oder? Als wir dann das Programm lasen, wurde uns schnell klar: „2 Tage“ bedeutet eigentlich „24 Stunden auf einem Schiff mit einer Nacht, aber hey, wir nennen es halt Mini-Kreuzfahrt“. Wir waren trotzdem in Urlaubsstimmung und gespannt auf das Abenteuer.

    Leider wurde der Spaß durch die lokalen Vorschriften ziemlich ausgebremst – Kanufahren in einer Höhle und durch die Bucht? Fehlanzeige! Und so fuhren wir gestern, am ersten Tag, mit einem kleinen Boot raus zum Schiff. Schon die Überfahrt war spannend, vor allem wenn man bedenkt, dass die Ha Long Bucht malerisch aussieht… auf Instagram. In Wirklichkeit ist sie eher der „Parkplatz der Schiffe“, mit bis zu 300 Booten, die sich in der riesigen Bucht verteilen. Man fühlt sich fast wie im größten Tetris-Spiel der Welt.

    Da der Rest des Programms ja nun auch gestrichen war, blieb uns nur der grandiose Plan, zwischen den Kalksteininseln zu schwimmen. Das Wasser war schön warm – circa 25°C – aber klar… sagen wir mal: nicht gerade „Karibik-Klarheit“. Unterwasser war die Sicht so gut wie in einem dichten Nebel – maximal 1,5 Meter. Aber immerhin konnte man so die Kalksteininseln in allen möglichen mysteriösen Formen bestaunen, ohne sich zu fragen, ob das alles nur ein riesiges Fotomotiv für die Influencer ist.

    Abends gab’s dann einen Sonnenuntergang, begleitet von Cocktails – das nennt man wohl „Hochprozentige Kultur“ – und einem Fünf-Gänge-Menü. Anschließend noch eine Fashion-Show mit nicht sonderlich imposante lokalen Trachten. Aber hey, wenigstens gab’s danach noch eine Tanzvorführung, die wir tapfer „versuchten“ nachzutanzen – und ich betone hier „versuchten“. Sagen wir es so: Wir haben den Takt um 3 Sekunden verpasst, aber die Stimmung war top!

    Zum Abschluss noch das Tintenfischangeln – der Name klingt ja vielversprechend, aber mit der Ausrüstung hätte man genauso gut nach Gold schürfen können. 30 Minuten angeln mit bis zu 5 Leuten und – Überraschung – kein Tintenfisch in Sicht! Da die Geduld schon aufgebraucht war, gingen wir lieber ab in die Kabine. Der Sonnenaufgang morgen würde uns schon wieder motivieren – naja, hoffentlich.

    Heute am 2. Tag, morgens um 6 Uhr aufstehen. (Ich will nicht sagen, dass es uns schwerfiel, aber wer möchte schon aufstehen, wenn das Bett plötzlich wie das liebste Möbelstück der Welt aussieht?) Dann der atemberaubende Sonnenaufgang über den Kalksteininseln – ein beeindruckender Anblick, der uns immerhin kurz den Schlafrausch nahm.

    Danach ging es zur Tai-Chi-Stunde – ich sage mal so: Ich habe das Gefühl, man kann die Bewegungen nicht wirklich falsch machen, solange man entspannt dabei aussieht. Nach einem schnellen Frühstück ging es dann per Boot und Bus zur Dong Trung Trang Höhle auf der Insel Cat Ba – eine gute Alternative zum Kajakfahren. Aber, und das ist wichtig: Es war auch eine Alternative. Also, kein Ersatz für die verschollenen Paddelabenteuer, aber trotzdem nett.

    Und dann kam der Höhepunkt: Der Aufstieg zum Höhleneingang über eine Treppe mit Pfeilern – die schwankten so sehr, dass man dachte, sie würden bald ihre Kündigung einreichen. Bei 200 Touristen auf einer Treppe, die für maximal 60 Leute ausgelegt war, war „Engpass“ eher ein euphemistisches Wort für „Achterbahn ohne Sicherheitsgurt“. Und ich will nicht sagen, die Ingenieure waren schuld. Die waren bei Bau einfach nur abwesend. Die Statik hätte in Deutschland garantiert ein paar besorgte Blicke erzeugt und das Bauamt auf den Plan gerufen.

    Die Höhle selbst war dann eine Mischung aus „Harry Potter trifft Alien“. Man musste sich teilweise auf den Knien durch engen Gänge quetschen und dabei von Wasser geformte Gebilde bestaunen, die irgendwie an Gebilde aus den „Alien“ Filmen erinnerten. Ich hatte fast das Gefühl, dass gleich ein „Alien“ aus der Wand springt.


    Trotz allem war es ein schöner 2-Tages-Ausflug (okay, vielleicht 1 Tag – aber wer zählt schon so genau?). Das Schiff war super, die Crew ebenfalls und die Mahlzeiten – naja, wenn man nichts gegessen hätte, wäre der Urlaub vielleicht nicht so fantastisch gewesen. Am Nachmittag ging es dann zurück nach Hanoi, um noch mehr Abenteuer zu erleben.

  • Good Morning Vietnam (Hà Nội)

    Heute war unser erster Tag in Hanoi – und wir sind direkt voll eingestiegen. Nach einem kleinen Frühstück (man muss ja Kräfte sammeln!) ging es ins Old Quarter, das quasi direkt auf dem Bürgersteig vor unserem Hotel beginnt.

    Sobald man aus dem Hotel tritt, startet direkt vor der Tür das Verkehrschaos, vor dem alle immer warnen. Wenn man denkt, in Thailand oder Kambodscha sei es schlimm – nein, nein, nein… Hanoi setzt da noch mal einen drauf. Verkehrs-Hölle-Level: Endgegner. Ein Grund, warum man am Flughafen auch keinen Mietwagen bekommt. Hier gibt es fast nur Autos mit einheimischem Chauffeur zu mieten – quasi „Survival-Guide inklusive“. Bei der Verkehrslage möchte man auch wirklich niemandem zumuten, selbst zu fahren.

    „Chaotisch“ ist eigentlich nur eine höfliche Untertreibung. Xin sagt immer: Scheuklappen auf und einfach loslaufen – die weichen schon aus. Oder auch nicht. ;)))
    Aber bisher hat’s erstaunlicherweise immer gut funktioniert. Vertrauen ins Schicksal hilft. Ampeln sind hier für Rollerfahrer eher Deko oder freundlich gemeinte Vorschläge – und Roller gibt es hier ungefähr hundert Mal mehr als in Bangkok. Gehwege existieren nur manchmal, und wenn, dann dienen sie meistens als Parkplatz, Outdoor-Küche oder erweitertes Wohnzimmer.

    In den Straßen der Altstadt reihen sich die berühmten „Röhrenhäuser“ so eng aneinander, dass man denkt, man sei versehentlich in einem architektonischen Tetris-Spiel gelandet. Der Legende nach wurden zu Zeiten der französischen Kolonialherrschaft Steuern nach der Breite des Hauses an der Straße berechnet. Tja, und so kommt es, dass hier viele Gebäude zwar nur 5–8 Meter breit sind, aber dafür bis zu 50 Meter in die Tiefe reichen. Quasi Häuser im „Hotdog-Format“. Das Ergebnis: Auf 100 Metern Straße finden sich bis zu 20 Shops oder Cafés – oder auf 20 Metern gleich mal drei Hotels. Effizienz können sie!

    Wir haben uns am ersten Tag einfach planlos ins Getümmel gestürzt und treiben lassen. Teile der Innenstadt sind am Wochenende autofrei, wodurch riesige Fußgängerzonen entstehen. Es waren Massen an Einheimischen und Touristen unterwegs – wir hatten das Gefühl, halb Hanoi sei auf den Beinen… und die andere Hälfte auch.

    Schließlich führte uns unser Weg zur berühmten „Hanoi Train Street“ … gut, zugegeben, das war nicht ganz zufällig. Stand schon länger auf der Bucket List. Alle paar Stunden fährt hier ein Zug durch eine enge Gasse voller Cafés und Restaurants. Ähnliches kennt man aus Nordthailand, wo der Zug durch einen Markt brettert – aber auch in Hanoi hat das Spektakel es in sich.

    Bereits eine halbe Stunde vor der Durchfahrt ist die Straße bis zum Anschlag mit Touristen gefüllt, die auf Stühlen entlang der Gleise sitzen und gespannt starren als würden sie gleich einem seltenen Tier beim Vorbeihuschen zusehen. Kurz vorher werden alle freundlich, aber bestimmt von den Kellern zurückgescheucht – keiner soll unter die Räder kommen, weder wörtlich noch metaphorisch. Und dann… kommt er. Mit lautem Hupen schleicht der Zug in gefühlter Schrittgeschwindigkeit vorbei. Eine Minute Handyfotos, Videos, Selfies – und zack, vorbei. Danach strömen sofort wieder die Menschen auf die Gleise, als wäre nie etwas gewesen.

    Später waren wir noch am Hoan-Kiem-See und im Ngoc-Son-Tempel, der auf einer kleinen Insel liegt. Dorthin führt eine hübsche rote Holzbrücke, die nachts so schön beleuchtet ist, dass sie aussieht wie aus einem asiatischen Märchenfilm. Im Tempel finden sich sowohl chinesische als auch vietnamesische Elemente – und zwei präparierte Riesen-Schildkröten, die mal über zwei Meter lang waren und 250 Kilo wogen. Keine Tiere, denen man im Dunkeln begegnen möchte.

    Abends ging es noch einmal zum See, dessen Nordende direkt ans Old Quarter grenzt. Mit der nächtlichen Beleuchtung wirkt die Kulisse noch beeindruckender – Instagram hätte seine Freude daran. Danach ließen wir uns zwei Stunden lang über den Nachtmarkt treiben, der am Wochenende die gesperrten Straßen füllt. Überall Souvenirs, Essen und – natürlich – „absolut echte“ Rolex-Uhren und Louis-Vuitton-Taschen zu traumhaften Preisen. Der Markt zieht sich über mehrere Kilometer, und an manchen Stellen ist das Gedränge so dicht, dass man überlegen muss, ob man sich überhaupt noch bewegt oder einfach kollektiv weitergeschoben wird. Und natürlich: immer schön auf die Wertsachen achten. Wo Gedränge ist, sind flinke Finger nicht weit.

    In Vietnam habe ich endlich meinen Traum erfüllt: Millionär werden. Wir haben für 50 Euro sagenhaft 1,5 Millionen bekommen! Leider nur in Đồng. Vietnam ist das einzige Land, in dem du dein Konto checkst und denkst:‚Wow, ich bin reich!‘
    …und dann kostet der Smoothie plötzlich 75.000

  • Kambodscha – Fazit aus unserer Sicht

    Land und Leute:

    Kambodscha hat sehr schöne Ecken inklusive der Hauptstadt Phnom Penh. Unser Ausflug nach Kambodscha war nicht von langer Hand geplant. Wir haben uns erst einige Tage vorher dazu entschieden. Unser Schwerpunkt lag auf den alten hinduistischen und buddhistischen Tempelanlagen, quasi auf der alten Kultur. Die berühmten Beispiele (auch im Bericht dazu) waren Angkor Wat und der Bayon Temple. Und so haben wir uns hauptsächlich in der Nähe von Siem Reap am Tonlé Sap in der Nähe der großen Tempelanlagen aufgehalten. Von Bangkok auch nur ein „Katzensprung“. Hier waren die Einwohner sehr freundlich und zuvorkommend. Auch oft mit einem Lächeln auf den Lippen. Einmal ist mir am Ende einer TukTuk-Fahrt beim Wühlen im Rucksack mein Portmonee mit Geld und Ausweisen rausgerutscht. Ich habe es 2-3 min später bemerkt. Sofort hat mich jemand zum TukTuk-Stand zurückgeführt und den TukTuk-Fahrer informiert. So habe ich mein Portmonee schnell zurückbekommen. Wirklich sehr hilfsbereit und nicht selbstverständlich. Mit Englisch kommt man hier gut weiter, da seit ca. 20 Jahren Englisch Bestandteil der Schulbildung ist. Wir hatten hier keine Kommunikationsprobleme.

    Verkehr:

    Der Verkehr in der Gegend wo wir unterwegs waren, war auch etwas chaotisch wie in Thailand. Klare Regeln eher Fehlanzeige. Die Einheimischen kommen damit gut klar. Wir haben keine Unfälle gesehen. Es gibt dort Busse, die durchs Land fahren und alle größeren Ortschaften verbinden. Oft sehr kostengünstig. Vor Ort in Siem Reap gibt es Touristen-Shuttles zu den Sehenswürdigkeiten. Aber die Busse sind relativ teuer im Vergleich zu TukTuk’s. Taxis vom Flughafen sind auch teuer, genauso wie Shuttlebusse. Auch die Transfers, die man vorher über die Unterkunft buchen kann. Wir haben uns deshalb am Flughafen wieder direkt einen Fahrer über GRAB geschnappt. Ungefähr 50% vom Taxi- oder Shuttle-Preis. Wir haben gleich WhatApp mit ihm getauscht, so konnten wir ihn die nächsten Tage immer wieder für Ausflüge in der Gegend buchen. So waren wir relativ preisgünstig unterwegs. Auch Fahren zum Restaurant, wenn es mal weiter weg ist, oder zu Sehenswürdigkeiten kann man für ein paar Dollar über GRAB buchen. Wartezeit war meistens nur ein paar Minuten.

    Geld und Kosten:

    Der Wechselkurs war in unserer Zeit in Kambodscha ungefähr 1 Euro : 4.600 Kambodschanische Riel. Hier waren die Schein natürlich etwas größer (Nullen-mäßig) als in Thailand. Hier lohnt es sich Geld zu Tauschen (auf den Wechselkurs achten) oder Kambodschanische Riel am Automaten zu holen (Wechselkurs und zusätzliche Gebühren beachten). Wir hatten einige hundert Dollar mit, den diese werden fast überall akzeptiert.

    Übernachten kann man sehr günstig in Kambodscha. Hier lohnt sich ein Vergleich. Wir haben mit Frühstück gebucht und in einer guten Mittelklasse-Unterkunft rund 35 € (2 Personen inkl. Frühstück) pro Nacht bezahlt. Wenn man etwas Komfort haben möchte sollte man mind. 25-30 Euro für ein Doppelzimmer ohne Frühstück ausgeben. Ganz wichtig ist: Preise vergleichen … wir haben hier immer auf verschiedenen Seiten nach Hotels geschaut. Was Bewertungen bei Vergleichsplattformen angeht, haben wir festgestellt, dass die schlechten Bewertungen meist übertrieben sind und die Besten oft etwas zu gut. Am besten die mittleren Bewertungen prüfen und schauen ob man mit kleinen Mängeln leben kann.

    Einkaufen und Essen geht hier relativ günstig. Wir haben für 2 Personen inkl. Getränke meist nie mehr als 20 Euro bezahlt, wobei die Spanne von 15 Euro in einem Food-Court bis zu 30 Euro in Restaurants gereicht hat.

    In Supermärkten oder kleinen Kiosken kann man günstig einkaufen, wobei das Wasser in Flaschen eher auf dem Niveau von Deutschland (1,5 Liter Flasche zwischen 30 – 50 Cent).

    TukTuk‘s kosten ungefähr 1 Dollar auf 2 Kilometer, auf Langstrecken auch etwas günstiger. Wir haben die TukTuk’s meist über die GRAB-App gebucht oder am Straßenrand mit den GRAB-Preisen im Hinterkopf verhandelt. Taxi’s haben wir nur vom und zum Flughafen über GRAB genutzt. Wie es in der Hauptstadt oder anderen großen Städten ist, können wir nicht sagen.

  • Kambodscha – Siem Reap

    Nachdem wir nach unserer LAST NIGHT IN BANGKOK gestern nach Kambodscha geflogen waren, haben wir am Abend noch eine kleine Tuk-Tuk-Tour durch das Zentrum von Siem Reap gemacht. Dort gab’s dann auch die erste kulinarische Begegnung mit kambodschanischer Küche: Chicken Amok. Spoiler: klingt gefährlicher als es ist.

    Heute stand dann eine „kleine“ Tempeltour auf dem Programm. Also schnell nach dem Frühstück ein 3-Tages-Ticket für 62 Dollar gebucht – gültig für ungefähr 50 Tempel (ja, fünfzig!) – Tuk Tuk geschnappt und ab ging’s in wenigen Minuten zum legendären Angkor Wat, dem Nationalheiligtum Kambodschas. So verehrt, dass es schon seit Mitte des 20. Jahrhunderts die Nationalflagge ziert. Erbaut wurde der Tempel zu Beginn des 12. Jahrhunderts ursprünglich als hinduistische Anlage, später dann zum buddhistischen Tempel umgewidmet. Kein Wunder also, dass man dort viele Inder, Thailänder, Vietnamesen und andere Besucher aus Südostasien trifft, die Räucherstäbchen anzünden, Kerzen aufstellen und vor Vishnu- oder Buddha-Figuren beten. Angkor Wat war seit seiner Erbauung immer in Benutzung – das und der ungefähr 170 bis 190 Meter breite Wassergraben erklären wohl auch, warum dieser Tempel im Gegensatz zu vielen anderen nicht vom Dschungel verschluckt wurde.

    Die Anlage selbst ist gigantisch (ca. 1,5 x 1,3 km). Man kann dort locker mehrere Stunden verbringen und einige Kilometer auf dem Tempel-Fitnesstracker sammeln. Wir haben etwa 2,5 Stunden gebraucht und vermutlich trotzdem nur die Hälfte gesehen.

    Weiter ging es mit dem Tuk Tuk zum etwa 3 km entfernten Bayon-Tempel – dem zweitberühmtesten Tempel der Region Angkor, einst Zentrum des Khmer-Reiches. Der Bayon ist bekannt für seine vielen Türme, an denen in alle Himmelsrichtungen lächelnde Gesichter bis zu 7 Metern Höhe angebracht sind. Wir haben beim Zählen irgendwann aufgegeben, sind aber auf ungefähr 200 gekommen. Der Tempel entstand etwa 50 Jahre nach Angkor Wat für einen neuen König. Danach geriet er allerdings Jahrhunderte lang in Vergessenheit und wurde komplett vom Urwald übernommen. Erst nach den Wirren von Weltkrieg, Indochina-Krieg und der Schreckensherrschaft der Roten Khmer wurde der Tempel ab 1980 wieder freigelegt und teilweise restauriert.

    Vom Bayon ging es dann ein paar Minuten zu Fuß weiter zur „Terrace of the Elephants“ – einer langen steinernen Terrasse mit meterhohen Elefantendarstellungen – und zum im Wald versteckten Kor Sak Tempel, den sich die Natur schon teilweise zurückgeholt hat.

    Und das waren nur ein paar der unzähligen Tempel der Region. Es gibt noch viel zu entdecken!