Heute haben wir beschlossen, die Zitadelle von Thăng Long zu besichtigen. Eintritt: 100.000 Dong pro Person – klingt erstmal nach „Autsch“, ist aber nur etwa 3 Euro. Also der Gegenwert eines Kaffees in Europa… oder eines halben in Zürich.
Die Zitadelle selbst wurde im Jahr 1010 von der Lý-Dynastie gegründet – ja, richtig gelesen: 1010. Damals gab es noch nicht mal WLAN. Viele der alten Gebäude stammen aus dieser Zeit oder wurden später von nachfolgenden Dynastien erweitert. Ein sehr langlebiges Bauprojekt! In den Museumssälen sahen wir viele historische Schriften, die oft auf Chinesisch verfasst sind. Kein Wunder: China hat Vietnam insgesamt über 1000 Jahre beeinflusst, von etwa 111 v. Chr. bis 938 n. Chr. – also länger als manche Menschen brauchen, um ihre Doktorarbeit zu schreiben. Und Hanoi wurde tatsächlich mehrmals von chinesischen Dynastien erobert. Man könnte sagen: ein sehr langfristiger „Kultur-Download“.


Später kamen die Franzosen vorbei und machten Vietnam ab 1858 zur Kolonie, offiziell dann ab 1887, bis 1954 Schluss war. Geschichte Vietnams ist wirklich wie eine WG, in der ständig neue Mitbewohner einziehen – nur fragt wieder mal keiner um Erlaubnis.
Sehr beeindruckend sind die unterirdischen Bunker, die während des Vietnamkriegs genutzt wurden, besonders in den 1960er und 1970er Jahren. Dort stehen Ausrüstungen aus der ehemaligen Sowjetunion herum – ein bisschen wie ein Vintage-Militärflohmarkt. Ein Ort voller Tragik und großer Geschichten – aber heute liegt friedlich die Sonne darüber, als wäre nie etwas passiert.




Danach haben wir einen langen Spaziergang zum Hồ-Tây-See gemacht, westlich vom Stadtzentrum. Dort steht die Trấn-Quốc-Pagode, ein kleiner, aber geschichtsträchtiger buddhistischer Tempel, der älteste buddhistische Tempel Hanois. Obwohl er nicht groß ist, herrscht dort Hochbetrieb. Touristen überall, Selfiesticks im Anschlag, das volle Programm. Im Vergleich zu den vielen wunderschönen Tempeln, die wir in Thailand und Kambodscha gesehen haben, wirkt dieser hier eher… nun ja… bescheiden. Sagen wir es freundlich: Er gibt sich Mühe, aber gegen Wat Pho und Angkor Wat anzutreten, ist ungefähr so, als würde ein Gartenzwerg versuchen, beim Architekturpreis mitzuspielen.Also: ein paar Fotos gemacht – Klick, Klick, Lächeln – und dann schnell weiter, bevor wir selbst Teil des Touristenschwarms wurden.


Am frühen Abend haben wir uns das berühmte Wasserpuppentheater angeschaut. Tickets sollte man unbedingt vorher kaufen – die Vorstellungen sind fast immer ausverkauft. Und nachdem wir es gesehen haben, wissen wir auch warum: Die Show ist wirklich einzigartig.
Die Bühne ist ein großes, grünes Wasserbecken, und an beiden Seiten sitzen Musiker und Sängerinnen, die alles live performen. In einer Stunde werden unzählige Szenen dargestellt: Fischer, die Frösche fangen, Bauern, die Reisfelder bestellen, Kinder, die im Wasser spielen und plantschen. Dann tauchen Drachen und Phönixe auf, tanzen wild herum, sogar Drachenbootrennen gibt es – bunt, lebendig, laut und überraschend.
Immer wieder bewegen sich die Puppen so lustig und unerwartet, dass ich die ganze Zeit rätselte: Wie machen die das eigentlich? Erst fast am Ende habe ich knapp unter der Wasseroberfläche eine Stange erkannt. Aha! Die Künstler stehen also im Wasser und steuern die Puppen mit langen Stangen – keine Fäden von oben, keine Hightech-Tricks.
Am Ende der Show kam die große Bestätigung: Alle Künstlerinnen und Künstler treten hervor – bis zur Hüfte im Wasser! Oh Mann… die stehen von 13:00 bis 22:00 Uhr stundenlang im Wasser und arbeiten. Unvorstellbar!











































































































