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  • Brasilien- Rio de Janeiro (2 von 3) Zwischen Wolken, Christus, Caipirinha und Zuckerhut

    30.07.2026 – Der Christus im Nebel – und plötzlich doch ein Wunder

    Heute klingelte der Wecker schon um 6:30 Uhr. 24 Grad, bedeckter Himmel, aber trotzdem Sonnenschein – also eigentlich perfektes Wetter für unser heutiges Ziel: Cristo Redentor, die weltberühmte Christusstatue auf dem Corcovado.

    Nach unserer Internet-Recherche sollte die Zahnradbahn Trem do Corcovado ziemlich voll sein. Deshalb beschlossen wir, es etwas cleverer zu versuchen und mit dem Shuttlebus hinaufzufahren. Wir bestellten ein Uber und ließen uns bis Paineiras Corcovado bringen.

    Schon auf dem Weg dorthin merkten wir, dass die Natur offenbar noch mit den Nachwirkungen des Sturms vom Vorabend beschäftigt war. Überall lagen abgebrochene Äste herum, und Straßenarbeiter waren fleißig dabei, die Wege wieder freizuräumen. Interessant – im Hotel hatten wir von dem Sturm überhaupt nichts mitbekommen.

    Um 8:15 Uhr kamen wir schließlich bei Paineiras an. Und dann die Überraschung: Wegen des Sturms vom Vorabend würde der Shuttlebus erst um 10 Uhr fahren. Na toll! Früh aufstehen, früh losfahren und dann erst einmal zwei Stunden warten. Das war nicht ganz der Plan.

    Zum Glück gab es eine Alternative: Von hier konnten wir mit der Zahnradbahn weiterfahren. Sie fuhr etwa alle 15 Minuten und kostete 125 Reais, also sogar etwas weniger als die 131 Reais ab der Talstation des Trem do Corcovado. Und plötzlich hatte unsere ungeplante Variante sogar einen großen Vorteil: Wir waren fast die einzigen Passagiere. Also Tickets gekauft – und kaum waren wir fertig, kam auch schon die nächste Bahn. Die war zwar ziemlich voll, aber wir bekamen trotzdem noch freie Plätze. Die Fahrt führte durch den dichten Atlantischen Regenwald den Corcovado hinauf.

    Und dann waren wir endlich oben.

    Vor uns stand die riesige Christusstatue – allerdings nicht ganz so, wie man sie von den berühmten Postkarten kennt.

    Sie stand mitten im Nebel.

    Wir konnten noch kurz die Stadt und das Meer erkennen, dann zog sich eine weiße Wolkendecke über alles. Weg. Nichts mehr zu sehen. Nada! Das darf doch nicht wahr sein! Hatten wir heute etwa wieder dasselbe Pech wie damals in Ba Na Hills in Vietnam, als wir ebenfalls extra irgendwo hochgefahren waren und am Ende hauptsächlich Wolken anschauen durften?

    Wir machten ein paar Fotos von der Statue. Viele andere Touristen schienen ebenfalls ziemlich enttäuscht zu sein und machten sich schon wieder auf den Weg Richtung Zahnradbahn. Aber wir hatten Zeit. Und immerhin regnete es nicht. Also beschlossen wir: Wir bleiben einfach hier und warten.

    Manchmal muss man beim Reisen eben akzeptieren, dass der Wettergott einen eigenen Reiseplan hat. Wir machten ein paar experimentelle Fotos, liefen etwas herum und entdeckten schließlich hinter der Statue eine kleine Kapelle. Sie war geöffnet. Also ging ich hinein, setzte mich ein paar Minuten auf einen Stuhl und genoss die Ruhe. Auch im unteren Bereich fanden wir noch weitere Gebetsräume – und sogar eine Toilette. Sehr praktisch, denn wer hätte gedacht, dass der liebe Gott nebenbei auch noch eine öffentliche Infrastruktur betreibt?

    Nach ungefähr einer Stunde gingen wir wieder zurück zur Statue. Und plötzlich passierte das kleine Wunder: Die Wolken zogen weiter!

    Erst ein kleines Stück, dann immer mehr. Und auf einmal war die gesamte Aussicht frei.

    Wow! Was vorher noch aussah wie ein Ausflug in eine Nebelmaschine, verwandelte sich innerhalb weniger Minuten in eines der spektakulärsten Panoramen unserer Reise.

    Jetzt konnten wir tatsächlich ganz Rio sehen.Links entdeckten wir das berühmte Maracanã-Stadion, dazu unzählige Gebäude, mehrere große und kleine Flughäfen und die unglaublich lange Ponte Rio-Niterói, die sich über die riesige Guanabara-Bucht zieht. Auch das Riesenrad und die Skyline der Innenstadt waren zu erkennen.

    Direkt vor uns lag – ungefähr auf 12 Uhr – der Zuckerhut. Etwas rechts davon: Copacabana mit ihrem goldfarbenen Strand. Noch weiter rechts: Ipanema und davor die Lagoa Rodrigo de Freitas. Ein gigantisches Panorama! So viele Details, so viele Farben – wir konnten einfach nicht aufhören zu fotografieren.

    Ein Bild nach dem anderen. Und noch eins. Und vielleicht noch eins zur Sicherheit. Man weiß ja nie, welches davon später das „wirklich gute“ ist.

    Natürlich waren inzwischen auch deutlich mehr Menschen angekommen. Aber daran waren wir mittlerweile in Rio gewöhnt.

    Zwischen den ganzen Touristen entdeckten wir sogar zwei kleine Eidechsen, die offenbar ebenfalls beschlossen hatten, die plötzlich wiedergekehrte Sonne zu genießen.

    Irgendwann waren wir schließlich zufrieden und wollten gehen.Und da merkten wir, wie viel Glück wir eigentlich gehabt hatten: Der Zugang zur Kapelle war inzwischen gesperrt – ebenso die Toilette auf der oberen Ebene. Die Leute mussten unten lange anstehen, Männer und Frauen gleichermaßen. Puh! Da hatten wir wirklich den perfekten Moment erwischt.

    Die Wolken verschwanden genau dann, als wir noch oben waren – und wir konnten vorher sogar noch ganz entspannt die Kapelle und die Toilette benutzen. Manchmal muss man beim Reisen eben einfach warten, bis das Glück wieder vorbeikommt.

    Mit der Zahnradbahn fuhren wir wieder hinunter. Und obwohl wir schon einiges erlebt hatten, war der Tag noch jung. Also beschlossen wir: Ab zum Strand!

    Diesmal ging es zum Flamengo Beach.

    Der Strand ist ebenfalls sehr schön, aber deutlich ruhiger als Copacabana. Kaum Leute, viel Platz und eine schöne Aussicht auf den Zuckerhut.

    Auf dem Wasser lagen zahlreiche Boote vor Anker. Vielleicht lag es auch daran, dass das Wasser hier durch die vielen Boote nicht gerade zum Baden einlud. Zumindest schien niemand große Lust darauf zu haben, hineinzuspringen.

    Wir machten stattdessen einen schönen Spaziergang entlang des Strandes, genossen die Aussicht und ließen den Tag langsam ausklingen.

    Leider ging es Michael am nächsten Tag nicht besonders gut. Wahrscheinlich hatte er sich beim Baden erkältet. Also beschlossen wir, einen Tag Pause einzulegen. Kein Sightseeing-Marathon, keine Busse, keine Bahnen, keine Sehenswürdigkeiten. Einfach Hotelzimmer, ausruhen und Kräfte sammeln. Auch das gehört zu einer langen Reise dazu. Schließlich kann man nicht jeden Tag auf einen Berg fahren, durch Rio spazieren und gleichzeitig erwarten, dass der Körper irgendwann nicht einfach sagt: „Jetzt reicht’s aber!“

    01.08.2026 – Mit der Fähre zum UFO und nachts durch Copacabana

    Heute ging es Michael wieder besser. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zur Fähre. Unser Ziel: Niterói, die Stadt auf der anderen Seite der Guanabara-Bucht.

    Die einfache Fahrt nach Praça Arariboia kostete gerade einmal 5 Reais, also ungefähr 80 Cent. Die Fähre war erstaunlich groß und sauber. Nach etwa 30 Minuten erreichten wir die andere Seite.

    Und dort erwartete uns eine ganz andere Stadt. Von Praça Arariboia aus liefen wir Richtung Museu de Arte Contemporânea de Niterói, kurz MAC. Das Museum sieht aus, als hätte jemand ein UFO auf einen Felsen am Meer gestellt und anschließend vergessen, es wieder abzuholen.

    Das futuristische, weiße Gebäude wurde vom berühmten brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer entworfen und 1996 eröffnet. Die Form erinnert an eine fliegende Untertasse oder eine riesige Blume. Das Gebäude ragt über die Küste und bietet normalerweise einen fantastischen Blick über die Guanabara-Bucht sowie auf Rio und Niterói.

    Direkt in der Umgebung gibt es außerdem einen schönen Strand. Wenig Menschen, ruhig und entspannt – fast schon verdächtig ruhig für Rio.

    Da wir am Abend noch einen wichtigen Termin hatten, wollten wir uns heute allerdings nicht zu viel Zeit für das Museum nehmen. Wir spazierten weiter, aßen etwas und machten uns gegen 16 Uhr wieder auf den Rückweg.

    Denn am Abend stand etwas ganz Besonderes auf dem Programm:Party-Tour mit einem lokalen Guide durch Copacabana!

    Unsere junge und hübsche Tourleiterin Deyse war offensichtlich genau für so etwas geboren worden. Wir waren eine kleine, angenehme Gruppe von nur fünf Personen und machten mehrere Stopps. Los ging es direkt an einer Strandbar an der Copacabana. 20 Uhr, 25 Grad, ein großer gelber Vollmond hing tief über dem Horizont.

    Die Luft war angenehm warm, vom Meer kam eine leichte Brise – und in unserer Hand stand eine kalte Caipirinha. Also genau die Art von Abend, bei der man sich schon nach zehn Minuten fragt, warum man eigentlich jemals wieder nach Hause fliegen sollte.

    In der Bar tanzten vier Tänzerinnen und Tänzer zu guter DJ-Musik. Irgendwann wurden auch wir auf die Tanzfläche eingeladen.

    Und Deyse hatte natürlich noch eine weitere Idee:Tanzwettbewerb! Sechs Männer mussten zu einem Lied tanzen – Michael selbstverständlich eingeschlossen.

    Wir Frauen hatten die wichtigste Aufgabe: Für jeden Kandidaten möglichst laut zu jubeln. Wer den lautesten Jubel bekam, gewann. Und der Preis? Eine Caipirinha. Das war offenbar Motivation genug. Am Ende konnten sich Ralf aus Paris und Michael gegen die Konkurrenz durchsetzen und wurden gemeinsam zu den Gewinnern erklärt.

    Danach gab es noch Cachaça und weitere Bars. Und mit jeder Bar wurde die Stimmung lustiger.Wir tanzten viel, lachten viel und irgendwann hatte ich offenbar etwas zu viel Caipirinha und Cachaça erwischt. Ab einem gewissen Zeitpunkt wird meine Erinnerung etwas… kreativ.

    Ich kann mich jedenfalls nicht mehr genau daran erinnern, wie Michael uns zurück ins Hotel gebracht hat. Am nächsten Tag wusste ich dafür sehr genau, dass ich einen Kater hatte. Kopfschmerzen deluxe. Ich habe fast den ganzen Tag geschlafen. Erst nach dem Abendessen ging es mir wieder deutlich besser.

    Also machten wir noch einen schönen Spaziergang am Wasser und bewunderten anschließend das Museu do Amanhã von außen.

    Schon von außen ist das Gebäude beeindruckend: futuristisch, langgezogen und mit seiner markanten Architektur fast wie ein Raumschiff am Wasser. Der Entwurf stammt vom spanischen Architekten Santiago Calatrava. Das Museum beschäftigt sich mit Wissenschaft, Nachhaltigkeit und der Frage, wie unsere Zukunft aussehen könnte. Nachts, mit der Beleuchtung, wirkte das Gebäude noch futuristischer. Und wir dachten nur:Nach so einem Abend passt ein Museum der Zukunft eigentlich ganz gut. Wir waren selbst noch nicht ganz sicher, ob wir schon wieder in der Gegenwart angekommen waren.

    03.08.2026 – Heute stand der nächste große Klassiker auf unserem Programm: Pão de Açúcar – der Zuckerhut.

    Und schon während der Fahrt nach oben wurde klar: Die Aussicht hier ist völlig anders als vom Cristo Redentor.

    Beim Zuckerhut geht es nicht darum, über die Stadt von ganz oben hinunterzuschauen. Stattdessen liegt Rio vor einem wie eine riesige Landschaftskarte – mit Bergen, Meer, Stränden, Hochhäusern und der Guanabara-Bucht.

    Mit den berühmten Bondinhos, den Seilbahnen, ging es zunächst zur Mittelstation Morro da Urca und anschließend weiter auf den Zuckerhut.

    Besonders interessant fanden wir dort die historischen Gondeln. Wir konnten die ersten beiden Generationen der Seilbahn sehen.

    Die Geschichte des Bondinho reicht übrigens erstaunlich weit zurück: Der erste Abschnitt zwischen Praia Vermelha und Morro da Urca wurde bereits 1912 eröffnet, der zweite Abschnitt bis zum Zuckerhut folgte 1913. Die ersten Kabinen wurden damals sogar aus Deutschland importiert. 1972 wurde dann eine neue Generation der Seilbahn eingeführt. Schon allein die Tatsache, dass hier seit mehr als 110 Jahren Menschen mit einer Seilbahn auf den Zuckerhut fahren, ist beeindruckend.

    Und wieder erleben wir Rio aus einer völlig anderen Perspektive. Nach dem Cristo Redentor haben wir nun praktisch beide großen Aussichtspunkte der Stadt „abgehakt“ – und beide zeigen uns ein anderes Gesicht von Rio.

  • Brasilien – Rio de Janeiro (1 von 3) – Ankunft zwischen Copacabana, Uringeruch und Sicherheitskräften

    27.07.2026 – Nach unserer Zeit in Foz do Iguaçu geht es heute weiter nach Rio de Janeiro. Der Flug dauert knapp zwei Stunden – also gerade lang genug, um ein bisschen aus dem Fenster zu schauen und sich mental schon einmal auf die nächste Großstadt einzustellen.

    Nach der Landung bestellen wir direkt ein Uber und fahren zu unserem Hotel. Einchecken, Gepäck abstellen – und dann geht es erst einmal auf die Dachterrasse. Dort wartet bereits der erste Vorgeschmack auf Rio: eine schöne Aussicht über die Stadt.

    Da wir seit dem Frühstück nichts mehr gegessen haben, ist allerdings nicht lange Zeit für Romantik. Der Magen meldet sich ziemlich eindeutig. Also suchen wir uns in der Umgebung ein Restaurant.

    Und schon beim ersten Spaziergang bekommen wir einen sehr intensiven Eindruck von Rio – allerdings nicht unbedingt den aus den Reisefotos. Auf den Straßen sehen wir überall Obdachlose und kleine Verkaufsstände. Viele Obdachlose haben lediglich eine Pappe auf dem Boden und eine sehr dünne Bau- oder Plastikdecke als Schlafunterlage. Dazu kommt ein sehr starker Geruch nach menschlichem Urin, der uns leider während unseres gesamten Aufenthalts in Rio immer wieder begleitet.

    Ich hätte nicht gedacht, dass ich das einmal sagen würde: Selbst der Belém-Markt in Iquitos im peruanischen Amazonasgebiet, wo jede Menge ungekühlte Tierkadaver herumlagen, hat für meine Nase weniger schlimm gerochen. 😳 Die Messlatte für „unangenehme Gerüche“ lag in Iquitos wirklich schon ziemlich hoch – Rio schafft es trotzdem, noch eine Schippe draufzulegen.

    Gleichzeitig fällt uns auf, wie unglaublich präsent Polizei und Sicherheitskräfte sind. Überall sehen wir Menschen in dunklen oder gelben Uniformen, meist mit kompletter Ausrüstung. Im Vergleich zu allen anderen Städten, die wir auf dieser Reise besucht haben, wirkt das hier noch einmal deutlich extremer.

    Irgendwann finden wir schließlich ein Restaurant und können uns auf das Wesentliche konzentrieren: Essen!

    Wir probieren etwas Typisches aus der brasilianischen Küche: Churrasco. Die Portion ist riesig – offensichtlich hat man hier verstanden, dass hungrige Touristen keine Vorspeise, sondern eine ausgewachsene Mahlzeit brauchen. 😄

    Geschmacklich erinnert das Gericht ein wenig an Sonntagsbraten, allerdings mit exotischeren Zutaten und brasilianischem Einschlag. Genau das Richtige nach einem langen Reisetag.

    Damit endet unser erster Abend in Rio. Der erste Eindruck? Beeindruckende Stadt, wunderschöne Aussicht – aber auch eine Stadt mit sehr deutlichen sozialen Gegensätzen.

    28.07.2026 – Copacabana: Sonne, Sand, Samba-Gefühl und jede Menge Strandverkäufer

    Heute zeigt sich Rio von seiner berühmten Postkarten-Seite: 32 Grad, strahlender Sonnenschein und blauer Himmel. Unser Ziel: Copacabana.

    Wir fahren mit der U-Bahn vom Zentrum Richtung Strand. Und hier erleben wir gleich eine kleine technische Wohltat: Einfach die Kreditkarte am Eingang scannen und durch! Kein Fahrkartenautomat, kein Rätselraten, welches Ticket man braucht, kein „Warum funktioniert die verdammte Karte jetzt nicht?“.

    Eine Einzelfahrt kostet 7,90 brasilianische Reais, also ungefähr 1,40 Euro.

    Da frage ich mich schon wieder: Warum kann der öffentliche Nahverkehr in München (oder ganz Deutschland) eigentlich nicht genauso unkompliziert sein? 😄

    Dann sind wir da. Copacabana!

    Der Strand ist tatsächlich so schön, wie man ihn von Bildern kennt: breit, weißer Sand, blaues Wasser und weiße Wellen, die sich am Strand brechen.

    Natürlich sind wir nicht die Einzigen, die diese Idee hatten. Der Strand ist voll. Menschen, Sonnenschirme, Handtücher, Verkäufer – überall Bewegung. Wir ziehen sofort unsere Schuhe aus und laufen barfuß am Strand entlang. Das Wasser kommt immer wieder bis zu unseren Füßen und fühlt sich an, als würde es uns persönlich begrüßen. 🌊

    Nach einer Weile suchen wir uns einen Platz im Sand, breiten unsere Handtücher aus und machen es uns gemütlich. Fünf Minuten später ist Michael schon komplett ausgezogen und zack – ab ins Wasser! 😂

    Für mich ist das Wasser allerdings ein bisschen zu kalt. Außerdem muss ja jemand auf unsere Sachen aufpassen. Also bleibe ich am Strand und beobachte stattdessen das bunte Treiben. Und was es hier alles zu kaufen gibt!

    Die mobilen Strandverkäufer sind wahre Multitalente. Angeboten wird praktisch alles, was ein Strandbesucher jemals brauchen könnte: heißen, gekochten Mais 🌽, Tücher, Bikinis, Mate-Tee, Sonnenbrillen, Getränke, Cocktails, Schmuck und natürlich noch ungefähr 100 Dinge, von denen ich vorher nicht wusste, dass man sie am Strand braucht. Hier herrscht ein unglaublicher Betrieb. Der Strand ist nicht nur Badeplatz, sondern gleichzeitig Einkaufsstraße, Treffpunkt, Restaurant und Wohnzimmer der Cariocas.

    Nach ungefähr einer halben Stunde kommt Michael wieder aus dem Wasser zurück – offenbar noch lebendig und nicht von einer Welle nach Afrika gespült. 😄

    Wir laufen weiter am Strand entlang bis zum Forte de Copacabana, das am südlichen Ende der Copacabana liegt.

    Die historische Festung wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und sollte Rio beziehungsweise den Eingang zur Bucht militärisch schützen. Der Eintritt ist eigentlich kostenlos – allerdings nur, wenn man Instagram folgt. Eine interessante moderne Form der Eintrittskarte: früher brauchte man vielleicht einen Militärausweis, heute reicht ein Social-Media-Follow. 😂

    Im Inneren gibt es interessante Ausstellungsräume zur Geschichte der Festung und des brasilianischen Militärs. Besonders spannend finden wir, dass wir sogar in den Kanonenbereich hineinschauen dürfen.

    Auch die früheren Schlafräume und Bäder der Soldaten können besichtigt werden.

    Nach so viel Geschichte brauchen wir natürlich dringend eine Belohnung. Also gehen wir ins Café do Forte und genießen bei einem kühlen Getränk (unserem ersten Caipirinha in Brasilien) und einem Stück Kuchen die Aussicht auf den Strand und das Meer.

    Und dann beginnt langsam der Sonnenuntergang. Mit einem Glas etwas Kühlem in der Hand, Kuchen vor uns und dem Meer im Blick lässt sich der Tag ziemlich perfekt ausklingen.

    Wieder ein wunderschöner Tag in Rio. ❤️

    29.07.2026 – Zu Fuß durch Rio: Straßenbahn, bunte Treppen und Kuchen mit Spiegel-Trick

    Heute wieder 30 Grad und Sonnenschein. Perfektes Wetter, um die Innenstadt zu Fuß zu erkunden.

    Unser erster Stopp ist die Estação de Bondes de Santa Teresa, die Station der berühmten historischen Santa-Teresa-Straßenbahn. Die Straßenbahn ist das Überbleibsel des historischen Straßenbahnnetzes aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Als wir an der Station ankommen, sehen wir allerdings zuerst eine lange Schlange von Besuchern. Und dann hängt da am Eingang ein Schild:

    Heute ausverkauft.

    Na gut. Dann eben nicht. Rio hat schließlich noch genug andere Möglichkeiten – und unsere Füße bekommen dafür heute ordentlich Arbeit.

    Wir gehen weiter und kommen an der Catedral Metropolitana de São Sebastião do Rio de Janeiro vorbei. Die Kathedrale ist architektonisch wirklich außergewöhnlich: Sie wurde in den 1960er- und 1970er-Jahren erbaut und erinnert mit ihrer riesigen, kegelförmigen Betonform eher an ein futuristisches Bauwerk als an eine klassische Kirche.

    Unser persönliches Urteil fällt allerdings etwas weniger diplomatisch aus: Ich finde das Gebäude ziemlich hässlich. 😄 Aber Architektur ist bekanntlich Geschmackssache. Und immerhin ist die Kathedrale mit ihrer ungewöhnlichen Form definitiv nicht zu übersehen.

    Nur wenige Minuten später erreichen wir die Arcos da Lapa, eines der bekanntesten Wahrzeichen der Innenstadt. Das beeindruckende Aquädukt mit seinen weißen Bögen stammt ursprünglich aus der Kolonialzeit. Heute ist es vor allem bekannt, weil die historische Straßenbahn von Santa Teresa darüber fährt.

    Allerdings ist die Umgebung auch hier von den sozialen Problemen der Stadt geprägt. Viele Obdachlose schlafen rund um die Bögen und an verschiedenen Stellen stehen Polizeikräfte.

    Wir haben Glück und sehen sogar eine der berühmten Santa-Teresa-Straßenbahnen vorbeifahren. Wenigstens bekommen wir sie noch zu sehen, auch wenn wir heute nicht mitfahren dürfen.

    Unser nächstes Ziel ist die Escadaria Selarón – die berühmte bunte Treppe von Rio. Die Treppe wurde vom chilenischen Künstler Jorge Selarón mit Tausenden von bunten Fliesen gestaltet und ist heute eines der beliebtesten Fotomotive der Stadt. Und natürlich sind wir auch hier nicht allein. Menschen stehen überall herum, fotografieren, posieren und versuchen, irgendwo ein Bild ohne 37 andere Touristen darauf zu bekommen. 😄

    Wir schauen uns die Fliesen genauer an und entdecken dabei überraschend viele Fliesen aus deutschen Städten – daneben natürlich auch zahlreiche aus anderen Ländern der Welt. Eine Art internationale Weltkarte aus Keramik.

    Nach ein paar Stunden und inzwischen ziemlich vielen Marschschritten machen sich unsere Füße und unsere Mägen gemeinsam bemerkbar. Zeit für eine Pause!

    Auf dem Rückweg machen wir noch einen kurzen Abstecher zur Estação da Portinha – Arcos da Lapa, wo wir gleich zwei der historischen Straßenbahnen vorbeifahren sehen können.

    Dann geht es weiter zu unserem kulinarischen Abschluss des Tages: Confeitaria Colombo.

    Das traditionsreiche Café gehört zu den bekanntesten historischen Cafés Rio’s und wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts von einem französischen Einwanderer erbaut. Besonders beeindruckend ist das Innere mit seinen großen Spiegeln, die den Raum optisch beinahe endlos erscheinen lassen.

    Wir setzen uns hin, bestellen Kuchen und genießen einfach die Atmosphäre.

    Nach mehreren Stunden Fußmarsch ist Kuchen ohnehin keine Sünde mehr, sondern medizinisch notwendige Regeneration. 😄 Natürlich dürfte der Caipi nicht fehlen.

    Ein schöner Abschluss für einen weiteren Tag in Rio – zwischen futuristischer Kathedrale, historischen Aquädukten, bunten Fliesen, Straßenbahnen und sehr viel Kuchen

  • Peru – Lima, Pyramiden, Totenschädel, Surfer und tanzende Fontänen

    Nach unseren Abenteuern im Amazonas hieß es am 09.07.2026 Abschied nehmen. Mit dem Flugzeug ging es von Iquitos zurück nach Lima – zurück in die Zivilisation. Nach 4 Tagen im Dschungel fühlte sich eine richtige Straße plötzlich fast schon luxuriös an.

    10.07.2026 – Unser erster Tag führte uns zur Plaza de Armas und zur beeindruckenden Kathedrale.

    Allerdings war in der Innenstadt gefühlt jede zweite Straße gesperrt. Egal, wohin wir wollten – irgendwo stand garantiert ein Absperrgitter. Langsam hatten wir den Verdacht, dass Peru einfach verhindern wollte, dass wir jemals direkt ans Ziel kommen. Wie sich später herausstellte, waren wir mitten in einer besonderen Phase des Landes gelandet: Seit Anfang des Jahres gilt im Zusammenhang mit den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im April 2026 sowie dem Kampf gegen die Bandenkriminalität der Ausnahmezustand. Außerdem laufen die Vorbereitungen für den Nationalfeiertag am 28.Juli. Das bedeutete vor allem eines: auffallend viele Polizisten, Straßensperren und abgesicherte Plätze. Für uns sah es zunächst so aus, als würde jeden Moment ein Staatsbesuch oder eine Filmcrew um die Ecke kommen – tatsächlich gehörte das aber einfach zum Alltag in dieser außergewöhnlichen Situation.

    Anschließend besuchten wir das Museo del Convento de San Francisco y Catacumbas.

    Die Kirche selbst ist wunderschön, doch der eigentliche Höhepunkt liegt tief unter der Erde des benachbarten Klosters: die berühmten Katakomben. Die sind allerdings nichts für Menschen mit empfindlichem Magen. Vom Ende des 16. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts fanden hier wohlhabende Bürger, Priester, Bischöfe und Ordensbrüder ihre letzte Ruhestätte. Warum ausgerechnet unter einem Kloster? Die damalige Logik war ebenso einfach wie nachvollziehbar: Wer möglichst nah bei Gott begraben wurde, hatte hoffentlich auch einen kürzeren Weg in den Himmel.

    Irgendwann geriet die Gruft in Vergessenheit, bis sie Mitte des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt und gründlich aufgeräumt wurde. Dabei kamen die Gebeine von schätzungsweise 70.000 Menschen ans Tageslicht. Anstatt sie einfach ordentlich in Regalen zu verstauen, entschied man sich für eine etwas ungewöhnlichere Form der Ordnung: Schädel und Knochen wurden sorgfältig sortiert und teilweise zu kunstvollen, kreisförmigen Mustern arrangiert. Makaber? Ohne Zweifel. Beeindruckend? Auf jeden Fall – und definitiv ein Ort, den man so schnell nicht vergisst. Ehrlich gesagt war das ziemlich gruselig. Nach diesem Besuch hatten wir erst einmal genug Knochen für den Rest des Urlaubs gesehen.

    11.07.2026 – Heute stand die Huaca Pucllana auf dem Programm. Schon an der Kasse wartete die erste Sehenswürdigkeit: eine lange Schlange. Nach etwa einer halben Stunde waren wir endlich drin und schlossen uns spontan einer englischen Führung an.

    Die Anlage ist wirklich beeindruckend. Mitten zwischen modernen Hochhäusern steht eine etwa 1.500 Jahre alte Pyramide. Sie war ein wichtiges religiöses Zentrum mehrerer präkolumbischer Kulturen (vor der Ankunft Kolumbus in Südamerika) und besteht aus Millionen von kleinen handgefertigten Lehmziegeln. Diese sind zur Sicherheit gegen Erdbeben hochkant wie Bücher in einem Regal aufgestapelt.

    In der ersten Phase der Nutzung wurden hier junge Frauen geopfert um die Götter des Mondes und des Meeres gnädig zu stimmen und eine reiche Ernte zu sichern. In der späteren Nutzung bestanden die Opfergaben nur noch aus gebastelten Puppen und Obst und Gemüse. In den letzten Jahrhunderten vor Kolumbus wurde der Ort auch als Friedhof genutzt, wovon Gräber, die an der Spritze der Pyramide eingelassen wurden, zeugen. Durch die moderne Umgebung entsteht ein faszinierender Kontrast zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

    Direkt neben der Ausgrabungsstätte befindet sich ein bekanntes Restaurant, das ebenfalls brechend voll war. Offenbar wollten viele Leute gut essen und gleichzeitig Geschichte erleben.

    Danach spazierten wir gemütlich bis zum Miraflores-Küstenpark. Im Buenavista Café gönnten wir uns eine Kleinigkeit zu essen – mit traumhaftem Blick auf die Steilküste und den Pazifik. Unten ritten unzählige Surfer auf den Wellen, während wir ganz entspannt unseren Snack genossen. Manchmal braucht es gar nicht mehr für einen perfekten Moment.

    Anschließend liefen wir weiter entlang der Küste Richtung Süden. Vorbei am Faro La Marina, wo über uns bunte Gleitschirme lautlos durch die Luft schwebten. Im Parque Antonio Raimondi entdeckten wir romantische Skulpturen und die berühmte bunte Mosaik-Mauern und -sitzbänke.

    Über die Puente Eduardo Villena Rey ging es schließlich weiter – natürlich wieder mit herrlichem Blick aufs Meer.

    12.07.2026 – Wachwechsel und Wassershow

    Heute standen wir bereits gegen 11:30 Uhr vor dem Regierungspalast (eigentlich vor der Absperrungen), um die tägliche Wachablösung von weitem zu beobachten. Militärmusik, präzise Marschschritte, Exerzier-Vorführung (das werfende oder kreisende Hantieren mit den Gewehren) und jede Menge Zuschauer – eine schöne Zeremonie, die ungefähr 30 Minuten dauert und sich durchaus lohnt.

    Zum Mittagessen gab es endlich Pollo a la Brasa. Dieses berühmte peruanische Grillhähnchen hatte uns bereits Henry aus dem Amazonas wärmstens empfohlen. Und er hatte vollkommen recht: außen herrlich knusprig, innen wunderbar saftig. Manche Empfehlungen sollte man einfach nicht hinterfragen.

    Am Abend ging es in den Parque de la Reserva. Der Eintritt kostete gerade einmal 7 Sol. Die großen Wasser- und Lichtshows finden um 19:15 Uhr, 20:15 Uhr und 21:10 Uhr statt. Der Park ist wunderschön gestaltet. Überall Fontänen, kunstvoll beleuchtete Wasseranlagen und viele Spielmöglichkeiten für Kinder.

    Die Show erzählt mit Wasser, Licht und Musik Geschichten aus Peru und ist wirklich sehenswert.

    Michael lief sogar noch durch einen Tunnel aus Wasser. Aber ganz trocken geblieben ist er dabei nicht.

    Ein kleiner Wermutstropfen blieb allerdings: Auch hier waren einige Bereiche wegen Absperrungen nicht zugänglich. Dadurch gab es deutlich weniger Sitzbänke als sonst, sodass alle Besucher die Show im Stehen verfolgen mussten.

    13.07.2026 – Auf nach Argentinien. Nach vier abwechslungsreichen Tagen in Lima hieß es wieder Rucksäcke packen. Unser Flug nach Buenos Aires dauerte etwa viereinhalb Stunden.

    Nach der Landung bestellten wir ganz entspannt ein Uber und fuhren zu unserem Hotel. Ein neues Land, eine neue Hauptstadt und mit Sicherheit wieder jede Menge neue Abenteuer.

  • Peru – Puno, 10 Stunden Busfahrt, die sich tatsächlich gelohnt haben

    25.06.2026 – Heute ging es von Cusco nach Puno – allerdings nicht mit irgendeinem Fernbus, sondern mit einem Tourbus. Die Fahrt dauerte zwar stolze zehn Stunden, doch dank fünf Zwischenstopps ( inkl. Mittagessen) verging die Zeit erstaunlich schnell. Unsere Stopps waren:​

    Andahuaylillas – die berühmte Kirche, die nicht umsonst als „Sixtinische Kapelle der Anden“ bezeichnet wird. Leider ist fotografieren drinnen nicht erlaubt. ​

    Raqchi – mit dem beeindruckenden Tempel des Gottes Wiracocha. Besonders auffällig sind die zahlreichen noch gut erhaltenen, runden Lagerräume. Sowohl der Tempel als auch die Wohnhäuser wurden exakt nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet, sodass die aufgehende Sonne die Gebäude auf besondere Weise beleuchtet. Die Inka verstanden erstaunlich viel von Architektur und Astronomie.

    La Raya – der höchste Punkt der Strecke mit wunderschöner Aussicht auf die Anden. Die Grenze zwischen den Regionen Cusco und Puno. ​

    Archäologische Museum von Pukara – zwar klein und übersichtlich, aber dennoch interessant.

    Unsere Reiseleiterin versorgte uns während der gesamten Fahrt und den Stopps mit spannenden Geschichten über die Vor-Inka-Zeit, das Inkareich, die spanische Kolonialzeit und das heutige Leben in Peru. So wurde die Busfahrt fast schon zu einer kleinen Geschichtsstunde – nur deutlich unterhaltsamer als damals in der Schule. Das Konzept gefällt mir richtig gut: Statt acht Stunden am Stück im Bus zu sitzen, kann man immer wieder aussteigen, sich die Beine vertreten und gleichzeitig interessante Sehenswürdigkeiten besichtigen.

    Sogar Frühstück in Form einer Lunchbox und ein Mittagsbuffet waren im Preis enthalten. Außerdem konnten wir paar regionale Spezialitäten im Bus ausprobieren. Das absolute Highlight war allerdings das Starlink-WLAN im Bus. So konnten wir unterwegs sogar die Fußball-WM live verfolgen. Da fragt man sich wirklich, warum nicht jeder Fernbus in Südamerika so ausgestattet ist.

    26.06.2026 – Heute stand etwas Bewegung auf dem Programm. Zuerst wanderten wir zum Mirador El Cóndor. Der Weg bestand gefühlt zu 95 % aus Treppen und brachte uns ordentlich ins Schwitzen. Da merkte man wieder die Höhe von über 4.000 Meter.

    Oben angekommen war die Aussicht aber jede Stufe wert.

    Anschließend ging es weiter zum Cerrito Huajsapata, einer weiteren Aussichtsplattform mitten in der Stadt. Leider war der Zugang wegen einer Baustelle komplett gesperrt. Aber das hat offenbar niemanden so richtig interessiert. Also spazierten wir einfach hinein. Niemand hielt uns auf, niemand fragte nach einer Erklärung. Peru scheint das Motto zu haben: Solange ihr selbstbewusst ausseht, wird das schon passen. Auch von dort hatten wir einen schönen Blick über Puno.

    27.06.2026 – Leben auf schwimmenden Inseln und modische Hüte

    Heute machten wir einen Tagesausflug auf dem Titicacasee zu den Uros-Inseln den schwimmenden Dörfern im See und zur Insel Taquile.

    Die Uros-Inseln bestehen aus hunderten schwimmender Schilfinseln. Tatsächlich leben dort bis heute Menschen – und fast alles besteht aus Totora-Schilf: die Inseln, Häuser, Betten, Küchen, Boote, Spielzeug und sogar eine Aussichtsplattform in Form eines Pumas.

    Damit die Inseln nicht langsam untergehen, müssen regelmäßig – etwa alle zehn bis fünfzehn Tage – neue Schilfschichten aufgelegt werden. Ein ständiger Hausputz reicht hier also nicht – man muss gleich die ganze Insel erneuern.

    Die Toiletten wurden von Hilfsorganisationen gespendet, Strom liefern inzwischen Solarpaneele. Dadurch können die Bewohner sogar Musik hören oder ihre Handys laden. Es ist wirklich schwer vorstellbar, dauerhaft so zu leben. Die Frauen stellen wunderschöne Wandteppiche und kleine Kunstwerke her und verkaufen sie an Besucher. Viele Männer arbeiten dagegen auf dem Festland.

    Natürlich durfte auch eine Fahrt mit einem der traditionellen gelben Schilfboote nicht fehlen. Etwa eine halbe Stunde waren wir unterwegs. Das kostet zwar extra, bringt den Familien aber ein zusätzliches Einkommen. Besucher kommen nämlich nicht jeden Tag. Der Dorfvorsteher entscheidet sogar, welche Familie welche Touristengruppe empfängt, damit alle gleichmäßig von den Einnahmen profitieren.

    Danach fuhren wir fast zwei Stunden weiter zur Insel Taquile.

    Im Gegensatz zu den Uros-Inseln liegt sie auf festem Boden und ist deutlich größer. Hier erklärte uns unser Guide, dass man unbedingt auf die Kopfbedeckungen der Einheimischen achten sollte.​

    Ledige Männer tragen rot-weiße Mützen. Sie sollten möglichst aufrecht stehen und gut aussehen – sonst steigen die Chancen auf eine Hochzeit angeblich nicht gerade. Verheiratete Männer tragen ausschließlich rote Mützen.​Wichtige Persönlichkeiten wie der Bürgermeister sollen sogar zwei Mützen gleichzeitig tragen. Leider begegnete uns kein Bürgermeister. Das hätte ich zu gern gesehen. Auch bei den Frauen verrät die Kopfbedeckung den Familienstand: Große, bunte Bommel bedeuten ledig, kleinere und dunklere Bommel verheiratet. Mode kann eben manchmal sehr praktisch sein. Auf der Plaza de Armas hatte ich sogar die Gelegenheit, gemeinsam mit den Einheimischen zu tanzen. Durch die vielen schnellen Drehungen und plötzlichen Richtungswechsel wäre ich dabei fast mit einem Musiker zusammengestoßen, der direkt vor mir stand. Zum Glück blieb es bei einem Beinahe-Unfall – sonst wäre ich vermutlich unfreiwillig Teil der Aufführung geworden.

    Nach dem Mittagessen zeigten uns einheimische Familien, wie man aus einer Pflanze auf ganz natürliche Weise Shampoo herstellt. Anschließend führte uns eine Frau ihre beeindruckende Webtechnik vor. Mit welcher Geschicklichkeit und Geschwindigkeit sie die kunstvollen Muster entstehen ließ, war wirklich faszinierend.

    Nach dem Tagesausflug fuhren wir mit einem Tuk-Tuk vom Hafen zurück zum Hotel. Das war ein Erlebnis! Fast wie eine Fahrt mit der Achterbahn im Skyline Park – nur eben auf drei Rädern und mitten im Straßenverkehr.

    28.06.2026 – Pikachu auf dem Titicacasee

    Heute wollten wir eigentlich nur Bustickets nach Arequipa kaufen. Auf dem Weg zum Busbahnhof kamen wir erneut am Hafen vorbei, von dem wir gestern von unserem Ausflug zurückgekehrt waren.

    Schon gestern waren uns dort die vielen Tretboote aufgefallen. Besonders eines hatte es mir angetan: ein Tretboot in Form von Pikachu.

    Ich sagte nur: „Damit muss ich unbedingt fahren!“ Michael organisierte kurzerhand das Boot und keine fünf Minuten später saßen wir bereits darauf und drehten unsere Runde über den Titicacasee. So entstehen die schönsten Programmpunkte ganz spontan.

    Danach machten wir noch einen ausgedehnten Spaziergang durch Puno und entdeckten unterwegs eine riesige Rutsche. Leider sieht es ziemlich ungepflegt aus– sonst hätte ich sie vermutlich auch noch getestet.

    29.06.2026 – Heute verabschiedeten wir uns von Puno. Mit einem normalen Reisebus ging es über Juliaca nach Arequipa. Die Fahrt dauerte etwas mehr als sieben Stunden, inklusive einer kurzen Pause. Das Ticket kostete gerade einmal 50 Sol (etwa 12,50 €) pro Person – ein Preis, bei dem man in Deutschland nicht einmal bis zur nächsten größeren Stadt kommen würde. Am Abend erreichten wir schließlich Arequipa – das nächste Kapitel unserer Peru-Reise konnte beginnen.

  • Peru – Cusco Inti Raymi

    22.06.2026 – Ein gemütlicher Museumstag. Heute wollten wir es etwas entspannter angehen und besuchten deshalb nur zwei Museen:

    – Regional Historical Museum of Cusco

    – Museum of Contemporary Art

    Beide sind zwar nicht besonders groß, aber auf jeden Fall einen Besuch wert.

    In der gesamten Altstadt herrscht inzwischen eine festliche Stimmung. Überall gibt es Musik- und Tanzaufführungen. Riesige Figuren werden durch die Straßen getragen und die Menschen feiern ausgelassen.

    Ein bisschen fühlten wir uns an einen Faschingsumzug zuhause erinnert – nur mit deutlich mehr Farbe, Ponchos und Inka-Traditionen.

    23.06.2026 – Heute standen die beiden Inka-Stätten Tambomachay und Puka Pukara auf dem Programm.

    Eigentlich wollten wir ganz bequem mit dem lokalen Bus „El Huerto“ fahren. Doch wegen der Vorbereitungen für das große Sonnenfest waren viele Straßen im Stadtzentrum gesperrt. Die freundliche Rezeptionistin unseres Hotels gab uns zwar einige Tipps, wo wir eventuell auf den Bus warten könnten. Doch unser Bus hatte offenbar beschlossen, heute frei zu nehmen. Nach einer guten halben Stunde Herumirren, Nachfragen und einer kleinen Sprachakrobatik mit unserem doch recht begrenzten Spanisch gaben wir schließlich auf und nahmen ein Taxi.

    Für knapp zehn Kilometer zahlten wir 40 Sol (etwa 10 Euro). Immerhin beschlossen wir, später den Rückweg zu Fuß anzutreten – schließlich geht bergab ja bekanntlich fast von allein.

    Tambomachay: Die Anlage ist im Vergleich zu den anderen Inka-Ruinen eher klein. Berühmt ist sie vor allem für ihre perfekt erhaltenen Wasserkanäle und Brunnen. Bis heute fließt dort ununterbrochen frisches Quellwasser – und das seit über 500 Jahren.

    Puka Pukara: Nur wenige Gehminuten entfernt liegt Puka Pukara, die „Rote Festung“. Ihren Namen verdankt sie den Steinen, die bei Sonnenuntergang rötlich leuchten. Vermutlich diente die Anlage einst als militärischer Kontrollposten oder als Raststation für Reisende auf dem Weg nach Cusco.

    Anschließend liefen wir etwa eineinhalb Stunden zurück in die Stadt – zum Glück fast ausschließlich bergab. Der Weg führte vorbei an kleinen ruhigen Orten, Pferdefarmen, Parks und der beeindruckenden Ruine von Sacsayhuamán.

    Leider fiel uns dabei auch etwas Negatives auf: Überall lag Plastikmüll. Wirklich schade, denn die wunderschöne Landschaft hätte etwas mehr Respekt verdient.

    24.06.2026 – Heute ist der große Tag: Inti Raymi!

    Schon seit Tagen bereitet sich die ganze Stadt auf dieses Ereignis vor. Überall wurde getanzt, musiziert und aufgebaut – und heute erreicht das größte Fest der Inka-Tradition endlich seinen Höhepunkt. Wir sind schon unglaublich gespannt.

    Kurz nach 10:20 Uhr laufen wir zur Plaza de Armas. Die gesamte Plaza wurde aufgeräumt und abgesperrt. Nur die Fußgängerbereiche rund um den Platz sind noch zugänglich. Dort warten bereits unzählige Menschen – Einheimische genauso wie Touristen. Viele Einheimische haben ihre eigenen kleinen Hocker mitgebracht und sitzen direkt hinter den Absperrungen. Zwischen den Menschen schlängeln sich unzählige Verkäufer hindurch. Jeder verkauft etwas anderes: Hocker, Bier, Wasser, Sonnenschirme, Chorios, Eis, Hüte, Meerschweinchen-Dekorationen und alles Mögliche, von dem man vorher gar nicht wusste, dass man es vielleicht doch brauchen könnte.

    Wir finden schließlich einen Platz rechts neben der Kathedrale, von dem ich die Plaza gut überblicken kann.Gegen 10:45 Uhr beginnen die Zuschauer plötzlich, eine La-Ola-Welle zu machen – wie in einem Fußballstadion. Überall wird gejubelt und gelacht. Allerdings stirbt die Welle jedes Mal auf der gegenüberliegenden Seite der Plaza ab. Also geben wir auf unserer Seite einfach noch mehr Gas, damit sie es vielleicht doch einmal bis ganz herum schafft. Die Stimmung ist einfach großartig.

    Dann erscheint direkt neben uns eine Gruppe Tänzer. Sie sehen aus wie Ureinwohner aus längst vergangenen Zeiten – mit beeindruckender Gesichtsbemalung, traditionellen Gewändern und unglaublich viel Energie. Sie rufen laut in einer indigenen Sprache. Obwohl ich kein einziges Wort verstehe, bekomme ich Gänsehaut.

    Wie auf Kommando schnellen überall Handys in die Höhe. Jeder möchte filmen oder fotografieren. Michael hat mit seiner Größe einen entscheidenden Vorteil und kann gemütlich über alle Köpfe hinweg filmen. Ich spare mir den Kampf um die beste Kameraposition und genieße das Spektakel einfach mit meinen eigenen Augen.

    Nach und nach füllt sich die gesamte Plaza mit immer mehr Tanzgruppen. Jede trägt andere, farbenfrohe Kostüme.

    Besonders gut gefallen mir zwei Tänzer, die Hirsche darstellen sollen. Sie laufen frei zwischen den Gruppen umher, legen sich zwischendurch auf den Boden, als würden sie schlafen, und grasen anschließend friedlich weiter. Sie wirken tatsächlich wie zwei wilde Hirsche irgendwo in den Anden.

    Mittlerweile tanzen überall Gruppen – geschätzt weit über tausend, vielleicht sogar zweitausend Menschen.

    Irgendwann erscheinen schließlich auch die Sonnenkönigin und offenbar der Inkakönig mit seinen Kriegern.

    Überall spürt man Freude und positive Energie. Die Zuschauer rufen immer wieder „Bravo!“, winken und applaudieren. Ich weiß irgendwann gar nicht mehr, wohin ich zuerst schauen soll. Musik, Trommeln, leuchtende Farben und wunderschöne traditionelle Kleidung – einfach überwältigend.

    Michael filmt fast die gesamte Vorstellung, während ich einfach nur staune. Die Zeit vergeht wie im Flug. Als alles vorbei ist, sind tatsächlich fast zwei Stunden vergangen.

    Nach den Feierlichkeiten gehen wir in ein Restaurant, in dem wir schon einmal gegessen haben. Dort entdecke ich auf einem Nachbartisch plötzlich ein traditionelles Gericht: gegrilltes Meerschweinchen!

    Vor Jahren hatte mir ein Kollege in Ulm davon erzählt. Und jetzt liegt es tatsächlich direkt vor meiner Nase.Oh mein Gott… das arme Meerschweinchen! So knusprig es auch aussieht – ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das in diesem Leben nicht probieren werde.

    Stattdessen bestelle ich lieber eine chinesisch-peruanische Spezialität namens Chifa: gebratenen Reis mit Gemüse und Hähnchen. Eine Entscheidung, die ich keine Sekunde bereue, denn es schmeckt hervorragend.

    Morgen geht unsere Reise weiter zum Titicacasee. Die nächsten spannenden Abenteuer warten bereits auf uns.

  • Peru – Zurück nach Cusco und Kulturprogramm statt Höhenluft

    19.06.2024 – Nach unserem Besuch der weltberühmten Ruinen von Machu Picchu ging es zunächst mit dem Zug zurück nach Ollantaytambo. Dieses Mal gönnten wir uns nicht die Luxusvariante – die normale Zugklasse kostet schließlich nur etwa die Hälfte (69 € statt 129 €). Der Ausblick aus dem Fenster bleibt derselbe, nur der Geldbeutel freut sich deutlich mehr.

    Von Ollantaytambo fuhren wir anschließend mit einem Sammeltaxi zurück nach Cusco. Dort bleiben wir weitere sechs Tage, denn am 24. Juni findet hier das größte Fest der Region statt: Inti Raymi – das Sonnenfest. Dieses Inka-Festival wird jedes Jahr zur Wintersonnenwende gefeiert und zieht Tausende Besucher aus aller Welt an.

    Bereits in Ollantaytambo hatten wir den Boleto Turístico gekauft. Für 130 Sol (rund 32 Euro) erhält man zehn Tage lang Eintritt zu insgesamt 16 Sehenswürdigkeiten in und um Cusco. Für unsere Reise war das perfekt geplant – unser Ticket gilt genau bis einschließlich 23. Juni. Jetzt können wir ganz entspannt die vielen historischen Stätten besuchen.

    Diesmal haben wir ein Hotel in der Nähe der Plaza de Armas gebucht. Die Lage ist einfach top – dafür muss man beim Komfort ein paar Abstriche machen. Kaum angekommen, haben wir unsere Rucksäcke abgestellt und sind direkt wieder losgezogen.

    Museo de Arte Popular: Ein kleines Museum mit überraschend viel Charme. Besonders gefallen haben uns die vielen unterschiedlichen Interpretationen des letzten Abendmahls und der Geburt Jesu. Dazu kommen zahlreiche traditionelle Kunstwerke aus Cusco. Klein, aber definitiv einen Besuch wert.

    Museo de Sitio Qorikancha: Dieses unterirdische Museum zeigt die Geschichte des ehemaligen Sonnentempels der Inka. Besonders beeindruckend: Nachdem die Spanier Cusco erobert hatten, errichteten sie direkt auf den Grundmauern des Tempels die Kirche Santo Domingo. Ein symbolträchtiger Ort, an dem zwei Kulturen aufeinandertreffen. Vor dem Gelände herrschte bereits reger Betrieb. Überall wurden Tribünen für das große Sonnenfest aufgebaut. Die Stadt befindet sich eindeutig im Inti-Raymi-Fieber.

    Centro Qosqo de Arte Nativo: Jeden Abend von 19 bis 20 Uhr findet hier eine traditionelle Musik- und Tanzvorführung statt.

    Nach dem Abendessen spazierten wir dorthin. Auf der Bühne spielte zunächst eine Musikgruppe auf traditionellen Andeninstrumenten. Danach folgten vier Tänzer und vier Tänzerinnen in farbenprächtigen Trachten. Die Tänze erzählten Geschichten über Sonne, Wasser, Liebe und das Leben in den Anden. Die Musik ging sofort ins Ohr und die gute Laune sprang direkt aufs Publikum über.

    Als wir nach der Vorführung zurück zum Hotel gehen wollten, fand auf der Plaza de Armas gerade das Fest Noche de Luces y Sonido statt. Es war so voll, dass wir über 15 Minuten brauchten, um die paar hundert Meter zu passieren. Nationale und internationale Musiker traten heute Nacht live auf. Mit bunten Lichtern und drei riesigen Monitoren war die Bühne schön dekoriert.

    Die Atmosphäre war sehr schön, aber wir waren von dem Tag ziemlich müde. Also nur kurz vorbeigeschaut und dann ab ins Hotelzimmer, endlich ausruhen. Ein wirklich gelungener Abend.

    20.06.2026 – Geburtstag, riesige Inka-Steine und ein etwas gruseliger Ort

    Heute hat Michael Geburtstag! 🎉 Er hat seinen Geburtstag bereits im Kosovo, in Südkorea, der Türkei, China, auf Ibiza und auf den Malediven gefeiert – und dieses Jahr in Peru. Man könnte fast behaupten, dass ganz Cusco mit ihm feiert.

    Nach dem Frühstück wollen wir endlich Sacsayhuamán besuchen. Bei unserem letzten Aufenthalt mussten wir die beeindruckende Anlage aufgrund unserer Eintrittskarten auslassen. Diesmal konnten wir sie endlich in aller Ruhe erkunden.

    Die gewaltigen Inka-Mauern sind schlicht unglaublich. Besonders die berühmte Zickzackmauer mit ihren drei Ebenen beeindruckt durch ihre außergewöhnliche Präzision. Kaum zu glauben, dass die riesigen Steinblöcke ohne Mörtel so perfekt zusammengefügt wurden.

    Manche der riesigen Steinblöcke wiegen über 100 Tonnen – und trotzdem passen sie ohne Mörtel millimetergenau zusammen. Bis heute rätseln Archäologen, wie die Inka das geschafft haben.

    Von hier oben hat man außerdem einen fantastischen Blick über Cusco und auf die große Christusstatue, die über der Stadt wacht.

    Auf den weitläufigen Wiesen zwischen den Ruinen wurde bereits die riesige Bühne für das Inti-Raymi-Festival aufgebaut. Die Kulisse könnte kaum spektakulärer sein: eine moderne Tribüne mitten in einer jahrhundertealten Inka-Festung. Für einen Sitzplatz sollen die Eintrittskarten übrigens über 350 US-Dollar kosten. Ganz schön happig!

    Das Gelände ist riesig und verteilt sich auf mehrere Bereiche mit Terrassen, Ruinen und Aussichtspunkten. Man kann hier problemlos mehrere Stunden verbringen.

    Q’enqo: Von Sacsayhuamán liefen wir etwa 20 Minuten bis zur nächsten Ausgrabungsstätte.Q’enqo war ein heiliger Zeremonienplatz der Inka. Besonders die unterirdischen Kammern und steinernen Altäre wirken heute etwas unheimlich. Wenn man sich vorstellt, dass hier vermutlich religiöse Rituale stattfanden und Mumien für Bestattungen vorbereitet wurden, läuft einem schon ein kleiner Schauer über den Rücken.

    21.06.2026 – Mit dem Quad durch das Heilige Tal

    Heute stand ein Tagesausflug auf dem Programm: Maras und Moray – mit dem ATV (Quad).

    Unser erstes Ziel waren die berühmten Salzterrassen von Salinas de Maras. Diese gehören leider nicht zum Touristenticket, deshalb mussten wir zusätzlich 20 Sol pro Person bezahlen. Die Salzterrassen sind wirklich faszinierend. Hunderte kleine Becken ziehen sich den Berghang hinunter. Aus einer natürlichen Quelle fließt rund 37 Grad warmes, stark salzhaltiges Wasser durch ein ausgeklügeltes Kanalsystem in die einzelnen Becken.

    Etwa 60 Familien bewirtschaften diese Salzfelder bis heute und leben vom Salzverkauf. Je nach Jahreszeit und Ernte entstehen verschiedene Salzsorten:​feines weißes Salz für den täglichen Gebrauch, ​rosafarbenes Mineralsalz zum Kochen, ​grobes, mineralreiches Salz, das häufig als Badesalz verwendet wird. Während der Trockenzeit leuchten die Becken in den unterschiedlichsten Weiß-, Rosa- und Brauntönen. Ein wirklich faszinierender Anblick. Fast surreal.

    Interessant fanden wir auch, dass viele Einheimische dieses Salz selbst gar nicht kaufen. Es ist ihnen schlicht zu teuer. Für den Alltag verwenden sie meist gewöhnliches Meersalz.

    Anschließend ging es zur Quadstation. Dort bekamen wir Helme und Schutzmäntel gegen den Staub. Michael übernahm selbstverständlich das Fahren – ich dagegen hatte die deutlich angenehmere Aufgabe: fotografieren.

    Gemeinsam mit unserem Guide fuhren wir etwa 30 Minuten über staubige Feldwege Richtung Moray. Es holperte gewaltig, aber die Landschaft entschädigte für jede Bodenwelle.

    Moray besteht aus riesigen kreisförmigen Terrassen, die wie ein gigantisches Amphitheater aussehen. Die Inka nutzten diese Anlage vermutlich vor über 600 Jahren als landwirtschaftliches Versuchslabor, denn zwischen oberster und unterster Terrasse entstehen unterschiedliche Mikroklimata.Wenn man sich vorstellt, wie die Menschen damals ohne Maschinen auf diesen steilen Terrassen gearbeitet haben, kann man nur den Kopf schütteln. Was für eine unglaubliche Leistung!

  • Zurück nach Chile (oder die Zivilisation)

    07.06.2026 – Da sich die Situation in Bolivien leider überhaupt nicht verbessert hat, bleiben weiterhin sämtliche Straßen gesperrt. Unsere Weiterreise von Potosí nach Sucre können wir damit komplett vergessen. An La Paz ist erst recht nicht zu denken. Da es in Potosí wegen der Höhenlage keinen Flugverkehr gibt, blieb uns nichts anderes übrig, als am 05.06. wieder mit dem Bus von Potosí zurück nach Uyuni zu fahren.

    In Uyuni haben wir uns dann noch zwei Ruhetage gegönnt, damit ich mich von meiner Erkältung erholen kann. Hier liegt man nicht ganz so hoch wie in Potosí und es ist sogar etwas wärmer – also nur noch zwischen 12 und -6 Grad. Fast schon Badeurlaub. Als wir dann Flugtickets von Uyuni nach Cusco kaufen wollten, gab es plötzlich auch keine mehr. Ob der Flughafen Uyuni ebenfalls vom Stillstand betroffen ist oder ob einfach alles ausgebucht ist, weil Flugzeuge momentan das einzige sichere Verkehrsmittel sind, konnten wir leider nicht herausfinden. Die nächsten verfügbaren Tickets gibt es erst ab dem 11.06. Noch drei weitere Nächte in Uyuni wollten wir aber nicht bleiben. Also ist die beste Alternative für uns momentan, am 08.06. mit dem Bus zurück nach Calama in Chile zu fahren und von dort nach Peru zu fliegen. Das ist sogar deutlich günstiger.

    Heute, am Sonntag, sind wir nach dem Frühstück zum Busbahnhof gelaufen. In der Stadt fand wieder der Markt statt. Im Vergleich zu letzter Woche war er allerdings deutlich kleiner – vielleicht noch ein Drittel der Größe von dem, was wir zuvor gesehen hatten. Kein Wunder: Wenn Lebensmittel und Benzin immer knapper werden, womit sollen die Leute überhaupt noch hierher kommen und ihre Waren verkaufen?

    Auch die meisten Restaurants waren geschlossen. Die ein oder zwei geöffneten Lokale hatten nur ein sehr eingeschränktes Angebot. Mir tun die Einheimischen wirklich leid. Für uns Reisende ist die Situation natürlich ebenfalls unangenehm, aber wir können irgendwann weiterziehen – die Menschen hier müssen bleiben. Wir liefen wieder durch die Marktstände, diesmal allerdings ohne Begleitung von Bruno. Hoffentlich geht es ihm gut. Warum sehen wir ihn nicht mehr? Ist er krank geworden? Oder am Ende sogar verhungert?

    Am Busbahnhof haben wir ihn schließlich wieder gesehen! Allerdings lag er auf dem Boden und schlief tief und fest. Michael hat ihn sogar leicht angestupst, aber Bruno rührte sich nicht. Wir beschlossen, morgen noch einmal nach ihm zu schauen.

    Danach kauften wir unsere Bustickets bei einem Anbieter namens „Buses Fronteras“. Angeblich eine etablierte Firma mit halbliegenden Sitzen und Toilette an Bord. Das bestätigte uns zumindest die Verkäuferin. Preis: 200 Bolivianos pro Person.

    Ich dachte: Endlich keine Sorgen mehr wegen der Toilette.

    Spoiler: Das dachte ich nur.

    Auf dem Rückweg liefen wir erneut durch die Stadt. Auf einem Platz fand offenbar gerade eine Versammlung statt. Viele Frauen in traditioneller Kleidung sangen und tanzten im Kreis. Auf einer Bühne standen Musiker und eine Sängerin.

    Wir blieben neugierig stehen und schauten eine Weile zu. Plötzlich kam eine ältere Dame in traditioneller Kleidung auf uns zu. Zuerst drückte sie uns zwei Zettel in die Hand. Irgendetwas mit „Iglesia“, also Kirche. Vermutlich eine Art Gottesdienst oder religiöse Feier.

    Dann hakte sie sich links und rechts bei uns unter und zog uns kurzerhand in den Tanzkreis. Die Leute schienen begeistert zu sein, dass die beiden Aliens – äh, Ausländer – mitfeierten. Sofort wurde die Stimmung noch ausgelassener. Es wurde lauter gesungen, mehr getanzt und einige machten sogar Videos von uns.

    Ich fand das herrlich und machte einfach mit. Wie schlimm kann ein bisschen Singen und Tanzen schon sein?

    Für Michael zitierte zwischendurch immer spaßeshalber die Warnungen des Auswärtigen Amtes 😀. Zwischen Gesang und Musik hörte ich immer wieder Sätze wie:„Wir sollten uns von Menschenansammlungen und Demonstrationen fernhalten!“

    oder„Jetzt landen wir auf YouTube!“

    oder sogar„Wir werden bestimmt bald verhaftet!“

    Die Oma zwischen uns war dagegen überglücklich. Sie sang lautstark, tanzte voller Energie und schien den Tag ihres Lebens zu haben. Nach etwa fünf Minuten war der Tanz vorbei. Wir bedankten uns herzlich und gingen weiter.

    08.06.2026 – Heute hieß es wieder: Aufstehen um 4:30 Uhr. Wir sollten um 5:30 Uhr am Busbahnhof sein, denn die Abfahrt war für 6:00 Uhr geplant.

    Als wir dort ankamen, sahen wir Bruno wieder! Und diesmal nicht allein, sondern mit zwei weiteren Hundefreunden – lebendig, gesund und bester Laune.

    Er erkannte uns sofort wieder. Seine Freude war so groß, dass er wie verrückt herumsprang und mit dem Schwanz wedelte. Erst da fiel mir wieder auf, wie riesig er eigentlich ist. Als er sich aufrichtete, war sein Kopf fast auf meiner Höhe und er hätte mir beinahe das Gesicht abgeschleckt! Ich bekam kurz Panik und drehte mich lieber weg.

    Daraufhin sprang er zu Michael, der ihm den Kopf kraulte. Die beiden anderen Hunde ließen sich von Brunos Begeisterung anstecken und wuselten fröhlich um Michaels Beine herum. Das sah wirklich lustig aus.

    Wir waren jedenfalls sehr erleichtert, dass es Bruno gut geht. Leider rückte irgendwann der Abschied näher.

    Wir mussten zum Busunternehmen, um noch ein Formular für die Ausreise aus Bolivien auszufüllen. Dort erhielten wir dann die erste Überraschung des Tages: Heute würden wir mit einem kleinen Van fahren.

    Nichts mit halbliegenden Sitzen.

    Nichts mit Toilette. Natürlich nicht.

    Der Fahrer lud zunächst das gesamte große Gepäck aufs Dach. Danach tauchten immer mehr Passagiere auf. Mittlerweile war es schon 6:20 Uhr. Von den 16 Sitzplätzen waren bereits 14 belegt. Dann kamen plötzlich noch fünf Erwachsene und drei Kinder dazu.

    Michael meinte sofort:„Das kann doch gar nicht funktionieren!“

    Ich dachte kurz, vielleicht würden sie jetzt doch einen größeren Bus organisieren.

    Von wegen.

    Irgendwann holte der Fahrer einfach zwei kleine Hocker hervor. Eine Frau setzte sich neben den Fahrer, ihr Mann zwischen sie und die Tür. Beide hielten jeweils ein kleines Mädchen auf dem Arm. Ein weiterer Mann stand im Gang. Problem gelöst. Zumindest nach bolivianischer Definition.

    Kurz nach 6:30 Uhr setzte sich der völlig überfüllte Van mit Verspätung in Bewegung. Bis zur Grenze dauerte die Fahrt fast vier Stunden.

    An der bolivianischen Grenzkontrolle folgte dann die Pass- und Gepäckkontrolle. Wobei „Kontrolle“ vielleicht etwas übertrieben ist. Es wirkte eher wie eine feierliche Zeremonie des Koffer-Anschauens. Der Scanner funktionierte jedenfalls nicht.

    Michael meinte trocken:„Was soll man eigentlich aus Bolivien herausschmuggeln? Es gibt ja sowieso fast nichts mehr.“

    Anschließend mussten wir das Fahrzeug wechseln. Auf der Übergangsbereich zwischen zwei Länder wartete bereits ein chilenischer Van mit etwa 18 Sitzplätzen auf uns. Da der Passagier, der zuvor die ganze Strecke im Gang gestanden hatte, schon vor der Grenze ausgestiegen war, bekam nun immerhin jeder Erwachsene einen eigenen Sitzplatz.

    Danach folgte die Pass- und Gepäckkontrolle auf chilenischer Seite. Rund eine halbe Stunde später waren wir wieder in Chile.

    Gegen 16:00 Uhr erreichten wir schließlich Calama. Seit unserem Eintreffen am Busbahnhof in Uyuni waren inzwischen mehr als 10,5 Stunden vergangen.Ich war ziemlich müde.

    Morgen geht es weiter nach Cusco in Peru. Ein neues Land, neue Eindrücke und bestimmt auch neue Abenteuer warten bereits auf uns.

  • Bolivien – Potosi Corpus Christi

    04.06.2026 – Leider ging es mir heute immer noch nicht besser. Nach dem Frühstück schleppten wir uns trotzdem in die Innenstadt. Zum einen brauchte ich Medikamente gegen meine Erkältung, zum anderen wollten wir uns noch die Kathedrale anschauen.

    Auf dem Plaza 10 de Noviembre herrschte bereits am Vormittag ungewöhnlich viel Betrieb. Überall sahen wir festlich geschmückte Straßen, bunte Dekorationen und Menschen in Uniformen.

    Viele kamen offenbar gerade aus der Kirche. Daneben waren zahlreiche Besucher in traditioneller Kleidung unterwegs. Aus der Kathedrale strömten immer mehr Menschen auf den Platz. Zunächst wussten wir nicht, was los war. Kurz darauf wurde jedoch klar, dass ein großer Festumzug unmittelbar bevorstand.

    Die Straßen füllten sich zusehends, Gruppen positionierten sich entlang der Route, und überall lag diese besondere Mischung aus Vorfreude und leichter Anspannung in der Luft, die man vor großen Veranstaltungen spürt.

    Dann setzte sich der Umzug in Bewegung. Wie wir später feststellten, ist der 4. Juni ein kirchlicher Feiertag namens „Corpus Christi“ und wird mit diesem großen Aufwand nur in Potosi und 3 anderen Städten Südamerikas gefeiert. Musikkapellen marschierten durch die Straßen, begleitet von festlich gekleideten Teilnehmern. Überall wurde fotografiert, gewunken und gelacht. Wir nutzten die Gelegenheit, um den Cathedral noch von innen zu sehen.

    Danach haben wir Mercado Central besucht und etwas Bargeld gewechselt. Anschließend wollten wir noch ein Kloster besichtigen. Die Öffnungszeiten standen zwar gut sichtbar an der Eingangstür, allerdings war weit und breit kein Mitarbeiter zu sehen. Auch der Ticketschalter blieb unbesetzt. Wir warteten eine Weile vor dem Eingang. Nichts. Wir schauten noch einmal auf die Öffnungszeiten. Immer noch nichts. Offenbar hatte man beschlossen, früher Feierabend zu machen. Vermutlich waren wir die einzigen potenziellen Besucher des Tages. Schade – manchmal gewinnt in Südamerika eben die Lebensqualität gegen den Dienstplan.

    Am Abend begegneten wir dem Festumzug dann noch einmal zufällig auf dem Rückweg vom Abendessen. Und diesmal war er sogar noch beeindruckender. Zahlreiche festlich geschmückte Fahrzeuge rollten durch die Straßen. Viele waren mit silberfarbenen Ornamenten dekoriert.

    Kinder, Jugendliche und Erwachsene trugen aufwendige Kostüme und bewegten sich elegant im Rhythmus der Musik. Die traditionellen Trachten, die Farben und die Atmosphäre wirkten auf uns ausgesprochen exotisch und faszinierend. Besonders die Kinder waren unglaublich niedlich und schienen ihre Rolle im Umzug sehr ernst zu nehmen. Gleichzeitig hatten sie sichtlich Spaß daran.

    Als die Dunkelheit einsetzte, entstand eine ganz besondere Stimmung. Die Kathedrale war beleuchtet, die Musik hallte durch die Straßen, und über der Stadt spannte sich der dunkle Andenhimmel. Für einen Moment wirkte Potosí fast märchenhaft.

    Später am Abend ging Michael noch auf die Dachterrasse unseres Hotels. Von dort oben konnte er einige schöne Fotos der nächtlichen Stadt machen. Selbst der Cerro Rico zeichnete sich noch als dunkle Silhouette am Horizont ab.

    Während ich unten versuchte, meine Erkältung auszukurieren, genoss er den Ausblick. Irgendjemand musste schließlich die Fotos machen.

  • Bolivien – Potosi eine historische Bergbaustadt

    03.06.2026 – Heute ging es mir überhaupt nicht gut. Kopf-, Hals- und Schnupfenschmerzen machten mir zu schaffen. In der Nacht konnte ich kaum schlafen. Immer wieder wachte ich auf und hatte das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Die Kombination aus über 4.000 Metern Höhe, extrem trockener Luft und einer Erkältung kann ich wirklich niemandem empfehlen.

    Bis zum Mittag ruhte ich mich deshalb im Hotel aus. Danach raffte ich mich trotzdem auf, gemeinsam mit Michael ins Zentrum zu gehen. Vom Hotel sind es eigentlich nur fünf bis zehn Minuten zu Fuß – unter normalen Umständen also ein Katzensprung.

    Heute fühlte sich dieser Katzensprung allerdings eher wie eine Alpenüberquerung an. Zeitweise bewegte ich mich ungefähr mit der Geschwindigkeit einer 95-jährigen Oma mit zwei kaputten Hüften. Selbst ein besonders motivierter Pinguin hätte mich vermutlich überholt.

    Unser Ziel war das Nationale Münzmuseum von Potosí.

    Schon beim Betreten fiel uns auf, dass wir die einzigen ausländischen Besucher waren. Unsere Museumsführer erzählte uns, dass normalerweise rund 200 internationale Gäste pro Tag vorbeikommen würden. Offenbar hatten die aktuellen Unruhen und Straßensperren den Tourismus nahezu zum Erliegen gebracht.

    Neben uns war nur noch eine größere Gruppe von Schulkindern unterwegs. Die Kinder beobachteten uns neugierig, begrüßten uns aber ausgesprochen freundlich. Immer wieder wurde gelacht und gewunken. Ihre herzliche Art machte den Besuch sofort sympathisch.

    Das Museum selbst war sehr interessant. Das Gebäude beeindruckt nicht nur architektonisch, sondern erzählt auch die Geschichte einer Stadt, die einst zu den reichsten Orten der Welt gehörte.

    Der Reichtum kam aus dem nahegelegenen Cerro Rico, dem berühmten „reichen Berg“, der bis heute abgebaut wird. Unter dem Berg befinden sich gewaltige Silbervorkommen.

    Während der spanischen Kolonialzeit floss von hier ein großer Teil des Silbers nach Europa. Potosí wurde dadurch zu einer der wohlhabendsten Städte der Welt. Für die einheimische Bevölkerung brachte dieser Reichtum allerdings wenig Gutes. Hunderttausende Indigene und afrikanische Sklaven mussten unter grausamen Bedingungen arbeiten. Viele überlebten die Arbeit in den Minen nicht. Traurigerweise sind die Bedingungen für die Bergarbeiter auch heute noch äußerst hart. Die Arbeit ist gefährlich, staubig und gesundheitsschädlich. Zwar verdienen viele Bergleute vergleichsweise gut für bolivianische Verhältnisse, soziale Absicherung oder Krankenversicherung gibt es jedoch oft nicht. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt Berichten zufolge deutlich unter der anderer Berufsgruppen.

    Besucher können an geführten Touren durch die Minen teilnehmen und den Arbeitsalltag der Bergleute hautnah erleben. Dabei geht es durch enge, dunkle und staubige Tunnel, in denen Temperaturen von über 30 Grad herrschen können.

    Unter anderen Umständen hätten wir eine solche Tour wahrscheinlich gemacht. In meinem gesundheitlichen Zustand und mit Michaels Körpergröße erschien uns das jedoch nicht wie die beste Idee.

    Manchmal ist Vernunft eben die spannendste Reiseentscheidung.

  • Bolivien – Busfahrt von Uyuni nach Potosi

    02.06.2026 – Heute ging es mit dem Bus von Uyuni nach Potosí. Die Fahrt dauerte etwa vier Stunden und führte durch die karge, aber beeindruckende Landschaft des bolivianischen Altiplano.

    Allerdings in Uyuni neben der Straßen liegen massenhaft Müll. Der Anblick tut schon weh.

    Die Bustickets kosteten 70 Bolivianos pro Person und konnten problemlos direkt am Busterminal gekauft werden. In Bolivien weiß man derzeit allerdings nie so genau, ob Straßen und Verkehrsverbindungen am nächsten Tag noch offen sind.

    Deshalb hatten wir vorsichtshalber noch kein Hotel in Potosí gebucht. Falls wir irgendwo festgesessen hätten, wäre das zumindest kein zusätzliches Problem gewesen. Ein kleines Problem gab es allerdings: Es gab keine Toilette an Bord. Der Fahrer saß außerdem in einem vollständig abgetrennten Fahrerabteil im unteren Bereich des Busses. Selbst wenn jemand dringend eine Pause benötigt hätte, wäre es vermutlich schwierig geworden, ihm das mitzuteilen. Zum Glück hatten wir vor der Abfahrt nicht allzu viel getrunken. So vergingen die vier Stunden erstaunlich entspannt.

    Während der Fahrt stiegen immer wieder einzelne Fahrgäste mitten im Nirgendwo am Straßenrand ein oder aus. Wie sie das organisiert hatten, blieb für uns ein Rätsel. Offenbar gibt es hier ein unsichtbares Buchungssystem, das nur Einheimische verstehen. Der Bus selbst war überraschend bequem und erreichte Potosí sogar relativ pünktlich.

    Am Busbahnhof von Potosí angekommen, organisierte Michael spontan ein Hotelzimmer in der Innenstadt, etwa 2,5 Kilometer vom Terminal entfernt. Kaum hatten wir den Bus verlassen, wurden wir bereits von mehreren privaten Fahrern angesprochen. Allerdings wollten sie uns nicht innerhalb von Potosí fahren, sondern fragten, ob wir nach Sucre möchten. Das überraschte uns etwas, schließlich waren wir gerade erst angekommen. Außerdem sollten die Straßen Richtung Sucre laut den aktuellen Informationen teilweise gesperrt sein.

    Später erfuhren wir, dass die Fahrt über Umwege trotzdem irgendwie möglich war – allerdings dauerte sie statt der üblichen dreieinhalb Stunden inzwischen rund sieben Stunden. Und war somit eine gute Einnahmequelle für die Taxifahrer.

    Die Straßen rund um den Busbahnhof wirkten laut, chaotisch und voller Verkaufsstände. Dazu kam der typische Duft einer Großstadt: eine Mischung aus Abgasen, Straßenküche und Verkehr. Dann entdeckten wir ein Taxi, mit dem wir definitiv nicht fahren wollten.

    Generell hatten wir den Eindruck, dass vermutlich mindestens die Hälfte der bolivianischen Fahrzeuge bei einer deutschen Hauptuntersuchung keine fünf Minuten überleben würde. Mehrfach gerissene Frontscheiben, fehlende oder nur noch lose befestigte Stoßfänger, halb blinde oder fehlende Scheinwerfer und Karosserieteile, die eher aus Gewohnheit als aus technischer Notwendigkeit am Fahrzeug hingen, gehörten zum alltäglichen Straßenbild.

    Besonders eindrucksvoll waren jedoch die Abgaswolken mancher Fahrzeuge. Wenn ein älterer Bus oder Lastwagen vorbeifuhr, konnte man für einen kurzen Moment den Eindruck gewinnen, die lokale Nebelsaison habe begonnen. Wer gerade tief Luft holen wollte, verschob diesen Plan besser um ein paar Sekunden. Die bolivianischen Fahrzeuge schienen nach dem Motto zu funktionieren: Solange sich etwas bewegt, ist es noch nicht kaputt.

    Andere offizielle Taxis konnten wir nicht finden. Also blieb nur eine Alternative: laufen. Das klingt zunächst harmlos. Bis man bedenkt, dass Potosí auf über 4.000 Metern Höhe liegt und wir Rucksäcke mit 16 beziehungsweise 23 Kilogramm auf dem Rücken trugen. Die Straßen führten gefühlt ausschließlich bergauf. Nach wenigen Minuten wurde klar, dass die Höhenluft keine Witze macht. Jeder Anstieg fühlte sich an, als hätte jemand heimlich die Schwerkraft erhöht.

    Hinzu kam meine beginnende Erkältung. Nach etwa einer halben Stunde Fußmarsch war ich komplett erledigt und froh, als wir endlich unser Hotel erreichten.

    Nachdem wir eingecheckt hatten, machten wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem. In der Innenstadt fanden wir tatsächlich noch ein kleines Restaurant, das geöffnet hatte. Dort probierte ich K’alapurka, eine traditionelle Suppe aus dem bolivianischen Altiplano.

    Die riesige Portion kostete gerade einmal 35 Bolivianos – umgerechnet etwa vier Euro. Zubereitet wird die Suppe aus Maismehl, Kartoffeln, Fleisch und Gewürzen. Das Besondere ist jedoch die Art des Servierens: In die Schüssel wird ein glühend heißer Vulkanstein gelegt, der die Suppe bis zum letzten Löffel kochend heiß hält. Vor meinen Augen begann die Suppe zu blubbern und zu sprudeln wie ein kleiner Vulkan. Gelegentlich schoss sogar eine heiße Fontäne über den Schüsselrand. Wer beim Essen Wert auf saubere Kleidung legt, sollte vorsichtshalber etwas Abstand halten.

    Für das kalte Hochlandklima war die Suppe allerdings perfekt – und für meine Erkältung vermutlich genau die richtige Medizin.