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  • Peru – Puno, 10 Stunden Busfahrt, die sich tatsächlich gelohnt haben

    25.06.2026 – Heute ging es von Cusco nach Puno – allerdings nicht mit irgendeinem Fernbus, sondern mit einem Tourbus. Die Fahrt dauerte zwar stolze zehn Stunden, doch dank fünf Zwischenstopps ( inkl. Mittagessen) verging die Zeit erstaunlich schnell. Unsere Stopps waren:​

    Andahuaylillas – die berühmte Kirche, die nicht umsonst als „Sixtinische Kapelle der Anden“ bezeichnet wird. Leider ist fotografieren drinnen nicht erlaubt. ​

    Raqchi – mit dem beeindruckenden Tempel des Gottes Wiracocha. Besonders auffällig sind die zahlreichen noch gut erhaltenen, runden Lagerräume. Sowohl der Tempel als auch die Wohnhäuser wurden exakt nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet, sodass die aufgehende Sonne die Gebäude auf besondere Weise beleuchtet. Die Inka verstanden erstaunlich viel von Architektur und Astronomie.

    La Raya – der höchste Punkt der Strecke mit wunderschöner Aussicht auf die Anden. Die Grenze zwischen den Regionen Cusco und Puno. ​

    Archäologische Museum von Pukara – zwar klein und übersichtlich, aber dennoch interessant.

    Unsere Reiseleiterin versorgte uns während der gesamten Fahrt und den Stopps mit spannenden Geschichten über die Vor-Inka-Zeit, das Inkareich, die spanische Kolonialzeit und das heutige Leben in Peru. So wurde die Busfahrt fast schon zu einer kleinen Geschichtsstunde – nur deutlich unterhaltsamer als damals in der Schule. Das Konzept gefällt mir richtig gut: Statt acht Stunden am Stück im Bus zu sitzen, kann man immer wieder aussteigen, sich die Beine vertreten und gleichzeitig interessante Sehenswürdigkeiten besichtigen.

    Sogar Frühstück in Form einer Lunchbox und ein Mittagsbuffet waren im Preis enthalten. Außerdem konnten wir paar regionale Spezialitäten im Bus ausprobieren. Das absolute Highlight war allerdings das Starlink-WLAN im Bus. So konnten wir unterwegs sogar die Fußball-WM live verfolgen. Da fragt man sich wirklich, warum nicht jeder Fernbus in Südamerika so ausgestattet ist.

    26.06.2026 – Heute stand etwas Bewegung auf dem Programm. Zuerst wanderten wir zum Mirador El Cóndor. Der Weg bestand gefühlt zu 95 % aus Treppen und brachte uns ordentlich ins Schwitzen. Da merkte man wieder die Höhe von über 4.000 Meter.

    Oben angekommen war die Aussicht aber jede Stufe wert.

    Anschließend ging es weiter zum Cerrito Huajsapata, einer weiteren Aussichtsplattform mitten in der Stadt. Leider war der Zugang wegen einer Baustelle komplett gesperrt. Aber das hat offenbar niemanden so richtig interessiert. Also spazierten wir einfach hinein. Niemand hielt uns auf, niemand fragte nach einer Erklärung. Peru scheint das Motto zu haben: Solange ihr selbstbewusst ausseht, wird das schon passen. Auch von dort hatten wir einen schönen Blick über Puno.

    27.06.2026 – Leben auf schwimmenden Inseln und modische Hüte

    Heute machten wir einen Tagesausflug auf dem Titicacasee zu den Uros-Inseln den schwimmenden Dörfern im See und zur Insel Taquile.

    Die Uros-Inseln bestehen aus hunderten schwimmender Schilfinseln. Tatsächlich leben dort bis heute Menschen – und fast alles besteht aus Totora-Schilf: die Inseln, Häuser, Betten, Küchen, Boote, Spielzeug und sogar eine Aussichtsplattform in Form eines Pumas.

    Damit die Inseln nicht langsam untergehen, müssen regelmäßig – etwa alle zehn bis fünfzehn Tage – neue Schilfschichten aufgelegt werden. Ein ständiger Hausputz reicht hier also nicht – man muss gleich die ganze Insel erneuern.

    Die Toiletten wurden von Hilfsorganisationen gespendet, Strom liefern inzwischen Solarpaneele. Dadurch können die Bewohner sogar Musik hören oder ihre Handys laden. Es ist wirklich schwer vorstellbar, dauerhaft so zu leben. Die Frauen stellen wunderschöne Wandteppiche und kleine Kunstwerke her und verkaufen sie an Besucher. Viele Männer arbeiten dagegen auf dem Festland.

    Natürlich durfte auch eine Fahrt mit einem der traditionellen gelben Schilfboote nicht fehlen. Etwa eine halbe Stunde waren wir unterwegs. Das kostet zwar extra, bringt den Familien aber ein zusätzliches Einkommen. Besucher kommen nämlich nicht jeden Tag. Der Dorfvorsteher entscheidet sogar, welche Familie welche Touristengruppe empfängt, damit alle gleichmäßig von den Einnahmen profitieren.

    Danach fuhren wir fast zwei Stunden weiter zur Insel Taquile.

    Im Gegensatz zu den Uros-Inseln liegt sie auf festem Boden und ist deutlich größer. Hier erklärte uns unser Guide, dass man unbedingt auf die Kopfbedeckungen der Einheimischen achten sollte.​

    Ledige Männer tragen rot-weiße Mützen. Sie sollten möglichst aufrecht stehen und gut aussehen – sonst steigen die Chancen auf eine Hochzeit angeblich nicht gerade. Verheiratete Männer tragen ausschließlich rote Mützen.​Wichtige Persönlichkeiten wie der Bürgermeister sollen sogar zwei Mützen gleichzeitig tragen. Leider begegnete uns kein Bürgermeister. Das hätte ich zu gern gesehen. Auch bei den Frauen verrät die Kopfbedeckung den Familienstand: Große, bunte Bommel bedeuten ledig, kleinere und dunklere Bommel verheiratet. Mode kann eben manchmal sehr praktisch sein. Auf der Plaza de Armas hatte ich sogar die Gelegenheit, gemeinsam mit den Einheimischen zu tanzen. Durch die vielen schnellen Drehungen und plötzlichen Richtungswechsel wäre ich dabei fast mit einem Musiker zusammengestoßen, der direkt vor mir stand. Zum Glück blieb es bei einem Beinahe-Unfall – sonst wäre ich vermutlich unfreiwillig Teil der Aufführung geworden.

    Nach dem Mittagessen zeigten uns einheimische Familien, wie man aus einer Pflanze auf ganz natürliche Weise Shampoo herstellt. Anschließend führte uns eine Frau ihre beeindruckende Webtechnik vor. Mit welcher Geschicklichkeit und Geschwindigkeit sie die kunstvollen Muster entstehen ließ, war wirklich faszinierend.

    Nach dem Tagesausflug fuhren wir mit einem Tuk-Tuk vom Hafen zurück zum Hotel. Das war ein Erlebnis! Fast wie eine Fahrt mit der Achterbahn im Skyline Park – nur eben auf drei Rädern und mitten im Straßenverkehr.

    28.06.2026 – Pikachu auf dem Titicacasee

    Heute wollten wir eigentlich nur Bustickets nach Arequipa kaufen. Auf dem Weg zum Busbahnhof kamen wir erneut am Hafen vorbei, von dem wir gestern von unserem Ausflug zurückgekehrt waren.

    Schon gestern waren uns dort die vielen Tretboote aufgefallen. Besonders eines hatte es mir angetan: ein Tretboot in Form von Pikachu.

    Ich sagte nur: „Damit muss ich unbedingt fahren!“ Michael organisierte kurzerhand das Boot und keine fünf Minuten später saßen wir bereits darauf und drehten unsere Runde über den Titicacasee. So entstehen die schönsten Programmpunkte ganz spontan.

    Danach machten wir noch einen ausgedehnten Spaziergang durch Puno und entdeckten unterwegs eine riesige Rutsche. Leider sieht es ziemlich ungepflegt aus– sonst hätte ich sie vermutlich auch noch getestet.

    29.06.2026 – Heute verabschiedeten wir uns von Puno. Mit einem normalen Reisebus ging es über Juliaca nach Arequipa. Die Fahrt dauerte etwas mehr als sieben Stunden, inklusive einer kurzen Pause. Das Ticket kostete gerade einmal 50 Sol (etwa 12,50 €) pro Person – ein Preis, bei dem man in Deutschland nicht einmal bis zur nächsten größeren Stadt kommen würde. Am Abend erreichten wir schließlich Arequipa – das nächste Kapitel unserer Peru-Reise konnte beginnen.

  • Peru – Cusco Inti Raymi

    22.06.2026 – Ein gemütlicher Museumstag. Heute wollten wir es etwas entspannter angehen und besuchten deshalb nur zwei Museen:

    – Regional Historical Museum of Cusco

    – Museum of Contemporary Art

    Beide sind zwar nicht besonders groß, aber auf jeden Fall einen Besuch wert.

    In der gesamten Altstadt herrscht inzwischen eine festliche Stimmung. Überall gibt es Musik- und Tanzaufführungen. Riesige Figuren werden durch die Straßen getragen und die Menschen feiern ausgelassen.

    Ein bisschen fühlten wir uns an einen Faschingsumzug zuhause erinnert – nur mit deutlich mehr Farbe, Ponchos und Inka-Traditionen.

    23.06.2026 – Heute standen die beiden Inka-Stätten Tambomachay und Puka Pukara auf dem Programm.

    Eigentlich wollten wir ganz bequem mit dem lokalen Bus „El Huerto“ fahren. Doch wegen der Vorbereitungen für das große Sonnenfest waren viele Straßen im Stadtzentrum gesperrt. Die freundliche Rezeptionistin unseres Hotels gab uns zwar einige Tipps, wo wir eventuell auf den Bus warten könnten. Doch unser Bus hatte offenbar beschlossen, heute frei zu nehmen. Nach einer guten halben Stunde Herumirren, Nachfragen und einer kleinen Sprachakrobatik mit unserem doch recht begrenzten Spanisch gaben wir schließlich auf und nahmen ein Taxi.

    Für knapp zehn Kilometer zahlten wir 40 Sol (etwa 10 Euro). Immerhin beschlossen wir, später den Rückweg zu Fuß anzutreten – schließlich geht bergab ja bekanntlich fast von allein.

    Tambomachay: Die Anlage ist im Vergleich zu den anderen Inka-Ruinen eher klein. Berühmt ist sie vor allem für ihre perfekt erhaltenen Wasserkanäle und Brunnen. Bis heute fließt dort ununterbrochen frisches Quellwasser – und das seit über 500 Jahren.

    Puka Pukara: Nur wenige Gehminuten entfernt liegt Puka Pukara, die „Rote Festung“. Ihren Namen verdankt sie den Steinen, die bei Sonnenuntergang rötlich leuchten. Vermutlich diente die Anlage einst als militärischer Kontrollposten oder als Raststation für Reisende auf dem Weg nach Cusco.

    Anschließend liefen wir etwa eineinhalb Stunden zurück in die Stadt – zum Glück fast ausschließlich bergab. Der Weg führte vorbei an kleinen ruhigen Orten, Pferdefarmen, Parks und der beeindruckenden Ruine von Sacsayhuamán.

    Leider fiel uns dabei auch etwas Negatives auf: Überall lag Plastikmüll. Wirklich schade, denn die wunderschöne Landschaft hätte etwas mehr Respekt verdient.

    24.06.2026 – Heute ist der große Tag: Inti Raymi!

    Schon seit Tagen bereitet sich die ganze Stadt auf dieses Ereignis vor. Überall wurde getanzt, musiziert und aufgebaut – und heute erreicht das größte Fest der Inka-Tradition endlich seinen Höhepunkt. Wir sind schon unglaublich gespannt.

    Kurz nach 10:20 Uhr laufen wir zur Plaza de Armas. Die gesamte Plaza wurde aufgeräumt und abgesperrt. Nur die Fußgängerbereiche rund um den Platz sind noch zugänglich. Dort warten bereits unzählige Menschen – Einheimische genauso wie Touristen. Viele Einheimische haben ihre eigenen kleinen Hocker mitgebracht und sitzen direkt hinter den Absperrungen. Zwischen den Menschen schlängeln sich unzählige Verkäufer hindurch. Jeder verkauft etwas anderes: Hocker, Bier, Wasser, Sonnenschirme, Chorios, Eis, Hüte, Meerschweinchen-Dekorationen und alles Mögliche, von dem man vorher gar nicht wusste, dass man es vielleicht doch brauchen könnte.

    Wir finden schließlich einen Platz rechts neben der Kathedrale, von dem ich die Plaza gut überblicken kann.Gegen 10:45 Uhr beginnen die Zuschauer plötzlich, eine La-Ola-Welle zu machen – wie in einem Fußballstadion. Überall wird gejubelt und gelacht. Allerdings stirbt die Welle jedes Mal auf der gegenüberliegenden Seite der Plaza ab. Also geben wir auf unserer Seite einfach noch mehr Gas, damit sie es vielleicht doch einmal bis ganz herum schafft. Die Stimmung ist einfach großartig.

    Dann erscheint direkt neben uns eine Gruppe Tänzer. Sie sehen aus wie Ureinwohner aus längst vergangenen Zeiten – mit beeindruckender Gesichtsbemalung, traditionellen Gewändern und unglaublich viel Energie. Sie rufen laut in einer indigenen Sprache. Obwohl ich kein einziges Wort verstehe, bekomme ich Gänsehaut.

    Wie auf Kommando schnellen überall Handys in die Höhe. Jeder möchte filmen oder fotografieren. Michael hat mit seiner Größe einen entscheidenden Vorteil und kann gemütlich über alle Köpfe hinweg filmen. Ich spare mir den Kampf um die beste Kameraposition und genieße das Spektakel einfach mit meinen eigenen Augen.

    Nach und nach füllt sich die gesamte Plaza mit immer mehr Tanzgruppen. Jede trägt andere, farbenfrohe Kostüme.

    Besonders gut gefallen mir zwei Tänzer, die Hirsche darstellen sollen. Sie laufen frei zwischen den Gruppen umher, legen sich zwischendurch auf den Boden, als würden sie schlafen, und grasen anschließend friedlich weiter. Sie wirken tatsächlich wie zwei wilde Hirsche irgendwo in den Anden.

    Mittlerweile tanzen überall Gruppen – geschätzt weit über tausend, vielleicht sogar zweitausend Menschen.

    Irgendwann erscheinen schließlich auch die Sonnenkönigin und offenbar der Inkakönig mit seinen Kriegern.

    Überall spürt man Freude und positive Energie. Die Zuschauer rufen immer wieder „Bravo!“, winken und applaudieren. Ich weiß irgendwann gar nicht mehr, wohin ich zuerst schauen soll. Musik, Trommeln, leuchtende Farben und wunderschöne traditionelle Kleidung – einfach überwältigend.

    Michael filmt fast die gesamte Vorstellung, während ich einfach nur staune. Die Zeit vergeht wie im Flug. Als alles vorbei ist, sind tatsächlich fast zwei Stunden vergangen.

    Nach den Feierlichkeiten gehen wir in ein Restaurant, in dem wir schon einmal gegessen haben. Dort entdecke ich auf einem Nachbartisch plötzlich ein traditionelles Gericht: gegrilltes Meerschweinchen!

    Vor Jahren hatte mir ein Kollege in Ulm davon erzählt. Und jetzt liegt es tatsächlich direkt vor meiner Nase.Oh mein Gott… das arme Meerschweinchen! So knusprig es auch aussieht – ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das in diesem Leben nicht probieren werde.

    Stattdessen bestelle ich lieber eine chinesisch-peruanische Spezialität namens Chifa: gebratenen Reis mit Gemüse und Hähnchen. Eine Entscheidung, die ich keine Sekunde bereue, denn es schmeckt hervorragend.

    Morgen geht unsere Reise weiter zum Titicacasee. Die nächsten spannenden Abenteuer warten bereits auf uns.

  • Peru – Zurück nach Cusco und Kulturprogramm statt Höhenluft

    19.06.2024 – Nach unserem Besuch der weltberühmten Ruinen von Machu Picchu ging es zunächst mit dem Zug zurück nach Ollantaytambo. Dieses Mal gönnten wir uns nicht die Luxusvariante – die normale Zugklasse kostet schließlich nur etwa die Hälfte (69 € statt 129 €). Der Ausblick aus dem Fenster bleibt derselbe, nur der Geldbeutel freut sich deutlich mehr.

    Von Ollantaytambo fuhren wir anschließend mit einem Sammeltaxi zurück nach Cusco. Dort bleiben wir weitere sechs Tage, denn am 24. Juni findet hier das größte Fest der Region statt: Inti Raymi – das Sonnenfest. Dieses Inka-Festival wird jedes Jahr zur Wintersonnenwende gefeiert und zieht Tausende Besucher aus aller Welt an.

    Bereits in Ollantaytambo hatten wir den Boleto Turístico gekauft. Für 130 Sol (rund 32 Euro) erhält man zehn Tage lang Eintritt zu insgesamt 16 Sehenswürdigkeiten in und um Cusco. Für unsere Reise war das perfekt geplant – unser Ticket gilt genau bis einschließlich 23. Juni. Jetzt können wir ganz entspannt die vielen historischen Stätten besuchen.

    Diesmal haben wir ein Hotel in der Nähe der Plaza de Armas gebucht. Die Lage ist einfach top – dafür muss man beim Komfort ein paar Abstriche machen. Kaum angekommen, haben wir unsere Rucksäcke abgestellt und sind direkt wieder losgezogen.

    Museo de Arte Popular: Ein kleines Museum mit überraschend viel Charme. Besonders gefallen haben uns die vielen unterschiedlichen Interpretationen des letzten Abendmahls und der Geburt Jesu. Dazu kommen zahlreiche traditionelle Kunstwerke aus Cusco. Klein, aber definitiv einen Besuch wert.

    Museo de Sitio Qorikancha: Dieses unterirdische Museum zeigt die Geschichte des ehemaligen Sonnentempels der Inka. Besonders beeindruckend: Nachdem die Spanier Cusco erobert hatten, errichteten sie direkt auf den Grundmauern des Tempels die Kirche Santo Domingo. Ein symbolträchtiger Ort, an dem zwei Kulturen aufeinandertreffen. Vor dem Gelände herrschte bereits reger Betrieb. Überall wurden Tribünen für das große Sonnenfest aufgebaut. Die Stadt befindet sich eindeutig im Inti-Raymi-Fieber.

    Centro Qosqo de Arte Nativo: Jeden Abend von 19 bis 20 Uhr findet hier eine traditionelle Musik- und Tanzvorführung statt.

    Nach dem Abendessen spazierten wir dorthin. Auf der Bühne spielte zunächst eine Musikgruppe auf traditionellen Andeninstrumenten. Danach folgten vier Tänzer und vier Tänzerinnen in farbenprächtigen Trachten. Die Tänze erzählten Geschichten über Sonne, Wasser, Liebe und das Leben in den Anden. Die Musik ging sofort ins Ohr und die gute Laune sprang direkt aufs Publikum über.

    Als wir nach der Vorführung zurück zum Hotel gehen wollten, fand auf der Plaza de Armas gerade das Fest Noche de Luces y Sonido statt. Es war so voll, dass wir über 15 Minuten brauchten, um die paar hundert Meter zu passieren. Nationale und internationale Musiker traten heute Nacht live auf. Mit bunten Lichtern und drei riesigen Monitoren war die Bühne schön dekoriert.

    Die Atmosphäre war sehr schön, aber wir waren von dem Tag ziemlich müde. Also nur kurz vorbeigeschaut und dann ab ins Hotelzimmer, endlich ausruhen. Ein wirklich gelungener Abend.

    20.06.2026 – Geburtstag, riesige Inka-Steine und ein etwas gruseliger Ort

    Heute hat Michael Geburtstag! 🎉 Er hat seinen Geburtstag bereits im Kosovo, in Südkorea, der Türkei, China, auf Ibiza und auf den Malediven gefeiert – und dieses Jahr in Peru. Man könnte fast behaupten, dass ganz Cusco mit ihm feiert.

    Nach dem Frühstück wollen wir endlich Sacsayhuamán besuchen. Bei unserem letzten Aufenthalt mussten wir die beeindruckende Anlage aufgrund unserer Eintrittskarten auslassen. Diesmal konnten wir sie endlich in aller Ruhe erkunden.

    Die gewaltigen Inka-Mauern sind schlicht unglaublich. Besonders die berühmte Zickzackmauer mit ihren drei Ebenen beeindruckt durch ihre außergewöhnliche Präzision. Kaum zu glauben, dass die riesigen Steinblöcke ohne Mörtel so perfekt zusammengefügt wurden.

    Manche der riesigen Steinblöcke wiegen über 100 Tonnen – und trotzdem passen sie ohne Mörtel millimetergenau zusammen. Bis heute rätseln Archäologen, wie die Inka das geschafft haben.

    Von hier oben hat man außerdem einen fantastischen Blick über Cusco und auf die große Christusstatue, die über der Stadt wacht.

    Auf den weitläufigen Wiesen zwischen den Ruinen wurde bereits die riesige Bühne für das Inti-Raymi-Festival aufgebaut. Die Kulisse könnte kaum spektakulärer sein: eine moderne Tribüne mitten in einer jahrhundertealten Inka-Festung. Für einen Sitzplatz sollen die Eintrittskarten übrigens über 350 US-Dollar kosten. Ganz schön happig!

    Das Gelände ist riesig und verteilt sich auf mehrere Bereiche mit Terrassen, Ruinen und Aussichtspunkten. Man kann hier problemlos mehrere Stunden verbringen.

    Q’enqo: Von Sacsayhuamán liefen wir etwa 20 Minuten bis zur nächsten Ausgrabungsstätte.Q’enqo war ein heiliger Zeremonienplatz der Inka. Besonders die unterirdischen Kammern und steinernen Altäre wirken heute etwas unheimlich. Wenn man sich vorstellt, dass hier vermutlich religiöse Rituale stattfanden und Mumien für Bestattungen vorbereitet wurden, läuft einem schon ein kleiner Schauer über den Rücken.

    21.06.2026 – Mit dem Quad durch das Heilige Tal

    Heute stand ein Tagesausflug auf dem Programm: Maras und Moray – mit dem ATV (Quad).

    Unser erstes Ziel waren die berühmten Salzterrassen von Salinas de Maras. Diese gehören leider nicht zum Touristenticket, deshalb mussten wir zusätzlich 20 Sol pro Person bezahlen. Die Salzterrassen sind wirklich faszinierend. Hunderte kleine Becken ziehen sich den Berghang hinunter. Aus einer natürlichen Quelle fließt rund 37 Grad warmes, stark salzhaltiges Wasser durch ein ausgeklügeltes Kanalsystem in die einzelnen Becken.

    Etwa 60 Familien bewirtschaften diese Salzfelder bis heute und leben vom Salzverkauf. Je nach Jahreszeit und Ernte entstehen verschiedene Salzsorten:​feines weißes Salz für den täglichen Gebrauch, ​rosafarbenes Mineralsalz zum Kochen, ​grobes, mineralreiches Salz, das häufig als Badesalz verwendet wird. Während der Trockenzeit leuchten die Becken in den unterschiedlichsten Weiß-, Rosa- und Brauntönen. Ein wirklich faszinierender Anblick. Fast surreal.

    Interessant fanden wir auch, dass viele Einheimische dieses Salz selbst gar nicht kaufen. Es ist ihnen schlicht zu teuer. Für den Alltag verwenden sie meist gewöhnliches Meersalz.

    Anschließend ging es zur Quadstation. Dort bekamen wir Helme und Schutzmäntel gegen den Staub. Michael übernahm selbstverständlich das Fahren – ich dagegen hatte die deutlich angenehmere Aufgabe: fotografieren.

    Gemeinsam mit unserem Guide fuhren wir etwa 30 Minuten über staubige Feldwege Richtung Moray. Es holperte gewaltig, aber die Landschaft entschädigte für jede Bodenwelle.

    Moray besteht aus riesigen kreisförmigen Terrassen, die wie ein gigantisches Amphitheater aussehen. Die Inka nutzten diese Anlage vermutlich vor über 600 Jahren als landwirtschaftliches Versuchslabor, denn zwischen oberster und unterster Terrasse entstehen unterschiedliche Mikroklimata.Wenn man sich vorstellt, wie die Menschen damals ohne Maschinen auf diesen steilen Terrassen gearbeitet haben, kann man nur den Kopf schütteln. Was für eine unglaubliche Leistung!

  • Zurück nach Chile (oder die Zivilisation)

    07.06.2026 – Da sich die Situation in Bolivien leider überhaupt nicht verbessert hat, bleiben weiterhin sämtliche Straßen gesperrt. Unsere Weiterreise von Potosí nach Sucre können wir damit komplett vergessen. An La Paz ist erst recht nicht zu denken. Da es in Potosí wegen der Höhenlage keinen Flugverkehr gibt, blieb uns nichts anderes übrig, als am 05.06. wieder mit dem Bus von Potosí zurück nach Uyuni zu fahren.

    In Uyuni haben wir uns dann noch zwei Ruhetage gegönnt, damit ich mich von meiner Erkältung erholen kann. Hier liegt man nicht ganz so hoch wie in Potosí und es ist sogar etwas wärmer – also nur noch zwischen 12 und -6 Grad. Fast schon Badeurlaub. Als wir dann Flugtickets von Uyuni nach Cusco kaufen wollten, gab es plötzlich auch keine mehr. Ob der Flughafen Uyuni ebenfalls vom Stillstand betroffen ist oder ob einfach alles ausgebucht ist, weil Flugzeuge momentan das einzige sichere Verkehrsmittel sind, konnten wir leider nicht herausfinden. Die nächsten verfügbaren Tickets gibt es erst ab dem 11.06. Noch drei weitere Nächte in Uyuni wollten wir aber nicht bleiben. Also ist die beste Alternative für uns momentan, am 08.06. mit dem Bus zurück nach Calama in Chile zu fahren und von dort nach Peru zu fliegen. Das ist sogar deutlich günstiger.

    Heute, am Sonntag, sind wir nach dem Frühstück zum Busbahnhof gelaufen. In der Stadt fand wieder der Markt statt. Im Vergleich zu letzter Woche war er allerdings deutlich kleiner – vielleicht noch ein Drittel der Größe von dem, was wir zuvor gesehen hatten. Kein Wunder: Wenn Lebensmittel und Benzin immer knapper werden, womit sollen die Leute überhaupt noch hierher kommen und ihre Waren verkaufen?

    Auch die meisten Restaurants waren geschlossen. Die ein oder zwei geöffneten Lokale hatten nur ein sehr eingeschränktes Angebot. Mir tun die Einheimischen wirklich leid. Für uns Reisende ist die Situation natürlich ebenfalls unangenehm, aber wir können irgendwann weiterziehen – die Menschen hier müssen bleiben. Wir liefen wieder durch die Marktstände, diesmal allerdings ohne Begleitung von Bruno. Hoffentlich geht es ihm gut. Warum sehen wir ihn nicht mehr? Ist er krank geworden? Oder am Ende sogar verhungert?

    Am Busbahnhof haben wir ihn schließlich wieder gesehen! Allerdings lag er auf dem Boden und schlief tief und fest. Michael hat ihn sogar leicht angestupst, aber Bruno rührte sich nicht. Wir beschlossen, morgen noch einmal nach ihm zu schauen.

    Danach kauften wir unsere Bustickets bei einem Anbieter namens „Buses Fronteras“. Angeblich eine etablierte Firma mit halbliegenden Sitzen und Toilette an Bord. Das bestätigte uns zumindest die Verkäuferin. Preis: 200 Bolivianos pro Person.

    Ich dachte: Endlich keine Sorgen mehr wegen der Toilette.

    Spoiler: Das dachte ich nur.

    Auf dem Rückweg liefen wir erneut durch die Stadt. Auf einem Platz fand offenbar gerade eine Versammlung statt. Viele Frauen in traditioneller Kleidung sangen und tanzten im Kreis. Auf einer Bühne standen Musiker und eine Sängerin.

    Wir blieben neugierig stehen und schauten eine Weile zu. Plötzlich kam eine ältere Dame in traditioneller Kleidung auf uns zu. Zuerst drückte sie uns zwei Zettel in die Hand. Irgendetwas mit „Iglesia“, also Kirche. Vermutlich eine Art Gottesdienst oder religiöse Feier.

    Dann hakte sie sich links und rechts bei uns unter und zog uns kurzerhand in den Tanzkreis. Die Leute schienen begeistert zu sein, dass die beiden Aliens – äh, Ausländer – mitfeierten. Sofort wurde die Stimmung noch ausgelassener. Es wurde lauter gesungen, mehr getanzt und einige machten sogar Videos von uns.

    Ich fand das herrlich und machte einfach mit. Wie schlimm kann ein bisschen Singen und Tanzen schon sein?

    Für Michael zitierte zwischendurch immer spaßeshalber die Warnungen des Auswärtigen Amtes 😀. Zwischen Gesang und Musik hörte ich immer wieder Sätze wie:„Wir sollten uns von Menschenansammlungen und Demonstrationen fernhalten!“

    oder„Jetzt landen wir auf YouTube!“

    oder sogar„Wir werden bestimmt bald verhaftet!“

    Die Oma zwischen uns war dagegen überglücklich. Sie sang lautstark, tanzte voller Energie und schien den Tag ihres Lebens zu haben. Nach etwa fünf Minuten war der Tanz vorbei. Wir bedankten uns herzlich und gingen weiter.

    08.06.2026 – Heute hieß es wieder: Aufstehen um 4:30 Uhr. Wir sollten um 5:30 Uhr am Busbahnhof sein, denn die Abfahrt war für 6:00 Uhr geplant.

    Als wir dort ankamen, sahen wir Bruno wieder! Und diesmal nicht allein, sondern mit zwei weiteren Hundefreunden – lebendig, gesund und bester Laune.

    Er erkannte uns sofort wieder. Seine Freude war so groß, dass er wie verrückt herumsprang und mit dem Schwanz wedelte. Erst da fiel mir wieder auf, wie riesig er eigentlich ist. Als er sich aufrichtete, war sein Kopf fast auf meiner Höhe und er hätte mir beinahe das Gesicht abgeschleckt! Ich bekam kurz Panik und drehte mich lieber weg.

    Daraufhin sprang er zu Michael, der ihm den Kopf kraulte. Die beiden anderen Hunde ließen sich von Brunos Begeisterung anstecken und wuselten fröhlich um Michaels Beine herum. Das sah wirklich lustig aus.

    Wir waren jedenfalls sehr erleichtert, dass es Bruno gut geht. Leider rückte irgendwann der Abschied näher.

    Wir mussten zum Busunternehmen, um noch ein Formular für die Ausreise aus Bolivien auszufüllen. Dort erhielten wir dann die erste Überraschung des Tages: Heute würden wir mit einem kleinen Van fahren.

    Nichts mit halbliegenden Sitzen.

    Nichts mit Toilette. Natürlich nicht.

    Der Fahrer lud zunächst das gesamte große Gepäck aufs Dach. Danach tauchten immer mehr Passagiere auf. Mittlerweile war es schon 6:20 Uhr. Von den 16 Sitzplätzen waren bereits 14 belegt. Dann kamen plötzlich noch fünf Erwachsene und drei Kinder dazu.

    Michael meinte sofort:„Das kann doch gar nicht funktionieren!“

    Ich dachte kurz, vielleicht würden sie jetzt doch einen größeren Bus organisieren.

    Von wegen.

    Irgendwann holte der Fahrer einfach zwei kleine Hocker hervor. Eine Frau setzte sich neben den Fahrer, ihr Mann zwischen sie und die Tür. Beide hielten jeweils ein kleines Mädchen auf dem Arm. Ein weiterer Mann stand im Gang. Problem gelöst. Zumindest nach bolivianischer Definition.

    Kurz nach 6:30 Uhr setzte sich der völlig überfüllte Van mit Verspätung in Bewegung. Bis zur Grenze dauerte die Fahrt fast vier Stunden.

    An der bolivianischen Grenzkontrolle folgte dann die Pass- und Gepäckkontrolle. Wobei „Kontrolle“ vielleicht etwas übertrieben ist. Es wirkte eher wie eine feierliche Zeremonie des Koffer-Anschauens. Der Scanner funktionierte jedenfalls nicht.

    Michael meinte trocken:„Was soll man eigentlich aus Bolivien herausschmuggeln? Es gibt ja sowieso fast nichts mehr.“

    Anschließend mussten wir das Fahrzeug wechseln. Auf der Übergangsbereich zwischen zwei Länder wartete bereits ein chilenischer Van mit etwa 18 Sitzplätzen auf uns. Da der Passagier, der zuvor die ganze Strecke im Gang gestanden hatte, schon vor der Grenze ausgestiegen war, bekam nun immerhin jeder Erwachsene einen eigenen Sitzplatz.

    Danach folgte die Pass- und Gepäckkontrolle auf chilenischer Seite. Rund eine halbe Stunde später waren wir wieder in Chile.

    Gegen 16:00 Uhr erreichten wir schließlich Calama. Seit unserem Eintreffen am Busbahnhof in Uyuni waren inzwischen mehr als 10,5 Stunden vergangen.Ich war ziemlich müde.

    Morgen geht es weiter nach Cusco in Peru. Ein neues Land, neue Eindrücke und bestimmt auch neue Abenteuer warten bereits auf uns.

  • Bolivien – Potosi Corpus Christi

    04.06.2026 – Leider ging es mir heute immer noch nicht besser. Nach dem Frühstück schleppten wir uns trotzdem in die Innenstadt. Zum einen brauchte ich Medikamente gegen meine Erkältung, zum anderen wollten wir uns noch die Kathedrale anschauen.

    Auf dem Plaza 10 de Noviembre herrschte bereits am Vormittag ungewöhnlich viel Betrieb. Überall sahen wir festlich geschmückte Straßen, bunte Dekorationen und Menschen in Uniformen.

    Viele kamen offenbar gerade aus der Kirche. Daneben waren zahlreiche Besucher in traditioneller Kleidung unterwegs. Aus der Kathedrale strömten immer mehr Menschen auf den Platz. Zunächst wussten wir nicht, was los war. Kurz darauf wurde jedoch klar, dass ein großer Festumzug unmittelbar bevorstand.

    Die Straßen füllten sich zusehends, Gruppen positionierten sich entlang der Route, und überall lag diese besondere Mischung aus Vorfreude und leichter Anspannung in der Luft, die man vor großen Veranstaltungen spürt.

    Dann setzte sich der Umzug in Bewegung. Wie wir später feststellten, ist der 4. Juni ein kirchlicher Feiertag namens „Corpus Christi“ und wird mit diesem großen Aufwand nur in Potosi und 3 anderen Städten Südamerikas gefeiert. Musikkapellen marschierten durch die Straßen, begleitet von festlich gekleideten Teilnehmern. Überall wurde fotografiert, gewunken und gelacht. Wir nutzten die Gelegenheit, um den Cathedral noch von innen zu sehen.

    Danach haben wir Mercado Central besucht und etwas Bargeld gewechselt. Anschließend wollten wir noch ein Kloster besichtigen. Die Öffnungszeiten standen zwar gut sichtbar an der Eingangstür, allerdings war weit und breit kein Mitarbeiter zu sehen. Auch der Ticketschalter blieb unbesetzt. Wir warteten eine Weile vor dem Eingang. Nichts. Wir schauten noch einmal auf die Öffnungszeiten. Immer noch nichts. Offenbar hatte man beschlossen, früher Feierabend zu machen. Vermutlich waren wir die einzigen potenziellen Besucher des Tages. Schade – manchmal gewinnt in Südamerika eben die Lebensqualität gegen den Dienstplan.

    Am Abend begegneten wir dem Festumzug dann noch einmal zufällig auf dem Rückweg vom Abendessen. Und diesmal war er sogar noch beeindruckender. Zahlreiche festlich geschmückte Fahrzeuge rollten durch die Straßen. Viele waren mit silberfarbenen Ornamenten dekoriert.

    Kinder, Jugendliche und Erwachsene trugen aufwendige Kostüme und bewegten sich elegant im Rhythmus der Musik. Die traditionellen Trachten, die Farben und die Atmosphäre wirkten auf uns ausgesprochen exotisch und faszinierend. Besonders die Kinder waren unglaublich niedlich und schienen ihre Rolle im Umzug sehr ernst zu nehmen. Gleichzeitig hatten sie sichtlich Spaß daran.

    Als die Dunkelheit einsetzte, entstand eine ganz besondere Stimmung. Die Kathedrale war beleuchtet, die Musik hallte durch die Straßen, und über der Stadt spannte sich der dunkle Andenhimmel. Für einen Moment wirkte Potosí fast märchenhaft.

    Später am Abend ging Michael noch auf die Dachterrasse unseres Hotels. Von dort oben konnte er einige schöne Fotos der nächtlichen Stadt machen. Selbst der Cerro Rico zeichnete sich noch als dunkle Silhouette am Horizont ab.

    Während ich unten versuchte, meine Erkältung auszukurieren, genoss er den Ausblick. Irgendjemand musste schließlich die Fotos machen.

  • Bolivien – Potosi eine historische Bergbaustadt

    03.06.2026 – Heute ging es mir überhaupt nicht gut. Kopf-, Hals- und Schnupfenschmerzen machten mir zu schaffen. In der Nacht konnte ich kaum schlafen. Immer wieder wachte ich auf und hatte das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Die Kombination aus über 4.000 Metern Höhe, extrem trockener Luft und einer Erkältung kann ich wirklich niemandem empfehlen.

    Bis zum Mittag ruhte ich mich deshalb im Hotel aus. Danach raffte ich mich trotzdem auf, gemeinsam mit Michael ins Zentrum zu gehen. Vom Hotel sind es eigentlich nur fünf bis zehn Minuten zu Fuß – unter normalen Umständen also ein Katzensprung.

    Heute fühlte sich dieser Katzensprung allerdings eher wie eine Alpenüberquerung an. Zeitweise bewegte ich mich ungefähr mit der Geschwindigkeit einer 95-jährigen Oma mit zwei kaputten Hüften. Selbst ein besonders motivierter Pinguin hätte mich vermutlich überholt.

    Unser Ziel war das Nationale Münzmuseum von Potosí.

    Schon beim Betreten fiel uns auf, dass wir die einzigen ausländischen Besucher waren. Unsere Museumsführer erzählte uns, dass normalerweise rund 200 internationale Gäste pro Tag vorbeikommen würden. Offenbar hatten die aktuellen Unruhen und Straßensperren den Tourismus nahezu zum Erliegen gebracht.

    Neben uns war nur noch eine größere Gruppe von Schulkindern unterwegs. Die Kinder beobachteten uns neugierig, begrüßten uns aber ausgesprochen freundlich. Immer wieder wurde gelacht und gewunken. Ihre herzliche Art machte den Besuch sofort sympathisch.

    Das Museum selbst war sehr interessant. Das Gebäude beeindruckt nicht nur architektonisch, sondern erzählt auch die Geschichte einer Stadt, die einst zu den reichsten Orten der Welt gehörte.

    Der Reichtum kam aus dem nahegelegenen Cerro Rico, dem berühmten „reichen Berg“, der bis heute abgebaut wird. Unter dem Berg befinden sich gewaltige Silbervorkommen.

    Während der spanischen Kolonialzeit floss von hier ein großer Teil des Silbers nach Europa. Potosí wurde dadurch zu einer der wohlhabendsten Städte der Welt. Für die einheimische Bevölkerung brachte dieser Reichtum allerdings wenig Gutes. Hunderttausende Indigene und afrikanische Sklaven mussten unter grausamen Bedingungen arbeiten. Viele überlebten die Arbeit in den Minen nicht. Traurigerweise sind die Bedingungen für die Bergarbeiter auch heute noch äußerst hart. Die Arbeit ist gefährlich, staubig und gesundheitsschädlich. Zwar verdienen viele Bergleute vergleichsweise gut für bolivianische Verhältnisse, soziale Absicherung oder Krankenversicherung gibt es jedoch oft nicht. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt Berichten zufolge deutlich unter der anderer Berufsgruppen.

    Besucher können an geführten Touren durch die Minen teilnehmen und den Arbeitsalltag der Bergleute hautnah erleben. Dabei geht es durch enge, dunkle und staubige Tunnel, in denen Temperaturen von über 30 Grad herrschen können.

    Unter anderen Umständen hätten wir eine solche Tour wahrscheinlich gemacht. In meinem gesundheitlichen Zustand und mit Michaels Körpergröße erschien uns das jedoch nicht wie die beste Idee.

    Manchmal ist Vernunft eben die spannendste Reiseentscheidung.

  • Bolivien – Busfahrt von Uyuni nach Potosi

    02.06.2026 – Heute ging es mit dem Bus von Uyuni nach Potosí. Die Fahrt dauerte etwa vier Stunden und führte durch die karge, aber beeindruckende Landschaft des bolivianischen Altiplano.

    Allerdings in Uyuni neben der Straßen liegen massenhaft Müll. Der Anblick tut schon weh.

    Die Bustickets kosteten 70 Bolivianos pro Person und konnten problemlos direkt am Busterminal gekauft werden. In Bolivien weiß man derzeit allerdings nie so genau, ob Straßen und Verkehrsverbindungen am nächsten Tag noch offen sind.

    Deshalb hatten wir vorsichtshalber noch kein Hotel in Potosí gebucht. Falls wir irgendwo festgesessen hätten, wäre das zumindest kein zusätzliches Problem gewesen. Ein kleines Problem gab es allerdings: Es gab keine Toilette an Bord. Der Fahrer saß außerdem in einem vollständig abgetrennten Fahrerabteil im unteren Bereich des Busses. Selbst wenn jemand dringend eine Pause benötigt hätte, wäre es vermutlich schwierig geworden, ihm das mitzuteilen. Zum Glück hatten wir vor der Abfahrt nicht allzu viel getrunken. So vergingen die vier Stunden erstaunlich entspannt.

    Während der Fahrt stiegen immer wieder einzelne Fahrgäste mitten im Nirgendwo am Straßenrand ein oder aus. Wie sie das organisiert hatten, blieb für uns ein Rätsel. Offenbar gibt es hier ein unsichtbares Buchungssystem, das nur Einheimische verstehen. Der Bus selbst war überraschend bequem und erreichte Potosí sogar relativ pünktlich.

    Am Busbahnhof von Potosí angekommen, organisierte Michael spontan ein Hotelzimmer in der Innenstadt, etwa 2,5 Kilometer vom Terminal entfernt. Kaum hatten wir den Bus verlassen, wurden wir bereits von mehreren privaten Fahrern angesprochen. Allerdings wollten sie uns nicht innerhalb von Potosí fahren, sondern fragten, ob wir nach Sucre möchten. Das überraschte uns etwas, schließlich waren wir gerade erst angekommen. Außerdem sollten die Straßen Richtung Sucre laut den aktuellen Informationen teilweise gesperrt sein.

    Später erfuhren wir, dass die Fahrt über Umwege trotzdem irgendwie möglich war – allerdings dauerte sie statt der üblichen dreieinhalb Stunden inzwischen rund sieben Stunden. Und war somit eine gute Einnahmequelle für die Taxifahrer.

    Die Straßen rund um den Busbahnhof wirkten laut, chaotisch und voller Verkaufsstände. Dazu kam der typische Duft einer Großstadt: eine Mischung aus Abgasen, Straßenküche und Verkehr. Dann entdeckten wir ein Taxi, mit dem wir definitiv nicht fahren wollten.

    Generell hatten wir den Eindruck, dass vermutlich mindestens die Hälfte der bolivianischen Fahrzeuge bei einer deutschen Hauptuntersuchung keine fünf Minuten überleben würde. Mehrfach gerissene Frontscheiben, fehlende oder nur noch lose befestigte Stoßfänger, halb blinde oder fehlende Scheinwerfer und Karosserieteile, die eher aus Gewohnheit als aus technischer Notwendigkeit am Fahrzeug hingen, gehörten zum alltäglichen Straßenbild.

    Besonders eindrucksvoll waren jedoch die Abgaswolken mancher Fahrzeuge. Wenn ein älterer Bus oder Lastwagen vorbeifuhr, konnte man für einen kurzen Moment den Eindruck gewinnen, die lokale Nebelsaison habe begonnen. Wer gerade tief Luft holen wollte, verschob diesen Plan besser um ein paar Sekunden. Die bolivianischen Fahrzeuge schienen nach dem Motto zu funktionieren: Solange sich etwas bewegt, ist es noch nicht kaputt.

    Andere offizielle Taxis konnten wir nicht finden. Also blieb nur eine Alternative: laufen. Das klingt zunächst harmlos. Bis man bedenkt, dass Potosí auf über 4.000 Metern Höhe liegt und wir Rucksäcke mit 16 beziehungsweise 23 Kilogramm auf dem Rücken trugen. Die Straßen führten gefühlt ausschließlich bergauf. Nach wenigen Minuten wurde klar, dass die Höhenluft keine Witze macht. Jeder Anstieg fühlte sich an, als hätte jemand heimlich die Schwerkraft erhöht.

    Hinzu kam meine beginnende Erkältung. Nach etwa einer halben Stunde Fußmarsch war ich komplett erledigt und froh, als wir endlich unser Hotel erreichten.

    Nachdem wir eingecheckt hatten, machten wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem. In der Innenstadt fanden wir tatsächlich noch ein kleines Restaurant, das geöffnet hatte. Dort probierte ich K’alapurka, eine traditionelle Suppe aus dem bolivianischen Altiplano.

    Die riesige Portion kostete gerade einmal 35 Bolivianos – umgerechnet etwa vier Euro. Zubereitet wird die Suppe aus Maismehl, Kartoffeln, Fleisch und Gewürzen. Das Besondere ist jedoch die Art des Servierens: In die Schüssel wird ein glühend heißer Vulkanstein gelegt, der die Suppe bis zum letzten Löffel kochend heiß hält. Vor meinen Augen begann die Suppe zu blubbern und zu sprudeln wie ein kleiner Vulkan. Gelegentlich schoss sogar eine heiße Fontäne über den Schüsselrand. Wer beim Essen Wert auf saubere Kleidung legt, sollte vorsichtshalber etwas Abstand halten.

    Für das kalte Hochlandklima war die Suppe allerdings perfekt – und für meine Erkältung vermutlich genau die richtige Medizin.

  • Bolivien – Bruno, der vierbeinige Stadtführer von Uyuni

    Nach unserer dreitägigen 4×4-Jeep-Tour von San Pedro de Atacama nach Uyuni blieben wir noch zwei weitere Tage in der Stadt.

    Wir beschlossen zunächst abzuwarten, wie sich die Situation in Bolivien weiterentwickeln würde. Derzeit sind viele wichtige Verkehrsverbindungen durch von Demonstranten errichtete Straßensperren blockiert. Der Schwerpunkt der Proteste liegt zwar rund um La Paz, der Hauptstadt des Landes, doch auch zahlreiche bedeutende Verkehrsachsen in anderen Regionen sind betroffen.

    Die Proteste, die bereits seit Februar 2026 andauern, hatten ihren Ursprung in den schlechten Löhnen und Arbeitsbedingungen der Bergarbeiter. Inzwischen richten sie sich vor allem gegen die hohen Kraftstoffpreise und die gestiegenen Lebenshaltungskosten. Die Ursachen dafür liegen jedoch nicht allein in der aktuellen Regierung, sondern in langjährigen strukturellen Problemen und wirtschaftspolitischen Fehlentwicklungen unter den teilweise sozialistischen Regierungen vergangener Jahrzehnte. Die meisten Bolivianer wissen das, aber eine Minderheit (darunter Anhänger des letzten sozialistischen Präsidenten) nehmen das Land in „Geiselhaft“.

    Bolivien befindet sich bereits seit mehreren Jahren in einer wirtschaftlich schwierigen Lage, die durch die anhaltenden Demonstrationen und Blockaden zusätzlich verschärft wird. Kraftstoffe sind vielerorts knapp geworden. Zahlreiche Tankstellen bleiben geschlossen oder es bilden sich Warteschlangen von mehreren hundert Metern Länge. Auch die Versorgung mit Lebensmitteln wird zunehmend schwieriger, da viele Waren aufgrund der Straßensperren nicht mehr zuverlässig transportiert werden können.

    Die Auswirkungen sind im Alltag deutlich spürbar: Viele Restaurants haben geschlossen oder bieten nur noch eine eingeschränkte Speisekarte an. Gleichzeitig ist die Zahl der Touristen stark zurückgegangen. Hotels, Restaurants und andere touristische Betriebe freuen sich daher über jeden Gast, der trotz der angespannten Situation ins Land reist.

    Am ersten Morgen machten wir uns direkt nach dem Frühstück auf den Weg zum Busterminal. Wir wollten herausfinden, ob überhaupt Busse nach Potosí fahren. Die Antwort fiel überraschend eindeutig aus: Ja – sogar mehrere täglich. Obwohl insgesamt nur wenige Passagiere unterwegs waren und die meisten Fahrgäste Einheimische zu sein schienen. Damit stand unserem nächsten Reiseziel nichts mehr im Weg.

    Am Busterminal begegnete uns ein großer schwarzer Hund. Zunächst schenkten wir ihm keine besondere Aufmerksamkeit. Straßenhunde gehören in Bolivien schließlich zum Stadtbild. Doch dieser Hund hatte offenbar andere Pläne.

    Er begann, uns zu begleiten. Nicht aufdringlich, nicht bettelnd und auch nicht besonders anhänglich. Er lief einfach mit. Mal neben Michael, mal neben mir. Ruhig, gelassen und mit einer Ausdauer, die jeden Wanderführer neidisch gemacht hätte. Irgendwann gaben wir ihm einen Namen: Bruno.

    Als wir das Busterminal verließen und Richtung Innenstadt spazierten, folgte Bruno uns weiterhin. Unterwegs traf er immer wieder andere Straßenhunde. Die beschnupperten sich kurz, regelten offenbar wichtige Hundegeschäfte und gingen anschließend wieder ihrer Wege. Bruno dagegen schloss sich jedes Mal wieder unserer kleinen Reisegruppe an.

    Lediglich Fahrradfahrer schienen sein Vertrauen nicht zu genießen. Mehrmals bellte er ihnen hinterher, als hätte irgendwann einmal ein Fahrrad sein Leben ruiniert. Während wir durch die Stadt schlenderten, erledigte Bruno gewissenhaft seine Revierkontrollen, markierte strategisch wichtige Punkte und führte uns dabei gleichzeitig durch Uyuni.

    An diesem Sonntag fand offenbar ein großer Straßenmarkt statt. Die Straßen waren für den Verkehr gesperrt, überall standen Verkaufsstände mit Kleidung, Haushaltswaren, Spielzeug und natürlich jeder Menge Essen. Der Duft frisch gekochter Speisen lag in der Luft.

    Die meisten Besucher waren Einheimische. Zwischen all den Menschen kamen wir uns manchmal vor wie zwei Aliens auf Landgang. Bruno hingegen gehörte eindeutig hierher.

    Mehrmals waren wir überzeugt, ihn verloren zu haben. Zu viele Menschen, zu viele Hunde, zu viele Ablenkungen. Doch spätestens fünf Minuten später tauchte er wieder auf. Mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck, einem Sabberfaden am Maul und der Selbstverständlichkeit eines langjährigen Reisebegleiters lief er erneut neben uns her. Michael vermutete, dass die zahlreichen Essensreste, die Bruno unterwegs erfolgreich organisiert hatte, für den erhöhten Speichelfluss verantwortlich waren.

    Tatsächlich schien er in der Nachbarschaft bestens bekannt zu sein. Ein Einheimischer, der gerade an einem Straßenstand aß, warf ihm ganz selbstverständlich ein paar Essensreste zu. Bruno nahm die Gabe mit der Routine eines Hundes entgegen, der diesen Job schon seit Jahren ausübt.

    Ich habe nie selbst einen Hund besessen, aber Bruno schloss ich erstaunlich schnell ins Herz. Er war groß, kräftig, intelligent und wunderschön. Wenn wir irgendwo stehen blieben, legte er sich einfach neben uns und wartete geduldig. Einmal streichelte ich ihm über den Kopf. Sein Fell war warm, weich und erstaunlich gepflegt. Für einen Straßenhund sah er wirklich hervorragend aus. Wären wir in Deutschland gewesen, hätte ich ernsthaft über eine Adoption nachgedacht.

    Stattdessen beschlossen wir, ihm wenigstens eine kleine Freude zu machen.

    In einer Metzgerei nahe dem Hauptplatz kauften wir eine Packung Würstchen. Als Bruno begriff, dass diese tatsächlich für ihn bestimmt waren, geriet er völlig aus dem Häuschen. Sein Schwanz wedelte so energisch, dass er mich beinahe umgerannt hätte. Michael öffnete die Packung und fütterte ihn Stück für Stück.

    Zu unserer Überraschung hörte Bruno sogar auf Kommandos. Er setzte sich brav hin und wartete geduldig auf das nächste Würstchen, als würde er seit Jahren perfekt Deutsch verstehen. Es fehlte eigentlich nur noch ein höfliches „Danke“.

    Anschließend stellten wir ihm noch Wasser hin. Die Sonne brannte kräftig vom Himmel, doch viel trinken wollte er nicht.

    Natürlich begleitete er uns danach weiter. Insgesamt lief Bruno mehr als zwei Stunden mit uns durch Uyuni, bis wir schließlich wieder unser Hotel erreichten.

    Insgeheim hoffte ich, ihn am nächsten Tag noch einmal zu sehen. Leider hatte Bruno offenbar andere Termine. Am nächsten Morgen war er verschwunden.

    Stattdessen meldete sich bei mir eine leichte Erkältung. Da wir ohnehin bereits die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gesehen hatten, verzichteten wir auf weitere Ausflüge und machten nur noch einen entspannten Spaziergang durch die Stadt, bevor wir am Abend essen gingen. Wir haben auf Markt eine Packung Gebäck gekauft für zwischendurch. Es schmeckt lecker und kostet ca. 2 Euro.

    Von Bruno fehlte jede Spur. Und obwohl wir ihn nur wenige Stunden kannten, vermissten wir unseren vierbeinigen Stadtführer ein kleines bisschen.

  • Chile – Calama

    Am 20.05.2026 sind wir von La Serena nach Calama geflogen. Der Flug hat gerade mal 1 Stunde und 40 Minuten gedauert. Mit dem Bus wären es dagegen über 20 Stunden gewesen — also praktisch einmal quer durch die Geduld. Von hier aus wollen wir später mit dem Bus weiter nach San Pedro de Atacama fahren. Aber zuerst haben wir beschlossen, noch zwei Tage in Calama zu bleiben.

    Calama liegt auf etwa 2260 Metern Höhe. Am ersten Tag hatten wir beide leichte Kopfschmerzen, aber zum Glück hat sich unser Körper schnell daran gewöhnt. Nach dem Frühstück sind wir zu Fuß in die Stadt gelaufen, um Bustickets zu kaufen und ein bisschen herumzuspazieren. Dabei haben wir mehrere Autos gesehen, die aussahen, als wären sie gerade eben einem schweren Verkehrsunfall entkommen — zerbeult, halb auseinanderfallend … aber sie fuhren ganz normal weiter! Unvorstellbar in Deutschland. Dort würde so ein Auto wahrscheinlich schon beim bloßen Anblick stillgelegt werden. Hier denkt man eher: „Ach, die Stoßstange fehlt? Läuft doch noch.“ Außerdem gibt es hier unzählige große Straßenhunde. Herrenlos, aber erstaunlich friedlich und entspannt. Dazu einige Obdachlose und Bettler auf den Straßen. Die Stadt selbst ist eher unspektakulär: viel Sonne, milde Temperaturen um die 23 Grad — deutlich angenehmer als in La Serena.

    Ein Hauptplatz mit Kirche, viele kleine Straßen und kleine Läden. Auffällig war auch, dass sich alle Autovermietungen am Flughafen konzentriert haben. Die Büros in der Stadt stehen dagegen fast alle leer. Am Abend sind wir noch einmal zum Flughafen gefahren, um unseren Mietwagen bei einem lokalen Anbieter abzuholen.

    22.05.2026 — heute haben wir einen Ausflug mit dem Mietwagen gemacht. Schon entlang der Autobahn stehen unzählige Kreuze mit Blumen für Verkehrstote. Michael hat nachgelesen, dass die Unfallquote in Chile bei etwa 8 pro 10.000 angemeldeten Autos liegt — in Deutschland dagegen ungefähr bei 1. Irgendwie überrascht uns das nach den Autos in Calama ehrlich gesagt nicht mehr besonders.

    Unser erster Stopp war der Mirador División Ministro Hales — eine Aussichtsplattform direkt an der Autobahn. Von dort aus konnten wir einen gigantischen Bergbau-Komplex sehen: riesige Baustellen, dauernd Bewegung und monströse Baufahrzeuge, die aussahen, als könnten sie ein normales Auto versehentlich frühstücken. Durch die ganzen Fahrzeugbewegungen im Bergbau war sehr viel Staub in der Luft, was man auch an den Bilderr sieht.

    Etwa 40 Minuten weiter nordöstlich kamen wir zur Laguna Inka Coya, unserem zweiten Stopp. Eintritt: 2500 CLP. Mitten in der trockenen Atacama-Wüste plötzlich eine intensiv blaue Lagune — fast unwirklich.

    Im Hintergrund schneebedeckte Berge, daneben ein Flussbett mit grünen Pflanzen — eine kleine Oase mitten im Nichts. Dort liefen Lamas, Alpakas sowie wilde Guanacos und Vikunjas herum. Dazu ein tiefblauer Himmel ohne eine einzige Wolke. Wirklich ein wunderschöner, friedlicher Ort.

    Der dritte Stopp lag weitere 40 Minuten Richtung Berge entfernt: Pukará de Turi. Eine große Inka-Ruine auf einem Hügel unter strahlend blauem Himmel. Hier oben war fast niemand unterwegs. Zwischen den alten Steinmauern konnte man noch einzelne Räume erkennen. Mitten in der Anlage stand ein großes eingestürztes Gebäude — vermutlich früher ein Gemeindehaus oder Versammlungsort.

    Wir haben viele Vögel gesehen und sogar zwei Viscachas. Die sehen ein bisschen aus wie Hasen mit langem Ringelschwanz und hüpfen blitzschnell und fast lautlos herum wie kleine Kängurus auf Espresso.

    Michael hat außerdem Steine gefunden, die aussahen wie alte Vasen- oder Kochtopfreste. Wären wir Archäologen gewesen, hätten wir dort vermutlich den ganzen Tag verbracht.

    Der vierte Stopp war Pukará de Lasana. Schon die Fahrt dorthin war ein kleines Abenteuer. Irgendwann hörte die Straße einfach auf. Stattdessen fuhren wir etwa 10 Kilometer über einen relativ flachen, aber komplett steinigen und sandigen Weg voller Buckel. Neben uns verlief eine Pipeline. Kein anderes Fahrzeug weit und breit. Dann — plötzlich — war die Straße wieder da, als wäre nichts gewesen.

    Das letzte Stück hinunter zum Dorf war ziemlich schmal und verlief direkt neben einem steinigen Hang. Die Felsen sahen aus, als könnten sie jederzeit herunterrollen. Falls Gegenverkehr gekommen wäre, wäre das spannend geworden. Ich habe innerlich schon sämtliche Schutzengel aktiviert, während Michael völlig entspannt gefahren ist. Wer’s kann, der kann.

    Die Ruinen von Pukará de Lasana waren ebenfalls beeindruckend groß und teilweise restauriert. Direkt daneben liegt ein kleines Dorf. Wir haben ein paar Fotos gemacht und sind weitergefahren.

    Fünfter Stopp: das Dorf Chiu Chiu. Dort steht die älteste Kirche Chiles: Iglesia de San Francisco de Chiu Chiu. Leider war sie geschlossen, sodass wir sie nur von außen anschauen konnten.

    Auf der anderen Seite des Dorfplatzes hörten wir plötzlich laute Musik und Gesang. Offenbar fand gerade ein Dorffest statt. Natürlich mussten wir neugierig nachsehen. Eine breite Gasse voller kleiner Verkaufsstände, überall Menschen, Musik und Essen. Am Ende der Straße stand eine Bühne mit vielen Zuschauern. Daneben sogar ein kleiner Stall mit Lamas und Ziegen.

    Die Tänzer und Musiker trugen traditionelle Kleidung, und gerade lief eine Live-Aufführung mit Musik und Tanz. Wahrscheinlich waren wir zwei Ausländer für die Dorfbewohner mindestens genauso exotisch wie sie für uns.

    Der Grillgeruch an einem Stand hat sofort unseren Hunger geweckt. Mit unserem gebrochenen Spanisch haben wir zwei Completos bestellt — chilenische Hotdogs — für ungefähr 2 Euro pro Stück. Und ehrlich: extrem lecker.

    Danach sind wir wieder ins Auto gestiegen und zurück nach Calama gefahren.Unser sechster und letzter Stopp war eher Michaels persönliches Highlight. Schon ein paar Tage zuvor hatten wir bei der Fahrt vom Flughafen in die Stadt zwei gigantische Baufahrzeuge mitten auf einer Verkehrsinsel stehen sehen.

    Natürlich musste er da noch einmal hin. Bevor wir den Mietwagen zurückgegeben haben, haben wir dort also angehalten. Und wirklich — so etwas habe ich noch nie aus der Nähe gesehen. Diese Fahrzeuge waren absolut riesig. Genau solche Maschinen werden im Bergbau eingesetzt. Vom ersten Aussichtspunkt aus wirkten sie groß — aber hier direkt daneben habe ich mich plötzlich gefühlt wie eine Ameise neben einem Dinosaurier. Wahnsinn.

    Heute war wieder ein richtig schöner Tag. Voller neuer Eindrücke, Erlebnisse und Momente..

  • Chile – Santiago de Chile 🇨🇱

    08.05.2026 – Wir sind knapp 11 Stunden von Auckland nach Santiago de Chile geflogen. Die Zeitverschiebung beträgt einfach mal 16 Stunden zurück zu Auckland. Also um 20:15 Uhr losgeflogen und um 15:10 Uhr am gleichen Tag angekommen. Endlich haben wir „Zurück in die Zukunft“ live erlebt. Fehlt nur noch der DeLorean.

    Der Einreiseprozess ging überraschend schnell. Kaum aus dem Flughafen raus, hörten wir überall Leute reden. Wir verstanden natürlich nur nada … nada … Unser Spanisch-Level: irgendwo zwischen „Hola“ und hilflosem Lächeln.

    Beim Kauf der Flughafenbus-Fahrkarten (2300 CLP) ging es mit Englisch noch einigermaßen. Aber an der U-Bahn-Station „Pajaritos“ hatten wir schon unsere erste echte Herausforderung: überhaupt eine BIP-Karte (eine Art Geldkarte für Bis und Bahn) für den ÖPNV zu bekommen. Die Frau hinter der dicken Glasscheibe konnte uns nicht verstehen und wir sie auch nicht. Es war einfach wie ein internationales Pantomime-Festival. Schließlich hat ein sehr freundlicher Mann geholfen zu übersetzen – sogar auf Deutsch! Wir dachten schon: Rettung! Falsch gedacht: Die Bip-Karte konnte man nur mit Bargeld kaufen, nicht mit Kreditkarte. Wir hatten noch kein Bargeld, also war die ganze Aktion trotzdem erfolglos.

    Michael meinte dann ganz optimistisch, dass wir bestimmt wie in Auckland einfach direkt mit Kreditkarte/Handy durch die Schranke kommen. Nach dem Motto: „Wird schon irgendwie funktionieren.“ Und tatsächlich – es hat geklappt! So sind wir letztendlich mit der U-Bahn zum Hotel gefahren. Die Fahrt kostet übrigens nur 700 Peso, also ca. 60 Cent. Dafür bekommt man in Neuseeland wahrscheinlich nicht mal einen halben Kaugummi.

    Als wir endlich im Hotelzimmer eingecheckt hatten, waren wir komplett fix und fertig. Gehirn, Körper und Zeitgefühl hatten längst gekündigt. Die Sprachbarriere wird uns hier definitiv dauerhaft begleiten.

    Am nächsten Tag haben wir uns erstmal vom Jetlag erholt, den halben Tag geschlafen und ein bisschen die Gegend erkundet. Nicht weit vom Hotel gibt es ein schönes Viertel namens Bellavista – voller Restaurants, Bars und entspannter Stimmung. Natürlich mussten wir sofort traditionelles chilenisches Essen ausprobieren. Gut gewürzt, deftig und vor allem: riesige Portionen. In Südamerika scheint man grundsätzlich davon auszugehen, dass jeder Gast gerade einen Halbmarathon gelaufen ist.

    10.05. 2026 – Ausflug nach Viña del Mar und Valparaíso. Der erste und zweite Stopp waren eher unspektakulär.

    Aber der dritte Stopp – Fischmarkt – war ein Erlebnis für alle Sinne. Vor allem für die Nase. Es hat wirklich unfassbar nach Fisch gestunken. Überall lagen riesige Seelöwen direkt am Parkplatz und sonnten sich völlig entspannt. Die waren viel größer als die, die wir in Australien und Neuseeland gesehen haben. Absolute Endgegner-Seelöwen. Dazu saßen Pelikane geschniegelt und gestriegelt in einer Reihe auf der Mauer und warteten geduldig auf Essensreste von Menschen. Wie ein organisierter Vogel-Gangsterverein.

    Danach ging es nach Valparaíso. Dort machten wir einen einstündigen Spaziergang durch die Stadt, welche am Meer liegt und durch die über 40 Hügel einer Berg-und-Talbahn gleicht. Überall bunte Bilder an den Wänden, verrückte Graffitis und farbige Treppen. Die ganze Stadt sieht aus, als hätte jemand einen Farbeimer explodieren lassen – auf eine gute Art. Wir haben auch die deutsche Kirche gesehen, sind zu einem Aussichtspunkt gelaufen und haben den Blick über die Stadt und das Meer genossen.

    Nach dem Mittagessen liefen wir zurück zu einer der vielen Standseilbahnen und fuhren mit dieser wieder runter. Nachmittags ging es noch zu einem Weingut. Dort probierten wir zuerst Weißwein und später im Keller Rotwein. Sehr professionell natürlich. Wir haben bei jedem Schluck ernst genickt, als würden wir wirklich „fruchtige Noten“ und „einen Hauch von Eiche“ herausschmecken. Die Chilenen sind relativ stolz auf ihren Wein, aber für uns kommt er weit nach italienischem, spanischen und australischen Wein.

    11.05.–15.05.2026 – Wir haben für eine Woche einen Spanisch-Crashkurs gemacht: 30 Lernstunden in einer Woche. Das war intensiv, interessant und für uns mit null Vorkenntnissen wirklich hardcore. Unser Gehirn hat spätestens ab Tag drei nur noch „ser, estar, tener, haber“ im Kreis abgespielt.

    Nach dem Kurs organisierte die Schule jeden Tag noch Aktivitäten. Einmal besuchten wir mit anderen Schülern den Hausberg Santiagos, den San Cristóbal. Wir sind mit der roten Zahnradbahn gefahren und haben die Stadt bei Sonnenuntergang angeschaut. Wirklich wunderschön.

    An einem anderen Abend nahmen wir an einem Tandem-Austausch-Event teil. Mit Adrian und Ive haben wir 45 Minuten Spanisch gesprochen und danach 45 Minuten Englisch geredet. Immerhin haben wir nach fünf Tagen jetzt einen Teil der Grammatik verstanden und können uns einige Wörter merken. Für echte Unterhaltungen reicht das aber noch lange nicht. Aktuell besteht unser Spanisch hauptsächlich aus: „Hola“, „Gracias“ und panischem Nachdenken. Aber wir werden weiter selbst lernen.

    In der Schule haben wir außerdem Martina und ihre Schwester Steffi aus der Schweiz kennengelernt. Die sind seit August letzten Jahres auch auf Weltreise und hatten eine ähnliche Route wie wir. Voll interessant, sich mit ihnen auszutauschen. Weltreisende erkennen sich irgendwie sofort gegenseitig am leicht verwirrten Blick und offenen und freundlichen Art.

    Die Stadt Santiago ist groß, laut und voller Menschen. Sie ist von Bergen umzingelt und manchmal sieht man ziemlich viel Smog.

    Mehrmals haben wir an Kreuzungen bei roten Ampeln kleine Kunstshows gesehen. Unglaublich, was die Leute dort alles machen – ein Jongleur auf einem Einrad, Akrobaten, Breakdance und einen Seiltänzer auf einem zwischen 2 Ampeln gespannten Seil – mitten zwischen den Autos. Die Autofahrer scheinen das völlig normal zu finden.

    Die Leute wirken insgesamt sympathisch. Obwohl uns viele gewarnt haben, gut auf unsere Wertsachen aufzupassen wegen Diebstahl, fühlen wir uns hier sicher. Es gibt relativ viele Obdachlose in Parks und auf den Straßen – wie leider in vielen großen Städten. Außerdem haben wir unglaublich viele Polizisten gesehen. Vermutlich mehr Polizisten als wir spanische Wörter kennen.

    Mittags haben wir meist Empanadas, eine Art Teigtasche, gegessen, welche hier zu den Nationalgerichten zählen. Abend sind wir manchmal in die Ausgehviertel Nähe der Universitäten gegangen und haben typisch chilenische Gerichte und Pisco Sour probiert. Lecke! Pisco Sour behalten wir auf jeden Fall im Hinterkopf und werden es zurück in Deutschland definitiv selbst mal machen.