Monat: Dezember 2025

  • Australien – Sydney New Year’s Eve

    Nachdem wir Weihnachten gemütlich auf Bali verbracht hatten, waren wir diesmal besonders vorbildlich und buchten Flug und Unterkunft für Silvester in Sydney schon frühzeitig – man lernt ja dazu. Für die Einreise erledigten wir eine Woche vorher brav die elektronische Anmeldung im Internet.
    Im Flugzeug durften wir dann zur Sicherheit noch einmal einen Zettel ausfüllen – mit unseren Daten und der wichtigen Frage, ob wir heimlich Goldbarren, exotische Früchte oder sonstige Schätze eingeschmuggelt haben.
    Am Flughafen in Sydney ging es direkt weiter: Noch einmal in einem Computer Daten eintippen, Krankheiten ausschließen, die letzten Reiseländer angeben (Stichwort „Risikogebiete“) – gefühlt kannten sie unseren Lebenslauf jetzt besser als wir selbst. Danach durch die Passkontrolle, komplett futuristisch mit automatischem Ausweis- und Gesichtsscan. Ein freundlicher Hinweis der Mitarbeiter zeigte uns schließlich den „schnellsten Weg“ – ganz egal, ob man etwas zu verzollen hatte oder nicht.
    Wir entschieden uns pflichtbewusst für den Ausgang „Declare“ (Waren anmelden) und waren nach exakt einer Minute wieder draußen. Rekordzeit! Kurze Lagebesprechung, ein schneller Google-Maps-Check zur besten Route ins Apartment – und dann schnurstracks zum Busbahnhof und ab ins Bett.
    Besonders cool: Wie schon in Kuala Lumpur und Singapur braucht man hier keine Fahrkarten mehr. Einfach Handy raus, Google Pay an den Scanner halten – egal ob Bus oder Bahn. Wichtig dabei: Beim Aussteigen bzw. Verlassen von Bus oder Bahnhof noch einmal scannen, sonst denkt das System vermutlich, man fährt bis ans andere Ende Australiens. Günstig, unkompliziert und so bequem, dass man sich fragt, warum das nicht überall so läuft.

    Am ersten Tag in Sydney stand dann erst einmal der Großeinkauf für die nächsten Tage auf dem Programm – man will ja nicht an Silvester hungern. Danach folgte die strategische Mission: Mithilfe der offiziellen „Sydney New Year’s Eve“-Web Seite eine Vorabbesichtigung der besten Hotspots für das Feuerwerk in der Sydney Bay. Natürlich standesgemäß mit Blick auf die Oper und die Harbour Bridge.


    Diese Erkundung war auch dringend notwendig, denn der Ansturm hatte bereits einen Tag vorher begonnen. Am Nachmittag schlugen die ersten Unerschrockenen schon ihre Zelte im nahegelegenen Park auf, um beim Einlass an den Toren ganz vorne dabei zu sein und sich den besten Platz direkt am Wasser zu sichern. Einfach hingehen und mal schauen? Vergesst es. Alles ist minutiös durchorganisiert und größtenteils bereits abgesperrt. Am Infostand teilte man uns dann noch trocken mit, dass letztes Jahr um 15 Uhr bereits alles voll – und endgültig dicht – war. Willkommen in Sydney an Silvester 😄

    Also starteten wir am Silvestertag schon gegen 12 Uhr, um überhaupt noch eine Chance auf einen der besseren Plätze zu haben. Während der 30-minütigen Zugfahrt Richtung Hafen checkten wir im Minutentakt den Livestatus auf der Website – mit dem ernüchternden Ergebnis, dass unsere Top 3 bereits „rot“ und damit voll waren. Also Plan B: der nächste Spot, der im Netz noch hoffnungsvoll grün leuchtete. Gegen 13 Uhr, zwei Eingangsschleusen und eine Sicherheitskontrolle später, ergatterten wir tatsächlich einen Platz in Campbells Cove – etwa 15 Meter vom Wasser entfernt, mit direktem Blick auf Oper und Harbour Bridge. Jackpot! Um uns herum Massen von Menschen, die sich entweder gemütlich auf Decken oder ausgesprochen luxuriös auf Klappstühlen auf dem harten Betonboden niederließen.

    In den folgenden Stunden strömten weiterhin Menschenmengen herein, alle auf der verzweifelten Suche nach irgendeinem Platz. Wir fragten uns ernsthaft: Alles ist schon voll – wo sollen die denn bitte noch hin? Die Security patrouillierte unermüdlich und scheuchte regelmäßig Leute weg, die es sich auf markierten Wegen oder vor Notausgängen bequem gemacht hatten.

    Man muss fairerweise sagen: Die Organisation war beeindruckend. Überall gab es Trinkwasserstellen, ausreichend Toiletten und Foodtrucks für das leibliche Wohl. Für den Notfall standen große Sanitätsbereiche bereit – in einem davon entdeckten wir sogar ein paar Defibrillatoren von Xin’s Firma. Schnell ein Beweisfoto gemacht, Stolz gespeichert, weiter im Programm.

    Und dann hieß es nur noch: 11 Stunden auf dem harten Betonboden ausharren, bis das große Spektakel endlich losging. Silvester in Sydney – nichts für schwache Nerven, aber definitiv unvergesslich 😄

    Der Status auf der Website zeigte um 18:30 Uhr, dass bereits 90 % der Aussichtspunkte ausgebucht waren. Das Publikum war bunt gemischt – Inder, Asiaten, Australier, Deutsche und Schweizer –, aber durchweg sehr friedlich. Um 21 Uhr gab es das erste Feuerwerk über der Bay, gedacht für die Familien mit kleineren Kinder, die früh ins Bett müssen

    Das erste Feuerwerk war bereits großartig, doch es sollte noch übertroffen werden. Danach lichteten sich die Reihen zwar etwas, aber gefühlt kamen immer noch ständig neue Leute dazu. Ununterbrochen versuchten Menschen, sich irgendwo dazwischenzuquetschen. Teilweise saßen Leute sogar halb auf unserer Decke. Trotzdem konnten wir unseren Platz bis zum bitteren Ende verteidigen.
    Kurz vor Mitternacht wurde der Countdown auf einen Turm der Harbour Bridge projiziert, und alle begannen wie aus einem Chor mitzuzählen: 3 … 2 … 1. Dann brach die Hölle los – das Hauptfeuerwerk startete. Von Plattformen in der Bay, von der Harbour Bridge und von der Oper schossen Raketen in den Himmel und erleuchteten die Nacht in hundert verschiedenen Farben.
    Nach 15 Minuten voller Staunen und Applaus war das Spektakel vorbei. Alle strömten wieder nach Hause. Die Straßen waren völlig überfüllt, und wir brauchten schließlich anderthalb Stunden bis ins Apartment.
    Fazit: Das lange Warten hat sich auf jeden Fall gelohnt. Einmal Silvester in Sydney – das sollte jeder mindestens einmal erlebt haben.

    Wir wünschen allen ein gutes und gesundes neues Jahr 2026!!

  • Indonesien – Bali – Ubud

    Affen, Schaukeln und spirituelle Warteschlangen – ein ganz normaler Tag auf Bali

    Für diesen Tag standen Sehenwürdgkeiten im Gebiet Ubud auf dem Programm. Unser Fahrer Mr. Yan sammelte uns morgens am Hotel ein – voller Tatendrang und offenbar auch mit sehr viel Geduld, denn nach zwei Stunden Fahrt (38 km) erreichten wir endlich unser erstes Ziel: den Affenwald – Jalan Monkey Forest.

    Ein Park mit alten Tempeln direkt am Rand des Dschungels, in dem gefühlt alle Affen der Insel beschlossen haben, gemeinsam zu wohnen. Eintritt bezahlt (100.000 IDR/Pers. wie eigentlich überall) und rein ins Abenteuer. Hier leben hunderte Langschwanzmakaken, organisiert in einer streng hierarchischen Gesellschaft – quasi ein Affen-Konzern mit klarer Chefetage.

    Unser Fahrer warnte uns eindringlich: „Passt auf eure Wertsachen auf. Vor allem Handys.“ Die Affen seien nämlich bekannt dafür, Dinge zu klauen und sie dann gegen Futter zu erpressen. Kapitalismus im Dschungel – wirklich clever, diese kleinen Biester 😉

    Uns passierte allerdings nichts. Offenbar wirkte meine Körpergröße abschreckend, denn die Affen hielten respektvoll etwa einen Meter Sicherheitsabstand – soziale Distanz auf Affenart.

    Plötzlich: RIESIGES GESCHREI! Die gesamte Affenbande brüllte los, junge Affen rannten kreischend umher, andere flüchteten auf die Bäume. Offenbar hatte sich der Nachwuchs danebenbenommen und ein älteres Exemplar musste mal ordentlich auf den Busch hauen. Affen-Erziehung live – so heftig, dass sich einige junge Touristinnen ordentlich erschreckten.

    Überall gab es Futterstellen, vermutlich um die Affen strategisch dort zu platzieren, wo sie für Fotos am besten taugen. Einige zeigten beeindruckende Fähigkeiten: Während manche Affen Kokosnüsse einfach nur über den Boden rollten, nahmen andere Anlauf, sprangen mit der Kokosnuss hoch und knallten sie mit voller Wucht auf den Boden, bis sie aufplatzte. Erst den Kokossaft auflecken, dann ans Innere – effizienter geht’s nicht.

    Nach etwa einer Stunde ging es weiter zum nächsten Instagram-Spot.

    Reisterrassen, Insta-Schaukeln und Leid für Likes

    Der nächste Stopp führte uns zu einer der berühmten Reisterrassen. Viel Natur, viele Touristen und erstaunlich viele Möglichkeiten, Geld loszuwerden. Die Terrassen werden dreimal im Jahr bepflanzt und geerntet, dank tropischem Klima ist immer irgendwo alles grün – perfekt für Fotos.

    Die Terrassen lagen in einem Tal, auf beiden Seiten angelegt und von oben mit frischem Wasser versorgt, das elegant von Terrasse zu Terrasse floss. Je nach Stadium reichte die Farbpalette von „riesige braune Pfütze“ bis zu „Instagram-taugliches saftiges Grün“. Auf den abgeernteten Feldern arbeiteten Angestellte – sehr idyllisch, sehr fotogen.

    Oben an den Hängen: riesige Schaukeln, an Palmen befestigt. Gegen Bezahlung konnte man sich über einen Abgrund schwingen – optional im wallenden Kleid mit Schleppe, das im Wind dramatisch flattert. Ab und zu ertönte ein Schrei, als würde jemand abgestochen. Spoiler: Höhenangst + 20-Meter-Abgrund + Schaukel = schlechte Idee. Aber wer schöne Instagram-Bilder will, muss leiden 😉

    Zusätzlich gab es noch Ziplines, die das Tal kreuzten – permanenter Flugverkehr. Wir entschieden uns für die entspannte Variante: Kokosnuss, indonesisches Radler und Zuschauen von der Aussichtsterrasse.

    Christmas Tree, Wasserfall und Dschungel-Hindernisparcours

    Auf dem Weg zum nächsten Spot gab’s eine kleine Mahlzeit in einem Restaurant – natürlich ebenfalls mit Schaukeln. Außerdem stand dort ein merkwürdiges Gebilde aus zusammengeklebten Plastikdingern. Auf meine Frage, was das sei, antwortete die Bedienung stolz: „A Christmas Tree.“
    Ich: „You are kidding me!“
    Naja – bei 85 % Hindus auf Bali ist Weihnachten offenbar Interpretationssache 🎄😉

    Danach ging es zu einem Wasserfall, der sich etwa 20 Meter in die Tiefe stürzt. Eigentlich wollten wir dort baden – ganz romantisch wie in Robin Hood mit Kevin Costner. Leider hatte es zuvor geregnet, das Wasser war eher braun als einladend. Also kein Baden, nur Fotos.

    Weiter ging es über Brücken aus Bambusstangen, entlang eines Bachs, durch den Dschungel zu einer Höhle. Diese war mehrere hundert Meter lang, sehr eng und bei Gegenverkehr definitiv staugefährdet. Teilweise stark gebückt folgten wir unserem Fahrer, der gleichzeitig als Guide und Taschenlampen-Ersatz mit seinem Handy fungierte.

    Am Ende des Tunnels – Überraschung – wieder eine Plattform mit Schaukel über eine Schlucht. Offenbar ein balinesisches Grundbedürfnis. Die letzten Meter liefen wir allein durch den Dschungel einen Hang hinauf, bis uns unser Fahrer an der Hauptstraße wieder einsammelte. Auf dem Weg sahen wir noch Arbeiter auf einem klassichen, nicht für Touristen angelegenten Reisfeld, die dort das Feld bearbeiteten.

    Heiliges Wasser und der balinesische IKEA-Ausgang

    Letzter Programmpunkt: der Hindu-Tempel Tirta Empul. Aus Respekt banden wir uns Sarongs um – Pflichtkleidung für den Tempelbesuch. Unser Fahrer erklärte uns die balinesischen Hindu-Gebräuche, besonders das Reinigungsritual mit heiligem Wasser.

    Er fragte, ob wir mitmachen möchten. Dafür hätten wir uns umziehen und ein grünes Gewand anziehen müssen. Ein Blick auf die lange Schlange am Reinigungsbecken genügte – wir lehnten dankend ab. Spiritualität schön und gut, aber nicht mit Wartezeit.

    Das Becken wird von Quellen gespeist, aus mehreren Öffnungen fließt Wasser hinein. Das Ritual folgt einer festen Reihenfolge:
    Erster Wasserstrahl wird ausgelassen, Start beim zweiten. Hände waschen, Gesicht, dann den ganzen Kopf – bis zum neunten Strahl. Der zehnte und elfte sind für die Toten reserviert.

    Zum Abschluss zeigte er uns noch die heiligen Quellen. Der Weg nach draußen führte – wie sollte es anders sein – durch ein Labyrinth aus Souvenirständen, das verdächtig an den Ausgang eines IKEA-Marktes erinnerte. Nach dem Souvenir-Labyrinth – wir fanden den Ausgang erstaunlicherweise ohne Panik oder Notruf – entdeckten wir noch einen Obststand. Und dort erfüllten wir uns einen lang gehegten Wunsch: Schlangenfrucht und Durian.

    Die Schlangenfrucht sieht aus wie ein kleines Drachenei aus Game of Thrones, nur ohne Feueratem. Ihre schuppige Schale wirkt erst einmal verdächtig, aber innen überraschte sie uns positiv: Konsistenz und Geschmack irgendwo zwischen Apfel und Birne – knackig, süß und absolut harmlos. Eine Frucht, die gefährlicher aussieht, als sie ist.

    Dann kam der Endgegner: Durian. Auch bekannt als Stinkefrucht – und dieser Name ist wirklich keine Übertreibung. Diese Frucht gibt es nur in Südostasien und sie riecht so intensiv, dass man sich fragt, ob sie nicht eigentlich eine chemische Waffe ist. Trotzdem war klar: Bevor es weiter nach Australien geht, mussten wir das probieren. Innen war die Durian überraschend cremig, mit einem vielschichtigen Geschmack irgendwo zwischen süß und herzhaft. Kein Wunder, dass sie den ehrwürdigen Titel „König der Früchte“ trägt. Wir waren ehrlich überrascht, denn Geruch und Geschmack haben scheinbar nichts miteinander zu tun.

    Der Duft erklärt allerdings auch, warum Durian in vielen Hotels Südostasiens streng verboten ist. Offenbar dauert es sehr lange, bis dieser Geruch wieder aus einem Zimmer verschwindet. Man möchte ja schließlich nicht, dass das Hotelzimmer noch Wochen später riecht, als hätte dort jemand eine vergessene Socke mit einem Käsefondue gekreuzt.

    Geschmacklich ein Erlebnis – geruchstechnisch eine Herausforderung. Aber genau dafür reist man ja 😉🍈✈️

    Ein langer Tag, viele Eindrücke, keine gestohlenen Handys – und definitiv genug Stoff für Geschichten 😄🌴

  • Indonesien – Nusa Penida

    Heute haben wir einen Tagestrip deluxe gemacht – mit allem, was dazugehört: drei Schnorchelspots, drei Sehenswürdigkeiten und ungefähr hundert kleine Abenteuer.

    Um 6:20 Uhr wurden wir vom Hotel abgeholt. Von westlichem Kuta bis zum östlichen Hafen Sanur dauert die Fahrt etwa 40 Minuten – zumindest laut Google. In der Realität hängt das stark davon ab, wie viele Rollerfahrer glauben, sie seien unsterblich.

    In Sanur bekamen wir ein Hin- und Rückfahrt-Schnellbootticket für 7:30 Uhr. Die Überfahrt dauerte ebenfalls rund 40 Minuten. Erstaunlich viele Leute hatten die gleiche brillante Idee wie wir, heimlich früh morgens nach Nusa Penida zu fliehen. Das Ticket kostete übrigens nur 5–7 Euro – fast billiger als ein Kaffee am Flughafen. Beim Einsteigen wurden wir erst feierlich aufs Oberdeck geschickt, wo man uns Softdrinks für 50.000 IDR andrehen wollte. Als wir dankend ablehnten, durften wir plötzlich doch wieder nach unten – 2. Klasse, quasi das Titanic-Gefühl ohne Orchester.

    Kaum angekommen, wurden wir sofort von einer Horde Einheimischer umzingelt, die uns Mofa, Taxi oder sonst irgendeinen Service verkaufen wollten – wahrscheinlich auch einen Friseurbesuch, wenn wir lange genug geblieben wären. Wir flüchteten direkt ins Schnorchel-Büro neben dem Hafen, bekamen unsere Ausrüstung und stiegen mit zwölf weiteren Leidensgenossen in ein kleines Schnellboot.

    Erster Spot: Mantas Bay. Der Guide sprang kurz ins Wasser, schaute sich um und kam mit der frohen Botschaft zurück: Heute keine Mantas. Dafür aber starker Wind, hohe Wellen und eine Strömung, die eher nach „Survival Training“ als nach Urlaub aussah. Also schnell weiter. Zweiter Spot: Crystal Bay. Der Name klingt vielversprechend – das Wasser leider nicht. Kristallklar war hier höchstens unsere Enttäuschung. Gamat Bay & Wall Point waren dann etwas besser: ein paar bunte Fische, ein bisschen Koralle. Aber ehrlich gesagt: weit entfernt von Labuan Bajo. Statt lebendiger Riffe sahen wir viele abgestorbene Korallen. Wahrscheinlich eine Mischung aus Massentourismus und Umweltverschmutzung. Wirklich schade. Nach zwei Stunden Schnorcheln ging es zurück. Kurz abduschen, umziehen und ab ins Auto.

    Unser Fahrer: Mr. Kadek, 28 Jahre alt, sieht aus wie 18, und einer der sympathischsten Menschen des Tages. Erste Station: Kelingking Beach. Eine spektakuläre Klippe, die weit ins Meer ragt, mit traumhaften Stränden und türkisblauem Wasser. Leider war der Spot so voll, dass man denken konnte, es gäbe dort kostenloses WLAN. Der Abstieg zum Strand dauert etwa 30 Minuten, ist extrem steil und fühlt sich an wie eine Mischung aus Fitnessstudio und Mutprobe. Vor ein paar Jahren begann man hier einen Aufzug zum Strand zu bauen – das Projekt wurde aber eingestellt. Vermutlich wegen Geldmangel oder Korruption, was laut Kadek auf der Insel leider nicht unüblich ist.

    Unterwegs begegnet man immer wieder Affen, die geschniegelt posieren, als wären sie die eigentlichen Inselbesitzer. Ehrlich gesagt: Sie benehmen sich auch so.

    Während der Fahrt erzählte Kadek weiter aus seinem Leben. Vor zehn Jahren gab es auf Nusa Penida weder Schulen noch ein Krankenhaus. Dank des Tourismus geht es den Menschen heute deutlich besser: Es gibt jetzt Schulen, ein Krankenhaus und sogar eine Straße – voller Schlaglöcher, aber immerhin befahrbar. Kadek hat sich Englisch selbst über Google beigebracht und ist froh, als Fahrer gutes Geld zu verdienen. Wenn er keinen Job hat, hilft er seinen Eltern auf der Plantage. In seinem Dorf leben etwa 100 Familien – und gefühlt kennt dort jeder jeden, inklusive aller Geheimnisse.

    Next stop: Broken Beach. Einer der beeindruckendsten Orte der Insel. Eine riesige, von den Wellen geformte Felsbrücke, die aussieht, als hätte die Natur hier ein Kunstwerk geplant. Dahinter liegt ein natürlich geschlossener, fast privater Strand – leider nur zum Anschauen. Schwimmen ist hier verboten, aber man kann einen kleinen Rundgang auf der Klippe machen und von oben staunen. Absolut spektakulär.

    Danach: Angel’s Billabong. Ein atemberaubendes Naturbecken direkt an der Klippe. Früher durfte man hier sogar schwimmen – bis es mehrere Unfälle gab. Die Wellen hier sind unberechenbar: Plötzlich kommen riesige Brecher, knallen auf die Schwimmer und ziehen sie gnadenlos ins offene Meer. Heute darf man nur noch schauen – was völlig reicht. Die Natur zeigt hier gleichzeitig ihre Schönheit und ihre Gewalt. Man sollte sie bewundern, respektieren und definitiv nicht herausfordern oder verschmutzen.

    Ein langer, anstrengender, manchmal chaotischer, aber definitiv unvergesslicher Tag.

  • Indonesien – Labuan Bajo – Roller fahren

    Roller, Linksverkehr und andere Abenteuer des gesunden Menschenverstands

    Gestern gegen Mittag beschlossen wir, die Insel zu erkunden – stilecht auf einem Roller. Nicht so ein harmloser Tretroller, nein, ein ausgewachsenes 150-ccm-Monster, das schon im Stand vermittelte: Ich vergebe keine Fehler.

    Entgegen sämtlicher Internetwarnungen wollte niemand meinen Führerschein sehen. Laut Gesetz eigentlich Pflicht, in der Praxis offenbar eher so eine Art unverbindliche Leseempfehlung. Kein Wunder also, dass hier alle fahren, als hätten sie gestern erst gelernt, freihändig zu laufen 😊😊

    Also rauf auf den Roller. Die ersten Meter waren… sagen wir: pädagogisch wertvoll. Immerhin hatte ich seit etwa zehn Jahren nicht mehr auf so einem Ding gesessen. Kaum lief es halbwegs rund, kam die nächste Herausforderung: Linksverkehr. Indonesien eben. Auch das lag ungefähr zehn Jahre zurück, damals in England – und das war mit Auto und nicht mit einem Gefährt, das bei Unsicherheit sofort beleidigt wirkt.

    Auf dem Weg zur Tankstelle (Tank war nur zu einem Viertel voll) wechselte ich an einer Kreuzung erstmal instinktiv nach rechts. Kleine Korrektur, kurzer innerer Monolog, dann links weiter. Ab da lief alles erstaunlich gut 😊


    Golo Miri – Weltpolitik trifft Beachclub

    Unser erstes Ziel: Golo Miri, ein Veranstaltungs- und Konferenzzentrum, das für den 42nd ASEAN Summit 2023 gebaut wurde. ASEAN ist eine regelmäßig stattfindende Konferenz südostasiatischer Staaten zu wirtschaftlichen, politischen und sozial-kulturellen Themen – also sehr ernst. Das Gelände dagegen wirkte wie eine Mischung aus Regierungsviertel, Naturpark und Instagram-Falle. Mehrere Hektar, ein riesiger Konferenzsaal, Amphitheater, Aussichtsdeck mit Blick über die Buchten, Beachclub – und natürlich ein Helipad auf dem Wasser, weil… warum nicht? Wahrscheinlich erklärt das auch, warum die Zufahrtsstraße perfekt ausgebaut war: echte Kreisverkehre, Entwässerung, alles. Luxus pur.

    Der Eintritt kostete 40.000 IDR (ca. 2 €), inklusive Getränk im Beachclub. Nach dem Eingang fuhren wir noch ein paar Minuten über die top ausgebaute Straße, die sich allerdings gelegentlich mit Affen und Ziegen teilte. Diese lagen völlig entspannt mitten auf der Fahrbahn. Hupen? Interessierte sie ungefähr so sehr wie uns die Frage nach ihrer Meinung.

    Vorbei an einem Hügel mit grandiosem Ausblick und einem Leuchtturm – der sich später als reine Attrappe entpuppte – kamen wir zum eigentlichen Konferenzzentrum. Der große Saal war wegen einer Veranstaltung gesperrt, aber Aussichtsdeck, Beachclub und Strand waren zugänglich.

    Eigentlich der perfekte Tagesabschluss: richtiger Ort, richtige Zeit. Leider hatten die Wolken andere Pläne. Aus dem Sonnenuntergang über dem Meer wurde nichts. Also Rückfahrt im Dunkeln – immerhin mit funktionierendem Licht, das wir bei der Anmietung extra überprüft hatten. Im Gegensatz zu diversen anderen Rollerfahrern, die offenbar auf Nachtsicht vertrauten.


    Google Maps und der rote Lehm des Scheiterns

    Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, starteten wir Richtung Norden zu ein paar Stränden und Aussichtspunkten. Anfangs alles gut: Straße, ein paar Regentropfen, entspannte Fahrt. Dann meldete Google Maps: „Sie sind fast da.“
    Wir waren im Nirgendwo.

    Erst neuer Asphalt, dann Schotter, dann Baufahrzeuge. Die Straße wurde zu einem Vorschlag, dann zu einer Idee und schließlich zu rotem Lehm. Da es weder Absperrungen noch Menschen, die uns aufhielten, gab, fuhren wir weiter – bis endgültig Schluss war.
    Der Strand würde eines Tages sicher angebunden werden. Heute nicht.

    Mit lehmverschmierten Schuhen und einem Roller, der aussah, als hätte er einen Feldversuch hinter sich, traten wir den Rückweg an. Unterwegs noch ein paar schöne Aussichtspunkte – leider teilweise ziemlich vermüllt. Aber man fotografiert ja bekanntlich den Horizont und nicht den Müll unter den eigenen Füßen 😊


    Sylvia Hill – Schweiß gegen Aussicht

    Nächstes Ziel: Sylvia Hill. Keine Ahnung, woher der Name kommt. Vielleicht ist hier irgendwann mal eine Sylvia abgestürzt? Harmlos war der Hügel jedenfalls nicht: etwa 100 Höhenmeter über steiniges Gelände, 31°C, pralle Sonne. Oben angekommen: ein sensationeller 360°-Rundblick. Berge im Norden und Süden, Strände, Meer und Inseln auf den anderen Seiten.

    Dann ein Dröhnen: Ein Flugzeug im Landeanflug. Im Südosten begann direkt am Hang die Start- und Landebahn des Flughafens. Vom Sylvia Hill aus konnte man beobachten, wie das Flugzeug zwischen den Hügeln verschwand.
    So anstrengend der Aufstieg war – der Ausblick machte alles wett.


    Ruhiger Abend? Natürlich nicht.

    Zurück in der Stadt wollten wir essen und einen ruhigen Abend verbringen. Dachten wir.
    Stattdessen dröhnte die ganze Nacht laute Musik vom Hafen durch die Stadt. Erst am nächsten Morgen klärte sich alles: Die Bevölkerung feierte den Jahrestag der Eigenständigkeit bzw. Unabhängigkeit. Ganz genau haben wir es nicht verstanden – aber gefeiert wurde gründlich. Zum nächsten Frühstück war es dann wieder ruhig.

  • Indonesien – Labuan Bajo

    Unsere Tagestour startet im Hafen von Labuan Bajo um 6:30 Uhr – natürlich standesgemäß mit dem Schnellboot. Erste Station nach etwa einer Stunde Fahrt: Padar Island. Dort heißt es erst mal schwitzen: Rund 100 Höhenmeter bei 31 Grad hochwandern, nur um den Aussichtspunkt zu erreichen. Klingt nach Folter, ist aber Therapie – denn die Aussicht ist jede Schweißperle wert. Von oben sieht man schwarze, pinke und weiße Strände gleichzeitig. Wobei der schwarze Strand leider eher „dunkelgrau mit Müll-Deko“ ist. Sehr schade. Wir Menschen sind wirklich unfassbar talentiert darin, schöne Orte zu ruinieren. Wenn jeder einfach seinen eigenen Müll im Griff hätte, wäre die Welt sofort ein besserer Ort. Aber gut, zurück zur Postkartenidylle.

    Zweiter Stopp: Pink Beach. ca. 15 Minuten weiter Fahrt. Der Name ist kein Marketing-Trick – der Strand ist tatsächlich rosa! Die Farbe stammt von ganz speziellen Korallen. Zusammen mit kristallklarem Meer, blauem Himmel und Sonne deluxe sieht es aus wie ein Photoshop-Bild. Oder wie das Paradies. Nur ohne WLAN.

    Dritter Stopp – und definitiv das Highlight des Tages: Komodo Island. Hier leben aktuell etwa 1.600 Komodowarane. Das sind riesige, kannibalische Echsen mit giftigen Drüsen im Kiefer. Sie fressen so ziemlich alles: Hirsche, Schweine, Vögel, Aas – und theoretisch auch Menschen. Sie können bis zu 20 km/h laufen und sehr gut schwimmen. Kurz gesagt: süß sind sie nicht. Deshalb dürfen wir den Nationalpark nur mit zwei Rangern betreten. Bewaffnung der Ranger: jeweils ein etwa 1,5 Meter langer Holzstock in Y-Form. Sehr beruhigend. Der erste Ranger erzählt ganz locker, dass früher mal ein Schweizer von einem Komodo gefressen wurde und es insgesamt 45 Angriffe auf Menschen gab. Ach ja, und er musste seinen Stock 3–4 Mal pro Woche einsetzen. Na dann. Regeln: Abstand halten. Keine ruckartigen Bewegungen. Nichts schwingen – weder Gegenstände noch Körperteile. Leise sein. Ruhig bleiben. Nicht sterben.

    Ich bin innerlich komplett gespalten: Auf der einen Seite will ich dieses vom Aussterben bedrohte Tier unbedingt sehen, auf der anderen Seite habe ich leichtes Herzrasen, einem giftigen Urzeitmonster in freier Wildbahn zu begegnen! Also schleichen wir los – ganz leise wie in Jurassic Park, lauschen jedem Geräusch, jedem Rascheln… und dann, sehen wir ihn. Ein Komodo! Ganz entspannt. Liegt einfach auf dem Boden. Als wäre er der Chef. Und wir nur Besucher.

    Der zweite Ranger ist so nett und hilft mir, ein paar Fotos von vorne zu machen. Ich hocke brav hinter dem Komodo in bestmöglichem, aber sicherem Abstand, während der andere Ranger mit erhobenem Y-Stock daneben Wache hält.
    Der Komodo selbst? Völlig entspannt.
    Kaum Interesse an uns. Wahrscheinlich war es einfach zu heiß, oder er hatte schon gut gefrühstückt – oder ich sehe schlicht nicht besonders lecker aus. Auch eine Form von Glück.
    Später entdecken wir noch einen zweiten Komodo unter einem Steg. Dieser ist noch größer und hat sich extra ein kühles Schattenplätzchen ausgesucht. Fotografieren ist schwierig, aber ehrlich gesagt bin ich auch ganz froh, ihn nur halb zu sehen – Sicherheit geht vor Instagram.
    Huh … ich bin überglücklich.
    Lebend.
    Mit Fotos.
    Und ohne Komodo-Biss. 🦎✨

    Nach einem sehr einfachen Mittagessen auf Komodo Island (nennen wir es: funktional) geht es weiter – wieder ab ins Schnellboot. Diesmal mit voller Schnorchel-Ausrüstung und einem ambitionierten Plan: drei Spots, drei Mal Glück.

    Erster Spot: Taka Makassar Island. Kaum Strömung, perfekte Bedingungen. Wir können ganz entspannt fast eine Stunde schnorcheln, bunte Fische zählen und Korallen bestaunen. Das Wasser ist so warm und angenehm wie eine Badewanne – nur schöner und ohne Quietsche-Ente.

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    Zweiter Spot: Manta Point. Und plötzlich ist alles anders. Hier ist das Meer über 70 Meter tief, die Strömung stark, und die Mantas schwimmen natürlich immer gegen die Strömung. Das Prinzip ist einfach – zumindest theoretisch: Sobald wir Mantas sehen, springen wir so schnell wie möglich ins Wasser, schwimmen mit ihnen, so lange es geht, und sobald uns die Strömung wegträgt, verfolgt uns das Boot, um uns irgendwo mitten im Ozean wieder einzusammeln. Kurz gesagt: Glück + Adrenalin + Chaos. Ich bin mehr als bereit! Kaum gibt der Kapitän das Kommando, springe ich ins Wasser – und dann: Direkt unter mir, vielleicht zwei Meter entfernt, tauchen vier riesige, schwarze Mantas auf. Sie gleiten elegant und lautlos durchs Wasser, fast wie fliegende Flugzeuge. Meine Augen werden riesig, innerlich schreie ich nur: WAAAWOOO! Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich solche Tiere hautnah im Meer – und es ist einfach Wahnsinn. Wir schwimmen noch ein paar Minuten gegen die Strömung, dann ziehen die Riesen weiter. Show vorbei. Zeit fürs Boot. Alles zusammen hat vielleicht fünf Minuten gedauert – gefühlt aber eine Ewigkeit. Leider hat Michael wegen seiner Ausrüstung das perfekte Zeitfenster verpasst und die Mantas hier nicht gesehen. Aber: Das Glück kommt zurück. Dritter Spot: Pulau Siaba Besar. Und tatsächlich: Zwei Mantas kreisen gemütlich an einer Stelle. Diesmal haben wir genug Zeit, sie in Ruhe zu beobachten – und mit der GoPro ein paar richtig tolle Aufnahmen zu machen. Total faszinierend.

    Ein perfekter Abschluss für einen Tag, der sich anfühlt wie Naturdoku + Abenteuerfilm in einem. 🐋✨

  • Singapur – Teil 2

    Aktuell ist Halbzeit in Singapur, und wir konzentrierten uns ganz auf die übrigen Highlights der Stadt. Nach dem Frühstück und einem kurzen Brainstorming („Was machen wir heute?“ – „Alles!“) machten wir uns auf den Weg nach Little India. Wie der Name schon vermuten lässt, ist dieses Viertel sehr indisch geprägt. Überall kleine Geschäfte, Restaurants und Stände, und an jeder Ecke lag eine Mischung aus Essensduft, frischen Gewürzen und Räucherstäbchen in der Luft. Dazu unzählige Blumenläden mit frisch gebundenen Kränzen und Ketten. Besonders begeistert haben uns die vielen bunten Häuser und die engen Gassen – ein echtes Farben- und Sinnesfeuerwerk.

    Von dort ging es zu Fuß in etwa 15 Minuten weiter nach Kampong Glam, einem muslimisch geprägten Viertel. Neben zahlreichen arabischen Restaurants und Läden thront hier die Sultan-Moschee (Masjid Sultan) mit ihren goldenen Kuppeln. Und wenn man schon einmal da ist und der Magen langsam zu knurren beginnt, probiert man natürlich auch die arabische Küche – selbstverständlich halal. Etwas unwissend, aber voller Vertrauen folgten wir der Empfehlung der Bedienung und bestellten Murtabak mit Rind und Briyani mit Lammhaxe. Beides war extrem lecker, aber dank der für uns ungewohnten Schärfe auch leicht an der persönlichen Belastungsgrenze 😄

    Mit gut gefülltem Magen ging es weiter Richtung Hafengebiet – natürlich zu Fuß. Schließlich müssen wir unser tägliches Schrittpensum von 15.000 bis 20.000 Schritten ja irgendwie vollbekommen 😄 Heute mal aus einer anderen Perspektive: vorbei am Riesenrad (dem Sky Flyer), über die futuristische Helix Bridge hin zum Marina Bay Sands Hotel. Dort wollten wir uns etwas mehr Zeit nehmen, um das Sky Observation Deck zu besuchen – die Plattform, die in rund 200 Metern Höhe die drei Hoteltürme verbindet.

    Ein Sprung in den legendären Infinity Pool blieb uns allerdings verwehrt, da dieser ausschließlich Hotelgästen vorbehalten ist. Also begnügten wir uns „nur“ mit der grandiosen Aussicht auf die Stadt, das Riesenrad, Teile der Formel-1-Strecke und die Gardens by the Bay. Nach ein paar Fotos und Selfies – die früher problemlos einen ganzen Schuhkarton mit Dias gefüllt hätten – kamen wir noch mit einer älteren Dame ins Gespräch, die ganz allein auf Backpacking-Tour durch mehrere Länder unterwegs ist. Respekt!

    Wir genossen die Zeit dort oben und warteten gespannt auf die Lichtshow bei den Supertrees, die wir am Vortag noch von unten bestaunt hatten. Aus 200 Metern Höhe wirkte alles noch einmal deutlich imposanter: Lichter, Farben und Musik überall – man wusste gar nicht, wo man zuerst hinschauen sollte. Nach etwa 15 Minuten war die Show vorbei, und wir wechselten auf die andere Seite des Sky Decks, um die anschließende Wasser- und Lichtshow im Hafenbecken zu bewundern. Fontänen, Lichter und Musik im perfekten Zusammenspiel – man muss den Touristen und Hotelgästen schließlich auch etwas bieten 😄

    Auch das Wetter spielte mit: Nach einem kurzen Schauer am Nachmittag war der Abend fast wolkenfrei und bot eine beeindruckende Sicht auf die Skyline von Singapur und die nächtlichen Shows. Ein rundum gelungener Tag – müde Beine inklusive. 😄

  • Singapur – Teil 1

    In Singapur angekommen, ging es erst einmal ganz klassisch ins Hotel: Rucksäcke abladen, kurz durchatmen und dann direkt rein ins Abenteuer. Unser erstes Ziel: Chinatown und das legendäre Maxwell Food Centre. Eine riesige Halle, vollgestopft mit malaysischen, chinesischen und sogar ein paar europäischen Essensständen – kurz gesagt: kulinarische Reizüberflutung. Wir brauchten erst einmal ein paar Runden, um uns mental auf diese Auswahl vorzubereiten.

    Als wir schließlich mitten im Trubel einen freien Tisch ergattert hatten (gefühlter Lottogewinn), ging es ans Bestellen. Man bekommt dort einen kleinen Pieper, der vibriert und fiept, sobald das Essen fertig ist – fast wie beim Wartezimmer, nur deutlich leckerer. Gemütlich aßen wir uns durch unsere Auswahl, während um uns herum bereits die ersten Stände ihre Rollläden schlossen und in den wohlverdienten Feierabend gingen. Offenbar hatten wir den perfekten Zeitpunkt erwischt.

    Am nächsten Tag stand Kultur auf dem Programm: das Nationalmuseum von Singapur. Dort tauchten wir tief in die Geschichte der Insel ein. Die erste Erwähnung stammt aus dem 3. Jahrhundert, damals noch unter dem Namen Pu Luo Chung – „Insel am Ende“. Sehr passend, wenn man mal auf die Karte schaut. Schon früh war die Insel von chinesischer Kultur geprägt und später, vermutlich als Teil des Java-Reiches, ein wichtiger Handelspunkt zwischen China und Indien.

    Ab dem 16. Jahrhundert entdeckten dann auch europäische Seefahrer die strategisch günstige Seestraße (heute Straße von Singapur) für sich – die Abkürzung zwischen Indien und China schlechthin. Allerdings spielten sich diese Aktivitäten zunächst eher südlich im heutigen Indonesien und nördlich im heutigen Malaysia ab. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts erkannten die Briten das Potenzial der Insel selbst und errichteten einen Stützpunkt der Britischen Ostindien-Kompanie. Da gerade niemand anderes Anspruch erhob, konnten sie sich ungestört ausbreiten.

    Mit dem Bau eines Hafens, der bald sogar die niederländischen Stützpunkte in der Region überholte, war das moderne Singapur geboren. Der wirtschaftliche Aufschwung zog zahlreiche Arbeitsmigranten an – vor allem aus China. Bis heute machen Chinesen rund 76 % der Bevölkerung aus, gefolgt von Malayen (ca. 14 %) und Indern (ca. 8 %). Für Xin natürlich perfekt: Sie kann hier an fast jeder Ecke einfach auf Chinesisch losplaudern.

    Neben all der Geschichte gab es im Museum auch spannende Einblicke in die Neuzeit. Besonders beeindruckend: Singapur musste wachsen – und zwar buchstäblich. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Landfläche um etwa 25 % größer geworden, dank massiver Landgewinnung. Berge wurden abgetragen, Meer aufgeschüttet, und voilà: neuer Platz für Flughafen und Hafenanlagen. Teile davon lagen vor 80 Jahren noch unter Wasser.

    Nach diesem sehr lehrreichen Tag ging es zurück zum Hotel – natürlich im Regen. Denn hier regnet es aktuell zuverlässig jeden Tag etwa drei bis vier Stunden. Unser Weg führte entlang eines Kanals und über eine bunt, künstlerisch verzierte Brücke. Regen hin oder her, irgendwie passte es zur Atmosphäre. Und wir sahen auch hier wieder Warane im Kanal platschen. Irgendwie scheinen die uns zu verfolgen.

    Der folgende Tag stand ganz im Zeichen des Flughafens – denn der Changi Airport gilt hier tatsächlich als Hotspot. Bei unserer Ankunft hatten wir das leider aus Unwissenheit komplett verpasst. Also rein ins hervorragend ausgebaute Nahverkehrsnetz und ab zum Flughafen. Google Maps hatte allerdings andere Pläne und schickte uns auf einen unerwartet langen Fußmarsch. Aber gut – ein kleines Extra-Fitnessprogramm schadet ja nie 😉

    Direkt am Flughafen liegt die gigantische Mall „Jewel Changi“, die sich über zehn Etagen erstreckt. Highlight Nummer eins: der angeblich höchste Indoor-Wasserfall der Welt mit stolzen 40 Metern. Dazu kommen üppig bepflanzte Terrassen, Shops, Restaurants und jede Menge Attraktionen. Wer möchte, kann über Brücken direkt am Wasserfall spazieren oder in einem Funpark auf Netzen über den Abgrund laufen – nichts für schwache Nerven. Man kann hier locker einen ganzen Tag verbringen. Für Einheimische und Vielflieger gibt es sogar ein Jahresticket. Ja, für den Flughafen. Willkommen in Singapur 😄

    Am späten Nachmittag zog es uns ins Hafengebiet zum Merlion – jenem sagenumwobenen Fabelwesen aus Löwe und Meerjungfrau, das unermüdlich einen gigantischen Wasserstrahl ins Meer spuckt. Man bekommt fast den Eindruck, er wolle die Bucht wieder auffüllen, falls mal etwas fehlt. Wahrzeichenpflichtbewusst wie er ist, ließ er sich natürlich brav von allen Seiten fotografieren.

    Auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht bot sich ein echtes Postkartenpanorama: das Riesenrad Sky Flyer direkt am Hafen, Teile der Formel-1-Strecke, die sich hier völlig unbeeindruckt mitten durch Stadt und Hafen schlängelt, und natürlich das berühmte Marina Bay Sands Hotel, das aussieht, als hätte jemand drei Hochhäuser genommen und oben ein Schiff darauf geparkt.

    Am Abend zeigte sich Singapur dann von einer ganz anderen, fast schon märchenhaften Seite. Wir machten uns auf den Weg zu den berühmten Gardens by the Bay, einem Park auf einer Halbinsel vor der Stadt – zufällig auch dort, wo das Marina Bay Sands steht. Hier findet man den Cloud Forest, ein riesiges Gewächshaus mit Pflanzen aus allen Teilen der Welt und einem Indoor-Wasserfall von stolzen 35 Metern Höhe. Daneben gibt es den Flower Dome, der seinem Namen alle Ehre macht und mit unzähligen wunderschönen Blumen punktet.

    Am bekanntesten sind aber wohl die Supertrees: baumähnliche Türme, die schon bei Tageslicht ziemlich beeindruckend aussehen. Doch sobald es dunkel wird und die Beleuchtung angeht, legen sie erst richtig los. Aktuell findet unterhalb der Supertrees eine Art Weihnachtsmarkt mit Karussells und Fressbuden statt – den haben wir großzügig links liegen lassen.

    Stattdessen suchten wir uns einen nahegelegenen Hügel und wurden belohnt: perfekter Blick auf das Marina Bay Sands Hotel und die Lichtshow der Supertrees. Diese findet gerade dreimal pro Abend statt und wird momentan sogar von Weihnachtsliedern begleitet. Ein echtes Highlight – und definitiv etwas, das man sich auch zu anderen Jahreszeiten nicht entgehen lassen sollte. ✨

  • Malaysia – Kuala Lumpur

    Unser nächster Stopp führte uns nach Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias. Wir kamen abends an – und erlebten direkt eine sehr positive Überraschung: Unser Apartment im 29. Stock eines Hochhauses war so groß, dass wir kurz überlegten, ob wir versehentlich einen Konferenzsaal gebucht haben. Dazu ein Balkon in rund 100 Metern Höhe mit Blick über die Stadt und direkt auf die Petronas Twin Towers. Die werden nachts bis 24 Uhr so schön angeleuchtet, dass man sich fragt, ob die Türme heimlich als Schönheitswettbewerbs-Kandidaten arbeiten. Sie spiegeln sich sogar kunstvoll in den Glasfassaden der umliegenden Häuser. Am ersten Abend ging’s gleich noch schnell in die 51. Etage – die Dachterrasse unseres Towers. Dort wartete ein Infinity-Pool, der so hoch gelegen war, dass man sich beim Schwimmen fast wie ein schwebender Goldfisch über der Stadt fühlte.

    Am nächsten Tag erkundeten wir die Gegend rund um unser Hotel, inklusive einer gigantischen Mall, in der man sich problemlos verlaufen könnte… und das vermutlich auch tut. Bei Dunkelheit spazierten wir dann zu den Petronas Towers, die man in nur zehn Minuten erreicht – wenn man sich nicht alle zwei Meter ablenken lässt. Der Platz davor war voller Menschen und Fotografen, die mit semi-professioneller Ausrüstung für 15 Malaysische Ringgit Portraitfotos schossen. Wir fanden allerdings, der Unterschied zu unseren eigenen Bildern war eher semi-semi-professionell – also sparten wir uns das Geld.
    Der Blick direkt am Fuß der Türme war noch beeindruckender als von unserem Balkon. Man starrt nach oben und denkt: „Okay, diese Türme haben definitiv die ‚bis zum Himmel‘-Einstellung aktiviert.“ Danach ließen wir den Abend im Park hinter den Towers ausklingen – mit Musik, Wasserfontänen und romantischer Beleuchtung. Fast schon verdächtig kitschig.

    Der nächste Tag stand voll im Zeichen des Sightseeings. Mit dem wirklich praktischen öffentlichen Verkehrsnetz ging es in die Altstadt mit mehreren Moscheen, zum Merdeka Square (dem Unabhängigkeitsplatz) und weiter zu den Batu Caves – rund 15 km außerhalb des Zentrums. Die Batu Caves sind ein natürliches Höhlensystem mit beeindruckenden Felsformationen, vielen Affen und inzwischen auch einer überraschenden Anzahl Tauben, die von Touristen gefüttert werden und sich am Fuße der Höhle breitmachen. Drumherum: kleine hinduistische Schreine und ein kleiner Zoo, der extra Eintritt kostet (natürlich!).
    Dann ging es zu den angeblich 272 Stufen der berühmten Regenbogentreppe – wir haben sie nicht nachgezählt, aber unsere Waden sagen: Es könnten auch 1.000 gewesen sein. Oben angekommen landet man in der sogenannten Kathedralen- bzw. Tempelshöhle, in der mehrere hinduistische Schreine und ein Tempel stehen. Viele fanden: „Die Höhle ist schön… aber die bunten Betonfiguren haben eine gewisse… künstlerische Dominanz“. Glauben kann eben Berge versetzen – oder jahrtausendealte Höhlen dekorativ überfordern ;)))

    Zurück in Kuala Lumpur fuhren wir anschließend nach Chinatown. Dort mischten sich hinduistische Tempel, indische und chinesische Restaurants zu einem bunten kulturellen Buffet. Besonders schön bei Dunkelheit: die berühmte Jalan Petaling Street – ein riesiger Straßenmarkt mit Souvenirs, Schmuck, Taschen, Kleidung und vermutlich genau den Uhren, die noch fünf Minuten vor Schichtbeginn in einer Fabrik in Shenzhen von der Produktionslinie gehüpft sind.
    Auf dem Weg zurück zum Apartment schlenderten wir noch durch den Central Market mit kleinen Geschäften und Restaurants. Dazu schnell ein paar Fotos vom Merdeka 118 Tower, mit 679 Metern aktuell das zweithöchste Gebäude der Welt. Leider sind noch nicht alle Bereiche freigegeben, also keine Aussicht von der Plattform in 600 Metern Höhe (Eröffnung erst 2026). Aber keine Sorge – ein fast genauso hohes Vergnügen wartete noch.

    Für den nächsten Abend hatten wir Tickets für die Sky Bridge und die Aussichtsplattform der Petronas Twin Towers. Die Tickets sind übrigens immer einen Tag im Voraus ausgebucht – für den Sonnenuntergang sogar drei Tage. Also: Foyer, Sicherheitskontrolle (Flughafenstimmung inklusive), ab in den Aufzug und hoch auf die Sky Bridge in der 41. Etage – das schwebende Verbindungsstück zwischen den Türmen in 170 Metern Höhe. Ein paar Minuten Fotos machen, Aussicht genießen, und schon ging’s weiter. Mit zweimal Umsteigen – nein, es gibt tatsächlich keinen Fahrstuhl direkt „von ganz unten nach ganz oben“ – erreichten wir die Plattform in 370 Metern Höhe. Nicht ganz so hoch wie die Sky Bar im Landmark 81 in Ho-Chi-Minh-Stadt, aber absolut beeindruckend. Man hat fast 360° Rundumblick und entdeckt sogar das eigene Apartmenthaus wieder, das plötzlich wie ein akzeptabler Kleinwagen unter SUVs wirkte. Sogar von der Toilette in 370 Metern Höhe konnte man durch die Glasfassade beim ‘kleinen oder großen Geschäft’ direkt auf die Stadt blicken – ein Thron mit Aussicht, wie man ihn nicht mal in einem Königspalast findet.

    Am letzten Tag vor unserer Weiterreise nach Singapur stand noch mal Sightseeing an – und ein erneuter Stresstest für den öffentlichen Nahverkehr. Ab ging’s mit Zug und Bus zum Tangga Putrajaya, einem großen Park etwa eine Stunde südlich der Stadt. Dort gab es viele Bäume, Sträucher, Blumen und die 30 Tangga Putrajaya Steps, die auf einen Hügel mit Aussicht führten.
    Direkt daneben: das Büro des Premierministers von Malaysia und die berühmte Rosa Moschee. Das Regierungsgebäude konnten wir nur von außen ansehen, aber die Moschee durfte betreten werden – allerdings erst nach dem „Dresscode-Upgrade“. Unsere touristische Kleidung war etwas… luftig, also gab es für uns einen dunkelroten Kaftan mit Kapuze. Wir sahen aus wie „Teletubbies – die Next Generation“. Schuhe ausziehen nicht vergessen! Bei 32 Grad, praller Sonne und einem Ganzkörper-Outfit, das eher an Saunazubehör erinnert, fühlte sich jeder Schritt innen an wie ein Kurzurlaub in der Wüste Gobi. Respekt an alle, die das täglich machen.
    Die Rückfahrt mit Bus und Bahn lief dann nicht ganz so geschmeidig wie die Hinfahrt, weshalb wir die ersten Kilometer zur nächsten Station mit dem Taxi fahren mussten. Immerhin: klimatisiert.

    Abends waren wir noch gegenüber von unserem Apartmenthaus in einem arabischen Restaurant. Natürlich durfte dort Knafeh (auch als Konufe oder Engelshaar bekannt) nicht fehlen – jenes himmlische Dessert, das es sogar bis in die weniger geschmackvolle Dubai-Schokolade geschafft hat. (Nur weil man es in Schokolade presst, wird es nicht automatisch besser… aber nett, dass sie’s versucht haben.) Unser Knafeh dagegen: sehr lecker! Dazu gab es noch türkisches Baklava – süßen, pistaziengefüllten Blätterteig mit einer Decke aus Blattgold. Wenn schon Zuckerrausch, dann bitte in der Luxusversion. Man gönnt sich ja sonst nichts ;))

  • Vietnam – Was wir gelernt haben

    1. Benutze lieber Grab und nimm kein Angebot von irgenwelchen aufdringlichen Fahrern an. Am Flughafen in Hanoi hat uns ein Taxifahrer angesprochen und angeboten, uns für den gleichen Preis wie Grab (272.000 VND) zum Hotel zu fahren. Während der Fahrt hat er jedoch erst nach der genauen Adresse gefragt und sie dann in sein Handy eingegeben. Beim Verlassen des Flughafens hat er eine Gebühr bezahlt und wollte plötzlich 130.000 VND zusätzlich von uns haben – obwohl die tatsächliche Maut für die Schnellstraße nur 13.000 VND beträgt und bei Grab bereits im Preis enthalten ist. Als wir uns weigerten und ihn nach einem Beleg fragten, konnte er keinen vorlegen und wurde sofort unfreundlich. Wir haben ihm schließlich 300.000 VND gegeben und gesagt, dass wir sonst die Polizei rufen würden. Dann sind wir ausgestiegen.
    2. Nicht direkt auf Hotel Webseite Zimmer buchen, Wir haben zwei Übernachtungen direkt über die Hotel-Webseite (Amorita in Hanoi) gebucht,was sich im Nachhinein als Fehler herausgestellt hat. Kurz nach unserer Buchung erhielten wir über WhatsApp Nachrichten (mit unserem Namen und dem Buchungsdatum), dass wir sofort bezahlen müssten, sonst würde die Reservierung storniert. Als wir die Dame an der Rezeption darauf ansprachen, meinte sie, das sei Betrug, spielte es jedoch herunter. Offenbar hat ihr System einen Virus, wodurch unsere Daten für Dritte zugänglich waren.
    3. Zebrastreifen überqueren mit gleichmäßiger langsamer Geschwindigkeit, nicht plötzlich stehenbleiben. Auto und Mofas werden wie Wasser um dich herumfahren. Am besten mehrere Leute zusammen gehen.
    4. Vermeide wenn möglich VietJet Airline. Umbuchungen (nicht zum positiven) werden von der Airline ohne Begründung / Einverständnis oder Entschädigung durchgeführt und oft sehr unpünktlich.
    5. Öffentliche Toiletten ist selten vorhanden, und wenn dann schmutzig und oft kostenpflichtig. Lieber in ein Hotel oder ein Restaurant gehen.
    6. Wenn man das vietnamesische Essen probieren möchte, können wir folgende Gerichte empfehlen: Banh Mi (warmes Baguette mit verschiedenen Füllungen), Cao Lao (festere Nudel mit Schweinefleisch und Gemüse), Bun Cha Ta (gegrilltes Schweinefleisch mit Reisnudeln, Kräutern, Salatblätter und würziger Sauce), Bunh Xeo (vietnamesische Pfannkuchen mit diversen Füllungen, die dann mit Zutaten wie Kräutern, Salatblättern und Reisnudeln in Reispapier gerollt werden, die dann in verschiedene Saucen getunkt wird), Chao Ca (vietnamesisches Fisch Gericht mit Reis und Kräutern) und Banh Roti (Dessert, weiches Brötchen mit verschiedenen Füllungen).
  • Vietnam – 3 Tage in Ho Chi Minh Stadt (Saigon)

    Vorgestern, an unserem ersten Tag in Ho Chi Minh City (auch bekannt als Saigon – und ja, beide Namen werden immer noch benutzt), haben wir uns direkt in einen ausgedehnten Stadtbummel gestürzt. Schließlich muss man die Stadt ja erst mal beschnuppern, bevor man sie ins Herz schließt. Erste Station: die katholische Kirche „Nhà thờ Huyện Sỹ“, nur ein Steinwurf von unserem Hotel entfernt. Ein Bau aus dem 19. Jahrhundert, also aus jener Zeit, als die Franzosen dachten: “Lasst uns ein Stück Europa ans andere Ende der Welt pflanzen.“ Das Deckengewölbe, der Altar und die bunten Fenster hätten auch problemlos in irgendeiner europäischen Altstadt stehen können – nur eben mit ein paar Grad mehr Luftfeuchtigkeit.

    Weiter ging’s zum „Independence Palace“, dem Wiedervereinigungs- und/oder Unabhängigkeitspalast Vietnams (scheinbar war man sich beim Namen nicht ganz einig). Gebaut wurde er nach dem Ende der französischen Besatzung auf dem Gelände des alten Gouverneurspalastes. Innen sieht alles aus wie eine Mischung aus Retro-Luxus und Zeitkapsel: Teppiche, schwere Holzmöbel, Vasen, die garantiert mehr erlebt haben als wir. Außen hingegen eine Art architektonischer Kompromiss zwischen Klassizismus, 50er-Jahre-Beton und „wir versuchen mal was Neues“.

    Auf dem Plan stand danach die Kathedrale Notre Dame von Saigon. Leider war sie komplett eingepackt wegen Renovierungsarbeiten – sah also eher aus wie ein Christo-Kunstprojekt als eine Kirche. Nachts ist die Beleuchtung allerdings so hübsch, dass man fast vergisst, dass drunter gerade Baustelle ist. Direkt daneben das alte Postamt, immer noch in Betrieb, aber inzwischen halb Post, halb Souvenir-Tempel. Ein paar Fotos und 27 potenzielle Magneten später schlenderten wir weiter zum Saigon Opera House. Auch dieses schicke Gebäude stammt aus der französischen Kolonialzeit – man erzählt sich sogar, dass die Franzosen sämtliches Baumaterial extra heranschleppen ließen. Luxus muss man wollen.

    Auf dem Rückweg kamen wir am berühmten Ben-Thanh-Markt vorbei: ein riesiger, vollgestopfter Shopping-Hotspot, der gefühlt 1000 Stände für Kunsthandwerk, Essen und „ganz sicher echte Markentaschen“ beherbergt. Hätten wir keine Backpacker-Rucksäcke, sondern Koffer in XXL, wäre das sehr gefährlich geworden.

    Gestern wollten wir dann ganz spontan zum Hafen, um mit der Fähre – dem sogenannten Water Bus – die Stadt vom Wasser aus zu bestaunen. Gute Idee, dachten wir.
    Nach 30 Minuten Fußmarsch am Hafen angekommen: „Fahrten am Vormittag? Nein, heute nicht, trotz offiziellem Fahrplan.“ Großartig. Die Touristenschiffe um die Ecke? Starten natürlich erst am späten Nachmittag. Warum? Keine Ahnung – vielleicht Mittagsschlaf der Boote.

    Auf dem Rückweg dann wieder der tägliche Endgegner: vietnamesischer Straßenverkehr. Eine Straße zu überqueren fühlt sich hier an wie ein Level im Videospiel „Überlebe den Scooter-Schwarm“. Zwischendurch entdeckten wir das Gartenstadt-Restaurant, das stolz Krombacher, Schweinshaxe und Schnitzel anbietet. Sehr deutsch. Sehr absurd, wenn man bedenkt, dass es diese Dinge zuhause garantiert besser gibt – und wir eigentlich vietnamesisch essen wollen.

    Zurück im Hotel hieß es dann: Umziehen für das große Abend-Highlight – die Sky Bar im Landmark 81. Also ab in die Metro und rauf auf Vietnams höchsten Turm (und immerhin zweithöchsten in ganz Südostasien). Die Bar in den Etagen 79–81 (ca. 400 Meter über der Stadt) versprach Cocktails mit Aussicht – vorausgesetzt man wartet 35 Minuten, weil alle dieselbe Idee hatten. Der Aufstieg lohnte sich aber: grandiose Cocktails, fast klarer Himmel und eine Aussicht, bei der selbst 30-stöckige Hochhäuser aussehen wie Hundehütten mit Beleuchtung. Atemberaubend!

    Heute, an unserem letzten Tag in der Stadt, stand eine Bootstour durchs Mekong-Delta auf dem Programm. Der Mekong entspringt ja bekanntlich in Tibet, schlängelt sich durch sechs Länder und landet schließlich im Südchinesischen Meer – ein echter Weltenbummler also. Nach einer 90-minütigen Busfahrt stiegen wir in ein Boot, glücklicherweise mit nur 15 Leuten. Erste Station: eine Bienenfarm. Dort durften wir Honig und Gelee Royale probieren und ein bisschen mit den Bienen „auf Tuchfühlung“ gehen (freiwillig natürlich). Danach gab’s eine vietnamesische Gesangseinlage, die man diplomatisch als „authentisch“ bezeichnen könnte.

    Weiter ging es mit dem TukTuk zur Kokosnussmanufaktur – Öl, Flocken, Bonbons, alles dabei. Die Bonbons waren so lecker, dass wir uns gleich eine ganze Packung gegönnt haben. Dann eine kleine Ruderbootfahrt durch enge Kanäle, zusammen mit zahlreichen anderen Touristengruppen – sehr idyllisch, wenn man die Selfie-Sticks ignoriert.

    Nach dem Mittagessen stand noch die Fütterung von Krokodilen und Catfish (Katzenwelsen) auf dem Programm. Alle waren erstaunlich begeistert davon, Tieren Essen ins Maul zu werfen. Dann ging es zurück nach Ho Chi Minh City, mit kurzem Stopp an einer Pagode mit lachendem Buddha, liegendem Buddha und Bonsais, die aussehen, als hätten sie eine besonders kreative Pubertät hinter sich.