Monat: Februar 2026

  • Australien – K’gari Island

    Zwei Tage auf K’gari – Sand, Dingos und eine Landebahn mit Meerblick

    Die letzten zwei Tage haben wir eine Tour auf K’gari (formerly known as Fraser Island) gemacht – der größten Sandinsel der Welt. 124 km lang, 22 km breit und gefühlt 3 Millionen Sandkörner pro Quadratmeter. Benannt ist die Insel nach den Butchulla People – „K’gari“ bedeutet passenderweise „Paradies“.
    Spoiler: Stimmt. Aber mit sehr viel Sand.

    Planung ist alles (vor allem wenn alle ins Paradies wollen)

    Da der Andrang hoch ist, hatten wir die Tour schon Wochen vorher gebucht. Zur Auswahl standen 1-, 2-, 3- oder 4-Tagestouren.

    Die 1-Tagestour?
    „Sehen Sie fast alles in 8 Stunden!“ – also im Prinzip Insel-Speed-Dating.

    Wir entschieden uns für die 2-Tagestour: alle Highlights, aber ohne olympiareifes Durchhetzen.

    Statt teurer Jeep-Safari (meist nur bis 35 Jahre – wir hätten also vermutlich eh erst unseren Ausweis zeigen müssen) nahmen wir den 4×4-Tourbus.
    Selbst fahren? 250 AUD pro Tag für einen 20 Jahre alten Toyota Land Cruiser – ohne Sprit, Unterkunft und Essen.
    Romantik schön und gut, aber nicht zu dem Preis.

    Von Rainbow Beach ins Sandabenteuer

    Start war in Rainbow Beach – neben Hervey Bay einer der Fährorte zur Insel.

    Mit der Manta Ray Barge ging es rüber – 10–15 Minuten später waren wir da. Und dann begann das, was ich nur als „Strand-Autobahn“ bezeichnen kann:

    Der legendäre 75 Mile Beach.
    Man fährt keine 10 Meter vom Wasser entfernt. Rechts Pazifik. Links Sand. Kein Tempolimit. OK, es waren nur 80 km/h erlaubt … na einigen Stellen auch nur 40. Und unser erster Dingo, der genüsslich eine Koksnuss verspeisste. War wohl Vegetarier. 😀

    Highlight 1: Lake McKenzie – Badewanne Gottes

    Kristallklares Grundwasser, weißer Sand, türkisfarbenes Wasser – Postkartenmotiv deluxe.
    Mit uns ungefähr 100 andere Menschen, die exakt dasselbe dachten. Das Wasser hat einen PH-Wert ähnlich des Menschen und ist sehr weich. Es fühlt sich auf der Haut an wie Seide.

    Zwei Stunden Zeit. Wir badeten, sonnten uns und versuchten, Fotos ohne fremde Touristen im Hintergrund zu machen. Erfolglos.

    Fun Fact: Baden darf man nur in den Seen im Inselinneren.
    Im Meer eher nicht – Haie sehen Menschen offenbar als schwimmende Überraschungssnacks.

    Regenwald mitten im Sand

    Weiter ging es zur Central Station – einst Zentrum der Holzindustrie, heute wieder wunderschön renaturierter Regenwald.

    Von dort Spaziergang zum Wanggoolba Creek – glasklarer Süßwasserbach mit blauen Mineralspuren im Sand.
    Ein Holzsteg führt mehrere hundert Meter entlang.
    Man fühlt sich wie in einer Natur-Doku – nur ohne dramatische Sprecherstimme.

    Lake Wabby – und wir ohne Badesachen

    Nach dem Mittagessen im K’gari Beach Resort ging es zu Lake Wabby.

    2 km durch Wald.
    300 Meter über eine riesige Sanddüne.
    Herzfrequenz: Hochleistungssport.

    Oben angekommen: Traumkulisse.
    Und wir?
    Hatten unsere Badesachen vergessen.

    Also den anderen beim Baden zugeschaut und dann entspannt zurück zum Bus.

    Tag 2 – Wracks, Wellen und beinahe Wasserlandung

    Frühstück um 6:30 Uhr.
    Wir waren die einzigen. Offenbar sind Backpacker keine Frühaufsteher.

    Das berühmte Schiffswrack

    Erster Stop: das SS Maheno Wreck.

    Ein 133 Meter langes ehemaliges Luxuspassagierschiff, das 1935 hier strandete.
    Im Zweiten Weltkrieg nutzte die Australian Air Force es als Zielscheibe – heute ist es eher ein sehr fotogenes Metallskelett.

    Es sieht aus wie etwas aus einem Piratenfilm. Nur ohne Johnny Depp.

    Spontaner Rundflug – Start auf dem Strand!

    Dann das ungeplante Highlight: Rundflug über die Insel.

    Kleiner Flieger, maximal 8 Personen.
    Start direkt auf dem Strand des 75 Mile Beach.

    Gas geben, über Sand rollen, rechts Meer, links Dünen – und plötzlich hebt man ab.
    Eine Kurve Richtung Regenwald, über einen schmetterlingsförmigen See, Sanddünen, Küste – sogar eine Meeresschildkröte gesichtet!

    Die Landung?
    Für einen kurzen Moment sah es so aus, als würden wir im Pazifik parken.
    Dann: Sand unter den Rädern.
    Alle leben noch.

    Farben und Felsen

    Kurzstopp bei den Pinnacles Coloured Sands – leuchtende Sandsteinklippen in Rot-, Gelb- und Orangetönen, die von den verschiedenen Mineralien im Sand stammen.
    Die Natur hat hier eindeutig mit dem Farbregler gespielt.

    Champagne Pools – Whirlpool der Natur

    Die Champagne Pools sind natürliche Felsenbecken. Wenn Wellen darüberbrechen, sprudelt es wie in einem Champagnerglas. 0,1-1,5 Meter tief, subtropische Fische, warmes Wasser. Wir lagen im „Natur-Whirlpool“ und fühlten uns wie Very Important Beach People.

    Auf dem Rückweg Richtung Resort ging es dann noch am Indians Head vorbei. Laut Legende der europäische Name, weil als Capt. James Cook 1770 hier landete die Ureinwohner auf dem Felsen standen und das Schiff argwöhnisch bestaunten. Die haben die Engländer bestimmt für Aliens gehalten 😉 Übrigend fast die eingzige Stelle wo man nicht direkt am Strand langfahren kann. Der Indians Head rangt einige Meter ins Meer, so dass man durch den Wald drumherum fahren muss.

    Eli Creek – Treiben lassen wie Profis

    Letzter Spaßfaktor: Eli Creek.

    Über 1 km Süßwasserbach.
    Die letzten 200 Meter kann man sich auf einem Schwimmring oder Autoreifen treiben lassen.

    Wir ließen uns treiben.
    Und nochmal.
    Und nochmal.

    Wenn Erwachsene sehr glücklich aussehen, treiben sie wahrscheinlich gerade in einem Bach auf einer tropischen Sandinsel.

    Dingos – niedlich, aber bitte mit Respekt

    Auf K’gari leben rund 200 Dingos.

    Sie sehen aus wie freundliche Hunde. Sind aber keine.

    Da Hunde auf der Insel verboten sind, gilt die Population als besonders reinrassig. Leider füttern manche Touristen sie trotz Verbot – was dazu führt, dass Dingos Menschen mit Snacks verbinden. Wenn man einem Dingo begegnet, tief in die augen schauen und langsam entfernen. Nicht rennen, dass fördert den Jagdtrieb … und schon wird es ein Wettrennen 😉

    Wir hatten, als wir zu Fuss auf der Insel unterwegs waren, vorsichtshalber einen „Dingo Stick“ dabei. Gebraucht haben wir ihn zum Glück nicht.

    Die meisten Dingos sahen wir vom Bus aus – Alpha-Männchen, Weibchen, sogar 4–5 Monate alte Jungtiere (Puppies).
    Zuckersüß.
    Und trotzdem bitte mit Sicherheitsabstand.

    Fazit

    Zwei Tage, unzählige Highlights, kein Zeitdruck – und nur minimaler Sand in wirklich allen Taschen.

    K’gari ist wild, wunderschön und ein kleines bisschen verrückt.
    Man startet Flugzeuge auf dem Strand.
    Man badet in Süßwasserseen mitten im Sand.
    Und man schaut Dingos tief in die Augen – hoffentlich ohne Müsliriegel in der Hand.

    Paradies?
    Ja. Aber mit sehr viel Sand.

  • Australien – Queensland Roadtrip 3

    Wir rollten also von Rockhampton ganz entspannt Richtung Süden – australische Entspanntheit Level 100 – und bezogen Quartier in dem sympathischen Örtchen Agnes Water. Angeblich die nördlichste Surf-Hochburg der Gold Coast. Also quasi: Gold Coast ohne Glitzer, dafür mit mehr Flip-Flops und weniger Instagram-Filter.

    Erster Programmpunkt: Bustard Bay Lookout. Meerblick im 270 Grad Blick. 2 Kilometer davon entfernt gibt es einen der wenigen Orte in Queensland, wo man den Sonnenuntergang über dem Wasser sehen kann. Wir fühlten uns kurz wie Entdecker, obwohl das Schild „View sunset over water“ vermutlich täglich 200 Menschen den gleichen Aha-Moment beschert.

    Am Main Beach tobten Kindergruppen bei ihren ersten Surfversuchen. Mehr Salzwasser in der Nase als Stabilität auf dem Brett – aber der Enthusiasmus war olympiareif. Am Chinamans Beach dagegen: stoische Angler, die vermutlich schon seit 1987 auf denselben Fisch warten. Goldene Strände, moderate Wellen – Postkartenidylle mit leichter Sonnencreme-Note.

    Dann ging es weiter nach Bundaberg. Unser erster Stopp? Krankenhaus. Ja, richtig gelesen. Michael musste sich die Fäden ziehen lassen, die er sich zehn Tage zuvor heldenhaft in den Josephine Falls „erarbeitet“ hatte.

    Den richtigen Arzt zu finden, war eine Art Schnitzeljagd für Fortgeschrittene. Wir fragten uns freundlich von Schalter zu Schalter, bis Michael schließlich per Gegensprechanlage mit einer Triage-Krankenschwester hinter Glas sprach. Es hatte leichte Gefängnisfilm-Vibes. Fenster weiter, Formulare, warten. Und dann – Überraschung! Nach nur 30 Minuten war er dran. Fünf Minuten später: Fäden raus. Kostenlos. Die Ärztin schenkte ihm sogar die Pinzette als Souvenir. Australien 1 – deutsches Gesundheitssystem 0. Ich war kurz davor, eine Dankesrede zu halten.

    Natürlich darf man Bundaberg nicht verlassen, ohne die berühmte Bundaberg Rum Distillery zumindest kulturell zu würdigen. Rein wissenschaftlich haben wir kleine Fläschchen getestet. Intensiv, leicht rauchig. Sagen wir so: In der Karibik hatten wir geschmacklich schon ambitioniertere Forschungsprojekte.

    Abends ging es zum Oaks Beach – Schildkrötenbabys beim ersten Sprint ins Leben beobachten. Ergebnis: keine Babys. Dafür ein Sonnenuntergang wie gemalt, mysteriöse Sandspuren und Krebse, die seitwärts schneller flüchten als wir „Foto!“ sagen konnten. Freilaufende Hunde trotz Verbots inklusive – vielleicht buchen die Schildkröten deshalb lieber andere Strände. Oder wir hatten heute einfach nur kein Glück.

    Einen Tag später erreichten wir Hervey Bay. Botanischer Garten. Idylle. Und plötzlich: Eidechse. 70 cm. Mindestens. Vielleicht 80. 100 Meter weiter: Riesenspinne. Australien begrüßt einen eben herzlich.

    Dann – Schildkröten-Alarm! Kaum standen wir am Wasser, schwammen 5, 10, 15 neugierige Schildkröten heran, streckten die Köpfe aus dem Wasser und schauten uns erwartungsvoll an. Offenbar sind sie hier Fütterungen gewohnt – was verboten ist. Wir hatten ohnehin nichts dabei. Also Fotos gemacht, leicht schlechtes Gewissen entwickelt und weitergezogen.

    Im botanischen Garten gab es noch einen kleinen chinesische Garten mit Springbrunnen, Teichen und Bambus.

    Weiter zum historischen Urangan Pier – einst 1124 Meter lang, heute immer noch beeindruckende 868 Meter. Früher Umschlagplatz für Zucker, Holz und Kohle; heute Spaziergänger und 30–40 ambitionierte Angler, die vermutlich alle denselben Fisch wie der Kollege in Agnes Water suchen.

    Nächster 2-Tages-Halt: Tin Can Bay. Am nächsten Morgen zur Norman Point, wo man morgens seltene Buckeldelfine sehen kann – und gegen 15 AUD sogar füttern. Der Andrang war beachtlich. Wir entschieden uns für die Budget-Variante: aus der zweiten Reihe beobachten und Geld sparen. Delfine gesehen, Portemonnaie geschont – Win-Win.

    Danach weiter nach Rainbow Beach, um alles für unsere Tour nach Fraser Island (heute offiziell K’gari) vorzubereiten. Meeting point und Parkplatzsituation erkunden. Der Strand? Endlos. So endlos, dass einige direkt mit dem Allradfahrzeug bis ans Wasser fuhren.

    Hinter einem Hügel liegt der Carlo Sand Blow – erreichbar nach zehn Minuten Regenwald-Spaziergang. Und plötzlich: Wüste. Sand bis fast zum Horizont. Eine Seite Steilklippe zum Meer, die andere verläuft sich zwei Kilometer weiter wieder im Regenwald. Surreal. Als hätte jemand Sahara und Australien kurz verwechselt.

    Zum Abschluss noch ein Abstecher nach Inskip Point – eine der Fährstellen nach Fraser Island. Strand, Abendlicht – und plötzlich Delfine! Und eine Schildkröte! Nur wenige Meter vom Ufer entfernt. „Schnell ins Wasser, Delfine streicheln!“, dachten wir. Die Delfine dachten: „Schnell ins tiefe Wasser, Menschen vermeiden.“ Sie gewannen.

    Australien bleibt spannend – manchmal mit Surfkurs, manchmal mit Notaufnahme, manchmal mit Rumverkostung mit ausbaufähigem Ergebnis. Aber auch manchmal seltene Delfine, manchmal Wüste. Und manchmal mit 20 Schildkröten, die mehr Erwartungen an uns haben als wir an sie.

  • Australien – Queensland – Roadtrip 2

    Wir sind weitergefahren von Townsville nach Airlie Beach – voller Vorfreude auf Postkartenidylle.
    In Airlie Beach spielte allerdings das Wetter „Ich kann mich nicht entscheiden“: fünf Minuten Sonne, zehn Minuten Regen, dann wieder Sonne. Manchmal sogar Sonne und Regen gleichzeitig. Als hätte der Himmel einen inneren Konflikt.
    Geplant war eigentlich eine Rundflug über das berühmte Heart Reef und die Whitsundays Islands und natürlich über das Great Barrier Reef. Einmal das Riff von oben bestaunen – Traum!
    Wir saßen schon im Shuttlebus um noch ein paar andere Teilnehmer einzusammen. Dann wurde auf halben Weg die Tour wegen des Wetters abgesagt. Nach dem Wrack-Tauchen einige Tage zuvor die nächste Absage. Der nächste Tag? Wetter noch schlechter. Kein Ersatztermin möglich. Komplett storniert, Geld zurück. Große Enttäuschung 😞 Wieder einmal zeigt Australien: Es entscheidet.
    Am nächsten Tag sind wir aus Frust den Honeyeater Trail gewandert – dem Wetter zum Trotz. Diesmal immerhin ohne Schlange. Stattdessen eine riesige Kröte und eine sehr selbstbewusste, große Echse, die eindeutig der Meinung war, dass wir hier nur Gäste sind.

    Natürlich hat es immer wieder geregnet.
    Wir waren komplett durchnässt – ob vom Schweiß oder vom Regen, ließ sich nicht mehr differenzieren. Egal. 8,2 Kilometer später waren wir klatschnass, aber zufrieden. Schön war’s trotzdem.

    Da gerade chinesisches Neujahr war (16.–17.02.), haben wir uns abends ein gutes Essen gegönnt. Wie in China: QR-Code am Tisch scannen, bestellen, direkt bezahlen (in China zahlt man eigentlich erst nach dem Essen – hier war man effizienter). Irgendwann erscheinen dann Getränke und Essen. Sehr bequem – wir mögen dieses System.

    Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Süden – in der Hoffnung, das schlechte Wetter endlich hinter uns zu lassen.
    Während der Fahrt hat es so stark geregnet, dass es der Scheibenwischer trotz schnellster Stufe komplett überfordert war. Mehrmals Aquaplaning – das Auto fühlte sich kurz an, als wolle es abheben. Zweimal mussten wir anhalten und warten, bis der Regen nachließ. Safety first.

    Unterwegs sahen wir riesige Zuckerrohrplantagen, teilweise direkt neben einer Eisenbahnstrecke die zum direkten Transport in die Zuckerrohrfabrik dient. Und damit der Fahrer auf der endlos langen Strecke (Stichwort „Fatigue Area“) nicht einschläft, stehen große Quiz-Plakate am Straßenrand.
    Beispiel: „Was ist der höchste Berg in Queensland?“
    Ein paar Kilometer später: die Antwort.: Mount Bartle Frere. Pädagogisch wertvoll und wachhaltend zugleich.
    Nach viereinhalb Stunden kamen wir in Rockhampton an – der selbsternannten „Beef Capital of Australia“. Und das Beste: Hier regnet es nicht. Yeah!
    Heute haben wir in Rockhampton zuerst die Rockhampton Museum of Art besucht – kostenloser Eintritt.

    Danach in den Rockhampton Zoo – ebenfalls kostenlos.

    Der Zoo beherbergt teilweise verletzte oder gerettete Tiere, die nicht mehr in die Wildnis zurück können.

    Neben Kängurus und Koalas haben wir auch einen Cassowary gesehen – ein Vogel, der aussieht, als hätte die Evolution kurz experimentiert. Man sag auch er stammt aus der Zeit der Dinosaurier. Zwei unglaublich süße Wombats, bunte Papageien (einer rief tatsächlich „Hallo!“), Erdmännchen und natürlich Krokodile.

    Das Süßwasserkrokodil – etwa zwei Meter lang – lag entspannt in der Sonne und schlief. Das Salzwasserkrokodil dagegen: doppelt so groß, doppelt so breit, langsam durchs Wasser gleitend und uns fixierend. Als würde es überlegen, ob wir in sein Beuteschema passen.
    In solchen Momenten bekommt man großen Respekt vor der Wildnis. So einem „Monster“ möchte man wirklich nicht zufällig begegnen.

    Außerdem haben wir Schimpansen, Dingos, Schlangen und viele weitere Tiere gesehen. Alles war sehr liebevoll gestaltet. Weil ich von der Einrichtung wirklich begeistert war, habe ich am Ausgang noch etwas gespendet – in der Hoffnung, dass die Tiere hier weiterhin ein sicheres Zuhause haben.

    Fazit: Regen, Enttäuschung, Aquaplaning – aber auch Natur, gutes Essen und beeindruckende Tiere. Australien bleibt spannend.

  • Australien – Roadtrip in Queensland

    oder: Wie man in 24 Stunden das australische Gesundheitssystem testet

    In Cairns haben wir unseren Mietwagen abgeholt. Mit genau diesem Gefährt werden wir die nächsten 18 Tage Richtung Süden bis Brisbane roadtrippen. Freiheit, Abenteuer, endloses grün. Spoiler: Am ersten Tag haben wir direkt einen Unfall hingelegt. Noch größerer Spoiler: Happy End.

    Tag 1 – Von Naturidylle zu Notaufnahme

    Erster Stopp: Babinda Boulders: Ein wunderschöner Bach mitten im tropischen Regenwald, mit zwei natürlichen Pools, kristalklares Wasser, Tiefe bis zu 5 Meter … perfekt zum Abkühlen bei tropischer Hitze. Es ist einer dieser Orte, bei denen man denkt: „Genau dafür bin ich nach Australien geflogen.“

    Auf dem Parkplatz haben wir sogar australische „Hühner“ gesehen – die berühmten Brush Turkeys, die aussehen, als wären sie gerade bei Frisur gewesen und haben den Kopf zu lange in die Sonne gehalten.

    Wir sind natürlich in beiden Pools ein wenig geschwommen, haben das Dschungel-Feeling genossen und waren eigentlich schon ziemlich zufrieden mit uns und der Welt.

    Zweiter Stopp: Josephine Falls: Ein kleiner, wunderschöner Wasserfall an einem Bach voller riesiger Felsen. Einer dieser Felsen bildet bei ausreichend Wasser eine Rampe und wird von mutigen Menschen als natürliche Wasserrutsche benutzt. Sieht spektakulär aus. Sieht nach Spaß aus. Sieht nach Instagram aus.

    Ich war nach dem ersten Schwimmen ehrlich gesagt müde und dachte mir: „Heute lieber keine Action mehr.“ Michael hingegen: „Challenge accepted.“

    Plan: Er probiert die Rutsche, ich filme heldenhaft.

    Realität: Der Einstieg war das Problem. Wahrscheinlich gibt es einen geheimen Zugang nach oben – wir wussten es nur nicht. Hätten wir mal die anderen „Verrückten“ auf ihrem Weg beobachtet. Michael entschied sich für die Variante „Von unten über die Felsen hochzuklettern“.

    Ich sehe aus der Ferne, wie er mehrmals versucht hochzuklettern. Schließlich schon halb oben, steht er auf, Barfuß. Einen nasse Stelle auf dem Felsen. Nächste Sekunde: Ausrutschen. Kopf auf Felsen. Platsch – ins Wasser.

    Mein Herz setzte kurz aus und fiel gefühlt bis in den Bauch. Er stand wieder auf – benommen, aber bei Bewusstsein. Als er zu mir schaute, habe ich ihm fleißig gewunken und so angedeutet das er zurück kommen soll. Während er die etwa zehn Meter zurück durch den Bach schwamm, lief Blut über seine rechte Gesichtshälfte. Viel Blut. 4 cm Platzwunde. Drama pur.

    Zurück am Auto habe ich mit zitternden Händen die Wunde desinfiziert und notdürftig versorgt. Dank unserm Medi-Pack, das wir immer dabei haben. Dann ab ins Krankenhaus (Emergency room) nach Babinda. Kein Risiko eingehen, wegen Gehirnerschütterung und plötzlichem Schwindel / Ohnmacht … also musste ich fahren: Erstes Mal selbst im Linksverkehr, ohne Führerschein bzw. ohne gültigen FS für Australien. Aber die 15 Kilometer zum Arzt haben wir gepackt.

    Krankenhaus-Erlebnis – australische Version: Erst bezahlen, dann behandeln. Effizient.

    Lokale Betäubung, gründliches Spülen mit Salzwasser, sechs Stiche. Insgesamt vier Stunden Aufenthalt – die meiste Zeit Warteschleife, weil nur eine Ärztin Dienst hatte und wir nicht die kritischsten Patienten waren. Die Krankenschwester war unglaublich freundlich und brachte uns Sandwiches, Kekse und Wasser. Fast wie Business Class, nur mit neuer Narbe am Kopf.

    Zusätzlich: Antibiotikum und eine Boostrix-Impfung. Diagnose: Keine Gehirnerschütterung. Nichts Ernstes. Gott sei Dank.

    Übernachtung in Mission Beach – mit der Erkenntnis: Der Roadtrip hat offiziell begonnen.

    Tag 2 – Risiko-Minimierung

    Ein kleiner Ausflug über ein paar Kilometer Schotterpiste und durch eine ca. 15 cm tiefe Furt (eine sanfte Stelle zur Flussüberquerung). Das Auto musste so einiges mitmachen. Am Ende ein Spa-Pool und ein Lookout / Aussichtspunkt – allerdings nur anschauen, Fotos machen, NICHT schwimmen. Wir haben beschlossen, die nächsten 24 Stunden keine akrobatischen Felsmanöver mehr durchzuführen.

    Übernachtung sollte eigentlich im Forest Beach Hotel sein. Das Gebäude sah allerdings aus, als würde es jeden Moment in Rente gehen. Als erstes fanden sie unsere Reservierung nicht. Wenig später, nach ein paar minuten im Hinterzimmer hieß es dann leider kein Betrieb. Das war auch unser Eindruck … Hotel in den letzten Atemzügen. Die Dame an der Rezeption erstattete uns netterweise das Geld zurück und empfahl uns ein „Retreat“ nebenan. „Retreat“ war… optimistisch formuliert. Es wirkte eher wie ein Messi-Haus mit spirituellen Ambitionen. Wir bekamen beide leichte Horrorfilm-Vibes. Ende vom Lied: Selbst nach einem Hotel in der Nähe suchen. Wir fanden dann ein Motel in Ingham. Solide. Sauber. Psychologisch stabil.

    Tag 3 – Große Wasserfälle & große Schlangen

    Am kommenden Tag fühlte sich Michael noch / wieder fit, also 50 Minuten von Ingham ab in die Berge: die Wallaman Falls – mit 264 Metern der höchste permanente Wasserfall Australiens. Der Pool unten ist etwa 20 Meter tief. In der Regenzeit besonders spektakulär. Vom Lookout aus konnten wir sogar einen Regenbogen sehen. Sehr romantisch. Sehr friedlich.

    Da es Michael wieder gut ging, wagten wir den Abstieg (etwas 300 Höhenmeter). Der Weg: rutschig, teilweise steil und anstrengender als gedacht. Das Wetter: über 30 Grad, 90 % Luftfeuchtigkeit. Bio-Sauna deluxe.

    Plötzlich schreit Michael laut hinter mir:„Ahhhh!“ Eine große Schlange zusammengerollt direkt neben mir auf dem Stein. Ich bin dann sehr schnell, sehr ruhig , sehr unauffällig vorbeigegangen (innerlich: komplette Panik). Er machte schnell noch ein Foto und auch leise und schnell vorbei.

    Unten angekommen: gigantische Kulisse. Der Wasserfall donnert über unseren Köpfen, überall Nebel, tropisches Drama pur. Dann: Starkregen. Innerhalb von Sekunden komplett durchnässt. Kein Internet, kein Empfang – und auf dem Rückweg wartete noch eine Schlange auf uns!

    Zum Glück war auf dem Rückweg weit und breit keine Schlange mehr zu sehen. Hat sich wohl auch beim Regen rigendwo ins Trockene verzogen / geschlängelt. Später recherchiert: Eine Python. Also nicht giftig. Das erklärte auch, warum sie so entspannt da lag. Glück gehabt. Schon wieder.

    Tag 4 – Townsville, Wrack-Pech und Weitblick-Glück

    Eigentlich hatte ich nur ein Ziel: das berühmte Wrack der SS Yongala betauchen. Eines der spektakulärsten Wracks Australiens! Fische, Korallen, Geschichte, Gänsehaut – ich war bereit.

    Der Veranstalter leider nicht. „Zu wenige Teilnehmer. Neuer Termin nächsten Samstag.“
    Nächsten Samstag?! Wir waren auf Roadtrip, nicht im Wartesaal des Ozeans. Also kein Tauchgang. Kein Wrack. Nur ich und mein leicht beleidigtes Abenteuerherz. Sehr schade!!

    Also Stadtbesichtigung in Townsville.

    Castle Hill – Der Berg, der dich dem Himmel näherbringt (und deinem Puls auch)

    Mitten in der Stadt erhebt sich Castle Hill – ein Felsenklotz mit Aussichtsgarantie.
    Oben angekommen (leicht schnaufend, natürlich nur wegen der Hitze), hatten wir einen fantastischen Blick über Stadt und Meer.

    Und dort draußen liegt sie: Magnetic Island.

    Eine große Insel direkt vor der Küste. Man kann tatsächlich bis dorthin schauen – türkisfarbenes Wasser, weiße Strände, Postkartenidylle. Dort gibt es auch ein Wrack direkt an der Küste, halb über Wasser, komplett von Pflanzen überwuchert. Natur 1 : Mensch 0.
    Sehr fotogen. Wenigstens ein Wrack. Wenn auch trocken.

    Kissing Point – Geschichte mit Meeresbrise

    Weiter ging’s zum Kissing Point – ein Hügel mit Blick auf das offene Meer. Hier wurde Ende des 19. Jahrhunderts das Fort Kissing Point errichtet, später bekannt als
    Jezzine Barracks.

    Im Zweiten Weltkrieg war die Anlage strategisch wichtig: Schutz für Hafen und Flughafen – letzterer diente als Basis für amerikanische Bomber im Pazifikkrieg gegen Japan.

    Heute stehen dort noch Bunker und alte Kanonen.
    Man läuft zwischen Betonresten herum, schaut aufs friedliche Meer – und denkt sich: Geschichte ist schon verrückt. Früher Verteidigungspunkt. Heute Selfie-Spot.


    Der Rock Pool – Schwimmen ohne Hai-Angst-Level 10

    Direkt an der Promenade liegt der Rock Pool. Ein künstlich angelegtes Meerwasserbecken. Öffentlich zugänglich. Gefiltertes Meerwasser. Keine Haie. Australien ist ja bekannt dafür, dass im Wasser alles entweder beißt, sticht oder einen zumindest skeptisch anschaut. Hier konnte man einfach schwimmen. Entspannt. Theoretisch.

    Dann plötzlich: SCHREI!

    Über uns kreisten große schwarze Kakadus – vermutlich Red-tailed Black Cockatoos. Riesig. Majestätisch. Laut wie startende Düsenjets. Sie schreien genauso laut wie die weißen Kakadus, die wir auf unserer Wohnmobiltour kurz vor Adelaide gesehen haben. Beim Fliegen sieht man rote Federn im Schwanz. Absolut beeindruckend.

    Australien und seine Tierwelt:
    Wunderschön. Laut. Und manchmal leicht lebensgefährlich.


    Zwischenfazit unseres Queensland-Roadtrips

    Internet in Queensland:
    1–2 MBit/s im Motel. In der Wildnis: Meditationstraining.

    Erste-Hilfe-Set:
    Gold wert.

    Australische Krankenhäuser:
    Freundlich. Effizient. Teuer.

    Michael:
    Jetzt offiziell „australisch zertifiziert“.

    Ich:
    Herzinfarkt-Level 7 überlebt.

    Und das waren die ersten Tage unseres Ostküsten-(Queensland-)Roadtrips.

    Fortsetzung folgt – hoffentlich ohne medizinischen Notfall.
    Aber mit Wrack. 😄

  • Australien – Cairns & Great Barrier Reef

    Weiter ging es nach 5 Nächten und 1500 km im australischen Outback (Northern Territory) wieder zur Ostküste. Wir nahmen in Alice Springs ein Flugzeug nach Cairns – Flugzeit etwa zwei Stunden. Fast leer. Freie Sitzplatzwahl!

    Easy. Dachten wir zumindest.
    Am Flughafen Cairns wollten wir ganz entspannt mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt fahren. Fehlanzeige. Obwohl es nur ca. 10 Minuten bis ins Zentrum sind, gibt es einfach keinen ÖPNV.😅
    Option A: Flughafen-Shuttle für stolze 35 Dollar.
    Option B: Uber für 21 Dollar.
    Die Entscheidung fiel nicht schwer – Uber war unser Retter.

    In Cairns herrscht tropisches Regenwetter deluxe: Sonne, Regen, Sonne, Regen – alles im Minutentakt. Dazu 30 Grad und eine Luftfeuchtigkeit, bei der man sich schon beim Atmen fragt, ob man gerade duscht oder schwitzt. Spoiler: Es ist beides.

    Nach dem Einchecken ins Hotel haben wir trotzdem noch die kleine Stadt erkundet.
    Das absolute Highlight: die Cairns Esplanade Lagune direkt am Meer. Eine riesige, wunderschöne Schwimmanlage – komplett kostenlos, mit Rettungsschwimmern, warmen Duschen und sauberen Toiletten. Und als Bonus: Die Leute machten gerade fröhlich Wassergymnastik mit Vorführung. Besseres Entertainment kann man sich kaum wünschen.

    Wir hatten eine dreitägige Tauchsafari zum Great Barrier Reef gebucht: insgesamt 10 Tauchgänge, davon 2 Nachttauchgänge. Michael war schnorcheln, ich natürlich tauchen. Wir sind zuerst mit einem kleineren Boot raus zum Riff gefahren und haben dort schon 2 Tauchgänge bzw. Schnorcheltouren gemacht. Später sind wir dann auf das große Schiff mit Kabinen und ungefähr 50 Leuten inkl. Besatzung umgestiegen. Dort haben wir dann 2 Nächte verbracht und waren an verschiedenen Spots an dem riesigen Riff, was sich fast die ganze OStküste entlang zieht.

    Einige Fische hier sind wirklich riesig, und ich habe zum ersten Mal bunte Seeschnecken gesehen – klein, knallbunt und komplett unterschätzt. sehr cool!
    Der absolute Höhepunkt für mich war der Nachttauchgang. Zuerst tauchten ein, zwei große Barsche auf, die ständig unserem Licht folgten, um kleine Fische zu jagen. Dann kamen immer mehr große Fische dazu – irgendwann wurde es fast unheimlich.

    Und plötzlich: Haie. Zwei, drei Stück. Vielleicht auch mehr – ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, um mein Nervensystem zu schützen. Wenn ich mit meiner Taschenlampe auf sie leuchtete, glänzten ihre Augen silbern. Überall waren Fische, Schatten, Luftblasen, Flossen, Lichtkegel – totales Unterwasser-Chaos. Und zack: wieder ein Hai. Und weg. Und wieder da. Für ein paar Sekunden dachte mein Gehirn: „Super, hier sterben wir jetzt.“

    Aber Spoiler: Ich bin heil aus dem Wasser gekommen – genau wie alle anderen Taucher. 💪

    Das Wasser war leider ziemlich trüb, wahrscheinlich wegen der Jahreszeit. Viele Korallen an unseren Tauchspots waren abgestorben – grau, traurig und weit entfernt von dem bunten Unterwasserparadies, das ich mir vorgestellt hatte. Insgesamt war ich ehrlich gesagt leicht enttäuscht. Dieses Gefühl hatten auch viele andere Taucher an Bord. Ich persönlich fand die Unterwasserwelt in Khao Lak und auf den Malediven deutlich schöner. Zwei Taucher aus Malaysia sagten sogar: „Bei uns ist viel schöner.“
    Fazit: Nächstes Mal fliege ich wieder nach Malaysia zum Tauchen. Ende der Diskussion. Naja, vielleicht auch nicht. Wir haben ja noch ein paar Tauchausflüge am Great Barrier Reef geplant und vielleicht haben wir das bessere Bedingungen.

    In Australien ist es ganz normal, ohne Guide nur mit einem Buddy, also einen anderen Taucher, zu tauchen. Wer einen Guide möchte, zahlt extra – 20 Dollar pro Person. Nach dem Briefing hieß es also: „Xin, glaub an deinen Orientierungssinn! “ und ich hoffe heimlich, dass er mich nicht im Stich lässt …

    Spoiler: Es ist ausbaufähig. In unbekanntem, trübem Wasser ohne Smartphone, ohne Google Maps und ohne „Sie haben Ihr Ziel erreicht“ die richtige Richtung zu finden, war… sagen wir mal: ambitioniert. Jedes Riff sah aus wie das andere – Koralle links, Koralle rechts, Koralle überall. Manchmal sieht man nur Sandbank. Nach ein, zwei Navigations-„Experimenten“ haben meine Buddy (die hübsche Wei Fan) und ich das Boot dann doch wiedergefunden. Yeh! Mission „nicht für immer im Ozean bleiben“ erfolgreich abgeschlossen. 🥳🛥️

    Nach Ende der Bootstour wurden wir zurück nach Cairns gebracht.
    Am letzten Tag haben wir nochmal die Lagune genossen und abends den Night Market und Food Court unsicher gemacht. Trotz aller Vorsätze, keine Souveniers mitzunehmen, hatten es uns die beiden süßen Schlüsselanhänger angetan.

    Morgen geht es mit dem Mietwagen Richtung Süden.
    Was wir wohl noch alles erleben werden? 🚗✨

  • Australien- Alice Springs

    Gestern hieß es wieder: ab ins Auto, 450 Kilometer Outback – quasi der australische Feierabendspaziergang. Ziel: zurück nach Alice Springs. Überraschung des Tages: Es war kalt. Also australisch kalt. Nur 20 °C, zeitweise zeigte das Autothermometer sogar 17 °C an. ❄️🌵

    Kaum aus Yulara raus, sammelten wir noch einen Backpacker ein – offenbar eine seltene, aber sehr gesprächige Outback-Spezies. Wir nahmen ihn mit bis zum nächsten Bus-Stop am Stuart Highway, dieser legendären Straße, die einmal quer durchs Land von Adelaide nach Darwin führt (schlappe 3000 km, nix Besonderes). Die 2,5 Stunden Fahrt vergingen dank Dauer-Storytelling wie im Flug. Der Backpacker hatte nicht nur viele Geschichten, sondern auch noch praktische Reisetipps im Gepäck. Wir lieferten ihn ganze fünf Minuten vor Abfahrt seines Busses ab – der übrigens nur einmal am Tag fährt.

    Danach nochmal zwei Stunden weiter nach Norden, Ankunft in Alice Springs, schnell was essen und den nächsten Outback-Masterplan schmieden.

    Heute ging’s dann mit dem Mietwagen in die Western MacDonnell Ranges (auch bekannt als der Tjoritja Nationalpark auf dem Land der Western Arrente People) etwas westlich von Alice Springs. Erster Halt: Simpson Gap – eine Lücke in der Gebirgskette mit trockenem Flussbett (Sommermodus) und ein paar hartnäckigen Wasserlöchern. Besonders schön: das Licht, das sich dramatisch durch den Felsspalt schob.

    Und dann das Highlight: Ein Schwarzpfoten-Fels-Wallaby (kleine Känguru-Art bis zu 50 cm groß) hüpfte direkt vor uns herum, blieb neugierig stehen und musterte uns aus fünf Metern Entfernung. Plötzlich bewegte sich etwas im Beutel – Baby-Alarm! 🥹 Ein Weibchen mit Nachwuchs! Fotos, leises Quietschen, Gänsehautmoment. Kurz darauf starrte uns noch ein anderes junges Wallaby aus den Felsen an, als wären wir die Außerirdischen.

    Weiter ging’s durch Landschaften wie aus einem Western oder einer afrikanischen Savanne: braunes Gras, grüne Büsche, vereinzelte Bäume. Die Straße diesmal keine „Drunken Road“, sondern eher eine Achterbahn ohne Sicherheitsbügel – ständig rauf und runter. Spaßig, nur ohne Looping.

    Nächster Stopp: Ellery Creek Big Hole – größtes permanentes Wasserloch der Gegend. Ein felsiger Durchbruch, komplett mit Wasser gefüllt. Man hätte locker auf die andere Seite der Berge schwimmen können. Problem: Wir hatten vergessen, Badezeug mitzunehmen. Anfängerfehler. Da wir allein waren, dachte ich mir: egal. Klamotten aus – und zack ruft Xin: „Da kommen Leute!“ Also Schnellanzug-Weltrekord, warten, Fotos machen lassen, Leute wieder weg. Zweiter Versuch: nackt ins Wasser. Und es war einfach nur grandios – ein natürlicher Pool zwischen Felsen. Nach 15 Minuten wieder raus, trocknen in der Sonne, Sachen an. Exakt in dem Moment kam eine Reisegruppe an. Timing: wieder perfekt 😎

    Schnell weiter zu den Ochre Pits. Wie der Name verrät: Ocker in allen Farben. Die Gesteinsschichten sahen aus wie ein Regenbogen aus Weiß, Gelb und Rot. Nebenbei erfuhren wir noch, dass die Felsen eine heilige Stätte der Western Arrernte People sind. Der Ocker wird bis heute für Kosmetik, Rituale und Medizin genutzt. Outback kann also nicht nur spektakulär, sondern auch lehrreich 📚

    Letzter Stopp: Ormiston Gorge – eine Felsenschlucht mit permanentem Wasserloch. Wieder badetauglich, diesmal aber mit Publikum. Badehose? Fehlanzeige. Also musste die Unterhose einspringen. Wenn man schon mal da ist, springt man natürlich auch in den rund 14 Meter tiefen Naturpool. Übung hatte ich ja inzwischen 😉 Xin fotografierte fleißig und genoss die Sonne, während ich meine Bahnen zog. Beim Rausgehen meldete die Smartwatch stolz: 20 Minuten Schwimmtraining. Danke fürs Lob ⌚

    Auf dem Parkplatz entdeckte ich dann noch einen MAN Lkw als Offroadbus für Touristen aufgebaut. Das gibt es hier am andern Ende der Welt öfter. MAN langlebig und offroadfähig, neben den normalen Geländewagen die beste Wahl fürs Outback.

    Noch ein paar Minuten bei 34 °C trocknen, ab ins Auto und zurück – 130 Kilometer Outback mit Bergen links und rechts. Und so war auch dieser Tag plötzlich vorbei. Im australischen Outback vergeht die Zeit ungefähr so schnell wie der Handyempfang: einfach weg 🌵😄

  • Australien – Uluru – Kata Tjuta

    Von Adelaide nach Alice Springs sind wir in etwa zwei Stunden geflogen – inklusive Zeitsprung. Uhr eine Stunde zurückstellen. Willkommen im Northern Territory, wo man nicht nur geografisch, sondern auch zeitlich sein eigenes Ding macht. Ergebnis: +8,5 Stunden Zeitverschiebung zu Deutschland. Ja, halbe Stunden. Warum einfach, wenn’s auch australisch geht.

    Mietwagen direkt am Flughafen abgeholt, anschließend Großeinkauf: Wasser, Essen, noch mehr Wasser und zur Sicherheit… Wasser. Im Outback ist Flüssigkeit wichtiger als Persönlichkeit.
    Nach dem Hotel-Check-in ging’s spontan zu den East MacDonnell Ranges, genauer gesagt zu Emily’s Creek – ein heiliger Ort der Aborigines. Sehr ruhig. Sehr spirituell. Sehr heiß. Und absolut menschenleer.
    Zwei schüchterne Kängurus, die uns angesehen haben, als hätten wir uns verlaufen.

    Am nächsten Tag: Roadtrip von Alice Springs nach Yulara. Mitten ins australische Outback.
    Dauer: knapp 5 Stunden.
    Temperatur: 45 Grad.
    Handyempfang: Nein.
    Internet: Vergiss es.

    Zum Glück hatte ich vorher eine Offline-Karte geladen – auch wenn man ehrlich sagen muss: Es gibt genau eine Straße. Wer sich hier verfährt, wollte es wirklich.
    Alle 50 – 100 km ein Rastplatz mit Toilette und Handyempfang (gefühlt Luxusresorts), ab und zu ein Auto entgegenkommend, und stellenweise darf man tatsächlich 130 km/h fahren. Australien vertraut dir. Sehr.

    Am Straßenrand: erstaunlich viele kaputte Autos. Und noch erstaunlicher: mehr tote Kühe als lebendige Kängurus. Vermutlich hatten hier Autos und Kühe… Meinungsverschiedenheiten.
    Abschleppen? Zu teuer. Also bleibt das Auto einfach hier. Für immer. Outback-Recycling.

    Man erzählt sich, hier gäbe es wilde Kamele und wilde Pferde.
    Wir sahen:
    ✔ 1 Dingo
    ✔ 1 Känguru
    ✔ 1 lange Eidechse
    ✖ Kamele
    ✖ Pferde
    Aber gut – jede Safari hat ihre Quote.

    Etwa 100 km vor Yulara taucht plötzlich Mount Conner auf.

    Sieht aus wie Uluru. Wirklich. Vielleicht haben früher Touristen gedacht: „Ah ja, Uluru. Check.“
    Aber nein. Bei genauerem Hinsehen: anderes Modell, andere Details.
    Neben dem Berg tobten kleine Sandstürme, auf der anderen Straßenseite lag ein riesiger, fast ausgetrockneter Salzsee. Überall roter Sand. Man fühlt sich wie in einem Mad-Max-Film – nur ohne Explosionen.

    Am späten Nachmittag erreichten wir Yulara. Ein Ort, der eher ein sehr ambitionierter Parkplatz ist.
    Infrastruktur: 1 Supermarkt, 1 Tankstelle,
    ein paar Unterkünfte
    Preise: hoch. Sehr hoch. Aber verständlich – alles muss hierher geschafft werden, vermutlich einzeln per Känguru.
    Man sieht viele Aborigines, aber noch mehr Touristen mit Kameras und großen Erwartungen.

    Gegen 18 Uhr fuhren wir zum Uluru-Kata-Tjuta-Nationalpark. Parkpass vorher online kaufen (38 $ für 3 Tage pro Person), QR-Code scannen – selbst im Nirgendwo läuft digital.
    Und dann:
    BOOM. ULURU.

    Ein riesiger roter Felsen.
    Links davon: ein gigantischer Regenbogen. Unsere Reaktion: kollektives „WOW!“

    Wir fuhren einmal komplett um Uluru herum – etwa 30 Minuten. Von jeder Seite ein anderer Charakter. Dann begann der Sonnenuntergang.
    Die Farben wechselten von rotbraun → rot → orange → dunkelbraun.

    Nach dem Sonnenuntergang kam der Mond, riesig und ruhig. Absolute Stille.
    Ein Moment, bei dem selbst das Gehirn kurz aufgehört hat zu denken.

    Heute klingelte der Wecker um 5 Uhr morgens.
    Ziel: Kata Tjuta, die Schwester von Uluru – angeblich sogar noch eindrucksvoller.
    Auf dem Weg dorthin:
    Sturm. Blitze. Dunkler Himmel.
    Die Blitze schlugen gefühlt direkt vor uns ein. Es sah aus wie der Anfang eines Weltuntergangsfilms.

    Und dann – zack – alles weg. Sonnenschein. Wir erreichten eine Aussichtplattform, von der man beide sehen kann:
    Links Kata Tjuta, rechts in der Ferne Uluru.
    Leider waren die Wolken wieder Spielverderber – die Sonne kam erst viel später. Wir warteten nicht lange und fuhren weiter.

    Im Valley of the Winds gibt es eine 7,4 km Wanderung. Mitten durch rote Felsen und epische Landschaft.
    Mit dem steigenden Licht wirkten die Steine fast lebendig. Einer der Berge hat uns sogar angelächelt.

    Ein Dauerproblem: freche kleine Fliegen.
    Jetzt weiß ich, warum hier so viele Menschen mit Kopfnetzen rumlaufen wie Hobby-Imker.
    Aber ehrlich: Lieber Fliegen im Gesicht als ein schwarzes Netz vor den Augen.

    Ab 11 Uhr wird der Wanderweg gesperrt, wenn es über 36 Grad wird.
    Wir waren schlau: von 7:30 bis 9:30 Uhr unterwegs.
    Temperatur beim Zurückkommen: 33 Grad. Heiß, müde, glücklich.

    Nach dem Abendessen entschieden wir spontan: Noch einmal Uluru.
    Diesmal ohne Rundfahrt. Einfach sitzen, schauen, nichts tun.
    Manche Orte muss man nicht verstehen. Man muss sie einfach wirken lassen.