Australien – Uluru – Kata Tjuta

Von Adelaide nach Alice Springs sind wir in etwa zwei Stunden geflogen – inklusive Zeitsprung. Uhr eine Stunde zurückstellen. Willkommen im Northern Territory, wo man nicht nur geografisch, sondern auch zeitlich sein eigenes Ding macht. Ergebnis: +8,5 Stunden Zeitverschiebung zu Deutschland. Ja, halbe Stunden. Warum einfach, wenn’s auch australisch geht.

Mietwagen direkt am Flughafen abgeholt, anschließend Großeinkauf: Wasser, Essen, noch mehr Wasser und zur Sicherheit… Wasser. Im Outback ist Flüssigkeit wichtiger als Persönlichkeit.
Nach dem Hotel-Check-in ging’s spontan zu den East MacDonnell Ranges, genauer gesagt zu Emily’s Creek – ein heiliger Ort der Aborigines. Sehr ruhig. Sehr spirituell. Sehr heiß. Und absolut menschenleer.
Zwei schüchterne Kängurus, die uns angesehen haben, als hätten wir uns verlaufen.

Am nächsten Tag: Roadtrip von Alice Springs nach Yulara. Mitten ins australische Outback.
Dauer: knapp 5 Stunden.
Temperatur: 45 Grad.
Handyempfang: Nein.
Internet: Vergiss es.

Zum Glück hatte ich vorher eine Offline-Karte geladen – auch wenn man ehrlich sagen muss: Es gibt genau eine Straße. Wer sich hier verfährt, wollte es wirklich.
Alle 50 – 100 km ein Rastplatz mit Toilette und Handyempfang (gefühlt Luxusresorts), ab und zu ein Auto entgegenkommend, und stellenweise darf man tatsächlich 130 km/h fahren. Australien vertraut dir. Sehr.

Am Straßenrand: erstaunlich viele kaputte Autos. Und noch erstaunlicher: mehr tote Kühe als lebendige Kängurus. Vermutlich hatten hier Autos und Kühe… Meinungsverschiedenheiten.
Abschleppen? Zu teuer. Also bleibt das Auto einfach hier. Für immer. Outback-Recycling.

Man erzählt sich, hier gäbe es wilde Kamele und wilde Pferde.
Wir sahen:
✔ 1 Dingo
✔ 1 Känguru
✔ 1 lange Eidechse
✖ Kamele
✖ Pferde
Aber gut – jede Safari hat ihre Quote.

Etwa 100 km vor Yulara taucht plötzlich Mount Conner auf.

Sieht aus wie Uluru. Wirklich. Vielleicht haben früher Touristen gedacht: „Ah ja, Uluru. Check.“
Aber nein. Bei genauerem Hinsehen: anderes Modell, andere Details.
Neben dem Berg tobten kleine Sandstürme, auf der anderen Straßenseite lag ein riesiger, fast ausgetrockneter Salzsee. Überall roter Sand. Man fühlt sich wie in einem Mad-Max-Film – nur ohne Explosionen.

Am späten Nachmittag erreichten wir Yulara. Ein Ort, der eher ein sehr ambitionierter Parkplatz ist.
Infrastruktur: 1 Supermarkt, 1 Tankstelle,
ein paar Unterkünfte
Preise: hoch. Sehr hoch. Aber verständlich – alles muss hierher geschafft werden, vermutlich einzeln per Känguru.
Man sieht viele Aborigines, aber noch mehr Touristen mit Kameras und großen Erwartungen.

Gegen 18 Uhr fuhren wir zum Uluru-Kata-Tjuta-Nationalpark. Parkpass vorher online kaufen (38 $ für 3 Tage pro Person), QR-Code scannen – selbst im Nirgendwo läuft digital.
Und dann:
BOOM. ULURU.

Ein riesiger roter Felsen.
Links davon: ein gigantischer Regenbogen. Unsere Reaktion: kollektives „WOW!“

Wir fuhren einmal komplett um Uluru herum – etwa 30 Minuten. Von jeder Seite ein anderer Charakter. Dann begann der Sonnenuntergang.
Die Farben wechselten von rotbraun → rot → orange → dunkelbraun.

Nach dem Sonnenuntergang kam der Mond, riesig und ruhig. Absolute Stille.
Ein Moment, bei dem selbst das Gehirn kurz aufgehört hat zu denken.

Heute klingelte der Wecker um 5 Uhr morgens.
Ziel: Kata Tjuta, die Schwester von Uluru – angeblich sogar noch eindrucksvoller.
Auf dem Weg dorthin:
Sturm. Blitze. Dunkler Himmel.
Die Blitze schlugen gefühlt direkt vor uns ein. Es sah aus wie der Anfang eines Weltuntergangsfilms.

Und dann – zack – alles weg. Sonnenschein. Wir erreichten eine Aussichtplattform, von der man beide sehen kann:
Links Kata Tjuta, rechts in der Ferne Uluru.
Leider waren die Wolken wieder Spielverderber – die Sonne kam erst viel später. Wir warteten nicht lange und fuhren weiter.

Im Valley of the Winds gibt es eine 7,4 km Wanderung. Mitten durch rote Felsen und epische Landschaft.
Mit dem steigenden Licht wirkten die Steine fast lebendig. Einer der Berge hat uns sogar angelächelt.

Ein Dauerproblem: freche kleine Fliegen.
Jetzt weiß ich, warum hier so viele Menschen mit Kopfnetzen rumlaufen wie Hobby-Imker.
Aber ehrlich: Lieber Fliegen im Gesicht als ein schwarzes Netz vor den Augen.

Ab 11 Uhr wird der Wanderweg gesperrt, wenn es über 36 Grad wird.
Wir waren schlau: von 7:30 bis 9:30 Uhr unterwegs.
Temperatur beim Zurückkommen: 33 Grad. Heiß, müde, glücklich.

Nach dem Abendessen entschieden wir spontan: Noch einmal Uluru.
Diesmal ohne Rundfahrt. Einfach sitzen, schauen, nichts tun.
Manche Orte muss man nicht verstehen. Man muss sie einfach wirken lassen.

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