Victoria hat uns mit extremen Temperaturschwankungen begrüßt. Als wir von NSW ankamen, waren es noch über 30 Grad, später sogar 40 Grad auf dem Koala Trail. Und dann: gestern Nacht in Tarra Valley ganze 8 Grad! Ich habe im Wohnmobil mit zwei Decken geschlafen – Luxus-Camping auf australisch ❄️😅
Heute stand eine sehr wichtige Aufgabe auf dem Programm: der Besuch eines Public Dump Points. Zum Glück gibt es eine Camping-App mit genauen Standorten, Bewertungen und echten Camper-Erfahrungen – Gold wert! Hier darf man Abwasser und Chemie-Toiletten entleeren. Nur hier. Nirgendwo sonst! Sonst: Umweltverschmutzung + saftige Strafen. Anders als in Deutschland gibt es hier einfach ein Loch mit blauem Deckel und einen Wasserhahn daneben. Klingt simpel – ist es auch. Fast.
🧻 Dump Point – Anleitung für Dummies
Step 1: Chemie für die Toilette im Fachhandel kaufen. Gummihandschuhe nicht vergessen!
Step 2: Wohnmobil gut einparken – möglichst nah am Dump Point.
Step 3: Abwasserschlauch anschließen und Grauwasser ablassen.
Step 4: Camping-Toilette ausbauen und entleeren.👉 Achtung: Deckel dürfen NICHT ins Loch fallen! Danach gut spülen und mit Wasser + Chemikalien neu befüllen.
Step 5: Alles sauber nachspülen, Hände gründlich waschen und desinfizieren.
⚠️ WICHTIG: Der Wasserhahn daneben ist NICHT für Trinkwasser oder den Wassertank!
Das Ganze hat Michael hervorragend erledigt – ich stand daneben, habe zugeschaut und für euch mitgeschrieben 😜
Nach dieser heldenhaften Tat ging es glücklich und erleichtert weiter Richtung Westen. Erstes Highlight: wilde Stingrays! Hier schwimmen Rochen im seichten Wasser direkt am Strand – und lassen sich sogar von Menschen berühren. Sie kommen immer wieder zurück, als hätten beide Seiten Spaß an der Begegnung. Eine unglaublich friedliche und schöne Szene. Leider war es für mich zu windig und zu kalt, also habe ich nur vom Steg aus zugeschaut. Ins Wasser? Nein danke. Brrrr… 🥶
Zweite Attraktion: Flat Rocks – Dinosaur Dreaming Fossil Site. Vom Parkplatz geht man hinunter und steht plötzlich vor bizarren Felsformationen. Hier wurden tatsächlich Dinosaurierfossilien gefunden! Auf den flachen Steinen sieht man überall Spuren – sie wirken, als wären Dinosaurier… oder doch Aliens? 👽🦕 Viele Familien mit Kindern waren dort, alle auf Spurensuche. Man braucht dafür nur ein bisschen Fantasie.
Kurz danach kommt schon Eagle’s Nest. Von oben sieht es aus wie eine einsame Felsbrücke im Meer. Von unten – aus einem anderen Winkel – sieht es plötzlich aus wie ein Adler mit ausgebreiteten Flügeln, der gerade auf seinem Nest landet. Genauso wie der Horse Head Rock, den wir vor ein paar Tagen gesehen haben. Man muss manchmal einfach die Position wechseln, um Dinge anders zu sehen.🤔 Wow… das klingt jetzt fast philosophisch. Ein bisschen wie Konfuzius im Campervan.
Gestern haben wir einen wunderschönen großen Campingplatz am Cann River entdeckt (rainforest campground)– fast schon verdächtig luxuriös 😄. Mit Toilette, Dusche, Wasser, Mülleimern, Dump Point und Waschraum. Einige Stellplätze hatten sogar Stromanschluss – und das alles kostenlos! Wir fühlten uns kurz wie im Fünf-Sterne-Hotel für Camper. Kaum hatten wir ausgepackt und Tisch sowie Stühle aufgebaut, kam der erste Willkommensbesuch: eine riesige Spinne krabbelt seelenruhig auf unseren Camper herum. Zwar ungiftig, aber ihr Biss soll sehr schmerzhaft sein – na danke für die Info 😅. Aus den Bäumen hörten wir später seltsame Geräusche, fast wie Affenrufe. Nach kurzer hoch schauen kamen wir zu dem Schluss: Es waren wohl doch nur sehr spezielle Vögel und keine australischen Dschungelaffen, oder? Bei über 43 Grad Außentemperatur retteten wir uns in den Fluss Cann River– besser als jede Klimaanlage!
Doch Australien wäre nicht Australien ohne Drama zum Abschluss: Spät abends zog ein Blitz- und Windsturm auf. Mitten in der Nacht musste Michael mit Stirnlampe ausrücken, um die Markise einzufahren, die bereits Richtung Himmel starten wollte. Abenteuerlevel: eindeutig erhöht 🌩️🕷️⛺
Heute wollen wir zur Raymond Island fahren, um den besonderen Koala Trail zu erkunden. Wir haben uns vor einiger Zeit bewusst gegen Zoos entschieden. Gefangene Tiere möchten wir nicht anschauen. Tiere wollen wir nur in der Natur begegnen – frei, lebendig, unberührt und in ihrem eigenen Lebensraum. Auf dem Weg dorthin sehen wir mehrere tote gefahrenen Wombats am Straßenrand – ein trauriger Anblick. In der Nähe der Paynesville Ferry finden wir einen Parkplatz und setzen mit der Fähre über. Für Fußgänger ist die Überfahrt kostenlos – ein kleines, aber feines Detail. Kaum angekommen, schlägt uns die Hitze entgegen: 45 Grad, gefühlt wie 60 Grad in einer Sauna! Die Insel lässt sich auf eigene Faust erkunden – eine etwa 2 Kilometer lange Wanderung, ganz ohne Guide oder Ranger. Koalas muss man selbst entdecken. Das bedeutet: jeden einzelnen Baum ganz genau anschauen. Und dann passiert es schon: Kaum steigen wir von der Fähre, sehe ich den ersten Koala! 🐨 Nur etwa zwei Meter über mir sitzt er gemütlich auf einem Baum. Ganz entspannt, völlig unbeeindruckt. Wir bleiben unten, fotografieren leise, und der Koala schaut mich an, als würde er denken:„Mhm … schon wieder eine Touristin? Wie langweilig.“ 😄Ich bin sofort fasziniert – und trotz der Hitze hochmotiviert, noch mehr dieser süßen Beutelbären zu finden. Doch so einfach ist das gar nicht. Koalas sind extrem gut getarnt: Ihr Fell hat fast exakt die gleiche Farbe wie die Baumstämme – nur eben viel kuscheliger. Wir laufen langsam, schauen Baum für Baum nach oben. Mein Hals knackt inzwischen verdächtig, mir wird fast schwindelig, und ich frage mich ernsthaft: Wie halten die das mit diesem dicken Fell bei dieser Hitze aus?! Aber der Ehrgeiz zahlt sich aus. Nach etwa einer Stunde gemütlichem Spaziergang in der brütenden Sonne haben wir tatsächlich insgesamt neun Koalas entdeckt! Jeder einzelne ist anders – und jeder unfassbar knuddelig süß. Jetzt brauche ich allerdings dringend Wasser. Sonst fällt die Touristin hier noch gleich vor dem nächsten Koala um! Das wäre dann doch etwas zu aufregend für die süßen Koalas. 🐨💦
Camper, Kängurus und Tiefkühlpizza – unser Start ins australische Abenteuer 🦘🚐
Vorgestern haben wir unseren Camper in Sydney abgeholt. Eigentlich. Also ursprünglich. In einem idealen Paralleluniversum. Geplant war ein kleiner, handlicher Sprinter mit Dusche und Toilette. Bekommen haben wir stattdessen Luxus pur auf 7,7 Meter – inklusive allem, außer Wendigkeit. Der „Kleine“ war Anfang Dezember 2025 leider nicht mehr verfügbar. Warum wir so spät gebucht haben? Weil wir auf dieser Reise „flexibel bleiben“ wollten. Was wir dabei nicht bedacht hatten: Sommerferien in Australien. Bis Ende Januar. Ergebnis: halb Australien auf Achse – und die andere Hälfte offenbar schon ausgebucht.
Bei der Übergabe dann das volle Programm: Original-Führerschein, internationaler Führerschein, Englische Übersetzung des deutschen Führerscheins (falls jemand die Übersetzung der Übersetzung braucht) und natürlich die Kreditkarte für die Kaution. Danach eine kurze Einweisung, ein paar Fotos für die Versicherung – und los ging es.
Drei Wochen Camperleben entlang der Ostküste: erst nach Melbourne, dann weiter nach Adelaide. Abenteuer Linksverkehr, Steuer rechts inklusive.
Die ersten Meter fühlten sich an, als hätte jemand die Welt gespiegelt. Der erste Kreisverkehr war… sagen wir: intensiv. Aber erstaunlich schnell wurde das Ganze fast selbstverständlich. Also erst mal zum Supermarkt, Vorräte auffüllen. Ziel für den ersten Tag: 190 km. Problem Nummer eins meldete sich prompt: Ferienzeit. Nicht nur Camper waren rar, sondern auch Stellplätze. Trotz drei Apps – von „Luxus mit Pool“ bis „kostenlos auf einer Farm neben Kühen“ – war die Auswahl überschaubar. Alle Plätze mit Strom: ausgebucht. Also Plan B:Rest Area oder kostenlose Stellplatz ohne Strom. „Bordstrom und Wasser reichen 2–3 Tage“, hieß es. Vertrauen ist gut.
Bevor es ernst wurde, noch ein Highlight: Stanwell Tops Lookout. Eine Klippe mit atemberaubendem Blick auf die Küste, unsere ersten Papageien in freier Wildbahn und gefühlt ganz Australien beim Paragliden. Die starteten im Minutentakt – offenbar war das hier der Flughafen der Lüfte. Weiter an der Küste entlang über die Sea Cliff Bridge, die aussieht, als wäre sie direkt aus einem Hollywood-Blockbuster gefallen – Klippen, Meer, Drama. Mit Einbruch der Dunkelheit setzte Regen ein, wir fuhren die letzten Kilometer und erreichten unseren ersten Rastplatz nahe der Schnellstraße. Erste Nacht im Camper: geschafft.
Am nächsten Morgen: kühl, aber glücklich. Erstes Camper-Frühstück. Dann Planung für den nächsten Abschnitt: Booderee National Park bei Jervis Bay. Eintritt: 20 Dollar. Spoiler: Es hat sich gelohnt. Erster Stop: Murrays Beach. Türkises Wasser, weißer Sand, kaum Wellen – Postkartenalarm. Leider auch viele Einheimische, denn: Ferienzeit mit Kindern. Trotzdem fanden wir einen schattigen Platz und gingen schwimmen. Nach 1,5 Stunden Strand ging es weiter.
Nächster Spot: Cave Beach. Neben dem Parkplatz unsere ersten lebendigen australischen Wahrzeichen: Kängurus. Warum „lebendig“? Weil wir in den ersten zwei Tagen entlang der Straße gefühlt täglich 15 tote Kängurus und vereinzelt Schlangen gesehen haben. Diese hier aber waren quicklebendig, zutraulich – man konnte sie sogar streicheln. Ein echtes Highlight.
Danach wollten wir zu unserem nächsten Übernachtungsplatz – einem Rastplatz mitten im Wald. Google Maps hatte allerdings andere Pläne und schickte uns mit unserem Riesen-Camper erst mal direkt in den Dschungel. Anfangs war der Weg noch drei Meter breit, dann schlammig, dann… Ende. Also 50 Meter rückwärts, wenden auf einer Lichtung und zurück zur Hauptstraße. Wir waren nicht allein: Uns kamen einige andere Camper entgegen – mit dem gleichen „Google hat uns verraten“-Blick. Ohne Navigation, nur nach Straßenschildern, fanden wir schließlich den versprochenen Stellplatz. Schon einige Camper standen dort, alle kreativ zwischen den Bäumen verteilt. Wir suchten uns eine halbwegs gerade Fläche und parkten unser rollendes Zuhause. Zweite Nacht im Camper.
Heute ging es weiter über Narooma nach Marimbula. In Narooma besuchten wir den Bar Rock Lookout mit Blick auf Klippen und einen dieser Strände, von denen Australien offenbar zu viele hat 😉. Unten die berühmte Felsformation Australia Rock – ein perfekter Fotospot. Direkt daneben: Robben, die sich sonnten oder im Wasser spielten. Jeden Tag neue Überraschungen!
Weiter zu Wallaga Lake mit Camel Rock, Horse Head Rock und Dragon Tail Rock. Und ja – mit etwas Fantasie machten sie ihren Namen alle Ehre. Das Kamel sah wirklich wie ein Kamel aus, das Pferd zeigte sich erst von der Seite, und beim Drachen konnte man den Schwanz aus dem Meer ragen sehen. Fantasie ausdrücklich erwünscht.
Nächster Stop: Bermagui Blue Pool. Ein natürlicher Felsenpool direkt am Meer, der sich bei Sturm oder Flut selbständig mit frischem Salzwasser füllt. Der Mensch hat hier – ganz dezent natürlich – etwas nachgeholfen: eine kleine Mauer, damit das Wasser tiefer bleibt, plus ein separater Kinderpool. Quasi Natur pur, aber mit Upgrade. Das Wasser war herrlich warm, die Kulisse schlicht atemberaubend. Während draußen der Ozean toste, lagen wir im Pool und fühlten uns wie in einem Infinity-Pool mit Meerblick – nur ohne Hotelrechnung. Es war einer dieser Orte, an denen man sich fragt, warum man eigentlich jemals in ein Schwimmbad mit Fliesen gegangen ist. Eigentlich wollten wir gar nicht mehr raus aus dem Wasser. Wirklich nicht. Aber wir hatten ja noch ein anderes Ziel für den Tag. Also schweren Herzens raus aus dem Pool, einmal schütteln wie ein nasser Hund, und weiter ging das Abenteuer entlang der Küste.
Am späten Nachmittag erreichten wir Marimbula. Nach dem Tanken und einem Besuch im Campingladen (Chemietoiletten-Zubehör – Romantik pur) suchten wir ein Restaurant. Ergebnis: Fehlanzeige. Viele Restaurants geschlossen. Um 17 Uhr. Eine Pizzeria hatte geöffnet – aber keine Pizza mehr. Nur Kebap. Katastrophe. Also Tiefkühlpizza aus dem Supermarkt. Auf dem Stellplatz auf einer Schaffarm angekommen, Strom anschließen – leichter gesagt als getan. Nach einigem Hin und Her funktionierte es. Dann der Backofen. Oder besser: das, was er zu sein vorgab. Die Flamme wollte nicht, die Hitze war ungleichmäßig, die Pizza halb verbrannt, halb roh. Also Notlösung: Mikrowelle. Das Ergebnis war… essbar. Irgendwie. Mit italienischer Pizza hatte es etwa so viel zu tun wie Wasser mit Schnaps. Aber wir waren satt – und beschlossen einstimmig: Backofen- und Tiefkühlpizzadramen werden in Zukunft vermieden. Das Abenteuer hat gerade erst begonnen.
Vorgestern haben wir uns spontan entschieden, zu Fuß über die Harbour Bridge zu laufen. Wenn man schon einmal in Sydney ist, sollte man diese berühmte Brücke mindestens einmal selbst überqueren – am besten mit festem Schritt und vielen Fotos im Handy-Speicher.
Auf dem Weg dorthin haben wir noch das ANZAC Memorial besucht. Ein beeindruckendes Museum aus rosafarbenem Granit, mit unterirdischen Galerien und Ausstellungsräumen über den Ersten und Zweiten Weltkrieg und die gefallenen Soldaten. Der Eintritt ist kostenlos, und das Gebäude ist viel größer, als es auf den ersten Blick aussieht – ein bisschen wie ein kultureller Überraschungsei. Sehr modern, ruhig und würdevoll gestaltet.
Irgendwann standen wir dann wirklich auf der Harbour Bridge. Wow. Der Blick war einfach spektakulär: die Stadt aus einem ganz neuen Winkel, das Sydney Opera House strahlend weiß, der Himmel knallblau, das Meer ebenfalls blau – alles zusammen sah aus wie ein perfekt gemaltes Postkartenmotiv. Uns fehlte eigentlich nur noch ein Bilderrahmen.
Besonders lustig: Über uns kletterten Menschen mit Helmen und Sicherheitsgurten ganz oben auf der Brücke herum. Von unten sahen sie aus wie kleine Ameisen, die brav am Metallgerüst entlangkrabbeln. Ich habe kurz überlegt mitzumachen, aber meine innere Höhenangst-Ameise hat sofort Nein gesagt. Trotzdem: aufregend sieht es definitiv aus!
Abends haben wir einen Spaziergang im Darling Harbour gemacht. Dort gibt es eine alte drehbare Brücke, die sich von Westen nach Osten über den Hafen bewegt – und man kann sogar darüber laufen. Technik trifft Romantik, mit Lichtern, Wasser und entspannter Abendstimmung.
Gestern haben wir einen ganzen Tag am Bondi Beach verbracht. Von unserem Hotel in Burwood dauert die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln etwa eine Stunde – erstaunlich unkompliziert. Bondi ist wirklich ein sehr cooler Strand: Sonne, Surfer, Jogger, braungebrannte Australier und Menschen, die aussehen, als kämen sie direkt aus einer Fitness-Werbung. Wir haben mehr zugeschaut als gebadet und uns gefragt, warum Surfbretter immer dann kommen, wenn man sie gerade nicht braucht. Der Swimming Pool an der Bondi Beach in Sydney, bekannt als der Bondi Icebergs Pool, ist ein echtes Highlight. Direkt am Meer gelegen, bietet er einen atemberaubenden Blick auf den Ozean und die vorbeiziehenden Wellen. Eintrittkostet 10$. Das Schwimmen im salzigen Meerwasser, während die Wellen gegen den Beckenrand schlagen, ist wirklich ein besonderes Erlebnis.
Heute besuchen wir das Maritime Museum. Schiffe, Meer, Geschichte – thematisch bleiben wir also treu. Die riesigen Schiffe direkt am Hafen sind echt beeindruckend, und plötzlich steht man mitten auf einem Kriegsschiff oder in einem U-Boot und fragt sich, wie da früher so viele Menschen reinpassen konnten. Insgesamt ein entspannter, lehrreicher Besuch mit vielen „Wow“-Momenten und definitiv mehr Spaß, als ich erwartet hatte. ⚓😄