Australien – Kangaroo Island

Heute ging es auf einen Ausflug nach Kangaroo Island – der drittgrößten Insel Australiens (nach Tasmanien und Melville Island). Rund 4.500 Menschen nennen sie ihr Zuhause. Die Insel liegt ca.112 km südwestlich von Adelaide und fühlt sich trotzdem wie eine ganz andere Welt an.

Ein kleiner (aber spannender) Exkurs zur Geschichte der Insel: Archäologische Funde deuten darauf hin, dass Kangaroo Island bereits vor rund 11.000 Jahren von Ureinwohnern bewohnt war – die sich dann um etwa 200 v. Chr. offenbar dachten: „War nett hier, aber wir ziehen weiter.“

Fast 2.000 Jahre später, im Jahr 1802, stolperte der britische Seefahrer Matthew Flinders über die Insel. Da er in Australien bis heute eine ziemlich große Nummer ist, durfte er sie auch gleich benennen – und so bekam sie den Namen Kangaroo Island (Marketing konnte er). Kurz darauf trafen die britischen Entdecker/Eroberer auf hoher See auf ein französisches Schiff unter dem Kommando von Nicolas Baudin. Die Kapitäne plauschten nicht nur über Wind und Wetter, sondern auch über diese große, interessante Insel. Ein Jahr später schaute Baudin dann selbst vorbei. Das Ergebnis dieses höflichen europäischen Smalltalks: Bis heute tragen viele Orte und Straßen auf der Insel französische Namen. Diese überlebten sowohl die britische Besatzung als auch die spätere Unabhängigkeit Australiens – ein historisches Souvenir sozusagen 🇫🇷🇦🇺

Die Anreise: Vom Stadtzentrum Adelaide aus dauert die Busfahrt etwa 1 Stunde und 45 Minuten bis Cape Jervis. Von dort geht es mit der Fähre weiter nach Penneshaw, dem nordöstlichen Hafen von Kangaroo Island – nochmal etwa 45 Minuten über das Meer. Wer mit dem eigenen Auto übersetzen möchte, sollte sehr früh buchen und das Budget lieber etwas großzügiger planen. Aber wir wären ja nicht wir, wenn wir nicht spontan unterwegs wären 🙃. Ergebnis: keine Fährtickets mehr. Zum Glück haben wir noch ein Rundum-sorglos-Tagespaket bekommen: Bus + Fähre + lokaler Reiseführerin (die gleichzeitig unsere Busfahrerin war – Multitalent!) und sogar Mittagessen inklusive. Alles zusammen: ein 16-Stunden-Abenteuer.🦭

Erstes Highlight: Seal Bay

Windig, raues Meer, echte Natur pur. Die Temperatur lag offiziell bei 22 Grad, gefühlt aber eher bei 10 – der Wind hatte eindeutig andere Pläne. Begleitet von einem Ranger dürften wir den Seelöwen (ja, die mit der coolen Frisur) am Strand ganz nah kommen – etwa 10 Meter Abstand. Ihr Fell ist unglaublich dicht: rund 15.000 Haare pro Quadratzentimeter! Luxus pur. Die männlichen Seelöwen: dunkel, riesig, dominant – echte Machos der Meere. Die Weibchen: heller im Fell, kleiner, elegant – eine von ihnen stillte gerade ihr Baby. Und wie bei uns Menschen gibt es natürlich auch Teenager: halbstark, verspielt, ständig am Raufen.

Wir mussten als Gruppe eng zusammenbleiben und uns sehr leise verhalten, denn viele Seelöwen waren nach ihren Ausflügen ins Meer völlig erschöpft und hielten ein Nickerchen.

Ein besonders bewegender Moment: Eine Seelöwen-Mama kam gerade aus dem Meer zurück und rief laut. Ihr Baby wackelte so schnell es konnte zu ihr hin – und dann diese Begrüßung! Ich konnte die Freude fast physisch spüren. Gänsehaut.

Nach 45 Minuten war die Führung vorbei, und genauso leise wie wir gekommen waren, mussten wir auch wieder gehen. Bye bye, liebe Robben 🦭

🍴 Mittagessen: Klassisch australisch: Fish & Chips, Salat und Apfelkuchen. Einfach, ehrlich, gut – genau das Richtige nach so viel frischer Seeluft.

🪨 Zweites Highlight: Remarkable Rocks & Admirals Arch

Mit vollem Magen ging es anschließend über die „Cape du Couedic Road“ weiter in den Flinders Chase National Park. Aufgrund ihres ausgesprochen kurvigen Verlaufs trägt sie auch den vielsagenden Spitznamen „Drunken Road“. Laut unserer Reiseführerin ist bis heute nicht ganz geklärt, ob die Bauarbeiter damals tatsächlich betrunken waren – oder ob sie schlicht nach dem Motto „Bezahlung pro Kilometer? Dann machen wir eben ein paar Schleifen mehr“ gearbeitet haben. In jedem Fall ist die Straße ein Erlebnis… besonders für den Magen 🍻😄.

Im National Park angekommen, erwarteten uns die berühmten Remarkable Rocks: riesige, kunstvoll geformte Felsen, als hätte ein Künstler mit sehr viel Geduld und Wind gearbeitet. Dazwischen wir Menschen – wie kleine Dekofiguren.

Nur 6 Kilometer weiter liegt der Admirals Arch: eine beeindruckende Naturhöhle direkt an der wilden Steinküste. Laut, kraftvoll, majestätisch – Naturkino vom Feinsten.

🦘 Letztes Highlight: Wildlife Park

Nach den verheerenden Buschbränden 2019 – dem Black Summer – verlor Kangaroo Island unendlich viel. Tiere wurden verletzt, Lebensräume zerstört. In diesem Wildlife Park fanden viele von ihnen Schutz, Pflege und eine zweite Chance.


Wir dürften kleine Kängurus mit gemischtem Trockenfutter selbst füttern.
Eines hielt meine Hand mit beiden Vorderpfoten fest, ganz vertrauensvoll, ganz nah. Seine feuchten, weichen Lippen kitzelten meine Handfläche.
Ein anderes bei Michael war so gierig, dass es zu viel auf einmal fraß, kurz würgte und wieder etwas ausspuckte – wie ein kleines Kind, das noch lernen muss. Ich musste lachen.

Auch die Koalas dürften wir ganz sanft am Rücken streicheln. Sie waren ruhig, neugierig, sahen uns lange an – als wollten sie verstehen, wer wir sind. Ihr Fell fühlte sich dick, warm und unglaublich weich an.

Es gab auch Albino-Kängurus, Emus und viele andere Tiere. Wunderschön – und doch hinter Zäunen. Unweigerlich kam der Gedanke: Wenn wir Menschen der Erde mehr Raum lassen würden, müssten diese Tiere vielleicht nicht hier leben.


Auf den Straßen von Kangaroo Island sahen wir deutlich mehr überfahrene Kängurus am Straßenrand als lebendige auf den weiten Wiesen. Ein Anblick, der sich still ins Herz schleicht. Dort, wo eigentlich Sprünge, Bewegung und Freiheit sein sollten, lag nur noch Stille.

Nach dem Black Summer haben viele Tiere ihren Lebensraum verloren. Wälder, Rückzugsorte, Schutz – alles verbrannt oder verschwunden. Die Tiere mussten ausweichen, näher an Straßen, näher an uns Menschen. Und wir? Wir fahren weiter. Schnell, routiniert, oft gedankenlos.
Diese Straßen schneiden heute durch Gebiete, die früher Heimat waren.
Im Wildlife Park füttern wir gerettete Kängurus, streicheln Koalas, bewundern ihre Sanftheit. Nur wenige Kilometer weiter sterben andere – ungesehen, namenlos.
Dieser Gegensatz tat weh. Er machte dankbar für jede Rettung, aber auch traurig über all das, was wir nicht mehr rückgängig machen können.

Kangaroo Island hat mich nicht laut beeindruckt, sondern leise berührt. Weil Schönheit und Verlust hier so nah beieinanderliegen.
Und weil uns die Insel leise daran erinnert, dass wir Gäste sind – nicht Besitzer. Und genau das sind die Erlebnisse, die man nie vergisst. 🌿

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