07.06.2026 – Da sich die Situation in Bolivien leider überhaupt nicht verbessert hat, bleiben weiterhin sämtliche Straßen gesperrt. Unsere Weiterreise von Potosí nach Sucre können wir damit komplett vergessen. An La Paz ist erst recht nicht zu denken. Da es in Potosí wegen der Höhenlage keinen Flugverkehr gibt, blieb uns nichts anderes übrig, als am 05.06. wieder mit dem Bus von Potosí zurück nach Uyuni zu fahren.
In Uyuni haben wir uns dann noch zwei Ruhetage gegönnt, damit ich mich von meiner Erkältung erholen kann. Hier liegt man nicht ganz so hoch wie in Potosí und es ist sogar etwas wärmer – also nur noch zwischen 12 und -6 Grad. Fast schon Badeurlaub. Als wir dann Flugtickets von Uyuni nach Cusco kaufen wollten, gab es plötzlich auch keine mehr. Ob der Flughafen Uyuni ebenfalls vom Stillstand betroffen ist oder ob einfach alles ausgebucht ist, weil Flugzeuge momentan das einzige sichere Verkehrsmittel sind, konnten wir leider nicht herausfinden. Die nächsten verfügbaren Tickets gibt es erst ab dem 11.06. Noch drei weitere Nächte in Uyuni wollten wir aber nicht bleiben. Also ist die beste Alternative für uns momentan, am 08.06. mit dem Bus zurück nach Calama in Chile zu fahren und von dort nach Peru zu fliegen. Das ist sogar deutlich günstiger.
Heute, am Sonntag, sind wir nach dem Frühstück zum Busbahnhof gelaufen. In der Stadt fand wieder der Markt statt. Im Vergleich zu letzter Woche war er allerdings deutlich kleiner – vielleicht noch ein Drittel der Größe von dem, was wir zuvor gesehen hatten. Kein Wunder: Wenn Lebensmittel und Benzin immer knapper werden, womit sollen die Leute überhaupt noch hierher kommen und ihre Waren verkaufen?



Auch die meisten Restaurants waren geschlossen. Die ein oder zwei geöffneten Lokale hatten nur ein sehr eingeschränktes Angebot. Mir tun die Einheimischen wirklich leid. Für uns Reisende ist die Situation natürlich ebenfalls unangenehm, aber wir können irgendwann weiterziehen – die Menschen hier müssen bleiben. Wir liefen wieder durch die Marktstände, diesmal allerdings ohne Begleitung von Bruno. Hoffentlich geht es ihm gut. Warum sehen wir ihn nicht mehr? Ist er krank geworden? Oder am Ende sogar verhungert?
Am Busbahnhof haben wir ihn schließlich wieder gesehen! Allerdings lag er auf dem Boden und schlief tief und fest. Michael hat ihn sogar leicht angestupst, aber Bruno rührte sich nicht. Wir beschlossen, morgen noch einmal nach ihm zu schauen.

Danach kauften wir unsere Bustickets bei einem Anbieter namens „Buses Fronteras“. Angeblich eine etablierte Firma mit halbliegenden Sitzen und Toilette an Bord. Das bestätigte uns zumindest die Verkäuferin. Preis: 200 Bolivianos pro Person.
Ich dachte: Endlich keine Sorgen mehr wegen der Toilette.
Spoiler: Das dachte ich nur.
Auf dem Rückweg liefen wir erneut durch die Stadt. Auf einem Platz fand offenbar gerade eine Versammlung statt. Viele Frauen in traditioneller Kleidung sangen und tanzten im Kreis. Auf einer Bühne standen Musiker und eine Sängerin.

Wir blieben neugierig stehen und schauten eine Weile zu. Plötzlich kam eine ältere Dame in traditioneller Kleidung auf uns zu. Zuerst drückte sie uns zwei Zettel in die Hand. Irgendetwas mit „Iglesia“, also Kirche. Vermutlich eine Art Gottesdienst oder religiöse Feier.
Dann hakte sie sich links und rechts bei uns unter und zog uns kurzerhand in den Tanzkreis. Die Leute schienen begeistert zu sein, dass die beiden Aliens – äh, Ausländer – mitfeierten. Sofort wurde die Stimmung noch ausgelassener. Es wurde lauter gesungen, mehr getanzt und einige machten sogar Videos von uns.
Ich fand das herrlich und machte einfach mit. Wie schlimm kann ein bisschen Singen und Tanzen schon sein?
Für Michael zitierte zwischendurch immer spaßeshalber die Warnungen des Auswärtigen Amtes 😀. Zwischen Gesang und Musik hörte ich immer wieder Sätze wie:„Wir sollten uns von Menschenansammlungen und Demonstrationen fernhalten!“
oder„Jetzt landen wir auf YouTube!“
oder sogar„Wir werden bestimmt bald verhaftet!“
Die Oma zwischen uns war dagegen überglücklich. Sie sang lautstark, tanzte voller Energie und schien den Tag ihres Lebens zu haben. Nach etwa fünf Minuten war der Tanz vorbei. Wir bedankten uns herzlich und gingen weiter.
08.06.2026 – Heute hieß es wieder: Aufstehen um 4:30 Uhr. Wir sollten um 5:30 Uhr am Busbahnhof sein, denn die Abfahrt war für 6:00 Uhr geplant.
Als wir dort ankamen, sahen wir Bruno wieder! Und diesmal nicht allein, sondern mit zwei weiteren Hundefreunden – lebendig, gesund und bester Laune.
Er erkannte uns sofort wieder. Seine Freude war so groß, dass er wie verrückt herumsprang und mit dem Schwanz wedelte. Erst da fiel mir wieder auf, wie riesig er eigentlich ist. Als er sich aufrichtete, war sein Kopf fast auf meiner Höhe und er hätte mir beinahe das Gesicht abgeschleckt! Ich bekam kurz Panik und drehte mich lieber weg.
Daraufhin sprang er zu Michael, der ihm den Kopf kraulte. Die beiden anderen Hunde ließen sich von Brunos Begeisterung anstecken und wuselten fröhlich um Michaels Beine herum. Das sah wirklich lustig aus.
Wir waren jedenfalls sehr erleichtert, dass es Bruno gut geht. Leider rückte irgendwann der Abschied näher.

Wir mussten zum Busunternehmen, um noch ein Formular für die Ausreise aus Bolivien auszufüllen. Dort erhielten wir dann die erste Überraschung des Tages: Heute würden wir mit einem kleinen Van fahren.
Nichts mit halbliegenden Sitzen.
Nichts mit Toilette. Natürlich nicht.
Der Fahrer lud zunächst das gesamte große Gepäck aufs Dach. Danach tauchten immer mehr Passagiere auf. Mittlerweile war es schon 6:20 Uhr. Von den 16 Sitzplätzen waren bereits 14 belegt. Dann kamen plötzlich noch fünf Erwachsene und drei Kinder dazu.
Michael meinte sofort:„Das kann doch gar nicht funktionieren!“
Ich dachte kurz, vielleicht würden sie jetzt doch einen größeren Bus organisieren.
Von wegen.
Irgendwann holte der Fahrer einfach zwei kleine Hocker hervor. Eine Frau setzte sich neben den Fahrer, ihr Mann zwischen sie und die Tür. Beide hielten jeweils ein kleines Mädchen auf dem Arm. Ein weiterer Mann stand im Gang. Problem gelöst. Zumindest nach bolivianischer Definition.

Kurz nach 6:30 Uhr setzte sich der völlig überfüllte Van mit Verspätung in Bewegung. Bis zur Grenze dauerte die Fahrt fast vier Stunden.



An der bolivianischen Grenzkontrolle folgte dann die Pass- und Gepäckkontrolle. Wobei „Kontrolle“ vielleicht etwas übertrieben ist. Es wirkte eher wie eine feierliche Zeremonie des Koffer-Anschauens. Der Scanner funktionierte jedenfalls nicht.
Michael meinte trocken:„Was soll man eigentlich aus Bolivien herausschmuggeln? Es gibt ja sowieso fast nichts mehr.“
Anschließend mussten wir das Fahrzeug wechseln. Auf der Übergangsbereich zwischen zwei Länder wartete bereits ein chilenischer Van mit etwa 18 Sitzplätzen auf uns. Da der Passagier, der zuvor die ganze Strecke im Gang gestanden hatte, schon vor der Grenze ausgestiegen war, bekam nun immerhin jeder Erwachsene einen eigenen Sitzplatz.
Danach folgte die Pass- und Gepäckkontrolle auf chilenischer Seite. Rund eine halbe Stunde später waren wir wieder in Chile.
Gegen 16:00 Uhr erreichten wir schließlich Calama. Seit unserem Eintreffen am Busbahnhof in Uyuni waren inzwischen mehr als 10,5 Stunden vergangen.Ich war ziemlich müde.
Morgen geht es weiter nach Cusco in Peru. Ein neues Land, neue Eindrücke und bestimmt auch neue Abenteuer warten bereits auf uns.







































































































