Bolivien – 4×4 Jeep Tour nach Uyuni 🇧🇴

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28.05.2026 – Von Grenzschlangen, bunten Lagunen und frostigen Nächten

Heute hieß es: Aufstehen um 4 Uhr. Nicht etwa, weil wir besonders motiviert waren, sondern weil die Tour nach Uyuni auf dem Programm stand. Kurz vor 5 Uhr wurden wir von einem Shuttle-Bus (Mercedes Sprinter) abgeholt, der uns zur bolivianischen Grenze bringen sollte. Da wir nur sechs Personen waren, konnten wir die Fahrt immerhin mit ausreichend Platz genießen – ein Luxus, der auf Reisen nicht selbstverständlich ist.

Weil der erste Grenzcheckpoint erst um 8 Uhr öffnet und sich dort oft beeindruckende Warteschlangen bilden, erreichten wir ihn bereits gegen 6 Uhr. Wir standen ziemlich weit vorne am Schlagbaum – vor uns lediglich zwei weitere Fahrzeuge. Wenig später wurde auch klar, warum frühes Aufstehen hier Gold wert ist: Innerhalb von nur 30 Minuten reihten sich mindestens zehn weitere Fahrzeuge hinter uns ein.

Also blieb zunächst nur eins: warten. Oder besser gesagt schlafen. Bei etwa -10 °C und ohne Standheizung entwickelte sich der Bus allerdings eher zum Kühlschrank auf Rädern als zum Schlafwagen. Glücklicherweise hatten uns die vergangenen Tage gut auf solche Temperaturen vorbereitet. Nach einem kurzen Nickerchen gab es gegen 7 Uhr ein kleines Frühstück direkt neben dem Auto – wahrscheinlich eines der kältesten Frühstücksbuffets unseres Lebens.

Pünktlich um 8 Uhr öffnete sich schließlich das große Tor einer Halle neben dem Schlagbaum, und die ersten Fahrzeuge rollten hinein. Die Abfertigung dauerte pro Auto etwa zehn Minuten. Für die letzten Fahrzeuge bedeutete das über eine Stunde Wartezeit – ein weiterer Beweis dafür, dass sich unser früher Start gelohnt hatte. Nach dem Grenzübertritt ging es zum zweiten Checkpoint auf bolivianischer Seite. Dort wechselten wir in den eigentlichen Geländewagen für unsere dreitägige Tour. Unser Fahrer und Guide Edwin verstaute routiniert das Gepäck auf dem Dach, und schon konnte das Abenteuer beginnen.

Ein weiterer Pflichtstopp folgte wenig später, um den Eintritt in den Nationalpark „Andina Eduardo Abaroa“ zu bezahlen – 150 Bolivianos pro Person. Danach ging es endlich zu den ersten landschaftlichen Höhepunkten des Tages: dem Mirador Laguna Blanca und dem Mirador Laguna Verde.

Die Laguna Blanca verdankt ihre charakteristische weiße Farbe verschiedenen Mineralien, insbesondere Borax. Nur wenig entfernt liegt die Laguna Verde, deren grüne Färbung durch Mineralien wie Kupfer, Arsen, Blei und Magnesium sowie durch die Spiegelung des gegenüberliegenden Berghangs entsteht. Beide Seen liegen auf über 4.300 Metern Höhe am Fuße des Vulkans Licancabur. Sie sind miteinander verbunden, wobei die etwas tiefer gelegene Laguna Verde ständig Wasser aus der Laguna Blanca erhält.

Weiter ging es in die Wüste „Salvador Dalí“. Der Name kommt nicht von ungefähr: Die bizarren Felsformationen wirken tatsächlich wie aus einem surrealistischen Gemälde des berühmten Künstlers entsprungen.

Nach einigen Fotos führte uns die Route zu den „Aguas Termales de Polques“, den heißen Quellen. Dort warteten zwei Thermalbecken mit traumhaftem Blick auf einen See. Das erste Becken hatte angenehme 28 °C, das zweite sogar rund 38 °C. Doch bevor wir ins warme Wasser eintauchen durften, musste natürlich erst wieder Eintritt bezahlt werden – 30 Bolivianos pro Person. Bei gefühlten 5 °C Außentemperatur entwickelte sich der Sprint von der Umkleidekabine ins Wasser zu einer olympiareifen Disziplin. Die nächsten 30 Minuten genossen wir dafür umso mehr.

Anschließend hieß es: schnell abtrocknen, mehrere Kleidungsschichten anlegen und weiterfahren.

Nach einer kurzen Strecke wartete bereits das Mittagessen auf uns. Gut gestärkt ging es danach zu den Geysiren „Sol de Mañana“. Überall dampfte und blubberte es aus grauen Schlamm- und Wasserbecken. Dazu lag stellenweise der unverwechselbare Duft von faulen Eiern in der Luft – ein Geruch, den man nicht unbedingt vermisst, wenn er wieder verschwunden ist.

Der nächste Höhepunkt war die Laguna Colorada – ein wahres Farbenspektakel. Das Wasser leuchtete rot durch Algen und Mineralien, weiße Boraxinseln wirkten wie Schnee- oder Eisfelder, grüne Moos- und Grasränder sorgten für weitere Farbakzente, und mittendrin stolzierten zahlreiche Flamingos durch die Landschaft. Ein Anblick wie aus einer anderen Welt.

Am Abend erreichten wir unsere Unterkunft in Villa Mar. Die Nachttemperaturen lagen erneut bei etwa -10 °C, und eine Heizung gab es nicht. Das bedeutete: Abendessen in voller Wintermontur und Schlafen mit langen Unterhosen, Pullover, Jacke und mindestens drei Lagen Decken. Eine echte Herausforderung, die mich unweigerlich an meine Militärzeit erinnerte, als ich im Winter im Schlafsack im Wald übernachtete. Damals war es allerdings leichter, sich einzureden, dass das Spaß macht.


29.05.2026 – Flamingos, Felsen und ein Bett aus Salz

Nach der eisigen Nacht durften wir ausschlafen – zumindest nach den Maßstäben dieser Reise. Frühstück gab es erst um 8 Uhr.

Der erste Stopp des Tages war „La Copa del Mundo“, der Weltcup-Felsen. Tatsächlich erinnerte die Form mit etwas Fantasie an den Fußball-Weltpokal – allerdings ungefähr dreizigmal größer. Da die Fußball-Weltmeisterschaft dieses Jahr wieder in Kanada, den USA und Mexiko ausgetragen wird, passte der Name sogar erstaunlich gut.

Nur wenige Minuten später erreichten wir den „Roca del Camelo“, einen Felsen, der mit ausreichend Fantasie wie ein Kamel aussieht. Direkt daneben graste eine Herde Lamas, die offenbar ebenfalls beschlossen hatte, sich die Sehenswürdigkeit anzusehen.

Weiter ging es zur „Ciudad de Piedra“, der Felsenstadt. Spektakuläre Gesteinsformationen in allen möglichen Formen und Größen ließen die Landschaft wie eine natürliche Skulpturengalerie erscheinen. Hier begegneten wir erneut einigen Bergviscachas – putzigen Tieren, die aussehen, als hätten ein Hase und ein Chinchilla gemeinsam beschlossen, ein neues Tier zu erfinden. Sie sprangen flink zwischen den Felsen umher und posierten fast schon freiwillig für Fotos.

Der nächste Halt war die Laguna Vinto. Wieder erwarteten uns zahlreiche Flamingos und eine Herde Lamas. Diesmal trugen die Tiere bunte Bänder an den Ohren oder im Fell. Diese dienen als Kennzeichnung der jeweiligen Familie, der sie gehören. Das Wasser und die Salzkruste glänzten spektakulär in der Sonne, während Flamingos und Lamas friedlich nach Nahrung suchten.

Nach den obligatorischen Fotos für das heimische Album fuhren wir weiter zum „Cañón de la Anaconda“. Seinen Namen verdankt der Canyon einem Fluss, der sich durch das Tal windet und aus der Vogelperspektive tatsächlich wie eine gigantische Schlange aussieht.

Das Mittagessen nahmen wir einige Kilometer weiter bei den „Bofedales de Sora“ ein – einem Hochlandmoor beziehungsweise Feuchtgebiet. Zwischen Gräsern, Wasserflächen und Torfinseln tummelten sich zahlreiche Vögel und natürlich wieder einige Lamas. Anschließend stapften wir selbst durch das Moor und suchten unseren Weg über die Torfinseln zurück zur Straße, wo Edwin bereits geduldig auf uns wartete.

Die nächste Etappe führte uns in das Dorf „Pueblo de Julaca“. Traditionell lebt man hier von der Lama- und Alpakazucht sowie vom Anbau von Quinoa. Das Dorf spielte einst eine wichtige Rolle beim Export von Quinoa über den chilenischen Hafen Antofagasta in alle Welt. Heute erinnern Souvenirgeschäfte, einige alte Eisenbahnwaggons und eine stillgelegte Wassertankanlage für Dampflokomotiven an diese Zeit.

Vor der Übernachtung in einem Salzhotel stand noch ein letzter Programmpunkt auf dem Plan: Zum Sonnenuntergang wanderten wir auf einen nahegelegenen Hügel mit einer Kaktusplantage. Von dort aus konnten wir beobachten, wie die Sonne die Landschaft in warme Farben tauchte, bevor die Temperaturen erneut in den Keller rauschten.

In der Dämmerung erreichten wir schließlich unser Salzhotel. Große Teile des Gebäudes waren tatsächlich aus Salzziegeln gebaut. Nach dem Abendessen ging es wieder bei Minusgraden ins Bett – diesmal auf Betten, deren Unterbau aus massiven Salzblöcken bestand.

Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass wir diese Nacht buchstäblich auf dem Salz der Erde geschlafen haben.

30.05.2026 – Sonnenaufgang, Riesenkakteen und gefrorene Wurst in Uyuni

Heute hieß es wieder einmal: Schlaf wird überbewertet. Um 4:15 Uhr klingelte der Wecker, denn wir wollten uns den Sonnenaufgang über der Salar de Uyuni von der Isla Incahuasi (auch bekannt als Isla del Pescado oder schlicht Kaktus-Insel) nicht entgehen lassen.

Gegen 5 Uhr starteten wir vom Salzhotel aus. Vor uns lag etwa eine Stunde Fahrt quer über die nächtliche Salzebene. Dank des beinahe vollen Mondes – es fehlte nur noch ein Tag bis zum Vollmond – war die Landschaft erstaunlich hell erleuchtet. Der Mond schien so intensiv, dass unser Auto einen deutlich sichtbaren Schatten auf die Salzfläche warf. Es wirkte, als würden wir von einem gigantischen Scheinwerfer verfolgt.

Am Fuß der Insel angekommen begann der Aufstieg. Rund 100 Höhenmeter galt es zu überwinden, ausgestattet mit Stirnlampen, Handylichtern und einer gewissen Restmüdigkeit. Der Weg führte durch ein beeindruckendes Meer von Riesenkakteen, für die die Insel berühmt ist. Einige dieser stacheligen Riesen erreichen Höhen von bis zu zehn Metern – groß genug, um selbst eine ausgewachsene Giraffe neidisch zu machen. Oben angekommen hieß es zunächst: warten. Und frieren.

Doch das Warten lohnte sich. Langsam schob sich die Sonne über die Bergkette am Horizont und tauchte die Insel mitsamt ihrer Kakteen in ein warmes, goldenes Licht. Die Aussicht war schlicht fantastisch.

Nach den obligatorischen Fotos – gemeinsam mit gefühlt hundert weiteren Frühaufstehern aus aller Welt – machten wir uns wieder an den Abstieg, diesmal immerhin bei Tageslicht.

Am Auto wartete bereits das Frühstück auf einem Salztisch mitten in der Salzwüste. Allerdings herrschten Temperaturen, bei denen selbst die Lebensmittel keine Lust auf Bewegung hatten. Die Wurst und der Käse waren so hart gefroren, dass man damit vermutlich problemlos einen Nagel in die Wand hätte schlagen können. Entsprechend saßen wir komplett eingepackt in sämtlichen verfügbaren Kleidungsschichten und versuchten, unsere Finger wiederzubeleben.

Nach dem Frühstück ging es weiter hinaus auf die Salzebene. Dort stand die nächste wichtige Mission an: kreative Perspektivfotos. Unser Guide zeigte uns mit viel Geduld und einigen Requisiten, wie man die optischen Täuschungen perfekt in Szene setzt. Mit etwas Geschick entstanden tatsächlich jede Menge einzigartige und ziemlich lustige Bilder, die zu Hause garantiert für Verwirrung sorgen werden.

Anschließend machten wir einen kurzen Halt bei einem ehemaligen Salzhotel mitten auf der Salzebene, das heute als Salzmuseum dient. Hier konnten wir ein Restaurant, eine Bar und verschiedene Schlafzimmer besichtigen – alles aus Salz gebaut. Natürlich durfte auch ein Souvenirshop nicht fehlen, schließlich wäre es beinahe unverantwortlich, einen Ort zu verlassen, ohne wenigstens kurz über den Kauf eines weiteren Kühlschrankmagneten nachzudenken.

Direkt daneben befindet sich der „Forest of Flags“, eine große Plattform mit Flaggen aus aller Welt. Zwischen all den bunten Fahnen wehte auch unsere Heimatflagge im Wind und sorgte für den obligatorischen Fotostopp.

Weiter ging es anschließend an den Rand der Salzebene nach Colchani. Dort reiht sich ein Souvenirladen an den nächsten. Angeboten werden handgefertigte Kleidung – teilweise aus Lamawolle –, Kunstwerke aus Salz sowie die Klassiker der internationalen Tourismusindustrie: Kühlschrankmagnete, Schlüsselanhänger und alles, was man eigentlich nicht braucht, aber trotzdem irgendwie kauft.

Der nächste Programmpunkt war der Eisenbahnfriedhof am Rand von Uyuni. Auf stillgelegten Gleisen stehen hier zahlreiche alte Dampflokomotiven und Waggons, die von der Vergangenheit der Region erzählen. Die rostigen Kolosse bieten eine beeindruckende Kulisse für Fotos und erinnern an Zeiten, in denen die Eisenbahn hier eine wesentlich größere Rolle spielte. Heute verkehren Züge eher sporadisch, weshalb die meisten Reisenden lieber auf Busse oder Flugzeuge setzen.

Gleich nebenan entdeckten wir außerdem einige Metallskulpturen, die Figuren aus bekannten Hollywood-Blockbustern darstellen sollen. Manche waren sofort erkennbar, bei anderen war etwas Fantasie gefragt. Für interessante Fotomotive sorgten sie aber allemal.

Der letzte Stopp der Tour – und damit auch des Tages – war schließlich das Mittagessen im Zentrum von Uyuni. Nach dem Essen brachte uns unser Guide Edwin zu unserem Hotel. Damit endete nach zweieinhalb erlebnisreichen Tagen unser Abenteuer durch die Salzebene und die beeindruckenden Landschaften des bolivianischen Altiplano.

Ein weiteres Kapitel dieser Reise hätte man problemlos unter der Überschrift „Sanitäre Einrichtungen gestern und heute“ führen können. An praktisch jedem Stopp entlang der Strecke wurden zunächst einmal 3 bis 5 Bolivianos für die Toilettennutzung fällig. Soweit noch verständlich. Weniger verständlich war allerdings, dass trotz Eintrittsgeld das Toilettenpapier häufig fehlte – sowohl an den Rastplätzen als auch in einigen Unterkünften. Mit etwas Glück befand sich direkt nebenan ein kleiner Shop, in dem man sich gegen Aufpreis mit der wertvollen Papierware eindecken konnte.

Doch damit nicht genug. Mehrfach bestand der Spülvorgang darin, einen Eimer zu nehmen, Wasser aus einer bereitstehenden Tonne zu schöpfen und dieses anschließend eigenhändig in die Toilette zu befördern. Moderne Sanitärtechnik wurde hier eher als unverbindliche Empfehlung verstanden. Nach dem zweiten oder dritten Eimer-Spülgang fühlten wir uns zeitweise weniger wie Touristen des 21. Jahrhunderts und mehr wie Zeitreisende mit Zwischenstopp im Mittelalter.

Natürlich gehört so etwas zum Reisen dazu und sorgt im Nachhinein für die besten Geschichten. Dennoch fiel der Vergleich zu Australien und Neuseeland schwer: Dort sind öffentliche Toiletten meist kostenlos, sauber und hervorragend ausgestattet. Hier hingegen lautete das Konzept eher: Eintritt bezahlen, Überraschung erleben und im Idealfall eigenes Toilettenpapier dabeihaben.

Den Rest des Tages nutzten wir, um noch ein wenig durch Uyuni zu schlendern, die Stadt zu erkunden und uns von den vielen Eindrücken – und dem frühen Aufstehen – zu erholen.

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