03.06.2026 – Heute ging es mir überhaupt nicht gut. Kopf-, Hals- und Schnupfenschmerzen machten mir zu schaffen. In der Nacht konnte ich kaum schlafen. Immer wieder wachte ich auf und hatte das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Die Kombination aus über 4.000 Metern Höhe, extrem trockener Luft und einer Erkältung kann ich wirklich niemandem empfehlen.
Bis zum Mittag ruhte ich mich deshalb im Hotel aus. Danach raffte ich mich trotzdem auf, gemeinsam mit Michael ins Zentrum zu gehen. Vom Hotel sind es eigentlich nur fünf bis zehn Minuten zu Fuß – unter normalen Umständen also ein Katzensprung.

Heute fühlte sich dieser Katzensprung allerdings eher wie eine Alpenüberquerung an. Zeitweise bewegte ich mich ungefähr mit der Geschwindigkeit einer 95-jährigen Oma mit zwei kaputten Hüften. Selbst ein besonders motivierter Pinguin hätte mich vermutlich überholt.
Unser Ziel war das Nationale Münzmuseum von Potosí.

Schon beim Betreten fiel uns auf, dass wir die einzigen ausländischen Besucher waren. Unsere Museumsführer erzählte uns, dass normalerweise rund 200 internationale Gäste pro Tag vorbeikommen würden. Offenbar hatten die aktuellen Unruhen und Straßensperren den Tourismus nahezu zum Erliegen gebracht.


Neben uns war nur noch eine größere Gruppe von Schulkindern unterwegs. Die Kinder beobachteten uns neugierig, begrüßten uns aber ausgesprochen freundlich. Immer wieder wurde gelacht und gewunken. Ihre herzliche Art machte den Besuch sofort sympathisch.
Das Museum selbst war sehr interessant. Das Gebäude beeindruckt nicht nur architektonisch, sondern erzählt auch die Geschichte einer Stadt, die einst zu den reichsten Orten der Welt gehörte.

Der Reichtum kam aus dem nahegelegenen Cerro Rico, dem berühmten „reichen Berg“, der bis heute abgebaut wird. Unter dem Berg befinden sich gewaltige Silbervorkommen.

Während der spanischen Kolonialzeit floss von hier ein großer Teil des Silbers nach Europa. Potosí wurde dadurch zu einer der wohlhabendsten Städte der Welt. Für die einheimische Bevölkerung brachte dieser Reichtum allerdings wenig Gutes. Hunderttausende Indigene und afrikanische Sklaven mussten unter grausamen Bedingungen arbeiten. Viele überlebten die Arbeit in den Minen nicht. Traurigerweise sind die Bedingungen für die Bergarbeiter auch heute noch äußerst hart. Die Arbeit ist gefährlich, staubig und gesundheitsschädlich. Zwar verdienen viele Bergleute vergleichsweise gut für bolivianische Verhältnisse, soziale Absicherung oder Krankenversicherung gibt es jedoch oft nicht. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt Berichten zufolge deutlich unter der anderer Berufsgruppen.
Besucher können an geführten Touren durch die Minen teilnehmen und den Arbeitsalltag der Bergleute hautnah erleben. Dabei geht es durch enge, dunkle und staubige Tunnel, in denen Temperaturen von über 30 Grad herrschen können.
Unter anderen Umständen hätten wir eine solche Tour wahrscheinlich gemacht. In meinem gesundheitlichen Zustand und mit Michaels Körpergröße erschien uns das jedoch nicht wie die beste Idee.
Manchmal ist Vernunft eben die spannendste Reiseentscheidung.


Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.