04.06.2026 – Leider ging es mir heute immer noch nicht besser. Nach dem Frühstück schleppten wir uns trotzdem in die Innenstadt. Zum einen brauchte ich Medikamente gegen meine Erkältung, zum anderen wollten wir uns noch die Kathedrale anschauen.
Auf dem Plaza 10 de Noviembre herrschte bereits am Vormittag ungewöhnlich viel Betrieb. Überall sahen wir festlich geschmückte Straßen, bunte Dekorationen und Menschen in Uniformen.

Viele kamen offenbar gerade aus der Kirche. Daneben waren zahlreiche Besucher in traditioneller Kleidung unterwegs. Aus der Kathedrale strömten immer mehr Menschen auf den Platz. Zunächst wussten wir nicht, was los war. Kurz darauf wurde jedoch klar, dass ein großer Festumzug unmittelbar bevorstand.



Die Straßen füllten sich zusehends, Gruppen positionierten sich entlang der Route, und überall lag diese besondere Mischung aus Vorfreude und leichter Anspannung in der Luft, die man vor großen Veranstaltungen spürt.

Dann setzte sich der Umzug in Bewegung. Wie wir später feststellten, ist der 4. Juni ein kirchlicher Feiertag namens „Corpus Christi“ und wird mit diesem großen Aufwand nur in Potosi und 3 anderen Städten Südamerikas gefeiert. Musikkapellen marschierten durch die Straßen, begleitet von festlich gekleideten Teilnehmern. Überall wurde fotografiert, gewunken und gelacht. Wir nutzten die Gelegenheit, um den Cathedral noch von innen zu sehen.


Danach haben wir Mercado Central besucht und etwas Bargeld gewechselt. Anschließend wollten wir noch ein Kloster besichtigen. Die Öffnungszeiten standen zwar gut sichtbar an der Eingangstür, allerdings war weit und breit kein Mitarbeiter zu sehen. Auch der Ticketschalter blieb unbesetzt. Wir warteten eine Weile vor dem Eingang. Nichts. Wir schauten noch einmal auf die Öffnungszeiten. Immer noch nichts. Offenbar hatte man beschlossen, früher Feierabend zu machen. Vermutlich waren wir die einzigen potenziellen Besucher des Tages. Schade – manchmal gewinnt in Südamerika eben die Lebensqualität gegen den Dienstplan.


Am Abend begegneten wir dem Festumzug dann noch einmal zufällig auf dem Rückweg vom Abendessen. Und diesmal war er sogar noch beeindruckender. Zahlreiche festlich geschmückte Fahrzeuge rollten durch die Straßen. Viele waren mit silberfarbenen Ornamenten dekoriert.


Kinder, Jugendliche und Erwachsene trugen aufwendige Kostüme und bewegten sich elegant im Rhythmus der Musik. Die traditionellen Trachten, die Farben und die Atmosphäre wirkten auf uns ausgesprochen exotisch und faszinierend. Besonders die Kinder waren unglaublich niedlich und schienen ihre Rolle im Umzug sehr ernst zu nehmen. Gleichzeitig hatten sie sichtlich Spaß daran.



Als die Dunkelheit einsetzte, entstand eine ganz besondere Stimmung. Die Kathedrale war beleuchtet, die Musik hallte durch die Straßen, und über der Stadt spannte sich der dunkle Andenhimmel. Für einen Moment wirkte Potosí fast märchenhaft.



Später am Abend ging Michael noch auf die Dachterrasse unseres Hotels. Von dort oben konnte er einige schöne Fotos der nächtlichen Stadt machen. Selbst der Cerro Rico zeichnete sich noch als dunkle Silhouette am Horizont ab.

Während ich unten versuchte, meine Erkältung auszukurieren, genoss er den Ausblick. Irgendjemand musste schließlich die Fotos machen.

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