Monat: Mai 2026

  • Chile – San Pedro de Atacama

    23.05.2026 – Ankunft im staubigen Abenteuerland

    Heute hieß es wieder: rein in den Bus und Augen zu. Diesmal allerdings nicht mit irgendeinem schicken Reisebus, sondern mit einem lokalen Gefährt, das vermutlich schon bessere Jahrzehnte gesehen hatte. Der Bus war älter, leicht heruntergerockt und klapperte bei jeder Bodenwelle verdächtig, aber immerhin brachte er uns die gut 1,5 Stunden nach San Pedro de Atacama, ohne unterwegs auseinanderzufallen – also absoluter Erfolg.

    San Pedro liegt auf etwa 2.400 Metern Höhe am Rand der Atacama-Wüste, irgendwo im Dreiländereck zwischen Chile, Argentinien und Bolivien. Die Umgebung klingt wie das Ergebnis eines kreativen Geografie-Lehrers: Wüsten, Vulkane, Geysire, Salzpfannen, heiße Quellen – alles dabei, außer vermutlich vernünftigen Straßen.

    Gegen Mittag kamen wir an und checkten erst einmal im Hotel ein. Danach ging es direkt auf Erkundungstour durch die kleine Wüstenstadt. Natürlich nicht nur zum Spaß – wir hatten noch Organisatorisches zu erledigen. Am Hauptplatz liefen wir an einer uralten Kirche vorbei. Nicht die älteste Chiles, aber definitiv alt genug, um Geschichten erzählen zu können.

    Danach marschierten wir die Fußgängerzone entlang – wobei „Fußgängerzone“ etwas romantisiert klingt. Eigentlich war es ein staubiger Sandweg mit kleinen Häusern links und rechts, in denen sich ein Touranbieter an den nächsten reihte.

    Unser Ziel: eine One-Way-Tour nach Uyuni in Bolivien buchen. Also hieß es Preise vergleichen, Leistungen checken und versuchen herauszufinden, welcher Anbieter uns mit der höchsten Wahrscheinlichkeit lebend über die Grenze bringt.

    Danach standen noch Autovermietungen auf dem Programm, denn die Gegend wollten wir natürlich auf eigene Faust erkunden. Überraschenderweise fanden wir tatsächlich ein gutes Angebot und mieteten einen Toyota Hilux für die nächsten zwei Tage. Abends im Hotel fiel dann auch die Entscheidung für den Touranbieter, der uns später nach Bolivien bringen sollte. Abenteuer gebucht – jetzt gab es kein Zurück mehr.

    24.05.2026 – Schlaglöcher, Salzseen und fast abgefrorene Ohren

    Nach einem wirklich sehr guten Frühstück holten wir gegen 10 Uhr unseren Mietwagen ab. Der erste Eindruck war… sagen wir mal „durchwachsen“. Der Toyota Hilux hatte bereits ein bewegtes Leben hinter sich. Hier ein paar Kratzer, dort ein paar zusätzliche Schrauben an der Stoßstange und auf der Ladefläche lagen noch ein paar Schippen Sand – vermutlich kostenlose Erinnerung an die letzte Wüstentour. Aber egal. Solange die Räder dranbleiben, wird gefahren.

    Unser erstes großes Ziel: die berühmten Piedras Rojas beziehungsweise der Salar de Talar. Eine Landschaft wie aus einem Science-Fiction-Film. Rot leuchtende Felsen durch Eisenoxidation, weiße Salzflächen und hellblaue Lagunen – als hätte jemand bei Photoshop sämtliche Regler gleichzeitig hochgezogen.

    Bevor man allerdings in diese Traumlandschaft durfte, musste man erst moderne Bürokratie überleben: Tickets online kaufen und den QR-Code irgendwo mitten im Nirgendwo in einem kleinen Haus am Straßenrand gegen ein echtes Papierticket eintauschen. Digitalisierung endet hier offenbar auf halber Strecke.

    Die zweistündige Fahrt dorthin war bereits ein Abenteuer. Schneebedeckte Berggipfel am Horizont, Kakteenlandschaften, Vicuñas (die elegante Wildversion des Alpakas) überall neben und manchmal mitten auf der Straße. Die Straße selbst war zwar asphaltiert, aber mit Schlaglöchern versehen, die eher an ein militärisches Testgelände erinnerten. Unser Hilux musste Schwerstarbeit leisten.

    Oben angekommen erwarteten uns etwa 5°C – gefühlt eher -5°C. Dank Internetbewertungen waren wir vorbereitet und zogen erstmal mehrere Kleidungsschichten, Schal und Handschuhe an. Eine Mütze wäre allerdings ebenfalls sinnvoll gewesen. Meine Ohren verwandelten sich jedenfalls langsam in tiefgekühlte Fischstäbchen. Xin hatte ihre Kapuze mittlerweile so tief ins Gesicht gezogen, dass zeitlang nur noch die Augen sichtbar waren.

    Vom Parkplatz liefen wir etwa 20 Minuten zur Lagune – gemeinsam mit gefühlt halb Südamerika. Mindestens acht Tourbusse standen dort, dazu unzählige Autos. Einige Besucher waren perfekt vorbereitet, andere zitterten bereits in kurzen Hosen ihrem Schicksal entgegen.

    Die Lagune selbst war absolut beeindruckend. Türkisblaues Wasser, weiße Salzablagerungen und kleine Inseln, die aussahen, als wären sie gefroren.

    Ringsherum Berge mit über 5.600 Metern Höhe, obwohl wir selbst bereits auf etwa 4.200 Metern standen. Und genau das merkten wir plötzlich auch. Leichte Kopfschmerzen, Druck auf den Ohren – die Höhe meldete sich freundlich an. Zum Glück blieb es bei milden Symptomen, vermutlich dank unserer vorherigen Akklimatisierung in Calama und San Pedro. Zusätzlich hatten wir uns noch ein paar Coca-Bonbons besorgt, die angeblich gegen die Symptome der Höhenkrankheit helfen sollten. Diese Bonbons mit Coca-Extrakt sind hier völlig legal und gehören fast schon zur Standardausrüstung jedes Touristen in den Anden – in Europa hingegen wären sie eher ein Fall für den Zoll.

    Allerdings müsste man vermutlich mehrere tausend Bonbons lutschen, um überhaupt ansatzweise eine Wirkung wie bei Kokain zu erzielen. Bis dahin hätte man wahrscheinlich eher Karies als irgendeinen Rausch. Wir hatten jedenfalls das Gefühl, dass die Coca-Bonbons bei uns wirkten – vielleicht ein echtes Wunder der Natur, vielleicht aber auch nur ein glorifizierter Placebo-Effekt. In jedem Fall schmeckten sie angenehm süß, was unsere Laune auf über 4.000 Metern Höhe definitiv hob.

    Auf dem Rückweg stoppten wir noch an den Lagunen Miscanti und Miñiques. Über eine kurvige Schotterstraße ging es zu den wunderschönen Lagunen, wo wir endlich die ersten Flamingos sahen. Wir liefen etwa eine Stunde umher und genossen diese völlig surreale Landschaft.

    25.05.2026 – Tiefkühltruhe mit Geysiren

    Heute stand der Besuch der berühmten Geysire von El Tatio auf dem Plan. Weil wirklich jeder – Touranbieter, Internet und vermutlich auch der Hotelhund – empfahl, zum Sonnenaufgang dort zu sein, klingelte der Wecker um 4 Uhr morgens. Um 4:30 Uhr saßen wir bereits im Auto. Diesmal perfekt vorbereitet: mehrere Kleidungsschichten im Zwiebelprinzip. Ich trug vier Schichten, Xin ungefähr sieben und sah langsam aus wie ein Michelin-Männchen auf Expedition. Dazu endlich eine Mütze im „original chilenischen Style“ für ein paar tausend Pesos (etwas unter 4 €) .

    Die Fahrt war… anspruchsvoll. Dunkelheit, Schlaglöcher, enge Kurven und praktisch keine Leitpfosten. Teilweise gab es immerhin Warnschilder für Kurven. Teilweise einfach nur Finsternis und Hoffnung. Trotzdem überlebten wir.

    Nach etwa zwei Dritteln der Strecke machten wir einen kurzen Halt auf über 4.000 Metern Höhe und blickten in den Himmel. Und dieser Himmel war einfach unfassbar. Kein Licht weit und breit, Millionen Sterne – schöner als alles, was wir bisher gesehen hatten, selbst in Neuseeland. Kein Wunder, dass sich hier das ALMA-Observatorium und viele weitere Sternwarten befinden. Leider blieb kaum Zeit für lange Nachtaufnahmen. Für gute Sternenfotos braucht man Geduld, Belichtungszeit und vor allem funktionierende Finger – letzteres wurde bei der Kälte zunehmend schwierig.

    Am Eingang der Geysire angekommen besorgten wir schnell die Tickets und fuhren weiter zu den mehr als 80 aktiven Geysiren. Wir befanden uns auf etwa 4.320 Metern Höhe – dem höchstgelegenen geothermischen Feld der Welt und dem drittgrößten überhaupt.

    Die Vorstellung von meterhohen Wasserfontänen aus Filmen konnten wir allerdings direkt vergessen. Die meisten Geysire blubberten eher gemütlich vor sich hin, zischten ein wenig und produzierten gewaltige Dampfwolken. Einige schafften immerhin Wasserfontänen von 2–3 Metern Höhe. Dafür sorgte die eisige Morgenluft dafür, dass die Dampfsäulen mit 10 – 20 m besonders spektakulär aussahen.

    Das Thermalbad war geschlossen. Angesichts von etwa -10°C Außentemperatur hatten wir ohnehin keinerlei Motivation, uns halb nackt ins Freie zu stellen.

    Als langsam die Sonne aufging und die Berge in goldenes Licht tauchte, wurde die Landschaft plötzlich magisch. Sonnenstrahlen durchbrachen die Dampfwolken und sorgten für Bilder wie aus einem Fantasyfilm. Was wir sogar noch besser fanden als den Anblick bei Dämmerung.

    Gegen 9 Uhr waren die meisten Tourbusse schon wieder weg, wir allerdings komplett durchgefroren und flüchteten zurück ins Auto.

    Auf dem Rückweg stoppten wir noch an ein paar Aussichtspunkten und am Mirador de Machuca, wo erneut Flamingos zu sehen waren. Außerdem begegneten uns wieder einige Vicuñas neben der Straße.

    Abends fuhren wir noch zu einem Aussichtspunkt mit Blick auf das Valle de la Luna – das Tal des Mondes.

    Riesige Sanddünen, bizarre Felsformationen und glitzernde Salzkrusten sorgten tatsächlich dafür, dass die Landschaft ein wenig wie die Mondoberfläche wirkte. Dazu ein wunderschöner Sonnenuntergang – perfekter Abschluss eines ziemlich frostigen Tages.

    26.05.2026 – Autovermietung auf chilenisch

    Nach dem Frühstück wollten wir eigentlich nur entspannt den Mietwagen zurückgeben. Eigentlich.

    Vor Ort standen wir allerdings vor einem verschlossenen Büro. Niemand da. Keine Bewegung. Kein Hinweis. Nur wir und ein Toyota Hilux mit fragwürdiger Stoßstangenkonstruktion. Also schrieben wir eine Nachricht an die angegebene WhatsApp-Nummer. Nach etwa 30 Minuten Warten kam endlich eine Antwort – natürlich auf Spanisch: „Heute kann leider niemand das Büro öffnen.“ Fantastisch. Also parkten wir den Wagen, schickten zurück: „Bitte Schlüssel im Hotel abholen“ – ebenfalls auf Spanisch – und hofften einfach auf das Beste. Zwei Stunden später tauchte tatsächlich jemand auf und holte den Schlüssel ab. Südamerikanische Gelassenheit in Reinform.

    Den Rest des Tages verbrachten wir mit Reiseplanung. Der Grund war weniger entspannt: In Bolivien kommt es aufgrund sozialer Unruhen immer wieder zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei. Deshalb mussten wir unsere geplante Route Richtung Norden, La Paz und Titicacasee überarbeiten. Reisen bedeutet eben manchmal auch spontane Krisenlogistik.

    27.05.2026 – Angriff der Lamas

    Heute ging es mit zwei kostenlosen Fahrrädern vom Hotel zur „Quebrada del Diablo“ – der Schlucht des Teufels. Nachdem wir gestern aufgrund von Internet-„Fake News“ etwa zehn Minuten vor Schließung dort ankamen und direkt wieder umdrehen mussten, sollte es heute endlich klappen. Die gesamte Tour inklusive der Iglesia de San Isidro sollte etwa 25 Kilometer lang werden.

    Zunächst ging es in die Schlucht hinein. Der Weg führte zwischen 20 bis 30 Meter hohen Felswänden hindurch und wurde stellenweise so eng, dass die Fahrräder gerade noch hindurchpassten. Dazu kamen mehrere hohe Stufen, bei denen man die Fahrräder eher schleppen als fahren musste. Trotzdem war die Strecke spektakulär.

    Nach etwa drei Kilometern erreichten wir einen Aussichtspunkt, den man zu Fuß erklimmen konnte. Wegen unseres eher ungeeigneten Schuhwerks verzichteten wir allerdings auf den mehrere hundert Meter hohen Aufstieg. Stattdessen fuhren wir noch ein Stück weiter, bis der Weg zunehmend unbefahrbar wurde.

    Zurück außerhalb der Schlucht in Richtung Iglesia de San Isidro begegneten wir plötzlich einer Herde Lamas. Die Tiere waren erstaunlich neugierig. Während ich versuchte, sie vorsichtig auf Abstand zu halten, bekam Xin völlig unerwartet eine Ladung Lama-Schleim direkt auf die Schulter geleckt. Zurück blieb eine braune, extrem streng riechende Flüssigkeit, deren Duft vermutlich auch in zehn Jahren noch in der Jacke hängen würde.

    Nachdem die Herde weitergezogen war, musste erstmal eine Notfallreinigung durchgeführt werden.

    Danach ging es weiter zur Iglesia de San Isidro – einer kleinen alten Kirche auf einem Hügel. Leider war sie geschlossen, sodass wir nur von außen einen Blick darauf werfen konnten.

    Der Rückweg hatte es dann nochmal in sich. Die Straße war derart holprig, dass wir beide irgendwann kaum noch auf dem Fahrradsattel sitzen konnten. Unsere Fahrräder zuhause sind dagegen offenbar Luxusmodelle.

    Natürlich trafen wir unterwegs erneut auf die Lama-Herde. Diesmal hielten wir allerdings Sicherheitsabstand ein, um weitere biologische Angriffe zu vermeiden.

    Nach insgesamt vier Stunden kamen wir ziemlich erschöpft, leicht durchgerüttelt und mit neuer Lama-Erfahrung zurück ins Hotel. Den Rest des Tages ließen wir entspannt ausklingen – früh schlafen mussten wir ohnehin. Morgen startet bereits um 4:30 Uhr unsere dreitägige Tour Richtung Bolivien.

  • Chile – Calama

    Am 20.05.2026 sind wir von La Serena nach Calama geflogen. Der Flug hat gerade mal 1 Stunde und 40 Minuten gedauert. Mit dem Bus wären es dagegen über 20 Stunden gewesen — also praktisch einmal quer durch die Geduld. Von hier aus wollen wir später mit dem Bus weiter nach San Pedro de Atacama fahren. Aber zuerst haben wir beschlossen, noch zwei Tage in Calama zu bleiben.

    Calama liegt auf etwa 2260 Metern Höhe. Am ersten Tag hatten wir beide leichte Kopfschmerzen, aber zum Glück hat sich unser Körper schnell daran gewöhnt. Nach dem Frühstück sind wir zu Fuß in die Stadt gelaufen, um Bustickets zu kaufen und ein bisschen herumzuspazieren. Dabei haben wir mehrere Autos gesehen, die aussahen, als wären sie gerade eben einem schweren Verkehrsunfall entkommen — zerbeult, halb auseinanderfallend … aber sie fuhren ganz normal weiter! Unvorstellbar in Deutschland. Dort würde so ein Auto wahrscheinlich schon beim bloßen Anblick stillgelegt werden. Hier denkt man eher: „Ach, die Stoßstange fehlt? Läuft doch noch.“ Außerdem gibt es hier unzählige große Straßenhunde. Herrenlos, aber erstaunlich friedlich und entspannt. Dazu einige Obdachlose und Bettler auf den Straßen. Die Stadt selbst ist eher unspektakulär: viel Sonne, milde Temperaturen um die 23 Grad — deutlich angenehmer als in La Serena.

    Ein Hauptplatz mit Kirche, viele kleine Straßen und kleine Läden. Auffällig war auch, dass sich alle Autovermietungen am Flughafen konzentriert haben. Die Büros in der Stadt stehen dagegen fast alle leer. Am Abend sind wir noch einmal zum Flughafen gefahren, um unseren Mietwagen bei einem lokalen Anbieter abzuholen.

    22.05.2026 — heute haben wir einen Ausflug mit dem Mietwagen gemacht. Schon entlang der Autobahn stehen unzählige Kreuze mit Blumen für Verkehrstote. Michael hat nachgelesen, dass die Unfallquote in Chile bei etwa 8 pro 10.000 angemeldeten Autos liegt — in Deutschland dagegen ungefähr bei 1. Irgendwie überrascht uns das nach den Autos in Calama ehrlich gesagt nicht mehr besonders.

    Unser erster Stopp war der Mirador División Ministro Hales — eine Aussichtsplattform direkt an der Autobahn. Von dort aus konnten wir einen gigantischen Bergbau-Komplex sehen: riesige Baustellen, dauernd Bewegung und monströse Baufahrzeuge, die aussahen, als könnten sie ein normales Auto versehentlich frühstücken. Durch die ganzen Fahrzeugbewegungen im Bergbau war sehr viel Staub in der Luft, was man auch an den Bilderr sieht.

    Etwa 40 Minuten weiter nordöstlich kamen wir zur Laguna Inka Coya, unserem zweiten Stopp. Eintritt: 2500 CLP. Mitten in der trockenen Atacama-Wüste plötzlich eine intensiv blaue Lagune — fast unwirklich.

    Im Hintergrund schneebedeckte Berge, daneben ein Flussbett mit grünen Pflanzen — eine kleine Oase mitten im Nichts. Dort liefen Lamas, Alpakas sowie wilde Guanacos und Vikunjas herum. Dazu ein tiefblauer Himmel ohne eine einzige Wolke. Wirklich ein wunderschöner, friedlicher Ort.

    Der dritte Stopp lag weitere 40 Minuten Richtung Berge entfernt: Pukará de Turi. Eine große Inka-Ruine auf einem Hügel unter strahlend blauem Himmel. Hier oben war fast niemand unterwegs. Zwischen den alten Steinmauern konnte man noch einzelne Räume erkennen. Mitten in der Anlage stand ein großes eingestürztes Gebäude — vermutlich früher ein Gemeindehaus oder Versammlungsort.

    Wir haben viele Vögel gesehen und sogar zwei Viscachas. Die sehen ein bisschen aus wie Hasen mit langem Ringelschwanz und hüpfen blitzschnell und fast lautlos herum wie kleine Kängurus auf Espresso.

    Michael hat außerdem Steine gefunden, die aussahen wie alte Vasen- oder Kochtopfreste. Wären wir Archäologen gewesen, hätten wir dort vermutlich den ganzen Tag verbracht.

    Der vierte Stopp war Pukará de Lasana. Schon die Fahrt dorthin war ein kleines Abenteuer. Irgendwann hörte die Straße einfach auf. Stattdessen fuhren wir etwa 10 Kilometer über einen relativ flachen, aber komplett steinigen und sandigen Weg voller Buckel. Neben uns verlief eine Pipeline. Kein anderes Fahrzeug weit und breit. Dann — plötzlich — war die Straße wieder da, als wäre nichts gewesen.

    Das letzte Stück hinunter zum Dorf war ziemlich schmal und verlief direkt neben einem steinigen Hang. Die Felsen sahen aus, als könnten sie jederzeit herunterrollen. Falls Gegenverkehr gekommen wäre, wäre das spannend geworden. Ich habe innerlich schon sämtliche Schutzengel aktiviert, während Michael völlig entspannt gefahren ist. Wer’s kann, der kann.

    Die Ruinen von Pukará de Lasana waren ebenfalls beeindruckend groß und teilweise restauriert. Direkt daneben liegt ein kleines Dorf. Wir haben ein paar Fotos gemacht und sind weitergefahren.

    Fünfter Stopp: das Dorf Chiu Chiu. Dort steht die älteste Kirche Chiles: Iglesia de San Francisco de Chiu Chiu. Leider war sie geschlossen, sodass wir sie nur von außen anschauen konnten.

    Auf der anderen Seite des Dorfplatzes hörten wir plötzlich laute Musik und Gesang. Offenbar fand gerade ein Dorffest statt. Natürlich mussten wir neugierig nachsehen. Eine breite Gasse voller kleiner Verkaufsstände, überall Menschen, Musik und Essen. Am Ende der Straße stand eine Bühne mit vielen Zuschauern. Daneben sogar ein kleiner Stall mit Lamas und Ziegen.

    Die Tänzer und Musiker trugen traditionelle Kleidung, und gerade lief eine Live-Aufführung mit Musik und Tanz. Wahrscheinlich waren wir zwei Ausländer für die Dorfbewohner mindestens genauso exotisch wie sie für uns.

    Der Grillgeruch an einem Stand hat sofort unseren Hunger geweckt. Mit unserem gebrochenen Spanisch haben wir zwei Completos bestellt — chilenische Hotdogs — für ungefähr 2 Euro pro Stück. Und ehrlich: extrem lecker.

    Danach sind wir wieder ins Auto gestiegen und zurück nach Calama gefahren.Unser sechster und letzter Stopp war eher Michaels persönliches Highlight. Schon ein paar Tage zuvor hatten wir bei der Fahrt vom Flughafen in die Stadt zwei gigantische Baufahrzeuge mitten auf einer Verkehrsinsel stehen sehen.

    Natürlich musste er da noch einmal hin. Bevor wir den Mietwagen zurückgegeben haben, haben wir dort also angehalten. Und wirklich — so etwas habe ich noch nie aus der Nähe gesehen. Diese Fahrzeuge waren absolut riesig. Genau solche Maschinen werden im Bergbau eingesetzt. Vom ersten Aussichtspunkt aus wirkten sie groß — aber hier direkt daneben habe ich mich plötzlich gefühlt wie eine Ameise neben einem Dinosaurier. Wahnsinn.

    Heute war wieder ein richtig schöner Tag. Voller neuer Eindrücke, Erlebnisse und Momente..

  • Chile – La Serena

    16.05.2026 – Heute hieß es: Ab in den Flixbus! Ja, ihr habt richtig gelesen – die grüne Buskette gibt es tatsächlich auch in Chile. Unser Ziel: La Serena, etwa 470 km nördlich von Santiago. Der Start in den Tag war… naja, abenteuerlich. Unser ursprünglicher Bus wurde gestrichen, wir wurden eine Stunde später umgebucht und auseinandergesetzt. Als wir auf Bus warteten, kam er einfach nicht.

    Schließlich saßen wir dann, 1 Stunde und 20 Minuten verspätet, im Bus. Zum Glück nicht voll! Nach ein wenig spansicher Wortakrobatik(dank Translator)und gebrochenem Spanisch – saßen wir nebeneinander (Sitzplatztausch mit einem älteren Herrn) Und oh, diese Sitze! Beinfreiheit und fast 45 Grad Rückenlehne – perfekt für ein Nickerchen während der sechsstündigen Fahrt.

    In La Serena angekommen, ging’s per Uber (für 4 Euro) zum Hotel. Wir hatten zwar das perfekte Hotel am Strand gebucht, aber der Sonnenuntergang? Den haben wir knapp verpasst. Tja, manchmal läuft es wie beim Pinguin: elegant geplant, aber leicht aus dem Takt geraten.

    17.05.2026 – Heute ging es zu den Inseln Choros und Damas, nördlich von La Serena. Früh aufstehen, Lunchpaket schnappen, und um 7:30 Uhr wartete der Tourbus. Zwei Stunden Fahrt durch die chilenische Landschaft – inklusive wild lebender Guanakos, der wilden Verwandtschaft der Lamas. Sie schauen ein bisschen aus wie Lamas, haben aber eigene Farb- und Größenregeln.

    Der Hafen von Punta de Choros wirkte zunächst klein und gemütlich, entpuppte sich dann aber als quirliger Touristen-Hotspot: 50 Boote lagen vor Anker, die meisten faul in der Nebensaison auf Land. Mit 18 anderen Tourteilnehmern (hauptsächlich Chilenen) starteten wir in einem kleinen Boot. Kaltes Wasser, kalter Wind – der Humboldt-Strom lässt grüßen! Trotzdem: nach 40 Minuten tauchten die ersten Humboldt-Pinguine auf. Gelbe Stirnstreifen, flinker Tauchgang, ein bisschen schüchtern, sobald wir uns näherten – „Schon wieder diese Touris!“ schien ihr Blick zu sagen.

    Dann ging es weiter zur Insel Choros, die streng geschützt ist – betreten verboten. Überraschung! Delfine umkreisten unser Boot, Seelöwen machten akrobatische Sprünge, und Möwen, Kormorane, Pelikane und Albatrosse feierten die große Tierparty. Wer braucht schon einen Zoo, wenn man die Show live sehen kann?

    Weiter zur Insel Damas: hier darf man auf Land. Vulkangestein, helle Sandstrände – perfekt, um sich nach der kalten Bootsfahrt die Beine zu vertreten.

    Baden? Nur die Mutigen, gefühlt 8°C. Wir beschränkten uns auf Spaziergänge, was nach der Kälte auch ausreichte, um die Lebensgeister zurückzubringen.

    Nach einer Stunde Beine Vertreten ging es dann per Boot wieder zurück zum Hafen. Auf dem Rückweg nach La Serena entdeckten wir noch Graufüchse am Straßenrand – halb so groß wie europäische Rotfüchse, aber mindestens genauso charmant. Gegen 17 Uhr waren wir zurück im Hotel. Ein langer, kalter, aber spektakulärer Tag.

    18.05.2026 – Heute war „gemütlich durch La Serena schlendern“ angesagt. Strandspaziergang vor dem Hotel, vorbei am Leuchtturm, hinein in die Innenstadt. Historische Plätze, alte englische und spanische Kirchen, bunte Märkte – Sightseeing in klassischer Form. Unsere Füße hatten danach definitiv das Tagespensum von 8.000 Schritt übererfüllt.

    19.05.2026 – Ausflug ins Elqui-Tal. Wieder früh los, diesmal in kleiner Gruppe mit sieben Leuten. Wir Ausländer einmal mehr Exoten unter den Chilenen. Unser Guide JP (Juan Pedro) übersetzte alles freundlich ins Englische.

    Das Elqui-Tal liegt zwischen zwei Bergketten, und dadurch ergeben sich hier besondere klimatische Bedingungen, perfekt für Weintrauben und die berühmten Pisco-Trauben. Sonne satt, fast wie Sommer – im Gegensatz zur frostigen Küste.

    Unterwegs: riesiger Stausee, der gegen Abend wenn der Wind etwas auffrischt Einheimische und Touristen zum Kitesurfen einlädt. Und immer wieder fahren wir an riesigen Flächen mit Wein- und Pisco-Reben, welche teilweise auf Terrassen am Hang angebaut werden, welche noch von den Diaguitas oder Inkas stammen sollen. Stopp im Ort Diaguitas: eine alte Kirche, bunte Häuser und Wandmalereien mit indigenen Einflüssen.

    Dann noch ein kurzer Abstecher zu uralten Felsenzeichnungen (2000–4000 Jahre alt!) – quasi ein Live-Museum unter freiem Himmel.

    Weinverkostung auf einem kleine Weingut: vier Gläser später fühlten wir uns leicht angeheitert, aber glücklich.

    Weiter nach Pisco Elqui, Mittagspause inklusive. Mit vollgeschlagenem Magen und einem Picso Sour als Absacker ging es dann zum nächsten Stop, einer Pisco Destillerie. Dort wurde uns dann der Anbau der Pisco-Trauben und die Destillation von Pisco (einem Traubenschnaps mit bis zu 45%) erklärt. Zum Abschluss gab es noch verschiedenen Sorten Pisco zur Verkostung: in alten Weinfässern aus Eiche gereift vs. in Edelstahltanks. Farbe und Geschmack völlig unterschiedlich. Uns hat das traditionelle Verfahren mit den rauchigen Aromen besser gemundet.

    Es gab auch verschiedene Mischgetränke (ähnlich Absolut Vodka Zitrone/Vanille) mit Geschmack von Papaya, Mango, Pomelo oder Granatapfel. Anschließend hatten wir gleich Schlafen legen können 😉. Noch etwas mehr angetrunken als nach der Weinprobe, ging es dann mit einem Zwischenstopp in Vicuña (der größten Stadt der Region) zurück nach La Serena.

  • Chile – Santiago de Chile 🇨🇱

    08.05.2026 – Wir sind knapp 11 Stunden von Auckland nach Santiago de Chile geflogen. Die Zeitverschiebung beträgt einfach mal 16 Stunden zurück zu Auckland. Also um 20:15 Uhr losgeflogen und um 15:10 Uhr am gleichen Tag angekommen. Endlich haben wir „Zurück in die Zukunft“ live erlebt. Fehlt nur noch der DeLorean.

    Der Einreiseprozess ging überraschend schnell. Kaum aus dem Flughafen raus, hörten wir überall Leute reden. Wir verstanden natürlich nur nada … nada … Unser Spanisch-Level: irgendwo zwischen „Hola“ und hilflosem Lächeln.

    Beim Kauf der Flughafenbus-Fahrkarten (2300 CLP) ging es mit Englisch noch einigermaßen. Aber an der U-Bahn-Station „Pajaritos“ hatten wir schon unsere erste echte Herausforderung: überhaupt eine BIP-Karte (eine Art Geldkarte für Bis und Bahn) für den ÖPNV zu bekommen. Die Frau hinter der dicken Glasscheibe konnte uns nicht verstehen und wir sie auch nicht. Es war einfach wie ein internationales Pantomime-Festival. Schließlich hat ein sehr freundlicher Mann geholfen zu übersetzen – sogar auf Deutsch! Wir dachten schon: Rettung! Falsch gedacht: Die Bip-Karte konnte man nur mit Bargeld kaufen, nicht mit Kreditkarte. Wir hatten noch kein Bargeld, also war die ganze Aktion trotzdem erfolglos.

    Michael meinte dann ganz optimistisch, dass wir bestimmt wie in Auckland einfach direkt mit Kreditkarte/Handy durch die Schranke kommen. Nach dem Motto: „Wird schon irgendwie funktionieren.“ Und tatsächlich – es hat geklappt! So sind wir letztendlich mit der U-Bahn zum Hotel gefahren. Die Fahrt kostet übrigens nur 700 Peso, also ca. 60 Cent. Dafür bekommt man in Neuseeland wahrscheinlich nicht mal einen halben Kaugummi.

    Als wir endlich im Hotelzimmer eingecheckt hatten, waren wir komplett fix und fertig. Gehirn, Körper und Zeitgefühl hatten längst gekündigt. Die Sprachbarriere wird uns hier definitiv dauerhaft begleiten.

    Am nächsten Tag haben wir uns erstmal vom Jetlag erholt, den halben Tag geschlafen und ein bisschen die Gegend erkundet. Nicht weit vom Hotel gibt es ein schönes Viertel namens Bellavista – voller Restaurants, Bars und entspannter Stimmung. Natürlich mussten wir sofort traditionelles chilenisches Essen ausprobieren. Gut gewürzt, deftig und vor allem: riesige Portionen. In Südamerika scheint man grundsätzlich davon auszugehen, dass jeder Gast gerade einen Halbmarathon gelaufen ist.

    10.05. 2026 – Ausflug nach Viña del Mar und Valparaíso. Der erste und zweite Stopp waren eher unspektakulär.

    Aber der dritte Stopp – Fischmarkt – war ein Erlebnis für alle Sinne. Vor allem für die Nase. Es hat wirklich unfassbar nach Fisch gestunken. Überall lagen riesige Seelöwen direkt am Parkplatz und sonnten sich völlig entspannt. Die waren viel größer als die, die wir in Australien und Neuseeland gesehen haben. Absolute Endgegner-Seelöwen. Dazu saßen Pelikane geschniegelt und gestriegelt in einer Reihe auf der Mauer und warteten geduldig auf Essensreste von Menschen. Wie ein organisierter Vogel-Gangsterverein.

    Danach ging es nach Valparaíso. Dort machten wir einen einstündigen Spaziergang durch die Stadt, welche am Meer liegt und durch die über 40 Hügel einer Berg-und-Talbahn gleicht. Überall bunte Bilder an den Wänden, verrückte Graffitis und farbige Treppen. Die ganze Stadt sieht aus, als hätte jemand einen Farbeimer explodieren lassen – auf eine gute Art. Wir haben auch die deutsche Kirche gesehen, sind zu einem Aussichtspunkt gelaufen und haben den Blick über die Stadt und das Meer genossen.

    Nach dem Mittagessen liefen wir zurück zu einer der vielen Standseilbahnen und fuhren mit dieser wieder runter. Nachmittags ging es noch zu einem Weingut. Dort probierten wir zuerst Weißwein und später im Keller Rotwein. Sehr professionell natürlich. Wir haben bei jedem Schluck ernst genickt, als würden wir wirklich „fruchtige Noten“ und „einen Hauch von Eiche“ herausschmecken. Die Chilenen sind relativ stolz auf ihren Wein, aber für uns kommt er weit nach italienischem, spanischen und australischen Wein.

    11.05.–15.05.2026 – Wir haben für eine Woche einen Spanisch-Crashkurs gemacht: 30 Lernstunden in einer Woche. Das war intensiv, interessant und für uns mit null Vorkenntnissen wirklich hardcore. Unser Gehirn hat spätestens ab Tag drei nur noch „ser, estar, tener, haber“ im Kreis abgespielt.

    Nach dem Kurs organisierte die Schule jeden Tag noch Aktivitäten. Einmal besuchten wir mit anderen Schülern den Hausberg Santiagos, den San Cristóbal. Wir sind mit der roten Zahnradbahn gefahren und haben die Stadt bei Sonnenuntergang angeschaut. Wirklich wunderschön.

    An einem anderen Abend nahmen wir an einem Tandem-Austausch-Event teil. Mit Adrian und Ive haben wir 45 Minuten Spanisch gesprochen und danach 45 Minuten Englisch geredet. Immerhin haben wir nach fünf Tagen jetzt einen Teil der Grammatik verstanden und können uns einige Wörter merken. Für echte Unterhaltungen reicht das aber noch lange nicht. Aktuell besteht unser Spanisch hauptsächlich aus: „Hola“, „Gracias“ und panischem Nachdenken. Aber wir werden weiter selbst lernen.

    In der Schule haben wir außerdem Martina und ihre Schwester Steffi aus der Schweiz kennengelernt. Die sind seit August letzten Jahres auch auf Weltreise und hatten eine ähnliche Route wie wir. Voll interessant, sich mit ihnen auszutauschen. Weltreisende erkennen sich irgendwie sofort gegenseitig am leicht verwirrten Blick und offenen und freundlichen Art.

    Die Stadt Santiago ist groß, laut und voller Menschen. Sie ist von Bergen umzingelt und manchmal sieht man ziemlich viel Smog.

    Mehrmals haben wir an Kreuzungen bei roten Ampeln kleine Kunstshows gesehen. Unglaublich, was die Leute dort alles machen – ein Jongleur auf einem Einrad, Akrobaten, Breakdance und einen Seiltänzer auf einem zwischen 2 Ampeln gespannten Seil – mitten zwischen den Autos. Die Autofahrer scheinen das völlig normal zu finden.

    Die Leute wirken insgesamt sympathisch. Obwohl uns viele gewarnt haben, gut auf unsere Wertsachen aufzupassen wegen Diebstahl, fühlen wir uns hier sicher. Es gibt relativ viele Obdachlose in Parks und auf den Straßen – wie leider in vielen großen Städten. Außerdem haben wir unglaublich viele Polizisten gesehen. Vermutlich mehr Polizisten als wir spanische Wörter kennen.

    Mittags haben wir meist Empanadas, eine Art Teigtasche, gegessen, welche hier zu den Nationalgerichten zählen. Abend sind wir manchmal in die Ausgehviertel Nähe der Universitäten gegangen und haben typisch chilenische Gerichte und Pisco Sour probiert. Lecke! Pisco Sour behalten wir auf jeden Fall im Hinterkopf und werden es zurück in Deutschland definitiv selbst mal machen.

  • Fidschi – Barefoot Kuata Island

    02.05.2026 – Heute verlassen wir Nadi. Mit dem Taxi – eigentlich war es der Vater der Rezeptionistin – fahren wir von Wailoaloa Beach nach Denarau, ungefähr 11 Kilometer. Die gesamte Denarau-Halbinsel wurde großteils künstlich aufgeschüttet und ist Privatgelände. Deshalb muss jedes Fahrzeug erst durch eine Kontrolle fahren. Fast ein bisschen wie Grenzübergang für Urlauber mit Flip-Flops. Auf der Halbinsel befinden sich nämlich mehrere 5-Sterne-Resorts und ein 18-Loch Golfplatz, was sie zum exclusivsten Ort in ganz Fidschi macht.

    Beim Einchecken für die Überfahrt zu unserem Inselresort wartet direkt die erste böse Überraschung: Wegen der gestiegenen Ölpreise müssen wir nochmal ungefähr 40 € Spritzuschlag zahlen. Dabei lagen die Preise für die Fähre sowieso schon bei etwa 320 €. Fidschi entwickelt sich damit mit großem Abstand zum teuersten Land unserer bisherigen Reise. Eine genaue Kostenübersicht machen wir dann am Ende der Reise.

    Die Überfahrt dauert knapp zwei Stunden, vergeht aber erstaunlich schnell. Vielleicht wegen der wunderschönen Aussicht vom Deck. Vielleicht auch wegen der fidschianischen Mutter mit ihren zwei süßen Kindern, die hinter mir saß. Irgendwann kommen wir ins Gespräch – ihr Schwager arbeitet wohl auch auf unserer Insel.Die beiden Mädchen, ungefähr sieben und neun Jahre alt, haben große dunkle Augen, lange Wimpern und lockige Haare. Super neugierig, super lebendig und die ganze Zeit am Kichern. Als wir unser Ziel erreichen, werden wir mit einem kleinen Boot abgeholt und auf die Insel gebracht. Schon vom Wasser aus sehen wir einen Mann auf einem großen Felsen im Meer stehen und uns zuwinken.

    Kurz vor dem Strand beginnt plötzlich eine kleine Band Einheimischer mit Gitarren zu spielen und zu singen. Wir verstehen zwar kein Wort, fühlen uns aber sofort willkommen. Das Lied endet mit einem lauten gemeinsamen „BULA!!“ von Gästen und Mitarbeitern.

    Dann steigen wir barfuß ins türkisfarbene Wasser. Heller Sandstrand, kleine Baby-Riffhaie schwimmen neugierig vorbei – und sofort kommt dieses „Malediven-Gefühl“ auf. Nur mit dem kleinen Unterschied: Wir sind auf Kuata Island.

    Unser Zuhause ist eine Bure, ein großes Zelt mit Veranda und privaten Liegen direkt am Wasser. Ruhig, wunderschön und morgens können wir den Sonnenaufgang über dem Meer direkt vom Bett aus sehen. Wirklich ein Postkartenmoment.

    Natürlich holen wir sofort Schnorchelausrüstung und springen ins warme, klare Wasser. Die Korallen sind bunt, gesund und voller Leben. Überall kleine Fische und Baby-Riffhaie. Ehrlich gesagt bisher einer der schönsten Schnorchelspots unserer ganzen Reise. Der einzige Nachteil: kleine unsichtbare stechende Quallen. Ich sehe sie nie – ich höre sie nur. Es klingt wie kleine elektrostatische Entladungen im Wasser, gefolgt von kurzen Schmerzen an Armen oder Beinen. Für Michael ist es nur ein kleines Pieksen. Für mich leider tagelang juckende rote Stellen mit kleinen Bläschen. Offenbar reagiere ich allergisch auf das Gift. Aber ganz ehrlich: Für diese Unterwasserwelt nehme ich das trotzdem in Kauf.

    Abends findet „Fiji Night“ statt. Etwa 20 bis 30 einheimische Mitarbeiter versammeln sich, singen, tanzen und führen am Ende noch eine Kava-Zeremonie durch. Wir dürfen zuschauen und mitklatschen. Nur das Kava trinken wir diesmal ausnahmsweise nicht mehr. Man könnte auch sagen: Unser Geschmackssinn braucht dafür noch mehrere Entwicklungsstufen.

    Am nächsten Tag ist es zwar schön, aber extrem windig. Eigentlich wollte ich nachts tauchen gehen, aber der Wind hatte offensichtlich andere Pläne. Ins Meer konnten wir tagsüber nicht mehr, also haben wir stattdessen am Pool entspannt. Dabei beobachte ich einen Mitarbeiter, der mit dem Kanu zum Warrior Rock fährt, dort hochklettert und sich auf den Empfang neuer Gäste vorbereitet. Wahrscheinlich einer der spektakulärsten Arbeitswege der Welt.

    Am Nachmittag machen wir eine kleine Erkundungstour über die Insel – zur Cave, einer kleinen Höhle, und zum Back Beach auf der anderen Seite der Insel. In der Steinhöhle lagern einige Sachen der Inselbewohner, fast wie ein kleines natürliches Museum.

    Der Back Beach ist menschenleer, klein und wunderschön ruhig. Viel entspannter als der Hauptstrand auf der Ostseite. Allerdings herrscht Ebbe und das Wasser ist zu flach zum Schwimmen. Dafür finde ich dort wunderschöne große Muscheln. Am liebsten hätte ich sie mitgenommen. Aber am Ende lasse ich sie dort. Sie gehören einfach hier her – und nicht als Staubfänger in mein Regal.

    In der Nacht kommt dann ein heftiger Sturm. Der Wind ist so laut und das Zelt wackelt so stark, dass wir wach werden. Kurz habe ich wirklich Sorge, dass unser Zelt irgendwann Richtung Ozean abhebt. Zum Glück passiert nichts. Aber der Sturm war auch so heftig, dass es über Nacht 2 Ausflugsboote versenkt hat. Diese wurden dann versucht am folgenden Tag an Land zu ziehen und zu reparieren.

    04.05.2026- Heute ist es endlich wieder ruhig und sonnig. Michael geht mit einer Gruppe zum Hai-Schnorcheln hinaus – mit dem Boot zu einer speziellen Stelle.

    Von Michael:

    Heute stand Schnorcheln mit Haien auf dem Programm – also quasi ein entspannter Wellnesstag … nur mit deutlich mehr Zähnen. 🦈

    Auf der Rückseite der Insel sind wir mit einem kleinen Boot ein Stück hinaus bis zur Kante des Riffs gefahren. Nach dem Sturm vom Vortag war das Meer dort überraschend ruhig und das Wasser herrlich klar – perfekte Bedingungen also, um sich freiwillig ins Reich der Haie zu begeben.

    Kurz die Ausrüstung gecheckt, Maske gerichtet und schon ging es zusammen mit einem Guide ins Wasser. Keine paar Meter unterwegs, gab es direkt das erste Highlight: Eine Meeresschildkröte schwamm ganz entspannt etwa fünf Meter vor mir an die Oberfläche, um Luft zu holen. Ja, selbst Schildkröten müssen zwischendurch mal auftanken. 😉

    Danach ging es immer weiter am Riff entlang. In der Ferne tauchten plötzlich die ersten Haie auf. Erst noch klein und weit weg – und wenige Minuten später waren wir mittendrin. Um uns herum mehrere Riffhaie, die ganz ruhig ihre Kreise zogen. Mal weiter entfernt, mal plötzlich richtig nah … fast zum Anfassen. Die Tiere waren ungefähr 1,80 Meter lang, also nur minimal kleiner als ich.

    Insgesamt haben wir fünf Haie gezählt. Zum Glück keine Tiger-, Bullen- oder Weißen Haie, sondern die deutlich entspanntere Variante der Unterwasserwelt: neugierig, beeindruckend und zum Glück nicht als Futter an uns interessiert.

    Nach etwa einer Stunde war das Abenteuer dann leider schon wieder vorbei und wir fuhren zurück zur Insel – mit jeder Menge Adrenalin, Respekt vor der Natur und der Erkenntnis, dass ich beim Schwimmen definitiv nicht der Schnellste im Wasser war.

    Währenddessen spiele ich mit anderen Gästen Coconut Bowling. Champion bin ich leider nicht geworden, aber Spaß hatte ich trotzdem.

    Dann wird es endlich 18:30 Uhr. Es ist dunkel. Zeit für meinen Nachttauchgang. Diesmal direkt vom Strand aus ins Hausriff. Nur ich und mein lokaler Guide Sami. Am Anfang schalten wir unsere Lampen aus und plötzlich beginnt das Wasser um uns herum zu leuchten. Mit jeder Bewegung wird es heller. Wie Unterwasser-Glühwürmchen. Überall um uns herum. Absolut magisch. Danach beginnt unsere eigentliche Entdeckungstour. Sami zeigt mir wunderschöne kleine bunte Krebse, Mini-Schnecken und unzählige Lebewesen, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Eine fast zwei Meter lange schwarz-weiß gestreifte Seegurke. Flache Krebse. Rosa und rote Fische mit riesigen dunklen Augen, völlig überdimensioniert für ihre kleinen Körper. Riesige Muscheln mit fast anderthalb Metern Durchmesser, auf denen winzige dunkelblau glänzende Krebse herumtanzen. Dazu Tintenfische, aktive Baby-Riffhaie und überall Bewegung im Riff. Definitiv einer der besondersten und unvergesslichsten Nachttauchgänge meines Lebens.

    05.05.2026 – Heute stehen wir schon um fünf Uhr morgens auf. Wir wollen zum Aussichtspunkt auf dem höchsten Berg der Insel wandern, um den Sonnenaufgang zu sehen. Es ist dunkel, warm und überraschend angenehm. Mit Stirnlampen steigen wir den Weg hinauf und erreichen nach ungefähr 25 Minuten den Aussichtspunkt. Der Himmel ist wolkenlos. Wir sind komplett allein und beobachten, wie sich die Farben des Himmels langsam verändern. Orange, rosa, gold, blau. Einfach wow.

    Nach dem Abstieg nutzen wir direkt die Morgenenergie und fahren noch eine halbe Stunde Kanu. Das Wasser ist so klar und blau, dass wir eigentlich sofort wieder hineinspringen wollen.

    Also gehen wir nach dem Kanufahren direkt nochmal schnorcheln. Als wir endlich wieder aus dem Wasser kommen, ist schon fast der halbe Tag vorbei.

    Am Nachmittag lerne ich von Einheimischen noch Basket Weaving. Michael geht mir helfend zur Hand. Jetzt bin ich offiziell zertifizierte Korbflechterin für Palmblätter. Ich warte eigentlich nur noch auf mein Diplom.

    06.05.2026 – Heute geht es zurück zur Hauptinsel. Wir machen eigentlich nichts mehr – außer das Meer anzuschauen und zu versuchen, diesen unglaublichen Ausblick irgendwo dauerhaft im Gehirn abzuspeichern. Zum Abschied versammeln sich noch mal fast alle Mitarbeiter, singen für uns, schütteln uns die Hände und begleiten uns bis zum Boot am Strand.

  • Fidschi – Nadi

    29.04.2026: Heute ging es von Pacific Harbour wieder zurück nach Nadi. Als wir starten wollten, stellten wir fest, dass einer der vorderen Reifen fast platt war. Entweder hatten wir uns irgendetwas eingefahren, oder eines der zahlreichen Schlaglöcher hatte seine Wirkung entfaltet – wahrscheinlich eine Kombination aus beidem. Kurz Check: Ersatzrad? Fehlanzeige.

    Also ab zur nächsten Tankstelle, um etwas Luft aufzupumpen. Dort angekommen die nächste Überraschung: Der Kompressor war kaputt. Perfekt. 😅

    Glücklicherweise entdeckte der Tankstellenmitarbeiter in einem kleinen, versteckten Fach im Kofferraum einen Mini-Kompressor mit Dichtmittel. Ohne viel Aufhebens machten sich die Jungs daran, den Reifen abzudichten und wieder aufzupumpen. Und siehe da – der Reifen hielt die restliche Fahrt problemlos. Ein Hoch auf improvisierte Lösungen und hilfsbereite Fidschianer!💖

    Nach meinem Magen-Darm-Problem ging es mir zwar noch nicht richtig gut, aber die dreistündige Fahrt haben wir trotzdem gut überstanden.

    In Nadi angekommen, ging es nach dem Einchecken im Hotel erst mal direkt zum Strand, der zum Glück nur zwei Minuten entfernt war. Besser kann man ein Hotel eigentlich kaum platzieren. Anschließend sind wir noch bei gefühlten 28 Grad Wassertemperatur in den Sonnenuntergang geschwommen. Natürlich durfte dabei auch ein kleines Fotoshooting nicht fehlen – schließlich muss man ja dokumentieren, dass man tatsächlich dort war und nicht nur eine Postkarte gekauft hat.

    30.04.2026: Heute mussten wir unseren Mietwagen wieder abgeben. Der kleine Toyota war technisch zwar weit entfernt von dem, was wir normalerweise gewohnt sind – selbst die anderen Mietwagen auf unserer Reise waren deutlich besser ausgestattet – aber er hat uns immerhin anderthalb Wochen zuverlässig überall hingebracht. Das eingebaute Navi war allerdings auf Japanisch eingestellt und verfügte ausschließlich über Kartenmaterial von Japan. Warum auch immer. Wir haben das Thema deshalb einfach ignoriert und stattdessen wieder einmal auf Google Maps vertraut, das uns wie so oft zuverlässig gerettet hat.

    Da es mir heute wieder deutlich besser ging, stand ein Ausflug zu den Mud-Pools und Hot Springs im Norden von Nadi auf dem Programm. Die erste Herausforderung begann allerdings schon bei der Frage: Wie kommt man ohne Mietwagen überhaupt dorthin? Bus? Fehlanzeige. Uber? Ebenfalls nicht vorhanden. Also blieb nur Taxi fahren.

    Der Mitarbeiter bei der Mietwagenstation wollte uns freundlicherweise direkt ein Fahrdienst organisieren. Der genannte Preis war allerdings eher ein Fall für die Kategorie „Touristen-Sonderangebot“: umgerechnet knapp 30 Euro für acht Kilometer. Also lieber selbst vergleichen. Wir fragten kurzerhand einen richtigen Taxifahrer. Dort lag der Einstiegspreis nur noch bei einem Drittel. Nach ein wenig Verhandlungsgeschick stiegen wir schließlich ein. Geht doch.

    Der Weg zu den Mud-Pools führte im letzten Abschnitt über eine Straße, die man wohlwollend als Schotterpiste bezeichnen könnte. So holprig, dass man stellenweise vermutlich zu Fuß ähnlich schnell gewesen wäre. Bei über 30 Grad Außentemperatur war die Taxifahrt trotzdem eindeutig die angenehmere Variante.

    An den Pools angekommen hieß es: Eintritt zahlen, umziehen und rein ins Wellness-Abenteuer. Zuerst ging es zu großen Bottichen voller „Heilschlamm“, mit dem wir uns großzügig von Kopf bis Fuß einschmierten. Dabei kamen definitiv Kindheitserinnerungen hoch 😉. Früher hieß das einfach „im Dreck spielen“, heute nennt man es Wellness und bezahlt Eintritt dafür.

    Nachdem der Schlamm ein paar Minuten in der Sonne trocknen durfte, ging es in das erste warme Wasserbecken, um die getrocknete Erdschicht wieder halbwegs loszuwerden.

    Danach folgte der erste Hot Pool mit angenehmer Badewannentemperatur. Dort ließen wir uns entspannt im Wasser treiben. Anschließend ging es kurz in einen größeren Pool, in dem man sogar ein wenig schwimmen konnte, bevor wir den letzten Pool ausprobierten.

    Dort hatte das Wasser ungefähr 40 Grad. Nach wenigen Sekunden sahen wir aus wie Krebse oder Langusten, die gerade in kochendem Wasser für den Verzehr vorbereitet werden. Lange hielt man es dort definitiv nicht aus. Nach einer kurzen Dusche wartete dann noch der entspannende Abschluss des Tages: eine fidschianische Massage. Xin hat die Massage in vollen Zügen genossen und war richtig begeistert – für sie genau das Richtige. Ich dagegen hätte mir etwas mehr anatomische Fachkenntnis gewünscht. Statt gezielter Entspannung fühlte sich das Ganze eher wie ein wildes „Rumgeknete“ an. Aber hey, man ist ja am anderen Ende der Welt – da kann man nicht zu viel erwarten 😉.

    Für die Rückfahrt ließen wir uns erneut ein Taxi rufen – wobei „Taxi“ auf Fidschi nicht zwangsläufig bedeutet, dass es sich um ein offizielles Taxi handelt. Wenn Hotels oder andere Unterkünfte ein Taxi organisieren, werden oft einfach Verwandte angerufen, die sich mit dem Chauffieren von Touristen etwas Geld dazuverdienen. So kam es, dass wir während unseres Aufenthalts fast nie mit einem offiziellen Taxi unterwegs waren.

    01.05.2026: Heute haben wir erst einmal lange ausgeschlafen. Danach stand neben dem Einkauf einiger Lebensmittel – wir waren auf der Reise ja häufig Selbstversorger – vor allem Entspannung am Strand auf dem Programm.

    Nachdem die Sonne untergegangen war, ging es zurück ins Hotel, wo an diesem Abend eine sogenannte LOVO-Night stattfand. Einige Gerichte wurden traditionell im Erdofen gegart, wobei wir dieses Mal darauf verzichtet haben. Dafür gab es fidschianische Musik sowie eine Tanzshow mit Feuereinlage.

    Und diese Show hatte es wirklich in sich. Es war mit Abstand die beste Aufführung, die wir bislang auf unserer Reise gesehen hatten. Zuerst wurde getanzt und gesungen, anschließend begann die Feuershow. Die Tänzer jonglierten mit langen Stangen, die an beiden Enden brannten, und schleuderten brennende Kugeln in atemberaubendem Tempo um ihre Körper. Teilweise sah das Ganze so mühelos aus, dass man fast vergessen konnte, dass dort gerade Menschen mit offenem Feuer hantierten. Wir waren jedenfalls beeindruckt – und froh, dass niemand versehentlich die Palmen angezündet hat.

    Das war es erst mal in Nadi. Nächster Stop: Barefoot Kuata Island.