Am 20.05.2026 sind wir von La Serena nach Calama geflogen. Der Flug hat gerade mal 1 Stunde und 40 Minuten gedauert. Mit dem Bus wären es dagegen über 20 Stunden gewesen — also praktisch einmal quer durch die Geduld. Von hier aus wollen wir später mit dem Bus weiter nach San Pedro de Atacama fahren. Aber zuerst haben wir beschlossen, noch zwei Tage in Calama zu bleiben.

Calama liegt auf etwa 2260 Metern Höhe. Am ersten Tag hatten wir beide leichte Kopfschmerzen, aber zum Glück hat sich unser Körper schnell daran gewöhnt. Nach dem Frühstück sind wir zu Fuß in die Stadt gelaufen, um Bustickets zu kaufen und ein bisschen herumzuspazieren. Dabei haben wir mehrere Autos gesehen, die aussahen, als wären sie gerade eben einem schweren Verkehrsunfall entkommen — zerbeult, halb auseinanderfallend … aber sie fuhren ganz normal weiter! Unvorstellbar in Deutschland. Dort würde so ein Auto wahrscheinlich schon beim bloßen Anblick stillgelegt werden. Hier denkt man eher: „Ach, die Stoßstange fehlt? Läuft doch noch.“ Außerdem gibt es hier unzählige große Straßenhunde. Herrenlos, aber erstaunlich friedlich und entspannt. Dazu einige Obdachlose und Bettler auf den Straßen. Die Stadt selbst ist eher unspektakulär: viel Sonne, milde Temperaturen um die 23 Grad — deutlich angenehmer als in La Serena.


Ein Hauptplatz mit Kirche, viele kleine Straßen und kleine Läden. Auffällig war auch, dass sich alle Autovermietungen am Flughafen konzentriert haben. Die Büros in der Stadt stehen dagegen fast alle leer. Am Abend sind wir noch einmal zum Flughafen gefahren, um unseren Mietwagen bei einem lokalen Anbieter abzuholen.

22.05.2026 — heute haben wir einen Ausflug mit dem Mietwagen gemacht. Schon entlang der Autobahn stehen unzählige Kreuze mit Blumen für Verkehrstote. Michael hat nachgelesen, dass die Unfallquote in Chile bei etwa 8 pro 10.000 angemeldeten Autos liegt — in Deutschland dagegen ungefähr bei 1. Irgendwie überrascht uns das nach den Autos in Calama ehrlich gesagt nicht mehr besonders.
Unser erster Stopp war der Mirador División Ministro Hales — eine Aussichtsplattform direkt an der Autobahn. Von dort aus konnten wir einen gigantischen Bergbau-Komplex sehen: riesige Baustellen, dauernd Bewegung und monströse Baufahrzeuge, die aussahen, als könnten sie ein normales Auto versehentlich frühstücken. Durch die ganzen Fahrzeugbewegungen im Bergbau war sehr viel Staub in der Luft, was man auch an den Bilderr sieht.


Etwa 40 Minuten weiter nordöstlich kamen wir zur Laguna Inka Coya, unserem zweiten Stopp. Eintritt: 2500 CLP. Mitten in der trockenen Atacama-Wüste plötzlich eine intensiv blaue Lagune — fast unwirklich.

Im Hintergrund schneebedeckte Berge, daneben ein Flussbett mit grünen Pflanzen — eine kleine Oase mitten im Nichts. Dort liefen Lamas, Alpakas sowie wilde Guanacos und Vikunjas herum. Dazu ein tiefblauer Himmel ohne eine einzige Wolke. Wirklich ein wunderschöner, friedlicher Ort.

Der dritte Stopp lag weitere 40 Minuten Richtung Berge entfernt: Pukará de Turi. Eine große Inka-Ruine auf einem Hügel unter strahlend blauem Himmel. Hier oben war fast niemand unterwegs. Zwischen den alten Steinmauern konnte man noch einzelne Räume erkennen. Mitten in der Anlage stand ein großes eingestürztes Gebäude — vermutlich früher ein Gemeindehaus oder Versammlungsort.

Wir haben viele Vögel gesehen und sogar zwei Viscachas. Die sehen ein bisschen aus wie Hasen mit langem Ringelschwanz und hüpfen blitzschnell und fast lautlos herum wie kleine Kängurus auf Espresso.

Michael hat außerdem Steine gefunden, die aussahen wie alte Vasen- oder Kochtopfreste. Wären wir Archäologen gewesen, hätten wir dort vermutlich den ganzen Tag verbracht.
Der vierte Stopp war Pukará de Lasana. Schon die Fahrt dorthin war ein kleines Abenteuer. Irgendwann hörte die Straße einfach auf. Stattdessen fuhren wir etwa 10 Kilometer über einen relativ flachen, aber komplett steinigen und sandigen Weg voller Buckel. Neben uns verlief eine Pipeline. Kein anderes Fahrzeug weit und breit. Dann — plötzlich — war die Straße wieder da, als wäre nichts gewesen.
Das letzte Stück hinunter zum Dorf war ziemlich schmal und verlief direkt neben einem steinigen Hang. Die Felsen sahen aus, als könnten sie jederzeit herunterrollen. Falls Gegenverkehr gekommen wäre, wäre das spannend geworden. Ich habe innerlich schon sämtliche Schutzengel aktiviert, während Michael völlig entspannt gefahren ist. Wer’s kann, der kann.

Die Ruinen von Pukará de Lasana waren ebenfalls beeindruckend groß und teilweise restauriert. Direkt daneben liegt ein kleines Dorf. Wir haben ein paar Fotos gemacht und sind weitergefahren.

Fünfter Stopp: das Dorf Chiu Chiu. Dort steht die älteste Kirche Chiles: Iglesia de San Francisco de Chiu Chiu. Leider war sie geschlossen, sodass wir sie nur von außen anschauen konnten.

Auf der anderen Seite des Dorfplatzes hörten wir plötzlich laute Musik und Gesang. Offenbar fand gerade ein Dorffest statt. Natürlich mussten wir neugierig nachsehen. Eine breite Gasse voller kleiner Verkaufsstände, überall Menschen, Musik und Essen. Am Ende der Straße stand eine Bühne mit vielen Zuschauern. Daneben sogar ein kleiner Stall mit Lamas und Ziegen.


Die Tänzer und Musiker trugen traditionelle Kleidung, und gerade lief eine Live-Aufführung mit Musik und Tanz. Wahrscheinlich waren wir zwei Ausländer für die Dorfbewohner mindestens genauso exotisch wie sie für uns.

Der Grillgeruch an einem Stand hat sofort unseren Hunger geweckt. Mit unserem gebrochenen Spanisch haben wir zwei Completos bestellt — chilenische Hotdogs — für ungefähr 2 Euro pro Stück. Und ehrlich: extrem lecker.
Danach sind wir wieder ins Auto gestiegen und zurück nach Calama gefahren.Unser sechster und letzter Stopp war eher Michaels persönliches Highlight. Schon ein paar Tage zuvor hatten wir bei der Fahrt vom Flughafen in die Stadt zwei gigantische Baufahrzeuge mitten auf einer Verkehrsinsel stehen sehen.

Natürlich musste er da noch einmal hin. Bevor wir den Mietwagen zurückgegeben haben, haben wir dort also angehalten. Und wirklich — so etwas habe ich noch nie aus der Nähe gesehen. Diese Fahrzeuge waren absolut riesig. Genau solche Maschinen werden im Bergbau eingesetzt. Vom ersten Aussichtspunkt aus wirkten sie groß — aber hier direkt daneben habe ich mich plötzlich gefühlt wie eine Ameise neben einem Dinosaurier. Wahnsinn.

Heute war wieder ein richtig schöner Tag. Voller neuer Eindrücke, Erlebnisse und Momente..



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