08.05.2026 – Wir sind knapp 11 Stunden von Auckland nach Santiago de Chile geflogen. Die Zeitverschiebung beträgt einfach mal 16 Stunden zurück zu Auckland. Also um 20:15 Uhr losgeflogen und um 15:10 Uhr am gleichen Tag angekommen. Endlich haben wir „Zurück in die Zukunft“ live erlebt. Fehlt nur noch der DeLorean.
Der Einreiseprozess ging überraschend schnell. Kaum aus dem Flughafen raus, hörten wir überall Leute reden. Wir verstanden natürlich nur nada … nada … Unser Spanisch-Level: irgendwo zwischen „Hola“ und hilflosem Lächeln.
Beim Kauf der Flughafenbus-Fahrkarten (2300 CLP) ging es mit Englisch noch einigermaßen. Aber an der U-Bahn-Station „Pajaritos“ hatten wir schon unsere erste echte Herausforderung: überhaupt eine BIP-Karte (eine Art Geldkarte für Bis und Bahn) für den ÖPNV zu bekommen. Die Frau hinter der dicken Glasscheibe konnte uns nicht verstehen und wir sie auch nicht. Es war einfach wie ein internationales Pantomime-Festival. Schließlich hat ein sehr freundlicher Mann geholfen zu übersetzen – sogar auf Deutsch! Wir dachten schon: Rettung! Falsch gedacht: Die Bip-Karte konnte man nur mit Bargeld kaufen, nicht mit Kreditkarte. Wir hatten noch kein Bargeld, also war die ganze Aktion trotzdem erfolglos.
Michael meinte dann ganz optimistisch, dass wir bestimmt wie in Auckland einfach direkt mit Kreditkarte/Handy durch die Schranke kommen. Nach dem Motto: „Wird schon irgendwie funktionieren.“ Und tatsächlich – es hat geklappt! So sind wir letztendlich mit der U-Bahn zum Hotel gefahren. Die Fahrt kostet übrigens nur 700 Peso, also ca. 60 Cent. Dafür bekommt man in Neuseeland wahrscheinlich nicht mal einen halben Kaugummi.

Als wir endlich im Hotelzimmer eingecheckt hatten, waren wir komplett fix und fertig. Gehirn, Körper und Zeitgefühl hatten längst gekündigt. Die Sprachbarriere wird uns hier definitiv dauerhaft begleiten.
Am nächsten Tag haben wir uns erstmal vom Jetlag erholt, den halben Tag geschlafen und ein bisschen die Gegend erkundet. Nicht weit vom Hotel gibt es ein schönes Viertel namens Bellavista – voller Restaurants, Bars und entspannter Stimmung. Natürlich mussten wir sofort traditionelles chilenisches Essen ausprobieren. Gut gewürzt, deftig und vor allem: riesige Portionen. In Südamerika scheint man grundsätzlich davon auszugehen, dass jeder Gast gerade einen Halbmarathon gelaufen ist.

10.05. 2026 – Ausflug nach Viña del Mar und Valparaíso. Der erste und zweite Stopp waren eher unspektakulär.


Aber der dritte Stopp – Fischmarkt – war ein Erlebnis für alle Sinne. Vor allem für die Nase. Es hat wirklich unfassbar nach Fisch gestunken. Überall lagen riesige Seelöwen direkt am Parkplatz und sonnten sich völlig entspannt. Die waren viel größer als die, die wir in Australien und Neuseeland gesehen haben. Absolute Endgegner-Seelöwen. Dazu saßen Pelikane geschniegelt und gestriegelt in einer Reihe auf der Mauer und warteten geduldig auf Essensreste von Menschen. Wie ein organisierter Vogel-Gangsterverein.



Danach ging es nach Valparaíso. Dort machten wir einen einstündigen Spaziergang durch die Stadt, welche am Meer liegt und durch die über 40 Hügel einer Berg-und-Talbahn gleicht. Überall bunte Bilder an den Wänden, verrückte Graffitis und farbige Treppen. Die ganze Stadt sieht aus, als hätte jemand einen Farbeimer explodieren lassen – auf eine gute Art. Wir haben auch die deutsche Kirche gesehen, sind zu einem Aussichtspunkt gelaufen und haben den Blick über die Stadt und das Meer genossen.





Nach dem Mittagessen liefen wir zurück zu einer der vielen Standseilbahnen und fuhren mit dieser wieder runter. Nachmittags ging es noch zu einem Weingut. Dort probierten wir zuerst Weißwein und später im Keller Rotwein. Sehr professionell natürlich. Wir haben bei jedem Schluck ernst genickt, als würden wir wirklich „fruchtige Noten“ und „einen Hauch von Eiche“ herausschmecken. Die Chilenen sind relativ stolz auf ihren Wein, aber für uns kommt er weit nach italienischem, spanischen und australischen Wein.


11.05.–15.05.2026 – Wir haben für eine Woche einen Spanisch-Crashkurs gemacht: 30 Lernstunden in einer Woche. Das war intensiv, interessant und für uns mit null Vorkenntnissen wirklich hardcore. Unser Gehirn hat spätestens ab Tag drei nur noch „ser, estar, tener, haber“ im Kreis abgespielt.
Nach dem Kurs organisierte die Schule jeden Tag noch Aktivitäten. Einmal besuchten wir mit anderen Schülern den Hausberg Santiagos, den San Cristóbal. Wir sind mit der roten Zahnradbahn gefahren und haben die Stadt bei Sonnenuntergang angeschaut. Wirklich wunderschön.




An einem anderen Abend nahmen wir an einem Tandem-Austausch-Event teil. Mit Adrian und Ive haben wir 45 Minuten Spanisch gesprochen und danach 45 Minuten Englisch geredet. Immerhin haben wir nach fünf Tagen jetzt einen Teil der Grammatik verstanden und können uns einige Wörter merken. Für echte Unterhaltungen reicht das aber noch lange nicht. Aktuell besteht unser Spanisch hauptsächlich aus: „Hola“, „Gracias“ und panischem Nachdenken. Aber wir werden weiter selbst lernen.
In der Schule haben wir außerdem Martina und ihre Schwester Steffi aus der Schweiz kennengelernt. Die sind seit August letzten Jahres auch auf Weltreise und hatten eine ähnliche Route wie wir. Voll interessant, sich mit ihnen auszutauschen. Weltreisende erkennen sich irgendwie sofort gegenseitig am leicht verwirrten Blick und offenen und freundlichen Art.
Die Stadt Santiago ist groß, laut und voller Menschen. Sie ist von Bergen umzingelt und manchmal sieht man ziemlich viel Smog.

Mehrmals haben wir an Kreuzungen bei roten Ampeln kleine Kunstshows gesehen. Unglaublich, was die Leute dort alles machen – ein Jongleur auf einem Einrad, Akrobaten, Breakdance und einen Seiltänzer auf einem zwischen 2 Ampeln gespannten Seil – mitten zwischen den Autos. Die Autofahrer scheinen das völlig normal zu finden.

Die Leute wirken insgesamt sympathisch. Obwohl uns viele gewarnt haben, gut auf unsere Wertsachen aufzupassen wegen Diebstahl, fühlen wir uns hier sicher. Es gibt relativ viele Obdachlose in Parks und auf den Straßen – wie leider in vielen großen Städten. Außerdem haben wir unglaublich viele Polizisten gesehen. Vermutlich mehr Polizisten als wir spanische Wörter kennen.
Mittags haben wir meist Empanadas, eine Art Teigtasche, gegessen, welche hier zu den Nationalgerichten zählen. Abend sind wir manchmal in die Ausgehviertel Nähe der Universitäten gegangen und haben typisch chilenische Gerichte und Pisco Sour probiert. Lecke! Pisco Sour behalten wir auf jeden Fall im Hinterkopf und werden es zurück in Deutschland definitiv selbst mal machen.


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