Peru – Cusco 🇵🇪

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09.06.2026 – Von Bolivien über Chile nach Cusco: mit Entertainment und einem „kleinen Umweg“

Nach dem Abenteuer der Rückreise von Bolivien nach Chile stand heute der nächste Flugmarathon an: ab in den Flieger nach Cusco in Peru – inklusive Zwischenstopp in Santiago de Chile. Die beiden Flüge samt Terminalwechsel in Santiago verliefen erstaunlich entspannt. Der zweite Flug hatte dann immerhin ein kleines Upgrade: Entertainment an Bord mit relativ aktuellen Blockbustern. Man könnte sagen: Kino über den Wolken – nur mit Turbulenzen als Bonusprogramm.

In Cusco angekommen, ging es per Uber zum Hotel. Soweit der Plan. In der Realität entschied sich der Fahrer allerdings für eine spontane Karriere als Reisevermittler und hielt unterwegs an, um uns in einem „Reisebüro“ einige Touren in der Umgebung anzudrehen. Das Ganze zog sich so lange, dass die Uber-App zunehmend nervös wurde und fragte, ob alles in Ordnung sei – schließlich waren wir laut System schon längst am Ziel, nur der Körper befand sich noch im Verhandlungsmodus des peruanischen Tourismusvertriebs.

Immerhin: Auch Uber scheint inzwischen mitzudenken und trackt den Fahrweg sehr gewissenhaft, vermutlich um genau solche „kulturellen Zwischenstopps“ einzuordnen.

Cusco selbst ist dabei kein gewöhnlicher Zwischenstopp: Die Stadt war einst Hauptstadt des Inka-Reiches und liegt im peruanischen Andenhochland auf beeindruckenden rund 3.420 Metern Höhe – also genau dort, wo Treppensteigen zur sportlichen Disziplin wird. Mit rund 500.000 Einwohnern ist Cusco die fünftgrößte Stadt Perus und gilt als Tor zum Weltwunder Machu Picchu.

Architektonisch ist die Stadt ein faszinierender Mix: koloniale Bauten auf Inka-Fundamenten, dazwischen Überreste alter Paläste und Tempel. Die Geschichte dahinter ist ebenso gewaltig wie tragisch: Aufstieg des Inka-Reiches ab dem 13. Jahrhundert, interne Machtkämpfe im 16. Jahrhundert, spanische Eroberung durch die Konquistadoren und schließlich das Ende des Reiches mit der Hinrichtung von Atahualpa, dem letzten Herrscher des Inka-Reiches und der Unterwerfung der Inka – wobei sich viele Regionen noch lange widersetzten.

10.06.2026 – Cusco zu Fuß, 8°C Frühstück und tanzende Städte

Heute stand ein klarer Plan: Cusco ohne Tour, ohne Guide, einfach selbst erkunden. Kleiner Spoiler vorab: für den großen Zirkus kommen wir wieder.

Nach einem Frühstück bei gefühlten 8°C (Heizungen gelten hier offenbar als Luxusgut oder urbane Legende) ging es zum zentralen Platz, dem Plaza de Armas de Cusco. Viele Städte der ehemaligen spanischen Krone haben einen solchen Platz – in Cusco allerdings mit deutlich mehr Soundtrack.

Schon vom Hotel – nur fünf Minuten entfernt – war laute Musik und Trubel zu hören. Als wir ankamen, waren die Straßen rund um den Platz für Autos gesperrt, was zu einem kreativen Verkehrschaos in den engen Gassen führte.

Auf dem Platz selbst: bunte Gruppen, traditionelle Kleidung, Tanzformationen und Kapellen, die den Soundtrack gleich mitlieferten. Nach kurzer Recherche wurde klar: Wir waren mitten im Juni-Höhepunkt von Cusco. Die Stadt verwandelt sich in ein riesiges Festivalgelände.

Der Monat beginnt meist mit Fronleichnam (Corpus Christi – den wir schon in Potosí, Bolivien erlebt hatten) und endet am 24. Juni mit dem Inti Raymi, dem Sonnenfest – dem größten erhaltenen Fest der Inka-Kultur. Dieses markiert die Wintersonnenwende nach dem Inka-Kalender.

Wir schauten uns die Parade an und zogen dann weiter durch die Altstadt.

Unterwegs trafen wir auf drei Frauen mit Baby-Alpakas auf dem Schoß – oder genauer gesagt: wartend auf Touristen mit Kamera und Kleingeld-Ambitionen.

Da die Baby-Alpakas so unwiderstehlich waren, konnte Xin keinen Schritt weitergehen. Schließlich drückte einer der Frauen ihr ein Baby-Alpaka in die Arme. Gegen ein kleines Trinkgeld durfte das obligatorische Foto natürlich nicht fehlen.

Danach ging es weiter durch enge Gassen mit beeindruckenden Inka-Steinfundamenten. Die Steine sind so präzise gearbeitet, dass sie ohne Mörtel perfekt ineinandergreifen – und das nicht in bravem Rechteck, sondern in fünf-, sechs- oder siebeneckigen Formen.

Besonders berühmt: ein Stein mit zwölf Ecken, Teil eines gigantischen Fundaments eines ehemaligen Inka-Tempels oder -palastes, der später von den Spaniern überbaut wurde und heute als Museum dient. Der direkte Vergleich zwischen Inka-Perfektion und eher pragmatischer spanischer Baukunst wird vor Ort gerne demonstrativ hervorgehoben.

Die Bauweise ist übrigens nicht nur ästhetisch, sondern auch extrem erdbebensicher – Granit plus Verzahnung ergibt Stabilität, die Jahrhunderte überlebt.

Am Ende des Tages besuchten wir noch das Museo Inka de Cusco. Die Ausstellung reichte von der Prä-Inka-Zeit (von ca. 3000 v. Chr.) über die Inka-Epoche bis ins späte 18. Jahrhundert.

Fotografieren war leider verboten, aber dafür gab es jede Menge Inhalt: Landwirtschaft auf Terrassen, ausgeklügelte Bewässerungssysteme und Bestattungsrituale der Oberschicht.

Besonders eindrücklich waren Schädel aus der Prä-Inka-Zeit (Paracas), die im Kindesalter künstlich verformt wurden – durch Bandagen so stark, dass sich längliche Schädelformen entwickelten. Statussymbol, Schönheitsideal oder ethnisches Merkmal – je nach Epoche.

Auch Mumien spielen in Peru eine große Rolle: Durch die trockene, sauerstoffarme Höhenluft sind viele erstaunlich gut erhalten.

Die Ausstellung endete mit der spanischen Kolonialzeit:Darstellungen von ungleichen Kämpfen (Schusswaffen und Rüstungen gegen Speere und Lederschilde), der Hinrichtung des letzten Inka-Herrschers, bis zur Missionierung und koloniale Möbelstücke aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

11.06.2026 – Aquädukt, Cristo Blanco und eine Parade, die nicht nach Hause wollte

Nach dem Frühstück ging es erneut durch Cusco. Am Plaza de Armas Cusco fand wieder eine kleinere Parade statt – deutlich ruhiger als am Vortag, aber immer noch mit ausreichend Sound, um jede Unterhaltung dauerhaft zu übertönen.

Erstes Ziel des Tages: das Acueducto de Sapantiana, ein historisches, mehrstöckiges steinernes Aquädukt aus dem späten 17. oder frühen 18. Jahrhundert, erbaut vom Jesuitenorden und dem Stadtrat von Cusco. Leider herrschte Trockenzeit, sodass die Kaskaden eher „architektonisches Potenzial“ als tatsächlichen Wasserfall lieferten.

Weiter ging es durch kleine Gassen mit weiße Häuser und viele Blumen, die an den Wänden hingen.

Dann folgte ein kleiner Aufstieg zum Cristo Blanco, einer etwa 10 Meter hohen Jesus-Statue, die über hoch der Stadt wacht. Rio lässt grüßen😄

Direkt daneben liegt die gewaltige Inka-Festung Sacsayhuamán, die wir uns für einen anderen Tag aufgehoben haben – was angesichts der Größe vermutlich auch eine gute Entscheidung war.

Auf dem Rückweg am Nachmittag wurde es dann plötzlich laut: Musik, Böller, Trubel in der Nähe des Hotels. Also kurzer Stopp in Hotel – und dann direkt rein ins Geschehen.

Plötzlich waren wir mitten in einer Parade aus Trommeln, Tanzgruppen und bunt gekleideten Menschen. Wir liefen ein Stück den Berg hinauf mit, bis wir an einem Platz ankamen, auf dem sich Schul- und Universitätsgruppen versammelten, alle in aufwendig gestalteten Kostümen. Mehrere Männergruppen trugen große Heiligenfiguren, begleitet von privatem Feuerwerk, das eher nach „organisiertem Chaos mit Zündschnur“ wirkte als nach offizieller Veranstaltung.

Am Ende blieb der Eindruck einer riesigen Straßenparty, getragen von hunderten Einheimischen – laut, farbenfroh und komplett ohne Zurückhaltung. Ein würdiger Abschluss für einen sehr vollen Tag.

Morgen geht es nach dem Frühstück weiter nach Ollantaytambo, einem weiteren historischen Inka-Ort auf dem Weg nach Machu Picchu. Die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung von Cusco und die große Party am 24. Juni heben wir uns für später auf.

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