12.06.2026 – Vom Transportchaos ins Heilige Tal der Inka
Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zur Haltestelle für Touristenbusse – wobei „Busse“ hier eher großzügig formuliert ist. Tatsächlich handelte es sich um Kleinbusse mit 8 bis 12 Sitzplätzen oder alternativ um Sammeltaxis.
Kaum angekommen, wurden wir bereits von mehreren Fahrern umringt, und die obligatorischen Preisverhandlungen begannen. Schließlich entschieden wir uns für einen Kleinbus – die günstigste Variante. Doch etwa zehn Minuten später verkündete der Fahrer plötzlich, dass er doch nicht fahren werde. Warum? Das bleibt wohl eines der großen Rätsel Perus. Vielleicht hatte er einfach keine Lust mehr. Also wurden wir kurzerhand in ein Sammeltaxi verfrachtet, einen siebensitzigen SUV, und konnten endlich Richtung Ollantaytambo aufbrechen – ins berühmte Heilige Tal der Inka.
Unterwegs legten wir noch einen kurzen Stopp an einer Tankstelle ein. Dort erlebten wir zunächst einen kleinen Schock: 21 Sol für Normalbenzin, also ungefähr fünf Euro! Erst beim genaueren Hinsehen folgte die Entwarnung. Der Preis galt nicht pro Liter, sondern – wie in den USA – pro Gallone. Also für knapp vier Liter. Herzfrequenz wieder normal.
Die Straßen in Cusco wirkten stellenweise, als hätten die Inka persönlich den letzten Straßendienst übernommen. Kopfsteinpflaster, Schotter und allerlei Unebenheiten sorgten dafür, dass die Fahrt durchaus abwechslungsreich blieb. Außerhalb der Stadt begann zwar eine asphaltierte Straße, doch auch diese erinnerte wegen zahlreicher Schlaglöcher eher an einen Hindernisparcours als an eine moderne Verkehrsverbindung.
Nach etwa zwei Stunden Fahrt durch beeindruckende Bergschluchten, vorbei an einem großen See mit bunten Tretbooten und vor der Kulisse schneebedeckter Gipfel, erreichten wir schließlich wohlbehalten den Plaza de Armas von Ollantaytambo.


Keine 20 Meter nach unserer Ankunft wurden wir bereits von anderen Fahrern gefragt, ob wir nach Cusco fahren möchten. Offenbar sahen wir aus, als wären wir wieder bereit für die Rückreise. Wir lehnten dankend ab. 😉
Ollantaytambo ist eine historische Inkastadt aus dem 15. Jahrhundert im Heiligen Tal der Inka, etwa 60 Kilometer nordwestlich von Cusco. Auf rund 2.800 Metern Höhe gelegen, ist sie berühmt für ihre außergewöhnlich gut erhaltene Inka-Architektur. Das Straßennetz stammt noch aus der Zeit der Inka, und viele Gebäude besitzen bis heute die perfekt bearbeiteten Mauern aus Granit.


Gleichzeitig ist Ollantaytambo der wichtigste Ausgangspunkt für Reisen nach Machu Picchu. Entsprechend touristisch geht es hier zu: Hotels, Hostals, Restaurants und natürlich unzählige Souvenirshops prägen das Stadtbild.

Am Hang auf der Nordwestseite der Stadt befinden sich beeindruckende landwirtschaftliche Terrassen, ein riesiger Ruinenkomplex mit Sonnentempel sowie alte Bewässerungssysteme. Gegenüber, am Nordosthang des Berges Pinkuylluna, liegen mehrere Gebäude, die heute als ehemalige Lagerstätten für Mais, Kartoffeln und andere Lebensmittel interpretiert werden.

Am Nachmittag spazierten wir durch die Stadt und zum Bahnhof. Dort besorgten wir uns unsere Tickets für den Peru-Rail-Zug nach Machu Picchu beziehungsweise Aguas Calientes.

13.06.2026 – Auf den Spuren der Inka-Lageristen
Heute stand eine kleinere Wanderung auf den Pinkuylluna auf dem Programm. Das Beste daran: Der Eintritt ist kostenlos.

Der Einstieg liegt etwas versteckt in den engen Gassen des Ortes. Ein kleines Schild, das man leicht übersehen kann, weist auf einen schmalen Durchgang zwischen den Häusern hin. Dahinter beginnt direkt eine steile Treppe.
Wie fast jeden Tag in Peru strahlte die Sonne vom Himmel. Nach wenigen Minuten Wanderung war die Jacke, die morgens noch unverzichtbar erschien, bereits überflüssig.

Der Weg ist zwar steil, aber gut mit Holzgeländern gesichert. Unterwegs gibt es mehrere Aussichtspunkte und kleine Plattformen zum Verschnaufen. Wir kamen an einigen runden Gebäuden ohne sichtbaren Eingang vorbei und fragten uns zunächst, was hier wohl gelagert oder produziert wurde. Später wurde das Rätsel gelöst: Es handelte sich um eine Art antikes Silo. Oben befand sich eine große Öffnung zum Befüllen, unten eine kleinere Öffnung zum Verschließen und Entnehmen der Vorräte. Im Grunde also dieselbe Technik, die wir heute noch verwenden – nur ein paar Jahrhunderte älter.
Weiter oben erreichten wir mehrere lange rechteckige Gebäude mit Fenstern und Eingängen sowie einige angrenzende Terrassen. Die Bauwerke waren erstaunlich gut erhalten. Natürlich hatten die Dächer aus Holz und Stroh den Zahn der Zeit nicht überlebt, aber mit einem neuen Dach könnte man hier vermutlich direkt wieder einziehen. 😉



Es ist ohnehin beeindruckend, was die Menschen hier vor rund 600 Jahren geleistet haben. Manche Baumaterialien wurden direkt am Berg gewonnen, andere mussten mühsam hinaufgeschafft werden. Dasselbe galt natürlich für sämtliche Vorräte, die hier oben gelagert wurden.
Teile des Weges sind als Rundweg angelegt, sodass wir nach etwa drei entspannten Stunden wieder im Dorf ankamen.
Erstaunlicherweise waren hier nur wenige Besucher unterwegs. Ganz anders auf dem gegenüberliegenden Hang mit den berühmten Terrassen und Ruinen. Dort schien halb Peru unterwegs zu sein, angeliefert von einer endlosen Kolonne aus Kleinbussen, die meisten per Tagestour.
Den Nachmittag verbrachten wir damit, Souvenirs anzuschauen – wirklich nur anzuschauen – und im Hotel die weitere Reiseplanung voranzutreiben.
14.06.2026 – Zwischen Sonnentempel, Königsbad und spuckenden Lamas
Nach einer entspannten Nacht und einem guten Frühstück stand heute die Hauptattraktion von Ollantaytambo auf dem Programm.

Die Ausgrabungsstätte am Nordwesthang oberhalb der Stadt ist teilweise restauriert und mit Holztreppen versehen, damit die täglichen Touristenströme möglichst reibungslos über das Gelände verteilt werden können.

Früher befanden sich hier eine Stadt mit Festung, königlicher Residenz, Tempeln und weitläufigen Terrassenanlagen. Die Lage am Hang bot gleich mehrere Vorteile: Zum einen scheint hier fast den ganzen Tag die Sonne, was ideale Bedingungen für den Anbau von Mais und anderen Feldfrüchten schafft. Zum anderen ließ sich der Standort hervorragend verteidigen – ein Vorteil, der sowohl bei inneren Konflikten als auch später im Kampf gegen die spanischen Eroberer eine wichtige Rolle spielte.
Der Eintritt kostet 70 Sol für ein Einzelticket oder 130 Sol für ein Kombiticket, das insgesamt 16 Sehenswürdigkeiten im Heiligen Tal sowie in Cusco und Umgebung umfasst. Da wir später noch einmal nach Cusco zurückkehren wollen, entschieden wir uns für das Kombiticket.
Am Morgen war erfreulich wenig los. So konnten wir die Anlage noch relativ entspannt erkunden. Zunächst stiegen wir über die Terrassen zum ehemaligen Königssitz und zum berühmten Sonnentempel hinauf – beziehungsweise zu dessen Baustelle. Offenbar wurde der Tempel niemals vollständig fertiggestellt.
Geplant war ein monumentales Bauwerk aus riesigen rosafarbenen Granitblöcken. Einige Mauern stehen bereits, während zahlreiche unbearbeitete Steinblöcke noch immer auf dem Gelände liegen. Für Archäologen sind sie ein wertvoller Hinweis auf die Arbeitsweise und Bautechniken der Inka.

Anschließend machten wir uns auf den Weg zu einem höher gelegenen Aussichtspunkt. Die zusätzliche Steigung von etwa 10 bis 15 Minuten schreckte viele Besucher ab, weshalb wir dort oben deutlich mehr Ruhe genießen konnten. Die Aussicht war dafür umso spektakulärer: ein fantastischer Blick auf die gesamte Anlage, die Stadt und das Tal.




Als wir später wieder zurückkehrten, hatte inzwischen die seitliche Passage geöffnet, die täglich nur zwischen 13 und 15 Uhr zugänglich ist. Über diesen Weg kann man entlang des Hanges durch mehrere restaurierte Gebäude in einen weiteren Bereich der Anlage gelangen. Über weitere Terrassen und eine steile Treppe im Norden gelangten wir schließlich wieder nach unten.



Dort besichtigten wir den Badebereich der Anlage. Einige Bereiche dienten der alltäglichen Körperpflege, andere waren für zeremonielle Reinigungen vorgesehen. Ein separater Abschnitt war ausschließlich der Königin beziehungsweise der Frau des Herrschers vorbehalten.

Besonders beeindruckend war das ausgeklügelte Wassersystem. Über sorgfältig angelegte Rinnen im Fels leiteten die Inka das Wasser präzise durch die gesamte Anlage.

Auf unserem Rundgang begegneten uns außerdem mehrere Alpakas, die erstaunlich zutraulich wirkten und bis auf Streicheldistanz herankamen.

Einer der Besucher schien es jedoch etwas zu gut gemeint zu haben. Die Alpakas fühlten sich offenbar belästigt und reagierten mit ihrer bekanntesten Verteidigungsstrategie: Sie spuckten ihn an. Ja, nicht nur Lamas können spucken, Alpakas sind auch nicht schüchtern 😉.

So verbrachten wir mehrere Stunden in dieser faszinierenden Inka-Anlage und tauchten ein Stück weit in die Geschichte des Heiligen Tals ein.





Am Nachmittag auf dem Souvenirmarkt konnten wir dann doch nicht widerstehen und kauften uns zwei total süße und lustige Lamamützen.
Morgen geht es dann mit dem Zug weiter nach Machu Picchu – dem wohl bekanntesten Ziel Perus.


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