22.06.2026 – Ein gemütlicher Museumstag. Heute wollten wir es etwas entspannter angehen und besuchten deshalb nur zwei Museen:
– Regional Historical Museum of Cusco
– Museum of Contemporary Art
Beide sind zwar nicht besonders groß, aber auf jeden Fall einen Besuch wert.


In der gesamten Altstadt herrscht inzwischen eine festliche Stimmung. Überall gibt es Musik- und Tanzaufführungen. Riesige Figuren werden durch die Straßen getragen und die Menschen feiern ausgelassen.


Ein bisschen fühlten wir uns an einen Faschingsumzug zuhause erinnert – nur mit deutlich mehr Farbe, Ponchos und Inka-Traditionen.

23.06.2026 – Heute standen die beiden Inka-Stätten Tambomachay und Puka Pukara auf dem Programm.


Eigentlich wollten wir ganz bequem mit dem lokalen Bus „El Huerto“ fahren. Doch wegen der Vorbereitungen für das große Sonnenfest waren viele Straßen im Stadtzentrum gesperrt. Die freundliche Rezeptionistin unseres Hotels gab uns zwar einige Tipps, wo wir eventuell auf den Bus warten könnten. Doch unser Bus hatte offenbar beschlossen, heute frei zu nehmen. Nach einer guten halben Stunde Herumirren, Nachfragen und einer kleinen Sprachakrobatik mit unserem doch recht begrenzten Spanisch gaben wir schließlich auf und nahmen ein Taxi.
Für knapp zehn Kilometer zahlten wir 40 Sol (etwa 10 Euro). Immerhin beschlossen wir, später den Rückweg zu Fuß anzutreten – schließlich geht bergab ja bekanntlich fast von allein.
Tambomachay: Die Anlage ist im Vergleich zu den anderen Inka-Ruinen eher klein. Berühmt ist sie vor allem für ihre perfekt erhaltenen Wasserkanäle und Brunnen. Bis heute fließt dort ununterbrochen frisches Quellwasser – und das seit über 500 Jahren.

Puka Pukara: Nur wenige Gehminuten entfernt liegt Puka Pukara, die „Rote Festung“. Ihren Namen verdankt sie den Steinen, die bei Sonnenuntergang rötlich leuchten. Vermutlich diente die Anlage einst als militärischer Kontrollposten oder als Raststation für Reisende auf dem Weg nach Cusco.


Anschließend liefen wir etwa eineinhalb Stunden zurück in die Stadt – zum Glück fast ausschließlich bergab. Der Weg führte vorbei an kleinen ruhigen Orten, Pferdefarmen, Parks und der beeindruckenden Ruine von Sacsayhuamán.

Leider fiel uns dabei auch etwas Negatives auf: Überall lag Plastikmüll. Wirklich schade, denn die wunderschöne Landschaft hätte etwas mehr Respekt verdient.
24.06.2026 – Heute ist der große Tag: Inti Raymi!
Schon seit Tagen bereitet sich die ganze Stadt auf dieses Ereignis vor. Überall wurde getanzt, musiziert und aufgebaut – und heute erreicht das größte Fest der Inka-Tradition endlich seinen Höhepunkt. Wir sind schon unglaublich gespannt.
Kurz nach 10:20 Uhr laufen wir zur Plaza de Armas. Die gesamte Plaza wurde aufgeräumt und abgesperrt. Nur die Fußgängerbereiche rund um den Platz sind noch zugänglich. Dort warten bereits unzählige Menschen – Einheimische genauso wie Touristen. Viele Einheimische haben ihre eigenen kleinen Hocker mitgebracht und sitzen direkt hinter den Absperrungen. Zwischen den Menschen schlängeln sich unzählige Verkäufer hindurch. Jeder verkauft etwas anderes: Hocker, Bier, Wasser, Sonnenschirme, Chorios, Eis, Hüte, Meerschweinchen-Dekorationen und alles Mögliche, von dem man vorher gar nicht wusste, dass man es vielleicht doch brauchen könnte.
Wir finden schließlich einen Platz rechts neben der Kathedrale, von dem ich die Plaza gut überblicken kann.Gegen 10:45 Uhr beginnen die Zuschauer plötzlich, eine La-Ola-Welle zu machen – wie in einem Fußballstadion. Überall wird gejubelt und gelacht. Allerdings stirbt die Welle jedes Mal auf der gegenüberliegenden Seite der Plaza ab. Also geben wir auf unserer Seite einfach noch mehr Gas, damit sie es vielleicht doch einmal bis ganz herum schafft. Die Stimmung ist einfach großartig.
Dann erscheint direkt neben uns eine Gruppe Tänzer. Sie sehen aus wie Ureinwohner aus längst vergangenen Zeiten – mit beeindruckender Gesichtsbemalung, traditionellen Gewändern und unglaublich viel Energie. Sie rufen laut in einer indigenen Sprache. Obwohl ich kein einziges Wort verstehe, bekomme ich Gänsehaut.


Wie auf Kommando schnellen überall Handys in die Höhe. Jeder möchte filmen oder fotografieren. Michael hat mit seiner Größe einen entscheidenden Vorteil und kann gemütlich über alle Köpfe hinweg filmen. Ich spare mir den Kampf um die beste Kameraposition und genieße das Spektakel einfach mit meinen eigenen Augen.

Nach und nach füllt sich die gesamte Plaza mit immer mehr Tanzgruppen. Jede trägt andere, farbenfrohe Kostüme.

Besonders gut gefallen mir zwei Tänzer, die Hirsche darstellen sollen. Sie laufen frei zwischen den Gruppen umher, legen sich zwischendurch auf den Boden, als würden sie schlafen, und grasen anschließend friedlich weiter. Sie wirken tatsächlich wie zwei wilde Hirsche irgendwo in den Anden.

Mittlerweile tanzen überall Gruppen – geschätzt weit über tausend, vielleicht sogar zweitausend Menschen.

Irgendwann erscheinen schließlich auch die Sonnenkönigin und offenbar der Inkakönig mit seinen Kriegern.


Überall spürt man Freude und positive Energie. Die Zuschauer rufen immer wieder „Bravo!“, winken und applaudieren. Ich weiß irgendwann gar nicht mehr, wohin ich zuerst schauen soll. Musik, Trommeln, leuchtende Farben und wunderschöne traditionelle Kleidung – einfach überwältigend.

Michael filmt fast die gesamte Vorstellung, während ich einfach nur staune. Die Zeit vergeht wie im Flug. Als alles vorbei ist, sind tatsächlich fast zwei Stunden vergangen.
Nach den Feierlichkeiten gehen wir in ein Restaurant, in dem wir schon einmal gegessen haben. Dort entdecke ich auf einem Nachbartisch plötzlich ein traditionelles Gericht: gegrilltes Meerschweinchen!

Vor Jahren hatte mir ein Kollege in Ulm davon erzählt. Und jetzt liegt es tatsächlich direkt vor meiner Nase.Oh mein Gott… das arme Meerschweinchen! So knusprig es auch aussieht – ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das in diesem Leben nicht probieren werde.
Stattdessen bestelle ich lieber eine chinesisch-peruanische Spezialität namens Chifa: gebratenen Reis mit Gemüse und Hähnchen. Eine Entscheidung, die ich keine Sekunde bereue, denn es schmeckt hervorragend.
Morgen geht unsere Reise weiter zum Titicacasee. Die nächsten spannenden Abenteuer warten bereits auf uns.

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