Wir haben in Siem Reap einen wirklich netten Taxifahrer kennengelernt: Mr. Sa. Ein buddhistischer Ruhepol auf zwei Rädern, der Englisch spricht, als würde er es gerade im Vorbeifahren üben. Er erzählte uns stolz von seiner Heimat und seiner Familie. Drei Söhne hat er – 6, 15 und 18 Jahre alt. Der Älteste arbeitet schon, weil für ein Studium das Geld fehlt. Neben dem Taxi fährt Mr. Sa auch Tuk Tuk und bot uns einen Tagesausflug mit Sonnenaufgang in Bereich Angkor Thom an. Acht Stunden für 25 Dollar! Und das ist dort sogar schon der „gehobene“ Preis. Da fühlt man sich als Deutscher mit 13 € Mindestlohn wirklich wie im Schlaraffenland.
Um 5 Uhr morgens stand Mr. Sa schon vor unserem Hotel. Wir dachten: „Um die Uhrzeit ist bestimmt niemand unterwegs.“ Tja – falsch gedacht! Da herrschte Hochbetrieb, als hätte die Rushhour eine Nachtschicht eingelegt. Leider hatten die Wolken an dem Tag keine Lust, sich zu verziehen. Statt eines spektakulären Sonnenaufgangs sahen wir nur, wie Angkor Wat langsam und sehr schüchtern im sanften Licht erwachte – umgeben von vielen, vielen Menschen, die vermutlich alle das gleiche dachten wie wir. Wenn jetzt ein Alien gelandet wäre, hätte es garantiert seine Tentakel über dem Kopf zusammengeschlagen und sich gefragt, warum die Erdbewohner freiwillig mitten in der Nacht aus ihren Betten kriechen, um gemeinsam auf eine Sonne zu warten, die dann doch nicht auftaucht.



Danach chauffierte uns Mr. Sa noch zu sieben weiteren Tempeln: Preah Khan, Neak Pean, East Baray, Eastern Mebon, Pre Rup, Ta Prohm (a.k.a. der Tomb-Raider-Tempel) und Banteay Kdei. Alles im Ticket inklusive – quasi die „All-You-Can-Tempel“-Flatrate.
Besonders verliebt haben wir uns in die Brücke zum Neak-Pean-Tempel. Dort waren erstaunlich wenige Leute unterwegs, fast so, als hätte jemand ein „Bitte Ruhe – Tempel meditiert“-Schild aufgestellt. Eine lange Holzbrücke, nur knapp über dem Wasser, eingerahmt von unzähligen Lotusblüten. Ein Anblick so schön und beruhigend, dass man spontan überlegen könnte, ob man nicht doch Mönch werden möchte. In der Mitte dann eine kleine Insel mit einem halb im Wasser versunkenen Tempel – mystisch wie eine Szene aus einem Fantasyfilm.



Ebenfalls ein Highlight: der berühmte Tomb-Raider-Tempel Ta Prohm. Riesige, jahrhundertealte Bäume haben dort beschlossen, Architektur und Botanik einfach zu kombinieren und sich direkt in die Tempelwände einzuwachsen. Zwischen diesen Naturgiganten fühlt man sich als Mensch plötzlich sehr klein – ungefähr auf Ameisengröße. Nur ohne die Fähigkeit, 50-mal das eigene Körpergewicht zu tragen.






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