Monat: Juni 2026

  • Peru – Puno, 10 Stunden Busfahrt, die sich tatsächlich gelohnt haben

    25.06.2026 – Heute ging es von Cusco nach Puno – allerdings nicht mit irgendeinem Fernbus, sondern mit einem Tourbus. Die Fahrt dauerte zwar stolze zehn Stunden, doch dank fünf Zwischenstopps ( inkl. Mittagessen) verging die Zeit erstaunlich schnell. Unsere Stopps waren:​

    Andahuaylillas – die berühmte Kirche, die nicht umsonst als „Sixtinische Kapelle der Anden“ bezeichnet wird. Leider ist fotografieren drinnen nicht erlaubt. ​

    Raqchi – mit dem beeindruckenden Tempel des Gottes Wiracocha. Besonders auffällig sind die zahlreichen noch gut erhaltenen, runden Lagerräume. Sowohl der Tempel als auch die Wohnhäuser wurden exakt nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet, sodass die aufgehende Sonne die Gebäude auf besondere Weise beleuchtet. Die Inka verstanden erstaunlich viel von Architektur und Astronomie.

    La Raya – der höchste Punkt der Strecke mit wunderschöner Aussicht auf die Anden. Die Grenze zwischen den Regionen Cusco und Puno. ​

    Archäologische Museum von Pukara – zwar klein und übersichtlich, aber dennoch interessant.

    Unsere Reiseleiterin versorgte uns während der gesamten Fahrt und den Stopps mit spannenden Geschichten über die Vor-Inka-Zeit, das Inkareich, die spanische Kolonialzeit und das heutige Leben in Peru. So wurde die Busfahrt fast schon zu einer kleinen Geschichtsstunde – nur deutlich unterhaltsamer als damals in der Schule. Das Konzept gefällt mir richtig gut: Statt acht Stunden am Stück im Bus zu sitzen, kann man immer wieder aussteigen, sich die Beine vertreten und gleichzeitig interessante Sehenswürdigkeiten besichtigen.

    Sogar Frühstück in Form einer Lunchbox und ein Mittagsbuffet waren im Preis enthalten. Außerdem konnten wir paar regionale Spezialitäten im Bus ausprobieren. Das absolute Highlight war allerdings das Starlink-WLAN im Bus. So konnten wir unterwegs sogar die Fußball-WM live verfolgen. Da fragt man sich wirklich, warum nicht jeder Fernbus in Südamerika so ausgestattet ist.

    26.06.2026 – Heute stand etwas Bewegung auf dem Programm. Zuerst wanderten wir zum Mirador El Cóndor. Der Weg bestand gefühlt zu 95 % aus Treppen und brachte uns ordentlich ins Schwitzen. Da merkte man wieder die Höhe von über 4.000 Meter.

    Oben angekommen war die Aussicht aber jede Stufe wert.

    Anschließend ging es weiter zum Cerrito Huajsapata, einer weiteren Aussichtsplattform mitten in der Stadt. Leider war der Zugang wegen einer Baustelle komplett gesperrt. Aber das hat offenbar niemanden so richtig interessiert. Also spazierten wir einfach hinein. Niemand hielt uns auf, niemand fragte nach einer Erklärung. Peru scheint das Motto zu haben: Solange ihr selbstbewusst ausseht, wird das schon passen. Auch von dort hatten wir einen schönen Blick über Puno.

    27.06.2026 – Leben auf schwimmenden Inseln und modische Hüte

    Heute machten wir einen Tagesausflug auf dem Titicacasee zu den Uros-Inseln den schwimmenden Dörfern im See und zur Insel Taquile.

    Die Uros-Inseln bestehen aus hunderten schwimmender Schilfinseln. Tatsächlich leben dort bis heute Menschen – und fast alles besteht aus Totora-Schilf: die Inseln, Häuser, Betten, Küchen, Boote, Spielzeug und sogar eine Aussichtsplattform in Form eines Pumas.

    Damit die Inseln nicht langsam untergehen, müssen regelmäßig – etwa alle zehn bis fünfzehn Tage – neue Schilfschichten aufgelegt werden. Ein ständiger Hausputz reicht hier also nicht – man muss gleich die ganze Insel erneuern.

    Die Toiletten wurden von Hilfsorganisationen gespendet, Strom liefern inzwischen Solarpaneele. Dadurch können die Bewohner sogar Musik hören oder ihre Handys laden. Es ist wirklich schwer vorstellbar, dauerhaft so zu leben. Die Frauen stellen wunderschöne Wandteppiche und kleine Kunstwerke her und verkaufen sie an Besucher. Viele Männer arbeiten dagegen auf dem Festland.

    Natürlich durfte auch eine Fahrt mit einem der traditionellen gelben Schilfboote nicht fehlen. Etwa eine halbe Stunde waren wir unterwegs. Das kostet zwar extra, bringt den Familien aber ein zusätzliches Einkommen. Besucher kommen nämlich nicht jeden Tag. Der Dorfvorsteher entscheidet sogar, welche Familie welche Touristengruppe empfängt, damit alle gleichmäßig von den Einnahmen profitieren.

    Danach fuhren wir fast zwei Stunden weiter zur Insel Taquile.

    Im Gegensatz zu den Uros-Inseln liegt sie auf festem Boden und ist deutlich größer. Hier erklärte uns unser Guide, dass man unbedingt auf die Kopfbedeckungen der Einheimischen achten sollte.​

    Ledige Männer tragen rot-weiße Mützen. Sie sollten möglichst aufrecht stehen und gut aussehen – sonst steigen die Chancen auf eine Hochzeit angeblich nicht gerade. Verheiratete Männer tragen ausschließlich rote Mützen.​Wichtige Persönlichkeiten wie der Bürgermeister sollen sogar zwei Mützen gleichzeitig tragen. Leider begegnete uns kein Bürgermeister. Das hätte ich zu gern gesehen. Auch bei den Frauen verrät die Kopfbedeckung den Familienstand: Große, bunte Bommel bedeuten ledig, kleinere und dunklere Bommel verheiratet. Mode kann eben manchmal sehr praktisch sein. Auf der Plaza de Armas hatte ich sogar die Gelegenheit, gemeinsam mit den Einheimischen zu tanzen. Durch die vielen schnellen Drehungen und plötzlichen Richtungswechsel wäre ich dabei fast mit einem Musiker zusammengestoßen, der direkt vor mir stand. Zum Glück blieb es bei einem Beinahe-Unfall – sonst wäre ich vermutlich unfreiwillig Teil der Aufführung geworden.

    Nach dem Mittagessen zeigten uns einheimische Familien, wie man aus einer Pflanze auf ganz natürliche Weise Shampoo herstellt. Anschließend führte uns eine Frau ihre beeindruckende Webtechnik vor. Mit welcher Geschicklichkeit und Geschwindigkeit sie die kunstvollen Muster entstehen ließ, war wirklich faszinierend.

    Nach dem Tagesausflug fuhren wir mit einem Tuk-Tuk vom Hafen zurück zum Hotel. Das war ein Erlebnis! Fast wie eine Fahrt mit der Achterbahn im Skyline Park – nur eben auf drei Rädern und mitten im Straßenverkehr.

    28.06.2026 – Pikachu auf dem Titicacasee

    Heute wollten wir eigentlich nur Bustickets nach Arequipa kaufen. Auf dem Weg zum Busbahnhof kamen wir erneut am Hafen vorbei, von dem wir gestern von unserem Ausflug zurückgekehrt waren.

    Schon gestern waren uns dort die vielen Tretboote aufgefallen. Besonders eines hatte es mir angetan: ein Tretboot in Form von Pikachu.

    Ich sagte nur: „Damit muss ich unbedingt fahren!“ Michael organisierte kurzerhand das Boot und keine fünf Minuten später saßen wir bereits darauf und drehten unsere Runde über den Titicacasee. So entstehen die schönsten Programmpunkte ganz spontan.

    Danach machten wir noch einen ausgedehnten Spaziergang durch Puno und entdeckten unterwegs eine riesige Rutsche. Leider sieht es ziemlich ungepflegt aus– sonst hätte ich sie vermutlich auch noch getestet.

    29.06.2026 – Heute verabschiedeten wir uns von Puno. Mit einem normalen Reisebus ging es über Juliaca nach Arequipa. Die Fahrt dauerte etwas mehr als sieben Stunden, inklusive einer kurzen Pause. Das Ticket kostete gerade einmal 50 Sol (etwa 12,50 €) pro Person – ein Preis, bei dem man in Deutschland nicht einmal bis zur nächsten größeren Stadt kommen würde. Am Abend erreichten wir schließlich Arequipa – das nächste Kapitel unserer Peru-Reise konnte beginnen.

  • Peru – Cusco Inti Raymi

    22.06.2026 – Ein gemütlicher Museumstag. Heute wollten wir es etwas entspannter angehen und besuchten deshalb nur zwei Museen:

    – Regional Historical Museum of Cusco

    – Museum of Contemporary Art

    Beide sind zwar nicht besonders groß, aber auf jeden Fall einen Besuch wert.

    In der gesamten Altstadt herrscht inzwischen eine festliche Stimmung. Überall gibt es Musik- und Tanzaufführungen. Riesige Figuren werden durch die Straßen getragen und die Menschen feiern ausgelassen.

    Ein bisschen fühlten wir uns an einen Faschingsumzug zuhause erinnert – nur mit deutlich mehr Farbe, Ponchos und Inka-Traditionen.

    23.06.2026 – Heute standen die beiden Inka-Stätten Tambomachay und Puka Pukara auf dem Programm.

    Eigentlich wollten wir ganz bequem mit dem lokalen Bus „El Huerto“ fahren. Doch wegen der Vorbereitungen für das große Sonnenfest waren viele Straßen im Stadtzentrum gesperrt. Die freundliche Rezeptionistin unseres Hotels gab uns zwar einige Tipps, wo wir eventuell auf den Bus warten könnten. Doch unser Bus hatte offenbar beschlossen, heute frei zu nehmen. Nach einer guten halben Stunde Herumirren, Nachfragen und einer kleinen Sprachakrobatik mit unserem doch recht begrenzten Spanisch gaben wir schließlich auf und nahmen ein Taxi.

    Für knapp zehn Kilometer zahlten wir 40 Sol (etwa 10 Euro). Immerhin beschlossen wir, später den Rückweg zu Fuß anzutreten – schließlich geht bergab ja bekanntlich fast von allein.

    Tambomachay: Die Anlage ist im Vergleich zu den anderen Inka-Ruinen eher klein. Berühmt ist sie vor allem für ihre perfekt erhaltenen Wasserkanäle und Brunnen. Bis heute fließt dort ununterbrochen frisches Quellwasser – und das seit über 500 Jahren.

    Puka Pukara: Nur wenige Gehminuten entfernt liegt Puka Pukara, die „Rote Festung“. Ihren Namen verdankt sie den Steinen, die bei Sonnenuntergang rötlich leuchten. Vermutlich diente die Anlage einst als militärischer Kontrollposten oder als Raststation für Reisende auf dem Weg nach Cusco.

    Anschließend liefen wir etwa eineinhalb Stunden zurück in die Stadt – zum Glück fast ausschließlich bergab. Der Weg führte vorbei an kleinen ruhigen Orten, Pferdefarmen, Parks und der beeindruckenden Ruine von Sacsayhuamán.

    Leider fiel uns dabei auch etwas Negatives auf: Überall lag Plastikmüll. Wirklich schade, denn die wunderschöne Landschaft hätte etwas mehr Respekt verdient.

    24.06.2026 – Heute ist der große Tag: Inti Raymi!

    Schon seit Tagen bereitet sich die ganze Stadt auf dieses Ereignis vor. Überall wurde getanzt, musiziert und aufgebaut – und heute erreicht das größte Fest der Inka-Tradition endlich seinen Höhepunkt. Wir sind schon unglaublich gespannt.

    Kurz nach 10:20 Uhr laufen wir zur Plaza de Armas. Die gesamte Plaza wurde aufgeräumt und abgesperrt. Nur die Fußgängerbereiche rund um den Platz sind noch zugänglich. Dort warten bereits unzählige Menschen – Einheimische genauso wie Touristen. Viele Einheimische haben ihre eigenen kleinen Hocker mitgebracht und sitzen direkt hinter den Absperrungen. Zwischen den Menschen schlängeln sich unzählige Verkäufer hindurch. Jeder verkauft etwas anderes: Hocker, Bier, Wasser, Sonnenschirme, Chorios, Eis, Hüte, Meerschweinchen-Dekorationen und alles Mögliche, von dem man vorher gar nicht wusste, dass man es vielleicht doch brauchen könnte.

    Wir finden schließlich einen Platz rechts neben der Kathedrale, von dem ich die Plaza gut überblicken kann.Gegen 10:45 Uhr beginnen die Zuschauer plötzlich, eine La-Ola-Welle zu machen – wie in einem Fußballstadion. Überall wird gejubelt und gelacht. Allerdings stirbt die Welle jedes Mal auf der gegenüberliegenden Seite der Plaza ab. Also geben wir auf unserer Seite einfach noch mehr Gas, damit sie es vielleicht doch einmal bis ganz herum schafft. Die Stimmung ist einfach großartig.

    Dann erscheint direkt neben uns eine Gruppe Tänzer. Sie sehen aus wie Ureinwohner aus längst vergangenen Zeiten – mit beeindruckender Gesichtsbemalung, traditionellen Gewändern und unglaublich viel Energie. Sie rufen laut in einer indigenen Sprache. Obwohl ich kein einziges Wort verstehe, bekomme ich Gänsehaut.

    Wie auf Kommando schnellen überall Handys in die Höhe. Jeder möchte filmen oder fotografieren. Michael hat mit seiner Größe einen entscheidenden Vorteil und kann gemütlich über alle Köpfe hinweg filmen. Ich spare mir den Kampf um die beste Kameraposition und genieße das Spektakel einfach mit meinen eigenen Augen.

    Nach und nach füllt sich die gesamte Plaza mit immer mehr Tanzgruppen. Jede trägt andere, farbenfrohe Kostüme.

    Besonders gut gefallen mir zwei Tänzer, die Hirsche darstellen sollen. Sie laufen frei zwischen den Gruppen umher, legen sich zwischendurch auf den Boden, als würden sie schlafen, und grasen anschließend friedlich weiter. Sie wirken tatsächlich wie zwei wilde Hirsche irgendwo in den Anden.

    Mittlerweile tanzen überall Gruppen – geschätzt weit über tausend, vielleicht sogar zweitausend Menschen.

    Irgendwann erscheinen schließlich auch die Sonnenkönigin und offenbar der Inkakönig mit seinen Kriegern.

    Überall spürt man Freude und positive Energie. Die Zuschauer rufen immer wieder „Bravo!“, winken und applaudieren. Ich weiß irgendwann gar nicht mehr, wohin ich zuerst schauen soll. Musik, Trommeln, leuchtende Farben und wunderschöne traditionelle Kleidung – einfach überwältigend.

    Michael filmt fast die gesamte Vorstellung, während ich einfach nur staune. Die Zeit vergeht wie im Flug. Als alles vorbei ist, sind tatsächlich fast zwei Stunden vergangen.

    Nach den Feierlichkeiten gehen wir in ein Restaurant, in dem wir schon einmal gegessen haben. Dort entdecke ich auf einem Nachbartisch plötzlich ein traditionelles Gericht: gegrilltes Meerschweinchen!

    Vor Jahren hatte mir ein Kollege in Ulm davon erzählt. Und jetzt liegt es tatsächlich direkt vor meiner Nase.Oh mein Gott… das arme Meerschweinchen! So knusprig es auch aussieht – ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das in diesem Leben nicht probieren werde.

    Stattdessen bestelle ich lieber eine chinesisch-peruanische Spezialität namens Chifa: gebratenen Reis mit Gemüse und Hähnchen. Eine Entscheidung, die ich keine Sekunde bereue, denn es schmeckt hervorragend.

    Morgen geht unsere Reise weiter zum Titicacasee. Die nächsten spannenden Abenteuer warten bereits auf uns.

  • Peru – Zurück nach Cusco und Kulturprogramm statt Höhenluft

    19.06.2024 – Nach unserem Besuch der weltberühmten Ruinen von Machu Picchu ging es zunächst mit dem Zug zurück nach Ollantaytambo. Dieses Mal gönnten wir uns nicht die Luxusvariante – die normale Zugklasse kostet schließlich nur etwa die Hälfte (69 € statt 129 €). Der Ausblick aus dem Fenster bleibt derselbe, nur der Geldbeutel freut sich deutlich mehr.

    Von Ollantaytambo fuhren wir anschließend mit einem Sammeltaxi zurück nach Cusco. Dort bleiben wir weitere sechs Tage, denn am 24. Juni findet hier das größte Fest der Region statt: Inti Raymi – das Sonnenfest. Dieses Inka-Festival wird jedes Jahr zur Wintersonnenwende gefeiert und zieht Tausende Besucher aus aller Welt an.

    Bereits in Ollantaytambo hatten wir den Boleto Turístico gekauft. Für 130 Sol (rund 32 Euro) erhält man zehn Tage lang Eintritt zu insgesamt 16 Sehenswürdigkeiten in und um Cusco. Für unsere Reise war das perfekt geplant – unser Ticket gilt genau bis einschließlich 23. Juni. Jetzt können wir ganz entspannt die vielen historischen Stätten besuchen.

    Diesmal haben wir ein Hotel in der Nähe der Plaza de Armas gebucht. Die Lage ist einfach top – dafür muss man beim Komfort ein paar Abstriche machen. Kaum angekommen, haben wir unsere Rucksäcke abgestellt und sind direkt wieder losgezogen.

    Museo de Arte Popular: Ein kleines Museum mit überraschend viel Charme. Besonders gefallen haben uns die vielen unterschiedlichen Interpretationen des letzten Abendmahls und der Geburt Jesu. Dazu kommen zahlreiche traditionelle Kunstwerke aus Cusco. Klein, aber definitiv einen Besuch wert.

    Museo de Sitio Qorikancha: Dieses unterirdische Museum zeigt die Geschichte des ehemaligen Sonnentempels der Inka. Besonders beeindruckend: Nachdem die Spanier Cusco erobert hatten, errichteten sie direkt auf den Grundmauern des Tempels die Kirche Santo Domingo. Ein symbolträchtiger Ort, an dem zwei Kulturen aufeinandertreffen. Vor dem Gelände herrschte bereits reger Betrieb. Überall wurden Tribünen für das große Sonnenfest aufgebaut. Die Stadt befindet sich eindeutig im Inti-Raymi-Fieber.

    Centro Qosqo de Arte Nativo: Jeden Abend von 19 bis 20 Uhr findet hier eine traditionelle Musik- und Tanzvorführung statt.

    Nach dem Abendessen spazierten wir dorthin. Auf der Bühne spielte zunächst eine Musikgruppe auf traditionellen Andeninstrumenten. Danach folgten vier Tänzer und vier Tänzerinnen in farbenprächtigen Trachten. Die Tänze erzählten Geschichten über Sonne, Wasser, Liebe und das Leben in den Anden. Die Musik ging sofort ins Ohr und die gute Laune sprang direkt aufs Publikum über.

    Als wir nach der Vorführung zurück zum Hotel gehen wollten, fand auf der Plaza de Armas gerade das Fest Noche de Luces y Sonido statt. Es war so voll, dass wir über 15 Minuten brauchten, um die paar hundert Meter zu passieren. Nationale und internationale Musiker traten heute Nacht live auf. Mit bunten Lichtern und drei riesigen Monitoren war die Bühne schön dekoriert.

    Die Atmosphäre war sehr schön, aber wir waren von dem Tag ziemlich müde. Also nur kurz vorbeigeschaut und dann ab ins Hotelzimmer, endlich ausruhen. Ein wirklich gelungener Abend.

    20.06.2026 – Geburtstag, riesige Inka-Steine und ein etwas gruseliger Ort

    Heute hat Michael Geburtstag! 🎉 Er hat seinen Geburtstag bereits im Kosovo, in Südkorea, der Türkei, China, auf Ibiza und auf den Malediven gefeiert – und dieses Jahr in Peru. Man könnte fast behaupten, dass ganz Cusco mit ihm feiert.

    Nach dem Frühstück wollen wir endlich Sacsayhuamán besuchen. Bei unserem letzten Aufenthalt mussten wir die beeindruckende Anlage aufgrund unserer Eintrittskarten auslassen. Diesmal konnten wir sie endlich in aller Ruhe erkunden.

    Die gewaltigen Inka-Mauern sind schlicht unglaublich. Besonders die berühmte Zickzackmauer mit ihren drei Ebenen beeindruckt durch ihre außergewöhnliche Präzision. Kaum zu glauben, dass die riesigen Steinblöcke ohne Mörtel so perfekt zusammengefügt wurden.

    Manche der riesigen Steinblöcke wiegen über 100 Tonnen – und trotzdem passen sie ohne Mörtel millimetergenau zusammen. Bis heute rätseln Archäologen, wie die Inka das geschafft haben.

    Von hier oben hat man außerdem einen fantastischen Blick über Cusco und auf die große Christusstatue, die über der Stadt wacht.

    Auf den weitläufigen Wiesen zwischen den Ruinen wurde bereits die riesige Bühne für das Inti-Raymi-Festival aufgebaut. Die Kulisse könnte kaum spektakulärer sein: eine moderne Tribüne mitten in einer jahrhundertealten Inka-Festung. Für einen Sitzplatz sollen die Eintrittskarten übrigens über 350 US-Dollar kosten. Ganz schön happig!

    Das Gelände ist riesig und verteilt sich auf mehrere Bereiche mit Terrassen, Ruinen und Aussichtspunkten. Man kann hier problemlos mehrere Stunden verbringen.

    Q’enqo: Von Sacsayhuamán liefen wir etwa 20 Minuten bis zur nächsten Ausgrabungsstätte.Q’enqo war ein heiliger Zeremonienplatz der Inka. Besonders die unterirdischen Kammern und steinernen Altäre wirken heute etwas unheimlich. Wenn man sich vorstellt, dass hier vermutlich religiöse Rituale stattfanden und Mumien für Bestattungen vorbereitet wurden, läuft einem schon ein kleiner Schauer über den Rücken.

    21.06.2026 – Mit dem Quad durch das Heilige Tal

    Heute stand ein Tagesausflug auf dem Programm: Maras und Moray – mit dem ATV (Quad).

    Unser erstes Ziel waren die berühmten Salzterrassen von Salinas de Maras. Diese gehören leider nicht zum Touristenticket, deshalb mussten wir zusätzlich 20 Sol pro Person bezahlen. Die Salzterrassen sind wirklich faszinierend. Hunderte kleine Becken ziehen sich den Berghang hinunter. Aus einer natürlichen Quelle fließt rund 37 Grad warmes, stark salzhaltiges Wasser durch ein ausgeklügeltes Kanalsystem in die einzelnen Becken.

    Etwa 60 Familien bewirtschaften diese Salzfelder bis heute und leben vom Salzverkauf. Je nach Jahreszeit und Ernte entstehen verschiedene Salzsorten:​feines weißes Salz für den täglichen Gebrauch, ​rosafarbenes Mineralsalz zum Kochen, ​grobes, mineralreiches Salz, das häufig als Badesalz verwendet wird. Während der Trockenzeit leuchten die Becken in den unterschiedlichsten Weiß-, Rosa- und Brauntönen. Ein wirklich faszinierender Anblick. Fast surreal.

    Interessant fanden wir auch, dass viele Einheimische dieses Salz selbst gar nicht kaufen. Es ist ihnen schlicht zu teuer. Für den Alltag verwenden sie meist gewöhnliches Meersalz.

    Anschließend ging es zur Quadstation. Dort bekamen wir Helme und Schutzmäntel gegen den Staub. Michael übernahm selbstverständlich das Fahren – ich dagegen hatte die deutlich angenehmere Aufgabe: fotografieren.

    Gemeinsam mit unserem Guide fuhren wir etwa 30 Minuten über staubige Feldwege Richtung Moray. Es holperte gewaltig, aber die Landschaft entschädigte für jede Bodenwelle.

    Moray besteht aus riesigen kreisförmigen Terrassen, die wie ein gigantisches Amphitheater aussehen. Die Inka nutzten diese Anlage vermutlich vor über 600 Jahren als landwirtschaftliches Versuchslabor, denn zwischen oberster und unterster Terrasse entstehen unterschiedliche Mikroklimata.Wenn man sich vorstellt, wie die Menschen damals ohne Maschinen auf diesen steilen Terrassen gearbeitet haben, kann man nur den Kopf schütteln. Was für eine unglaubliche Leistung!

  • Peru – Aguas Calientes der Eingang zu Machu Picchu

    15.06.2026 – Auf in die heilige Stätte mit Deluxe-Anreise

    Nach dem Frühstück packten wir unser Gepäck zusammen und machten uns auf den Weg zum Bahnhof. Ziel: Machu Picchu. Einer dieser Orte, die man schon so oft auf Fotos gesehen hat, dass man fast erwartet, sie würden beim Ankommen ein bisschen „offline“ wirken – tun sie aber nicht.

    Es gibt mehrere Wege zur berühmtesten Ruine Perus. Die eine Variante führt von Nordwesten mit Bus oder Sammeltaxi bis Hidroelectrica, etwa 10 km vor Machu Picchu Pueblo (auch Aguas Calientes genannt). Von dort geht’s dann zu Fuß entlang der Bahngleise weiter. Eine weitere Variante führt über eine mehrtätige Tour auf dem Inka-Trail nach Machu Picchu.

    Wir wählten die bequemere und leicht dekadente Variante über Ollantaytambo. Dorthin brachte uns ja zunächst der Bus aus Cusco. Und ab dort wurde es interessant: Weil es keine Straße weiter gibt, bleibt nur der Zug – und wir entschieden uns für die „Deluxe-Version“. Panoramafenster, Snacks, Pisco Sour, Live-Musik und eine Tanzshow, bei der man kurz vergisst, dass man eigentlich gerade auf dem Weg zu einer der bekanntesten Ruinen der Welt ist und nicht auf einer sehr entspannten Kreuzfahrt auf Schienen.

    In Aguas Calientes, wo es aufgrund der Lage deutlich über 20 Grad und damit etwa 10 Grad wärmer als in Cusco war, angekommen wurde schnell klar: Der Ort lebt und atmet Tourismus. Oder besser gesagt: Er besteht zu etwa 80 % daraus. Hotels, Restaurants und Souvenirshops dominieren das Bild, dazwischen ein paar Wohnhäuser für Menschen, die hier tatsächlich arbeiten. Überall Inka-Statuen, „authentische“ Dekorationen und das Gefühl, dass das Thema Machu Picchu hier bis zum letzten Magneten ausgeschlachtet wird.

    Wir erkundeten den Ort kurz und kümmerten uns dann um die Eintrittskarten für Machu Picchu. Insgesamt gibt es 10 verschiedene Routen auf unterschiedlichen Ebenen. Route 3B – der Gipfelblick – ist aktuell wegen Renovierung gesperrt. Treppen und Geländer bekommen offenbar ein Upgrade.

    Online sollte man idealerweise mindestens einen Monat im Voraus buchen. Unser Test Anfang Juni zeigte: alles erst wieder ab Juli verfügbar. Es gibt aber ein kleines Kontingent für spontane Käufer am Vortag vor Ort – vorausgesetzt, man steht früh genug auf oder hat Glück im richtigen Moment.

    Wir entschieden uns für Route 2A, die klassische Variante mit den besten Blicken auf die Anlage. Preis: etwa 40 € pro Person. Zeitfenster gibt es stündlich von 6 bis 15 Uhr. Vor dem Ticketbüro warteten schon zahlreiche Guides, die ihre Dienste anboten – freundlich, aber sehr ausdauernd. Wir entschieden uns für die Eigenregie-Version: Internet lesen, anschauen, selbst entdecken.

    Dann die große Frage: zu Fuß hoch oder Bus? Nach kurzer innerer Debatte fiel die Entscheidung auf die pragmatische Variante: erst mal Bus, den Rest sehen wir oben.

    16.06.2026 – Regenponcho-Industrie trifft Weltwunder

    Unser Eintritt war für 13 Uhr gebucht, also machten wir uns kurz vor 12 auf den Weg zur Bushaltestelle. Dort erwartete uns bereits eine beeindruckende Schlange – offenbar hatte halb Aguas Calientes denselben Plan.

    Während wir warteten, begann es leicht zu regnen. Für die Straßenverkäufer der perfekte Moment: Regenponchos wurden quasi im Akkord angeboten. Wir blieben gelassen – Regenjacke sei Dank. Ein kleiner Sieg der Vorbereitung über den spontanen Touristenkauf.

    Die Busse fahren etwa alle 5 Minuten, und tatsächlich ging es relativ zügig voran. Kurz vor 12:30 Uhr saßen wir im Bus, der sich die engen Serpentinen hinaufkämpfte. Nach etwa 30 Minuten erreichten wir pünktlich um 13 Uhr den Eingang zu Machu Picchu.

    Nach der Eingangskontrolle waren wir wenige Minuten später mitten drin. Erste Terrassen, erste Ausblicke – und plötzlich dieses Gefühl: Ja, das ist wirklich dieser Ort.

    Der Regen hatte sich inzwischen verzogen, und sogar etwas Sonne kämpfte sich durch die Wolken. Perfektes Timing für einen der spektakulärsten Orte der Welt.

    Da wir uns zuvor bereits Videos zur Geschichte angesehen hatten, war es umso beeindruckender zu sehen, wie gut die Anlage heute erhalten ist. Bei ihrer „Wiederentdeckung“ vor über 100 Jahren durch Hiram Bingham war sie komplett vom Dschungel überwuchert. Wahrscheinlich wussten Einheimische und andere Forscher längst davon – aber Bingham machte sie schließlich weltweit bekannt, indem er sie freilegen ließ und in Zeitungen Berichte daüber veröffentlichte.

    Heute präsentiert sich die Anlage erstaunlich gut restauriert. Wir wanderten durch Wohnhäuser, Speicher, Tempel und Terrassen – unterbrochen von den unvermeidlichen Fotostopps (die hier einfach physikalisch nicht vermeidbar sind).

    Besonders spannend: die sogenannten Wasserspiegel. Zwei kleine, präzise in Stein gehauene Wasserbecken, die die Inka vermutlich als reflektierende Flächen für astronomische Beobachtungen und rituelle Deutungen nutzten.

    Ein weiteres Highlight war der Sonnentempel (Templo del Sol) – ein halbkreisförmiger Bau, der dem Sonnengott Inti gewidmet war. Die Fenster sind exakt ausgerichtet und dienten vermutlich zur Beobachtung der Sonnenwenden. Darunter befindet sich eine königliche Grabkammer. Die Inka nutzten insgesamt astronomische Beobachtungen, um landwirtschaftliche Zyklen wie Aussaat und Ernte zu bestimmen.

    Wir hatten Glück: Unser Zeitfenster war angenehm ruhig. Erst gegen Ende unseres rund 2,5-stündigen Rundgangs wurde es auf den unteren Terrassen nahe des Eingng deutlich voller.

    Der Rückweg? Natürlich zu Fuß. Der Abstieg über steile Treppen war die sportliche Kür des Tages. „Steil“ ist relativ – im Vergleich zur Chinesischen Mauer war das hier fast ein Warm-up. Allerdings gab es eine Stelle, die selbst erfahrene Knie kurz nachdenklich machte: eine typische Inka-Treppe, bestehend aus vorspringenden Steinen in einer Mauer. Minimalismus auf Peruanisch – mit eingebautem Respektprogramm.

    Nach etwa 40 Minuten Abstieg folgten noch rund 20 Minuten zurück durchs Tal nach Aguas Calientes.

    18.06.2026 – Mandor-Wasserfall und zufällige Wiedersehen im Dschungel

    Den Tag gestern nutzten wir zur Regeneration, weiteren Reiseplanung und einem Spaziergang durch die Stadt, wo wir ein paar obligatorische Bilder mit Paddington machten. Paddington ist hier fast so allgegenwärtig wie die Inka.

    Heute stand dann eine „kleine Wanderung“ auf dem Programm. Ziel: der Mandor-Wasserfall in einem privaten Schutzgebiet mit botanischem Garten. Der Weg begann unspektakulär entlang der Bahngleise Richtung Hidroelectrica, einem Wasserkraftwerk.

    Nach etwa halber Strecke dann eine Überraschung mitten auf den Schienen: Wir trafen Ashley, eine Amerikanerin, mit der wir bereits die Jeep-Tour zur Salar de Uyuni in Bolivien gemacht hatten. Die Welt ist offenbar kleiner als die Anden. Ashley war offenbar mit einer kleinen Gruppe unterwegs, die den 10 Kilometer langen Fußweg von Hidroelectrica nach Machu Picchu Pueblo machte – ein klassischer Backpacker-Transit mit Gleisen, losem Gestein und kleinen Brücken.

    Wir setzten unseren Weg fort und erreichten den Eingang des Schutzgebiets, wo 20 Sol pro Person Eintritt fällig waren. Danach ging es zunächst etwa 30 Minuten bergauf durch den peruanischen Nebelwald zu einem Aussichtspunkt. Von dort hatten wir einen völlig neuen Blick auf Machu Picchu – diesmal aus der Ferne und fast versteckt zwischen den Bergen.

    Unterwegs begleiteten uns Schmetterlinge, Vögel und dieses Gefühl, dass der Dschungel permanent leise „lebt“.

    Zurück auf dem Hauptweg folgten kleine Holzbrücken, ein Bachlauf und schließlich der Mandor-Wasserfall: etwa 10 Meter hoch, eingebettet in dichten Dschungel, der in ein kleines Naturbecken mündet. Von dort fließt das Wasser weiter in den Urubamba-Fluss, der sich durch das gesamte Heilige Tal zieht.

    Baden wäre theoretisch möglich gewesen – praktisch war das Becken eher klein, flach und das Wasser irgendwo im „alpiner Eisschock“-Temperaturbereich. Also blieb es bei Fotos und dem stillen Respekt vor sehr kaltem Wasser. Nach rund 5 Stunden waren wir zurück im Hotel.

    Morgen geht es nach dem Frühstück mit dem Zug zurück nach Ollantaytambo und weiter per Taxi oder Kleinbus nach Cusco – zurück aus der Welt der Inka, Ponchos und Panoramazüge.

  • Peru – Ollantaytambo

    12.06.2026 – Vom Transportchaos ins Heilige Tal der Inka

    Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zur Haltestelle für Touristenbusse – wobei „Busse“ hier eher großzügig formuliert ist. Tatsächlich handelte es sich um Kleinbusse mit 8 bis 12 Sitzplätzen oder alternativ um Sammeltaxis.

    Kaum angekommen, wurden wir bereits von mehreren Fahrern umringt, und die obligatorischen Preisverhandlungen begannen. Schließlich entschieden wir uns für einen Kleinbus – die günstigste Variante. Doch etwa zehn Minuten später verkündete der Fahrer plötzlich, dass er doch nicht fahren werde. Warum? Das bleibt wohl eines der großen Rätsel Perus. Vielleicht hatte er einfach keine Lust mehr. Also wurden wir kurzerhand in ein Sammeltaxi verfrachtet, einen siebensitzigen SUV, und konnten endlich Richtung Ollantaytambo aufbrechen – ins berühmte Heilige Tal der Inka.

    Unterwegs legten wir noch einen kurzen Stopp an einer Tankstelle ein. Dort erlebten wir zunächst einen kleinen Schock: 21 Sol für Normalbenzin, also ungefähr fünf Euro! Erst beim genaueren Hinsehen folgte die Entwarnung. Der Preis galt nicht pro Liter, sondern – wie in den USA – pro Gallone. Also für knapp vier Liter. Herzfrequenz wieder normal.

    Die Straßen in Cusco wirkten stellenweise, als hätten die Inka persönlich den letzten Straßendienst übernommen. Kopfsteinpflaster, Schotter und allerlei Unebenheiten sorgten dafür, dass die Fahrt durchaus abwechslungsreich blieb. Außerhalb der Stadt begann zwar eine asphaltierte Straße, doch auch diese erinnerte wegen zahlreicher Schlaglöcher eher an einen Hindernisparcours als an eine moderne Verkehrsverbindung.

    Nach etwa zwei Stunden Fahrt durch beeindruckende Bergschluchten, vorbei an einem großen See mit bunten Tretbooten und vor der Kulisse schneebedeckter Gipfel, erreichten wir schließlich wohlbehalten den Plaza de Armas von Ollantaytambo.

    Keine 20 Meter nach unserer Ankunft wurden wir bereits von anderen Fahrern gefragt, ob wir nach Cusco fahren möchten. Offenbar sahen wir aus, als wären wir wieder bereit für die Rückreise. Wir lehnten dankend ab. 😉

    Ollantaytambo ist eine historische Inkastadt aus dem 15. Jahrhundert im Heiligen Tal der Inka, etwa 60 Kilometer nordwestlich von Cusco. Auf rund 2.800 Metern Höhe gelegen, ist sie berühmt für ihre außergewöhnlich gut erhaltene Inka-Architektur. Das Straßennetz stammt noch aus der Zeit der Inka, und viele Gebäude besitzen bis heute die perfekt bearbeiteten Mauern aus Granit.

    Gleichzeitig ist Ollantaytambo der wichtigste Ausgangspunkt für Reisen nach Machu Picchu. Entsprechend touristisch geht es hier zu: Hotels, Hostals, Restaurants und natürlich unzählige Souvenirshops prägen das Stadtbild.

    Am Hang auf der Nordwestseite der Stadt befinden sich beeindruckende landwirtschaftliche Terrassen, ein riesiger Ruinenkomplex mit Sonnentempel sowie alte Bewässerungssysteme. Gegenüber, am Nordosthang des Berges Pinkuylluna, liegen mehrere Gebäude, die heute als ehemalige Lagerstätten für Mais, Kartoffeln und andere Lebensmittel interpretiert werden.

    Am Nachmittag spazierten wir durch die Stadt und zum Bahnhof. Dort besorgten wir uns unsere Tickets für den Peru-Rail-Zug nach Machu Picchu beziehungsweise Aguas Calientes.

    13.06.2026 – Auf den Spuren der Inka-Lageristen

    Heute stand eine kleinere Wanderung auf den Pinkuylluna auf dem Programm. Das Beste daran: Der Eintritt ist kostenlos.

    Der Einstieg liegt etwas versteckt in den engen Gassen des Ortes. Ein kleines Schild, das man leicht übersehen kann, weist auf einen schmalen Durchgang zwischen den Häusern hin. Dahinter beginnt direkt eine steile Treppe.

    Wie fast jeden Tag in Peru strahlte die Sonne vom Himmel. Nach wenigen Minuten Wanderung war die Jacke, die morgens noch unverzichtbar erschien, bereits überflüssig.

    Der Weg ist zwar steil, aber gut mit Holzgeländern gesichert. Unterwegs gibt es mehrere Aussichtspunkte und kleine Plattformen zum Verschnaufen. Wir kamen an einigen runden Gebäuden ohne sichtbaren Eingang vorbei und fragten uns zunächst, was hier wohl gelagert oder produziert wurde. Später wurde das Rätsel gelöst: Es handelte sich um eine Art antikes Silo. Oben befand sich eine große Öffnung zum Befüllen, unten eine kleinere Öffnung zum Verschließen und Entnehmen der Vorräte. Im Grunde also dieselbe Technik, die wir heute noch verwenden – nur ein paar Jahrhunderte älter.

    Weiter oben erreichten wir mehrere lange rechteckige Gebäude mit Fenstern und Eingängen sowie einige angrenzende Terrassen. Die Bauwerke waren erstaunlich gut erhalten. Natürlich hatten die Dächer aus Holz und Stroh den Zahn der Zeit nicht überlebt, aber mit einem neuen Dach könnte man hier vermutlich direkt wieder einziehen. 😉

    Es ist ohnehin beeindruckend, was die Menschen hier vor rund 600 Jahren geleistet haben. Manche Baumaterialien wurden direkt am Berg gewonnen, andere mussten mühsam hinaufgeschafft werden. Dasselbe galt natürlich für sämtliche Vorräte, die hier oben gelagert wurden.

    Teile des Weges sind als Rundweg angelegt, sodass wir nach etwa drei entspannten Stunden wieder im Dorf ankamen.

    Erstaunlicherweise waren hier nur wenige Besucher unterwegs. Ganz anders auf dem gegenüberliegenden Hang mit den berühmten Terrassen und Ruinen. Dort schien halb Peru unterwegs zu sein, angeliefert von einer endlosen Kolonne aus Kleinbussen, die meisten per Tagestour.

    Den Nachmittag verbrachten wir damit, Souvenirs anzuschauen – wirklich nur anzuschauen – und im Hotel die weitere Reiseplanung voranzutreiben.

    14.06.2026 – Zwischen Sonnentempel, Königsbad und spuckenden Lamas

    Nach einer entspannten Nacht und einem guten Frühstück stand heute die Hauptattraktion von Ollantaytambo auf dem Programm.

    Die Ausgrabungsstätte am Nordwesthang oberhalb der Stadt ist teilweise restauriert und mit Holztreppen versehen, damit die täglichen Touristenströme möglichst reibungslos über das Gelände verteilt werden können.

    Früher befanden sich hier eine Stadt mit Festung, königlicher Residenz, Tempeln und weitläufigen Terrassenanlagen. Die Lage am Hang bot gleich mehrere Vorteile: Zum einen scheint hier fast den ganzen Tag die Sonne, was ideale Bedingungen für den Anbau von Mais und anderen Feldfrüchten schafft. Zum anderen ließ sich der Standort hervorragend verteidigen – ein Vorteil, der sowohl bei inneren Konflikten als auch später im Kampf gegen die spanischen Eroberer eine wichtige Rolle spielte.

    Der Eintritt kostet 70 Sol für ein Einzelticket oder 130 Sol für ein Kombiticket, das insgesamt 16 Sehenswürdigkeiten im Heiligen Tal sowie in Cusco und Umgebung umfasst. Da wir später noch einmal nach Cusco zurückkehren wollen, entschieden wir uns für das Kombiticket.

    Am Morgen war erfreulich wenig los. So konnten wir die Anlage noch relativ entspannt erkunden. Zunächst stiegen wir über die Terrassen zum ehemaligen Königssitz und zum berühmten Sonnentempel hinauf – beziehungsweise zu dessen Baustelle. Offenbar wurde der Tempel niemals vollständig fertiggestellt.

    Geplant war ein monumentales Bauwerk aus riesigen rosafarbenen Granitblöcken. Einige Mauern stehen bereits, während zahlreiche unbearbeitete Steinblöcke noch immer auf dem Gelände liegen. Für Archäologen sind sie ein wertvoller Hinweis auf die Arbeitsweise und Bautechniken der Inka.

    Anschließend machten wir uns auf den Weg zu einem höher gelegenen Aussichtspunkt. Die zusätzliche Steigung von etwa 10 bis 15 Minuten schreckte viele Besucher ab, weshalb wir dort oben deutlich mehr Ruhe genießen konnten. Die Aussicht war dafür umso spektakulärer: ein fantastischer Blick auf die gesamte Anlage, die Stadt und das Tal.

    Als wir später wieder zurückkehrten, hatte inzwischen die seitliche Passage geöffnet, die täglich nur zwischen 13 und 15 Uhr zugänglich ist. Über diesen Weg kann man entlang des Hanges durch mehrere restaurierte Gebäude in einen weiteren Bereich der Anlage gelangen. Über weitere Terrassen und eine steile Treppe im Norden gelangten wir schließlich wieder nach unten.

    Dort besichtigten wir den Badebereich der Anlage. Einige Bereiche dienten der alltäglichen Körperpflege, andere waren für zeremonielle Reinigungen vorgesehen. Ein separater Abschnitt war ausschließlich der Königin beziehungsweise der Frau des Herrschers vorbehalten.

    Besonders beeindruckend war das ausgeklügelte Wassersystem. Über sorgfältig angelegte Rinnen im Fels leiteten die Inka das Wasser präzise durch die gesamte Anlage.

    Auf unserem Rundgang begegneten uns außerdem mehrere Alpakas, die erstaunlich zutraulich wirkten und bis auf Streicheldistanz herankamen.

    Einer der Besucher schien es jedoch etwas zu gut gemeint zu haben. Die Alpakas fühlten sich offenbar belästigt und reagierten mit ihrer bekanntesten Verteidigungsstrategie: Sie spuckten ihn an. Ja, nicht nur Lamas können spucken, Alpakas sind auch nicht schüchtern 😉.

    So verbrachten wir mehrere Stunden in dieser faszinierenden Inka-Anlage und tauchten ein Stück weit in die Geschichte des Heiligen Tals ein.

    Am Nachmittag auf dem Souvenirmarkt konnten wir dann doch nicht widerstehen und kauften uns zwei total süße und lustige Lamamützen.

    Morgen geht es dann mit dem Zug weiter nach Machu Picchu – dem wohl bekanntesten Ziel Perus.

  • Peru – Cusco 🇵🇪

    09.06.2026 – Von Bolivien über Chile nach Cusco: mit Entertainment und einem „kleinen Umweg“

    Nach dem Abenteuer der Rückreise von Bolivien nach Chile stand heute der nächste Flugmarathon an: ab in den Flieger nach Cusco in Peru – inklusive Zwischenstopp in Santiago de Chile. Die beiden Flüge samt Terminalwechsel in Santiago verliefen erstaunlich entspannt. Der zweite Flug hatte dann immerhin ein kleines Upgrade: Entertainment an Bord mit relativ aktuellen Blockbustern. Man könnte sagen: Kino über den Wolken – nur mit Turbulenzen als Bonusprogramm.

    In Cusco angekommen, ging es per Uber zum Hotel. Soweit der Plan. In der Realität entschied sich der Fahrer allerdings für eine spontane Karriere als Reisevermittler und hielt unterwegs an, um uns in einem „Reisebüro“ einige Touren in der Umgebung anzudrehen. Das Ganze zog sich so lange, dass die Uber-App zunehmend nervös wurde und fragte, ob alles in Ordnung sei – schließlich waren wir laut System schon längst am Ziel, nur der Körper befand sich noch im Verhandlungsmodus des peruanischen Tourismusvertriebs.

    Immerhin: Auch Uber scheint inzwischen mitzudenken und trackt den Fahrweg sehr gewissenhaft, vermutlich um genau solche „kulturellen Zwischenstopps“ einzuordnen.

    Cusco selbst ist dabei kein gewöhnlicher Zwischenstopp: Die Stadt war einst Hauptstadt des Inka-Reiches und liegt im peruanischen Andenhochland auf beeindruckenden rund 3.420 Metern Höhe – also genau dort, wo Treppensteigen zur sportlichen Disziplin wird. Mit rund 500.000 Einwohnern ist Cusco die fünftgrößte Stadt Perus und gilt als Tor zum Weltwunder Machu Picchu.

    Architektonisch ist die Stadt ein faszinierender Mix: koloniale Bauten auf Inka-Fundamenten, dazwischen Überreste alter Paläste und Tempel. Die Geschichte dahinter ist ebenso gewaltig wie tragisch: Aufstieg des Inka-Reiches ab dem 13. Jahrhundert, interne Machtkämpfe im 16. Jahrhundert, spanische Eroberung durch die Konquistadoren und schließlich das Ende des Reiches mit der Hinrichtung von Atahualpa, dem letzten Herrscher des Inka-Reiches und der Unterwerfung der Inka – wobei sich viele Regionen noch lange widersetzten.

    10.06.2026 – Cusco zu Fuß, 8°C Frühstück und tanzende Städte

    Heute stand ein klarer Plan: Cusco ohne Tour, ohne Guide, einfach selbst erkunden. Kleiner Spoiler vorab: für den großen Zirkus kommen wir wieder.

    Nach einem Frühstück bei gefühlten 8°C (Heizungen gelten hier offenbar als Luxusgut oder urbane Legende) ging es zum zentralen Platz, dem Plaza de Armas de Cusco. Viele Städte der ehemaligen spanischen Krone haben einen solchen Platz – in Cusco allerdings mit deutlich mehr Soundtrack.

    Schon vom Hotel – nur fünf Minuten entfernt – war laute Musik und Trubel zu hören. Als wir ankamen, waren die Straßen rund um den Platz für Autos gesperrt, was zu einem kreativen Verkehrschaos in den engen Gassen führte.

    Auf dem Platz selbst: bunte Gruppen, traditionelle Kleidung, Tanzformationen und Kapellen, die den Soundtrack gleich mitlieferten. Nach kurzer Recherche wurde klar: Wir waren mitten im Juni-Höhepunkt von Cusco. Die Stadt verwandelt sich in ein riesiges Festivalgelände.

    Der Monat beginnt meist mit Fronleichnam (Corpus Christi – den wir schon in Potosí, Bolivien erlebt hatten) und endet am 24. Juni mit dem Inti Raymi, dem Sonnenfest – dem größten erhaltenen Fest der Inka-Kultur. Dieses markiert die Wintersonnenwende nach dem Inka-Kalender.

    Wir schauten uns die Parade an und zogen dann weiter durch die Altstadt.

    Unterwegs trafen wir auf drei Frauen mit Baby-Alpakas auf dem Schoß – oder genauer gesagt: wartend auf Touristen mit Kamera und Kleingeld-Ambitionen.

    Da die Baby-Alpakas so unwiderstehlich waren, konnte Xin keinen Schritt weitergehen. Schließlich drückte einer der Frauen ihr ein Baby-Alpaka in die Arme. Gegen ein kleines Trinkgeld durfte das obligatorische Foto natürlich nicht fehlen.

    Danach ging es weiter durch enge Gassen mit beeindruckenden Inka-Steinfundamenten. Die Steine sind so präzise gearbeitet, dass sie ohne Mörtel perfekt ineinandergreifen – und das nicht in bravem Rechteck, sondern in fünf-, sechs- oder siebeneckigen Formen.

    Besonders berühmt: ein Stein mit zwölf Ecken, Teil eines gigantischen Fundaments eines ehemaligen Inka-Tempels oder -palastes, der später von den Spaniern überbaut wurde und heute als Museum dient. Der direkte Vergleich zwischen Inka-Perfektion und eher pragmatischer spanischer Baukunst wird vor Ort gerne demonstrativ hervorgehoben.

    Die Bauweise ist übrigens nicht nur ästhetisch, sondern auch extrem erdbebensicher – Granit plus Verzahnung ergibt Stabilität, die Jahrhunderte überlebt.

    Am Ende des Tages besuchten wir noch das Museo Inka de Cusco. Die Ausstellung reichte von der Prä-Inka-Zeit (von ca. 3000 v. Chr.) über die Inka-Epoche bis ins späte 18. Jahrhundert.

    Fotografieren war leider verboten, aber dafür gab es jede Menge Inhalt: Landwirtschaft auf Terrassen, ausgeklügelte Bewässerungssysteme und Bestattungsrituale der Oberschicht.

    Besonders eindrücklich waren Schädel aus der Prä-Inka-Zeit (Paracas), die im Kindesalter künstlich verformt wurden – durch Bandagen so stark, dass sich längliche Schädelformen entwickelten. Statussymbol, Schönheitsideal oder ethnisches Merkmal – je nach Epoche.

    Auch Mumien spielen in Peru eine große Rolle: Durch die trockene, sauerstoffarme Höhenluft sind viele erstaunlich gut erhalten.

    Die Ausstellung endete mit der spanischen Kolonialzeit:Darstellungen von ungleichen Kämpfen (Schusswaffen und Rüstungen gegen Speere und Lederschilde), der Hinrichtung des letzten Inka-Herrschers, bis zur Missionierung und koloniale Möbelstücke aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

    11.06.2026 – Aquädukt, Cristo Blanco und eine Parade, die nicht nach Hause wollte

    Nach dem Frühstück ging es erneut durch Cusco. Am Plaza de Armas Cusco fand wieder eine kleinere Parade statt – deutlich ruhiger als am Vortag, aber immer noch mit ausreichend Sound, um jede Unterhaltung dauerhaft zu übertönen.

    Erstes Ziel des Tages: das Acueducto de Sapantiana, ein historisches, mehrstöckiges steinernes Aquädukt aus dem späten 17. oder frühen 18. Jahrhundert, erbaut vom Jesuitenorden und dem Stadtrat von Cusco. Leider herrschte Trockenzeit, sodass die Kaskaden eher „architektonisches Potenzial“ als tatsächlichen Wasserfall lieferten.

    Weiter ging es durch kleine Gassen mit weiße Häuser und viele Blumen, die an den Wänden hingen.

    Dann folgte ein kleiner Aufstieg zum Cristo Blanco, einer etwa 10 Meter hohen Jesus-Statue, die über hoch der Stadt wacht. Rio lässt grüßen😄

    Direkt daneben liegt die gewaltige Inka-Festung Sacsayhuamán, die wir uns für einen anderen Tag aufgehoben haben – was angesichts der Größe vermutlich auch eine gute Entscheidung war.

    Auf dem Rückweg am Nachmittag wurde es dann plötzlich laut: Musik, Böller, Trubel in der Nähe des Hotels. Also kurzer Stopp in Hotel – und dann direkt rein ins Geschehen.

    Plötzlich waren wir mitten in einer Parade aus Trommeln, Tanzgruppen und bunt gekleideten Menschen. Wir liefen ein Stück den Berg hinauf mit, bis wir an einem Platz ankamen, auf dem sich Schul- und Universitätsgruppen versammelten, alle in aufwendig gestalteten Kostümen. Mehrere Männergruppen trugen große Heiligenfiguren, begleitet von privatem Feuerwerk, das eher nach „organisiertem Chaos mit Zündschnur“ wirkte als nach offizieller Veranstaltung.

    Am Ende blieb der Eindruck einer riesigen Straßenparty, getragen von hunderten Einheimischen – laut, farbenfroh und komplett ohne Zurückhaltung. Ein würdiger Abschluss für einen sehr vollen Tag.

    Morgen geht es nach dem Frühstück weiter nach Ollantaytambo, einem weiteren historischen Inka-Ort auf dem Weg nach Machu Picchu. Die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung von Cusco und die große Party am 24. Juni heben wir uns für später auf.

  • Zurück nach Chile (oder die Zivilisation)

    07.06.2026 – Da sich die Situation in Bolivien leider überhaupt nicht verbessert hat, bleiben weiterhin sämtliche Straßen gesperrt. Unsere Weiterreise von Potosí nach Sucre können wir damit komplett vergessen. An La Paz ist erst recht nicht zu denken. Da es in Potosí wegen der Höhenlage keinen Flugverkehr gibt, blieb uns nichts anderes übrig, als am 05.06. wieder mit dem Bus von Potosí zurück nach Uyuni zu fahren.

    In Uyuni haben wir uns dann noch zwei Ruhetage gegönnt, damit ich mich von meiner Erkältung erholen kann. Hier liegt man nicht ganz so hoch wie in Potosí und es ist sogar etwas wärmer – also nur noch zwischen 12 und -6 Grad. Fast schon Badeurlaub. Als wir dann Flugtickets von Uyuni nach Cusco kaufen wollten, gab es plötzlich auch keine mehr. Ob der Flughafen Uyuni ebenfalls vom Stillstand betroffen ist oder ob einfach alles ausgebucht ist, weil Flugzeuge momentan das einzige sichere Verkehrsmittel sind, konnten wir leider nicht herausfinden. Die nächsten verfügbaren Tickets gibt es erst ab dem 11.06. Noch drei weitere Nächte in Uyuni wollten wir aber nicht bleiben. Also ist die beste Alternative für uns momentan, am 08.06. mit dem Bus zurück nach Calama in Chile zu fahren und von dort nach Peru zu fliegen. Das ist sogar deutlich günstiger.

    Heute, am Sonntag, sind wir nach dem Frühstück zum Busbahnhof gelaufen. In der Stadt fand wieder der Markt statt. Im Vergleich zu letzter Woche war er allerdings deutlich kleiner – vielleicht noch ein Drittel der Größe von dem, was wir zuvor gesehen hatten. Kein Wunder: Wenn Lebensmittel und Benzin immer knapper werden, womit sollen die Leute überhaupt noch hierher kommen und ihre Waren verkaufen?

    Auch die meisten Restaurants waren geschlossen. Die ein oder zwei geöffneten Lokale hatten nur ein sehr eingeschränktes Angebot. Mir tun die Einheimischen wirklich leid. Für uns Reisende ist die Situation natürlich ebenfalls unangenehm, aber wir können irgendwann weiterziehen – die Menschen hier müssen bleiben. Wir liefen wieder durch die Marktstände, diesmal allerdings ohne Begleitung von Bruno. Hoffentlich geht es ihm gut. Warum sehen wir ihn nicht mehr? Ist er krank geworden? Oder am Ende sogar verhungert?

    Am Busbahnhof haben wir ihn schließlich wieder gesehen! Allerdings lag er auf dem Boden und schlief tief und fest. Michael hat ihn sogar leicht angestupst, aber Bruno rührte sich nicht. Wir beschlossen, morgen noch einmal nach ihm zu schauen.

    Danach kauften wir unsere Bustickets bei einem Anbieter namens „Buses Fronteras“. Angeblich eine etablierte Firma mit halbliegenden Sitzen und Toilette an Bord. Das bestätigte uns zumindest die Verkäuferin. Preis: 200 Bolivianos pro Person.

    Ich dachte: Endlich keine Sorgen mehr wegen der Toilette.

    Spoiler: Das dachte ich nur.

    Auf dem Rückweg liefen wir erneut durch die Stadt. Auf einem Platz fand offenbar gerade eine Versammlung statt. Viele Frauen in traditioneller Kleidung sangen und tanzten im Kreis. Auf einer Bühne standen Musiker und eine Sängerin.

    Wir blieben neugierig stehen und schauten eine Weile zu. Plötzlich kam eine ältere Dame in traditioneller Kleidung auf uns zu. Zuerst drückte sie uns zwei Zettel in die Hand. Irgendetwas mit „Iglesia“, also Kirche. Vermutlich eine Art Gottesdienst oder religiöse Feier.

    Dann hakte sie sich links und rechts bei uns unter und zog uns kurzerhand in den Tanzkreis. Die Leute schienen begeistert zu sein, dass die beiden Aliens – äh, Ausländer – mitfeierten. Sofort wurde die Stimmung noch ausgelassener. Es wurde lauter gesungen, mehr getanzt und einige machten sogar Videos von uns.

    Ich fand das herrlich und machte einfach mit. Wie schlimm kann ein bisschen Singen und Tanzen schon sein?

    Für Michael zitierte zwischendurch immer spaßeshalber die Warnungen des Auswärtigen Amtes 😀. Zwischen Gesang und Musik hörte ich immer wieder Sätze wie:„Wir sollten uns von Menschenansammlungen und Demonstrationen fernhalten!“

    oder„Jetzt landen wir auf YouTube!“

    oder sogar„Wir werden bestimmt bald verhaftet!“

    Die Oma zwischen uns war dagegen überglücklich. Sie sang lautstark, tanzte voller Energie und schien den Tag ihres Lebens zu haben. Nach etwa fünf Minuten war der Tanz vorbei. Wir bedankten uns herzlich und gingen weiter.

    08.06.2026 – Heute hieß es wieder: Aufstehen um 4:30 Uhr. Wir sollten um 5:30 Uhr am Busbahnhof sein, denn die Abfahrt war für 6:00 Uhr geplant.

    Als wir dort ankamen, sahen wir Bruno wieder! Und diesmal nicht allein, sondern mit zwei weiteren Hundefreunden – lebendig, gesund und bester Laune.

    Er erkannte uns sofort wieder. Seine Freude war so groß, dass er wie verrückt herumsprang und mit dem Schwanz wedelte. Erst da fiel mir wieder auf, wie riesig er eigentlich ist. Als er sich aufrichtete, war sein Kopf fast auf meiner Höhe und er hätte mir beinahe das Gesicht abgeschleckt! Ich bekam kurz Panik und drehte mich lieber weg.

    Daraufhin sprang er zu Michael, der ihm den Kopf kraulte. Die beiden anderen Hunde ließen sich von Brunos Begeisterung anstecken und wuselten fröhlich um Michaels Beine herum. Das sah wirklich lustig aus.

    Wir waren jedenfalls sehr erleichtert, dass es Bruno gut geht. Leider rückte irgendwann der Abschied näher.

    Wir mussten zum Busunternehmen, um noch ein Formular für die Ausreise aus Bolivien auszufüllen. Dort erhielten wir dann die erste Überraschung des Tages: Heute würden wir mit einem kleinen Van fahren.

    Nichts mit halbliegenden Sitzen.

    Nichts mit Toilette. Natürlich nicht.

    Der Fahrer lud zunächst das gesamte große Gepäck aufs Dach. Danach tauchten immer mehr Passagiere auf. Mittlerweile war es schon 6:20 Uhr. Von den 16 Sitzplätzen waren bereits 14 belegt. Dann kamen plötzlich noch fünf Erwachsene und drei Kinder dazu.

    Michael meinte sofort:„Das kann doch gar nicht funktionieren!“

    Ich dachte kurz, vielleicht würden sie jetzt doch einen größeren Bus organisieren.

    Von wegen.

    Irgendwann holte der Fahrer einfach zwei kleine Hocker hervor. Eine Frau setzte sich neben den Fahrer, ihr Mann zwischen sie und die Tür. Beide hielten jeweils ein kleines Mädchen auf dem Arm. Ein weiterer Mann stand im Gang. Problem gelöst. Zumindest nach bolivianischer Definition.

    Kurz nach 6:30 Uhr setzte sich der völlig überfüllte Van mit Verspätung in Bewegung. Bis zur Grenze dauerte die Fahrt fast vier Stunden.

    An der bolivianischen Grenzkontrolle folgte dann die Pass- und Gepäckkontrolle. Wobei „Kontrolle“ vielleicht etwas übertrieben ist. Es wirkte eher wie eine feierliche Zeremonie des Koffer-Anschauens. Der Scanner funktionierte jedenfalls nicht.

    Michael meinte trocken:„Was soll man eigentlich aus Bolivien herausschmuggeln? Es gibt ja sowieso fast nichts mehr.“

    Anschließend mussten wir das Fahrzeug wechseln. Auf der Übergangsbereich zwischen zwei Länder wartete bereits ein chilenischer Van mit etwa 18 Sitzplätzen auf uns. Da der Passagier, der zuvor die ganze Strecke im Gang gestanden hatte, schon vor der Grenze ausgestiegen war, bekam nun immerhin jeder Erwachsene einen eigenen Sitzplatz.

    Danach folgte die Pass- und Gepäckkontrolle auf chilenischer Seite. Rund eine halbe Stunde später waren wir wieder in Chile.

    Gegen 16:00 Uhr erreichten wir schließlich Calama. Seit unserem Eintreffen am Busbahnhof in Uyuni waren inzwischen mehr als 10,5 Stunden vergangen.Ich war ziemlich müde.

    Morgen geht es weiter nach Cusco in Peru. Ein neues Land, neue Eindrücke und bestimmt auch neue Abenteuer warten bereits auf uns.

  • Bolivien – Potosi Corpus Christi

    04.06.2026 – Leider ging es mir heute immer noch nicht besser. Nach dem Frühstück schleppten wir uns trotzdem in die Innenstadt. Zum einen brauchte ich Medikamente gegen meine Erkältung, zum anderen wollten wir uns noch die Kathedrale anschauen.

    Auf dem Plaza 10 de Noviembre herrschte bereits am Vormittag ungewöhnlich viel Betrieb. Überall sahen wir festlich geschmückte Straßen, bunte Dekorationen und Menschen in Uniformen.

    Viele kamen offenbar gerade aus der Kirche. Daneben waren zahlreiche Besucher in traditioneller Kleidung unterwegs. Aus der Kathedrale strömten immer mehr Menschen auf den Platz. Zunächst wussten wir nicht, was los war. Kurz darauf wurde jedoch klar, dass ein großer Festumzug unmittelbar bevorstand.

    Die Straßen füllten sich zusehends, Gruppen positionierten sich entlang der Route, und überall lag diese besondere Mischung aus Vorfreude und leichter Anspannung in der Luft, die man vor großen Veranstaltungen spürt.

    Dann setzte sich der Umzug in Bewegung. Wie wir später feststellten, ist der 4. Juni ein kirchlicher Feiertag namens „Corpus Christi“ und wird mit diesem großen Aufwand nur in Potosi und 3 anderen Städten Südamerikas gefeiert. Musikkapellen marschierten durch die Straßen, begleitet von festlich gekleideten Teilnehmern. Überall wurde fotografiert, gewunken und gelacht. Wir nutzten die Gelegenheit, um den Cathedral noch von innen zu sehen.

    Danach haben wir Mercado Central besucht und etwas Bargeld gewechselt. Anschließend wollten wir noch ein Kloster besichtigen. Die Öffnungszeiten standen zwar gut sichtbar an der Eingangstür, allerdings war weit und breit kein Mitarbeiter zu sehen. Auch der Ticketschalter blieb unbesetzt. Wir warteten eine Weile vor dem Eingang. Nichts. Wir schauten noch einmal auf die Öffnungszeiten. Immer noch nichts. Offenbar hatte man beschlossen, früher Feierabend zu machen. Vermutlich waren wir die einzigen potenziellen Besucher des Tages. Schade – manchmal gewinnt in Südamerika eben die Lebensqualität gegen den Dienstplan.

    Am Abend begegneten wir dem Festumzug dann noch einmal zufällig auf dem Rückweg vom Abendessen. Und diesmal war er sogar noch beeindruckender. Zahlreiche festlich geschmückte Fahrzeuge rollten durch die Straßen. Viele waren mit silberfarbenen Ornamenten dekoriert.

    Kinder, Jugendliche und Erwachsene trugen aufwendige Kostüme und bewegten sich elegant im Rhythmus der Musik. Die traditionellen Trachten, die Farben und die Atmosphäre wirkten auf uns ausgesprochen exotisch und faszinierend. Besonders die Kinder waren unglaublich niedlich und schienen ihre Rolle im Umzug sehr ernst zu nehmen. Gleichzeitig hatten sie sichtlich Spaß daran.

    Als die Dunkelheit einsetzte, entstand eine ganz besondere Stimmung. Die Kathedrale war beleuchtet, die Musik hallte durch die Straßen, und über der Stadt spannte sich der dunkle Andenhimmel. Für einen Moment wirkte Potosí fast märchenhaft.

    Später am Abend ging Michael noch auf die Dachterrasse unseres Hotels. Von dort oben konnte er einige schöne Fotos der nächtlichen Stadt machen. Selbst der Cerro Rico zeichnete sich noch als dunkle Silhouette am Horizont ab.

    Während ich unten versuchte, meine Erkältung auszukurieren, genoss er den Ausblick. Irgendjemand musste schließlich die Fotos machen.

  • Bolivien – Potosi eine historische Bergbaustadt

    03.06.2026 – Heute ging es mir überhaupt nicht gut. Kopf-, Hals- und Schnupfenschmerzen machten mir zu schaffen. In der Nacht konnte ich kaum schlafen. Immer wieder wachte ich auf und hatte das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen. Die Kombination aus über 4.000 Metern Höhe, extrem trockener Luft und einer Erkältung kann ich wirklich niemandem empfehlen.

    Bis zum Mittag ruhte ich mich deshalb im Hotel aus. Danach raffte ich mich trotzdem auf, gemeinsam mit Michael ins Zentrum zu gehen. Vom Hotel sind es eigentlich nur fünf bis zehn Minuten zu Fuß – unter normalen Umständen also ein Katzensprung.

    Heute fühlte sich dieser Katzensprung allerdings eher wie eine Alpenüberquerung an. Zeitweise bewegte ich mich ungefähr mit der Geschwindigkeit einer 95-jährigen Oma mit zwei kaputten Hüften. Selbst ein besonders motivierter Pinguin hätte mich vermutlich überholt.

    Unser Ziel war das Nationale Münzmuseum von Potosí.

    Schon beim Betreten fiel uns auf, dass wir die einzigen ausländischen Besucher waren. Unsere Museumsführer erzählte uns, dass normalerweise rund 200 internationale Gäste pro Tag vorbeikommen würden. Offenbar hatten die aktuellen Unruhen und Straßensperren den Tourismus nahezu zum Erliegen gebracht.

    Neben uns war nur noch eine größere Gruppe von Schulkindern unterwegs. Die Kinder beobachteten uns neugierig, begrüßten uns aber ausgesprochen freundlich. Immer wieder wurde gelacht und gewunken. Ihre herzliche Art machte den Besuch sofort sympathisch.

    Das Museum selbst war sehr interessant. Das Gebäude beeindruckt nicht nur architektonisch, sondern erzählt auch die Geschichte einer Stadt, die einst zu den reichsten Orten der Welt gehörte.

    Der Reichtum kam aus dem nahegelegenen Cerro Rico, dem berühmten „reichen Berg“, der bis heute abgebaut wird. Unter dem Berg befinden sich gewaltige Silbervorkommen.

    Während der spanischen Kolonialzeit floss von hier ein großer Teil des Silbers nach Europa. Potosí wurde dadurch zu einer der wohlhabendsten Städte der Welt. Für die einheimische Bevölkerung brachte dieser Reichtum allerdings wenig Gutes. Hunderttausende Indigene und afrikanische Sklaven mussten unter grausamen Bedingungen arbeiten. Viele überlebten die Arbeit in den Minen nicht. Traurigerweise sind die Bedingungen für die Bergarbeiter auch heute noch äußerst hart. Die Arbeit ist gefährlich, staubig und gesundheitsschädlich. Zwar verdienen viele Bergleute vergleichsweise gut für bolivianische Verhältnisse, soziale Absicherung oder Krankenversicherung gibt es jedoch oft nicht. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt Berichten zufolge deutlich unter der anderer Berufsgruppen.

    Besucher können an geführten Touren durch die Minen teilnehmen und den Arbeitsalltag der Bergleute hautnah erleben. Dabei geht es durch enge, dunkle und staubige Tunnel, in denen Temperaturen von über 30 Grad herrschen können.

    Unter anderen Umständen hätten wir eine solche Tour wahrscheinlich gemacht. In meinem gesundheitlichen Zustand und mit Michaels Körpergröße erschien uns das jedoch nicht wie die beste Idee.

    Manchmal ist Vernunft eben die spannendste Reiseentscheidung.

  • Bolivien – Busfahrt von Uyuni nach Potosi

    02.06.2026 – Heute ging es mit dem Bus von Uyuni nach Potosí. Die Fahrt dauerte etwa vier Stunden und führte durch die karge, aber beeindruckende Landschaft des bolivianischen Altiplano.

    Allerdings in Uyuni neben der Straßen liegen massenhaft Müll. Der Anblick tut schon weh.

    Die Bustickets kosteten 70 Bolivianos pro Person und konnten problemlos direkt am Busterminal gekauft werden. In Bolivien weiß man derzeit allerdings nie so genau, ob Straßen und Verkehrsverbindungen am nächsten Tag noch offen sind.

    Deshalb hatten wir vorsichtshalber noch kein Hotel in Potosí gebucht. Falls wir irgendwo festgesessen hätten, wäre das zumindest kein zusätzliches Problem gewesen. Ein kleines Problem gab es allerdings: Es gab keine Toilette an Bord. Der Fahrer saß außerdem in einem vollständig abgetrennten Fahrerabteil im unteren Bereich des Busses. Selbst wenn jemand dringend eine Pause benötigt hätte, wäre es vermutlich schwierig geworden, ihm das mitzuteilen. Zum Glück hatten wir vor der Abfahrt nicht allzu viel getrunken. So vergingen die vier Stunden erstaunlich entspannt.

    Während der Fahrt stiegen immer wieder einzelne Fahrgäste mitten im Nirgendwo am Straßenrand ein oder aus. Wie sie das organisiert hatten, blieb für uns ein Rätsel. Offenbar gibt es hier ein unsichtbares Buchungssystem, das nur Einheimische verstehen. Der Bus selbst war überraschend bequem und erreichte Potosí sogar relativ pünktlich.

    Am Busbahnhof von Potosí angekommen, organisierte Michael spontan ein Hotelzimmer in der Innenstadt, etwa 2,5 Kilometer vom Terminal entfernt. Kaum hatten wir den Bus verlassen, wurden wir bereits von mehreren privaten Fahrern angesprochen. Allerdings wollten sie uns nicht innerhalb von Potosí fahren, sondern fragten, ob wir nach Sucre möchten. Das überraschte uns etwas, schließlich waren wir gerade erst angekommen. Außerdem sollten die Straßen Richtung Sucre laut den aktuellen Informationen teilweise gesperrt sein.

    Später erfuhren wir, dass die Fahrt über Umwege trotzdem irgendwie möglich war – allerdings dauerte sie statt der üblichen dreieinhalb Stunden inzwischen rund sieben Stunden. Und war somit eine gute Einnahmequelle für die Taxifahrer.

    Die Straßen rund um den Busbahnhof wirkten laut, chaotisch und voller Verkaufsstände. Dazu kam der typische Duft einer Großstadt: eine Mischung aus Abgasen, Straßenküche und Verkehr. Dann entdeckten wir ein Taxi, mit dem wir definitiv nicht fahren wollten.

    Generell hatten wir den Eindruck, dass vermutlich mindestens die Hälfte der bolivianischen Fahrzeuge bei einer deutschen Hauptuntersuchung keine fünf Minuten überleben würde. Mehrfach gerissene Frontscheiben, fehlende oder nur noch lose befestigte Stoßfänger, halb blinde oder fehlende Scheinwerfer und Karosserieteile, die eher aus Gewohnheit als aus technischer Notwendigkeit am Fahrzeug hingen, gehörten zum alltäglichen Straßenbild.

    Besonders eindrucksvoll waren jedoch die Abgaswolken mancher Fahrzeuge. Wenn ein älterer Bus oder Lastwagen vorbeifuhr, konnte man für einen kurzen Moment den Eindruck gewinnen, die lokale Nebelsaison habe begonnen. Wer gerade tief Luft holen wollte, verschob diesen Plan besser um ein paar Sekunden. Die bolivianischen Fahrzeuge schienen nach dem Motto zu funktionieren: Solange sich etwas bewegt, ist es noch nicht kaputt.

    Andere offizielle Taxis konnten wir nicht finden. Also blieb nur eine Alternative: laufen. Das klingt zunächst harmlos. Bis man bedenkt, dass Potosí auf über 4.000 Metern Höhe liegt und wir Rucksäcke mit 16 beziehungsweise 23 Kilogramm auf dem Rücken trugen. Die Straßen führten gefühlt ausschließlich bergauf. Nach wenigen Minuten wurde klar, dass die Höhenluft keine Witze macht. Jeder Anstieg fühlte sich an, als hätte jemand heimlich die Schwerkraft erhöht.

    Hinzu kam meine beginnende Erkältung. Nach etwa einer halben Stunde Fußmarsch war ich komplett erledigt und froh, als wir endlich unser Hotel erreichten.

    Nachdem wir eingecheckt hatten, machten wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem. In der Innenstadt fanden wir tatsächlich noch ein kleines Restaurant, das geöffnet hatte. Dort probierte ich K’alapurka, eine traditionelle Suppe aus dem bolivianischen Altiplano.

    Die riesige Portion kostete gerade einmal 35 Bolivianos – umgerechnet etwa vier Euro. Zubereitet wird die Suppe aus Maismehl, Kartoffeln, Fleisch und Gewürzen. Das Besondere ist jedoch die Art des Servierens: In die Schüssel wird ein glühend heißer Vulkanstein gelegt, der die Suppe bis zum letzten Löffel kochend heiß hält. Vor meinen Augen begann die Suppe zu blubbern und zu sprudeln wie ein kleiner Vulkan. Gelegentlich schoss sogar eine heiße Fontäne über den Schüsselrand. Wer beim Essen Wert auf saubere Kleidung legt, sollte vorsichtshalber etwas Abstand halten.

    Für das kalte Hochlandklima war die Suppe allerdings perfekt – und für meine Erkältung vermutlich genau die richtige Medizin.