15.06.2026 – Auf in die heilige Stätte mit Deluxe-Anreise
Nach dem Frühstück packten wir unser Gepäck zusammen und machten uns auf den Weg zum Bahnhof. Ziel: Machu Picchu. Einer dieser Orte, die man schon so oft auf Fotos gesehen hat, dass man fast erwartet, sie würden beim Ankommen ein bisschen „offline“ wirken – tun sie aber nicht.
Es gibt mehrere Wege zur berühmtesten Ruine Perus. Die eine Variante führt von Nordwesten mit Bus oder Sammeltaxi bis Hidroelectrica, etwa 10 km vor Machu Picchu Pueblo (auch Aguas Calientes genannt). Von dort geht’s dann zu Fuß entlang der Bahngleise weiter. Eine weitere Variante führt über eine mehrtätige Tour auf dem Inka-Trail nach Machu Picchu.
Wir wählten die bequemere und leicht dekadente Variante über Ollantaytambo. Dorthin brachte uns ja zunächst der Bus aus Cusco. Und ab dort wurde es interessant: Weil es keine Straße weiter gibt, bleibt nur der Zug – und wir entschieden uns für die „Deluxe-Version“. Panoramafenster, Snacks, Pisco Sour, Live-Musik und eine Tanzshow, bei der man kurz vergisst, dass man eigentlich gerade auf dem Weg zu einer der bekanntesten Ruinen der Welt ist und nicht auf einer sehr entspannten Kreuzfahrt auf Schienen.



In Aguas Calientes, wo es aufgrund der Lage deutlich über 20 Grad und damit etwa 10 Grad wärmer als in Cusco war, angekommen wurde schnell klar: Der Ort lebt und atmet Tourismus. Oder besser gesagt: Er besteht zu etwa 80 % daraus. Hotels, Restaurants und Souvenirshops dominieren das Bild, dazwischen ein paar Wohnhäuser für Menschen, die hier tatsächlich arbeiten. Überall Inka-Statuen, „authentische“ Dekorationen und das Gefühl, dass das Thema Machu Picchu hier bis zum letzten Magneten ausgeschlachtet wird.

Wir erkundeten den Ort kurz und kümmerten uns dann um die Eintrittskarten für Machu Picchu. Insgesamt gibt es 10 verschiedene Routen auf unterschiedlichen Ebenen. Route 3B – der Gipfelblick – ist aktuell wegen Renovierung gesperrt. Treppen und Geländer bekommen offenbar ein Upgrade.
Online sollte man idealerweise mindestens einen Monat im Voraus buchen. Unser Test Anfang Juni zeigte: alles erst wieder ab Juli verfügbar. Es gibt aber ein kleines Kontingent für spontane Käufer am Vortag vor Ort – vorausgesetzt, man steht früh genug auf oder hat Glück im richtigen Moment.

Wir entschieden uns für Route 2A, die klassische Variante mit den besten Blicken auf die Anlage. Preis: etwa 40 € pro Person. Zeitfenster gibt es stündlich von 6 bis 15 Uhr. Vor dem Ticketbüro warteten schon zahlreiche Guides, die ihre Dienste anboten – freundlich, aber sehr ausdauernd. Wir entschieden uns für die Eigenregie-Version: Internet lesen, anschauen, selbst entdecken.
Dann die große Frage: zu Fuß hoch oder Bus? Nach kurzer innerer Debatte fiel die Entscheidung auf die pragmatische Variante: erst mal Bus, den Rest sehen wir oben.
16.06.2026 – Regenponcho-Industrie trifft Weltwunder
Unser Eintritt war für 13 Uhr gebucht, also machten wir uns kurz vor 12 auf den Weg zur Bushaltestelle. Dort erwartete uns bereits eine beeindruckende Schlange – offenbar hatte halb Aguas Calientes denselben Plan.

Während wir warteten, begann es leicht zu regnen. Für die Straßenverkäufer der perfekte Moment: Regenponchos wurden quasi im Akkord angeboten. Wir blieben gelassen – Regenjacke sei Dank. Ein kleiner Sieg der Vorbereitung über den spontanen Touristenkauf.
Die Busse fahren etwa alle 5 Minuten, und tatsächlich ging es relativ zügig voran. Kurz vor 12:30 Uhr saßen wir im Bus, der sich die engen Serpentinen hinaufkämpfte. Nach etwa 30 Minuten erreichten wir pünktlich um 13 Uhr den Eingang zu Machu Picchu.
Nach der Eingangskontrolle waren wir wenige Minuten später mitten drin. Erste Terrassen, erste Ausblicke – und plötzlich dieses Gefühl: Ja, das ist wirklich dieser Ort.

Der Regen hatte sich inzwischen verzogen, und sogar etwas Sonne kämpfte sich durch die Wolken. Perfektes Timing für einen der spektakulärsten Orte der Welt.

Da wir uns zuvor bereits Videos zur Geschichte angesehen hatten, war es umso beeindruckender zu sehen, wie gut die Anlage heute erhalten ist. Bei ihrer „Wiederentdeckung“ vor über 100 Jahren durch Hiram Bingham war sie komplett vom Dschungel überwuchert. Wahrscheinlich wussten Einheimische und andere Forscher längst davon – aber Bingham machte sie schließlich weltweit bekannt, indem er sie freilegen ließ und in Zeitungen Berichte daüber veröffentlichte.


Heute präsentiert sich die Anlage erstaunlich gut restauriert. Wir wanderten durch Wohnhäuser, Speicher, Tempel und Terrassen – unterbrochen von den unvermeidlichen Fotostopps (die hier einfach physikalisch nicht vermeidbar sind).

Besonders spannend: die sogenannten Wasserspiegel. Zwei kleine, präzise in Stein gehauene Wasserbecken, die die Inka vermutlich als reflektierende Flächen für astronomische Beobachtungen und rituelle Deutungen nutzten.

Ein weiteres Highlight war der Sonnentempel (Templo del Sol) – ein halbkreisförmiger Bau, der dem Sonnengott Inti gewidmet war. Die Fenster sind exakt ausgerichtet und dienten vermutlich zur Beobachtung der Sonnenwenden. Darunter befindet sich eine königliche Grabkammer. Die Inka nutzten insgesamt astronomische Beobachtungen, um landwirtschaftliche Zyklen wie Aussaat und Ernte zu bestimmen.

Wir hatten Glück: Unser Zeitfenster war angenehm ruhig. Erst gegen Ende unseres rund 2,5-stündigen Rundgangs wurde es auf den unteren Terrassen nahe des Eingng deutlich voller.
Der Rückweg? Natürlich zu Fuß. Der Abstieg über steile Treppen war die sportliche Kür des Tages. „Steil“ ist relativ – im Vergleich zur Chinesischen Mauer war das hier fast ein Warm-up. Allerdings gab es eine Stelle, die selbst erfahrene Knie kurz nachdenklich machte: eine typische Inka-Treppe, bestehend aus vorspringenden Steinen in einer Mauer. Minimalismus auf Peruanisch – mit eingebautem Respektprogramm.




Nach etwa 40 Minuten Abstieg folgten noch rund 20 Minuten zurück durchs Tal nach Aguas Calientes.
18.06.2026 – Mandor-Wasserfall und zufällige Wiedersehen im Dschungel
Den Tag gestern nutzten wir zur Regeneration, weiteren Reiseplanung und einem Spaziergang durch die Stadt, wo wir ein paar obligatorische Bilder mit Paddington machten. Paddington ist hier fast so allgegenwärtig wie die Inka.

Heute stand dann eine „kleine Wanderung“ auf dem Programm. Ziel: der Mandor-Wasserfall in einem privaten Schutzgebiet mit botanischem Garten. Der Weg begann unspektakulär entlang der Bahngleise Richtung Hidroelectrica, einem Wasserkraftwerk.

Nach etwa halber Strecke dann eine Überraschung mitten auf den Schienen: Wir trafen Ashley, eine Amerikanerin, mit der wir bereits die Jeep-Tour zur Salar de Uyuni in Bolivien gemacht hatten. Die Welt ist offenbar kleiner als die Anden. Ashley war offenbar mit einer kleinen Gruppe unterwegs, die den 10 Kilometer langen Fußweg von Hidroelectrica nach Machu Picchu Pueblo machte – ein klassischer Backpacker-Transit mit Gleisen, losem Gestein und kleinen Brücken.
Wir setzten unseren Weg fort und erreichten den Eingang des Schutzgebiets, wo 20 Sol pro Person Eintritt fällig waren. Danach ging es zunächst etwa 30 Minuten bergauf durch den peruanischen Nebelwald zu einem Aussichtspunkt. Von dort hatten wir einen völlig neuen Blick auf Machu Picchu – diesmal aus der Ferne und fast versteckt zwischen den Bergen.

Unterwegs begleiteten uns Schmetterlinge, Vögel und dieses Gefühl, dass der Dschungel permanent leise „lebt“.

Zurück auf dem Hauptweg folgten kleine Holzbrücken, ein Bachlauf und schließlich der Mandor-Wasserfall: etwa 10 Meter hoch, eingebettet in dichten Dschungel, der in ein kleines Naturbecken mündet. Von dort fließt das Wasser weiter in den Urubamba-Fluss, der sich durch das gesamte Heilige Tal zieht.



Baden wäre theoretisch möglich gewesen – praktisch war das Becken eher klein, flach und das Wasser irgendwo im „alpiner Eisschock“-Temperaturbereich. Also blieb es bei Fotos und dem stillen Respekt vor sehr kaltem Wasser. Nach rund 5 Stunden waren wir zurück im Hotel.
Morgen geht es nach dem Frühstück mit dem Zug zurück nach Ollantaytambo und weiter per Taxi oder Kleinbus nach Cusco – zurück aus der Welt der Inka, Ponchos und Panoramazüge.


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