Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, sind wir von Brisbane nach Queenstown geflogen. Die Zeitverschiebung beträgt drei Stunden zu Queensland und ganze zwölf Stunden zu Deutschland. Kurz gesagt: Wir sind jetzt ziemlich exakt auf der anderen Seite der Weltkugel angekommen.
Kaum aus dem Flugzeug ausgestiegen, begrüßen uns kühle Luft, leichter Nieselregen, grauer Himmel und ein beeindruckendes Bergpanorama. Unser erster Gedanke: Moment … sind wir wieder zuhause gelandet? Oder vielleicht doch in Österreich?
Am Flughafen haben wir gleich zwei Bee Cards für den ortlichen ÖPNV gekauft (15 $ inklusive 10 $ Guthaben) und sind mit dem öffentlichen Bus etwa 20 Minuten in die Stadt gefahren. Diie Fahrten mit der Karte sind nämlich wesentlich günstger als Kreditkarten- oder Bargeldzahlungen. Nach dem Einchecken im Hotel ging es direkt ins Zentrum zum Abendessen. Natürlich etwas Typisches: Fish & Chips (hier „Blue & Gold“) und eine saftige Lammhaxe. Dazu 2 Pint (Pint = ca. eine halbe Maß) Ginger Beer.
Fazit: sehr lecker – der Jetlag war zumindest für eine Stunde vergessen.




Tag 2 – Sonne wie bestellt
Heute scheint tatsächlich die Sonne, als hätten wir sie extra bestellt. Wir machen eine Wanderung auf Bob’s Peak, einen der umliegenden Berge. Die meisten Touristen nehmen hier bequem die Gondel und lassen sich rund 480 Meter nach oben tragen.
Oben gibt es eine ganze Palette an Aktivitäten: Paragliding, Mountain Downhill, „The Luge“ (eine Art Sommerrodelbahn)und eine Zipline mit bis zu sechs Abschnitten durch den Wald. Wir haben uns natürlich für die klassische Variante entschieden: zu Fuß hoch.
Nach etwa 1,5 Stunden erreichen wir die Bergstation. Oben erwartet uns ein gigantischer Ausblick – allerdings auch mit ordentlich Wind und deutlich kälteren Temperaturen. Der große blaue See liegt wie ein Spiegel zwischen den Bergen, und Queenstown wirkt wie ein funkelndes Juwel am Wasser.
Es hat etwas unglaublich Beruhigendes, einfach dort zu stehen und diese Landschaft in Ruhe zu genießen.



Später machen wir noch einen gemütlichen Spaziergang von Queenstown Bay Beach bis zur nahegelegenen Halbinsel.

Dort liegen mitten im Grünen zahlreiche öffentliche Einrichtungen: Disc Golf, Skatepark, Eishalle, Bowlingclub und Tennisanlagen.
Queenstown ist wirklich ein Paradies für Menschen, die gerne draußen unterwegs sind.



Tag 3 – Fotostopp alle fünf Meter
Heute sind wir mit dem Wassertaxi – praktischerweise ebenfalls mit der Bee Card nutzbar – bis zum Frankton Arm gefahren. Dort gibt es einen historischen Damm, von dem aus man die Lake Willow Islets von der anderen Seite bewundern kann.


Ich kann inzwischen einfach nicht mehr aufhören zu fotografieren. Wirklich. Mein Handy hat vermutlich schon mehr Landschaftsbilder als Speicherplatz.



Nach etwa einer Stunde sind wir wieder zurückgefahren. Da der Tag noch jung war, sind wir anschließend noch den Sunshine Bay Track gelaufen. Der Name passt perfekt: Sonne, See, Berge – Postkartenmotiv an jeder Ecke. Heute wieder locker über 20.000 Schritte. Ich klopfe mir selbst anerkennend auf die Schulter.


Tag 4 – Adrenalin (zumindest für andere)
Heute ging es wieder zum Flughafen – diesmal allerdings, um unseren Mietwagen abzuholen. Danach sind wir zur berühmten Kawarau Bridge gefahren.
Dort befindet sich seit 1988 der erste kommerzielle Bungee-Sprungplatz der Welt, betrieben von AJ Hackett. Übrigens wurde Bungee Jumping genau hier erfunden. Die Brücke ist etwa 43 Meter hoch, darunter fließt ein spektakulär türkisblauer Fluss. Allein die Landschaft ist schon sehenswert.

Unten im Wasser sehe ich plötzlich ein Kajak, das geschickt durch die Strömung manövriert. Kurz vor den Felsen – zack – Drehung, fast 180 Grad, und weiter geht’s. Spaß hat der Paddler auf jeden Fall.

Oben auf der Brücke stehen inzwischen mutige junge Leute mit Gurt und Seil. Daneben eine große Menge Zuschauer, die jubeln, klatschen oder laut schreien – als würden sie gleich selbst springen.
Ein junger Mann steht oben, schaut nach unten… und verschwindet nach fünf Minuten wieder. Entscheidung vertagt. Verständlich.
Dann kommt eine junge Asiatin. Die Zuschauer klatschen und rufen, um ihr Mut zu machen. Nach ein paar Minuten sammelt sie all ihren Mut – und springt!
Alle schreien. Sie schreit noch lauter. Kopf voran schwingt sie mehrere Male über dem Fluss hin und her, bevor sie schließlich unten sicher ins Boot gezogen wird. Große Erleichterung und Applaus.
Nebenan laufen Fly Fox und Swing ebenfalls auf Hochtouren. Die Mischung aus Aufregung, Nervenkitzel und Adrenalin liegt förmlich in der Luft.
Ich habe auch kurz darüber nachgedacht.
Wirklich nur kurz.
Dann habe ich mich für die komfortable Zuschauer-Variante entschieden. Mein Leben ist auch ohne einen 43-Meter-Sturz aufregend genug.
Nächster Stopp: Glenorchy
In Glenorchy haben wir uns zuerst den kleinen Hafen angeschaut. Besonders bekannt ist dort das „Red Shed“, ein rotes Bootshaus am Kai – vermutlich das meistfotografierte Motiv der Gegend.
Im Inneren des historischen Schuppens gibt es Informationstafeln über die Dampfschifffahrt auf dem See und sogar über die einst kürzeste Eisenbahnstrecke Neuseelands.
Danach sind wir etwa 1,5 Stunden den Glenorchy Lagoon Scenic Walkway entlang gewandert. Holzstege führen durch eine Moorlandschaft – sehr ruhig, fast ein wenig mystisch.



Es erinnert mich ein bisschen an den Brettelsweg bei Steingaden. Nur sind die Berge im Allgäu deutlich grüner und saftiger. Hier dominieren eher braune und dunkle Farbtöne in verschiedenen Höhenstufen.
Egal ob vom Berg, vom Seeufer oder mitten auf der Fähre – die Landschaft rund um Queenstown ist unglaublich schön. Aber sie ist nicht völlig einzigartig.
Ich musste oft an unsere schöne Allgäuer Landschaft und an viele Wanderungen in den Alpen denken. Man merkt: Die Welt ist groß und wunderschön – aber zuhause ist es eben auch ziemlich schön. Ein kleines bisschen Heimweh kommt da schon auf. Oh man.

Heute geht es weiter nach Te Anau
Die Landschaft wirkt hier wie eine Mischung aus Australien und Österreich: wilde Natur, Berge, Seen – nur mit deutlich mehr Schafen.
Und leider auch mit einigen überfahrenen Tieren am Straßenrand. Vermutlich viele Possums oder Hermeline welche als invasive Arten vor über 100 Jahren für die Pelzindustrie aus Australien eingeschleppt wurden. Heute werden diese eher als Schädlinge gesehen welche für die Dezimierung von einheimischen Pflanzen und Vögeln verantwortlich sind.

Im kostenlosen „Te Anau Bird Sanctuary“ haben wir mehere Takahe, eine besondere flugunfähige Vogelart in Neuseeland, gesehen. Dazu noch mehrere einheimische Enten unķd Antipodensittiche.



In der Nähe von Te Anau gibt es den Kepler Trail, der 68 Kilometer über die Berge führt. Es soll eine sehr schöne Wanderung über 2 oder 3 Tage sein. Auf dem Weg gibt es mehrere Hütten mit Übernachtungsmöglichkeiten. Wir hatten leider nicht so viel Zeit und entschieden uns für die 3 Stunden Variante. Wir kamen uns vor wie im Urwald zu Dinosaurier-Zeiten. Überall alte Bäume, drum herum Moose und riesige Farne. Mittendrin plätscherten ein paar Bäche. Es kam ein bisschen Jurassic Park Stimmung auf, nur ohne Dinos. Dafür soll es hier Kiwis geben. Nein, nicht die Früchte aus dem Supermarkt oder vom vom Obsthändler, sondern das inoffizielle Nationalsymbol von Neuseeland, ein ca. 35 – 60 cm großer flugunfähiger Vogel. Aber leider ist der nur Nachtaktiv und sehr scheu. Also gab es heute leider kein Foto für uns.


Reise-Lektionen bisher:
Hotels oder Wohnmobile in Neuseeland unbedingt frühzeitig, mindestens 1 Monat im Voraus, buchen. Unterkünfte sind oft teuer – und manchmal mit Gemeinschaftsbad. Grund: Es gibt hier deutlich mehr Touristen als Einwohner, was sich auf die Verfügbarkeit von Unterkünften und Wohnmobilen auswirkt.

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