21.03.2026 – Heute haben wir am Flughafen Christchurch unseren Mietwagen abgeholt und sind über 5 Stunden bis zum Franz-Josef-Gletscher gefahren – natürlich über den berühmten Arthur’s Pass. Klingt schon abenteuerlich, oder? War es auch.
Unterwegs haben wir hier und da bei ein paar Sehenswürdigkeiten angehalten (aka: „Oh, schon wieder schön, wir müssen anhalten!“).

Die Landschaft: grüne Berge, bedeckt mit Tannen, darüber weiße Wolken wie Zuckerwatte. Saftige Wiesen mit Kuhherden, blaue Seen und Flüsse mit steinigen Flussbetten. Michael meinte irgendwann, wir könnten auch durchs Allgäu fahren. Stimmt… fast. Der kleine Unterschied: zwischendurch stehen Pflanzen rum, die aussehen wie Palmen, und es gibt ungefähr 1000x mehr Schafe als Menschen.

Etwa 150 km vor dem Ziel haben wir einen jungen Backpacker aus England eingesammelt, der per Anhalter unterwegs war. Ein ganz junges Gesicht (fast wie mein Sohn), dazu unschuldig blaue Augen – man wollte ihm sofort eine warme Suppe und einen Schal geben. Er reist seit einem Monat alleine durch die Gegend, macht viele Wanderungen und übernachtet oft in der Wildnis. Sehr mutig… oder leicht verrückt – die Grenze ist fließend.
Wir haben ihn bis Franz Josef mitgenommen, den Rest bis nach Haast an der Westküste musste er sich wieder zusammen stoppen (per Anhalter natürlich). Ich wünsche ihm auf jeden Fall viel Glück – und gute Nerven.
Am Abend sind wir noch in einen Wald in der Nähe unserer Unterkunft gegangen, um Glühwürmchen zu sehen. Etwa 40 Minuten nach Sonnenuntergang ging’s los – in einen ziemlich dunklen Wald. Am Anfang tasten wir uns noch vorsichtig vorwärts („Wo ist der Weg? Bin ich noch auf dem Weg?“), aber nach ein paar Minuten gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit.
Und dann: überall kleine leuchtende Punkte. Wie kleine Geister. Oder wie ganz viele Augen, die einen beobachten… leicht gruselig, wenn man zu lange darüber nachdenkt. An einer Stelle – vermutlich an einer großen umgefallenen Baumwurzel – waren besonders viele davon. Es sah aus wie ein kleiner Sternenhimmel mitten im Wald.
Die Idee hatten leider auch andere. Immer wieder begegneten wir Menschen im Dunkeln. Man hört sie kommen, sieht nur Schatten, murmelt ein „Hallo“ und läuft weiter. Ein bisschen wie in einem sehr ruhigen Horrorfilm… nur ohne Opfer. Hoffentlich. Manche leuteten auch wie wild mit ihren Handyleuchten durch die Gegend und konnten vor lauter Licht die Glühwürmchen gar nicht sehen.
22.03.2026 – Heute stand der Roberts Point Trail auf dem Programm. Traumhaftes Wetter: Sonne, 19 Grad – perfektes Wanderwetter. Also perfekt… bis man merkt, worauf man sich eingelassen hat.
Am Parkplatz mussten wir erstmal 20 Dollar für ein Tagesticket bezahlen – natürlich nur Kartenzahlung. Willkommen in der Wildnis, aber bitte kontaktlos.
Nach kurzer Zeit kamen wir an einen wunderschönen See, der die Landschaft spiegelte – fast zu schön für ein echtes Foto (Filter unnötig).

Nach etwa 10 Minuten dann die erste Hängebrücke. Maximal 5 Personen gleichzeitig. Wackelig ist gar kein Ausdruck. Wer Höhenangst hat, sollte spätestens hier über sein Leben nachdenken.

Die Aussicht war dafür grandios: Wasser fließt durch steinige Flussbetten, in der Sonne leuchtet es blau, im Schatten eher milchig-grau.

Der Weg wurde zunehmend anspruchsvoller: kleine Bäche überqueren, rutschige Steine, überall Wurzeln und Blätter – ein natürlicher Hindernisparcours. Zwei weitere Hängebrücken später und mehrere Stellen, an denen ich mit Händen und Füßen klettern musste, war klar: Das ist kein Spaziergang.



Nach meinem Skiunfall vor einem Jahr (beide Beine gebrochen – ja, wirklich beide!) war das bisher die anspruchsvollste Wanderung. Dank meiner guten Wanderschuhe und Michaels Hilfe bin ich immerhin nicht abgestürzt – was ich persönlich als großen Erfolg verbuche.
Immer wieder begegneten wir anderen Wanderern, an engen Stellen musste man warten und sich irgendwie aneinander vorbeischieben. Ein besonderer Engpass war ein 50 Meter langer Steg der an der steilen Felswand befestigt war. Hier musste definitiv einer bei Gegenverkehr zurückgehen … oder über das Geländer nach außen klettern 😉 Über uns flog alle 10 Minuten ein Hubschrauber vorbei – vermutlich mit Leuten, die sich denken: „Wandern? Ach nee…“


Nach 3 Stunden voller Konzentration, Anstrengung und die 600 Höhenmeter nicht zu vergessen, erreichten wir endlich die Aussichtsplattform. Von dort aus sieht man den Franz-Josef-Gletscher – etwa 3 km entfernt. Leider war ich etwas enttäuscht: Das Eis hat sich seit ca. 2008 stark zurückgezogen und wirkt ziemlich grau und staubig. Nicht ganz das Postkartenmotiv, das man erwartet. Früher reichte die Gletscherzunge noch bis zum Regenwald im Tal und man konnte auf Wanderwegen direkt bis an oder auf den Gletscher gehen. Heute liegt die Gletscherzunge nicht mehr im Tal sondern oben auf dem Steilhang und ist nicht mehr per Fuss zu erreichen.

Dafür gab es gegenüber einen hohen, wenn auch schmalen Wasserfall – der hat einiges wieder gut gemacht.

Nach einer kurzen Brotzeit ging es wieder runter. Insgesamt waren wir 6 Stunden unterwegs, 12,5 km. Ergebnis: Meine Beine und Füße fühlten sich an, als hätten sie ihren eigenen Kündigungsbrief geschrieben.
23.03.2026- Highlight des Tages: Hubschrauberflug über die Fox- und Franz-Josef-Gletscher
Heute um 9:00 Uhr ging’s los – keine Wolken, strahlender Sonnenschein, angenehme 20 Grad. Besser hätte das Wetter für einen Helikopterflug wirklich nicht sein können. Und angeblich ist das auch die einzige Möglichkeit, diese Gletscher wirklich zu erreichen – also kein Druck 😄
Nach der Anmeldung kam direkt der spannende Teil: Wiegen. Ja, wirklich. Über 120 kg sollte man besser nicht mitbringen – sonst bleibt man vermutlich am Boden und darf nur winken. Zum Glück bestanden wir alle den „Check“ und bekamen unsere Armbänder wie bei einem exklusiven Event. Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung (und ein bisschen Smalltalk zur Beruhigung der Nerven) standen wir schon bereit. Sechs Personen passen rein, wir waren zu fünft – also fast eine Privatvorstellung. Das Bodenpersonal erzählte uns nebenbei, dass es hier vier Anbieter mit jeweils etwa sieben Hubschraubern gibt. Heißt: Wenn viel los ist, könnte es hier aussehen wie auf einem kleinen Flughafen mitten in den Bergen.
Nach etwa zehn Minuten meinte einer ganz entspannt: „Da kommt euer Hubschrauber.“ Ich: sehe nichts. Höre nur ein leises Brummen. Alle starren in den Himmel wie bei einer UFO-Sichtung – und tatsächlich: ein winziger Punkt, der schnell größer und deutlich lauter wird. Und plötzlich steht das Ding einfach 20 Meter vor uns. Ziemlich beeindruckender Auftritt.

Dann ging’s los: Flug Richtung Mount Cook und Mount Tasman. Schon allein der Flug war ein Highlight. Aber die Landung auf dem Fox-Gletscher? Noch mal eine ganz andere Liga.
Oben standen schon zwei andere Hubschrauber, die aus der Luft wie Spielzeug aussahen. Die Landschaft bzw. der Gletscher ist so riesig, dass selbst Menschen und Maschinen plötzlich eher in die Kategorie „Ameise“ fallen.

Nach der Landung durften wir aussteigen und ein bisschen Gletscherluft schnuppern – allerdings streng geregelt: nur vor dem Hubschrauber und maximal 30 Meter Entfernung. Vermutlich, damit keiner spontan beschließt, allein Richtung Antarktis weiterzuwandern. Die Umgebung: einfach nur wow. Berge, Schnee, alles glitzert – wie eine Mischung aus Postkarte und Windows-Hintergrundbild, nur in echt.
Fotos durften natürlich auch nicht fehlen – inklusive Selfie mit dem Piloten (der vermutlich jeden Tag solche glücklichen Touristen sieht). Er hat sogar von allen Fotos gemacht, die man später kaufen kann – cleveres Geschäftsmodell.
Nach etwa zehn Minuten hieß es wieder einsteigen, und wir hoben erneut ab. Weiter ging’s Richtung Norden über den Franz-Josef-Gletscher. Den hatten wir gestern noch von unten gesehen – wo ich war leicht enttäuscht war. Aber von oben? Komplett anderes Level. Riesig, beeindruckend, viel mehr Eis und Schnee als gedacht – und er zieht sich ewig durch die Landschaft. Ich war richtig froh, ihn noch aus dieser Perspektive erleben zu können. Manchmal muss man einfach die Perspektive wechseln (im wahrsten Sinne des Wortes).

Nach rund 40 Minuten landeten wir wieder sicher im Tal.
Fazit: Hat nicht nur Spaß gemacht – war ziemlich sicher eines der coolsten Erlebnisse der Reise. 🚁






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